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Full text of "Grundzüge und Chrestomathie der Papyruskunde"

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BKIGHAM , RSnT 

PROVO, UTAH 



L. MITTEIS UND U. WILCKEN 
GRUNDZÜGE UND CHRESTOMATHIE DER PAPYRUSKUNDE 



• 0-1 

i GRUNDZÜGE UND 
CHRESTOMATHIE DER 
PAPYRUSKUNDE 

VON 

L. MITTEIS und U.WILCKEN 



ERSTER BAND: HISTORISCHER TEIL 
ERSTE HÄLFTE: GRUNDZÜGE 

VON 

ULRICH WILCKEN 



o 



1963 

GEORG OLMS VERLAGSBUCHHANDLUNG 
HILDESHEIM 



Mit Genehmigung des Verlages B. G. Teubner, Stuttgart, 
veranstalteter Nachdruck der 1. Auflage Leipzig 1912 



Printed in Germany 
Herstellung: Druckerei Lokay, Reinheim 



THE LIEHARY 
DRIGHAM YOUrtG üNIVERSlH 



-r im 1 TT 



. VORWORT. 

Dem von mir gearbeiteten historischen Teil des mit Mitteis gemein- 
sam herausgegebenen Werkes habe ich nur wenige Worte vorauszu- 
schicken. Was ich hier darbiete, ist ein erster Versuch, die bisherigen 
Ergebnisse der Papyrusforschung, soweit sie nicht in das Gebiet der Rechts- 
geschichte fallen, zusammenzufassen, um das Einarbeiten in diesen neuen 
Wissenszweig zu erleichtern. Es gibt bisher so wenige Philologen und 
Historiker, die sich mit diesem Teile der antiken Tradition eingehender be- 
schäftigt haben, daß bei dem beständigen Anwachsen des Materials ein 
gedeihlicher Fortschritt geradezu abhängig ist von der Gewinnung neuer 
Arbeitskräfte. So will das Buch vor allem der jungen Disziplin neue 
Jünger werben! 

Da die Forschung bisher immer nur an einzelnen, oft weit vonein- 
ander liegenden Punkten eingesetzt hat, so würde ein bloßes Zusammen- 
stellen der bisherigen Forschungsresultate nur ein Stückwerk ergeben 
haben. Ich habe daher versucht, in großen Zügen ein Bild der Entwick- 
lung zu zeichnen und jene Resultate in dieses Bild einzufügen. So mußte 
oft auf die toten Strecken hingewiesen werden, die von der Forschung 
noch nicht berührt worden sind. Indem das Buch somit auch auf die Pro- 
bleme hinweist, die mit Hilfe der Papyri noch zu bearbeiten sind, will es 
zugleich anregen zu neuen Forschungen! 

Als vor noch nicht einem Jahre der Druck begann, hatte ich nach 
mehrjährigen Vorarbeiten etwa die Hälfte der Grundzüge geschrieben, von 
der Chrestomathie aber im einzelnen noch kaum etwas ausgeführt. Es 
war ein hartes Jahr, in dem ich neben den akademischen Pflichten zu- 
gleich mit dem Druck meine Grundzüge vollendete und die Chrestomathie 
herstellte. Daß gewisse Ungleichheiten bei dieser Arbeitsweise unvermeid- 
lich waren, wird eine billige Kritik nicht verkennen. Einige Versehen 
konnten noch in den „Nachträgen und Berichtigungen", auf die der Leser 
nachdrücklich hingewiesen sei, beseitigt werden. 

Die Grundzüge und die Chrestomathie wollen miteinander gelesen 
und verarbeitet werden. Sie ergänzen sich gegenseitig. In den Grundzügen 
sind die allgemeineren historischen Ergebnisse der Texte zur Darstellung 
gekommen, während die Besprechung der Details, eventuell auch der sich 
an sie anschließenden Kontroversen, in die Einleitungen oder die Fußnoten 
der Chrestomathie verwiesen ist. Diese Einleitungen verfolgen den Zweck, 



IV Vorwort. 

dem Fernerstehenden durch eine möglichst kurze Skizzierung dessen, was 
mir nach meiner Auffassung des Textes als wesentlich und besonders lehr- 
reich erscheint, das Verständnis der Urkunden zu erleichtern. Man versäume 
nicht, die an der Spitze der Texte aufgeführte Literatur heranzuziehen. 

In der Auswahl der Texte für die Chrestomathie fühlte ich mich ge- 
bunden gegenüber denjenigen Urkunden, die ich demnächst in den „Ur- 
kunden der Ptolemäerzeit" (UPZ) neu herausgeben werde. Mit Rücksicht 
auf diese vom Preußischen Kultusministerium und der Berliner Akademie 
unterstützte Neuausgabe der älteren (etwa bis zum Erscheinen der Petrie 
Papyri reichenden) Editionen habe ich in dem vorliegenden Werk, so weit 
es irgend möglich war, von der Benutzung der für jene Sammlung vor- 
bereiteten Texte Abstand genommen und ich danke Ludwig Mitteis, daß 
auch er in seinem juristischen Teil nach Möglichkeit auf diese meine 
Zwangslage Rücksicht genommen hat. 

Die schon veröffentlichten Textkorrekturen sind, soweit sie mir be- 
kannt waren, in die Texte der Chrestomathie aufgenommen worden. Gewiß 
wird mir bei der Unübersichtlichkeit der kritischen Literatur manches 
entgangen sein. Für freundliche Nachweise übersehener Lesungen oder 
Emendationen werde ich im Interesse einer eventuellen Neuauflage sehr 
dankbar sein. Die Autoren der aufgenommenen Korrekturen und die 
Publikationsstellen sind an der Spitze der Texte namhaft gemacht worden. 
Von einer Wiederholung des Namens zu jeder einzelnen Korrektur ist ab- 
gesehen worden, dagegen sind die noch unveröffentlichten Korrekturen durch 
Nennung des Autors in den Fußnoten als neue gekennzeichnet worden. 

Hätte ich die in den Paragraphen der „Einleitung" behandelten The- 
mata mit allem Detail darstellen wollen, so wäre leicht ein eigener kleiner 
Band entstanden. Ich habe mich bemüht, nur das Wesentliche und dies 
in größter Kürze zu geben. 

Zum Schluß spreche ich denjenigen, die mir durch Revision von 
Originalen oder sonstige Auskünfte freundlichst geholfen haben, meinen 
herzlichen Dank aus. Vor allem habe ich W. Schub art zu danken, der 
unermüdlich meine zahlreichen Anfragen beantwortet hat. H. J. Bell und 
Seymour de Ricci danke ich vielmals für freundliche Auskünfte über 
Londoner und Pariser Texte. Besonderer Dank sei Zereteli dafür gesagt, 
daß er uns seine Revisionen von Wiener Papyri (CPR) für unsere Chresto- 
mathien freundlichst überlassen hat. Auch A. S. Hunt und L. Wenger 
habe ich zu danken, die mir durch Zustellung von Korrekturbogen er- 
möglichten, einige Texte, die jetzt eben erst erschienen sind, in die Chresto- 
mathie aufzunehmen. 

Arosa, den 16. August 1911. 

ULRICH WILCKEN. 



INHALTSVERZEICHNIS. 



Seite 

Vorwort III 

Inhaltsverzeichnis V 



Seite 

Nachträge und Berichtigungen . . . VIII 
Erklärung der Klammern und Ziffern X 



EINLEITUNG. 



§ 1. Umfang und Aufgabe der 
Papyruskunde 

§ 2. Die Funde und die Fund- 
stätten 

§ 3. Sammlungen und Editionen 
Liste der Editionen . . . 

§ 4. Die Schreibmaterialien . . 

§ 5. Die Schrift 

1. Die Prinzipien der Schrift- 
entwicklung 

2. Die Buchstabenformen . 

3. Die Abkürzungen . . . 



XI 

XVI 

XXIII 

XXV 

XXVIII 

xxxni 
xxxv 

XXXVH 
XXXIX 



§ 6. 
§ 7. 
§ 8. 
§ 9. 



1) Die Abbreviaturen . 

2) Die Verschleifungen 

3) Die Kontraktionen . 

4) Die Symbole (Siglen) 

4. Das Zahlensystem . . 

5. Die Lesezeichen . . . 

6. Anordnung der Schrift 

7. Die Kunst des Entziflerns 
Zur Sprache der Papyri 
Zur Chronologie . . . 

Das Geld 

Zur Metrologie. . . .. 



XL 

XLII 

XLD.I 

XLV 

XLV 

XLVI 

XLVn 

XLVIH 

XLVIII 

LIV 

. LXI 

Lxvn 



Kap. I. ALLGEMEINE HISTORISCHE GRUNDZÜGE. 



A. 


D 


§ 


1. 


§ 


2. 


§ 


3. 


§ 


4. 


B. 


D 


§ 


1. 


§ 


2. 


§ 


3. 



ie Ptolemäerzeit 2 

Das Regiment 2 

Die Landesverwaltung .... 8 

Die Griechenstädte 12 

Bevölkerung und Bevölkerungs- 
politik 19 

ie römische Periode .... 28 

Das Regiment 28 

Die Landesverwaltung .... 34 

Die Griechen städte 43 



§ 4. Bevölkerung und Bevölkerungs- 
politik 53 

C. Die byzantinische Periode . 66 

§ 1. Das Regiment 66 

§ 2. Diözese und Teilprovinzen . . 71 

§ 3. Gau und Stadt 76 

§ 4. Bevölkerung und Bevölkerungs- 
politik 84 

D. Die arabische Periode ... 88 



Kap. II. RELIGION UND KULTUS. 



A. Die Ptolemäerzeit. 



92 



§ 2. 
§ 3. 
§ *. 

§ 5. 



B. 



Religions- und Kirchenpolitik 

des Staates 92 

Die griechischen Kulte .... 96 

Sarapis 101 

Ägyptische und gräco-ägyp- 

tische Kulte 103 

Orientalische Kulte 112 

Die römische Zeit 113 

1. Religions- und Kirchenpolitik 

des Staates 113 



§ 2. Römische Götter 115 

§ 3. Die griechischen Kulte . . . . 118 

§ 4. Sarapis 122 

§ 6. Ägyptische und gräco-ägyp- 

tische Kulte . . ..... 123 

§ 6. Orientalische Kulte (einschließ- 
lich des christlichen) ... .129 

C. Die byzantinische Zeit . . . 131 
§ 1. Die christliche Kirche .... 131 
§ 2. Die heidnischen Kulte . . . .133 

D. Die arabische Zeit 135 



VI 



Inhaltsverzeichnis. 



Kap. IE. DIE ERZIEHUNG. 



§ 1. Der Elementar-Unterricht 



Seite 
136 



§ 2. Die gymnasiale Ausbildung 



Seite 
138 



Kap. IV. DIE FINANZ-RESSORTS. IHRE ORGANE UND KASSEN. 



I. Die staatliche Verwaltung . 146 

A. Die Ptolemäerzeit 146 

§ 1. Die Ressorts 146 

§ 2. Die Beamten 147 

§ 3. Die Kassen und Magazine . 152 

B. Die römische Zeit 153 



§ 2. Die Beamten 156 

§ 3. Die Kassen und Magazine . 160 

C. Die byzantinische Zeit . . 161 

§ 1. Die Ressorts 161 

§ 2. Die Beamten 162 

§ 3. Die Kassen und Magazine . 164 



§ 1. Die Ressorts 153 | U. Die städtische Verwaltung . 166 

Kap. V. DAS STEUERWESEN. 



A. Die Ptolemäerzeit 169 



§ 1. 

§ 2. 



Die Steuern 169 

Die Steuerveranlagung . . . 173 

1 . Die Feststellung der Steuer- 
subjekte 173 

2. Die Feststellung der Steuer- 
objekte 174 

a. Die &itoyQacpai 176 

b. Der Kataster 176 

3. Die Steuerberechnung . . . 179 
Die Steuererhebung 179 

1. Die Regie . . 180 

2. Die Pacht 182 

B. Die römische Zeit 185 

§ 1. Die Steuern 186 

Die Steuerveranlagung . . . 192 
1. Die Feststellung der Steuer- 
subjekte 192 

a. Der 14jährige Zensus . . 192 



§ 3. 



§ 2. 



b. Die £rtiv.Qi6ig 196 

2. Die Feststellung der Steuer- 
objekte 202 

a. Die ccitoyQcccpcd 202 

b. Der Kataster 205 

3. Die Steuerberechnung . . . 208 
§ 3. Die Steuererhebung 210 

1. Die direkte Erhebung . . .214 

2. Die Steuerpacht 218 

3. Die byzantinische Zeit . . . 219 

§ 1. Die Steuern 220 

§ 2. Die Steuerveranlagung . . . 222 

a. Subjektsdeklarationen . . . 225 

b. Grundstücksdeklarationen . 226 
§ 3. Die Steuererhebung 228 

D. Die arabische Zeit 231 

§ 1. Die Steuern 234 

§ 2. Die Steuerveranlagung . . . 236 
§ 3. Die Steuererhebung 238 



1. Die Monopole 239 

2. Die Industrie 258 



Kap. VI. INDUSTRIE UND HANDEL. 
§ 3. Der Handel . 



262 



Kap. VH. DIE BODENWIRTSCHAFT. 



A. Di 
§ 1. 
§ 2. 
§ 3. 
§ 4. 
§ 5. 
§ 6. 

B. Di 
§ 1. 
§ 2. 



e Ptolemäerzeit 270 

Die Verteilung des Bodens . .270 

Das Königsland .272 

Das heilige Land ... 278 

Das Lehnsland 280 

Das Privatland 284 

Das Gemeindeland 286 

e römische Zeit 287 

Die Verteilung des Bodens . . 287 
Die /faffi/UxTj und die dr\(io6ia yf} 288 



§ 3. 
§ *• 
§ 5. 
§ 6. 



Die itQoaodov yfj 296 

Die ovffiaxrj yfj 298 

Ta Ieqcctihcc iSdq>T\ 300 

Die IduoriHT] yfj und die ov- 
elui 302 

a. Das Kleruchen- und Ka- 
tökenland 303 

b. Die Wtdxrrjros und die ica- 



vrjfiBvri yfj 



306 



§ 7. Das Gemeindeland 308 



Inh altsverzeichni s . 



VII 



Seite 

C. Die byzantinische Zeit . . . 309 

§ 1. Die Verteilung des Bodens . . 309 

§ 2. Die kaiserlichen Ländereien . 310 

§ 3. Tempel- und Kirchenland . . 313 



Seite 

§ 4. Das Gemeindeland 314 

§ 5. Das Privatland. Grundherr- 
schaft und Eolonat 314 

Zum landwirtschaftlichen Betrieb . .326 



§ 1. 



Kap. Vin. FRONARBEITEN UND LITURGIEN. 
Die Fronden 330 | § 2. Die Liturgien . . 



Kap. IX. DAS VERPFLEGUNGSWESEN. 



§ 1. Hof, Beamtenschaft und Heer . 356 
§ 2. Die Gemeinden 363 



§ 3. Rom und Konstantinopel 



339 



368 



Kap. X. DAS POST- UND TRANSPORTWESEN. 



372 



§ 1. Die Posteinrichtungen . . 
§ 2. Transport-Requisitionen für Be- 
amte und Truppen 374 



§ 3. Der Korntransport 376 



Kap. XI. MILITÄR UND POLIZEI. 



I. Das Militär 381 

A. Die Ptolemäerzeit ..... 381 

B. Die römische Zeit 390 



C. Die byzantinische Zeit 
II. Die Polizei 



404 
411 



Kap. XH. AUS DEM VOLKSLEBEN 417 



INDICES 423 



NACHTRAGE UND BERICHTIGUNGEN. 

p. LVI. Noch nicht hestimmt sind @zoyivaiog (BGU 713, 3) und ZeßtcGtog \Eva\i- 

ßeiog (BGU 741, 14). 
S. 2. Zur Literatur ist inzwischen Martin, Les epistrateges dans l'Egypte greco- 

rom. 1911 hinzugekommen. 
S. 23. Zu der Degenerierung der alexandrinischen Makedonier vgl. jetzt Lum- 

broso, Arch. V 400 (im Anschluß an Liv. 38, 17). 
S. 28. Zur Literatur vgl. den Nachtrag zu S. 2. Das soeben erschienene Werk 

von P. Jouguet, La vie municipale dans l'Egypte Romaine 1911, habe ich 

leider für mein Buch nicht mehr verwerten können. 
S. 40 Z. 1 ff. Nach der in Kap. VDH gegebenen Definition sind diese Beamten 

nicht Liturgen. Vgl. S. 342. 
S. 40 unten. Auch in den Dörfern begegnen aficpoda. Vgl. 204, 11. 
S. 41 unten. Über den Vorschlag der liturgischen Beamten vgl. die genaueren 

Darlegungen S. 348 f. 
S. 43. In Oxy.VTH 1114 (a. 237), einer Deklaration, bezeichnet sich ein decurio 

bereits als decurio civitatis Oxyrhynchitarum. 
S. 45. Zur Frage der Märtyrerakten vgl. jetzt Oxy. VIII 1089. Wenn ich recht 

sehe, haben wir hier eine Probe der in den Abh. Sachs. Ges. 1. c. von mir 

behandelten Rahmenerzählungen. 
S. 47 Anm. 3. Vgl. Note zu 144, 5. 
S. 48 Z. 4 von unten: 1. 26. 
S. 51. Zur Autonomie von Antinoopolis vgl. jetzt auch Oxy. VIDI 1119 (397) 

und dazu S. 345. 
S. 52. Z. 6 — 4 unten sind zu streichen. Vgl. die Berichtigung zu 26 S. 43. 
S. 55. Zur constitutio Antonina vgl. jetzt auch Wilcken, Arch. V 426 ff. 
S. 57. Die xt6Gtqay.aiWKOGL8Qax^oi von Hermopolis sind nach S. 189 zweifelhaft. 
S. 61 unten. Die Separierung der "EMrjveg wird auch für die Ptolemäerzeit an- 
zunehmen sein. 
S. 66. Zur Literatur ist inzwischen hinzugekommen: J. Partsch, GGA 1911, 

306 ff. 320 ff. und Nachr. Gott. Ges. 1911, 201 ff. 
S. 78. Vgl. zu S. 43. — Anm. 4 1. Exactori. 
S. 83. Zur Autopragie vgl. jetzt auch M. Geizer, Arch. V 370 ff. 
S. 85. Zu der Ausdehnung des römischen Bürgerrechts im IV. Jahrh. vgl. auch 

Mommsen, Hist. Schrift. III 466 (Ostgoth. Studien). 
S. 88. Zur Literatur ist inzwischen H. J. Bell, Lond. IV hinzugekommen. 
S. 89. Nachträglich sehe ich, daß Karabacek, Ergebnisse aus d. Papyr.ER (1889) 

S. 18 den Fall Alexandriens ins J. 643 setzt. 
S. 90 Z. 4. Zur Frage der Teilprovinzen vgl. S. 232. 
S. 91. Der Papvrus Führ.PR 1090 stammt vom J. 996. 



Nachträge und Berichtigungen. IX 

S. 106 Z. lf.: Falls nicht Apotheose eines Menschen vorliegt wie in Osiran- 

tinoos. 
S. 115 Z. 15 von unten: 1. CIL III 75. 
S. 115 unten. Zur Saturnalienfeier im Heer vgl. v. Premerstein, Klio III S. 11 f., 

im Anschluß an das saturnalicium k(astrense) in Gen. lat. 1. 
S. 116. Zum Kult des Jupiter Capitolinus vgl. jetzt meine weiter greifenden 

Ausführungen im Ar eh. V 428 f. 
S. 123. Zu der Einladung zur xXtvr} vgl. S. 419 Anm. 2. 
S. 133. Ein christlicher Presbyter als Schiedsrichter jetzt auch bei L.Wenger, 

Sitz. Bayr. Akad. 1911 8. Abh. S. 15/6. 
S. 136. Inzwischen erschien: Paulus Beudel, Qua ratione Graeci liberos docu- 

erint, papyris ostracis tabulis in Aegypto inventis illustratur. Diss. Münst. 

1911. 
S. 138. Zur Geschichte der Gymnasien vgl. jetzt auch meine Ausführungen im 

Arch. V 410 ff. 
S. 139 Anm. 5 L: Arch. H 560 n. 44. 

S. 143 Z. 11. Zu dem Ausdruck „Liturgien" vgl. den Hinweis zu S. 40 Z. 1 ff. 
S. 154. Zu dem Gegensatz der Ressorts r\ 8ioUr\6ig und xa h$tnw.a vgl. meine 

Einleitung zu 341. 
S. 155. Außerhalb Ägyptens werden schon vor Severus in der Inschrift betreffs 

des saltus Burunitanus (3, 30) Krongüter als agri fiscales bezeichnet (Mitteis 

1. c. 357), freilich nur in dem nichtamtlichen Teil. 
S. 156. Zum Dioiketen vgl. auch 363. 

S. 188. Zur annona militaris .vgl. die korrektere Darstellung S. 359 f. 
S. 188 Z. 6 von unten 1. i7ti{ieQi6(i6g. 
S. 189 Anm. 4. Auf dem fragmentierten Straßburger Ostrakon 204 ist die Xao- 

yoacpla, wenn ich recht ergänzte, sogar schon für das 9. Jahr des Augustus 

bezeugt. 
S. 191. Die Frage, ob die Abgaben in Lond. HI S. 92 (274) städtisch sind, ist 

S. 323 richtiger offen gelassen. 
S. 202. Zur Epikrisis der Römer und Alexandriner vgl. S. 401 f. 
S. 206 Z. 18 und 21 1. BGU 11 (239). Z. 4 von unten 1. Brem. 73 (238). 
S. 208 Z. 7 1. Brem. 73 (£38). 
S. 216 Z. 25. Die Praktoren-(We£(% ist Teb. II 391, nicht 39 (in Bd. n nicht 

abgedruckt). 
S. 221. Zu %tyulr\ (= caput) vgl. die Einleitung zu 390. 
S. 223 Z. 16 1. meine (statt seine) Bemerkung. 
S. 226. Soeben hat Jouguet zwei Grundstücksdeklarationen aus dem Faijüm (auf 

297 bezüglich) in Thead. 54 und 55 herausgegeben. 
S. 233 Z. 3 von unten 1. nayuQiiaq. 
S. 255. Zu der Frage des Papyrusmonopols vgl. die unten S. LXXLX zitierte 

Arbeit von Zucker, der gleichfalls in der Calderschen Inschrift imxQonog 

%ccQTr)Qäg hergestellt hat. Im übrigen kann ich hier auf seine Ausführungen 

nicht eingehen. Nur gegenüber seiner Deutung von BGU 277 (S. 96) ver- 
weise ich auf S. 257 Anm. 5. 



X Nachträge und Berichtigungen. Erklärung der Klammern und Ziffern. 

S. 262 Z. 1. Für Cair. Cat, 67020, 14 schlägt jetzt J. Partsch, GGA 1911, 313 

Anm. 1 vor, statt ov xccö-' vnoreXsig zu lesen: ovx ay&vnoTsleig. 
S. 282/3. Zur Vererbung der xlfjQoi vgl. die weiter führenden Darlegungen 

S. 384 Anm. 2 und S. 385 f. 
S. 322. Für die Patrociniumsfrage sind von großem Wert Oxy. VIII 1126 und 

namentlich 1134 (V. Jahrh.). 
S. 337 Z. 22 1. xo>nccreQyoXäßoi. 
S. 390. Zur Geschichte der leg. XXII ist bemerkenswert der in BGU IV 1108 

vom J. 5 v. Chr. (aus Alexandrien) bezeugte 6zqaxi(axi\g r&v in rfjg devtiqag 

Kai eino6trig leyecovog. 



Erklärung der Klammern und Ziffern. 

| bedeutet Lücke im Original. 
[ 3 bedeutet Tilgung durch den Schreiber. 
( y bedeutet Hinzufügung resp. Veränderung durch den Editor. 
<^ y bedeutet Tilgung durch den Editor. 
( ) bedeutet Auflösung von Abkürzungen. 
Fette Ziffern bedeuten die Nummern der Chrestomathie, normale und aufrechte 
die Seiten der Grundzüge, normale und schrägstehende die der Chrestomathie. 



EINLEITUNG. 

§ 1. UMFANG UND AUFGABE DER PAPYRUSKUNDE. 

Das Objekt der „Papyruskunde" oder „Papyrologie", in die unser 
Werk einführen will, sind die griechisch oder lateinisch geschrie- 
benen Papyrusurkunden. Da lateinische Texte dieser Art gegenüber 
der Fülle der griechischen nur in verschwindend kleiner Zahl zutage ge- 
kommen sind 1 ), pflegt man sie stillschweigend mit einzuschließen, wenn 
man von der „griechischen Papyruskunde" (a potiori) redet. 

Hiernach sind ausgeschlossen erstens die literarischen Papyri in 
griechischer und lateinischer Sprache. 2 ) Sie sind nach ihrem Inhalt der 
griechischen oder römischen Literaturgeschichte zuzuweisen. Nur die Fragen 
der äußern Herstellung dieser Handschriften (wie Format, Schrift u. ä.) 
fallen unter den Begriff der Papyruskunde und sind nach Maßgabe der 
Ergebnisse dieser Disziplin zu behandeln. 

Ausgeschlossen sind zweitens die Papyrusurkunden, die in einer der 
orientalischen Sprachen geschrieben sind. Ihre Entzifferung und Inter- 
pretation ist Aufgabe der betreffenden orientalistischen Disziplinen. Die 
Ergebnisse dieser Arbeiten sind aber auch für denjenigen, der die grie- 
chischen und lateinischen Urkunden behandelt, sachlich z. T. von größter 
Bedeutung. Das gilt namentlich von den demotischen, koptischen und 
arabischen Urkunden. Ein Zusammenarbeiten der Papyrusforscher und der 
Orientalisten ist nach beiden Seiten hin sehr erwünscht. In den „Grund- 
zügen" ist auf diese orientalischen Urkunden Bezug genommen worden, 
während sie von der Chrestomathie ausgeschlossen sind. Es sind folgende 
Gruppen zu unterscheiden 3 ): 



1) Vgl. M. Ihm, Zentralbl. f. Bibl. XVI (1899) S. 341 ff. 

2) Über diese Funde orientieren: C. Haeberlin, Griech. Papyri (Zentralbl. f. 
Bibliothekswes. XIV (1897) S. lff., 2ö2ff., 263 ff., 337 ff, 389 ff., 473 ff. Daran an- 
schließend: W. Crönert, Arch. I 104ff., 502ff.; II 337 ff.; Blass, Arch. DI 257 ff, 
473ff; Ad. Körte, Arch. IV502ff. Über die christlichen Texte: C. Schmidt, Arch. 
I 120 ff, 539 ff., II 381 ff. Über die lateinischen: M. Ihm 1. c. Vgl. auch S. de Ricci, 
Bulletin papyrologique (Rev. Et. Grec. 1901 ff.) und Kenyons Berichte (Graeco- 
Roman Egypt) im Archaeolog. Report (Egypt Explor. Fund). 

3) Einen Überblick über die Funde solcher orientalischen Papyri bieten J. Kara- 
bacek, Führer durch die Ausstellung Pap. Erzherzog Rainer, Wien 1894, und 
Ad. Erman (und F. Krebs), „Aus den Papyrus der königlichen Museen" Berlin, 
Spemann, 1899 (Handbb. d. kgl. Museen zu Berlin). 



XII Einleitung. 

1. Ägyptische Urkunden, geschrieben in hieratischer oder demoti- 
scher oder koptischer Schrift. In demotischer Schrift (d. h. in der in 
den Kanzleien entwickelten Kursiv- und Kurzschrift) liegt für die ganze 
Ptolemäerzeit und bis in die Kaiserzeit hinein eine große Fülle der wich- 
tigsten Paralleltexte zu den griechischen Papyri vor. 1 ) Es fehlt auch nicht 
an demotisch-griechischen Bilinguen 12 ) sowie an griechischen Übersetzungen 
demotischer Texte. 3 ) In koptischer Schrift (d. h. in der seit dem II. Jahrh. 
n. Chr. allmählich aufkommenden Transkription der ägyptischen Sprache 
mit dem griechischen Alphabet nebst 6 demotischen Zusatzbuchstaben) 4 ) 
liegt gleichfalls eine große Fülle von Urkunden vor, die namentlich für 
das Studium der byzantinischen und arabischen Zeit von größter Bedeu- 
tung sind, und im besonderen auch zu den griechischen Papyri dieser Zeit 
wertvolle Parallelen bieten. 5 ) Auch fehlt es nicht an griechisch-koptischen 
Bilinguen. 6 ) 

2. Papyrusurkunden in der aramäischen Sprache, die die allgemeine 
Verkehrssprache im Perserreich und später war. Zu den wenigen schon 



1) Nach der genialen Entzifferung durch Heinrich Brngsch und den wert- 
vollen Studien von Eugene Revillout (vgl. seine Chrestomathie demotique, Nouvelle 
Chrest. demotique, seine Revue Egyptologique u. a.) haben in neuester Zeit sich 
namentlich F. L. Griffith und W. Spiegelberg um die demotischen Urkunden ver- 
dient gemacht. Vgl. im besondern: F. L. Griffith, Catalogue of the demotic papyri 
in the John Rylands Library, Manchester 1909; W. Spiegelberg, Demotische und 
griechische Eigennamen 1901 (vgl. meine Anzeige im Arch. II 177 ff.); Die demotischen 
Papyrus der Straßburger Bibliothek 1902 (vgl. Arch. II 142 ff.) ; Demotische Papyrus 
aus den kgl. Museen zu Berlin 1902; Demotische Papyrus von der Insel Elephantine, I 
1908 (vgl. Arch. V 200 ff. und 216); Die demotischen Papyrus der Musees royaux du 
cinquantenaire 1909. — Demnächst wird auch Kurt Sethe als Demotiker auf dem 
Plan erscheinen. 

2) Vor allem gibt es zahlreiche griechische Beischriften auf demotischen Kon- 
trakten. 

3) Vgl. z. B. die Neuausgabe des Leid. P. von Griffith und mir in der Zeitschr. 
f. äg. Spr. 45, 103 ff. 

4) Vgl. L. Stern, Koptische Grammatik (1880) S. 7 ff.; G. Steindorff, Kop- 
tische Grammatik, 2. Aufl. (1904) 8. 1 ff. 

5) An größeren Publikationen liegen vor: Ägyptische Urkunden aus den könig- 
lichen Museen zu Berlin, herausgegeben von der Generalverwaltung; Koptische 
Urkunden. — Jacob Krall, Corp. Pap. Rain. IL Koptische Texte. I. Band: Rechts- 
urkunden. Vgl. auch Krall, Koptische Briefe (Mitt. P. R. V) und Führer P. R. 
S. 37 ff. — W. E. Crum, Coptic Manuscripts brought from the Fayum by W. M. Flin- 
ders Petrie. Lond. 1893. Vgl. auch Crum, Catalogue gene"ral des antiquites egyp- 
tiennes du Musee du Caire: Coptic Manuscripts, Cairo 1902, und Coptic Ostraca from 
the Egypt Exploration Fund, the Cairo Museum and others. Lond. 1902, jetzt auch in 
Lond. IV. Eine Gesamtausgabe der thebanischen Kontrakte wird von Crum und Stein- 
dorff vorbereitet. — Weitere Literatur bei Steindorff 1. c. S. 232 ff. und in den 
Bibliographien des Papyrusarchivs. 

6) Die ältesten (II. Jahrh. n. Chr.) auf Mumienetiketten: Steindorff, Z. Aeg. 
Spr. 28, 49 ff. — Koptische Unterschriften unter griechischen Briefen in P. Amh. 145 (53), 
BGU IV 1094 (a. 525). Andrerseits stehen griechische Protokolle (Invocatio und Datum) 
vor koptischen Verträgen (vgl. z. B. L. Stern, Z. Aeg.' Spr. 1884 S. 153). 



§ 1. Umfang und Aufgabe der Papyruskunde. XIII 

früher bekannten Texten sind kürzlich aus Elephantine größere Mengen 
(aus dem Ende des V. Jahrh. v. Chr. stammend) hinzugekommen, die die 
wertvollsten Aufschlüsse über eine jüdische Ansiedlung in Syene und Ele- 
pbantine aus jener Zeit gebracht haben und für die Kritik des Alten 
Testaments sowie die Geschichte der jüdischen Diaspora von einschnei- 
dender Bedeutung sind. 1 ) 

3. Hebräische und syrische Papyrusurkunden, die freilich nur in 
geringer Zahl gefunden sind. 2 ) 

4. Persische Papyri, geschrieben in Pehlewischrift, aus dem De- 
zennium 619 — 629, in dem die Sassaniden über Ägypten herrschten (vgl. 
unten S. 70). 3 ) 

5. Arabische Papyri, die von der Eroberung Ägyptens (ca. 640) an 
bis ins XIV. Jahrh. reichend in großen Massen gefunden worden sind. 4 ) 
Auch zahlreiche griechisch-arabische Bilinguen sind zutage gekommen. 

Während also die griechischen und lateinischen Papyri literarischen 
Inhalts und die sämtlichen orientalischen Papyri von der Chrestomathie aus- 
geschlossen wurden, sind andrerseits gelegentlich solche griechischen und 
lateinischen Urkunden, die gleichfalls mit Tinte und Kalamos, aber auf an- 
dern Schreib Stoffen als Papyrus geschrieben sind und mit jenen zusammen 
gefunden waren, mit hineingezogen worden, denn bei der Gleichartigkeit 
der Inhalte macht es für die wissenschaftliche Verwendung nichts aus, 
ob die Handschriften auf Papyrus oder aber auf Topf Scherben (Ostraka) 
oder Kalksteinsplittern, auf Holz oder Pergament oder Papier geschrieben 
sind. Auch die Handschriften der in Ägypten gefundenen Wachstafeln sind 
z. T. mit berücksichtigt worden. 5 ) Vgl. die Indices. 

Der Ausdruck „griechische Papyruskunde" ist also auch nach dieser 
Seite hin a potiori zu verstehen. Dagegen bleiben die Inschriften trotz 

1) Vgl. A. H. Sayee and A. E. Cowley, Aramaic papyri discovered at Aasuan, 
Lond. 1906. — Ed. Sachau, Drei aramäische Papyrusurkunden aus Elephantine (Abh. 
Pr. Akad. 1907). Nach dieser und anderen Einzeleditionen erscheint jetzt die Gesamt- 
ausgabe: Ed. Sachau, Aramäische Papyrus und Ostraka aus einer jüdischen Militär- 
kolonie zu Elephantine. Altorientalische Sprachdenkmäler des 5. Jahrh. v. Chr. Leipz. 
Hinrichs 1911. Vgl. auch W. Staerk in Lietzmanns Kleinen Texten für theol. Vor- 
lesungen u. ÜbuDgen Nr. 22/3 und 32. 

2) Vgl. A. Erman 1. c. S. 290 f. 

3) Vgl. J. Karabacek, Führ. PR S. 113. A. Erman 1. c. S. 291. 

4) Vgl. J. Karabacek, Führ. PR S. 131ff., der außerdem durch eine Reihe von 
Monographien den ersten Grund zur Entzifferung gelegt hat. Vgl. die Übersicht bei 
Becker, Heid. III (1) S. 2 ff. — L. Abel, ürk. a. d. kgl. Museen zu Berlin, Arab. ürk. I 
1 u. 2, 1896 u. 1900. Vgl. Karabacek, Wien. Z. f. Kunde d. Morg. XI (1897) 1 ff. 
Neuerdings haben, auch für die griechische Papyrusforschung, die Arbeiten von 
C. BT. Becker außerordentlich reichen Ertrag gebracht. Vgl. vor allem seine Ausgabe 
der Pap. Schott-Reinhardt I (Heid. HI 1), Heid. 1906 und dazu „Arabische Papyri 
des Aphroditofundes" (Z. f. Assyriologie XX, 1906, S. 68 ff.), auch Z. f. Ass. XXH 137 ff. 
Jetzt sind neue Editionen von Dr. K. W. Hofmeier zu erwarten. 

5) Zu diesen verschiedenen Schreibstoffen vgl. unten § 4. 



XIV Einleitung. 

ihrer vielfach sehr engen Beziehungen zu den Papyri 1 ) der Epigraphik 
vorbehalten, nicht nur weil diese schon eine fest begründete Disziplin ist, 
sondern auch weil ein prinzipieller Unterschied insofern vorliegt, als die 
Inschriften im allgemeinen Tatbestände enthalten, die durch die Einmeiße- 
lung verewigt werden sollen, während durch die Papyrusurkunden in der 
Regel Bedürfnisse der jeweiligen Gegenwart befriedigt werden. Daß es 
freilich auch Grenzgebiete gibt, in denen eine sachliche Trennung schwer 
durchzuführen ist, soll nicht geleugnet werden. Auch gibt es Probleme 
(wie z. B. die Schriftlehre, die Sprache, die Diplomatik), bei denen ein 
Zusammenarbeiten des epigraphischen und des papyrologischen Materials 
absolut notwendig ist. So sind denn auch einige Inschriften, die für die 
hier zu behandelnden Fragen sachlich besonders wichtig erschienen, in die 
Chrestomathie mit aufgenommen worden. Vgl. die Indices. 

Schon diese mühselige und oft mehr nach praktischen als nach lo- 
gischen Gesichtspunkten erfolgte Begrenzung des Begriffes der „griechi- 
schen Papyruskunde" zeigt, daß diese keine selbständige Wissenschaft 
ist. Ebenso wie die ihr am nächsten verwandte Epigraphik, deren Be- 
gründer August Boeckh ihr gleichfalls den Charakter einer „besonderen 
Wissenschaft" abgesprochen hat, so ist auch die Papyruskunde nichts wei- 
ter als eine historische Hilfsdisziplin, die allen den Wissenschaften, 
die die Geschichte des Altertums, gleichviel von welchem Gesichtspunkte 
aus, zu erforschen suchen, zu dienen hat. Daß die Papyruskunde immer- 
hin als eine eigene „Disziplin" konstituiert und herausgearbeitet wird, ist 
berechtigt und praktisch wünschenswert, denn zum vollen Verständnis der 
Papyri gehört eine beträchtliche Summe von Fertigkeiten und Kenntnissen, 
die nur an diesem Material erlernt werden können und ihr damit ihr 
eigenes Gepräge geben. Nichts wäre aber verderblicher, als wenn dieses 
neue Material zugunsten einer selbständigen „Papyruswissenschaft" isoliert 
würde. Vielmehr ist die Hauptaufgabe der Papyrusforschung 
darin zu sehen, daß sie auf der soliden Basis eines gemeinsamen 
Unterbaues die neuen Materialien in die verschiedenen histo- 
risch arbeitenden Wissenschaften hinüberleitet, um die neuen 
Einzeltatsachen wieder in die großenZusammenhänge zu bringen, 
aus denen sie einst hervorgegangen sind. 

Die Wissenschaften, die vornehmlich durch die Papyruskunde geför- 
dert werden können, sind die Philologie, die alte Geschichte, die Rechts- 
geschichte und die Theologie. 8 ) 

1) Manche Inschriften sind nichts weiter als eine Steinpublikation von Papyrus- 
Urkunden. 

2) Über den Nutzen der Papyri für die verschiedenen Wissenschaften handeln 
u. a.: Wilcken, Die griech. Papyrusurkunden, Berl., Reimer, 1897. Derselbe, Der 
heutige Stand der Papyrusforschung (N. Jahrbb. f. d. kl. Alt. 1901 I (VII) S. 677 ff. — 
L. Mitteis, Aus den griech Papyrusurkunden, Lpz., Teub., 1900. — Fei. Staehelin, 



§ 1. Umfang und Aufgabe der Papyruskunde. XV 

Für die Philologie liegt der Hauptwert in der außerordentlichen 
Erweiterung unserer Kenntnis von der griechischen Sprache (vgl. § 6). 
Nicht nur die hellenistische, sondern auch die byzantinische und neugrie- 
chische Linguistik erhalten wertvolle neue Materialien, denn die bis jetzt 
edierten Urkunden erstrecken sich über einen Zeitraum von etwa 1300 Jah- 
ren (311 v. Chr. bis 996 n. Chr.). 1 ) 

Was die Papyri für den Historiker bedeuten, habe ich im I. Bande 
zu zeigen versucht. Wir haben durch diese neuen Urkunden ein archi- 
valisches Material bekommen, wie es bisher nur der mittelalterliche und 
neuere Historiker besaß. Es sind vor allem Fragen der inneren Politik 
und der Verwaltung, sowie kulturhistorische und wirtschaftsgeschichtliche 
Probleme, die durch diese Urkunden gefördert werden. Beschränkt wird 
der Wert der Papyri dadurch, daß sie sich fast ausschließlich auf das eine 
Land Ägypten beziehen. Da Ägypten sowohl in der Ptolemäerzeit inner- 
halb der hellenistischen Welt, z. B. gegenüber dem ganz anders gearteten 
Seleukidenreich, wie auch nachher in der Kaiserzeit innerhalb des römi- 
schen Weltreichs durchaus eine Sonderstellung einnimmt, so muß man sich 
vor voreiligen Verallgemeinerungen sehr hüten. Aber durch die Vertiefung 
unserer Kenntnisse der ägyptischen Zustände können wir bei richtiger Me- 
thode doch auch für die übrige antike Welt viel lernen, indem wir zu 
ganz neuen Fragestellungen gedrängt werden und durch eine intensivere 
Vergleichung der ägyptischen und außerägyptischen Zustände nach beiden 
Seiten hin Licht erhalten können. Vielleicht das Schönste aber an diesen 
neuen Quellen ist, daß sie uns durch einen Zeitraum von mehr als tausend 
Jahren hindurch das wirkliche Leben im Großen und Kleinen mit packen- 
der Deutlichkeit vor Augen führen. Vielleicht niemand ist mit so leben- 
diger Anschauimg an die Erklärung der Urkunden herangetreten wieWila- 
mowitz in seinen Besprechungen der englischen Editionen in den Göttinger 
Gelehrten Anzeigen (1898 ff.). Ihr Studium sei jedem aufs wärmste emp- 
fohlen. Sie zeigen von neuem, daß nur der, der sich ein Gesamtbild er- 
arbeitet hat, die hinzukommenden Einzelzüge zu bewerten vermag. 

Was dem Rechtshistoriker die Papyri bedeuten, ist von Mitteis im 
II. Bande dargelegt worden. 

Dem Theologen hat die Sprache der Papyri, wie namentlich Deiss- 
manns Arbeiten gezeigt haben, für die Interpretation des Textes des 
Neuen Testamentes wie auch der Septuaginta die wichtigsten Beiträge ge- 
liefert (vgl. § 6). Auch ihr Inhalt ist für die Geschichte des Christentums 
und nicht nur des ägyptischen von Interesse. Vgl. unten Kapitel IL 



Neuere Papyrusfunde. Aarau 1901. — Weitere Literatur in den Bibliographien und 
Papyrusurkunden-Referaten im Archiv. 

1) Wenn ich recht sehe, ist die letzte z. Z. bekannte arabisch -griechische Bi- 
lingue die im Führ. PR n. 1090 vom J. 996. 



XVI Einleitung. 

Daß endlich auch die Geschichte der Medizin nicht ganz leer aus- 
geht, zeigt das Werk von Sudhoff. 1 ) 

So haben diese eigenartigen neuen Schätze dazu geführt, daß die Fa- 
kultätsschranken gefallen sind, und daß alle Wissenschaften, die das grie- 
chisch-römische Altertum behandeln oder streifen, sich zur Hebung dieser 
Schätze vereinigt haben. 

Die Summe der Kenntnisse, die allen Forschern, gleichviel von welcher 
Wissenschaft sie kommen, in gleicher Weise unentbehrlich sind, möchte 
ich als „allgemeine" oder „theoretische" Papyruskunde gegenüber- 
stellen der „speziellen" oder „angewandten" Papyruskunde, die von 
jener gemeinsamen Basis aus die Hinüberleitung und Einarbeitung in die 
einzelnen Wissenschaften bezweckt. Die Hauptpunkte der allgemeinen Pa- 
pyruskunde sollen in den folgenden Paragraphen dieser Einleitung in der 
hier gebotenen Kürze zur Darstellung kommen. Der angewandten dienen 
die beiden Teile unseres Werkes. Freilich wird auch die Kenntnis der im 
I. Bande dargestellten historischen Grundlinien auch dem Nichthistoriker 
unentbehrlich sein, wie andrerseits die mancher Probleme des H. Bandes 
dem Historiker. 

§ 2. DIE FUNDE UND DIE FUNDSTÄTTEN. 

Nur in großen Zügen können hier die verschiedenen Phasen der Pa- 
pyrusfundgeschichte dargelegt werden. 2 ) Zugleich sollen hier für die 
Hauptfundstellen die bisherigen topographischen Arbeiten zusammenge- 
stellt werden. 

Durch mehrere Jahrhunderte hindurch ist in allen antiken Kultur- 
ländern der Mittelmeerwelt neben den andern gebräuchlichen Schreib- 
materialien der in Ägypten fabrizierte Papyrus ein weit verbreiteter Schreib- 
stoff gewesen (vgl. § 4). Von diesen Millionen von Papyri, die dort be- 
schrieben worden sein müssen, haben sich abgesehen von dem, was in 
Archiven und Bibliotheken aus alter Zeit herübergekommen ist 3 ), nur an 
zwei Stellen der alten Welt Reste wiedergefunden, in Herkulaneum und 
in Ägypten. Es müssen an beiden Plätzen besonders günstige Bedingungen 



1) K. Sudhoff, Ärztliches aus griechischen Papyrusurkunden. Bausteine zu 
einer medizinischen Kulturgeschichte des Hellenismus (Stud. z. Gesch. d. Medizin, 
herausgeg. von d. Puschmann- Stiftung a. d. Univ. Leipzig). Ambr. Barth 1909. 

2) Vgl.Wilcken, Die griechischen Papyrusurkunden 1897 S. 10— 20. Derselbe, 
Der heutige Stand d. Papyrusforsch. (N. Jahrbb. 1901) S. 680 ff. Genaueres ist in den 
weiterhin zitierten Ausgrabungsberichten zu finden, vor allem bei Grenfell-Hunt, 
Fayüm Towns S. 17 ff. und Archaeolog. Report 1896/7 S. lff. (Oxyrhynchos). 

3) Die so erhaltenen Papyrusurkunden wie die Ravennatischen Papyri, die Papst- 
urkunden, die merowingischen Urkunden usw. können hier nur gestreift werden, 
ebenso die auf dieselbe Weise erhaltenen literarischen Papyrusbücher, wie der Mai- 
länder (lateinische) Josephus usw. Vgl. die Nachweise bei M. Ihm,- Zentralbl. f. Bi- 
bliothekswesen XVI (1899) S. 351 ff. 



§ 2. Die Funde und die Fundstätten. XVII 

für die Konservierung des zarten Pflanzenpräparates bestanden haben. Wenn 
man in einem Hause in Herkulaneum, das im J. 79 n. Chr. mit Pompeii 
zusammen vom Vesuv verschüttet war, seit 1752 über 1700 Papyrusrollen 
gefunden hat, so darf man annehmen, daß eben durch dies Naturereignis, 
im besondern wohl durch die Bildung der starken Lavadecke, die der 
Konservierung der Texte zuträglichen Bedingungen geschaffen worden sind. 
Da diese herkulanensis' T ien Rollen nur literarische Texte enthalten, so 
habe ich hier nur über die ägyptischen Funde zu berichten. 

Nicht alle Teile Ägyptens sind in gleicher Weise befähigt, den Pa- 
pyrus zu konservieren. Die Erfahrungen der Ausgrabungen haben uns ge- 
lehrt, daß die Feuchtigkeit der größte Feind des Papyrus ist. Wo Grund- 
wasser ist, wo stärkere Regen fallen, wo die Nilüberschwemmung sich 
ausbreitet, zerfällt der Papyrus. Darum haben sich im Delta, das der 
Regenzone angehört und überdies alljährlich überschwemmt wird, Papyri 
ebensowenig gefunden wie im Boden Griechenlands, Kleinasiens, Italiens 
und sonst. Wenn sich in Mendes (im Delta) in einem vom Feuer zerstör- 
ten Hause halbverkohlte, vom Feuer geschwärzte Papyri erhalten haben 1 ), 
die in ihrem Äußern den gleichfalls geschwärzten herkulanensischen Rollen 
ähneln, so scheint daraus zu folgen, daß dieser chemische Prozeß den 
Pflanzenstoff gegen die zerstörende Einwirkung des feuchten Klimas im- 
munisiert. Hiernach ist die Hoffnung, wenigstens geschwärzte Papyri noch 
einmal in Alexandrien zu finden, vielleicht nicht ganz aufzugeben. 

Das eigentliche Fundgebiet für Papyri ist hiernach das Land südlich 
von Kairo, in dem Regengüsse zur Seltenheit gehören. Freilich in dem 
alljährlich überschwemmten flachen Niltal können nur solche Höhen in 
Betracht kommen, die von der Überschwemmung und auch vom Grund- 
wasser nicht erreicht werden. Am günstigsten sind im allgemeinen die 
Verhältnisse in den hoch gelegenen Wüstenrändern, soweit nicht auch hier 
Grundwasser vorhanden ist. Die bisher gemachten Funde lassen sich nach 
folgenden Perioden gliedern. 

1. Periode. 
Im Jahre 1778 wurden einem europäischen Kaufmann etwa 50 Pa- 
pyrusrollen angeboten, von denen er eine kaufte. Die andern verbrannten 
die Araber vor seinen Augen und ergötzten sich an ihrem Duft. 2 ) Jene 
eine Rolle, die in den Besitz des Kardinals Borgia kam, wurde 1788 von 
Nikolaus Schow als die erste kursiv geschriebene Papyrusurkunde ediert 
(P. Schow). Sie stammte aus nrolsficctg "OQpog in der mittelägyptischen 
Provinz el-Faijüm. Erst nach einigen Dezennien gelangten neue Funde in 



1) Vgl. BGÜ DI 902 — 905, 976 — 980. Wilcken, Festschrift für 0. Hirschfeld 
S. 123ff. 

2) Ähnliches hörte 1783 Volney bei Damiette. 



XVm Einleitung. 

die europäischen Museen. Alle diese Texte wurden von Eingeborenen, die 
sie meist zufällig gefunden hatten, erworben, sodaß bei der Unzuver- 
lässigkeit ihrer Aussagen die Fundorte meist nur durch den Inhalt zu er- 
schließen waren. Die Fundplätze dieser meist in den zwanziger und drei- 
ßiger Jahren des XIX. Jahrh., z. T. auch später, gemachten Funde sind 
(von N nach S): Letopolis, an der Spitze des Delta auf dem Westufer 
gelegen 1 ); das Serapeum, westlich von Memphis auf dem Wüstenplateau, 
wo eine außerordentlich interessante Gruppe von zusammengehörigen Texten 
in einem Kruge gefunden wurde, sowie Memphis selbst, vielleicht auch 
Oxyrhynchos in Mittelägypten 2 ); ferner in der Thebais: Panopolis 
(Achmim) auf dem Ostufer und This auf dem Westufer, vor allem die 
Ruinen von Theben auf dem Ost- und Westufer, die sehr reiche Funde 
ergaben, Hermonthis (Erment) auf dem Westufer, und an der Südgrenze 
nördlich des ersten Katarrakts die Insel Elephantine und östlich davon 
am Ufer Syene (Assuan). Die meisten dieser Funde, darunter die Haupt- 
masse der memphitischen und die thebanischen Texte, gehören der Ptole- 
mäerzeit an (und zwar vorwiegend dem IL Jahrh. v. Chr., einzelne schon 
dem III. Jahrh.), nur wenige der römischen Kaiserzeit (wie eine gewisse 
Gruppe memphitischer Urkunden u. a.) und der byzantinischen Zeit (so 
die aus Panopolis und This). Der Wunsch, genauere Aufschlüsse auch 
über die Kaiserzeit zu erhalten, wurde erst erfüllt durch die 

2. Periode. 
Nachdem in den Papyrusfunden eine längere Pause entstanden war, 
setzten mit dem Jahre 1877 die großen Faijümfunde ein, mit denen ein 
neuer Aufschwung der Papyrusforschung begann. Viele tausende von Texten 
kamen damals aus dem Boden von Arsinoe, der Metropole des !Aq6lvoi- 
rrjg vopog 3 ) hervor. Ahnliche Funde wurden gleichzeitig in Herakleo- 
polis Magna und Hermopolis Magna gemacht, die erst später aus den 
sogenannten „Faijümfunden" abgesondert wurden. Die anfangs von J. Kara- 
bacek (Denkschr. Wien. Akad. 1882) aufgestellte Ansicht, daß die arsinoi- 
tischen Funde die Reste eines großen Provinzialarchivs darstellten, erwies 
sich als unrichtig, als Adolf Erman und Georg Schweinfurth 1886 das 



1) Von dort nur P. Leid. R. Vgl. Wilcken, Gr. Papyrusurkunden 1897 S. 43. 

2) Wenigstens behandelt P. Par. 62 die Abgaben dieses Gaues. Es ist aber nicht 
sicher, ob er dort gefunden ist. 

3) Zur Topographie des Faijüm vgl. G. Schweinfurth, Reise in d. Depressions- 
gebiet im Umkreise des Faijüm. Z. d. Ges. f. Erdk. XXI (1886) Nr. 2, mit vortreff- 
licher Karte. Grenfell-Hunt-Hogarth, Faijüm towns and their papyri 1900 (mit 
wichtigen neuen Resultaten). Die Angaben der Papyri über das Faijüm sind zu- 
sammengestellt von C. Wessely, Topographie des Faijüm in griech. Zeit. Denkschr. 
Wien. Akad. 1904. Dies ist jetzt überholt durch Grenfell-Hunt, P. Tebtynis II 
App II 1907. Vgl. auch C. Wessely, Karanis und Soknopaiu Nesos. Denkschr. Wien. 
Akad. 1902. 



§ 2. Die Funde und die Fundstätten. XIX 

Ruinenfeld (nördlich der heutigen Provinzialhauptstadt Medinet el-Faijüm) 
genau untersuchten. Sie stellten fest, daß die Paijümpapyri daselbst aus 
den verschiedensten Stellen des weiten Trümmerfeldes, namentlich aus den 
Hügeln hervorgezogen wurden. 1 ) Diese Hügel erkannte Schweinfurth als 
die antiken Kehrichthaufen der Stadt (%o%Qlai oder xojtQ&vsg), auf die zur 
Gewinnung von Raum in den bewohnten Teilen neben Tonscherben, 
Schlacken, Asche, Kohlen, Lumpen, Stroh, Viehmist, Küchenabfällen usw. 
auch das „alte Papier" abgeworfen zu werden pflegte. 2 ) Es wurde ferner 
festgestellt, daß die Papyri von den Fellachen gefunden wurden, wenn sie 
die antiken Stadtruinen nach der Ssebbäch genannten Dungerde durch- 
wühlten. 8 ) Die Richtigkeit aller dieser Beobachtungen ist später durch 
die systematischen Papyrusgrabungen (s. unten) vollauf bestätigt worden. 
Natürlich ist damit nicht ausgeschlossen, daß gelegentlich auch in Arsinoe 
hie und da ein größerer Fand wohlbehaltener Rollen (etwa in Krügen) 
gemacht sein kann. Aber das Charakteristische dieser seit 1877 in den 
Kehrichthaufen der alten Städte gemachten Funde liegt gegenüber der 
ersten Periode doch darin, daß hier weggeworfene alte Akten durch die 
Ssebbachin wiedergefunden wurden. 4 ) So entstammen diese Funde den 
verschiedensten Archiven, Bibliotheken, Bureaus, Privathäusern usw. Neben 
den Hügeln kommt selbstverständlich auch das Stadtgebiet selbst in Be- 
tracht, das freilich in vielen Fällen durch das Grundwasser sich als nicht 
ertragreich erwiesen hat. 5 ) 

Nachdem durch die großen Ankäufe nach Wien, Berlin, Paris, London 
hin die Eingeborenen den materiellen Wert solcher Funde kennen gelernt 
hatten, wird wenigstens hie und da bei den Ssebbächgrabungen etwas 
sorgfältiger auf die Konservierung der Papyri geachtet worden sein, und 
manche Antikenhändler (namentlich im Faijüm) ließen sich von der Re- 
gierung die Erlaubnis zu Papyrusgrabungen geben. So nehmen in der 
nächsten Zeit die Papyrusfunde beständig ihren Fortgang. Von hervor- 
ragendem Wert waren die Resultate der von 1887 an von Faijümer Händ- 
lern unternommenen Grabungen in Zoxvo7iccCov Nfjöos (Dimeh), nördlich 
vom Birket el-Kurün (= Mörissee). 6 ) In diesem von der Wüste längst er- 

1) Vgl. Ad. Erman, Die Herkunft der Faijümpapyri. Hermes 21, 585 ff. 

2) Vgl. G. Schweinfurth, Zur Topographie der Ruinenstätte des alten Sehet 
(Krokodilopolis-Arsinoe). Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. XXH (1887) Nr. 1 (nebst Zusätzen 
von U. Wilcken). Vgl. ferner zur Stadtgeschichte: C. Wessely, Die Stadt Arsinoe 
in griechischer Zeit. Sitz.-Ber. Wien. Akad. ph. h. Kl. CXLV (1902) 4. Abh. 

3) Im Arch. n 306 ff. zeigte ich, daß diese Sitte schon im Altertum bestanden 
hat. Vgl. unten S. 327. 

4) Grenfell-Hunt fanden in Oxyrhynchos Körbe voll wohlerhaltener Akten, die 
offenbar zwecks Bereinigung eines Bureaus auf die Kehrichthaufen geworfen waren. 

5) Vgl. Wilcken, Archiv H 332. 

6) Einen Plan von Dimeh hat schon R. Lepsius in den Denkmälern aus Äg. u. 
Nub. publiziert (I 52). Die Altertumsforschung würde z. T. eine andere Entwicklung 
genommen haben, wenn schon damals (1843) diese Papyrusschätze gefunden wären! 



XX Einleitung. 

oberten Gebiet hatten sich in den Häusern selbst die Papiere ganz so 
erhalten, wie die Einwohner sie einst um 300 n. Chr. (nach Grenfell-Hunt) 
beim Verlassen des Dorfes hatten liegen lassen. Daher überragen diese 
Dimeh- Papyri hinsichtlich der Konservierung weit die Funde aus den 
xortQLCu. Auch an verschiedenen anderen Stellen des Landes sind in 
dieser Periode Funde durch Eingeborene gemacht worden. So erwarb die 
Bibliotheque Nationale 1887 Papyri aus Panopolis (Achmim), und Sayce 
kaufte 1894 in Luxor Texte aus der großen Oase el-Chargeh. 1 ) Leider 
kann nach den Beobachtungen von Grenfell-Hunt kein Zweifel sein, daß 
ein großer Teil der durch die Eingeborenen an's Licht gezogenen Papyri 
durch ihre Unachtsamkeit zerstört worden ist. 2 ) 

3. Periode. 
Eine neue Periode, in der wir noch heute stehen, begann damit, daß 
die Altertumsforscher selbst die Ausgrabung der Papyri in die Hand 
nahmen. Eingeleitet wurde sie durch die Grabungen von Flinders Petrie 
in Guröb (am Eingang des Faijüm) im Winter 1889/90 3 ), bei denen er 
garnicht speziell Papyri zu finden beabsichtigt hatte, die ihm aber doch 
den Anlaß gaben, eine neue Methode der Papyrusgewinnung zu inaugurieren. 
Zwar hatte schon Passalacqua einige griechische Papyrusfragmente aus 
einer Mumienkartonage losgelöst 4 ), aber dieser Vorgang blieb ohne Konse- 
quenzen. Erst Flinders Petrie hat diese wichtige Fundquelle für alle 
Zeiten erschlossen, indem er beobachtete, daß zahlreiche der von ihm in 
Guröb ausgegrabenen Särge aus einer Kartonage bestanden, die durch 
Zusammenklebung mehrerer Schichten von Papyri hergestellt war. 5 ) Da- 
durch haben mit einem Schlage die Nekropolen eine ganz neue Bedeutung 
für die Papyrusfunde gewonnen. Während man früher nur vereinzelt in 
den Särgen Papyrusrollen fand, die den Toten ins Jenseits mitgegeben 
waren 6 ), eröffnete sich jetzt, da die Särge selbst eventuell aus beschriebenen 
Papyri bestehen können, eine ganz neue Perspektive. Diese Aussichten 
sind auch heute noch, trotz der reichen Funde, die inzwischen in dieser 
Weise gemacht sind, außerordentlich große, da von den endlosen Nekro- 
polen am Wüstenrande, die von Cairo südwärts im Osten und Westen das 



1) Zur Topographie dieser Oase vgl. Wilcken, Archiv IV 478. 

2) Vgl. Fayoum-towns S. 20: there is infortunately Utile doubt that quite half the 
papyri discovered by natives in the Fayum sinee 1877 have perished altogether. 

3) Schon 1888/9 hatte er einige Papyri in der Nekropole von Hawära (Faijüm) 
gefunden. 

4) Letronne, Lettre ä Mr. Passalacqua (Not. et Extraits d. Ms. gr. XVIII (2) 
S. 410 ff. 

5) Die damals von ihm zusammen mit Mahaffy und Sayce aus den Kartonagen 
hervorgeholten Papyri sind die berühmten Petrie Papyri. 

6) So soll der Pariser Alkman gefunden sein, die Ilias Bankesiana, auch Ari- 
stoteles' 'A%r\valav noXiteiu u. a Neuerdings ward so der Timotheos gefunden. 



§ 2. Die Funde und die Fundstätten. XXI 

Niltal begleiten, erst ein kleiner Teil durchforscht ist, und da andrerseits 
sich kürzlich herausgestellt hat, daß diese Sitte der Pappfabrikation aus 
Papyri nicht nur, wie man zuerst annahm, im III. und II. Jahrh. v. Chr., 
sondern auch noch in der Kaiserzeit, erwiesenermaßen einstweilen bis 
Augustus, bestanden hat. 1 ) 

Es ist das Verdienst des Egypt Exploration Fund, daß im Winter 1895/6 
zum erstenmal systematische Papyrusgrabungen durch europäische Gelehrte 
ausgeführt wurden, und damit beginnt die neue Periode. In seinem Auf- 
trage gruben damals Hogarth, Grenfell und Hunt in der Nordost- 
ecke des Faijüm, in Karanis (Köm Usim) und Bacchias (Umm el- f Atl) 
mit bestem Erfolg. Epochemachend aber wurden die Funde, die Gren- 
fell und Hunt im nächsten Winter (1896/7) in Oxyrhynchos (Behnesa, 
westlich vom Bahr Jüssüf) 2 ) machten, wo ganz ungeheure Massen von Texten 
gefunden und dank dem methodischen Vorgehen der Leiter für die Wissen- 
schaft gerettet wurden. Seit jener Zeit haben diese beiden unermüdlichen 
Forscher bis vor kurzem fast in jedem Winter in Ägypten gegraben und 
haben so unter allen Suchenden die größten Papyrusschätze dem Boden 
entlockt. Abgesehen von den zahlreichen Kampagnen in Oxyrhynchos 
haben sie dazwischen immer wieder an den Rändern des Faijüm gegraben 
und haben dabei immer neue feste Punkte für die Topographie der Land- 
schaft gewonnen. So entdeckten sie im Winter 1898/9 die Dörfer Evrj- 
[tsgeia (Kasr el-banät), ®EctdeXq>Ela (Harit), ^ilatsQcg (Wadfa) im 
NW des Faijüm. 3 ) So gruben sie 1899/1900 in der SW-Ecke in Teß- 
tvvig (Umm el-baragät), wo sie das Glück hatten, eine weit ausgedehnte 
Nekropole von mumisierten Krokodilen zu finden, die mit den Aktenrollen 
des benachbarten Dorfes ausstaffiert, z. T. mit langen Papyrusrollen um- 
wickelt waren. 4 ) Auch 1901/2 waren sie im Faijüm, siedelten dann aber 
nach Hibeh in Mittelägypten über (Ostufer gegenüber ron Fesn), wo 
schon Eingeborene Funde gemacht hatten. Die Ausgrabungen in Hibeh 
haben dann 1902/3 wieder die schönsten Erfolge gehabt. 5 ) 

Diese glänzenden Ergebnisse der Engländer, durch die die Zweck- 
mäßigkeit dieser Methode erwiesen war, haben auch andere ermuntert, in 
derselben Weise nach Papyri zu graben. Von den Franzosen haben 
P. Jouguet und G. Lefebvre im J. 1901 im SW des Faijüm in Gorän 
und 1902 in Medinet en-Nehas (= Magdola) gegraben und haben wert- 



1) Das zeigten die Funde aus Abusir el-Mäläk (Berlin). 

2) Zur Topographie vgl. die Ausführungen von Grenfell - Hunt in den Oxyrhyn- 
chos-Biinden. Vgl. auch unten die Einleitung zu 474. 

3) Vgl. zu diesen und den folgenden Ausgrabungen ihre Berichte im Archiv f. 
Pap. und im Archaeolog. Report, vor allem ihre Einleitung zu P. Fay. 

4) Vgl. die Darstellungen in P. Tebtyn. I und II. 

5) Vgl. P. Hibeh I. 



XXII Einleitung. 

volle Texte des III. Jahrh. v. Chr. aus Mumienkartonagen gewonnen. 1 ) Die- 
selben beiden Gelehrten haben dann 1902/3 und 1903/4 im nrittelägypti- 
schen Tehneh (= üPjjvtg) erfolgreich gegraben, wo vorher bereits Ein- 
geborene gearbeitet hatten. 2 ) Später hat Lefebvre im oberägyptischen 
Köm Esqäw (= !4<pQ0ÖCxrig Jtöfog) den bedeutendsten Fund der letzten 
Jahre gemacht, indem er (1905) den Menander fand. Von den großen 
Urkundenfunden, die vorher (1901) die Eingeborenen daselbst gemacht 
hatten, ist ein Teil nach London verkauft worden 3 ), während die andern 
von den Barbaren verbrannt wurden. Mit dem Menander zusammen ist 
eine große Zahl vortrefflich erhaltener byzantinischer Texte gefunden wor- 
den, zu denen 1907 noch neue hinzugekommen sind. 4 ) Dagegen scheinen 
die Ausgrabungen des Franzosen Grayet in Antinoopolis nicht viele 
Papyri gebracht zu haben. 5 ) 

Auch die Italiener haben Papyrusgrabungen veranstaltet. So hat Ev. 
Breccia in Hermopolis Magna (Esmunen) mit Erfolg gegraben. 6 ) 

Von deutscher Seite sind Grabungen bisher nur vom Berliner könig- 
lichen Museum ausgeführt worden. Im Winter 1898/9 habe ich, zusammen 
mit H. Schäfer, im Auftrage des Museums in Herakleopolis Magna 
(Ehnäsje) Papyri ausgegraben. 7 ) In größerem Maßstabe wurden die Gra- 
bungen in Angriff genommen, nachdem der preußische Landtag auf fünf 
Jahre hintereinander die Mittel bewilligt hatte. 0. Rubens ohn, der da- 
mit beauftragt wurde, hat namentlich an zwei Stellen mit großem Erfolg 
gegraben. 8 ) In Abusir el-Mäläk, dem Wüstenhügel vor dem Eingang 
zum Faijüm, fand er jene Papyrussärge, die sich zu unserer Überraschung 
als aus alexandrinischen Papyri zusammengeklebt ergaben. 9 ) In Ele- 
phantine fand er die durch ihr hohes Alter und ihre vortreffliche 
Konservierung ausgezeichneten Akten, die er dann selbst herausgegeben 
hat. 10 ) Auf die aramäischen und demotischen Urkunden, die er dort fand, 



1) Vgl. jetzt P. Lille I, wo die frühere Literatur verzeichnet ist. 

2) Daher stammen die meisten der von Th. Reinach edierten Texte. 

3) Vgl. jetzt Beils Ausgabe von Lond. IV. 

4) Vgl. Jean Maspero, Etüde sur les papyrus d' Aphrodite'. Bull, de l'Inst. Franc. 
d'Arche'ol. Orient, t. VI (1908) S. 1 ff . Jetzt: Cair. Cat. 

5) Vgl. S. de Ricci, Bull. Papyrol. I S. 189. 

6) Vgl. seinen Bericht in Rendic. d. Accad. d. Lincei XII 12 (1903). — Zur Topo- 
graphie von Hermopolis vgl. Ev. Breccia, 'Epfto-0 n6Xis y fisyafoj im Bull, de la Soc. 
Archäol. d'Alex. Nr. 7 (1905) S. 18 ff. (mit Plan und Photographien und einem Ver- 
zeichnis der hermopolitanischen Papyri). Vgl. auch P. Viereck, Die Papyrusurkun- 
den von Hermopolis. Ein Stadtbild aus römischer Zeit. Deutsche Rundschau 1908, 
Oct. S. 98 ff. 

7) Vgl. meinen Bericht im Archiv II 294 ff. mit Plan von H. Schäfer. 

8) Vgl. z. B. seinen Bericht im Bull. Soc. Arche"ol. d'Alex. Nr. 8 S. 20 ff., und bei 
Jouguet, Chron. d. pap. II p. 3 f. 

9) Vgl. W. Schubart, Archiv V 35 ff. 
10) P. Eleph. s. unten p. XXVI. 



§ 3. Sammlungen und Editionen. XXIII 

ist schon p. XII hingewiesen worden. Sein Nachfolger, Dr. Zucker, hat 
die Ausgrabungen auf Elephantine mit gutem Erfolg fortgesetzt. Kürzlich 
waren auch P. Viereck und W. Schubart im Faijüm tätig. Alle deut- 
schen Grabungen genossen die unschätzbare Hilfe Ludwig Borchardts. 

Neben diesen methodischen Ausgrabungen der Gelehrten laufen die 
Bemühungen der Eingeborenen fort. Wenn auch gelegentlich wichtige 
Funde durch sie in den Handel kommen, wie neuerdings wieder die Pa- 
pyri von '^jiöXAavog noXtg 'EntaxGiybia 1 ), so ist doch für die Wissen- 
schaft zu wünschen, daß ihre Tätigkeit, wenn möglich, auf das Aufspüren 
neuer Plätze beschränkt werde, während die Ausgrabung selbst nur der 
Leitung erfahrener Forscher anvertraut werden sollte. 

Welche Schätze der Boden Ägyptens noch jetzt birgt, wird hoffent- 
lich die Zukunft enthüllen. Manches mögen noch die xoxqCcci der Städte 
im Niltal liefern. Aber die größeren Hoffnungen sind auf die Wüstenränder 
zu setzen mit ihren Nekropolen und ihren versandeten Siedlungen. 

§ 3. SAMMLUNGEN UND EDITIONEN. 

Die Papyri, die in Ägypten gefunden sind, sind heute über den ganzen 
Erdkreis verstreut. Nachdem noch vor kurzem nur Europa, Afrika und 
Amerika Papyri besaßen, sind durch die Verteilungen von Oxyrhynchos- 
Papyri kürzlich einige Texte auch nach Melbourne in Australien gekom- 
men. 2 ) Die größten Sammlungen befinden sich im British Museum zu 
London und im Queen's College zu Oxford, im Louvre zu Paris, in der 
kaiserlichen Hofbibliothek zu Wien (Papyrus Rainer), in der Ägyptischen 
Abteilung der königlichen Museen zu Berlin und im Museum zu Kairo. 
Daran schließt sich eine Reihe von mittelgroßen Sammlungen an, wie die 
in Leiden, Turin, Genf, Dublin, Straßburg, Heidelberg, Leipzig, neben 
denen eine große, beständig wachsende Zahl kleinerer Sammlungen steht, 
wie die von Hamburg, Bremen, Gießen, München, Würzburg, Graz, Basel 
u. a., von denen Hamburg und München bald in die zweite Klasse einrücken 
zu wollen scheinen. Wie viele Tausende von Papyri bereits in Sammlungen 
geborgen sind, läßt sich nicht einmal abschätzen. Aber auch schon die 
Zusammenzählung der publizierten Stücke — es mögen wohl in nicht all- 
zuferner Zeit gegen 10000 werden — würde eine zeitraubende Arbeit er- 
fordern. Einer späteren Zeit bleibt es vorbehalten, die gesamten Schätze in 
einem Corpus papyrorum zusammenzufügen. Wenn auch das glänzende 
Beispiel der Berliner Inschriften- Corpora zeigt, daß man nicht bis zum 
Aufhören der Funde warten soll, so ist doch, namentlich in Anbetracht der 

1) In der Thebais, gegenüber von 'Avraiov itoXig. Vgl. Wilcken, Archiv IV 163 ff. 
Kornemann, Klio VII 281ff. und P. Giss. 

2) Vgl. P. Oxy. IV S. 265 ff. 



XXIV Einleitung. 

geringen Zahl der Mitarbeiter, der ständig wachsenden Funde und der 
Tatsache, daß erst ein Teil der Museumsschätze ediert ist, noch nicht die 
Zeit für unser Corpus gekommen. Jetzt ist es noch die wichtigste Auf- 
gabe, die Bestände der Sammlungen in Sonderpublikationen zugänglich 
zu machen und das Edierte für die verschiedenen Wissenschaften zu ver- 
arbeiten. 

Um einen Überblick über die große Zahl der Einzeleditionen zu er- 
leichtern, ist im letzten Dezennium eine Reihe praktischer Hilfsmittel ge- 
schaffen worden. Ein sachlich geordnetes Verzeichnis aller publizierten 
Urkunden gab ich unter dem Titel General-Register im Archiv I lff. 
und 548 ff. heraus, das jetzt in zweiter Auflage erscheinen zu lassen meine 
nächste Aufgabe ist. Eine Zusammenstellung und Besprechung aller Edi- 
tionen, von den ältesten an, bieten P. Viereck in Bursian's Jahresberichten 
Bd. 98 (1898) S. 135 ff, Bd. 102 (1899) S. 244 ff. und Bd. 131 (1907) 
S. 36ff.; Seymour de Ricci, Bulletin Papyrologique in Rev. d. Etud. 
grec. XIV S. 163 ff., XV S. 408 ff, XVI S. 105 ff, XVIII S. 303 ff. und 
N. Hohlwein, La papyrologie grecque im Musee Beige VI — IX (auch 
separat erschienen). Abgesehen von den in vielen Zeitschriften zerstreuten 
Rezensionen und den Auszügen für Spezialfächer 1 ) erscheinen ferner seit 
einigen Jahren fortlaufende Referate über die neueren Urkundenpublika- 
tionen, so von P. Jouguet, Chronique des Papyrus (Revue d. Etud. An- 
ciennes V Nr. 2 [1903] und VII Nr. 2 [1905]); F. Kenyon, Greco-Roman 
Egypt (in dem von Griffith herausgegebenen jährlich erscheinenden Archaeo- 
logical Report des Egypt Exploration Fund) ; Wilcken, Papyrus-Urkunden 
(im Arch. I — V). Über die an die Editionen sich anschließenden Arbeiten 
orientieren ferner meine sachlich geordneten „Bibliographien" im Archiv 
(I 545 ff. II 160 ff, 463 ff. III 141 ff. IV 198 ff.). Vgl. auch die alphabetisch 
geordneten bibliographischen Notizen bei Wessely, Stud. Pal. I S. 17 ff., 
43 ff, 122 ff. Ein Abdruck aller außerhalb der großen Editionen vereinzelt 
edierten Papyrusurkunden wird von Preisigke vorbereitet (Sammelbuch 
griechischer Urkunden aus Ägypten). 

Um die Benutzung der in unserm Werk angewendeten Abkürzungen 2 ) 
der Editionstitel zu erleichtern, habe ich die Aufzählung der wichtigsten 
Papyruspublikationen im folgenden nach eben diesen Abkürzungen in al- 
phabetischer Reihenfolge angeordnet. Aus der großen Menge der Be- 
sprechungen konnten hier nur einige wenige aufgeführt werden. In den 
aus dem Archiv und aus Viereck bei Bursian (s. oben) zitierten Referaten 
sind meist Hinweisungen auf weitere Bearbeitungen zu finden. 



1) So berichtet Viereck in der Byzantinischen Zeitschrift über die byzantini- 
schen Texte, Mitteis in der Zeitschr. der Savigny - Stiftung Rom. Abt. über die ju- 
ristischen. Vgl. auch die oben p. XI zitierte Schrift von Ihm. 

2) Es sind die im Archiv eingeführten Abkürzungen. Vgl. Arch. I 24 usw. 



§ 3. Sammlungen und Editionen. XXV 

P. Alex. 1) — Mahaffy, Bull. Cor. H. 18, 145 (198). 2) = Botti, Pap. ptolem. du 
Musee d'Alex. Bull, de la Societe archeol. d'Alex. Nr. 2 (1899) S. 65 ff. Vgl. 
Wilcken, Archiv I 172 ff. Viereck 1907, 107. "Weitere Texte aus dem alex. 
Museum edierte 3) Breccia, Papiri greci del Museo di Alessandria, Bull, de la 
Soc. arch. d'Al. Nr. 9 (1907) S. 87 ff. Vgl. Wilcken, Arch. V 279 f. 

P. Auili. — i Grenfell and Hunt, The Amherst Papyri Part I (1900) (theologische 
Texte, darunter der Brief I 126), Part II (1901). Vgl. Wenger, Archiv II 41ff.; 
Wilcken II 117 ff.; Viereck 1907, 71 ff. 

P. Aphrodito = C.H.Becker, Arabische Papyri des Aphroditofundes. Z. f. Assyriol. 
XX (1896) S. 68 ff. Derselbe, Der Islam II 245 ff Darunter auch arabisch- grie- 
chische Bilinguen. Vgl. P. Heid. S. Wilcken, Archiv IV 185 f. — H. J. Bell, 
The Aphrodito Papyri. Jour. Hell. Stud. 28 (1908) S. 97 ff. Derselbe edierte im 
Archiv V 189 einen neuen Text dieser Gruppe. Eine Gesamtpublikation der Lon- 
doner griechischen Aphrodito-Papyri bietet jetzt Lond. P7. 

P. Aphrod. Cairö = Jean Maspero, Etudes sur les papyrus d' Aphrodite. Bull, de 
lTnst. fr. VII 1908. Vgl. Wilcken, Arch. V 283. Die Gesamtpublikation ist jetzt 
begonnen in Cair. Cat. 

P. Ashmol. = Mahaffy, On new papyrus fragments from the Ashmolean- Museum 
at Oxford. Transact. of the Roy. Irish Academy 31, 6 (1898) S. 197 ff. Vgl. 
Wilcken, Arch. I 165 ff. 

P. Ausonia = G. Vitelli, Tre documenti greco-egizi (AusoniaH 1907). Vgl.Wilcken, 
Arch. V 281. 

P. Basel. Vgl. E. Rabel, Eine Hypothekarurkunde aus der Zeit Hadrians 1909 (vgl. 
Arch. V 432). 

Berl. Bibl. = G. Parthey, Frammenti di papiri greci asservati nella R. bibl. di 
Berlino. Memorie d. Ist. d. corresp. archeol. n (1865) S. 438 ff. Vgl. Wilcken, 
Hermes 22, 142 ff. 

BGU = Ägypt. Urkunden aus d. kgl. Museen zu Berlin, herausg. von der General- 
verwaltung. Griechische Urkunden I 1895. II 1898. IH 1903. Von IV sind 11 Hefte 
erschienen. Zu beachten sind die „Berichtigungen und Nachträge" am Schluß 
der Bände. — Außer den Referaten im Archiv und den Nachweisen bei Viereck 
1907 S. 42 f. vgl. Mitteis, Hermes 30, 564 ff; 32, 629 ff. 

P. Boissier = J. Nicole, Avill. Flaccus prefet d'Eg. et Philon d'Alex. Rev. de phi- 
lol. XXH 18 ff. (= I 13). 

P. Bremen. Vgl. Wilcken, Archiv IV 163 ff. 385 f. V 246. 

P. Brux. = F. Mayence et Seymour de Ricci, Pap. Bruxellensis I. Musee Beige 
VIII (1904) S. 101 ff. (vgl. I 236). 

P. Cairo. Vgl. Grenfell-Hunt, Greek Papyri, Catalogue generale d. Antiqu. egypt. 
du Mus. du Caire, Nr. 10001—10869, 1903. Edition einzelner Texte: Grenfell- 
Hunt, Arch. 1 57 ff. H 79ff. (vgl. 11, 224, 304, 410). 

P. Cairo Cat. = Jean Maspero, Pap. grecs d'epoque byzantine, Catalogue gene'rale 
du Muse"e du Caire Nr. 67001—67089. Vgl. Wilcken, Arch. V 442. M. Geizer, 
Arch. V 346 ff. J. Partsch, GGA 1911, 306 ff. und Nachr. Gott. G. 1911, 201 ff. 

P. Cairo Preis. = Preisigke, Griech. Urkunden d. äg. Museums zu Kairo 1911. 

P. Cattaoui I = Grenfell, Hunt, P. Meyer, Arch. III 65 ff. (vgl. H 88, 372). 

P. Cattaoui II = L. Barry, Bull, de lTnst. franc. d'Arche"ol. Or. HI 1903. Vgl. 
Wilcken, Arch. in 548 ff. und I 354. 

P. Chic. = E. J. Goodspeed, Papyri from Karanis. Stud. in class. philol. HI Chi- 
cago 1900. Vgl. Viereck 1907, 105 f. 

P. Class. Philol. I = E. J. Goodspeed, A group of greek papyrus texts. Cl. Philol. 

I Nr. 2, Chicago 1906, S. 167 ff. Vgl. Wilcken, Arch. IV 174 f. 
Coinpt. B. de PAcad. 1905 =-- Seymour de Ricci, C. R. de l'Ac. d. Inscr. et Bell. 

Lettr. 1905 S. 160 ff. (= I 27, 28). 
CPHerm. = C. Wessely, Corpus papyrorum Hermopolitanorum I. Stud. z. Paläogr. 
und Pap. I Heft 5, 1905. Vgl. Wilcken, Arch. III 538 ff. 



XXVI Einleitung. 

CPR = C. Wessely (unter Mitwirkung von L. Mitteis), Corp. pap. Raineri I. 
Rechtsurkunden Wien 1895. Vgl. A. Hunt, Gott. Gel. Anz. 1897, 456 ff. Zereteli, 
Commentationes Nikitinianae, Petersb. 1901, S. 63 ff. (Neuausgabe von Nr. 23). 

P. Eleph. = O. Rubensohn, Elephantine-Papyri 1907 (Sonderheft von BGU). Vgl. 
Bouche-Leclercq, Rev. d. Philol. 1908, 129 ff. Crönert, Lit. Z. Bl. 1908, 270 f. 
Wilcken, Arch. V 200ff. 

P. Fay. = Grenfell, Hunt, Hogarth, Fayüm towns and their papyri 1900. Vgl. 
Viereck 1907, 69 ff. 

P. Flor. I = G. Vitelli, Papiri Fiorentini, documenti pubblici e privati dell' etä 
Romana e Bizantina I 1906. Vgl. Wilcken, Arch. HI 529 ff. IV 423 ff. Mitteis, 
Z. d. Savig. St. Rom 26, 484 ff. 27, 220 ff. 342 ff. Über die dieser Gesamtausgabe 
vorangegangenen Einzelpublikationen Vitellis, Comparettis und Breccias vgl. Vier- 
eck, Burs. 1906, 98ff. Wilcken, Arch. III 304 ff. 

P. Flor. II = D. Comparetti, Papiri Fiorentini, papiri letterari ed epistolari. 
1. fasc. 1908, 2. fasc. 1910. Vgl. Crönert, Lit. Z. Bl. 1908. Wilcken, Arch. 
V 251, 437 f. 

P. Gen. = J. Nicole, Les papyrus de Geneve I 1896 — 1906 (2. Fasc. und Indices 
u. Nachträge). Vgl. Wilcken, Arch. IU 368 ff. Viereck 1907, 92 ff. Über die 
früheren Einzelpublikationen Nicoles Viereck, Burs. 1899, 272ff. Außerdem vgl. 
Nicole, Arch. HI 225ff. und Nicole, Textes grecs inedits de la collection pap. 
de Geneve 1908 (vgl. Wilcken, Arch. V 433). 

P. Gen. lat. 1 = Nicole et Morel, Archives militaires du I er siecle. Texte inödit 
du Pap. latin de Gen. Nr. 1. 1900. Vgl. Mo mm sen, Hermes 35, 443 ff. v. Premer- 
stein, Klio III, 1 ff. Wilcken, Arch. 1545. Viereck, Burs. 1907, 94ff S. auch 
Nicole, Arch. H 63 ff. 

P. Gi88. = Griech. Papyri im Museum d. Oberhess. Geschichtsvereins zu Gießen I. 
1. Heft ed. Korneinann u. Eger, 2. Heft ed. P. Meyer. Vorhergehende Einzel- 
editionen: Kornemann, Klio VII 278 ff. VIH 398 ff. P. Meyer, Klio VHI 427 ff. 
ü. Eger, Arch. V 132 ff. 

P. Goodsp. = E. J. Goodspeed, Greek pap. from the Cairo Museum together with 
papyri of Rom. Eg. from American collections. Chicago 1902. Vgl. Wilcken, 
Arch. III 113 ff. Vitelli, Rendic. d. R. Accad. d. Lincei 1903, 433 ff. Atene e 
Roma VH 86 f. Viereck 1907 S. 106 f. 

P. Graz. Vgl. Wilcken, Der Grazer Papyrus, Arch. II 183 f. C. Wessely, Die Pa- 
pyri der öffentl. Sammlungen in Graz, Stud. Pal. I 114 ff. 

P. Grenf. I = Grenfell, An Alexandrian erotic fragment and other greek papyri 
chiefly ptolemaic. 1896. Vgl- Viereck 1899 S. 269f. Wilcken, Arch. HI 120 ff. 

P. Grenf. II = Grenfell and Hunt, New classical fragments and other greek and 
latin papyri 1897. Vgl. Viereck 1899, 270. Wilcken, Arch. III 122 ff. 

P. Hamburg = P. Meyer, Griech. Papyrusurkunden d. Hamburger Stadtbibliothek 
I 1 (1911). 

P. Hawara = Flinders Petrie, Hawara, Biahmu and Arsinoe 1899. Neu heraus- 
gegeben von J. G. Milne, Arch. V 378 ff. 

P. Heid. 1 = A. Deissmann, Die Septuaginta-Papyri und andere altchristl. Texte 
1905. Darin ein christlicher Brief. 

P. Heid. III = C. H. Becker, Papyri Schott-Reinhardt I 1906. Mit arabisch -grie- 
chischen Bilinguen. Vgl. oben P. Aphrodite Vgl. Wilcken, Arch. in 551. 

P. Hernais = Jahresberichte des k. k. Staatsgymnasiums in Hernals, Bd. XIII and 
XVI, mit Publikationen von C. Wessely. 

P. Hibeh I = Grenfell and Hunt, The Hibeh Papyri I 1906. Vgl. Schubart, 
Gott. Gel. Anz. 1907, 277 ff. Wilcken, Arch. IV 179 ff. 

P. Klein. Form. = C. Wessely, Griech. Papyrusurkunden kleineren Formats. Stud. 
Pal. I Heft 3 u. 8. Vgl. de Ricci, Bull. Papyr. HI 344. Wilcken, Arch. V 290 ff. 

P. Leid. = C. Leemans, Papyri graeci musei antiquarii publ. Lugd. Bat. I 1843. 
U 1885. Vgl. Viereck, Burs. 1898, 151. 



§ 3. Sammlungen und Editionen. XXVII 

P. Leipz. = C. Wessely, Die griech. Papyri Sachsens. Ber. Sachs. Ges. Wiss. 1885, 
237 ff. 

P. Lille = P. Jouguet (avec la collaboration de Collart, Lesquier, Xoual), Pa- 
pyrus Grecs I fasc. 1 et 2. 1907, 1908. Vgl. Viereck, Berl. ph. W. 1908 Sp. 290 ff. 
Crönert, Lit. Z. Bl. 1908. Br. Keil, Bull. Corr. Hellen. 32, 188 ff. (P. de Lille 
Nr. 1). Wilcken, Arch. V 217 ff. 

P. Lips. = L. Mitteis (mit Beiträgen von U. Wilcken), Griech. Urkunden der Pa- 
pyrussammlung zu Leipzig I 1906. Vgl. Wilcken, Arch. III 558 ff. IV 187 ff. 456 ff. 
Mitteis, Z. Savig. St. Rom. 27 (1906) 349 ff. Über die dieser Publikation voran- 
gegangenen Einzeleditionen von Mitteis und mir vgl. Viereck 1907, 45 ff. 

P. Lond. I, II, III = F. G. Kenyon, Greek papyri in the Brit. Museum. Catalogue 
with texts I 1893. n 1898. III (mit H. J. Bell) 1907. Dazu 3 Atlanten. Zu I vgl. 
Wilcken, Gott. Gel. Anz. 1894, 716 ff. Zu II Viereck 1899, 266 ff. Wilcken, 
Arch. I 131 f. III 232ff. Zu IE vgl. Grenfell-Hunt-Wilcken, Arch. IV 526 ff. 

P. Lond. IV = H. J. Bell, Greek papyri in the Brit. Museum (The Aphrodito Pa- 
pyri), with an appendix of coptic papyri ed. by W. E. Crum 1910. Vgl. Wilcken, 
Arch. V 451 f. und unten S. 231 ff. 

P. Magd. = P. Jouguet et G. Lefebvre, Papyrus de Magdola. Bull. Corresp. 
Hellen. 26 (1902) S. 95 ff, 27 (1903) S. 174 ff. Auch in Melanges Nicole S. 281 ff. 
Vgl. Wilcken, Arch. II 390 f. III 308 ff. IV 47 ff. Mahaffy, Arch. IV 56 ff. Th. 
Rein ach, Mel. Nicole S. 451 ff. 

Mel. Nicole = Melanges Nicole. Recueil de memoires — offerts ä J. Nicole, 1905. 
Hierin mehrere Urkundenpublikationen, von Comparetti, Goodspeed, Gradenwitz- 
Schubart-Vitelli, Jouguet-Lefebvre, Wessely. 

Mel. Rev. = E. Revillout, Melanges sur la metrologie etc. de l'ancienne Egypte 1895. 
Mit zahlreichen griechischen Urkunden. 

Mitt. PR = Mitteilungen aus d. Sammlung der Pap. Erzh. Rain. 1887 ff. I— VI. 

P. Miinch. = Pap. der Münchener Sammlung. Vgl. die Berichte von Wilcken, 
Arch. I 468 ff., L. Wenger, Sitz. Bayr. Akad. 1911, 8. Abh. 

P. Oxy. I— VIII = Grenfell-Hunt, The Oxyrhynchos-Papyri 1 1898. II 1899. HI 1903, 

IV 1904 [V enthält nur literarische Stücke]. VI 1908. Hunt VII 1910. VIH 1911. 
Zu I und H vgl. Viereck 1899 S. 271f. 1907 S. 68f., Wilcken, Arch. I 123 ff. 
Mitteis, Arch. I 178 ff. Zu HI, IV, VI vgl. Wilcken, Arch. III 116 ff. 311 ff. 

V 267 ff. Zur Literatur vgl. auch Arch. IV 203. 

P. Par. = Brunet de Presle, Notices et extraits des manuscrits grecs de la bi- 
bliotheque imperiale 18 (2) 1865 (mit einem Tafelbande). Vgl. Viereck, Burs. 
1898, 152 ff. Witkowski, Prodromus grammaticae pap. graec. aet. Lagidarum, 
Krakau 1897. 

P. Petersb. = E. Muralt, Catalogue des manucrits grecs de la bibl. imp. publ. de 
Peterbourg 1864. Über die Zusammengehörigkeit der Petersburger Fragm. mit 
denen der Berliner Bibl. vgl. Wilcken, Hermes 22, 142 ff. — Zwei Briefe aus 
der Sammlung Golenischef publizierte Zereteli, Journ. f. Volksaufklärung Bd. 328 
S. lff. (russisch). Vgl. Viereck, Burs. 1907, 104 f. 

P. Petr. I, II, III = J. P. Mahaffy, The Flinders Petrie Papyri with transcrip- 
tions, commentaries etc. Dublin. I 1891. II 1893. J. P. Mahaffy and J. G. Smyly 
III 1905 (Cunningham Memoires). — Zu I, H vgl. Wilcken, Gott. Gel. Anz. 1896, 
130ff. Zu III vgl. Viereck 1907, 79ff. Wilcken, Arch. lllöllff. 

P. Real. Ist. Veneto = G. Ferrari, Tre papiri inediti greco-egizi dell' etä bizan- 
tina. Atti d. R. Instituto Veneto LXVII p. 2, 1907/8 S. 1185 ff. Vgl. Wilcken, 
Arch. V 288. 

P. Rein. = Th. Reinach, Papyrus grecs et demotiques 1905. Vgl. Wilcken, 
Arch. IH521ff. Viereck 1907, 88f. 

P. Rev. = Grenfell (with introduction by Mahaffy), Revenue -Laws of Ptolemy 
Philadelphus 1896. Vgl. Wilcken, D. Lit. Z. 1897, 1015 ff. Viereck 1899, 
270 f. 



XXVIII Einleitung. 

P. Sakkakini = E. Revillout, Rev. Egyptologique III 118 ff. (Pap. in Athen). 

P. Schow = N. Schow, Charta papyracea graece scripta Mus. Borgiani Velitris. 
Romae 1788 (Pap. ietzt in Neapel). Vgl. Viereck 1898, 142 f. 

P. Schmidt = W. A. Schmidt, Forschungen auf d. Gebiet des Altertums. I. Die 
Papyrusurkunden der kgl. Bibl. zu Berlin 1842. Vgl. C. Wessely, Jahresber. 
Hernais XVI. 

Schub. Taf. — W. Schubart, Pap. graec. Berolinenses 1911. 

P. Straßb. = Fr. Preisigke, Griech. Papyrus der kais. Universitäts- und Landes- 
bibliothek zu Straßb. i. Eis. I, Heft 1 u. 2, Straßb. 1906, 1907. Vgl. L. Wenger, 
Gott. Gel. Anz. 1907, 313 ff. W. Schubart, Lit. Z. Bl. 1908 Sp. 407 f. Wilcken, 
Arch. V 251 ff. — Einzelne Stücke der Sammlung wurden ediert von: H. Bress- 
lau, Ein latein. Empfehlungsbrief (mit Tafel), Arch. HI 168 ff. Fr. Preisigke, 
Arch. ni 415 ff. Wilcken, Aus der Straßburger Sammlung, Arch. IV 115 ff. 
R. Reitzenstein, Zwei religionsgeschichtliche Fragen 1901 (vgl. Arch. H 4 ff). 

Stud. Pal. = C. Wessely, Studien z. Paläographie u. Papyruskunde I, Heft 1 — 10. 
Mit zahlreichen Texteditionen (darunter P. Klein. Form, und CPHerm.). 

P. Teb. = Grenfell-Hunt-Smyly, The Tebtunis Papyri I 1902. Grenfell-Hunt 
(Goodspeed), The Tebtunis Papyri II 1907. Zu Teb. I vgl. Viereck 1907, 74 ff. 
Zu Teb. II vgl. Schubart, Gott Gel. Anz. 1908, 187ff. Wilcken, Arch. V230ff. 

P. Thead. = P. Jouguet, Papyrus de Theadelphie 1911. Vgl. auch Seeck, Rhein. 
Mus. LXII 519 (Arch. V 289 f.). 

Theb. Bank = Wilcken, Aktenstücke aus der kgl. Bank zu Theben in d. Museen 
zu Berlin, London, Paris. Abh. Pr. Akad. 1886. 

P. Tor. = A. Peyron, Papyri graeci R. Taurinensis Musei Aegyptii. I 1826. II 1827. 

P. Vat. = Angelo Mai, Classicorum auctorum e Vaticanis codicibus editorum IV, V". 
Rom 1831 — 1833. Vgl. Bernard Peyron, Papiri greci del Museo Britannico di 
Londra e della Biblioteca Vaticana. Memorie d. R. Acc. d. Seien, di Torino, 
Ser. II, 3, 1851. Vgl. auch Witkowski, Prodromus (unter P. Par.). 

Wess. lat. Taf. = C. Wessely, Schrifttafeln zur älteren lat. Paläographie Leipz. 
1898. Vgl. Wilcken, Arch. I 370 ff. 

Wess. spec. scr. gr. = C. Wessely, Pap. seipturae graecae speeimina isagogica. 
Leipz. 1900. Vgl. Viereck 1907, 58 f. Wilcken, Arch. IV 408 ff. 

Wien. Denk. 37 = C. Wessely, Die Pariser Papyri des Fundes von el-Faijüm. 
Denkschriften d. Wien. Akad. 37 (1889). 2. Abt. 97 ff. 

Wien. Kais. = C. Wessely, Die griech. Papyri d. Kaiserl. Sammlungen Wiens. 
XI. Jahresb. K. K. Franz Joseph-Gym. 1885. 

Wien. Stud. In IH, 1 ff . Wessely, Der Wiener Pap. 26. In IV, 175 ff. Wessely, 
Der Wiener Pap. 31. In V, 1 ff. W. t. Hartel, Ein griech. Pap. aus d. J. 487 
n. Chr. In VIH, 175 ff. Wessely, Bericht über griech. Pap. in Paris u. London. 
In IX, 235 ff. und XII, 81 ff. Wessely, Griech. Pap. des Brit. Museum. 

Wilck. Taf. = Wilcken, Tafeln z. älteren griech. Paläographie. Leipz. 1891. 

Witkowski, Ep. pr. gr. = Witkowski, Epistulae privatae graec. quae in pap. 
Lagidarum servantur. 2. Aufl. 1911. 

P. Zois == A. Peyron, Pap. greco-egizi di Zoide dell' Inip. R. Museo di Vienna 1828. 
Neu herausgegeben von Wessely in P. Wien. Kais. 

§ 4. DIE SCHREIBMATERIALIEN. 1 ) 
Die Kunst der Papyrusfabrikation reicht in die Anfänge der ägypti- 
schen Geschichte hinauf: das Bild der zusammengerollten und verschnürten 



1) G. Seyffarth, Über das Papier der Alten nach Plinius und der Papyrus- 
staude im botanischen Garten zu Leipzig (Serapeum III 1842, 33 ff.). V. Gardt- 
hausen, Griech. Paläographie 1879, 29 ff; 2. Aufl. (Das Buchwesen im Altertum u. 
im byz. Mittelalter) 1911. Th. Birt, Das antike Buchwesen in seinem Verhältnis 



§ 4. Die Schreibmaterialien. XXIX 

Papyrusrolle gehört, soweit wir wissen, von jeher zu dem Bestände der 
Hieroglyphen. Die Darstellung des technischen Verfahrens, die Plinius 
h. n. XIII § 68 ff. für eine alexandrinische Fabrik gibt, wird durch die er- 
haltenen Originale aufs beste bestätigt und illustriert. 

Das Rohmaterial lieferte die Papyrusstaude (^ ndnvQog^ ij ßvßlog, 
jünger ßCßlog), die in den Sümpfen und Seen Ägyptens 1 ) in dichten 
Dickichten (öqvhol)*) wucherte. Zu der Frage, ob die Herstellung des 
Schreibstoffes königliches Monopol gewesen ist, vgl. unten S. 255. s ) Das 
Mark des dreikantigen Stengels wurde mit einem spitzen Instrument in 
möglichst dünne Streifen zerlegt, von denen die mittleren die besten 
waren, die der holzigen Schale sich nähernden die schlechteren. Nachdem 
diese Streifen je nach ihrer Qualität für die verschiedenen Papyrussorten 
geordnet waren, wurde auf der mit Nilwasser angefeuchteten Tabula zu- 
nächst eine Lage von Markstreifen in der Richtung auf den Arbeiter zu 
nebeneinander ausgebreitet, wobei nur so viele Streifen verwendet wurden, 
daß die Höhe der Lage beträchtlich länger wurde als die Breite. Darauf 
wurde eine zweite Lage von Streifen oben darauf gelegt, im rechten 
Winkel zur ersten, die nur so lang waren wie die Breite der unteren 
Lage. Diese beiden Lagen wurden darauf durch Pressen zu einer einheit- 
lichen Masse zusammengefügt. Ob hierzu auch Kleister zwischen die bei- 
den Lagen gestrichen war, ist strittig. 4 ) Waren die so gearbeiteten ein- 
zelnen Seiten (aekideg, paginae) an der Sonne getrocknet, so wurden sie 
noch in der Fabrik zu Rollen aneinander geklebt. Die Originale zeigen, 
daß immer die rechtshin folgende Seite mit ihrem linken Rande (ca. 1 bis 
1£ cm) unter den rechten Rand der vorhergehenden Seite geklebt wurde. 
Es war alte Sitte, in den Fabriken immer je 20 Seiten zusammenzukleben, 
die dann als „Stück" (scapus) in den Handel gingen. 5 ) Der Benutzer 
konnte natürlich je nach Bedarf mehrere scapi zusammenkleben oder auch 
mit dem laQtoröyLog nach Belieben vom Einzelnen abschneiden, soviel er 



zur Literatur 1882, 223 ff. Marquardt-Mau, Das Privatleben der Römer 8 1886, 807 ff. 
Wilcken, Recto oder Verso? Hermes 22, 487 ff. Derselbe, Ein neuer griechischer 
Roman, Hermes 28, 165 ff.; Hermes 41, 104 A. 1. Vgl. auch Griechische Ostraka I 
18 A. 1. E. M. Thompson, Handbook of greek and latin palaeography 1893, 27 ff. 
Fr. Kenyon, The palaeography of greek papyri 1899, 14 ff. K. Dziatzko, Unter- 
suchungen über ausgewählte Kapitel des antiken Buchwesens 1900. W. Schubart, 
Das Buch bei den Griechen und Römern (Handbb. der kgl. Museen zu Berlin) 1907. 
H. Ibscher, Beobachtungen bei der Papyrusaufrollung (Arch. V 191 ff.). 

1) Namentlich im Delta (vgl. Strabo XVH p. 800 C). Über ein ilog TtanvQixdv 
bei Alexandrien handelt BGU IV 1121. Auch im Faijüm wuchs Papyrus (Teb. H 308) 
Vgl. unten S. 255. 2) Vgl. Wilcken, Arch. V 236. 

3) Soeben hat hierüber eingehend gehandelt Fr. Zucker, Philologus 70 (N.F. 24), 
S. 79 ff. Vgl. oben p. IX. 

4) Dagegen namentlich Dziatzko 1. c. S. 83 ff. 

5) L. Borchardt, Z. f. ägypt. Sprache XXVII 120. Vgl. Wilcken, Hermes 
28, 166 f. Vgl. auch H. Ibscher, Arch. V 192. 



XXX Einleitung. 

wollte. Die von Birt angenommene Abhängigkeit des Autors vom Fabrikat 
hat nicht existiert. 1 ) Ehe aber der Papyrus in den Handel ging, war die 
Oberfläche durch Hämmern und durch Reiben und Schaben mit Muscheln 
oder Zähnen aufs sorgfältigste geglättet und durch Bestreichen mit einem 
feinen Kleister „satiniert" worden. 

Die Originale lassen vielfach 2 ) noch heute erkennen, daß diese Pro- 
zedur der Glättung nur einer von beiden Seiten des Papyrus zuteil 
wurde, und zwar derjenigen, die während der Fabrikation die obere war, 
die also aus den horizontalgelegten Querstreifen bestand. 3 ) Da sich mir 
außerdem aus den Originalen ergab, daß die Schrift des einseitig be- 
schriebenen Papyrus in der Regel auf eben dieser Seite mit den Hori- 
zontalstreifen steht 4 ), so habe ich daraus im Hermes 22, 487 ff. die Regel 
abgeleitet, daß nur diese Horizontalseite eigentlich zum Beschreiben be- 
stimmt war und auch in der Regel zunächst beschrieben wurde, während 
die Rückseite nur nachträglich, zur Ausnützung des wertvollen Materials, 
zum Schreiben verwendet worden ist. 5 ) Wir unterscheiden danach das 
Recto, die Seite mit den horizontalen Streifen und daher den horizontal 
verlaufenden Fasern (s. Anm. 3), und andrerseits das Verso, die Seite 
mit den vertikalen Fasern. Es ergibt sich daraus die wichtige Regel, daß 
in beiderseitig beschriebenen Rollen (o%L6&6yQa<poC) der Text des Recto 
der ältere ist. Auch für den Interpreten der Papyrustexte ist daher eine 
Kenntnis dieser technischen Verhältnisse erforderlich. Natürlich liegt hier 
kein Naturgesetz vor, das keine Ausnahmen duldete, sondern nur eine 
Regel, aber eine solche, die durch die Technik der Fabrikation bedingt 
ist und daher fast ausnahmslos beobachtet wird. So können schnell hin- 
geworfene kurze Notizen oder Brouillons auch wohl einmal auf das Verso 
geschrieben werden, wenn auch das Recto noch leer ist 6 ), aber im übrigen 
ist die Regel mit großer Präzision gehandhabt worden, wie viele Tausende 
von Fällen deutlich zeigen. 7 ) Ob die Schrift auf dem Recto parallel der 
Höhe oder der Breite steht, also ob sie mit den Fasern oder gegen die 



1) Vgl. Wilcken, Hermes 28, 165 fi. 

2) Bei besonders feinen Sorten ist allerdings ein Unterschied in der Behandlung 
der beiden Seiten kaum zu spüren. 

3) "Wenn auch die Ränder der einzelnen aneinandergelegten Streifen bei gut 
gearbeiteten Stücken nicht mehr sichtbar sind, so erkennt man doch die Richtung der 
Streifen an gewissen dunklen Fasern, die das Pflanzenmark in der Richtung des 
Schaftes durchziehen. 

4) H. Ibscher, Arch. V 1. c. hat bemerkt, daß die Horizontalseite technisch 
auch geeigneter war, beim Rollen nach innen genommen zu werden. 

5) Tatsächlich sind vom Publikum in den meisten Fällen die beiden Seiten 
benutzt worden. Motiviert wird es z. B. in einem auf dem Verso stehenden Brief 
(Gen. 52, 1): XuqxLov ■x.cc&kqov (ir} svgav ngbg xt\v ojqccv Big xovxov h'yQCcipa. 

6) Vgl. Hermes 41, 104 A. 1. 

7) Bestätigt auch durch die Erfahrungen von Ibscher, Arch. V 1. c. 



§ 4. Die Schreibmaterialien. XXXI 

Fasern läuft, ist eine Frage, die mit der nach Recto und Verso garnichts 
zu schaffen hat. 1 ) Vgl. p. XL VII. 

Der zum Beschreiben fertiggestellte Papyrus hieß %ccQrr]g (carta). Ein 
XaQToxcbXrjQ ist ein „Papierhändler". Der beschriebene Papyrus dagegen 
wurde mit ßCßXog und seinen Ableitungen bezeichnet. 2 ) Die Rolle ( Volu- 
men) wurde gelegentlich als t£v%og bezeichnet, was von dem Namen der 
die Rollen bergenden capsa übertragen ist. 3 ) Im Kanzleistil zitiert man 
in der Regel nach t6[iol (Rollen) und xolkrmara (Seiten). 4 ) Wird durch 
Zusammenkleben verschiedener Akten im Bureau eine Rolle gebildet, so 
nennt man dies einen (röfiog) 6vyxoXXiJ6i[iog. Zu elgofiwov vgl. Wilcken, 
Arch. IV 462 und V 281 (s. Bd. II 63). 

Wie Plinius 1. c. lehrt, wurden sehr verschiedene Sorten von Papyri 
hergestellt, die sich abgesehen von der Feinheit der Technik auch durch 
die verschiedene Breite der einzelnen pagina unterschieden. 5 ) Auch unter 
den Originalen treten die verschiedensten Qualitäten uns entgegen. 

Da der Pergamentkodex, der in den ersten Jahrhunderten nach Chr. 
allmählich aufkam, den Papyrus in Ägypten nur als Literaturträger ver- 
drängte, so braucht hier auf das Pergament nicht eingegangen zu werden. 
Wohl aber ist das Format des Codex 6 ) in der jüngeren Zeit gelegentlich 
auch auf den Papyrus angewendet worden, und außer zu literarischen 
Zwecken ist hin und wieder ein Papyruskodex auch zur Aufnahme von 
Akten verwendet worden. Vgl. z.B. BGU IV 1024—1027 (IV. Jahrh. n.Chr.) 
und Flor. 71 (dito). 

Dagegen ist der Papyrus in Ägypten schließlich erlegen der Kon- 
kurrenz des Hadernpapieres, von dem seit dem IX. Jahrhundert zahl- 
reiche Proben durch die ägyptischen Funde zutage gekommen sind. Die 



1) Vgl. Hermes 22, 490 Anm. Griech. Ostraka I 18, 1. Vgl. auch die Auefüh- 
rungen von Grenf eil -Hunt in P. Grenf. II S. 211 ff. In diesem Punkte werden immer 
wieder Irrtümer begangen. Auch Gardthausens Behandlung in der 2. Aufl. S. 60 f. 
leidet wieder durchweg an dieser Unklarheit. 

2) BißXog steht, weun es nicht die Pflanze bezeichnet, in der Regel für das 
Literaturbuch. Vgl. P. Par. 19, 2; Oxy. III 470, 24; Teb. II 43; Oxy. VI 886, 2. Mit 
ßißXLu werden allgemein Akten, Papiere bezeichnet, während xb ßißXiSiov eine Nach- 
bildung von libellus (Eingabe) ist. Erst im IV. Jahrh. n. Chr. verdrängt das ßtßXiov 
das ßißXiSiov. Vgl. hierzu Wilcken, Arch. V 262 f. und 441. 

3) Über xev%og = Rolle vgl. Wilcken, Hermes 44, 150 f. Birt, Die Buchrolle in 
der Kunst S. 21. S. vor allem BGU 970, 4. Anders Schubart, Das Buch S. 102. 

4) KöXXrificc kann hier nur die Schriftkolumne bedeuten, nicht, wie ursprünglich, 
die in der Fabrik hergestellte Einzelpagina. 

5) Plinius unterscheidet die Augusta, Livia, hieratica, amphitheatrica (von Fan- 
nius verfeinert), Saitica, Taeneotica, emporetica. Die Augusta wird die frühere regia 
sein. Im übrigen vgl. die obige Literatur. 

6) Vgl. außer der obigen Literatur zum Codex auch G. A. Gerhard, Neue 
Heidelberger Jahrbb. XH 142 ff. 



XXXII Einleitung. 

grundlegenden Untersuchungen von Karabacek und Wiesner 1 ) haben 
uns gelehrt, daß das Hadernpapier nicht, wie früher angenommen wurde, 
erst im XIII./X1V. Jahrhundert von Deutschen oder Italienern erfunden 
ist, sondern daß schon im VIII. Jahrhundert in Samarkand, durch Vermitt- 
lung chinesischer Gefangner, Hadernpapier hergestellt worden ist, dessen 
Fabrikation sich allmählich nach Westen hin ausdehnte, bis im IX. Jahr- 
hundert uns die ersten Proben auch in Ägypten begegnen. Dieses Hadern- 
papier hat dann im X. Jahrhundert den Untergang der Jahrtausende alten 
Papyrusfabrikation herbeigeführt. Dies war zugleich der Anlaß für die 
Überführung des Papyrus und seiner Fabrikation nach Sizilien. Diesen 
sizilischen Papyrus hat dann u. a. die päpstliche Kanzlei bis zum XL Jahr- 
hundert verwendet. 2 ) So ist in Ägypten die Papyrusfabrikation ungefähr 
zu gleicher Zeit mit der griechischen Sprache erloschen. 

Neben dem Papyrus sind seit alten Zeiten auch die verschiedensten 
anderen Materialien zum Schreiben benutzt worden. Hiervon seien an 
dieser Stelle besonders hervorgehoben die Ostraka und die Holztafeln. 
Für die ersteren (Scherben zerbrochener Tongefäße) verweise ich auf 
meine „Griechischen Ostraka aus Ägypten und Nubien" 1899. 3 ) An Holz- 
tafeln sind in Ägypten einmal Wachstafeln gefunden, wie sie in der grie- 
chischen und römischen Welt beliebt waren, ferner Holztafeln, auf die 
direkt mit Tinte und Kalamos geschrieben ist. Teils sind es Schultafeln, 
teils Urkunden, die inhaltlich den Papyri ganz parallel stehen. 4 ) Eine 
ägyptische Spezialität sind die Mumienetiketten. 5 ) Zur Publikation von 
Erlassen usw. dienten auch geweißte Holztafeln (ksvTtcoficcta), die öfter 
genannt werden. 6 ) 

Zum Schluß ein Wort über Kalamos und Tinte, mit denen nicht 
nur auf Papyrus, Pergament und Papier, sondern auch auf Ostraka, Kalk- 
steinsplitter, Holz 7 ) und Leinwand geschrieben wurde. Als Schreibfeder 
diente der Kalamos, ein zugespitztes Rohr, das in älteren Zeiten unge- 
spalten benutzt wurde. Vor dem Gebrauch erweichte man die Spitze im 

1) Mitt. Pap. Rainer II/HI S. 87 ff. IV S. 75 ff. Vgl. auch Karabacek, Führer 
P. R. p. XVII ff. 

2) Vgl. L. Schmitz-Kallenberg, Diplomatik in Meisters Grundriß der Ge- 
schichtswissenschaft I 1 S. 199. — Aus den Papyrusdickichten am Anapo wird be- 
kanntlich noch heute für die Fremden „Papyrus" gearbeitet (seit Landolina im 
XVIII. Jahrh.). Ist der Stoff auch derselbe wie der alte, so ist doch die Anordnung 
der Schichten eine völlig andere, wie ich aus einem mir gehörigen Stück ersehe. 

3) Über spätere Arbeiten wird im Archiv IV 247 ff. berichtet. 

4) Vgl. die Bankquittungen aus Theben in Griech. Ostraka I S. 65 und die 
Rechtsurkunden bei de Ricci und Girard. Vgl. die Übersicht im Archiv IV 250 ff. 

6) Vgl. unten S. 422. 

6) A. Wilhelm, Beiträge zur griech. Inschriftenkunde 1909 S. 239ff. 250ff. Vgl. 
dazu S. 306 zu Z. 9. 

7) In Holz wurde auch geritzt. In die Wachstafel grub man die Schrift mit 
dem Stilus. 



§ 5. Die Schrift. XXXIE 

Munde, um sie zur Aufnahme der Flüssigkeit tauglicher zu machen. Erst 
während der griechisch-römischen Periode scheint man dazu übergegangen 
zu sein, die Rohrfeder zu spalten (wie unsere Stahlfedern). Erst dadurch 
erhielt der Kalamos die Elastizität, um die Schriftzüge an- und abschwellen 
zu lassen. Es fehlt noch an einer Untersuchung der erhaltenen Schriften 
unter dem Gesichtspunkt der Benutzung des gespaltenen oder ungespal- 
tenen Kalamos. 

Die tiefschwarze Tinte, die so ausgezeichnet durch die Jahrtausende 
sich erhalten hat, ist aus Ruß, Gummi und Wasser hergestellt. Erst in 
byzantinischer Zeit begegnet uns gelegentlich eine mehr bräunliche Tinte, 
die sich weniger gut hält. Diese ist vor der Berührung mit Feuchtigkeit 
zu hüten, da sie leicht verwischt. Nur selten begegnen Schriftstücke, die 
mit einer roten Tinte geschrieben sind. Es ist noch zu untersuchen, für 
welche Fälle sie Anwendung fand. 1 ) Wollte man beschriebenes Papier 
nochmals zum Schreiben verwenden, so konnte die Tinte leicht mit einem 
Schwamm abgewaschen werden. Doch blieben gewöhnlich noch einige 
Überreste stehen. Das ist sehr viel häufiger geschehen als in den Edi- 
tionen angemerkt worden ist. Wollte man etwa zur Fälschung von Ur- 
kunden eine völlige Tilgung einzelner Worte herbeiführen, so bediente 
man sich dazu besonderer Salben. Daher wird gelegentlich die Echtheit 
von Aktenstücken bezeugt durch Worte wie: xccd-ccQov ajcb iniyQcupfis xcci 
äXsitpatoq (oder %(OQig äXeltpaxog o. ä.). 2 ) 

§ 5. DIE SCHRIFT. 

Da die Art des Schreibmaterials nicht ohne Einfluß auf die Anwen- 
dung der Schrift ist, ist es unsere Aufgabe, die so entstehenden Nuancen 
festzustellen. In diesem Sinne ist es berechtigt, von Papyrusschrift, Per- 
gamentschrift, Steinschrift, Bronzeschrift usw. zu sprechen. Aber es sollte 
nie vergessen werden, daß das nur Abwandlungen einer und derselben 
Schrift sind. Es hat sehr geschadet, daß man sich bemüht hat, Paläo- 
graphie und Epigraphik als zwei gesonderte Disziplinen streng voneinander 
zu scheiden. Die vergeblichen Versuche, eine logische Definition für 
diesen Gegensatz zu finden 3 ), zeigen nur, daß künstlich auseinandergerissen 
wurde, was von Natur zusammengehört. Das Ziel der Wissenschaft kann 
nur sein, eine einheitliche Schriftlehre zu schaffen. Ich habe schon 
im Arch. I 374 erklärt, daß wir reuig zurückkehren müssen zu unserm 
uQXyy&ys Bernard de Montfaucon, der bereits paläographische und epi- 
graphische Denkmäler in der Forschung vereinigt hat. Vereinzelt ist es 
ja auch neuerdings schon geschehen, aber man ist noch weit davon ent- 

1) Über die rote Tinte in den Militärkanzleien vgl. die Einleitung zu 468. 

2) Vgl. Wilcken, Archiv I 125. 

3) Vgl. die verschiedenen Versuche bei Gardthausen, Gr. Paläographie S. 1 ff. 



XXXIV Einleitung. 

fernt, das prinzipielle Postulat anzuerkennen oder gar durchzuführen. Ge- 
wiß ist es aus praktischen Gründen begreiflich, daß eine Arbeitsteilung 
erfolgt, aber dann sollten die Papyrusforscher und die Epigraphiker nicht, 
wie jetzt meist, nebeneinander hergehen, sondern miteinander arbeiten. 
Wissenschaftlich viel höher stünde es, wenn wir Schriftgelehrte bekämen, 
die jene verschiedenen Schriften nur als Spielarten der einheitlichen 
Schrift behandelten. In dieser kurzen Einleitung muß ich mich auf die 
Papyrusschrift beschränken. Aber die hinzukommenden Jünger der Papy- 
rusforschung wollte ich doch darauf hinweisen, wie nötig es ist, daß sie 
die epigraphischen Denkmäler — abgesehen von der Verwandtschaft des 
sachlichen Inhaltes (vgl. p. XIV) — auch für die Erforschung der Schrift 
heranziehen. 

Das beste Hilfsmittel zur Erlernung der Papyrusschrift stellen 
natürlich die Originale dar, die ja jetzt in zahlreichen Städten zugänglich 
sind. Wer keine Originale zur Verfügung hat, muß zu Reproduktionen 
greifen, nur soll er nicht übersehen, daß auch die besten Reproduktionen 
in Einzelheiten täuschen können. Mehrere der oben in § 3 genannten 
Ausgaben enthalten Facsimilia einzelner Texte. 1 ) An besonderen Tafel- 
werken nenne ich: Die von Deveria gezeichneten Planches zu den P. 
Par. — U. Wilcken, Tafeln zur älteren griech. Paläographie nach Origi- 
nalen des Berliner Museums, zum akademischen Gebrauch und zum Selbst- 
unterricht 1891 (Giesecke u. Devrient), 20 Tafeln mit Einleitung und Lese- 
proben. — Greek Papyri in the British Museum, Facsimiles, printed 
by order of the Trustees 1 1893, II 1898, III 1907. — In demselben Großfolio- 
Format sind die Tafeln der Palaeographical Society und ihrer Fort- 
setzung. — C. Wessely, Papyrorum scripturae graecae specimina isagogica 
1900 (Avenarius). Autographie von Urkunden aus der Zeit des Augustus 
und Tiberius. Vgl. auch Wesselys Studien zur Paläographie und Papyrus- 
kunde. — Soeben erschien: W. Schub art, Papyri graecae Berolinenses 
1911 (Bonn, Marcus u. Weber), Heft 2 der von Lietzmann herausge- 
gebenen Tabulae in usum scholarum. 50 Tafeln mit kurzen Beschreibungen 
und Leseproben. Hier ist für einen billigen Preis eine gute Auswahl von 
Texten in wohlgelungenen Tafeln vom IV. Jahrh. v. Chr. bis zum VIII. Jahrh. 
n. Chr. geboten. 

Für die lateinische Papyrusschrift, die ich hier nur nebenbei streifen 
kann, bieten Arndt-Tangl, Schrifttafeln zur Erlernung der lateinischen 
Paläographie, 3. Aufl. 1903, mehrere Proben. Spezieller widmet sich der 
Papyrusschrift C. Wessely, Schrifttafeln zur älteren lateinischen Paläo- 
graphie 1898. 20 Tafeln in Autographie. Vgl. dazu meine Besprechung 
im Arch. I 370 ff. Photographische Reproduktionen lateinischer Papyri 

1) Besonders wichtig für das III. Jahrh. v. Chr. sind die zahlreichen Tafeln zu 
den Petrie-Papyri. 



§ 5. Die Schrift. XXXV 

bieten vielfach auch die Editionen. Vgl. Gen. lat. 1, P. Oxy. an mehreren 
Stellen, Arch. III hinter S. 338 zu dem Straßburger Brief (ed. H. Bresslau 
ebendort S. 168) usw. 

An spezielleren Arbeiten über die Papyrusschrift 1 ) sind zu nennen: 
Wilcken, Observationes ad historiam Aegypti provinciae Romanae. Altera 
pars: Observationes palaeographicae. Diss.Berl.1885. Vgl. auch meine Einlei- 
tung zu den oben genannten „Tafeln" und vor allem Arch. 1 354 ff. — Fr. Blaß , 
Griechische und lateinische Paläographie in Iw. Müllers Handbuch I (wo 
allerdings die Urkundenschrift sehr zurücktritt). — E. M. Thompson, 
Handbook of greek and latin palaeography 1893. — Fr. Kenyon, The 
palaeography of greec papyri, with twenty facsimiles and a table of 
alphabets, 1899. Vgl. meine Besprechung im Arch. I 354 ff. — C. Wes- 
sely, Studien zur Paläographie und Papyruskunde. — Außerdem haben auch 
die Editoren oft über paläographische Fragen gehandelt, wie Mahaffy 
zu den Petrie- Papyri, Grenfell-Hunt zu manchen Texten ihrer zahl- 
reichen Editionen u. a. Rühmend sei hier besonders auch der alte Nico- 
laus Schow hervorgehoben, der der ersten Entzifferung einer cursiven 
Urkunde (vgl. oben p. XVH) eine eingehende Adnotatio palaeographica nebst 
Tafeln angefügt hat. 

Ich übergehe die griechische Tachygraphie, wiewohl mehrere Ur- 
kunden solche bieten, da eine Entzifferung bisher noch nicht gelungen ist. 
Wertvolle Vorarbeiten hierzu sind von Gardthausen, Wessely u. a. in 
dem von Dewischeit neu begründeten Archiv für Stenographie und an 
anderen Stellen publiziert. Vgl. z. B. Gardthausen, Geschichte der grie- 
chischen Tachygraphie im Archiv für Stenographie 57. Jahrg. Besonders 
wichtig sind auch die von Wessely in den Wien. Denk. 1895 edierten 
Skalen. 

1. Die Prinzipien der Schriftentwicklung. 2 ) 
Wir unterscheiden die Unzialschrift, die die Buchstaben in der Regel 
unverbunden nebeneinander stellt, und die Kursivschrift, die sie möglichst 
miteinander verbindet. Die Buchstaben jener sind meist nur leichte Um- 
wandlungen der auf den gleichzeitigen Steininschriften üblichen Formen, 
die Buchstaben dieser sind durch die Ligaturen u. a. stärker verändert. 
Die Unziale ist vorwiegend Buchschrift, die Kursive vorwiegend Urkunden- 
schrift, doch gibt es auch Klassikertexte in Kursive — das sind dann 
private Abschriften wie Aristoteles' jtd-r]vaC(ov TColtrsCa — und auch einige 
Urkunden in Unziale. 3 ) 



1) Die ältere Literatur findet man in Gardthausens Griechischer Paläo- 
graphie 1879 und Wattenbachs Anleitung zur griech. Paläographie 3. Aufl. 1895. 

2) Vgl. meine Observationes S. 36 ff. und Arch. I 361. 

3) Vgl. die Beispiele im Arch. I 366. 



XXXVI Einleitung. 

Der Anfänger steht betroffen vor der Fülle der verschiedenartigsten 
Schriftarten; der Kenner sieht einen gewissen gleichartigen Duktus trotz 
aller individueller Verschiedenheiten in den derselben Periode angehörigen 
Texten. Wir haben gelernt, nicht nur die Schriftarten der ptolemäischen 
und römischen, byzantinischen und arabischen Periode auseinanderzuhalten, 
sondern auch noch genauer die Jahrhunderte zu trennen. Dies gilt von 
der Kursive, deren Entwicklung zu erkennen uns durch die zahlreichen 
datierten Urkunden erleichtert wird, nicht von der Unziale, die als Kopier- 
schrift besonders schwierig zu datieren ist. 1 ) Jenen gleichartigen Duktus 
der gleichzeitigen Kursivschriften möchte ich auch heute noch, wie in 
meiner Dissertation, auf die Einwirkung der allen gemeinsamen Schule 
zurückführen. Hier lernten alle zunächst dieselbe Unziale und die Anfänge 
der Ligaturen. 2 ) Die volle Entwicklung der Kursive brachte erst das prak- 
tische Leben, und hier herrschte individuelle Freiheit, wenn auch in 
dieser höheren Entwicklung der Einfluß einer gewissen Mode nicht zu 
verkennen ist. 

Hiernach kann man angesichts der ungeheuren Mannigfaltigkeit der 
kursiven Schriften nicht daran denken, eine einheitliche Entwicklungs- 
reihe festzustellen, sondern Aufgabe der Wissenschaft ist es, die verschie- 
denen subjektiven und objektiven Motive, die zu der Entwicklung der 
verschiedenen Schreibarten geführt haben, aufzudecken, die vorhandenen 
Handschriften hiernach zu klassifizieren und so eine Anzahl verschiedener 
paralleler Entwicklungsreihen festzulegen. 3 ) Die subjektiven Prinzipien 
der Schriftentwicklung liegen in der Person des Schreibers selbst. Sie 
sind bedingt durch den Grad seiner Bildung, durch das Maß seiner 
Schreibübung, durch seinen Beruf. Die professionellen Schreiber müssen 
von den Gelegenheitsschreibern geschieden werden. Aber auch eine und 
dieselbe Person schreibt verschieden, je nach dem Objekt der Schriftstücke 
und nach den Umständen. So ist die Wichtigkeit des Textes, das Verhältnis 
des Schreibers zum Adressaten maßgebend für die Sorgfalt, die er auf- 
wendet. Ebenso ist entscheidend, ob eine Reinschrift oder ein Brouillon 
gemacht wird, auch ob Original oder Kopie in Frage steht. Je nachdem 
sind verschiedene Tendenzen zu erkennen, entweder möglichst schön und 
deutlich zu schreiben oder nur möglichst schnell und bequem die Aufgabe 
zu erledigen. Wenn man so die fast unübersehbare Fülle der kursiven 
Schriftarten nach solchen subjektiven und objektiven Prinzipien ordnet 
und immer nur die unter gleichen Verhältnissen entstandenen Schriftstücke 
miteinander verbindet, wird man schließlich zur Erkenntnis jener paral- 
lelen Entwicklungsreihen kommen. Auch dem Anfänger sei es empfohlen, 



1) Vgl. Arch. I 364 f. 2) Vgl. unten S. 137. 

3) Hierfür trat ich im Archiv I 361, 367 ein. 



§ 5. Die Schrift. XXXVII 

sich diese Fragen vorzulegen und zu einer Beurteilung des einzelnen 
Stückes unter diesen Gesichtspunkten zu kommen. 

Bei genaueren Untersuchungen wird sich wahrscheinlich herausstellen, 
daß es innerhalb der ägyptischen Kulturwelt an verschiedenen Stellen 
gleichzeitig verschiedene Moden gegeben hat. Im einzelnen konnte schon 
beobachtet werden, daß z. B. bestimmte Kanzleien ihre eigenen paläogra- 
phischen Sonderheiten haben, nicht nur die Kanzleien der Präfekten von 
Ägypten, aus der wir kürzlich ein Original kennen lernten (Schubart, 
Taf. 35) *), aber es fehlt noch an gründlicheren Untersuchungen unter 
diesem Gesichtspunkt. Vgl. Arch. V 185. Andrerseits ist wieder der ägyp- 
tische Stil als Einheit dem außerägyptischen gegenüberzustellen. So rinden 
sich z. B. in den kleinasiatischen Papyri Besonderheiten, die in Ägypten 
nicht nachweisbar sind. So haben wir jetzt zwei Belege für ein eigen- 
artiges d für Myra in Lycien. Vgl. unten S. 184. 

2. Die Buchstabenformen. 2 ) 

Das Alphabet, das in der Papyrusschrift allein in Anwendung kommt, 
ist das milesische. Was die Formen betrifft, so führt die Benutzung des 
Kalamos leicht zu Abrundungen der Ecken, an denen andrerseits der 
Steinmetz, gleichfalls aus technischen Gründen, länger festhält. Die älte- 
sten Papyri, aus dem Ende des IV. Jahrh., der Timotheos, der Artemisia- 
papyrus und Eleph. 1, zeigen noch ein eckiges E, der Timotheos hat 
auch noch das eckige ^. Vgl. Schubart, Taf. 1 und 2. Eine sehr nütz- 
liche Vergleichung des gesamten Alphabets dieser ältesten Stücke (mit 
vergrößerten Reproduktionen der Buchstaben) bietet Alfred Jacob, Le 
trace de la plus ancienne ecriture onciale. 3 ) Es kann nur empfohlen 
werden, mit derselben genauen Beobachtung der Kalamosführung die all- 
mählichen Wandlungen der Formen durch die Jahrhunderte zu verfolgen. 

Die einzelnen Handschriften bekommen, je nachdem sie die runden 
Buchstaben als Kreise oder als Ovale zeichnen, also €0OC oder 680C, 
ihr besonderes Gepräge, dies um so mehr, als auch die anderen Buch- 
staben entsprechend ihren besonderen Charakter erhalten. Dieser Unter- 
schied hängt meist mit einem anderen, dem zwischen Steilschrift und 
Schrägschrift zusammen. Bei der Schrägschrift (nach rechts geneigt) wer- 
den die Kreise unwillkürlich zu Ovalen; freilich kann man auch mit Ab- 
sicht die Ovale in Steilschrift schreiben. Die herrschende Ansicht, daß 
diese zwei verschiedenen Arten chronologisch getrennt seien, daß man in 

1) Die sogenannte Kaiserkursive ist nichts weiter als die Schrift der kaiser- 
lichen Kanzlei. Vgl. Arch. I 373 f. Üher ihre Beziehungen zu jener Schrift der Kanzlei 
des Präfekten vgl. Arch. V 436. 

2) Zumal die Formen im Typendruck schwer wiederzugeben sind, bevorzuge ich 
hier die prinzipiellen Gesichtspunkte. 

3) Annuaire de l'Ecole pratique des hautes etudes 1906 S. 5 ff. 



XXXVm Einleitung. 

gewissen Jahrhunderten nur Steilschrift (mit Kreisen), in anderen nur 
Schrägschrift (mit Ovalen) geschrieben habe, halte ich nicht für zutref- 
fend. Im Anschluß an Ceriani habe ich im Arch. I 367 ff. gezeigt, daß 
auch in der Unziale, für die jene Regel besonders aufgestellt ist, die 
kreisrunden und die ovalen Formen durch die Jahrhunderte hindurch 
nebeneinander nachweisbar sind, womit nicht geleugnet werden soll, daß 
hie und da bestimmte Moderichtungen die eine oder andere Art bevor- 
zugt haben. Für die Kursive kann das Nebeneinander der beiden Arten 
nicht bestritten werden. Urkunden, die von verschiedenen Händen ge- 
schrieben sind, zeigen oft nebeneinander Steilschrift und Schrägschrift. 
Vgl. z. B. Schubart, Taf. 37 a. 

Wichtiger für die Formen der Buchstaben als diese Unterschiede ist 
die Frage, ob sie einzeln nebeneinander gestellt (Unziale) oder mitein- 
ander verbunden werden (Kursive), denn in letzterem Falle erleiden die 
Formen der Buchstaben eben durch die Verbindungen (Ligaturen) z. T. 
sehr wesentliche Veränderungen. Auf die große Bedeutung der Ligaturen 
für die Buchstabenformen hat namentlich Gardthausen in seiner Paläo- 
graphie nachdrücklich hingewiesen. Wir können mittelbare und unmittel- 
bare Ligaturen unterscheiden. Unter ersteren verstehe ich diejenigen Fälle, 
in denen die beiden Buchstaben durch einen künstlich eingefügten (meist 
horizontalen) Ligaturstrich verbunden werden. Diese Art begegnet m. W. 
nur in der Ptolemäerzeit und den ersten Anfängen der Kaiserzeit. Klare 
Beispiele bieten z. B. die Ptolemäertexte bei Schubart, Taf. 6 ff. (aus dem 
II. Jahrh.), auch noch Taf. 14 aus Augustus' Zeit. Bei dieser mittelbaren 
Ligatur liegt keine Veranlassung zu einer Veränderung der einzelnen Buch- 
staben vor. Wenn dagegen die Buchstaben unmittelbar verbunden werden, 
ohne fremdes Zwischenglied, was auch schon in der Ptolemäerzeit und 
dann durchweg bis in die jüngste Zeit geschieht, so führt die Ligatur 
z. T. zu ganz neuen Formen. 

Das wichtigste Motiv für die Umgestaltung der Buchstabenformen 
ist das Bestreben des Schreibers, den einzelnen Buchstaben in einem 
Zuge, ohne Abheben des Kalamos zu schreiben. Von diesem Punkte aus 
lassen sich auch die scheinbar merkwürdigsten Formen erklären, wie 
manche Arten des Epsilon, die nur verschiedene Lösungen des Problems 
sind, wie man den Mittelstrich mit der Rundung verbinden kann, z. B. 
Ooder Cr, ferner das einstrichige a statt des zwei- oder dreistrichigen A, 
die Spaltung der Hasten usw. Die Beobachtung dieses Motivs, die sich bei 
jedem Buchstaben durchführen läßt, ist ein außerordentlich praktisches 
Hilfsmittel zum Verständnis der Buchstabenformen, und sie sei dem Pa- 
pyrusleser ganz besonders empfohlen. Es ist dasselbe Motiv, das dann in 
noch weiterer Ausdehnung zu der Verbindung mehrerer Buchstaben durch 
die eben besprochenen Ligaturen führt, denn auch hier liegt nur das Be- 



§ 5. Die Schrift. XXXIX 

streben zugrunde, den Kalamos möglichst lange nicht abzuheben. Ich 
muß mich an dieser Stelle auf diese kurzen theoretischen Andeutungen 
beschränken. Ich weiß aus Erfahrung von mir und meinen Schülern, daß 
ihre Anwendung das Erlernen der Kursive außerordentlich erleichtert. 

Eine nicht organische, sondern von außen kommende Veränderung 
hat die griechische Kursive durch die Beeinflussung des lateinischen 
Alphabets erfahren. Das ist zu derselben Zeit geschehen, in der wir auch 
sonst den Romanismus in Ägypten vordringen sehen (s. unten S. 68), 
in der Periode, die mit Diokletian beginnt. 1 ) In den Texten vom IV. Jahrh. 
an ist es ganz evident, daß einzelne Buchstaben von den lateinischen be- 
einflußt worden sind. Natürlich konnte es auch schon vorher begegnen, 
daß Römer, die sowohl lateinisch wie griechisch schrieben, ihrer griechi- 
schen Schrift unwillkürlich einen lateinischen Duktus gaben. Ein treffen- 
des Beispiel hierfür hat Zereteli im Arch. I 336 ff. (mit Tafel hinter S. 378) 
vorgelegt. 2 ) 

Die Bedeutung der Kursive für die allgemeine Schriftlehre geht weit 
über die Bedürfnisse der Papyrusforschung hinaus, da, wie schon Gardt- 
hausen erkannt hat, die mittelalterliche Minuskel, die etwa mit dem 
IX. Jahrh. die Unziale als Buchschrift verdrängt, nichts weiter ist als eine 
stilisierte Kursive. So fällt dem, der die Kursive verstanden hat, auch die 
Minuskel mit leichter Mühe zu, wenn hier natürlich auch noch manche 
Besonderheiten zu lernen sind. Das Erlernen der Papyrusschrift, sowohl 
der Unziale wie der Kursive, ist aber für den Philologen um so wich- 
tiger geworden, als die Papyrusfunde von Klassikertexten aus dem Alter- 
tum gelehrt haben, daß die Textverderbnisse, die man früher dem Mittel- 
alter zuschrieb, meist schon aus dem Altertum stammen. Wer also Emen- 
dationen paläographisch begründen will, sollte die Schrift des Altertums 
kennen. 

3. Die Abkürzungen. 3 ) 
Die größten Schwierigkeiten bieten dem Anfänger die zahlreichen 
Abkürzungen. Auch hier kommt es vor allem darauf an, sich die ver- 
schiedenen Prinzipien, die dabei maßgebend gewesen sind, klar zu machen, 
nicht etwa die Schlußergebnisse nach Listen sich einzuprägen. Nur wer 
die Prinzipien kennt, wird, wo er vor neuen Formen steht, zur richtigen 
Auflösung kommen. Ich unterscheide 1) die Abbreviaturen, 2) die Ver- 



1) Vgl. Wilcken, Arch. I 360 und 373. Wessely, Lat. Schrifttafeln 1. c. und 
Stud. Pal. I p. XXIII sq. 

2) Die Einwendungen von Wessely, Stud. Pal. I p. LXXI sq. (vgl. auch Gardt- 
hausen, Byz. Z. 1906 S. 232) gegen Zereteli haben mich nicht überzeugt. Die Ur- 
kunde ist von Zereteli mit dem II. Jahrh. nicht zu früh angesetzt. Das x in dem 
griechischen Teil ist hierfür sogar merkwürdig altertümlich. 

3) Vgl. Arch. I 357 f. 



XL Einleitung. 

Schleifungen, 3) die Kontraktionen, 4) die Symbole (Siglen). Ich muß 
mich hier auf die Hervorhebung der wichtigsten Fälle beschränken. 

1) Die Abbreviaturen. 

Abbreviaturen — oder Abbreviationen, auch Suspensionen — nennen 
wir die Kürzung der Worte durch Fortlassung des Endes. In diesen 
Fällen kann die grammatische Form des Wortes nur durch den Zusammen- 
hang gegeben werden, ja sogar die Wahl des Wortes — ob noX{ ) z. B. 
n6X{s[ioq) oder n6X{ig) bedeuten soll — wird nur durch ihn bestimmt. 

Diese Abbreviaturen werden entweder ohne Andeutung oder mit An 
deutung des Wegfalls des Wortendes geschrieben. Der erste Fall be- 
gegnet, soweit ich sehe, nur in den alten Texten, aus dem III. Jahrh. v. 
Chr. Vgl. z. B. Petr. III S. 159: A&r\ ='4&y(vatog), Maxe — Maxs{d6v) 
usw. Diese Art scheint später abgekommen zu sein. 1 ) Praktisch sind 
daher wichtiger die Fälle mit Andeutungen der Abbreviatur. Man merke 
namentlich die folgenden: 

a) Der als letzter übrigbleibende Buchstabe wird übergesetzt: xsl™, xs x , 
neu 6 usw. Seltener werden in älteren Texten zwei Buchstaben übergesetzt: 
x tx (häufiger in byzantinischer Zeit). 2 ) Gelegentlich werden zwei nebftnein- 
ander stehende Worte als einheitliches Objekt der Abkürzung betrachtet, und 
das gilt nicht nur für diese Art: o<J r = ag r(^g) (BGU 362 VI 7); sni 1 
= iitl X(6}>ov)', xo y = xb x(ccx' uvöqu). — Selten geschieht es, daß der Schrei- 
ber zu einer solchen Abbreviatur die Endung zur Sicherheit hinzufügt. 
Vgl. Amh. 35, 55 (68) vom Jahre 132 v. Chr. (Taf. 10), wo in einer zwischen- 

a 

geschobenen Zeile in größter Enge ßxcov geschrieben ist für ßa{ptlt)xcbv. 
Hier ist die Endung offenbar hinzugefügt, weil eine Zeile vorher dasselbe 

a 

ß in der Bedeutung ßa(6iXs<og) steht. Selbstverständlich darf man dies 
nicht, wie es geschehen ist, als eine Kontraktion betrachten (s. unten), 

a 

zumal ja nicht ßuxav, sondern ßxcov dasteht. 

Durch die Übersetzung haben manche Buchstaben, da sie zwischen 
den Zeilen stehend möglichst niedrig werden mußten, ihre Formen ver- 
ändert. So wird das Hakenalpha l entstanden sein, so auch das LA für H. 3 ) 
Diese neuen Formen wurden dann aber auch auf der Zeile verwendet. 
Das Hakenalpha geht allmählich in eine gewundene Linie $ über und hat 
sich so bis in späte Zeit erhalten. Über die Entwickluug des x\ s. Arch. 
1. c. Dahin gehört auch der Bogen D , der in der Regel = n ist (die 
kursive Form c\ umgewendet). 



1) Erhalten hat sich n (ein kursives n) = n(fjxvg), das freilich oft durch die 
Verbindung mit der Zahl als Abkürzung charakterisiert ist: (&\ = n{i]%vs) a. 

2) Für die Abkürzungen der byzantinischen Zeit vgl. auch die Listen bei Gardt- 
hauBen, Gr. Paläographie S. 248 fF. 

3) Vgl. Arch. I 362 f. 



§ 5. Die Schrift. XLI 

b) Der als letzter übrigbleibende Buchstabe wird unter den vorletzten 
gesetzt: X = Ao( ), n = no( ), A = Xl( ) usw. 

c) Der als letzter übrigbleibende Buchstabe wird durch den vor- 
letzten hindurchgezogen. Dies namentlich bei langen schmalen Buch- 
staben wie q und i, auch v: H, F. Bei Jota wie in rf 1 kann nur der 
Zusammenhang entscheiden, ob tjr( ) oder jn( ) gemeint ist. So erklärte 
sich das in der römischen Zeit oft wie ein Kreuz aussehende Zeichen für 
nvQov: es ist in den älteren Texten erkennbar als ^, d. h. ein ä, in das 
ein v hineingesetzt ist, also: iiv(qov), Abbreviatur und nicht Symbol. 

d) Der als letzter übrigbleibende Buchstabe wird lang ausgezogen, 
ohne daß seine Position verändert würde. Dies namentlich bei l und r, 
bei denen der Querstrich nach rechts hin ausgezogen wird. Entsprechend 
wird gelegentlich das Jota lang nach oben ausgezogen, wie diol = öioC- 

e) Ein Buchstabe aus dem weggelassenen Wortende wird übergesetzt: 
aQ% r = uQ%(iEQu)%(ev6u$). In diesem Falle soll die präteritale Form ge- 
kennzeichnet werden (zum Unterschied von aQ%iEQevo). Hierher gehört 
x 0i = x(ccT)oi(xog). Auch das Arurenzeichen 2£ konnte nach diesem Prinzip 
der Abbreviatur erklärt werden. Wie die alten Formen der Petrie Papyri 
zeigen, ist es nichts als a v = &(qo)v(qo). Die späteren Formen wie \. er- 
klären sich durch die Verbindung von v und a. Vgl. Griech. Ostraka I 775. 
Nach diesem Prinzip erklärte ich auch das von 0. Eger richtig als Katöken- 
land gedeutete Zeichen rh = y(f]) Y,{axoiY,iY.r\) (mit abgeschliffenem Kappa). 1 ) 
Insofern hier wieder zwei Wörter als eine Gruppe zusammengefaßt sind, 
steht dies parallel einer Schreibung wie dr) Y = drj((i6&ios) yiecaQyös) (Lond. 
II S. 37). 

f) Monogrammatische Verschmelzung des letzten und vorletzten übrig- 
bleibenden Buchstabens. Vgl. NE = [is ( ), JE = Jts( ). So erklärt sich 
auch das Zeichen für xegä^iiov: K. 

g) Die Abkürzung wird gekennzeichnet durch einen horizontalen oder 
schrägen Strich: yäi, ts~, tex ; manchmal steht ein Häkchen ^ (ohne % 
zu bedeuten), später gern die gewundene Linie $. Erst in byzantinischer 
Zeit wird diese Methode mit der Übersetzung verbunden: a.8\ = ads^lcpög). 

Nach diesem Prinzip erklärt sich das Zeichen für den Xestes 'y' als 
ein | mit dem Strich: |/, ebenso das y für x(£qcctlov), ein kleines Kappa 
mit dem Strich rechts unten (später einfach /). Das häufige ~l ist nichts 
weiter als Hakenalpha + Strich = a(vtdg). 

Auch hier ist es eine Seltenheit, wenn die Endung hinzugefügt wird. 
Vielleicht ist so aufzufassen die Schreibung xcöv in BGU 835, 12 (a. 216/7) 
für xcj(fiö)v. Hier wäre es allerdings auch möglich, von einer Kontraktion 
zu sprechen. Vgl. unten p. XLIV. 
~~ 1) Arch. V 184f. 



XLII Einleitung. 

h) Zu beachten ist, daß gelegentlich Zahlzeichen für verwandte Be- 
griffe verwendet werden. So a = (itgöte qov). Sie stehen auch in Kompositis 
wie yx = (Tqi)x(d(iiCcc) (III. Jahrh. v. Chr.). 

i) Endlich begegnen Abkürzungen, die auf den Einfluß der lateini- 
schen Schrift (s. oben p. XXXIX) zurückzuführen sind. Dahin gehören die 
literae singulares mit einem Punkt wie F für I\aCos). Auch sonst ist 
die Verwendung des Punktes, der sich in den älteren griechischen Ab- 
kürzungen nicht findet, auf das lateinische Vorbild zurückzuführen. Vgl. 
z. B. Lond. Atlas II 95: i&X' = &X(doviog), ös6%onx' = ds6ytotLx(&v) usw. 
Auch die Schreibung der Teile eines Kompositum 1 ) mit einer litera sin- 
gularis stammt aus dem Lateinischen wie ßcp = ß(sve)q)(LxittQiog) ent- 
sprechend BF, oder %% = n{$ai)%{6Gixo%) usw. Lateinisch ist auch die 
Andeutung des Plurals durch die Verdoppelung des letzten Buchstabens, 
wie in <&Xty = <&X(ccoviol). Dies ist namentlich in den jüngsten Papyri 
wie auch in der Minuskel sehr geläufig. Danach finden sich auch Weiter- 
bildungen dieses Prinzips wie ag q = 'dQovgau, xccqq = xdgaßoi (vgl. Bell, 
Lond. IV p. XLV); ich füge v°v° = vo([ii6nccxa) hinzu. Vgl. unten 257,4. 

2) Die Verschleifungen. 
In ganz flüchtiger Kursive werden häufig Wörter wie die Kaiser- 
namen, die Monatsnamen und manche andere derartig verschliffen, daß 
man hinter dem deutlichen Anfangsbuchstaben oder auch zwischen 
dem Anfangs- und Endbuchstaben oft nur eine Zickzack- oder Wellen- 
linie sieht. Wiewohl die Zahl der gleichmäßigen Erhebungen dieser 
Wellenlinien oft geringer ist als die Zahl der zu erwartenden Buchstaben, 
dürfen wir m. E. mit Sicherheit annehmen, daß der Schreiber garnicht 
beabsichtigt hat, bestimmte Buchstaben wegzulassen. Dadurch unterscheidet 
sich diese Art der Verkürzung prinzipiell von den sogleich zu besprechen- 
den Kontraktionen, mit denen sie neuerdings irrtümlich zusammengeworfen 
sind (s. unten). Ich empfehle daher, sie als Verschleifungen von den 
Kontraktionen zu unterscheiden. Beispiele kann man überall in den Ostraka, 
aber auch in den entsprechend flüchtig geschriebenen Papyri 2 ) finden. 
Da hier meist gar nicht zu erkennen ist, welche Buchstaben in der Mitte 
geschrieben sind und welche nicht, so sind die Transkriptionen der Edi- 
toren bezüglich der Setzung der Klammern oft sehr inkonsequent. Das 
Richtigste ist, wie Viereck vorgeschlagen hat (Arch. I 453), in diesen Fällen 
überhaupt keine Klammern zu setzen, sondern das Wort voll auszuschreiben, 



1) Die Zerlegung der Komposita begegnet auch schon vor dem lateinischen Ein- 
fluß. Vgl. das eben erwähnte yx" 1 = Tptxofii'a aus dem III. Jahrh. v. Chr. Vgl. auch 
Flor. 4,18 (206) vom J. 245, wo ich pyl = 7t(Qoo)yL(vovTcu) gelesen habe. 

2) Ein Beispiel für viele: Lond. Atlas II 78. Vgl. außerdem für die Ostraka 
Vierecks Tafel im Arch. I 450. 



§ 5. Die Schrift. XLIII 

da, wie gesagt, der Schreiber gar nicht die Absicht gehabt hat, bestimmte 
Buchstaben auszulassen. 

3) Die Kontraktionen. 

Wir kommen zu einem sehr strittigen Problem. Einigkeit besteht 
darin, daß man die in den christlichen Handschriften von Anfang an auf- 
tretenden Schreibungen wie OC = &(£o)g, IC = 'I(r]6ovg), TTNA = xv(evii)cc 
usw. als Kontraktionen bezeichnet. Das Charakteristische an ihnen ist, 
daß die Mitte des Wortes ausgelassen, und ein Horizontalstrich darüber- 
gesetzt ist. Derartige Kontraktionen finden sich nicht nur in den Bibel- 
handschriften, sondern auch in den Urkunden. In der Abinnaeus- Kor- 
respondenz (Mitte des IV. Jahrh.) wird meist iv -freo, iv xö> geschrieben, 
aber daneben auch hv xvqCco &e& (Lond. II S. 290 unten Z. 2 und sonst). 

Durch das Buch von Ludwig Traube über die Nomina sacra (1907) 1 ), 
wie er mit Thompson diese Bildungen nennt, ist die Frage nach ihrem 
Ursprung ins Rollen gekommen. Trotz der schon jetzt großen Literatur 2 ) 
ist das Problem noch nicht gelöst. Traubes Versuch, diese Kontraktionen 
aus gewissen Gewohnheiten der hebräischen Handschriften abzuleiten, hat 
mit Recht vielfachen Widerspruch hervorgerufen. Ebensowenig bin ich 
aber davon überzeugt worden, daß diese Kontraktionen einfach aus einem 
Gebrauch der profanen griechischen Inschriften, Papyri und Ostraka her- 
übergenommen seien. Wohl lassen sich mehrere Beispiele aus den In- 
schriften zusammenstellen, in denen die Mitte eines Wortes ausgelassen ist?), 
aber, wenn ich recht sehe, steht hier niemals ein Querstrich darüber. 
Dieser gehört jedoch notwendig zu der christlichen Kontraktion. Auch in den 
Papyri kommt es nicht selten vor, daß ohne Hinzufügung eines Striches in der 
Mitte etwas ausgelassen ist. Ich halte mit Kenyon durchaus daran fest, daß 
wir solche Fälle als Schreibfehler, nicht als beabsichtigte Kontraktionen 
anzusehen haben. 4 ) In liederlichen vulgären Handschriften ist diese Auf- 
fassung selbstverständlich, wie z. B. in Lond. I S. 38 ff., wo zahlreiche solche 
Auslassungen vorliegen, vori denen sogar manche nachträglich korrigiert sind 
(durch nachträgliche Übersetzung des Ausgelassenen). In sorgfältigen Hand- 
schriften darf das aber nicht anders beurteilt werden, denn solche Aus- 
lassungen passieren auch den besten Schreibern, ebensogut wie Ditto- 
graphien. Vielleicht liegt eine wirkliche Kontraktion, d. h. Auslassung 



1) Vgl. auch L. Traube, Vorlesungen und Abhandlungen (ed. Fr. Boll) I (1909): 
Zur Paläographie und Handschriftenkunde. 

2) Ich verweise hier nur auf Krumbacher, Populäre Aufsätze (1909) S. 310ff., 
und die verschiedenen Ansichten von Wilamowitz u. a. in der Byz. Z. XVII 672f. 
Anderes wird unten genannt. 

3) Vgl. jetzt E. Nachmanson, Die schriftliche Kontraktion auf den griechischen 
Inschriften (Eranos X 101 ff.). 

4) Also ist z. B. ein 8i6%i<xq mit 8i6%i(Xl)>«s, nicht Sia%i{\l)ag wiederzugeben. 



XLIV Einleitung. 

der Wortmitte mit Querstrich in Eleph. 14,27(340) vor (a. 223/2 vor 
Chr.), wenn anders meine Vermutung, daß das rjg als Yi((ieQcu)g zu deuten 
ist und nicht als ri(tiiQccis) s, zutreffend ist. Ebenso könnte man vielleicht 
auch das oben p. XLI erwähnte xw in BGU III 835, 12 (a. 216/7) als 
Kontraktion deuten. Aber beide Fälle sind nicht ganz sicher. Ich be- 
tone übrigens, daß die Gruppen beide am Ende der Zeilen stehen. Aus 
dem Anfang oder der Mitte der Zeilen sind mir solche Schreibungen 
nicht bekannt. Sollten diese Fälle als Kontraktionen aufzufassen sein, so 
würden sie mich nur um so mehr in der Ansicht bestärken, daß in den 
zahlreichen Fällen, wo eine Wortmitte ausgelassen ist, ohne daß ein Strich 
hinzugefügt wäre, keine Kontraktion, sondern ein Schreibfehler vorliegt. 
Damit scheiden sie für die Erklärung der Nomina sacra aus. Aber auch 
jene zwei unsicheren Fälle, die formell allerdings den christlichen Kon- 
traktionen ähneln würden, könnten nicht als Vorstufen zu den Nomina 
sacra angesehen werden, da sie eben nur am Zeilenschluß gebildet und 
keine normalen Erscheinungen sind. 1 ) Noch weniger sind natürlich die 
Verschleifungen heranzuziehen, aus denen GunnarRudberg 2 ) die No- 
mina sacra zu erklären versucht hat, denn hier ist, wie wir sahen, über- 
haupt keine Auslassung von bestimmten Buchstaben beabsichtigt, auch 
fehlt der Strich. 3 ) 

Wie sind dann aber die Nomina sacra zu erklären, wenn wir alle 
diese Anknüpfungen ablehnen? Ich möchte sie für die freie Erfindung 
eines Mannes halten, der nach äußeren Formen suchte, um in den Bibel- 
handschriften die Namen für Gott, Heiland usw. als etwas Heiliges von 
der sonstigen Schrift zu separieren. Er griff absichtlich zu einer sonst 
nicht gebräuchlichen 4 ) Abkürzungsform (der Kontraktion), um den Leser 
auf das Singulare des Wortes hinzuweisen, und er fügte einen über Wör- 
tern damals 5 ) gleichfalls nicht gebräuchlichen Querstrich hinzu, um das 
Singulare noch deutlicher hervorzuheben. Daß der Strich nicht die Ab- 
kürzung als solche, sondern das Besondere, hier das Heilige, hervorheben 
soll, zeigt Lond. II S. 302, 25, wo der Schreiber, der sonst #ra und öcä 
(= &£<a und xvq(g)) schreibt, einmal 6 freög geschrieben hat. Mag er hier 
ein Versehen begangen haben, jedenfalls hat er uns dadurch verraten, 

1) Vgl. jedoch unten Anm. 4. 

2) Eranos X 71. Es hat der fleißigen Arbeit geschadet, daß sie nur auf Bücher 
zurückgeht, nicht auf die Anschauung der Originale. 

3) Die Ansicht von Bor je Knös, Cod. graec. Upsaliensis XV S. 8 (vgl. dazu Rud- 
berg 1. c. 90), daß der Strich der Nomina Sacra sich aus der Zickzacklinie der Ver- 
schleifungen durch Stilisierung entwickelt habe, ist natürlich abzulehnen. 

4) Materiell bekannt konnte sie ihm aus solchen Notkontraktionen sein, wie 
ich sie oben hypothetisch vorgelegt habe. 

5) Später, in jüngeren byzantinischen Texten (daher auch in koptischen), steht 
dieser Strich bekanntlich auch über Eigennamen, um sie hervorzuheben. In älteren 
Zeiten dient er nur zur Kennzeichnung von Zahlenbuchstaben (vgl. p. XLVI). 



§ 5. Die Schrift. XLV 

was er bei dem Strich empfand. Die Nomina sacra sind also nicht 
aus irgendwelchen gebräuchlichen profanen Schreibmoden or- 
ganisch entwickelt, sondern sie sind die freie Erfindung eines 
Mannes, der gerade absichtlich das Gebräuchliche mied, um den 
Eindruck der Singularität dieser Worte zu sichern. 

4) Die Symbole (Siglen). 1 ) 
Symbole sind nicht eigentlich Kürzungen der Schrift, sondern ein 
symbolischer Ersatz für die Wiedergabe der Laute. Die Zahl der Sym- 
bole hat sich verringert, nachdem es gelungen ist, die Zeichen für die 
Arure, Artabe u. a. als Abbreviaturen zu erkennen. Symbole sind z. B. 
L = rjniöv, l = cov. Ferner die meisten Zeichen für die Münzeinheiten, 
wie h = öqccxii^ (in der Kursive allmählich stark verändert zu o{ } $) ; 
dann — = ößoXög (hier ist der Strich, der den Spieß darstellt, geradezu 
Hieroglyphe), = = dicoßeXiov, /* = rQMnßoXov und die Zusammensetzungen 
dieses mit den vorhergehenden: fi = xexQäßoXov, ß = nsvxäßoXov, auch 
c für den halben Chalkus. Zu den Symbolen können wir auch zwei Zei- 
chen stellen, die aus dem Demotischen herübergenommen sind: L = exog 
und — ? = [irjTQoc. 

4. Das Zahlensystem. 
Das in den Urkunden angewendete Zahlensystem ist das alte mile- 
sische: 

a = 1 i = 10 q = 100 

= 2 x = 20 6 = 200 

y = 3 A = 30 x = 300 

<S = 4 p = 40 v = 400 

« = 5 v = 50 <p = 500 

5 = 6 | = 60 x = 60 ° 

?=7 o = 70 t = 700 

ri = 8 n = 80 o = 800 

# = 9 q = 90 ^,^ = 900 

Hier stehen "Vau (= 6) und Qoppa (= 90) noch an ihrem alten Platz, 
während das Ssade (ganz spät Sampi genannt) an das Ende gestellt ist, 
um 900 zu bezeichnen. 2 ) 

Die Tausender von 1000 — 9000 werden durch die Ziffern 1 — 9 mit 
einem distinktiven Häkchen bezeichnet {/£), dessen Anbringung im Laufe 

1) Dieser bei uns eingeführte Ausdruck Sigle empfiehlt sich dadurch nicht, daß 
er in der lateinischen Epigraphik speziell die literae singulares bezeichnet. Symbol 
ist besser. 

2) Zu den Formen, die natürlich im Laufe der Zeit sich verändern, vgl. z. B. 
meine Observationes p. 49 ff. 



XLVI Einleitung. 

der Zeit natürlich Veränderungen durchgemacht hat. Nur in dem ältesten 
datierten Papyrus, Eleph. 1 (a. 311 v. Chr.), ist 1000 mit Hilfe des Ssade 

a 

folgendermaßen geschrieben: l~P. Hierzu vgl. Br. Keil, P. Eleph. S. 84, 
der denselben Gebrauch auch in kleinasiatischen Inschriften nachwies. Die 
Zehntausender werden durch ein M, die Abkürzung für [ivQidg oder {ivqioi, 
bezeichnet, über das die einfachen Ziffern gestellt werden: M = 10000, 

M = 20000 usw. 

Sehr häufig werden die Zahlen, namentlich die Ordinalzahlen, dadurch 
gekennzeichnet, daß ein Querstrich über sie gesetzt wird, aber feste Regel 
ist es nicht. Jedenfalls sollten diese Querstriche in den Editionen immer 
sorgfältig mit abgedruckt werden (vgl. zu 232, 2), denn es gibt viele Fälle, 
in denen der Strich die richtige Interpretation an die Hand gibt. 1 ) 

Was die Brüche betrifft, so hatte Peyron aus Par. 66 (385) geschlossen, 
daß es einen Bruchstrich gegeben habe, um den sich Zähler und Nenner 
gruppierten. Ich habe im Hermes 19, 291 gezeigt, daß hier vielmehr der 
Strich der Gleichsetzung gemeint ist, und Addition vorliegt. Der Begriff 
Zähler und Nenner ist den Urkunden überhaupt fremd. Man schreibt 
¥ = $, d = \ 2 ) usw., was sprachlich als tqltov seil, (isqos aufzufassen ist. 8 ) 
Ein besonderes Wort für einen Bruch hat der Grieche nur in öC^iolqov 
= -f , und dies wird mit ß wiedergegeben. Ein besonderes Symbol existiert 
nur für -£• = L oder später abgerundet $. Komplizierte Brüche können nur 
durch Addition gebildet werden, z. B. -J = \- -f- \ + -£-, geschrieben Ldrf 
oder zusammengezogen J17' . Dagegen in mathematischen Texten, wie auch 
Lond. II S. 259, begegnen Schreibungen wie q " ] = ~. 

Eine Besonderheit der arabischen Zeit ist, daß hier gelegentlich in 
Rechnungen ein schräger Doppelstrich // das Fehlen einer Zahl bezeichnet, 
also gewissermaßen für Null steht. Vgl. unten Nr. 257. 

5. Lesezeichen. 

Eigene Interpunktionszeichen wird man in den Urkunden selten finden. 
Am verbreitetsten ist die Paragraphos, ein Strich am linken Rande unter 
der Zeile, in der der zu bezeichnende Sinnabschnitt liegt. Vgl. z. B. 
Schubart, Tafel 7 a, 9b usw. Eine Seltenheit ist der Doppelpunkt in 
Par. 49 (II. Jahrh. v. Chr.). 

Dagegen war es von den frühesten Zeiten an eine weitverbreitete 
Sitte, Sätze oder Satzteile oder gar Wörter durch größere oder kleinere 
Spatien zu trennen. Auf diese in den Editionen noch viel zu wenig 

1) Merkwürdig ist die Sitte, in Datierungen die Jahreszahl ohne Strich, die 
Tageszahl mit Strich zu schreiben (vgl. zahlreiche Beispiele in den Griech. Ostraka). 

2) Formell bilden sich einige Sonderheiten, wie d = ^ (d. h. Delta mit Strich) 
oder $1=1 (=i + D- Für f oft die kursive Form des ß: o (o') oder u (t0. 

3) Vgl. Arch. I 358. 



§ 6. Die Schrift. XLVII 

zum Ausdruck kommende Interpunktion möchte ich die Papyrusleser ganz 
besonders aufmerksam machen, da durch sie uns oft die authentische 
Interpretation des Schreibers an die Hand gegeben wird. 1 ) 

Das Trema, ein Doppelpunkt über l und i), findet sich wohl kaum 
vor dem IL Jahrh. n. Chr. Später wird oft ein weitgehender, gedanken- 
loser Gebrauch davon gemacht. 

Ein Häkchen zwischen zwei zusammenstoßenden Konsonanten, gleichen 
oder auch verschiedenen — wie in rayficc, ccyyEkXa — , begegnet seit dem 
Anfang des III. Jahrh. n. Chr. 2 ) 

Korrekturen werden in sehr verschiedener Weise durchgeführt. Das 
zu tilgende Wort wird durchgestrichen oder es wird mit dem Schwamm 
weggewischt oder es wird eingeklammert oder es werden auch Punkte 
darüber gesetzt. Sehr zu beachten ist, daß der Korrektor beim Durch- 
streichen oft sehr liederlich verfuhr, indem er den Strich nicht weit genug 
führte, vielleicht auch einmal zu weit. Noch auffallender ist, daß nach- 
weisbar in mehreren Fällen, wenn der Fehler sogleich bemerkt wurde, das 
richtige Wort hinter das falsche geschrieben wurde, ohne daß das 
falsche äußerlich getilgt wäre! 

6. Anordnung der Schrift auf dem Papyrus. 

Die Zeilen laufen entweder parallel der Breite der Pagina oder 
ihrer Höhe. 3 ) Im ersteren Falle werden bei größeren Schriftstücken — 
wo also Rolle oder Bollenteil vorliegt — Kolumnen gebildet, für deren 
Breite es bei Urkunden gar keine Regeln gibt. Im anderen Falle, wo also 
die Schrift parallel der Höhe läuft (transversa charta), werden nicht mehrere 
Kolumnen gebildet, sondern die Schrift läuft in einer einzigen Kolumne, 
die so breit ist wie die Höhe, so weit, wie der Text es erfordert. Diese 
letztere Anwendung war in der älteren Ptolemäerzeit besonders beliebt 
bei Briefen. Zur allgemeinen Mode für große Urkunden wurde sie in 
der byzantinischen Zeit, wo oft mehr als meterlange Texte in dieser An- 
ordnung geschrieben wurden. "Vgl. z. B. das Testament des Abraham in 
Lond. I S. 232ff. 4 ) 

Durch Ausrücken und Einrücken von Zeilen, durch größere Spatien 
u. dgl. ist in sorgfältigen Texten die Übersichtlichkeit gefordert. Bei der 
aus praktischen Gründen für unsere Chrestomathien gewählten Druckord- 
nung tritt das nicht hervor. 



1) Auf die Wichtigkeit dieser Sitte -wies ich im Hermes 32, 482 hin. 

2) Vgl. hierzu meine Observationes p. 57 ff. 

3) Das geschieht ganz so auf dem Recto wie auf dem Verso. Daß die Rich- 
tung der Schrift mit dem Problem des Recto und Verso absolut nichts zu schaffen 
bat, wurde schon oben p. XXX sq. betont. 

4) Daher sind die großen koptischen Urkunden in der Regel so geschrieben. 



XLVIII Einleitung. 

7. Die Kunst des Entzifferns. 

Bestimmte Regeln, die den Erfolg des Entzifferns garantierten, gibt 
es nicht. Das- Beste und Letzte liegt in der persönlichen Veranlagung. 
Aber einige praktische Ratschläge möchte ich hier mitteilen, die den An- 
fänger fördern können. 

Vor allem wähle man die Schriftproben in chronologischer Folge 
und arbeite sich von der Ptolemäerzeit bis in die arabische Zeit hin durch. 
Nur dann wird man zu einem klaren Bild von der Entwicklung der Schrift 
kommen. Man lege sich von jeder Urkunde, die man durcharbeitet, ein 
Alphabet an, indem man zunächst aus den gut erhaltenen Partien die 
sicheren Formen herausnimmt. Dies nützt dann für die schlecht erhal- 
tenen Stellen. Das Nachzeichnen mit Bleistift kann von allergrößtem 
Nutzen sein, wenn man dabei genau die Kalamosführung nachahmt. Ich 
habe schon in sehr vielen Fällen schwierige Wörter gerade während des 
Nachzeichnens entziffert, wie in besonders schwierigen Fällen ich mir 
auch heute immer noch ein Alphabet anlege. Grundsätzlich soll man 
jeden Schreiber aus sich selbst erklären, da jede Hand ihre besonderen 
Eigentümlichkeiten hat. Zur Feststellung des Tatbestandes an schwierigen 
Stellen benutze man eine möglichst scharfe Lupe und außerdem einen 
kleinen Handspiegel (etwa aus einem Reisenecessaire). Der Spiegel, auf 
den ich durch die besonderen Arbeitsbedingungen bei der Revision von 
Aristoteles' H&rjvaCav nokirsCa im British Museum geführt wurde, ist 
mir seitdem ein unzertrennlicher, sehr wirksamer Helfer beim Papyrus- 
lesen geworden. Hält man ihn dem durch das Fenster dringenden Licht 
entgegen — ich setze mich wenn möglich so, daß ich das Fenster linker 
oder rechter Hand habe — , so beleuchtet man die Schrift wie mit einer 
Laterne von der sonst dunklen Seite. Dadurch fallen die sonst durch das 
einseitige Licht auf der rauhen Oberseite des Papyrus entstehenden 
Schatten fort, die durch die Vorspiegelung von Linien schon unzählige 
falsche Lesungen herbeigeführt haben. Sind nur punktuelle Überreste 
von Buchstaben vorhanden, so daß Konjekturen probiert werden müssen, 
so akzeptiere man keine Konjektur, auch wenn sie einem noch so schön 
erscheint, bei der nicht auch der kleinste Punkt zur Geltung kommt. 
Am ehesten wird solche Schwierigkeiten lösen, wer abgesehen von einer 
gründlichen theoretischen Einsicht in die Entwicklung der Schrift die 
weitesten Kenntnisse in bezug auf die Sprache und die in Frage stehen- 
den sachlichen Probleme besitzt. 

§ 6. ZUR SPRACHE DER PAPYRI. 
Es kann hier nur meine Aufgabe sein, diejenigen, die in den grie- 
chischen Papyrus Urkunden arbeiten wollen, auf solche Gesichtspunkte auf- 
merksam zu machen, die speziell für den Interpreten dieser Urkunden- 



§ 6. Zur Sprache der Papyri. XJUX 

spräche von praktischer Bedeutung sind, und sie auf die wichtigsten Hilfs- 
mittel hinzuweisen. 

Wir haben es in den Papyrusurkunden mit der Koivq genannten 
Weltsprache zu tun, für die erst Alexander der Große die Existenzbe- 
dingungen geschaffen hat. Wir können sie durch die Papyri von ihren 
Anfängen an, vom Ende des IV. Jahrh. v. Chr. verfolgen 1 ) bis zum Aus- 
sterben des Griechischen in Ägypten im X. Jahrh. (s. oben p. XV). Wenn 
man also mit manchen Sprachforschern das Ende der Koivr\ im engeren 
Sinne rund um 500 n. Chr. ansetzt 2 ), so führen uns die Papyri der darüber 
hinausreichenden Jahrhunderte bereits in das sogenannte Mittelgriechische 
hinein, an das sich dann das Neugriechische anschließt. 

Daß in dieser langen Periode von ca. 1300 Jahren die Sprache die 
bedeutendsten Umwandlungen erfahren hat, versteht sich von selbst. Nicht 
nur die Formen sind allmählich andere geworden, sondern auch der Stil. 
Die ungeheuren Umwälzungen in dem Geist der Zeiten spiegeln sich nir- 
gends deutlicher als in der Sprache wider. Man lege nur einmal, um ein 
krasses Beispiel zu haben, den Revenue -Papyrus des Philadelphos neben 
die Verordnungen der Aphroditopapyri aus Justinianischer Zeit und ver- 
gleiche die, man könnte sagen, archaische Knappheit der ptolemäischen 
Verordnungen mit dem hohlen Wortschwall des Byzantiners, so gewinnt 
man aus diesen Extremen eine Vorstellung davon, wie inzwischen die Men- 
schen und ihre Sprache, wie die ganze Welt sich geändert haben muß. Diese 
ungeheuren Unterschiede in der Sprache sind nicht ausschließlich auf die 
fortschreitende innere Entwicklung der griechischen Sprache zurückzuführen, 
sondern z. T. auch durch ein von außen kommendes Moment gefördert 
worden, nämlich das seit Diokletian immer stärker werdende Eindringen 
lateinischer Elemente (vgl. S. 53 f. 85 f.). Demgegenüber treten die Ein- 
flüsse der ägyptischen Sprache weit zurück, ebenso auch in den letzten 
Zeiten die des Arabischen. Der Papyrusforscher aber muß, ebenso wie er 
hinsichtlich der Schriftentwicklung die einzelnen Jahrhunderte nach ihren 
Charakteristica möglichst auseinander halten soll, sich bemühen, auch klare 
Vorstellungen von dem, was in der Sprache in den einzelnen Perioden 
möglich ist, zu gewinnen, sonst gerät er in die Gefahr, die Lücken mit 
Wendungen zu füllen, die für die Zeit der betreffenden Urkunde unmög- 
lich sind. 

Aber ebenso wie bei der Schrift, genügt es auch bei der Sprache nicht, 
daß man die Zeiten auseinauder hält, sondern auch innerhalb der gleichzei- 
tigen Denkmäler gibt es die größten Unterschiede. Was ich oben p. XXXVI 
über die subjektiven und objektiven Motive gesagt habe, die zu 

1) Im Artemisiapapyrus (vgl. einstweilen Blass, Philologus 41, 746 ff.) haben wir 
sogar ein Denkmal, das sprachlich noch vor dem Sieg der Koivr\ liegt. 

2) Vgl. Witkowski, Bericht (s. unten) S. 161. 



L Einleitung. 

den verschiedenen gleichzeitigen Handschriften führen, könnte zum größten 
Teil hier auf das Sprachenproblem ohne weiteres angewendet werden. 
Auch hier kommt es darauf an, die Texte zu scheiden nach dem Beruf 
und dem Bildungsgrad der Schreibenden, andrerseits wieder innerhalb der- 
selben subjektiven Schichten nach der Veranlassung und der Stellung des 
Subjekts zum Adressaten usw. Unter den subjektiven Momenten ist hier 
von noch größerer Bedeutung als bei dem Schriftproblem die Nationali- 
tät des Schreibers. Es macht viel aus, ob man einen geborenen Griechen 
reden hört oder einen Ägypter oder Juden oder Perser, der etwa das Grie- 
chische erst erlernt hat. Gehört Letzterer einer schon seit Generationen 
hellenisierten Familie an, so ist der Unterschied schwächer, aber doch 
nicht ganz ohne Bedeutung. Besonders wichtig würde es sein, die Ein- 
sprachigen und die Zweisprachigen zu scheiden. Der Grieche, der auch 
Ägyptisch gelernt hat, wird leichter einen Ägyptizismus anwenden. Der 
Ägypter, der neben seiner Muttersprache etwas Griechisch gelernt hat, 
wird dieses am stärksten barbarisieren. Für die römische Zeit und nament- 
lich die byzantinische Zeit sind dieselben Fragen dann auch in bezug auf 
Griechen und Römer zu stellen. Von großer Bedeutung wäre es auch zu 
erfahren, ob der betreffende Fremde das Griechisch in der Schule oder 
nur im alltäglichen Umgang gelernt hat. Gewiß sind alle diese Natio- 
nalitätsfragen, namentlich in der Feinheit, in der allein sie den sprach- 
lichen Problemen helfen können, meist schwer zu beantworten 1 ), aber 
darum kann auf das Postulat nicht verzichtet werden. Ebenso ist natür- 
lich von großer Wichtigkeit, daß von den originalgriechischen Urkunden 
die Übersetzungen aus fremden Sprachen unterschieden werden. In 
manchen Fällen ist die Übersetzung als solche ausdrücklich hervorgehoben, 
wie bei gewissen Übersetzungen aus dem Demotischen (s. oben p. XII) 
oder z. B. bei dem aus dem Lateinischen übersetzten Brief des Hadrian 
in BGU I 140; in anderen Fällen ist eine Übersetzung aus dem Lateini- 
schen erschlossen worden, wie kürzlich von J. Partsch für die Justinianischen 
Reskripte in Cair. Cat. 67024 und 67025 2 ), und ich glaube, daß eine syste- 
matische Prüfung der Urkunden unter diesem Gesichtspunkt noch manche 
Übersetzung zu Tage fördern würde. 

Wenn man unter Berücksichtigung aller dieser Momente die Urkunden 
gruppiert, so wird man auch hier wie bei der Schrift zu einer Reihe von 
parallelen Entwicklungslinien kommen. Auf der einen Seite wird die 
Sprache der Kanzleien stehen, für die charakteristisch ist eine Beeinflussung 
durch eine Tradition, und zwar werden wieder recht verschiedene Arten sich 
ergeben, wenn man die verschiedenen Kanzleien trennt, von den Kanzleien 
der Könige und Kaiser bis zu denen der Dorfschulzen herab. Ferner sind 

1) Vgl. hierzu unten in Kap. I die Paragraphen über die Bevölkerungsfragen. 

2) Nachrichten der K. Gesellsch. d. Wies, zu Göttingen ph. hist. Kl. 1911, 201 ff. 



§ 6. Zur Sprache der Papyri. LI 

für sich zu stellen, weil sie wiederum auf einer besonderen Erziehung 
und Tradition beruhen, die Reden der Advokaten und die Sentenzen der 
Richter, die uns in den Gerichtsprotokollen erhalten sind. 1 ) Diesen und 
manchen anderen offiziellen Akten stehen dann gegenüber die Privatskrip- 
turen, unter denen man je nach dem Beruf und der sozialen Stellung der 
Schreiber die verschiedensten Gruppen zu bilden hat. In diesen privaten 
Akten sowie auch in den Partei- und Zeugenaussagen in den Gerichts- 
protokollen liegen unsere wichtigsten Quellen für die Erkenntnis der ge- 
sprochenen Umgangssprache. 

Auf die Notwendigkeit der Scheidung der verschiedenen Spracharten 
ist von den Philologen natürlich schon längst hingewiesen worden 2 ), wenn 
sie auch praktisch noch nicht überall genügend durchgeführt worden ist. 3 ) 
Aber auch der Papyrusforscher muß sich in jedem Einzelfall, namentlich 
wenn es sich um Ergänzung von Lücken handelt, diese Fragen stellen, 
weil sonst leicht ein unmögliches Mosaik aus heterogenen Elementen ent- 
stehen könnte. Bei exakteren Untersuchungen muß auch noch darauf ge- 
achtet werden, ob es nicht innerhalb der ägyptischen Koivtf auch noch 
lokale Unterschiede gegeben hat. Die Tatsache, daß die ägyptische 
Sprache in diesem langgestreckten Flußtal, wie die koptischen Dialekte des 
Sahidischen, Achmimischen, Faijümischen, Memphitischen und Boheirischen 
uns zeigen, in mehrere Dialekte zerfiel, nötigt uns zu dieser Fragestellung. 
Einzelne Beobachtungen sind nach dieser Richtung auch schon gemacht 
worden, aber es fehlt noch an einer systematischen Durcharbeitung. 

Der Editor von Papyrusurkunden wird oft schwanken, wie weit er die 
orthographischen Eigentümlichkeiten, namentlich der Vulgärsprache, 
dem Leser in Fußnoten erklären soll. Im besonderen bei den jüngeren 
Vulgärtexten, die von solchen Schreibungen wimmeln, würde es geschmack- 
los sein, jede einzelne zu erklären. Wir haben uns in der Chrestomathie, 
namentlich in den späteren Teilen, meist auf solche Fälle beschränkt, die 
nicht auf der Oberfläche liegen, indem wir annahmen, daß der Benutzer 
der Chrestomathie sich in diese Orthographie hineinleben wird. Wenn 
der Editor aber auffallende Formen erklärt, ist es wünschenswert, daß er 
äußerlich die Erklärung von Vulgärformen scheidet von der Korrektur 
fehlerhafter Formen. Freilich kann es Fälle geben, in denen sein Wissen 
oder gar das der Wissenschaft noch nicht ausreicht zu entscheiden, ob 
diese oder jene Form als Vulgärgriechisch aufgefaßt werden kann. Wie 

1) Unter den Advokatenreden ist besonders fein ausgearbeitet Oxy. III 471 (vgl. 
Arch. IV 381). 

2) Wohl zuerst von Wilamowitz, GGA 1901, 40ff. Vgl. auch Witkowski, Be- 
richt S. 158ff. Thumb, Arch. HI 444. 

3) In der eben erschienenen 2. Aufl. der Epistulae privatae graecae hat Wit- 
kowski p. XIII sq. erfreulicherweise die Briefe nach dem Bildungsgrade der Schreiber 
in mehrere Klassen geteilt. 



LH Einleitung. 

auch sonst schon seit einigen Jahren habe ich unten in der Chrestomathie 
vor die Erklärung der Vulgarismen das Gleichheitszeichen (=), vor die 
Verbesserung von Versehen ein 1. (= lies) gesetzt. 

Zum Schluß sei auf einige Hilfsmittel hingewiesen, die dem Pa- 
pyrusforscher die Behandlung der sprachlichen Probleme erleichtern können. 

Orientierende und kritische Berichte über die modernen Koivtf-'For- 
schungen bieten: A. Thumb, Arch.II396ff. (für 1896—1901) und III 443 ff. 
(für 1902—1904) und St. Witkowski, Bursians Jahresber. CXX (1904 I) 
S. 153 — 256 (für 1898 — 1902). Beide Arbeiten sind jedem, der sich orien- 
tieren will, aufs beste zu empfehlen. 

In lexikalischer Hinsicht sind wir noch sehr im Rückstande. Daß Pape 
und Passow 1 ) für die Papyrusurkunden nicht ausreichen, wird man beim 
ersten Versuch erfahren. Man schlägt am besten sogleich in Stephanus' 
Thesaurus linguae graecae nach, wird freilich auch hier oft vergeblich 
suchen. Für die byzantinischen Urkunden ist Du Cange, Glossarium ad 
scriptores mediae et infimae graecitatis (1688, Neudruck 1905) unentbehr- 
lich. Nachdem früher schon Kumanudis Nachträge zu den Lexika ge- 
bracht hatte 2 ), hat neuerdings H. van Herwerden eine neue Nachlese 
gehalten, bei der im besonderen auch die Papyri berücksichtigt sind: 
Lexicon graecum suppletorium et dialecticum 1902, mit Appendix 1904 
(vgl. auch Mel. Nicole S. 241 ff.), soeben in 2. erweiterter Auflage erschienen. 
Vorwiegend für theologische Interessen geschriebeu, aber auch für andere 
wertvoll sind die von Moulton und Milligan verfaßten Lexical notes from 
ihe papyri im „Expositor". Viel Lexikalisches, das gleichfalls auch für 
nichttheologische Kreise von Interesse ist, findet sich auch in Deissmanns 
Bibelstudien (1895) und Neuen Bibelstudien (1897), vgl. auch sein „Licht 
vom Osten" (2. Aufl.). — Vielleicht nichts würde die Arbeit auf unserem 
Gebiet so fördern, wie die Herstellung eines vollständigen Wörterverzeich- 
nisses zu sämtlichen Papyrus-Urkunden-Publikationen. 

An größeren Arbeiten über die Papyrussprache sind folgende zu nennen: 
A. Thumb, Die griechische Sprache im Zeitalter des Hellenismus 1901. 
Vom Standpunkt des Neugriechischen, das von so großer Wichtigkeit auch 
für die Erforschung der Papyrussprache ist 3 ), geht aus Karl Dieterich, 
Untersuchungen zur Geschichte der griechischen Sprache von der helle- 
nistischen Zeit bis zum 10. Jahrh. n. Chr. (Byz. Arch. I) 1898. Der gram- 
matischen Behandlung der ptolemäischen Urkunden hat sich Edwin Mayser 

1) Eine Neubearbeitung des Passow unter Berücksichtigung der Papyri wird von 
W. Crönert vorbereitet. 

2) Zvvccyatyi] XQewv &&r}6ccv(>i6Tcov iv rolg iXXr\vixoig Xet-ixoig 1883. Nachträge 
Ton J. Simon, Zeitschr. f. Oestr. Gym. 42 (1891), 481 ff. Vgl. L. Bürchner in den 
Commentationes Woelflinianae (1891), 363 ff. 

3) Für diese Beziehungen ist grundlegend: G. N. Hatzidakis, Einleitung in die 
Neugriechische Grammatik 1892. 



§ 6. Zur Sprache der Papyri. LUE 

gewidmet, der zunächst in zwei Programmen den Vokalismus und Konso- 
nantismus behandelte 1 ), dann aber mit einer zusammenfassenden Darstellung 
hervortrat: Grammatik der griechischen Papyri aus der Ptolemäerzeit mit 
Einschluß der gleichzeitigen Ostraka und der in Ägypten verfaßten In- 
schriften. Laut- und Wortlehre. 1906. 2 ) Nach dieser vortrefflichen Leistung 
darf man mit den besten Erwartungen seiner Behandlung der Syntax ent- 
gegensehen. Die Bedeutung der Papyri für die Erklärung des Neuen Testa- 
ments 3 ) zeigt außer den schon oben genannten Arbeiten auch Moulton, 
A grammar of New Testament Greek I 1906. Radermachers soeben er- 
schienene Grammatik des Neutestamentlichen Griechisch ist mir noch nicht 
zur Hand gewesen. 

Einzelne grammatische Fragen sind von folgenden Autoren gefordert 
worden: Franz Voelker, Papyrorum graecarum syntaxis specimen (de accu- 
sativo; acced. II tract. de -v et -g finali) Bonn 1900. Derselbe, Syntax der 
griechischen Papyri. I Der Artikel (Beilage z. d. Jahresber. d. Realgym. 
zu Münster i. W. 1902). W. Crönert, Memoria graeca Herculanensis 1903. 
W. Kuhring, De praepositionum graecarum in chartis Aegyptiis usu 
quaestiones selectae, Bonn 1906. 

Zu der Frage der Einwirkungen des Latein vgl. die Sammlungen von 
C. Wessely, Die lateinischen Elemente in der Graecität der ägyptischen 
Papyrusurkunden (Wien. Stud. 1902 XXIV S. 99 ff. 4 ), XXV S. 40 ff). Zu 
der allgemeinen Frage der Romanisierung vgl. L. Hahn, Rom und Roma- 
nismus im griechisch-römischen Osten. Mit besonderer Berücksichtigung 
der Sprache. Bis auf die Zeit Hadrians. 1906. 

Die Frage des Eindringens ägyptischer Elemente in die griechische 
Sprache ist bisher noch nicht erschöpfend behandelt worden. Abgesehen 
von einzelnen herübergenommenen Wörtern wie u&iXiov, vavßiov, cfo/ov^t, 
ßäig, ß&QLg usw. 5 ) sind es besonders die ägyptischen Eigennamen und die 
Monatsnamen, die in den Papyri überall begegnen. Zu den Eigennamen 
vgl. vor allem W. Spiegelberg, Ägyptische und griechische Eigennamen 
aus Mumienetiketten d. röm. Kaiserzeit 1901. 6 ) Bezüglich der Betonung 
der ägyptischen Wörter habe ich auf Grund der ägyptischen Lautgesetze 



1) Programmbeilage für das Heilbrunner Gymnasium 1898 und Programmbeilage 
für das Karlsgymnasium Stuttgart 1900. 

2) Vgl. hierzu R. Herzog, Korrespondenzblatt f. d. höheren Schulen Württem- 
bergs 1907 S. 81 ff. A. Thumb, Arch. IV 486 ff. 

3) Vgl. im allgemeinen Deissmanns Licht vom Osten 2. Aufl. 

4) Vgl. dazu Wilcken, Arch. H 465 f. 

5) Manches steht schon in dem auch heute noch nützlichen Buch von Sturz, 
De dialecto Macedonica et Alexandrina 1808. Vgl. jetzt E. Mayser, Grammatik 
S. 35 ff. 

6) Vgl. dazu meine Besprechung im Arch. II 177. In den Ausführungen von 
Crönert über die Eigennamen (Stud. Pal. I S. 36—43) halte ich vieles für irrig. Ohne 
Kenntnis des Ägyptischen sind diese Fragen nicht zu behandeln. 



UV Einleitung. 

vorgeschlagen, den Akzent immer auf die lange Stammsilbe resp. auf den 
von einer Doppelkonsonanz gefolgten kurzen Stammvokal zu setzen 1 ), also 
'AQor\Qig und nicht '^QÖrjQig, VPEvoßuötig und nicht Wsvößaöng. 

Für die Frage der Arabismen haben wir erst soeben durch Lond.IV 
ed. Bell eine breitere Grundlage gewonnen. Auch aus dem Arabischen 
sind Namen, Titel und Appellati va transkribiert worden. Eine zusammen- 
fassende Sammlung ist noch nicht veranstaltet. Von besonderem Interesse 
sind für diese Fragen die Briefe des Koqqü in Lond. IV (VIII. Jahrh.), 
da sie offenbar als Übersetzungen arabischer Originale aufzufassen sind. 
Vgl. meine Einleitung zu Nr. 254. 

§ 7. ZUR CHRONOLOGIE. 
Es sollen hier solche chronologischen Tatsachen imd Probleme kurz 
dargestellt werden, deren Kenntnis der Papyrusforscher zur Datierung der 
Urkunden nicht entbehren kann. 

1. Der Kalender. 

A. Das Jahr. 
In der Ptolemäerzeit galten zunächst der von den makedoni sehen 
Königen neu eingeführte makedonische Kalender und der uralte ägyp- 
tische nebeneinander. 2 ) Jener rechnete mit einem Mondjahr von 354 Tagen, 
dieser mit einem Sonnenjahr von 365 Tagen. Das Mondjahr bestand aus 
12 Monaten von je 29 resp. 30 Tagen (alternierend), das Sonnenjahr aus 
12 Monaten von je 30 Tagen, zu denen die 5 von den Griechen soge- 
nannten inayöfisvai hinzukamen. Der Neujahrstag des ägyptischen Jahres, 
der 1. Thoth, mußte, da dies Jahr von 365 Tagen hinter dem wahren 
Sonnenjahr (oder Siriusjahr) um ca. £ Tag zurückblieb, sich alle 4 Jahre 
um einen Tag verschieben 3 ), so daß das ägyptische Jahr ein Wandeljahr 
war. Im Jahr 238 v. Chr. haben die ägyptischen Priester, wie das Dekret 
von Kanopos gelehrt hat (Dittenberger, Or. Gr. I 56), einen Versuch ge- 
macht, dadurch, daß alle 4 Jahre 1 Tag eingeschaltet werden sollte, das 
Wandeljahr zu einem fixen Jahr zu machen, doch ist dieser Versuch prak- 



1) Theb. Bank S. 35 f. GGA 1894, 717 f. Aren. II 179 f. Damit soll nicht der 
musikalische Akzent der Griechen wiedergegeben sein, sondern nur die Betonung der 
Wörter, mit der die Ägypter sie wirklich aussprachen, und die die Griechen von diesen 
allein gehört haben können, markiert sein. Man könnte statt der griechischen Akzente 
auch Kreuze oder sonst etwas setzen. Aber praktisch empfiehlt sich für den Druck 
die Verwendung der Akzente. Dies bemerke ich gegenüber Wil am owitz' Einwendungen 
in Sitz. Pr. Akad. 49 (1902) S. 1095 Anm. 3, deren richtigen Kern ich durchaus nicht 
verkenne. Die allgemeine Zustimmung der Ägyptologen zeigt wohl, daß mein Vor- 
schlag einem wirklichen Bedürfnis entsprach. 

2) Ed. Meyer, Ägyptische Chronologie (Abh. Pr. Akad. 1904) hat gezeigt, daß 
der ägyptische Kalender im J. 4241 v. Chr. konstituiert worden ist. 

3) Über die Sothisperiode von 365 x 4 = 1460 Jahren vgl. Ed. Meyer 1. c. 



§ 7. Zur Chronologie. LV 

tisch nicht durchgeführt worden. 1 ) Bei Ausrechnung der Tagesdaten 
der ptolemäischen Papyri ist daher immer erst festzustellen, 
auf welchen Tag unseres Kalenders der 1. Thoth des betreffen- 
den Jahres fiel. 2 ) 

Von Beginn der Ptolemäerzeit an bis gegen Ende des III. Jahrh. v. Chr. 
sind diese beiden so völlig verschiedenen Kalender inkongruent nebeneinander 
in Gültigkeit gewesen. Die Doppeldaten nach makedonischem und ägyp- 
tischem Jahre aus diesen frühen Zeiten sind zuletzt von Grenfell-Hunt 
in P. Hib. S. 336 f. zusammengestellt und grundlegend behandelt worden. 3 ) 
Das bis jetzt bekannte Material reicht noch nicht aus, den Schaltmodus 
des makedonischen Kalenders zu erkennen.*) 

Ende des III. Jahrh. hat dann der ägyptische Kalender über den ma- 
kedonischen den Sieg davongetragen, indem er allein wirklich Gültigkeit 
bekam, während der makedonische nur dekorativ hinzugefügt wurde. Nach- 
dem schon J. Krall 5 ) gezeigt hatte, daß ein derartiger Versuch unter 
Philometor gemacht sei, hat Smyly 6 ) aus reicherem Material erwiesen, daß 
diese Ausgleichung mindestens vom 24. J. des Epiphanes bis zum 5. J. 
des Philometor bestanden hat. Grenfell-Hunt 1. c. haben es dann wahr- 
scheinlich gemacht, daß dieses Arrangement schon zwischen dem 4. Jahre 
des Philopator und dem 4. Jahre des Epiphanes getroffen worden ist. 
Der Ausgleich war in der Weise durchgeführt, daß der 1. Thoth dem 
1. Dystros entsprach, der 1. Phaophi dem 1. Xandikos usw. Man rechnete 
also kalendarisch in Wirklichkeit nach dem ägyptischen Wandeljahr und 
stellte rein dekorativ das makedonische Datum an die Spitze, unter völliger 
Ignorierung des Wesens des makedonischen Mondjahres. Aber dieser Aus- 
gleich ist nicht von Dauer gewesen. Vom Ende des II. Jahrh. an (min- 
destens seit dem 53. Jahre des Euergetes IL) finden wir vielmehr, wie 
Strack schon früher gezeigt hatte (Rhein. Mus. 53, 399 ff.), einen anderen 
Ausgleich, wonach der 1. Thoth dem 1. Dios gleichgesetzt war. 7 ) Dies 
System hat sich erhalten, solange überhaupt noch der makedonische Ka- 
lender mit erwähnt wurde, d. h. bis in die Kaiserzeit hinein. 

So fand Augustus das ägyptische Wandeljahr als das allein herr- 
schende vor. Er hat das Verdienst, durchgeführt zu haben, was einst 
die Priester geplant hatten, nämlich die Schaffung eines fixen Jahres. 
Er bestimmte — vielleicht im Jahre 26/5 v. Chr. — , daß alle 4 Jahre 
ein Schalttag (ein 6. Epagomenentag) eingefügt werde. So ist der Neu- 
jahrstag des fixen Jahres von ihm auf den 29. August festgelegt worden, 

1) Vgl. meine Griech. Ostraka I 783. 

2) Tabellen der Neujahrstage des Wandeljahres bieten z. B. Kubitschek bei 
Pauly-Wiss. s. v. Aera und Unger, J. Müllers Handbuch P S. 824. 

3) Dazu vgl. Jouguet zu Lille 4. 4) "Vgl. Grenfell-Hunt 1. c. S. 356. 
5) Festschrift für 0. Hirschfeld S. 113 ff. 6) Hermathena 1905, 393 ff. 
7) Vgl. die Tabelle in Hib. S. 336 f. 



LVI 



Einleitung. 



während dieser in den Schaltjahren auf den 30. August fiel. Schaltjahre waren 
22, 18, 14, 10, 6, 2 v. Chr. und 3, 7, 11 usw. n. Chr. 1 ) Dies ist unsere 
Grundlage für die Berechnung der Tagesdaten der Kaiserzeit. Neben 
diesem fixen Jahr ist aber im praktischen Leben das alte Wandeljahr 
nicht ganz verschwunden. Abgesehen von dem Gebrauch der Astronomen 
hat man namentlich in national - ägyptischen Kreisen, besonders in den 
Dörfern auch weiterhin noch gelegentlich nach dem Wandeljahr gerechnet. 
Dies wird dann in der Regel gekennzeichnet durch Zusätze wie v.ax äg- 
%alovg o. ä. 2 ) 

Die augusteische Ordnung ist bis zur arabischen Eroberung die 
herrschende geblieben. Die Araber brachten, wie einst die Makedonier, ein 
Mondjahr mit. 34 freie Mondjahre waren gleich 33 Sonnenjahren. So 
wurde jetzt wieder gelegentlich nebeneinander nach Mond- und Sonnen- 
jahren gerechnet (s. unten p. LXI). 3 ) 

B. Die Monate. 
Zum praktischen Gebrauch vereinige ich hier zu einer Tabelle die ägyp- 
tischen und die makedonischen Monatsnamen, sowie die Ehrennamen, die 
manche Monate zu Ehren römischer Kaiser erhalten haben. 4 ) Ich lege den 
augusteischen fixen Kalender zugrunde und rechne in der letzten Rubrik 
mit einem nicht geschalteten Jahre. Über die verschiedenen Formen der 
ägyptischen Namen vgl. meine Griech. Ostraka I 809 ff. Zur Vorgeschichte 
dieser Namen vgl. jetzt Ed. Meyer, Nachträge zur ägyptischen Chrono- 
logie (Abh. Pr. Akad. 1907). 



&Ö0& 


Alog 


Hsßaßxög. dann r« gpccviKÖg 5 ) 


29. Aug.— 27 Sept. 


$awcpL 


ÄntXXuiog 




28. Sept.— 27. Okt. 


'J&VQ 


AvSvalog 


Niog 2sßa6xog, dann Aofimavog 


28. Okt.— 26. Nov. 


Joiax 


IIsqIt LOS 


NeQcoveiog(2]sßa6x6g) 6 ), d&nnAdgiavog 


27. Nov.— 26. Dez. 


Tvßi 


AvGXQOg 




27. Dez.— 25. Jan. 


Ms%Lq 


SavSttiog 




26. Jan.— 24. Febr. 


<Paf^eva>'9• 


kgt8(iiaiog 




25. Febr.— 26. März 


$CCQllOV&l, 


Acciaiog 




27. März —25. April 


na%mv 


IlävsLiog 


rEQLLuvlxsiog 


26. April — 25. Mai 


Tlavvi 


Amiog 


SazrjQiog 


26. Mai — 24. Juni 


'Enitp 


roQrticüog 




25. Juni — 24. Juli 


M860QTJ 


'TnsQßsQSzalog 


Kai6ÜQ£iog 


25. Juli — 23. Aug. 


ai inuyoiitvcu 






24. Aug.— 28. Aug. 


Über d 


ie Bezeichnun 


y einzelner Tage als Ueßccötccc v 


gl jetzt die Aus- 


führungen v 


on F. Blume 


nthal, Arch. V 336 fr. 7 ) 





1) Vgl. meine Griech. Ostraka I 789. Also in der nacbcb ristlichen Zeit fallen 
die Schalttage in die Jahre, die, durch 4 dividiert, den Rest 3 ergeben. 

2) Vgl. meine Darlegungen in den Griech. Ostraka I 791 ff. 

3) Vgl. J. Karabacek, Führ. PR S. 149 f. 

4) Zu letzteren vgl. meine Griech. Ostraka I 809ff. und Preisigke, Arch. IV 106. 
6) rsQiiavMog geht auf Domitian. Vgl. Lond. III S. 90. 

6) Vgl. Preisigke 1. c. 107. 

7) Zu dem Tage 'iovÜcc Zsßa6xr\ vgl. auch Wilcken, Sav. Z. 1909, 504 ff. 



§ 7. Zur Chronologie. LVII 

2. Die Datierung der Urkunden. 
Bis vor 20 Jahren kannten wir für die Ptolemäerzeit wie die Kaiserzeit 
nur eine Methode der Jahreszählung, nämlich die Zählung nach den Königs- 
jahren, derzufolge das erste Neujahr (1. Thoth) nach dem Regierungs- 
antritt als Beginn des 2. Jahres des neuen Königs gerechnet wurde. Diese 
Regel besteht heute nur noch für die Zeit vom IL Jahrh. oder dem Ende 
des III. Jahrh. v. Chr. an. Dagegen für die Zeit bis auf Philopator haben 
wir inzwischen hinzugelernt, daß man damals neben dem Königsjahr ein 
von diesem abweichendes Finanzjahr gehabt hat. Zuerst ist dies von 
E. Revillout, Melanges S. 350 aus Petr. I 28 (2) erschlossen worden, 
wenn er auch noch nicht die richtige Lesung hatte. Diese wurde erst 
von Smyly (Hermathena 1899, 432) mit Hilfe eines Paralleltextes fest- 
gestellt, und diese doppelte Rechnungsart ist seitdem mehrfach bezeugt 
worden. Vgl. die zusammenfassenden kritischen Darlegungen von Grren- 
fell-Hunt in Hib. I Appendix II (S. 359). Es handelt sich um Datierungen 
wie: stovg icc mg d' cd 7tQÖ6odoi, exovg iß. Man rechnete also damals 
nach Regierungsjahren und nach Finanzjahren, die verschiedene Neujahrs- 
tage hatten. 1 ) Das Hauptproblem ist, welches der beiden Jahre mit dem 
ägyptischen Wandeljahr zusammenfiel. Grenfell-Hunt 1. c. schlössen sich 
der Ansicht von Revillout, Th. Reinach und Smyly an, daß das Finanzjahr 
das Wandeljahr sei (mit der Rechnung des ersten 1. Thoth als Beginn des 
2. Jahres), während sie die Frage, nach welchem Kalender und in welcher 
Weise das Königsjahr gerechnet war, als noch ungelöst bezeichneten. In 
der Tat sprechen m. E. auch allgemeine Gesichtspunkte dafür, daß man zum 
Finanzjahr das ägyptische Wandeljahr gemacht hat. 2 ) Aber inzwischen hat 
Smyly (Hermathena 1906, 106 ff.) wieder eine neue Theorie aufgestellt. 
Das Problem ist noch im Fluß. Die Folge ist, daß z. Z. die Jahresdaten 
des III. Jahrh. (bis Philopator), falls nicht Königsjahr und Finanzjahr 
nebeneinander genannt sind, nicht mit völliger Akkuratesse bestimmt wer- 
den können 3 ), während wir für die darauf folgenden Zeiten nur mit der 
einen oben gekennzeichneten Rechnungsart zu tun haben. Wir nennen 



1) Ich mache darauf aufmerksam, daß man auch in der Pharaonenzeit (im be- 
sondern auch in der 26. Dyn.) sowohl die Zählung nach Regierungsjabren (vom Re- 
gierungsantritt an) als auch nach dem Wandeljahr (wobei der nächste 1. Thoth als 
Beginn des 2. Jahres galt) gerechnet hat. Vgl. Ed. Meyer, AG P S. 3lf., der es 
nicht für undenkbar hält, daß beide Jahresbezeichnungen oft nebeneinander im Ge- 
brauch waren, da man aus dem Charakter der Urkunden wissen konnte, welche ge- 
meint war. Das ist ein ganz ähnlicher Zustand wie im III. Jahrhundert v. Chr. 

2) Im Arch. V 220 wies ich darauf hin, daß die einzigartige Datierung in Lille 
1, 1: (hovg) *£ nccl Al[y]v7tticov ös xb wbxö vielleicht den Gegensatz des Königsjahres 
und des Finanzjahres ausdrückt. Ist das richtig, so muß schon der Stellung nach 
das Finanzjahr dem „ägyptischen" Jahr entsprechen. 

3) Grenfell-Hunt haben daher in P. Hib. für jedes Datum zwei Möglichkeiten 
offen gelassen, z. B. 261 (260). 



LVHI Einleitung. 

dies eine Rechnungsjahr der Jüngern Zeit das Königsjahr, wiewohl es 
vielleicht chronologisch das siegreich aus der Konkurrenz hervorgegangene 
Finanzjahr ist. 

Voraussetzung für die Praxis aller dieser Berechnungen ist, daß man 
weiß, wann die Könige zur Regierung gekommen sind, resp. von wann 
an sie ihre Regierung rechnen. Hierfür verweise ich auf die chronologi- 
schen Darlegungen (nebst Tabellen) von Strack, Die Dynastie der Pto- 
lemäer 1897 S. 149 ff. Vgl. auch Bouche-Leclercq, Hist. d. Lagides I, II 
und Svoronos, Die Münzen der Ptolemäer IV (1908). Zu beachten sind 
die wichtigen neuen Aufschlüsse, die die Elephantine-Papyri für die Da- 
tierungen des Ptolemaios I. gebracht haben (vgl. Rubensohns Edition 
S. 22 ff.), ferner die Feststellung der Regierungsjahre der Kleopatra II 
(J. 1 = J. 39 des Euergetes II. = 132/1). Vgl. unten S. 5. 

In der Ptolemäerzeit hat man die Akten außerdem noch nach den 
eponymen Alexanderpriestern von Alexandrien datiert, zu denen in der 
Thebais auch noch die eponymen Priester von Ptolemais hinzutraten. Vgl. 
unten S. 97 f. und Nr. 103 — 107, die die weitere Entwicklung dieser Epo- 
nymen-Datierung vor Augen führen 

In der Kaiserzeit haben die neuen Herren in derselben Weise weiter- 
datiert wie ihre letzten Vorgänger: das mit dem l.Thoth (29. resp. 30 Aug.) 
nach der Thronbesteigung beginnende ägyptische fixe Jahr gilt als das 
2. des neuen Kaisers. 1 ) Zu beachten ist, daß bei Tiberius wegen der 
Kürze der Zwischenzeit (Augustus starb am 19. Aug. des J. 14) erst der 
1. Thoth des nächsten Jahres (15) als 2. gezählt wurde. Ferner ist für 
die Berechnungen zu beachten, daß seit dem Ende des IL Jahrh. nach ge- 
meinsamen Regierungen der überlebende Kaiser die Jahreszählung des 
toten Kaisers fortsetzte. So zählte Commodus die Jahre des Marcus weiter 
und Caracalla die des Severus. 2 ) 

Wie ich im Hermes 30, 151 ff. gezeigt habe, ist im Anfang der rö- 
mischen Okkupation der Versuch gemacht worden, statt der ägyptischen 
Kaiserjahre eine Ära nach der y.QcctrjöLg KccCßuQog dsov viov, d. h. nach 
der Eroberung Alexandriens (am 1. August 30), einzuführen, deren Jahre 
praktisch den am 1. Thoth beginnenden Kaiserjahren des Augustus gleich- 
gesetzt wurden. Aber auch hier hat die alte ägyptische Tradition gesiegt. 
Diese römische Ära läßt sich nur bis in die ersten Jahre des Tiberius 
verfolgen. 3 ) 



1) Vgl. meine Griech. Ostraka I 786 f. 

2) Vgl. auch Wessely, Die Daten der römischen Kaiserzeit (Mitt. PR II 1 ff.). 

3) Vgl. außer Hermes 1. c. auch meine Griech. Ostraka I 787 ff., auch Arch. V450 
(wo durch einen Lapsus das 44. statt des 43. Jahres als das Todesjahr des Augustus 
bezeichnet ist). — Daß die römische Ära auch in die einheimischen (demotischen) 
Akten eingedrungen war, zeigt Wess. Spec. script. gr. 6, 6. 



§ 7. Zur Chronologie. LIX 

Die ägyptischen Königsjahre sind geblieben, so lange Ägypten in dem 
römischen Kaiser seinen Pharao sehen konnte. Die Beseitigung der Son- 
derstellung Ägyptens dureh Diokletian hat u. a. die Konsequenz gehabt, 
daß an die Stelle der Kaiserjahre die Datierung nach den Reichskonsuln 
trat (vgl. unten S. 67 f.). Nach den Königsjahren des Diokletian und seiner 
Mitherrscher ist noch in alter Weise gerechnet worden, wenn auch da- 
neben schon die Konsuln genannt wurden. Aber nach Diokletians Regie- 
rung gibt es nur noch die Konsuldatierung wie in jedem andern Teile 
des römischen Reiches. 1 ) 

Die Sitte, nach den Königsjahren zu datieren, saß aber zu tief im 
ägyptischen Volke, als daß es dieser Neuordnung auf die Dauer unbedingt 
gehorcht hätte. Einen Nachklang der alten Sitte dürfen wir in der so- 
genannten diokletianischen Ära sehen 2 ), die früher nur für die Jüngern 
Zeiten belegt, jetzt auch für das V. Jahrh. bezeugt ist, und nach der in 
den KetpdkuMX, der Osterbriefe des Athanasius schon für das IV. Jahrh. 
gerechnet wird. 3 ) Diese Ära zählt die Kaiserjahre des Diokletian als des 
letzten Kaisers, nach dem offiziell datiert worden ist, weiter. Ihre Epoche 
ist also das Jahr 284. Vielleicht ist man auf diesen Gedanken dadurch 
gekommen, daß für die auf ihn folgenden Kaiser keine amtlichen Vor- 
lagen für die Berechnung der Kaiserjahre existierten. Diese Ära taucht 
zunächst nur sporadisch und nur in privaten Texten auf (Grabschriften 
usw.). Größere Verbreitung hatte sie seit dem VI. Jahrh. 4 ), namentlich 
dann in der arabischen Zeit (s. unten p. LXI). Die heidnischen Priester 
von Philae gebrauchten sie ebenso 5 ) wie die Christen, die sie später lieber 
als Märtyrerära bezeichneten. 

Die seit Diokletian bestehende Ordnung wurde modifiziert, als im 
J. 537 Justini an in der Novelle 47 verordnete, daß in den Akten vor 
das Konsuldatum das Kaiserjahr gestellt werden solle. Aber dies Kaiser- 
jahr, das von nun an auch in den Papyri begegnet, ist nicht mehr das 
alte Kaiserjahr, wie es in Ägypten bis Diokletian bestanden hatte. Es ist 
vielmehr nach Justinians Verordnung das Regierungsjahr, das von der 
Thronbesteigung bis zur Wiederkehr des Thronbesteigungstages ge- 
rechnet wurde. 

Neben den Konsuldaten ist ein Novum der byzantinischen Zeit die 
Datierung nach den Jahren des fünfzehnjährigen Indiktionszyklus. 
Über die Bedeutung der Indiktion für die Steuerordnung ist unten S. 222 ff. 
gehandelt worden Ebendort ist auch berichtet, daß, wie Seeck gesehen 



1) Vgl. Wessely, Mitt. PR V 99 ff. 

2) Vgl. Fr. Rühl, Chronologie des Mittelalters und der Neuzeit 1897 S. 185. 

3) Vgl. Ed. Schwartz, Nachr. Gott. Ges. 1904, Heft 4, S. 339. Vgl. dazu Arch. 
V 295. 

4) Vgl. Arch. IV 242 f., V 295. 5) Vgl. Arch. I 405. 



LX Einleitung. 

hat, der erste Zyklus nicht 312, sondern 297 begonnen hat. Ich füge 
hinzu, daß man in Ägypten schon früher als auswärts, sicher schon im 
IV. Jahrh., vielleicht von Anfang an diese Indiktionsjahre auch zur Da- 
tierung verwendet hat. Vgl. meine Ausführungen im Arch. V 256. Daß 
aber dieser Zyklus von Diokletian nicht zu Datierungszwecken bestimmt 
war, geht schon daraus hervor, daß man in diesem Falle mit einer ge- 
wissen Selbstverständlichkeit auf die Numerierung der Zyklen gekommen 
wäre. Da die Zyklen vielmehr unnumeriert sind, nützen uns heute die 
Angaben der Indiktionsjahre praktisch nichts zur Gewinnung des absoluten 
Datums, falls nicht eine Kombination mit andern Zeitangaben möglich ist. 

Zu beachten ist für die Berechnung der Daten vor allem die durch 
die Papyri festgestellte Tatsache 1 ), daß das ägyptische Indiktionsjahr nicht 
wie das konstantinopolitanische, das für das sonstige Reich galt, am 1 . Sep- 
tember, sondern mit wechselndem Anfang in der Mitte des Jahres (meist 
im Payni oder Epiph, aber auch schon Ende Pachon) 2 ) begann. Dies Er- 
gebnis wurde kürzlich glänzend bestätigt durch die in Konstantinopel im 
J. 551 aufgesetzte Urkunde Cair. Cat. 67032, wo es Z. 29 f. heißt: enl 
'Iovvlov prjvbg Ti}g ocQXiag r£ö6aQ\ccxaiÖ£xdtrjg] £7tiv£fii]ö£cog^ xccr' Alyvn- 
rCovg ob 7t£vt£xaid[£xccrr)g~\ : in Ägypten hatte eben im Juni die neue In- 
diktion schon begonnen, während die neue konstantinopolitanische erst am 
1. Sept. anfing. Da nun in Ägypten die Epoche wechselte, so pflegte man 
bei den für diese in Betracht kommenden Zeiten, also namentlich vom 
Ende Pachon bis Epiph, durch Zusatz von ccQxfi resp. xiXu hervorzuheben, 
ob der betreffende Tag in den Schluß der alten oder den Anfang der 
neuen Indiktion hineinfalle. 3 ) Schließlich hat man diese Zusätze, die also 
nicht einen bestimmten Tag, sondern allgemein Anfang oder Ende einer 
Indiktion bezeichnen, auch bei etwas entfernteren Daten, bis in den Thoth 
und Phaophi hinein, hinzugefügt. 4 ) Die Annahme mancher, daß man ge- 
legentlich auch in Ägypten nach der Constantinopolitana gerechnet habe, 
hat noch nicht sicher belegt werden können. 5 ) 

So sicher der wechselnde Anfang der ägyptischen Indiktion steht, 
ist doch eine evidente Erklärung hierfür noch nicht gefunden worden. 
Gegen die weitverbreitete Annahme, daß dieser Wechsel mit dem wechseln- 
den Anfang der Nilüberschwemmung zusammenhänge, haben Grenfell-Hunt 
(P. Grenf. II S. 129) eingewendet, daß der Eintritt der Nilschwelle tatsäch- 
lich nur um einige Tage, nicht aber um viele Wochen differiert. Diesem 
Einwand steht freilich, wie sie auch hervorhoben, entgegen, daß nach 



1) Wilcken, Hermes 19,293ff. und 21,277ff., wo zu den Arbeiten von Wessely, 
v. Hartel, Krall Stellung genommen ist. 

2) Vgl. Grenf. II 78, 5 : 28. Pachon ocqxt}. 

3) Vgl. Wilcken, Hermes 21, 279. 4) Vgl. Wilcken, Hermes 21, 280f. 
6) Vgl. Wilcken, Hermes 21, 281 f. 



§ 8. Das Geld. LXI 

Wessely (Mitt. PR I 27) in einem Wiener Fragment geradezu von einer 
Nilindiktion — Ivdixtiovog NsClov — die Rede ist. Dies Fragment ist 
aber jetzt publiziert als P. Klein. Form. 1003 (V. Jahrh.), und danach 
bezweifle ich Wessely s Deutung. Es steht da nämlich nach Wessely: £]vd / 
NeCkov rijg a t vd // (ixtCovog) v(ptsQ) {ii6d-o(v). Was sollen hier die beiden 
Indiktionen unverbunden nebeneinander? Und wie auffällig, daß das Wort 
ivdixrtovog einmal mit 1 Strich / und dann mit 2 Strichen // abgekürzt 
sein soll. Auch hätte man wohl tov NstXov gesagt, wenn der Fluß ge- 
meint wäre. Dies alles spricht dafür, daß vielmehr zu lesen ist: ]v d(ta) 
NsCXov xtL, wo NeCXov ein Eigenname ist. Damit verschwindet die 
„Nilindiktion", die einst so viel Aufsehen gemacht hat. 

In der zitierten Novelle 47 erlaubt Justinian, daß auch Stadt ären 
im Datum genannt werden dürften, aber nur an letzter Stelle hinter dem 
Kaiserjahr, den Konsuln und der Indiktion. Solche Stadtären haben wir 
in Ägypten bisher nur für Oxyrhynchos kennen gelernt. Es gab deren 
hier zwei: die eine datierte von 324, die andere von 355. Vgl. Grenfell- 
Hunt zu Oxy. I 125. Die früheste Datierung nach diesen Aren findet 
sich zurzeit in Oxy. 1 93 vom J. 362. Regelmäßiger begegnen sie erst im 
VI. und VII. Jahrh. Der Justinianischen Verordnungent spricht z. B. genau 
die Datierung von Oxy. I 126 vom J. 572, wo im Präskript hinter der 
Indiktion die Aren stehen. 

Die Kaiserjahre, wie Justinian sie wieder eingeführt hatte, fanden 
mit der arabischen Herrschaft ihr Ende, ebenso natürlich die Konsul- 
jahre, während die Zählung nach Indiktionen unverändert blieb. Die 
Araber zählten ihre Jahre bekanntlich nach der Hedschra (vom 16. Juli 622). 
Da sie aber neben ihrem Mondjahr für die Praxis der Steuererhebung usw. 
das ägyptische Sonnenjahr bestehen ließen (s. oben p. LVI), so finden sich 
Texte, in denen der Abstand von der Hedschra sowohl nach dem Mond- 
wie nach dem Sonnenjahr berechnet ist. Vgl. Karabacek, Führ. PR 
S. 149/50 und unten 25ß. In den griechischen und ägyptischen Kreisen 
aber griff man jetzt, da die Indiktion allein zu nichtssagend war, vielfach zu 
der schon vorher verbreiteten Diokletianischen Ära (p. LIX). Gelegentlich 
wurde auch nebeneinander nach den Jahren Diokletians und den Jahren 
der „Sarazenen" gerechnet. *) In den jüngeren griechischen Texten begegnen 
auch Datierungen nach der Hedschra allein. Vgl. Bell, Lond. IV p. XLV. 

§ 8. DAS GELD. 
Vom Geld und Geldzahlen wird in den Papyri so viel gesprochen, 
daß jeder Bearbeiter den Wunsch haben wird, sich über die verschiedenen 



*) Vgl- Wessely, Prolegomena ad pap. graec. novam collectionem edendam 
1883 p. 19. 



LX1I Einleitung. 

Münzsysteme, die im Laufe dieser mehr als tausend Jahre einander gefolgt 
sind, zu orientieren und womöglich jede Summe, die ihm begegnet, glatt 
in Mark und Pfennig sich umzurechnen. Trotz der erfolgreichen Arbeiten 
der letzten Dezennien gehören diese Probleme auch heute noch zu den 
schwierigsten. Gerade die Papyri haben uns gezeigt, daß die Kursverhält- 
nisse beständig wechselnde waren. Man muß bei jeder Summe zunächst 
feststellen, in welchem Jahrhundert sie gezahlt wurde, denn je nach der 
Zeit haben sie sehr verschiedenen Wert gehabt. Ich will hier die rein 
numismatischen Fragen bei Seite lassen, für die die Hauptquelle natürlich 
die Münzen selbst sind, und mehr auf die Währungsfragen hinweisen, für 
die die Papyri wichtige neue Aufschlüsse gebracht haben. 

Für die ägyptische Numismatik der Ptolemäerzeit nenne ich als 
die wichtigsten Arbeiten: R. Stuart Poole, Catalogue of Greek Coins, 
The Ptolemies Kings of Egypt, Lond. 1883. Dies für seine Zeit treffliche 
Werk ist jetzt überholt durch das große, das gesamte Münzwesen der 
Lagiden umfassende Corpus des griechischen Gelehrten Svoronos, dem 
es weit über seine Vorgänger hinaus gelungen ist, die Münzen auf die 
einzelnen Regierungen zu verteilen und so eine Chronologie der Ptolemäer- 
münzen vorzulegen: J. N. Svoronos, Tä vo^Cö^iata rot» XQcctovg xav 
IltoXsfiaicov (Bi,ßALod-rjxr} Magaölrj), I — in 1904, IV (Deutsche Übersetzung 
des I. Bandes, Beiträge von F. Hultsch, K. Regling usw.) 1908. 

Mit besonderer Berücksichtigung der Währungsfragen sind die Münz- 
verhältnisse der Ptolemäerzeit teils von ägyptologischer, teils von helle- 
nistischer Seite behandelt worden. Für jene nenne ich E. Revillout, 
Lettres ä Mr. Lenormant sur les monnaies Egyptiennes, Revue Egyptol. 
II 201 ff., auch als selbständige Schrift 1895. Derselbe, Un papyrus bilingue 
du temps de Philopator, Proc. Soc. Bibl. Arch. XIV 1891, 60ff. Wesent- 
lich anders deutete die demotischen Angaben H. Brugsch, Die Lösung 
der altägyptischen Münzfrage, Z. f. ig. Spr. 1889, lff. u. 1892, lff. Unter 
den Hellenisten ist an erster Stelle Grenfell zu nennen, der die neuen 
Aufschlüsse des Revenue - Papyrus in einer grundlegenden Studie im Ap- 
pendix III seiner Revenue-Laws 1896 verarbeitete. Hierauf fußte ich in 
meiner zusammenfassenden Darstellung in den Griech. Ostraka I 718 ff. 
Inzwischen haben die weiteren Papyruspublikationen manches neue Ma- 
terial zu diesen Fragen gebracht, vor allem die Texte in P. Tebtynis I. 
Dies verarbeiteten Grenfell-Hunt im Appendix II des genannten Bandes. 
Zuletzt sind alle diese Fragen, die Münzfragen wie die Währungsfragen, 
zusammenfassend behandelt worden von F. Hultsch in seinem postumen 
Aufsatz: „Die Gewichte und Werte der ptolemäischen Münzen" im IV. Bande 
des Werkes von Svoronos. 

Zumal im einzelnen die in Frage stehenden Probleme noch sehr strittig 
sind, beschränke ich mich hier auf eine ganz kurze Darlegung der wich- 



§ 8. Das Geld. LXIII 

tigsten Grundzüge, um in die Benutzung der angeführten Spezialliteratur 
einzuführen. 

Bekanntlich hat Ptolemaios I. Ägypten zum erstenmal eine eigene 
Münze gegeben. 1 ) Wenn er nach vorübergehenden Versuchen mit dem 
attischen und rhodischen Fuß schließlich auf den phönikischen Fuß ge- 
prägt hat, woran seine Nachfolger festhielten, so hängt dies wahrschein- 
lich mit seinem Bestreben zusammen, die neue griechische Münze mit den 
Gewichten der seit alten Zeiten hier bestehenden Kupferwährung in ein 
bequemes Verhältnis zu bringen. 2 ) Geprägt wurden Gold, Silber und Kupfer. 
In den Papyri haben wir es vor allem mit Silber- und Kupferzahlungen 
zu tun. Zwischen Silberdrachmen und Kupferdrachmen bestand zunächst 
das normale Verhältnis von 120 : 1, doch ist dies im Laufe der Zeit stark 
verändert worden. Der Obolos, das Sechstel der Silberdrachme, der also 
= 20 Kupferdrachmen galt, ist nicht in Silber, sondern in Kupfer 
(= 72,8 Gramm) geprägt worden, ebenso wie seine Unterabteilungen 
bis zum £ = yaXxovg (= 9,1 Gramm). 3 ) Außerdem wurden Kupferdrach- 
men zu 3,64 Gramm geprägt. 4 ) Man kann nicht sagen, wie früher mit 
Revillout angenommen wurde, daß im III. Jahrh. v. Chr. unter den ersten 
Herrschern reine Silberwährung bestanden habe, denn in dieser Zeit gehen 
Silber- und Kupferzahlungen durchaus nebeneinander her, und auch sehr 
bedeutende Summen können in Kupfer gezahlt werden. 5 ) Die Regierung 
hat sich offenbar bemüht, mit Rücksicht auf die altägyptische Kupfer- 
währung das Kupfergeld als wirkliches Wertgeld neben dem Silbergeld 
zu erhalten. Bei Zahlungen an die Regierung (Steuern usw.) bestimmt 
diese, ob sie in Silber oder Kupfer gezahlt werden sollen. Der vöfiog 
tsXavLXÖg z. B. bestimmte demgemäß, ob die Steuerpacht 7ZQog ccQyvQiov 
oder ttQog ycdxöv vergeben werden solle. Wer im ersteren Falle trotzdem 
Kupfer zahlen wollte, mußte ein Agio von durchschnittlich 10% zuzahlen. 
Im andern Falle, bei Verpachtungen icgog %aXx6v^ wurde die Kupferzah- 
lung als vollwertig angenommen. Dies wichtige Prinzip ist zuerst von 
Grenfell aus dem Revenue-Papyrus erschlossen worden, im besonderen aus 
col. 60, 13 — 15: 7C(oXovfisv tijv avrjv (das Olmonopol) Jtgbg ycn.lv.ov xccl 
ÄrjHil>6 [isd-a stg xbv ötax^qa ößolovg xd. Das bedeutet mit Grenfell (S. 195), 
daß in diesem Falle, weil die Pacht %Qog jalxov vergeben ist, 24 Kupfer- 
obolen als vollwertiges Äquivalent (ohne Agio) für 4 Silberdrachmen an- 
genommen werden sollen. Andrerseits wurden Zahlungen in Kupfer mit 



1) Über die Münzen des Satrapen Aryandes und die wahrscheinlich zur Zeit des 
Kleomenes von Naukratis geprägten Münzen vgl. Svoronos IV S. 1 ff. 

2) Vgl. Ed. Meyer, Handwörterb. d. Staatswiss. V 2 S. 913f. 

3) Dies Gewicht von 9,1 Gramm spielt in der altägyptischen Kupferrechnung 
eine Rolle. Vgl. Ed. Meyer 1. c. 907. 

4) Dies nach Hultsch 1. c. S. 41 ff. 5) Vgl. Hultsch 1. c. S. 57. 



LXIV Einleitung. 

Agio bezeichnet als %a(kx.ov) slg xsr c 1 ), d. h. es wurden statt 24 26^ Obolen 
für den Stater (4 Silberdrachmen) gerechnet. Oder man sagte yakKov JtQog 
ccoyvoiov, d. h. Kupfer, wo Silber hätte gezahlt werden sollen. 2 ) 

Im IL Jahrh. ist die wichtige Änderung eingetreten, daß die Silber- 
zahlungen in der Praxis immer seltener wurden und zuletzt bis auf die 
Zahlungen von Strafgeldern an die Regierung 3 ) ganz verschwanden, so 
daß schließlich fast reine Kupferwährung herrschte. Daß dies die Praxis 
war, zeigen uns die öffentlichen und privaten Dokumente dieser Zeit. Gleich- 
wohl hat die Regierung in ihren Erlassen formell an dem alten Unter- 
schied von Zahlungen xobg uoyvoiov und Ttobg %ccA.x6v auch jetzt festge- 
halten. Aber der im Par. 62 erhaltene vo^iog reXavixög, der diese Unter- 
schiede auch beibehält, zeigt zugleich, daß es jetzt als selbstverständlich be- 
trachtet wurde 4 ), daß man statt Silber vielmehr Kupfer mit Agio zahlte, denn 
er sagt 5, 16: r&v de xobg aoyvoLov (bväv 7CQOödiayQ<xipov6LV ak^Xyayr]v 
cog tj\g [ivag i = [c]. Also für die itabg aoyvQiov verpachteten Steuern 
soll man ein Aufgeld zahlen von 10 Kupferdrachmen und 2-\ Obolen für 
die Silbermine (100 Drachmen). Sachlich ist dies Agio dasselbe 5 ), das im 
III. Jahrh. mit slg ng c bezeichnet war (Agio von 2\- Obolen auf den 
Stater) und auch noch im IL Jahrb., wie in den etwas älteren Zoispapyri, 
so bezeichnet werden konnte. Dem nobg uoyvoiov des Textes entspricht 
wenige Zeilen später ein xqo$ %uXxbv iö6vo[iov. So nannte man jetzt das 
vollwertige Kupfer, für das kein Agio nötig war, während andrerseits das 
Kupfer mit Agio jetzt %ak%bg oh aXlayr\ genannt zu werden pflegte oder 
auch, wie früher, jaXv.bg nobg aoyvoiov. 

Wie Grrenfell-Hunt aus den Tebtynis-Papyri gezeigt haben, hat dann 
am Ende des IL Jahrh., unter der Regierung des Soter IL, eine starke 
Entwertung der Kupferdrachmen stattgefunden. Während ursprünglich 120 
Kupferdrachmen auf 1 Silberdrachme gerechnet waren, schwankt von 
Soter IL bis zum Ausgang der Ptolemäerzeit das Verhältnis zwischen 375:1 
und 500: l. 6 ) 

Schwierige Probleme bieten auch die Münz- und Währungs Verhält- 
nisse der Kaiserzeit. Bezeichnend für die Sonderstellung Ägyptens ist, 



1) Vgl. meine Griech. Ostr. II n. 331 und dazu I 720. Ich lese jetzt nach dem 
Vorgang Kenyons x?c (264), nicht x? Y (26^). Weitere Beispiele für dieses und an- 
dere Agios bei Hultsch 1. c. S. 48 ff. 

2) Vgl. meine Griech. Ostraka I 720 f. 

3) Vgl. meine Griech. Ostraka I 722 A. 1. 

4) Vgl. meine Griech. Ostraka I 724. Hultsch S. 60 hat die Worte in diesem 
Punkte nicht scharf genug interpretiert. 

5) Vgl. Hultsch S. 50. 

6) In diese Zeit sind auch die beiden Beispiele zu setzen, die ich in den Griech. 
Ostraka I 723 A. 2 für die Gleichungen 450 : 1 und 455 : 1 gegeben hatte. Das Ostra- 
kon II n. 1496 ist offenbar in das 2. Jahr des Soter zu setzen. 



§ 8. Das Geld. LXV 

daß das Land auch jetzt seine eigene Münze, in Alexandrien, behalten hat. 1 ) 
Daß daneben auch der Denar, das römische Reichsgeld, kursierte, wurde 
auch früher schon angenommen, doch waren die in den Urkunden nicht 
zahlreich vorliegenden Fälle, in denen der Denar ausdrücklich genannt 
wird, meist beschränkt auf speziell römische Kreise (Soldaten, Beamte usw.). 2 ) 
In viel weiterem Umfange hat Mommsen ein Kursieren des Denars an- 
genommen, indem er die These aufstellte, daß der Denar auch da gemeint 
sei, wo von ägyvqCov dgaipul gesprochen werde. Dies hat er in seinem 
grundlegenden Aufsatz „Zum ägyptischen Münzwesen" (Arch. I 273 ff.) be- 
gründet. 3 ) Nach dieser These, die bisher noch nicht widerlegt worden ist, 
würde sich die Entwicklung des Münzwesens in der Kaiserzeit etwa fol- 
gendermaßen darstellen. 

Augustus fand in Ägypten silberne Tetradrachmen vor (die Drachme im 
Normalgewicht von 3,57 Gramm) und Kupferdrachmen, diese in der starken 
Entwertung, die soeben dargelegt wurde. Während Kupferdrachmen auch 
jetzt weiter geprägt wurden 4 ), sistierte Augustus die Prägung der Silber- 
münzen, weil er — nach Mommsen — den Reichsdenar, der mit 3,90 Gramm 
damals jener Silberdrachme einigermaßen entsprach, mit Legalkurs in 
Ägypten zirkulieren ließ. Er verschleierte aber absichtlich diese Romani- 
sierung und ließ den Denar vielmehr als &QyvQtov (eventuell auch Us- 
ßaöTov) dgaxiiri bezeichnen. So kursierten also zur Zeit des Augustus an 
Silbergeld nebeneinander die ptolemäischen Silbertetradrachmen und der 
römische Silberdenar. Die Papyrusurkunden haben uns gezeigt, daß das 
IlToXeiiccixbv vö^Löfia noch lange, bis zum Ende des III. Jahrh., im Um- 
lauf gewesen ist. 5 ) Für die (ungefähre) Gleichwertigkeit mit dem Denar 
spricht der Ausdruck: aqyvqCov Usßccörov xcci JlroXsfiaLotov vofifaiiatos 

Tiberius hat dann im J. 19/20 die wichtige Reform eingeführt, daß 



1) Über die kaiserliche Prägung in Alexandrien vgl. R. Stuart Poole, Cata- 
logue of the coins of Alexandria and the nomes, Lond. 1892. Auch die sogenannten 
Gaumünzen sind in Alexandrien geprägt worden. 

2) Vgl. meine Griech. Ostraka I 736 f. Mommsen, Arch. I 274 A. 4. 

3) Zugestimmt hat z. B. v. Premerstein, Klio III 9. Vgl. andrerseits Hultsch, 
Pauly-Wiss. V 1629 ff. Als eine noch nicht endgültig gelöste Kontroverse bezeichnet 
es Rostowzew, Pauly-Wiss. VII 144. 

4) Und zwar in demselben geringen Wert. Auch für die Kaiserzeit ist durch 
Oxy. II 242 f. und Lond. II S. 233 das Verhältnis 450 : 1 und 500 : 1 bezeugt. Vgl. 
Mommsen 1. c. 278 A. 2. Und zwar ist nach Mommsen diese Sgax^r} %ccXitov ngög ccq- 
yvQiov von -^ - (Oxy. 1. c.) zur Denarrechnung in Beziehung gesetzt, wie ja schon das 
ctQyvQiov zeigt, indem der Denar als Tetradrachmon = 1800 (resp. bei -* = 2000) 
Kupferdrachmen gerechnet wurde. S. unten. 

5) Vgl. meine Griech. Ostraka I 728. Meine Darlegungen, in denen ich noch die 
agyvQiov (oder Zeßcc6rov) Sgax^ij für das Billongeld hielt, sind durchweg nach Momm- 
sen8 Aufsatz zu korrigieren. 

6) Vgl. Mommsen S. 275 und 276 A. 1. 



LXVI Einleitung. 

er zur Prägung von Tetra drachinen, wenn auch nicht in Silber, so doch 
in Billon überging. Diese Billontetradrachmen, die bestenfalls zu drei Vier- 
teln aus Kupfer bestanden, kamen an Gewicht ungefähr den alten Silber- 
tetradrachmen von 14,28 Gramm gleich, an Silbergehalt aber entsprachen 
sie dem römischen Denar von 3,90 Gramm. Von nun an galt daher die 
ägyptische Drachme = \ Denar. So liefen denn jetzt — abgesehen von 
den ptolemäischen Silberstücken — die römischen Denare und die ägyp- 
tischen Billontetradrachmen nebeneinander her. Die Regierung gab aber 
jenem einen Vorzugskurs, indem der Denar 28 resp. 29 Münzobolen gleich- 
gesetzt wurde, das Billontetradrachmon aber nur 24. So ist mit Mommsen 
die Umrechnung von Münzen yahcov in Münzen aQyvqCov in Lond. I 
S. 170 ff. zu deuten. In den %cdxov sieht er hier die Billonmünzen, in den 
uQyvQlov die Denare. Und hier wird ausdrücklich gesagt, daß auf das ccqyv- 
(Kov-Tetradrachmon 28 resp. 29 Obolen gehen (also auf die Drachme 7 resp. 
7-^), während das ^cdxoü-Tetradrachmon deren 24 hat (also die Drachme 
6). Dasselbe besagt das metrologische Fragment Oxy. I 9 Verso (S. 77): 
e%i yaX%dvy\ oßoXovg s ... %%bi ÖQax^rj ößoXovs inxä £. Die Billondrachme 
wird zu 6 Obolen, die andere Drachme (das ist die Drachme des Denar- 
Tetradrachmons) zu 7 Obolen angesetzt. Tatsächlich haben wir in den 
Papyrusurkunden schon vor diesen Aufschlüssen Drachmen zu 6 Obolen 
und solche zu 7 (resp. 7-J-) Obolen nachweisen können, nur hatten wir sie 
anders gedeutet. 1 ) So klar die Grundgedanken der Mommsenschen Theorie 
sind, schwierig bleibt oft im Einzelfall die Anwendung. Sicher sind wir 
nur, wenn die Drachme als aqyvQiov ausdrücklich bezeichnet wird. Dann 
liegt Denarrechnung vor. Wenn aber nur ÖQa%(nj gesagt ist, entsteht die 
Unsicherheit. Meistens wird wohl Billongeld gemeint sein, aber daß auch 
Denare gemeint sein können, zeigt die lateinische Soldrechnung in Gen. 
lat. 1, wo einfach nach Drachmen gerechnet ist und doch, wie Mommsen 
gezeigt hat, sicher Drachmen zu 1\ gemeint sind, also Denarrechnung vor- 
liegt. 2 ) Auch bezeichnet der Metrologe m dem obigen Zitat die höhere 
Drachme einfach als 8Qcc%ari. Andrerseits ist die Bezeichnung des Billon- 
geldes als %aXxov (oder ial%ivr\) ganz selten, was sich daraus erklärt, daß 
hiermit in der Regel die oben erwähnten Kupfer drachmen bezeichnet wer- 
den. 3 ) Also im Einzelfalle wird man oft zu einer positiven Entscheidung 
nicht kommen können (Mommsen S. 281 f.). 

Die Herrschaft Diokletians ist auch für das Münzwesen Ägyptens 
von tief einschneidender Bedeutung gewesen, indem er Alexandrien das 
alte Vorrecht der eigenen Münze genommen hat. Seit dem Epochenjahr 
297 (s. unten S. 68) wurde hier kein Provinzialgeld mehr geprägt, son- 

1) Vgl. meine Griech. Ostraka I 732. 2) Mommsen S. 277. 

3) Vgl. z. B. noch Teb. II S. 341 (II. Jahrh.), wo 300 Kupferdrachmen auf 1 
Silberdrachme gerechnet werden. 



§ 9. Zur Metrologie. LXVI1 

dem nur noch Reichsrnünze mit lateinischen Stempeln. Nach den mannig- 
fachen Münzreformen des Diokletian 1 ) hat dann Constantin durch die 
Schaffung des Solidus (=-^ Pfund Gold) zu 24 Siliquae eine neue dauer- 
hafte Basis geschaffen. Die Papyri haben uns aber gezeigt, daß in Ägypten 
sich dieses neue System erst seit dem V. Jahrh. durchgesetzt hat. Bis 
dahin hat man wie vorher in der Hauptsache 2 ) nach Drachmen gerechnet. 
Aber diese Drachmen zeigen jetzt eine ganz ungeheure Entwertung, so 
daß überhaupt noch selten von einzelnen Drachmen, vielmehr meist von 
Talenten oder Tausenden von Drachmen gesprochen wird. C. Wessely 
hat kürzlich in einer verdienstvollen Studie ein reiches Material zusammen- 
gestellt, das uns zeigt, in wie exorbitanter Weise seit Diokletian die nach 
Talenten und Drachmen berechneten Preise für Lebensmittel, Löhne usw. 
gestiegen sind. 3 ) Er hat weiter gezeigt, wie dann seit der Mitte des 
IV. Jahrh. bei dem beständigen Sinken des Drachmenwertes die Drachmen 
(oder wie man auch sagt, die Denare) nicht zu Talenten, sondern zu Myri- 
aden zusammengefaßt wurden. Auch im VI. und VII. Jahrh. begegnet 
noch gelegentlich die Rechnung nach Myriaden, jetzt .auch xegfiatog (iv- 
Qiddeg genannt, mit immer sinkendem Wert gegenüber dem Goldsolidus, 
aber sie erscheinen jetzt seltener, denn seit dem V. Jahrh. hat sich nun 
die Rechnung nach Solidi (yo(ii6^ata) und Siliquae (xsQatia) durchgesetzt. 
Zu der umstrittenen Frage, wie die etwa seit dem VI. Jahrh. hinter den 
Solidussummen begegnenden Wendungen wie itaQa xsqktlcc ovo o. ä. zu 
deuten sind, vgl. Kubitschek, Wien. Num. Z. XXIX S. 166 ff. Für seine 
Auffassung, wonach das naQ& die Subtraktion andeutet, scheint mir die 
Rechnung Cair. Cat. 67056 zu sprechen. 

Der Solidus mit seinen Keratien ist dann auch in die arabische 
Zeit hinübergegangen. Über den Unterschied der i%6[isva und der agifriLiu 
vonCafiara dieser Periode vgl. Bell, Lond. IV S. 84 f. 

§ 9. ZUR METROLOGIE. 

Die Papyrusurkunden enthalten so viele Maßbestimmungen, daß zur 
Interpretation der Texte eine Orientierung über die in Ägypten damals 
vorkommenden Maße unerläßlich ist. Ein kurzer Überblick über die 
wichtigsten metrologischen Tatsachen ist hier um so nötiger, als durch 
die neuen Aufschlüsse der Papyri die älteren Darstellungen, auch die ent- 
sprechenden Abschnitte in dem grundlegenden Handbuch von Fr. Hultsch 4 ), 
völlig veraltet sind. Auf Grund der neuen Aufklärungen durch Papyri 

1) Vgl. Seeck, Untergang d. antiken Welt II 225 ff. 

2) Zu dem Zuwiegen des Metalles nach Gewicht (XitQai, ouyxt'oa, ypa/i/iara) vgl. 
Lips. 62 (188) und dazu Mittels' Kommentar. Vgl. jetzt auch Thead. 33. 

3) Wessely, Ein Altersindicium im Philogelos (Sitz. Wien. Akad. 149 [1904], 6). 

4) Griechische und römische Metrologie, 2. Aufl. 1882. 



LXVIII Einleitung. 

und Ostraka habe ich in meinen Griechischen Ostraka I 738 ff. eine Dar- 
stellung unseres damaligen Wissens zu geben versucht. Durch das inzwischen 
neu hinzugekommene Material ist einzelnes hiervon modifiziert worden, 
während anderes seine Bestätigung gefunden hat. Auch auf diesem Ge- 
biet gibt es noch viele schwierige, ungelöste Probleme. 

1. Die Hohlmaße. 
A. Die Trockenmaße. 

Das Kornmaß Ägyptens ist die aus Persien stammende 1 ) ccQrdßr]. 
Während wir früher auf Grund der metrologischen Literatur für die Pto- 
lemäerzeit mit einer Artabe von 4£ römischen Modien (= 39,39 Litern) 
und für die Kaiserzeit mit einer jüngeren Artabe von 3-^ Modien (= 29,18 
Litern) rechneten 2 ), stehen wir jetzt vor einer verwirrenden Fülle der ver- 
schiedensten Artaben. Die Urkunden haben uns gelehrt, daß es gleich- 
zeitig mehrere Artaben mit verschiedenem Inhalt gegeben hat. Wie ich in 
den Griech. Ostraka I 741 gezeigt habe, war „Artabe" nur eine allgemeine 
Bezeichnung für ein Trockenmaß, das an der Spitze eines Systems stand. 
Die konstante Größe war nicht, wie wir früher annahmen, die Artabe, 
sondern die Choinix, aus deren Multipla sich die Artaben zusammensetzten, 
deren absolute Größe aber leider nicht genau feststeht. Ich war bei meinem 
Berechnungsversuch 1. c. 747 nach Hultsch von der Annahme ausgegangen, 
daß die Choinix sich nicht allzuweit von einem modernen Liter entfernt 
habe, und das wird wohl auch richtig sein, aber die exakte Berechnung 
ist noch zweifelhaft. 3 ) 

Für die Ptolemäerzeit habe ich 1. c. Artaben von 40, 30, 29 4 ), 26 
und 24 Choinikes nachgewiesen. Dazu kam inzwischen aus den Tebtynis- 
texten als das offizielle Hauptkornmaß eine Artabe von 36 Choinikes. Vgl. 
Grenf eil- Hunt, P. Teb. I S. 44, die dies offizielle Maß mit dem do%ixov 
[istqov 5 ) gleichsetzen, das sich zu dem <Jpö^os-Maß (dem auf dem dQO[iog 
der Tempel gebrauchten) wie 6 : 7 verhielt. 

Für die Kaiserzeit nennt das metrologische Fragment Oxy. 19 Verso 8 
eine Artabe von 40 Choinikes, die uns inzwischen in Oxy. VII 1044 
(II. /HL Jahrh.) im praktischen Gebrauch entgegengetreten ist, und die 
nach Grenfell-Hunt wahrscheinlich auch dort vorliegt, wo die seltene Tei- 
lung in £ und j ö begegnet wie in Fay. 101 (s. unten). Außerdem wies 
ich 1. c. aus einem Ostrakon eine Artabe von 24 Choinikes nach. Zu wei- 
teren Berechnungen von Artaben zu 42 usw. Choinikes verweise ich auf 
Greufell-Hunt, Teb. I S. 232 f. 

1) Vgl. meine Griech. Ostraka I 738 f. 2) Griech. Ostraka I 740. 

3) Vgl. Hultsch, Arch. II 283 ff. 

4) Diese, damals noch unsicher, inzwischen bestätigt durch Hib. 85. 

5) Vgl. Par. 66, 26 (385). 



§ 9. Zur Metrologie. LXIX 

Abgesehen von solchen Choinikes-Berechnungen habe ich in den Gott. 
Gel. Anz. 1894, 743 aus Lond. I S. 192 ff. für das IV. Jahrh. für die Ge- 
gend von Hermonthis (Thebais) ein Nebeneinander von drei verschiedenen 
Maßen nachgewiesen, dem &r)6avQi%bv fiatQov, dem cpoQixbv [xbxqov (Pächter- 
maß) und einem nicht benannten, und zwar in dem Verhältnis: Pächter- 
maß : thesaurisch. Maß =9:7, Ungenanntes Maß : thesaurisch. Maß = 
25 : 24. x ) Hierzu sind wichtige neue Aufschlüsse hinzugekommen durch 
Lips. 97, der aus derselben Zeit und demselben Lokal stammt. Hier fan- 
den sich nicht nur diese drei Maße wieder (das Unbenannte hier als tö 
drjiioöiov bezeichnet), sondern außerdem ein hbtqov [ioöCcov, das Mitteis 
als die sogenannte jüngere Artabe von 3-J Modien erklärte. Hierdurch 
wurde zugleich die Annahme von Hultsch (Fleckeis. Jahrbb. 1. c), dem ich 
gefolgt war, daß die thesaurische Artabe diese Jüngere Artabe" gewesen 
sei, als irrig erwiesen. Ich muß hier auf die ausführlichen Darlegungen 
Von Mitteis, P. Lips. S. 250 ff. verweisen. 

Andrerseits ist wichtiges neues Material durch Lond. II S. 257 ff. 
hinzugekommen, eine Anleitung zum Umrechnen der verschiedenen Maß- 
systeme (I. Jahrh. n. Chr.). Hier werden nicht weniger als 6 Artabensorten 
unterschieden: d(xfyuo 2 ), ^aAxtö, avrjXatixa), <&iM%nov, r&klov, 'Eq^lov. 
Kenyon hat in seiner Einleitung dargelegt, daß hiervon das ö^dfiog- Maß 
etwa dem yoQixov der Jüngern Texte entspricht, das ^a^xo5 3 ) dem d-rj- 
GavQLxä, das Maß 'Egpov dem Unbenannten (jetzt drjfiöeiov). Weitere wich- 
tige Ausführungen haben hierzu Grenfell-Hunt, Teb. I S. 232 f. gebracht, 
indem sie versucht haben, den Choinix- Inhalt der einzelnen Artaben zu 
berechnen. 

Bei dieser Fülle der Systeme sind die Artabenangaben unserer Papyri 
für uns meist unberechenbar, falls nicht ausdrücklich gesagt ist, welches 
System gemeint ist, und auch dann läßt sich der Inhalt nur in manchen 
Fällen genau berechnen. 

Die Teile der Artabe werden teils in Brüchen, teils in Choinikes-Summen 
ausgedrückt, doch kommt vielfach eine Kombination von beiden Arten 
vor. Als Bruchteile der Artabe begegnen einerseits \-, \, -| (nicht weiter 
^ usw. !) andrerseits ~, {-, ^, £, ^ usw. 4 ) Wahrscheinlich entsprechen diesen 
Brüchen konkrete Einzelmaße. 5 ) Es ist für den Papyrusforscher praktisch 
von Wert, sich diese Bruchreihe \, \ , ^ usw. als charakteristisch für die 
Artabe zu merken, im Gegensatz zu der Reihe \, \, \, j 6 -, ^ usw., die für 

1) Vgl. Griech. Ostraka I 745 und Hultsch, Fleckeis. Jahrbb. 1895, 2, S. 81 if. 

2) Meine Beziehung des dpdfiOs-Maßes auf den öqö^og der Tempel (Gr. Ostraka 
1 771) ist inzwischen durch die Tebtynistexte bestätigt worden, vgl. Grenfell-Hunt, 
Teb. I S. 232. 

3) Ist dieses nicht — gerade wegen dieser Gleichung — als das bronzene Normal- 
maß, das ^alxow aufzufassen? Vgl. unten p. LXX. 

4) Vgl. Griech. Ostraka I 749. 5) Vgl. Griech. Ostraka I 750. 



LXX Einleitung. 

das Flächenmaß, die Arure, charakteristisch ist. In zahlreichen Fällen, 
namentlich hei fragmentierten Stücken, ist die Kenntnis dieser Tatsachen 
ein wichtiges Hilfsmittel für die Interpretation. 

Daß diese Fülle verschiedener Maße mit demselben Namen Artabe 
im praktischen Verkehr große Unzuträglichkeiten mit sich brachte, ver- 
steht sich von selbst. Mit welchem Maß die staatlichen Lieferungen zu 
messen waren, wurde natürlich — generell, oder eventuell auch noch im 
Einzelfall — bekannt gegeben. Die Regierung scheint überall in den Städten 
und Dörfern des Landes bronzene geaichte Normalmaße (jalxa) aufgestellt 
zu haben, mit denen im Einzelfall das Einzelmaß vor der Messung ver- 
glichen werden mußte. Darauf führen Wendungen in den Nauklerosquitt- 
ungen wie: [ietqg) öo%ixg)i ta öv^ißsßX^^EvcoL TCQog tb %alxovv xal öxv- 
tdXrji dixaiai 1 ), wo mit der 6xvxdXt\ das Abstreicheholz gemeint ist. 2 ) 
Für die Allgemeinheit dieser Einrichtung spricht die Verordnung des Euer- 
getes IL vom J. 118, in der für die Anwendung falschen Maßes die Todes- 
strafe verfügt wird. Da heißt es (Teb. I 5, 85): \ii%o6i \l£\x\qoi$ [xaJQU rä 
ev6<rcc&[iay sv exdötcot voft&t &xoSsdBi,[yiii]va icc(Xxä) xrX. Wie vorsichtig 
die Naukleroi vorgingen, zeigt wohl am besten, daß sie sich vielfach ihr 
eigenes Maß aus Alexandrien mitnahmen, um sich mit diesem in der %(OQa 
das Korn vermessen zu lassen. Vgl. meine Note zu 441, 20, auch 443, 12. 

Noch schlimmer wirkte die Unsicherheit im privaten Verkehr. Ich 
habe in den Griech. Ostraka I 770 Beispiele dafür vorgelegt, daß hier 
schließlich nur das individuelle Maß galt. In den Verträgen wird ange- 
geben, mit welchem konkreten Einzelmaß die Lieferung gemessen werden 
soll. Vielfach wird das Maß als das dem einen Kontrahenten oder einer 
sonstigen Persönlichkeit des Ortes gehörige bezeichnet oder als dasselbe 
Maß, mit dem man (bei Darlehn) die Lieferung empfangen hat ((cS itaQti- 
Xrjyev oder itccQaXr}fi7ttLx6v) s ), oder als das Maß des Gottes des Dorfes. 4 ) 

Seit Justinians Zeit begegnet mehrfach ein Getreidemaß, das als xay- 
xsXXov oder xayxüXa uQ(rdßrj) bezeichnet wird. Daß dies nichts mit dem 
lateinischen cancellus oder cancellarius zu tun hat, sondern das persische 
Qanqalmaß ist, hat Becker, Heid. III 1 S. 32 gezeigt. 

An sonstigen Trockenmaßen nenne ich noch das [idtiov, mit dem 
z. B. Nüsse u. dgl. gemessen werden (vgl. Griech. Ostraka I 751 f.). Palm- 
zweige werden nach Bündeln (de6[icci) gemessen (Griech. Ostraka I 757), 
Spreu nach Wagenlasten (dycoyaC oder yöfioi) (1. c 754) oder Pfunden. 
Aber auch Getreide kann, abgesehen von den Artaben, nach Esellasten (pvoi) 



1) Vgl. z. B. Lille 21 ff. (189). 2) Vgl. 270 Note 5. 

3) Meine Deutung des letztem Ausdrucks in Gr. Ostraka I 772 war irrig. 

4) Wie hier dem Maß im Tempel eine besondere normative Bedeutung zuerkannt 
wird, so hat später Justinian, Nov. 128, 15 verfügt, daß die echten nitQcc und Gta&nd 
in der Kirche jeder Stadt aufbewahrt werden sollen. 



§ 9. Zur Metrologie. LXXI 

oder Säcken (öccxnoi) gemessen werden, auf die in der Regel 3 Artaben 
Weizen gerechnet werden (Griech. Ostraka I 754). 

B. Flüssigkeitsmaße. 
Die Papyri haben uns gelehrt, daß es auch für die Flüssigkeiten 
gleichnamige Maße verschiedenen Inhalts gegeben hat. So schreibt der 
Revenue-Papyrus den ^lEtQrjtijg dcodexd%ovg für Ollieferungen und den [ie- 
tgi]ry)g Qxxä%ovg für Weinlieferungen vor. Ich habe hieraus in den Griech. 
Ostraka I 757 den Schluß gezogen, daß ähnlich wie bei der Artabenrech- 
nung die %otvt|, so bei der Metretesrechnung der %ovg (zu 12 Kotylen) 
die konstante Größe ist. Weiter läßt sich jetzt mit Hilfe von Magd. 26 
kommen, wo in Z. 3 f. nach meiner Revision (Arch. IV 53) zu lesen ist: 
ScitodöuEVog rjfilv ol'vov xsQtt[iia @xs, üv E~£,a%oa (iev o/3, %Evt<x%oa öe vd, 



Exatixov ti£t(>r}Tr}v xhv $ % (= E%ä%ovv) {ögai^cbv) id. Aus den letzten 
Worten ergibt sich einmal, daß es auch einen Metretes zu 6 Chus (als 
Weinmaß) gegeben hat. Viel wichtiger ist aber, was m.W. bisher nicht her- 
vorgehoben wurde, daß der Text die Gleichung von [iEtQi]ti]g und xEQaiiiov 
ergibt, denn daß der nsTQr)rr}g E£,ä%ovg hier dasselbe sein muß wie das 
vorhergenannte hequiliov e\cc%ovv, kann nicht bezweifelt werden. 1 ) Damit 
ist die vielbehandelte Streitfrage nach dem Umfang des xeqcc^llov, in dem 
wir früher ein besonderes (Wein)maß gesehen haben 2 ), gelöst: XEgdpLov 
ist nur ein anderer Name für ^EtQfjt^g. Daß es Keramien verschie- 
denen Inhalts gab, hatte inzwischen schon Smyly aus Petr. III S. 196 f. 
gezeigt, wo Keramien zu 5, 6, 7 und 8 Chus auftreten. Die zu 5 und 6 be- 
gegnen auch in dem P. Magd. 26. Wir kennen also jetzt tiEZQrjrcd resp. 
y.EQaiiLcc zu 5, 6, 7, 8 und 12 Chus. Die Unsicherheit im Verkehr muß hier eine 
ähnliche wie bei den Trockenmaßen gewesen sein. Der Revenue-Papyrus 
zeigt, wie die Regierung sich sicherte, der Magd. 26, wie man im Privat- 
verkehr — die Angabe geht hier offenbar auf den Kaufvertrag zurück — 
durch Angabe der Chus sich Sicherheit verschaffte. 

Zu den sonstigen Flüssigkeitsmaßen, dem xovqi und dem 8C%cüqov, 
tql%(o<}ov s ) usw. sowie dem römischen ^Eötrjg (sextarius), den dinkä usw. 
verweise ich auf die Griech. Ostraka I 763 ff. Von Interesse sind die eben- 
dort S. 765 ff. von mir nachgewiesenen Flüssigkeitsmaße, die nach auslän- 
dischen Städten benannt sind, wie das KoXocpäviov, KvCdtov, 'Podiov, die 

1) Die Petenten beschränken sich begreiflicherweise auf die Angabe des Preises 
für das eine Maß, denn damit war der Preis für den Chus festgestellt, und daher der 
Preis auch für das andere Maß implizite gegeben. Dies zeigt recht deutlich, daß der 
Chus die konstante Größe war. 

2) Vgl. Griech. Ostraka I 760 ff. 

3) Hierzu sind wohl auch die cidqö%taQa zu stellen, die mir inzwischen in un- 
edierten Ostraka begegneten. Wahrscheinlich ist das auf S. 766 meiner Gr. Ostraka 1 

besprochene adgo in ccSqu zu ändern. 



LXXn Einleitung. 

übrigens erst in der Kaiserzeit und meist der Jüngern Periode vorkommen. 1 ) 
Inzwischen fügte ich das 'Aöxakäviov hinzu (Arch. V 297) und W. Otto 2 ) 
das UaitLOV. 5 ) 

2. Die Flächenmaße. 

Das Feldmaß der Ägypter ist die Arure (üqovqk, „Ackerland"), ein 
Quadrat, dessen Seite 100 ägyptische Ellen sind. Mit Zugrundelegung der 
königlichen Elle von 0,525 m beträgt die Arure daher 2756 qm. 4 ) Dieses 
Maß ist durch alle Jahrhunderte unverändert geblieben. Als Bruchteile 
sind nachweisbar ^ h h hf ii> k> W> lösi* *k> außerdem ± Vgl. Griech. 
Ostraka I 775, wo auch über das zweifelhafte -^ gesprochen ist. Während 
die Felder in der Regel nach Aruren vermessen werden, hatte man für 
andere Zwecke den xr\%vq olxoTteöizög, den Amadeo Peyron als ein Recht- 
eck bestimmt hat, dessen Langseite 100 Ellen, dessen Schmalseite 1 Elle 
beträgt, also -~ Arure. 5 ) Dies ist jetzt glänzend bestätigt worden durch 

das metrologische Fragment Oxy. IV 669, 9 f.: [6 ] . g <o)>t- 

xoxedixbg xfi%ig s[x al tyßadiitovs itif]%is Q> d. h. der oixoneöixbg xv}%vg hat 
100 Quadratellen. 

3. Raummaße. 

Als Kubikmaß, nach dem die bei den Erdarbeiten fortzuschaffenden 
Erdmassen berechnet wurden, begegnet das Naubion (yocvßiov), das in der 
Ptolemäerzeit = 2 königlichen Ellen im Kubik, in der Kaiserzeit = 3 
königlichen Ellen (= 1 2-tUov) im Kubik war. Vgl. unten S. 330, 334, 336. 
Das aaCXiov der Ptolemäerzeit fällt mit dem vavßiov zusammen. 



1) Meine Berechnungen des Inhaltes des KoXocpwviov sind mir zweifelhaft ge- 
worden. Das Kviötov berechnet Wessely auf 5 j^etai (Sitz. Wien. Akad. 149,5, S. 28). 

2) Aeg. Z. 41, 91 f. 3) Vg\. Thumb, Arch. III 448. 

4) Griech. Ostraka I 775. 

5) Vgl. Griech. Ostraka I 779. 



KAPITEL I. 

ALLGEMEINE HISTORISCHE GRUNDZÜGE. 

Mit Alexander dem Großen beginnt diejenige Periode der alten Ge- 
schichte, die durch die Papyrusurkunden neues Licht erhält. Von der 
Zeit des Ptolemaios, des „Satrapen" 1 ), bis in die Zeit der Chalifen, von der 
Begründung des Hellenismus in Ägypten bis zur letzten Verdrängung der 
griechischen Sprache durch das Arabische und Koptische, über einen Zeit- 
raum von etwa 1300 Jahren 2 ) erstreckt sich dieses innerhalb der antiken 
Tradition ganz einzig dastehende archivalische Material. Es kann uns 
helfen, manche Fragen jenes gewaltigen hellenistischen Kulturproblems, 
wie es einst der jugendliche J. G. Droysen als Tagewerk seines Lebens in 
kühnen Strichen entworfen hatte 3 ), tiefer zu erforschen, nicht minder die 
wirtschaftliche und rechtsgeschichtliche Entwicklung, die ihm ferner lag. 
Die einzelnen Seiten des antiken Lebens, die durch die Papyri Licht er- 
halten, sollen in den folgenden Kapiteln dieses Bandes sowie in dem IL 
von Mitteis gearbeiteten rechtsgeschichtlichen Bande zur Darstellung kommen, 
soweit die bisherige Durcharbeitung des riesigen Stoffes, mit dessen Be- 
wältigung wir erst im Anfang stehen, es gestattet. Hier aber im I. Kapitel 
soll versucht werden, die allgemeinen historischen Grundzüge, die die ge- 
meinsame Voraussetzung für jene Einzeluntersuchungen bieten, in der hier 
gebotenen Kürze zu zeichnen. Im besonderen sollen hier die Regierungs- 
systeme, die allgemeinen Züge der Verwaltung von Stadt und Land, 
andrerseits das Verhältnis der Regierungen zu den verschiedenen Natio- 
nalitäten und dieser untereinander skizziert werden. Die äußere Geschichte 
des Landes, die von den bisher edierten Papyri nur sporadisch berührt 



1) Die älteste genau datierte Urkunde stammt vom Jahre 311 (Eleph. 1). 

2) Die letzten Anwendungen des Griechischen fallen in das X. Jahrhundert. 

3) Vorwort z. Gesch. d. Hellenismus (1836): „die Verschmelzung der Religionen 
und Kulte, die Theokrasie und Theosophie, seinen Unglauben und Aberglauben bis 
zum letzten Verschwinden des hellenistischen Heidentums — die Umformung der all- 
gemeinen Bildung und der speziellen Wissenschaften, der sittlichen Verhältnisse und 
des Völkerverkehrs bis zum Siege der östlichen Reaktion im Sassanidenreich und im 
Muhammedanismus — , endlich den weitläuftigen Verlauf der lange nachwirkenden 
Literatur und Kunst bis zu den letzten byzantinischen Nachklängen ihrer großen Vor- 
zeit und dem vollendeten Triumph des Ostens über die Heimat des Hellenismus." 



2 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzöge. 

wird ; soll hier nur soweit gestreift werden, als es zum Verständnis der 
inneren Geschichte nötig ist. 

Die Geschichte Ägyptens, die in erster Reihe, wenn auch nicht aus- 
schließlich, durch die Papyri befruchtet wird, gliedert sich in dieser Zeit 
in vier Abschnitte: die griechische Periode oder Ptolemäerzeit, von 
Alexander bis auf Octavian (30 v. Chr.), die römische Zeit, von dort bis 
auf Diokletian (284), die byzantinische, von Diokletian bis zum Ein- 
bruch der Araber (639) und endlich die arabische Zeit. Da unser Haupt- 
ziel ist, die historische Entwicklung zu erkennen, so soll hier wie im 
folgenden diese Gliederung auch für meine Darstellung maßgebend sein. 

A. DIE PTOLEMÄERZEIT. 

Zur hellenistischen Geschichte: J. G. Droysen, Geschichte des Hellenis- 
mus I — III, 1877 f. — B. Niese, Geschichte der griechischen und makedonischen 
Staaten seit der Schlacht von Chaeronea I — III, 1893 f. — A. Holm, Griechische Ge- 
schichte IV, 1894. — J. Karst, Geschichte des hellenistischen Zeitalters I, IIj 1901 f. 
— J. Bei och, Griechische Geschichte III, 1904. — J. P. Mahaffy, Greek life and 
thought (323— 146 B. C). 2. Aufl. 1896. — P. Wendland, Die helleniatisch-iömische 
Kultur (Handb. z. Neuen Testament). 1907. 

Zur Ptolemäergeschichte: J. G. Droysen, de Lagidarum Regno Ptolemaeo 
VI Philometore rege 1831 (Kleine Schriften z. Alt. Gesch. H 351 ff., dazu Anmerkungen 
von mir 432 ff.). — Von Letronne vgl. außer zahlreichen in den Oeuvres choisies zu- 
sammengestellten Arbeiten namentlich den Recueil des insciptions grecq. et lat. de 
l'Egypte. 2 Bände mit Atlas. 1842. — Franz im CIG III S. 281 ff. — S. Sharpe, 
Geschichte Egyptens, deutsch v. Jolowicz, mit Anmerkungen von A. v. Gutschmid 
(2. Aufl.). 1862. — G. Lumbroso, Recherches sur Teconomie polit. de l'Egypte sous 
les Lagides. 1870. Derselbe, L'Egitto dei Greci e dei Romani. 2. Aufl. 1895 (mit 
Bibliographie über die Egittologia greco-romana von 1868 — 1895!) — 
F. Robiou, Memoire sur l'economie polit., l'administration et la legislation de 
l'Egypte au temps des Lagides. 1875. — Ed. Meyer, Geschichte des alten Ägyptens 
(in Onckens Allg. Gesch). 1887. — J. P. Mahaffy, The Empire of the Ptolemies. 
1895. — M. L. Strack, Die Dynastie der Ptolemäer. 1897. — Ev. Breccia, D. 
diritto dinastico nelle monarchie dei successori d'Ales. Magno (Stud. d. Storia Antica). 
1903. — A. Bouche-Leclercq, Histoire des Lagides I— IV, 1903 ff. — Svoronos, 
Die Münzen der Ptolemäer (Tä vo^iG^iocra xov xQäxovs x&v ÜToXsiicdcov) IV. Band. 
1908. — Außerdem vgl. die Kommentare zu den einschlägigen Papyruseditionen, im 
besonderen die von A. Peyron zu den Turiner Pap., Grenfell zum Rev. Pap., 
Wilcken zu den Theb. Bankakt. und den Griech. Ostraka (I), Grenfell-Hunt zu 
Teb. I, Hib. etc. 

§ 1. DAS REGIMENT. 
Die von Alexander dem Großen im Jahre 332 in Ägypten begründete 
Herrschaft war eine absolute Monarchie entsprechend der schon damals 
in ihm keimenden Idee einer Weltherrschaft wie auch der historischen 
Tradition des Landes. Wiewohl für die Ptolemäer die Weltherrschafts- 
gedanken fortfielen, haben sie doch den Charakter der absoluten Monarchie 
auch für ihre Herrschaft in Anspruch genommen — ebenso wie die 
anderen Diadochen, die auf orientalischem Boden Reiche begründeten, also 



A. Die Ptolemäerzeit. § 1. Daß Kegiment. 3 

offenbar auch unter dem Einfluß jener einheimischen Tradition. 1 ) War diese 
absolutistische Auffassung den Eingeborenen gegenüber selbstverständlich, 
so war sie für die Makedonier und Griechen etwas Neues und ist ihnen 
gegenüber auch erst allmählich in größerer Strenge und wohl niemals in 
so konsequenter Weise wie gegenüber den Ägyptern durchgeführt worden. 
So ist der Reichskult der regierenden Könige als Götter, dieser letzte 
Ausdruck des Absolutismus, in den Formen griechischen Kultes erst 
unter dem zweiten Ptolemäer eingeführt worden und gilt erst seit dem 
dritten als selbstverständlich, während für die Ägypter die makedonischen 
Könige von vornherein ebenso gut wie früher die Pharaonen Gegenstand 
göttlicher Verehrung waren (vgl. Kap. II). Andrerseits hat sich in der 
ptolemäischen Militärmonarchie wie ein Residuum aus den Zeiten des 
patriarchalischen Königtums der Makedonier die Mitwirkung der make- 
donischen Heeresversammlung bei der Regelung der Thronfolge, die auf 
makedonischem Erbrecht beruhte 2 ), nicht nur in der Theorie erhalten, 
wie die Vorgänge nach dem Tode des Philopator zeigen (vgl. Polyb. XV 26 ff.). 
Im übrigen hat sich in Ägypten der Absolutismus noch schärfer als in 
anderen hellenistischen Reichen entwickeln können, weil, von ganz wenigen 
Ausnahmen abgesehen (s. unten S. 12), autonome Stadtgemeinden ihm 
nicht gegenübergestanden haben. 

Als absoluter Herrscher war der König ursprünglich alleiniger Eigen- 
tümer von Grund und Boden (vgl. Kap. VII), sowie Herr über Tod und 
Leben seiner Untertanen. Seine Kabinettsordres (irgoötccynara), von denen 
uns die Papyri einige erhalten haben 3 ), hatten Gesetzeskraft, und niemandem 
war er Verantwortung schuldig. Wie sehr die bekannte Charakteristik 
des Absolutismus bei Suidas s. v. ßaöilda" „ra drj^ööicc rr\g ßaöiliCag 
xwjliccxa" 4 '') für die Ptolemäerherrschaft paßt, haben uns die Papyri gelehrt. 
Der Begriff dy^ioöiog ist den ptolemäischen Urkunden, im Gegensatz zu 
denen der Kaiserzeit, überhaupt fremd 5 ): sie kennen nur ßaöifoxccl TQcc7te£cu, 
nicht drjuööiccL) nur tö ßaöiXizöv (als Reichskasse), nicht xb ötj^iöölov, 
nur ßaöLAixoi yetOQyoC, nicht drjuööioL usw. Es fehlt überhaupt der 
Begriff des Staates oder des Staatlichen: Vetat c'est moi gilt auch hier. 
Die nächsten Kapitel werden zeigen, wie auf allen Gebieten des Lebens, 



1) Vgl. Wilcken, Hellenen und Barbaren (N. Jahrb. f. d. Klass. Alt. 1906), S. 468 f. 
Eine freiere Auffassung bestand bezeichnenderweise nur im Stammland Makedonien. 
Vgl. J. Beloch, Griech. Gesch. JJJ 377. 

2) Vgl. Beloch, Griech. Gesch. EI 377 ff. Breccia, il diritto dinastico 1. c. 

3) Vgl. z. B. Teb. 5; 7; 124, 23 ff. Petr. ü 8 (1); 8 (3) Verso usw. 

4) Vgl. Karst, Monarchie S. 58 ff. 

5) Eine Ausnahme in einem leider nicht klaren Zusammenhang in Petr. IH, 7, 14. 
Sonst kann 8t]\l6gios natürlich vorkommen in bezug auf Einrichtungen griechischer 
Städte, so in der Inschrift aus Ptolemais bei Plaumann, Ptolemais in Oberägypten, 
S. 35. 



4 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

und nicht am wenigsten dem wirtschaftlichen, dieser Absolutismus stark 
einschneidend gewirkt hat. 

Das Ziel der ptolemäischen Regierung Ägyptens war, möglichst große 
Schätze aus dem Lande herauszu wirtschaften *), um durch diese, mit starker 
Armee und Flotte, eine möglichst große Rolle in der internatio- 
nalen Mittelmeerpolitik spielen zu können. Wer sich Alexandrien 
zur Residenz erwählt, zeigt schon dadurch, daß seine Politik eine über- 
seeische ist. Die weite Ausdehnung der Reichsgrenzen über Ägypten 
hinaus, wie sie unter der kräftigen Regierung der ersten Ptolemäer er- 
reicht wurde, zeigt, in welchem Umfange sie damals, im Wettstreit mit 
den seleukidischen Rivalen, die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer- 
becken erkämpft hatten. Zu Koelesyrien, Kypros und Kyrene, die schon 
Ptolemaios I gewonnen hatte, sind unter den beiden nächsten Herrschern 
noch bedeutende Erwerbungen an der kleinasiatischen Südküste (nament- 
lich in Lykien, Karien) und Westseite (Ionien, Lesbos) sowie in Thrakien 
und am Hellespont und auf den Kykladen hinzugekommen, abgesehen 
von den ephemeren Eroberungen, die Euergetes I im Accodixeiog noXenog 
gemacht hat. 2 ) Um eine Vorstellung von dem Umfange des ptolemäischen 
Gesamtreiches zu bekommen, muß man noch hinzunehmen, daß seit Phila- 
delphos auch die Südgrenze über den ersten Katarrakt hinaus nach Nubien 
hinein vorgeschoben 3 ), und außerdem zur Hebung des Südosthandels zahl- 
reiche Kolonien und Stationen an der afrikanischen Küste bis hin zum 
Kap Guardafui angelegt waren (vgl. Kap. VI). Wir sollen es bei der 
Verarbeitung der Papyri nie aus dem Auge verlieren, daß innerhalb dieses 
gewaltigen Reiches Ägypten für die Ptolemäer nur die Hauptquelle ihrer 
Einnahmen war, während ihre politischen Interessen außerhalb lagen. 
Der strenge Fiskalismus, der uns in den Papyri überall entgegentritt, 
erklärt sich aus der Rolle, die Ägypten als Mittel zum Zweck spielte. 
Diese auswärtigen Beziehungen der Ptolemäer werden in den Papyri bis- 
her leider nur selten berührt. Am wertvollsten ist der Kriegsbericht aus 
dem HI. Syrischen Kriege in Petr. IH n. 144 (1). Von der Verwaltung 
kleinasiatischer und thrakischer Besitzungen handelt Teb. 8 vom Jahre 201 
(2). Auf jene ostafrikanischen Besitzungen weisen die gelegentlichen Er- 
wähnungen der Elefantenjagden hin, im besonderen Petr. II 40a. 



1) Vgl. Mommsen RG V 560: „Wenn es der Zweck des Staates ist, den mög- 
lichst großen Betrag aus dem Gebiet herauszuwirtschaften, so sind in der alten Welt 
die Lagiden die Meister der Staatskunst schlechthin gewesen." 

2) Vgl. namentlich Beloch, Die auswärtigen Beziehungen der Ptolemäer in 
Griech. Gesch. EI (2) 248 ff. (vgl. Arch. II 229 ff). 

3) Noch zur Zeit Philometors I werden Städte in der „Triakontaschoinos" an- 
gelegt (Dittenberger Or. Gr. 111). Vgl. auch die Inschrift in der Aeg. Z. 1910, die 
die älteste Erwähnung der 4codsKccG%oLvos bringt. Später ging durch das Erstarken des 
äthiopischen Reiches die Grenze zurück bis zum ersten Katarrakt. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 1. Das Regiment. 5 

Mit Ptolemaios IV Philopator beginnt die Reihe der Könige, unter 
denen die Macht nach außen und inuen zurückging. Wie jene auswärtigen 
Besitzungen nach und nach verloren gingen, so wurde das griechische 
Regiment im Innern geschwächt durch das seit Philopator zu beobachtende 
Erstarken des ägyptischen Nationalismus, das zu immer erneuten natio- 
nalen Aufständen führte (s. unten § 4), nicht minder aber auch durch die 
seit Philometor ausbrechenden dynastischen Streitigkeiten, die gelegentlich 
— wie bei dem Kampfe zwischen Euergetes II und seiner Schwester 
Kleopatra II — das ganze Land in zwei feindliche Lager trennten. Gerade 
auf die Kämpfe zwischen diesen beiden Geschwistern werfen mehrere 
Papyrusurkunden neues Licht. So haben sie uns gelehrt, daß Kleopatra II 
im 39. Jahre ihres Bruders (132/1) als ftea ^uXofirjrcoQ UcbrsiQa ihr 1. Regie- 
rungsjahr zu zählen begann. 1 ) Je nachdem die Urkunden nach diesen Jahren 
der Kleopatra oder nach denen des Euergetes datiert sind, haben wir es 
mit Anhängern der einen oder anderen Partei zu tun. Von den damals 
in der Thebais geführten Kämpfen handeln namentlich mehrere der von 
Revillout in den „Melanges" herausgegebenen Papyri, die ich in den 
„Urkunden der Ptolemäerzeit" neu edieren und kommentieren werde. Hier 
genüge als Beispiel P. Louvre 10594 (10). Vgl. auch Theb. Akt. VIII 
(= Melanges 338) und XI, auch BGU 993 (in Kap. II). 

Außer diesen inneren Gründen hat zum Niedergang der ptolemäischen 
Macht die durch das Erstarken Roms geänderte Weltlage geführt. Seit- 
dem Rom in Betätigung der schon seit Philadelphos (273) bestehenden 
freundschaftlichen Beziehungen gegenüber den Angriffen Antiochos des 
Großen und Philipps von Makedonien seine schützende Hand über den 
unmündigen Epiphanes gehalten hatte, ist der römische Einfluß auf die 
Geschicke der Dynastie und des Landes langsam aber beständig gewachsen. 
Das Einzige, was die Papyri bisher zur Geschichte dieser römischen Be- 
ziehungen beigesteuert haben, ist der Bericht über die Vorbereitungen 
zum Empfange eines römischen Senators im Faijüm vom Jahre 112 v. Chr., 
der trotz seiner Kürze Bände spricht. Vgl. Teb. 33 (3). 

Das absolutistische Prinzip tritt uns nun in der Regierung vor allem 
in der völligen Zentralisation aller Regierungsgewalt in der Person des 
Königs entgegen. Der König war in allen Ressorts, in der Finanz-, 
Militär- und Provinzialverwaltung, im Kultus wie in der Justiz die höchste 
Instanz, der die letzte Entscheidung zustand. Die von ihm erlassenen 
vo^iol sowie seine diayQccniiata und Tt^oörccy^ara regierten das Land. Zur 
Bewältigung dieser gewaltigen Aufgaben stand ihm ein bis ins Feinste 
gegliedertes Heer von „königlichen" 2 ) Beamten zur Verfügung. Die täg- 



1) Vgl. Laqueur, Quaest. epigr. et papyrol. 1904 S. 54 f. Wilcken, Arch. IV 224 

2) Vgl. z. B. oi tu ßacdfxä 7tgayy.aTiv6^,svcc in Leid. G 5. 



Q Kapitel I. Allgemeine historische Grundziige. 

liehen Eingänge an Aktenstücken, die der Erledigung bedurften, an Be- 
richten und Anfragen der Beamten sowie an Bittschriften und Klage- 
schriften der Untertanen müssen ganz ungeheure gewesen sein, znmal die 
Vorschrift, daß die an den König zu richtenden Episteln auf dringende 
Fälle zu beschränken und möglichst kurz zu fassen seien (BGU III 1011 
II 5 ff.), oft genug außer Acht gelassen wurde. Ihre Erledigung sowie 
die Audienzen, die in Alexandrien in der Königsburg 1 ) wie auch auf den 
gelegentlichen Reisen im Lande 2 ) erteilt wurden, stellten an den Herrscher, 
der seine Pflichten ernst nahm, die höchsten Anforderungen, und in diesem 
Sinne kann Mommsens Vergleichung des ptolemäischen Regiments mit 
dem fridericianischen als zutreffend bezeichnet werden. 8 ) Alle Regierungs- 
geschäfte, die der König von früh bis spät erledigte, wurden täglich genau 
gebucht in den königlichen Ephemeriden, die die Ptolemäer wie andere 
Diadochen nach dem Muster Alexanders des Großen führen ließen. 4 ) Die 
Eingaben wurden teils durch Subskriptionen (hjtoyQcupaC), teils durch be- 
sondere Briefe {eiti^tolal) erledigt. 5 ) Hierzu hatte der König seine Kanzlei, 
an deren Spitze der hxi6TokoyQa<pog stand, der begreiflicherweise eine 
sehr einflußreiche Persönlichkeit war. 6 ) Im IL Jahrh. ist er der Klasse 
der öv'yysvslg zugewiesen worden (vgl. Dittenberger Or. Gr. 139, P. Leid. 
G— H, CIG III 4717). Daß in dem Brief des Timoxenos aus dem III. Jahrh. 
(Witkowski n. 25) dieser Titel fehlt, ist natürlich kein Beweis dafür, daß 
der dort gemeinte hiti<5ToXoyQU(pog Lysis nicht dieser hohe königliche 
Beamte wäre. Von dem eituSToloyQcicpog wird unterschieden der vito[ivr}- 
[laToyQoicpog, bisher nur vom IL Jahrh. an bezeugt, wie jener ein övyysvrjg. 
Ebensowenig wie der Epistolograph beschränkt er sich etwa auf die „geist- 
lichen" Angelegenheiten, sondern hat z. B. auch mit der Dom anial Verwal- 
tung zu tun (Teb. I 61b 34 usw.). Derselbe i)7to[Lvr)[icctoyQccq)og (k[icpLxXr}g) 
ist für die Thebais und für das Faijüm tätig (vgl. Arch. I 61 mit Teb. I.e.), 
also für das ganze Land kompetent. Nach welchem Gesichtspunkt unter 
diese beiden Kabinettschefs die Geschäfte verteilt waren, ist noch eine 
offene Frage, deren genauere Untersuchung erwünscht wäre. Erschwert 
wird das Problem dadurch, daß es auch Beamte mit denselben Titeln 



1) Vgl. den %QruLati6xiY.tig nvXmv bei Pol. 15, 31, 2. 

2) Vgl. die Serapeumstexte. 

3) Rom. Gesch. V 559. Vgl. andererseits die berechtigten Einschränkungen von 
Pöhlmann, Grundriß d. griech. Gesch. 8 265. 

4) Wilcken, 'TjtoftvrjfiarMTftot (Philolog. 53, 110 ff.). Die Hauptstelle ist Ps. Aristeas 
§ 298 f. ed. Wendland. 

5) Vgl. im allgemeinen Fr. Preisigke, Griech. Papyrus - Urkunden und Bureau- 
dienst im griechisch-römischen Ägypten (Archiv f. Post und Telegraphie Nr. 12 u. 13 
vom Jahre 1904). 

6) Aber kein „Kultusminister", wie Letronne annahm, der ihn mit dem Alexander- 
priester kombinierte. Vgl. hiergegen Wilcken, Die Obeliskeninschrift von Philae 
(Hermes 22, 1 ff). Auch Stracks Auffassung (Arch. II 557) kann ich nicht zustimmen. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 1. Das Regiment. 7 

außerhalb der königlichen Kanzlei gegeben zu haben scheint. Vgl. Teb. 
112, 87, wo eine Kumulierung beider Ämter in einer Hand vorliegt. 
Die dem König vor der Absendung vorgelegten Briefe bedurften seiner 
eigenhändigen Unterschrift, die in der im Altertum üblichen Weise 1 ) 
erfolgte, daß er eine Grußformel dar unterschrieb. So ist uns in Leid. G., 6 
in &em"EQQC)6&E wahrscheinlich ein Autogramm des Ptolemaios Alexandros 
erhalten. Für die Beförderung der Korrespondenzen des Königs sowie 
auch der Beamten war ein aus der persischen Verwaltung übernommener 
Reichspostdienst eingerichtet, über den uns Hib. 110 Verso aufklärt. Vgl. 
Kap. X. 

Von den Hofchargen, die den König umgaben 2 ), hoben sich die 
Reichsbeamten scharf ab. Mit schlichten Titeln, die der Vorstellung von 
der privatwirtschaftlichen Verwaltung des Landes durch den König als 
den Herrn entsprechen, wie dtoixrjTTJg, oixovo^iog usw., treten sie uns ent- 
gegen. Erst durch die Flinders-Petrie-Papyri und die weiteren Funde aus 
dem III. Jahrhundert haben wir gelernt, daß damals die aus jüngeren 
Urkunden und Autoren uns geläufigen Zuweisungen dieser Beamten an 
bestimmte Hof-Rangklassen noch nicht bestanden haben. 3 ) Wie eine Aus- 
nahme erscheint es uns jetzt, wenn in der Mitte des HI. Jahrhunderts 
ein dioixrjTris auch als aQ%L6a[iaT0(pvXa% bezeichnet wird 4 ); doch wird hier 
eine wirkliche Kumulierung des Hofamtes mit dem Amt des Finanz- 
chefs vorliegen. 5 ) Erst Epiphanes ist es gewesen, der, wohl um nach 
der Revolutionszeit die Getreuen fester an sich zu schließen, das billige 
Mittel der Zuweisung seiner Beamten an die Hof-Rangklassen der 6vyys- 
vslg und 6{i6tL(iou tolg övyyEviöiv^ der aQ%i6a[Laxo(pvXa%eg) der jtQ&rov 
yiloi und cpCXoi und der 8td8o%oi eingeführt hat. 6 ) Wahrscheinlich hat 
es diese Titel als Bezeichnung für Hofbeamte auch schon vorher ge- 
geben. Die Neuerung des Epiphanes wird nur darin bestehen, daß er die 
Reichsbeamten durch Verleihung jener Hoftitel ehrte. 7 ) 

Die verschiedenen Ressortchefs unterstanden direkt dem König. Die 
Vermutung, daß es zwischen ihnen und dem König einen Vezir nach 
Art der persischen Chiliarchen mit dem Titel eines enl tcqv JtQay^dtcov 



1) Vgl. G. Bruns, Die Unterschriften in den römischen Rechtsurkunden (Abh. 
Preuß. Akad. 9. März 1876). 

2) Vgl. Lumbroso, Recherches 189 ff. Boache-Leclercq EI 101 ff. 

3) Zuerst beobachtet von Mahaffy, genauer nachgewiesen und gewürdigt von 
Strack, Rh. Mus. 55, 161 ff. Vgl. Willrich, Klio 9, 416 ff. 

4) Vgl. Grenf. II 14 (b); Petr. III S. 151 f. 

5) Daher heißt er auch ecQ%iG(üiLaxoyvXab„ nicht x&v ccQ%iGa>iLCC%ocpvXäH(ov. Doch 
kam auch jene Bezeichnung später titular vor. 

6) Vgl. Strack 1. c. 

7) Vgl. zu dieser noch offenen Frage Bouche'-Leclercq HI 109 ff. 



8 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

gegeben habe 1 ), ist nicht zu erweisen und ist abzulehnen. 2 ) Die Tätig- 
keiten der verschiedenen Ressorts sowie ihre Organe werden in den folgen- 
den Kapiteln sowie im IL Bande zur Darstellung kommen. 



§ 2. DIE LANDESVERWALTUNG. 

Wie Alexander der Große haben auch die Ptolemäer die Einteilung 
des Landes in Ober- und Unterägypten beibehalten, und zwar mit der- 
selben Grenzlinie, die im Neuen Reich festgelegt war. 3 ) Sowohl die beiden 
Gaulisten des Rev. Pap. 31 und 60 ff. (vgl. Griech. Ostraka I 424) aus 
dem III. Jahrhundert wie das Zeugnis des Agatharchides aus dem IL Jahr- 
hundert 4 ) zeigen, daß diese Grenzlinie mit der Südgrenze des Hermopolites 
zusammenfiel. 5 ) Das gesamte Land südlich vom Hermopolites wurde mit 
dem Namen ©rjßatg bezeichnet, während es für den nördlichen Teil 
Ägyptens einen ähnlich zusammenfassenden Namen nicht gegeben hat. 
Die früher herrschende Annahme, daß es schon in der Ptolemäerzeit eine 
Dreiteilung des Landes gegeben habe, ist durch die Papyri widerlegt 
worden. 6 ) 

Sowohl Ober- 7 ) wie Unterägypten waren aus Gauen (yopLoC) zusammen- 
gesetzt, die nach der Unterbrechung des Neuen Reiches wieder seit der 
Saitenzeit wie einst schon im Alten und Mittleren Reich Verwaltungsein- 
heiten darstellten. 8 ) Die Abgrenzung der Gaue und ihre Zahl hat sich 
während der Ptolemäerzeit ebenso wie vorher und nachher mehrfach ge- 
ändert, indem gelegentlich ein Gau in zwei gespalten wurde, oder auch 
mehrere zu einem Verwaltungsbezirk zusammengelegt wurden. 9 ) Staats- 
rechtlich stand das in Gaue geteilte Land (^cäpa), auch Alyvmog im 



1) Vgl. Beloch, Griech. Gesch. III 391 f. 

2) Bei der großen Fülle des Materials ist man hier wohl berechtigt, a silentio 
zu schließen. Positiv ist dagegen z. B. auf Teb. 5, 248 hinzuweisen, wo mit rovg inl 
TtQayyiäxwv tttay^ivovg ganz allgemein die Beamten bezeichnet werden. 

3) Vgl. G. Steindorff, Die ägyptischen Gaue und ihre politische Entwicklung 
(Abh. Sachs. Ges. d. Wiss. 1909) 863 ff. Im Alten und Mittleren Reich beschränkte 
sich Unterägypten auf das Delta. 

4) Geogr. Graec. min. ed. C. Müller I S. 122 § 22. 

5) Was es bedeutet, daß Oxyrhynchos, das nördlich vom Hermopolites liegt, in 
den Texten des I. Jahrh. v. Chr. (Oxy. II 236) wie auch später als zur Gr\ßutg ge- 
hörig bezeichnet wird, ist noch nicht aufgeklärt. Es muß hier eine andere Bedeutung 
von 0r}ßatg vorliegen. 

6) Vgl. Wilcken, Griech. Ostr. I 423 ff. 

7) Mit Unrecht ist daraus, daß der Rev. P. nicht die einzelnen Gaue der Thebais 
nennt, gefolgert worden, daß die Thebais bis auf Epiphanes ein ungeteilter Ver- 
waltungsbezirk gewesen sei. Vgl. jetzt Eleph. 17, 15; 18, 4 und dazu Archiv V215. 

8) So nach Steindorff 1. c, der gezeigt hat, daß im Neuen Reich statt der Gaue 
die Städte die Organe der Verwaltung bildeten — ähnlich wie es jetzt für die byzan- 
tinische Zeit vom IV. Jahrh. an nachgewiesen ist. S. unten Abschnitt C § 3. 

9) Vgl. z.B. Bouche-Leclercq DJ 127; G. A. Gerhard, Philolog. 63, 521 ff. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 2. Die Landesverwaltung. 9 

engeren Sinne genannt 1 ), im Gegensatz zu Alexandrien als der nöfog xat 
iloxtfv. Außer Alexandrien waren auch die Griechenstädte Naukratis und 
Ptolemais von der Kompetenz des Gauheamten eximiert (s. unten S. 12). 
Jeder Gau hatte seine Metropole, die, wie das religiöse Zentrum (s. Kap. II), 
so auch der Sitz der Gauverwaltung war. Diese Metropolen hatten keinerlei 
Autonomie, kannten weder ßovkt] noch dfj^iog, und waren staatsrechtlich 
nichts anderes als große Dörfer (%&[iai). 2 ) Daß ihre Namen vielfach mit 
n6Xig zusammengesetzt sind, hat keine rechtliche Bedeutung: diese Namen 
sind meist Übersetzungen der ägyptischen Namen, die den Ort als „Stadt" 
des und des Gottes bezeichnen. Auch daß die Metropole gelegentlich 
von den Dörflern des betreffenden Gaues als nokig bezeichnet wird 3 ), ändert 
nichts an ihrem rechtlichen Charakter. Außer der Metropole bildeten den 
Gau die meist zahlreichen Dörfer (xa[ica) mit ihren Dorffluren, deren 
Verwaltung den zentralen Gaubehörden in der Metropole unterstand. 

Der Gau war in der Regel in einen südlichen und einen nördlichen 
Teil gegliedert, die meist wohl durch einen von West nach Ost gehenden 
Hauptkanal als uvco und kuxco geschieden waren. Zerfielen diese beiden 
Hälften wieder wie oft in mehrere Unterbezirke (rdjroi, xoTtoq%tai) , so 
führten die von Süd nach Nord sich gegenüberliegenden Toparchien 
denselben Namen und wurden nur durch die Hinzufügung von ava bzw. 
xcctco von einander unterschieden. Vielleicht gibt die alte Hieroglyphe 
für „Gau" -||j|f das Bild eines in Toparchien eingeteilten Gaues. 4 ) Inner- 
halb der Toparchien lagen dann die einzelnen x&^iai. Eine Besonder- 
heit des Faijüm ist es, daß diese Landschaft — die kCfwrj oder dann der 
^4Q6LVottrjg vo[t6g genannt — abgesehen von diesen Toparchien in drei 
[isoCdsg zerfiel, die schon seit dem III. Jahrh. v. Chr. mit den feststehen- 
den Namen 'HqccxXeCöov, TIoliiKovog und ®£[iCö*tov [iSQig benannt wurden. 5 ) 

Dieser Gliederung des Landes entsprach die Gliederung des Ver- 
waltungsapparates. Zwar die Teilung der gesamten %(oqcc in Ober- 
und Unterägypten hat — - abgesehen von der vorübergehenden Einrichtung 
Alexanders des Großen 6 ) — nicht zur Schaffung von Oberbeamten für die 



1) Vgl. Wilcken, Archiv IV 392. 

2) So schon Kuhn, Stadt. Verfassung II 503. 

3) Vgl. Arch. IV 391. 

4) Vgl. Wilcken, Observat. ad hist. Aeg. prov. Rom. p. 25. Griech. Ostr. I 428. 
Als Beispiel vgl. BGÜ II 552—557. 

5) Zu ihrer örtlichen Abgrenzung vgl. jetzt Grenfell-Hunt, Teb. II S. 349 ff. nebst 
plate HI: 'HQunXsidov im Norden und Osten, @syii6xov im Westen und TloXi^avog im 
Süden. — Von diesen drei großen tisgidsg sind zu scheiden die [isgides, in die die 
vonuQ%Lai des Faijüm zerfielen. Vgl. Petr. III I 22 (2), 3. 

6) Alexander hatte die Zivilverwaltung des Landes unter zwei „Nomarchen" ge- 
stellt (Arrian. Anab. III, 5, 2), deren Amtsgebiete wahrscheinlich Ober- und Unter- 
ägypten entsprachen. Nach dem baldigen Rücktritt des einen hatte der andere die 
ganze %ä>Qa. übernommen. 



10 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

beiden Landeshälften geführt. Die frühere aprioristische Annahme, daß 
die mit dem Titel emötQdrrjyoL aus späterer Zeit bekannten Oberbeamten 
der Landesteile von Anfang an bestanden hätten, ist durch die Flinders- 
Petrie-Papyri und die weiteren Texte des III. Jahrhunderts als irrig er- 
wiesen worden. 1 ) Vielmehr ist ein solcher Sonderbeamter erst seit 
dem II. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar, und auch nur für die 
Thebais. 2 ) Es scheint, daß die großen Revolutionen in der Thebais 
unter Epiphanes (s. unten S. 21) den Anlaß gegeben haben, nach der Be- 
ruhigung und Wiedergewinnung des Landes ein besonderes militärisches 
Kommando für die von der Hauptstadt weit entfernte Thebais zu schaffen. 
Dies würde erklären, weshalb nicht auch für Unterägypten ein Parallel- 
kommando geschaffen worden ist. Es ist möglich, daß zunächst nur für 
einzelne Fälle ein solcher Kommandant geschickt wurde, und erst allmäh- 
lich die „Epistrategie" der Thebais als ein kontinuierliches Amt einge- 
richtet worden ist. Die beiden Titel S7w3TQdtrjyog und öTQUTrjybg rijg 
©tjßaidog, die von Hause aus wohl etwas Verschiedenes bedeuten, erscheinen 
bald einzeln, bald kombiniert. Daß dann der Epistratege auch zivile Funk- 
tionen erhielt, so im besonderen auch in der Rechtsprechung (vgl. Band II), 
entspricht der allgemeinen Entwicklung und findet in der Umbildung der 
Gau-Strategie seine Parallele. 

An der Spitze der Gaue 3 ) fanden die Griechen ägyptische Beamte 
vor, deren Titel sie mit vo^KQxrjg wiedergaben. 4 ) Alexander der Große, 
der schon in Ägypten anfing, die Eingeborenen heranzuziehen, was er 
dann in Asien noch energischer durchführte, hat diese Nomarchen der 
einzelnen Gaue, im besonderen in ihrer Kompetenz für die Steuerein- 
treibung ihres Gaues bestehen lassen. 5 ) So begegnen sie in der Zeit 
Alexanders in Ps. Aristot. Oeconom. II 33. Diese Nomarchen haben auch 
die Ptolemäer beibehalten, doch ist ihre Bedeutung für die ptolemäische 
Zeit noch recht dunkel, und eine neue Untersuchung dieses Problems 
wäre sehr erwünscht. Grenfell und Hunt wollen den Titel nicht von 
vofiög (Gau) ableiten, sondern von vopög = vo{irj = distribution (of crops). 6 ) 
Dann würden sie also von den Nomarchen Alexanders völlig zu scheiden 



1) Zuerst bemerkt von E. Revillout, Proceed. Soc. Bibl. Arch. 1892 S. 130, Wilcken, 
GGA 1895 S. 145. 

2) Für die Epistrategen vgl. jetzt die wertvolle Studie von Victor Martin, 
L'Epistratege dans l'Egypte Greco-Romaine, deren Drucklegung bevorsteht. 

3) Vgl. Bouche-Leclercq IE 126 ff. 

4) Vgl. flerodot II 177. Diod. I 73. Ps. Aristot. Oeconom. II 25. 

5) Arrian, Anab. DI 5, 4. Diese- Gaunomarchen sind natürlich zu scheiden von 
jenen zwei von Alexander über Ober- und Unterägypten gesetzten ägyptischen Be- 
amten, die Arrian (offenbar inoffiziell) gleichfalls als rofiap^ai bezeichnet (s. oben 
S. 9, Anm. 6). Zu letzterem Terminus vgl. etwa Arrian, Anab. V 8, 3; 18, 2. Vgl. 
auch Herod. III 90 f., wo die Satrapien als Steuerdistrikte voaoi genannt werden. 

6) R*v. Pap. S. 133. Teb. I S. 213. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 2. Die Landes Verwaltung. 11 

sein. Ich möchte eher glauben, daß die ptolemäischen vo^ccQxcct von Hause 
aus dieselben sind wie die Alexanders, daß aber entsprechend der ver- 
änderten Eingeborenenpolitik der Ptolemäer (s. unten S. 19 f.) ihre Stellung 
modifiziert worden ist, erstens dadurch, daß diese Posten nicht aus- 
schließlich den Ägyptern überlassen, sondern auch Griechen überwiesen 
wurden 1 ), und vor allem dadurch, daß ihnen makedonisch -griechische 
(StQatrjyoi als Befehlshaber der im Grau stationierten Truppen vorgesetzt 
wurden. Eine Abweichung des ursprünglichen Sinnes des vo{iccQ%r}g tritt 
uns auch darin entgegen, daß in größeren Gauen mehr als ein vo[iaQ%rig 
vorhanden war. Belegt ist dies für das Faijüm, das ja auch sonst manche 
Eigentümlichkeiten (wie die drei fiSQideg) zeigt. Hier sind für das HI. Jahrh. 
nicht weniger als sieben vo\iaqiCai bezeugt, die ihrerseits wieder in [isgCdeg 
geteilt sind. 2 ) Aber das sind offenbar Ausnahmen, die durch die beson- 
deren Verhältnisse des Gaues bedingt waren. Jene (jtQccxrjyoC, die von Hause 
aus ganz gewiß rein militärische Funktionen hatten, sind nun schon früh 
auch zu zivilen Aufgaben herangezogen worden. Nicht erst im IL Jahrh. 
v. Chr. 3 ), sondern schon in der Mitte des IH. Jahrh. treten uns Belege 
entgegen. 4 ) So spielen sie im Gerichtswesen eine Rolle, insofern z. B. 
nach den Magdola-Pap. usw. ivts v^eug bei ihnen eingereicht wurden (s. Band II 
Kap. I). Vgl. auch Hibeh 92 und 93. Mit rein zivilen Dingen (Tempel- 
angelegenheiten) hat der Stratege auch in Hibeh 72, 14 (a. 241) zu tun. 
Im Laufe der Jahrhunderte haben sich diese Strategen dann immer mehr 
zu zivilen Gauchefs entwickelt. In dieser Zeit ist dann die Nomarchie 
gelegentlich mit der Strategie praktisch kombiniert worden, vgl. z. B. 
Tur. 1, 1, 14, was früher zu der irrigen Annahme der Identität der beiden 
Amter geführt hat. 5 ) 

Unter dem Strategen als Haupt der Gauverwaltung steht als seine 
rechte Hand der ßccöifoxbg yQa^ifiatevg, ein Titel, der nichts als eine 
Übersetzung eines uralten ägyptischen Titels ist. Seine Kompetenzen auf 
den verschiedenen Verwaltungsgebieten, die in den nächsten Kapiteln 
hervortreten werden, erstrecken sich wie die des Strategen auf den 
ganzen Gau. 

Unter diesen Gaubeamten rangieren dann die Beamten der verschie- 
denen Bezirke. So hat jede Toparchie (s. oben) ihren TOTtccQxVS und ihren 
t07CoyQcc[i[iccTsvg, jedes Dorf seinen XGJ^iocQxrjg und xco^ioyQa^fiarsvg. Die 



1) Unter den 7 Nomarchien, die wir im III. Jahrh. v. Chr. im Faijüm kennen, 
heißen nur zwei nach einem Ägypter {Ä%oäniq und T üpos). Vgl. Bouche"-Leclercq DJ 139. 

2) S. vorige Anmerkung. 

3) So H. Maspero, Les finances, der darin irrtümlich einen wesentlichen Unter- 
schied zwischen dem DJ. und II. Jahrh. sah. 

4) Wilcken bei J. G. Droysen, Klein. Schrift. II 437. 

5) Dagegen schon J. G. Droysen, dessen Ansicht bestätigt wurde durch die 
Petr. Pap. Vgl. Wilcken bei Droysen, Klein. Sehr. U 437. 



\2 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Bedeutung und das Verhältnis des Toparchen und Komarchen einerseits 
und der TOrtoyQccnficcteig und xco[ioyQcc(i[iateig andererseits zueinander 
scheint im Laufe der Jahrhunderte sich verändert zu haben. Während 
im III. Jahrh. jene, sind es vom II. Jahrh. an diese, die in der Verwaltung 
eine größere Rolle gespielt zu haben scheinen. 1 ) Bezüglich der Ernennung 
und Anstellung dieser Behörden sind wir genauer nur über den xafio- 
yQccpnarsvg orientiert. Nach Teb. 10 vom J. 119 v. Chr. wird er vom 
dioixrjtTjg, dem höchsten Finanzchef (vgl. Kap. IV) ernannt, ist also ein 
staatlicher Beamter. Die Ernennung erfolgt in diesem Falle, nachdem 
der Kandidat gewisse Versprechungen gemacht hat. Vgl. auch Teb. 9 
und 11. Über den eitiördrrjg xf]g xäy.rig (wie auch xov vopov) vgl. Kap. XL 
Über die Gehaltsfrage liegen zurzeit nur dürftige Andeutungen vor. 
Falls P. Lille 3 wirklich die Korrespondenzen eines ßccöUixbg yQa^atsvg 
enthält, so hat dieser Beamte ein monatliches öi^cövlov bekommen (III 40 ff.), 
doch ist die Prämisse nicht ganz sicher. Ob Teb. 29, 13 f. einen Hinweis 
auf das dem xoj^oyQafi^atsvg vom Staat ausgesetzte Gehalt (vnoxsi uevov) 
enthält, ist zweifelhaft. 2 ) 

§ 3. DIE GRIECHENSTÄDTE. 

Eximiert von dieser Gauverfassung waren die Griechenstädte, deren 
es in der Ptolemäerzeit nur drei gegeben hat, Naukratis, Alexandrien und 
Ptolemais. 

Die älteste griechische Ansiedlung in Ägypten — abgesehen von 
McXrjGiav rsl%og — ist Naukratis 3 ), das in der Mitte des VII. Jahrh. 
zur Zeit des Psammetich I von Milesiern am kanobischen Nilarm 4 ) be- 
gründet und dann von Amasis zum einzigen Emporium der in Ägypten 
handeltreibenden Griechen gemacht worden ist. 5 ) An diesem Ausbau der 
Stadt unter Amasis beteiligten sich äolische, ionische und dorische Städte, 
aus dem Mutterlande nur Ägina. 6 ) Über die Verfassung der Stadt liegen 
sehr dürftige Nachrichten vor. Herrn eias bei Athenaios IV p. 149 D be- 

1) Vgl. M. Erigers, de aegyptiarum xa^iäv administratione qualis fuerit aetate 
Lagidarum, Groningen 1909, S. 16 ff. , der die Zeiten genauer scheidet als Hohlwein, 
l'administration des villages egyptiens ä l'epoque greco-romain (Musee Beige X, 
1906, S. 38 ff.). 

2) Zu dieser Deutung von v7tox.si[isvov vgl. Martin, L'Epistratege. 

3) Vgl. Naukratis by Flinders Petrie, P. Gardner and Griffith I (1886), II (1888). 
Wilcken, Griech. Ostraka I 433. Preisigke, Stadt. Beamtenwesen, S. 1 f . Bouche- 
Leclercq, Hist. d. Lag. HI 144 f. Prinz, Funde aus Naukratis (Klio VII. Beiheft 1908). 
Schubart, Klio X 55. 

4) Die Ruinen entdeckte Flinders Petrie 1884/5 bei Nebireh. 

5) Prinz 1. c. 1 ff., 109 ff. Daß auch eine Übersiedlung aller in Ägypten woh- 
nenden Griechen damals durchgeführt sei (Prinz), scheint mir nicht erwiesen zu sein. 
Schon die Hellenomemphiten sprechen dagegen. 

6) Vgl. Herodot II 178. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 3. Die Griechenstädte. 13 

zeugt ein TtQvravslov und die (ionische) Behörde der Tt^oö^ot. Da die 
Autonomie durch das für Alexanders Zeit bezeugte Münzrecht feststeht 1 ), 
so ist eine ßovlri anzunehmen, wenn auch kein direktes Zeugnis vorliegt. 2 ) 
Eine Einteilung der Bürger in tpvlal und dfjfiot wird nicht belegt, ist 
aber auch nicht zu supponieren 3 ), da die Gründung vor die Demenordnung 
des Kleisthenes fällt, die erst das Muster für andere Städte abgegeben 
hat.*) Von einer späteren Einführung in Naukratis wissen wir aber 
nichts. 5 ) 

Die Papyri haben bisher wenig Aufklärung über Naukratis gebracht. 6 ) 
Eine sehr wichtige Bestimmung aus dem Recht der Stadt Naukratis ent- 
hält ein Text der Kaiserzeit (P. Compt. Rend. 1905 [27]), die sicher auch 
auf die Ptolemäerzeit, ja auf die Anfänge der Stadt zu beziehen ist: 
danach haben die Naukratiten keine hitiya\iia mit den Ägyptern gehabt. 7 ) 
Diese Bestimmung ist begreiflich für eine Stadt, die zu einer Zeit ge- 
gründet wurde, da der Gegensatz von "ElXrjvsg und ßaQßctQoi in voller 
Kraft war. Da sie nach jenem Papyrus auch noch in der Kaiserzeit be- 
stand, so wird die Bevölkerung von Naukratis ihre Rasse besonders rein 
erhalten haben. Jedenfalls wird der Ansicht Mahaffys, daß Naukratis in 
der Ptolemäerzeit a mere egyptian town gewesen sei, hierdurch der Boden 
entzogen. 8 ) 

Für die Verfassung ist die durch Rev. P. 60: iv tat UuCttji 6vv Nccv- 
XQcctSL gegebene Bestätigung wichtig, daß die Stadt außerhalb der Gau- 
verwaltung stand. 

Lumbroso (Recherches 222) hat vermutet, daß P. Par. 60 bi8 (30) mit 
der Erwähnung der xi\lov%oi und eines 'EÄXijviov sich auf Naukratis be- 
ziehe (wegen Hermeias 1. c.). 9 ) Ich glaube eine andere Deutung vor- 
schlagen zu sollen (s. den Kommentar). 

Nachdem Naukratis schon im V. Jahrh. von der Höhe der Handels- 
bedeutung, die es im VI. Jahrh. gehabt hatte, heruntergekommen war, ist 
es durch die Gründung von Alexandrien natürlich ganz geschwächt worden. 



1) Head, Numismat. Chxonicle VI, 3. Ser. S. 11, und in Naukratis I 66 f. 

2) Das ■xqvxavslov bei Hermeias wäre an sich noch kein sicherer Beleg. Vgl. 
Mommsen, RG V 557 Anm. 1. Prinz 1. c. 116. 

3) Wie z. B. Schubart, Arch. V 84 Anm. 3 tut. 

4) Vgl. Perdrizet, Le fragment de Satyros (Rev. d. e"tud. anc. XH, 1910, 221). 

5) Auch Dittenberger, Or. Gr. I 120 nötigt nicht zu der Annahme. 

6) Die Inschrift bei Dittenberger, Or. Gr. I 89 (olnovö^og r&v tiatä Nccvxqcctiv) 
ist leider nicht eindeutig. 

7) Den yotfuxös vo^iog von Naukratis erwähnt Hermeias 1. c. Vgl. Wilcken, 
Arch. III 556. 

8) Empire of the Ptolemies S. 81. Dagegen schon Wilcken, Griech. Ostraka 
I 433 Anm. 1. 

9) Als sicher sieht es Prinz 1. c. 116 an, während Bouchö-Leclercq III 145 es 
bestreitet. 



14 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Alexandrien 1 ) wurde von Alexander dem Großen während seines 
ägyptischen Aufenthaltes (332/1) im Anschluß an das Fischerdorf Rhakotis, 
zwischen der Insel Pharos und dem Mareotischen See gegründet. 2 ) Mit 
dem Scharfblick des Genies hatte er hier den Platz gefunden, der zum 
Emporium des künftigen Welthandels prädestiniert war. 3 ) Dagegen konnte 
er nicht vorhersehen, daß Alexandrien auch Mittelpunkt der Weli;kultur 
werden würde. Dies ist es erst dadurch geworden, daß es nach dem 
Scheitern von Alexanders Weltherrschaftsplänen die Residenz der Dynastie 
eines kleineren Reiches wurde, die alles daran setzte, nun durch Schaffung 
glänzender Institute wie des Museums und der Bibliotheken die ersten 
geistigen Kapazitäten an ihre Residenz zu fesseln. Leider haben bisher 
die Papyri, da sie Alexandrien nur selten nennen, für die materielle und 
geistige Entwicklung Alexandriens nur wenige neue Aufschlüsse gebracht, 
wenn sie auch im allgemeinen die Bedeutung der Stadt für das Land und 
auch ihre Bevölkerungsverhältnisse klarer hervortreten lassen. Auch die 
viel umstrittene Frage der Verfassung der Stadt ist nach wie vor noch 
sehr dunkel. 

Zur Beurteilung dieser letzteren Frage wird vor allem davon auszu- 
gehen sein, daß Alexandrien durch Ptolemaios I zur königlichen Residenz 
seines Gesamtreiches gemacht worden ist. 4 ) Es war also eine Königsstadt, 
mit imposanten Palastanlagen und starker königlicher Garnison. Diese 
Residenz war — mindestens seit Philopator, vielleicht aber auch vorher — 
dem Befehl eines königlichen Stadthauptmanns anvertraut, der zunächst 
wohl nur im Falle der Abwesenheit des Königs eintrat, allmählich aber 
eine dauernde Institution wurde. 5 ) Die überraschende Analogie mit dem 
kaiserlichen praefectus urbi bestärkt mich darin, in ihm weniger den 
Stadtkommandanten als den Polizeimeister zu sehen. Dieser alexandri- 
nische Beamte hieß anfangs 6 irii trjg jro'Afcog 6 ) — wie auch in kypri- 
schen Städten unter der Ptolemäerherrschaft 7 ) — , während er gegen Ende 
der Ptolemäerzeit als 6tQcctrj}>bs rfjg nökens erscheint 8 ) und als solcher 
auch in die Kaiserzeit hinübergegangen ist. 

Wenn auch das Vorhandensein eines solchen 6TQccrr}ybs *% Jtoleag 



1) Vgl. Preisigke 1. c. 4 ff . Bouche-Leclercq HI 147 ff. Schnbart, Klio X 55 ff. 

2) Vgl. Puchetein, Pauly-Wissowa I 1376 ff. 

3) Da Alexandrien westlich vom westlichsten Nilarm liegt, ist es nicht dnrch 
die vom Nil ausgeführten Schlammassen gefährdet, da die Meeresströmung hier von 
West nach Ost geht. 

4) Aus Alexanders Zeit erfahren wir nur, daß nach dem ersten Aufbau der 
Stadt das i^nögiov von Kanopos nach Alexandrien verlegt werden sollte. Vgl. Ps. 
Arißtot. Oecon. II 33. 

5) Vgl. Schubart, Klio X 68, der auf Polyb. V 39, 3 hinweist. 

6) Vgl. außer Polyb. 1. c. Ne"routsos-Bey, Alexandrie, Inschr. n. 10. 

7) Vgl. Schubart 1. c. 

8) Dittenberger, Or. Gr. II 743 (I. Jahrh. v. Chr.). Vgl. auch Strack, Arch. III 135. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 3. Die Griechenstädte. 15 

keineswegs eine durch eine ßovXtf in die Erscheinung tretende Autonomie 
der Stadt unmöglich macht 1 ), so ist doch nicht zu verkennen, daß der 
Gesamtcharakter der Stadt als königlicher Residenz in Verbindung mit 
der Tatsache, daß bisher auch nicht die leiseste Spur einer alexandrini- 
schen ßovXtf für diese Zeit nachgewiesen werden konnte 2 ), die Annahme 
einer solchen zurzeit erschwert. Immerhin wird man gut tun — zumal 
im Hinblick auf die Überraschung, die wir kürzlich in bezug auf die 
ßovXrj von Ptolemais erlebten! — vorsichtshalber die Frage als eine offene 3 ) 
zu betrachten, bis endlich einmal ein ganz entscheidendes Zeugnis — nach 
der einen oder anderen Seite — zutage kommt. Die Wahrscheinlichkeit 
spricht heute allerdings gegen die ßovXrj. 

Klarer sehen wir über die Organisation der Bürgerschaft. 4 ) Von den 
Bürgern sind einerseits die Maxsdoveg zu trennen als solche, die eine den 
Bürgern übergeordnete Stellung einnahmen, andererseits die nicht zu den 
Bürgern gehörenden Griechen sowie Perser 5 ) und andere Ausländer, vor 
allem die Juden, und endlich die Ägypter. In der nationalistischen Über- 
arbeitung des Töpferorakels heißt es von Alexandrien: Avxiq n\6]Xig fy 
xavtOTQÖcpog , [sfjg rjv [x\atoLX£Cdd-rj %av yivog avÖQ&v. Vgl. Wilcken, 
Hermes 40, 548. Alexandrien ist tatsächlich und zwar von vornherein 
keine reine Griechenstadt gewesen. Die Mischung, wie sie sich bis zum 
II. Jahrh. entwickelt hatte, charakterisiert Polybius bei Strabo XVII p. 797. 

Die Bürger der Stadt zerfielen in zwei Klassen, in diejenige, die in die 
Phylen und Demen eingeschrieben waren, und solche, die außerhalb dieser 
Verbände standen, doch aber volle 'AX^avögsig waren. Die ersteren wurden 
in der Ptolemäerzeit, falls sie nicht, wie namentlich auswärts, AXs^avÖQsig 
genannt wurden, durch das bloße Demotikon (auch ohne Hinweis auf die 
Phyle) gekennzeichnet, die letzteren hießen 'AXe^avÖQSlg. Die Töchter der 
ersteren — Frauen wurden nicht in die Demenordnung aufgenommen — 
wurden ccötcci, die Töchter der letzteren 'AXe^ccvögldeg genannt. So 
Schubart, Arch. V 104 ff., 

Die Phylen- und Demenordnung Alexandriens 6 ), die wahrscheinlich 

1) Vgl. Wilcken, Arch. III 335; Schubart 1. c. 68, Anm. 3 und 4. 

2) Die Schriftsteller widersprechen sich: Dio Cass. 51, 17. vita Severi 17. Die 
Entscheidung muß durch neue Quellen kommen. 

3) So "Wilcken, Arch. III 335; Schuhart 1. c. 60 ff. Gegen die ßovXrj Mommsen, 
Bouche-Leclercq u.A. (Literatur bei letzterem III 154). 

4) Vgl. zum folgenden den grundlegenden Aufsatz von Schubart, Arch. V 81 ff. 

5) Zu der merkwürdigen Sonderstellung der alexandrinischen niqßui %fj? iitiyovt)? 
bezüglich des uymyifiov slvcct vgl. jetzt Lewald, Zur Personalexekution im Recht der 
Papyri 1910. 

6) Vgl. Lumbroso, Ricerche Alessandrine (Memorie d. R. Accad. d. Scienze di 
Torino Ser. II, 27, 1873); Wilcken, Gott. Gel. Anz. 1895, 135 ff., 138, 141 f. Kenyon, 
Arch. II 70 ff. Breccia, Bullet, de la Soc. archeol. d'Alex. X (1908) 169 ff. Schubart, 
Arch. V81ff. A. Wilhelm, Beiträge z. griech. Inschr. 1909, 225. Perdrizet, Rev. d. 
<Stud. anc. XII (1910) 217 ff. (le fragment de Satyros). 



IQ Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

so alt ist wie die Konstituierung der Stadt selbst, hat die Kleisthenische 
Ordnung Athens zum Vorbilde. Sie bat im Laufe der Zeit mehrere Ver- 
änderungen durchgemacht. So hat nach dem Fragment des Satjros (FHG 
III 164) Philopator aus besonderer Verehrung für den Dionysos die Rang- 
ordnung der Phylen geändert, indem er die dionysische an die Spitze 
stellte. 1 ) Auf eine Erweiterung des Kreises der Demenbürger unter Euer- 
getes I läßt wohl die im Faijüm (Petr. P.) oft begegnende Klasse der täv 
ovTta BTtrjy^itvav elg drj^iov (rbv deivcc) schließen, also von Personen, die 
schon vorgemerkt sind für den Eintritt in einen bestimmten dfjfios, aber 
noch nicht eingeführt sind. 2 ) Da die alexandrinische Ordnung in einem 
festen Verhältnis zu der von Ptolemais steht — jedes Demotikon kommt 
nur einmal vor, entweder in Alexandrien oder in Ptolemais — , so muß 
auch schon die Begründung von Ptolemais eine Etappe in der Entwick- 
lung der alexandrinischen Ordnung bedeutet haben. 3 ) Zusammenhängende 
Nachrichten über diese Einrichtungen liegen urkundlich 4 ) nur in Pap. 
Hib. 28 (25) vor, von dem leider nicht feststeht, auf welche Stadt er 
sich bezieht. Falls er Alexandrien behandelt, so hat diese Stadt 5 Phylen 
zu je 12 Demen zu je 12 Phratrien gehabt. Die 5 Phylen würden dann 
den 5 Stadtquartieren entsprechen, die nach den Buchstaben ABT AE 
benannt wurden. 5 ) 

Alexandrien war als Residenz auch Zentrale der Reichsverwaltung, 
der Sitz der höchsten Reichsbeamten. Die von Strabo XVII p. 797 auf- 
gezählten Beamten, die auch schon zur Königszeit natu xöliv amtierten, 
der Exeget, der Archidikastes, der Hypomnematograph und der Nacht- 
stratege, sind wohl meist königliche Beamte; städtisch ist wohl der Ex- 
eget. 6 ) Zu den städtischen Beamten gehörte auch der Gymnasiarch und 
der Kosmet (vgl. Kap. III). 

Das zur Stadt gehörige Landgebiet — die %cqqcc röbv 14Xs£,ccvöq£(qv — 
bildete einen Gau mit der Metropole 'Egpov nökig rj Mixpa (Damanhür). 
Über die aQyaia yf\ in dieser %äqa vgl. Kap. VII. 

Die einzige noÄLg, die die Ptolemäer in Ägypten gegründet haben, 
ist Ptolemais in der Thebais. 7 ) Die neueren Aufschlüsse über diese 
Gründung Ptolemaios' I, die den Mittelpunkt des Griechentums i,n Ober- 

1) Vgl. Schubart u. Perdrizet 11. cc. 

2) Vgl. Wilcken, GGA 1. c. Schubart 1. c. 90. 3) Schubart 1. c. 

4) In der Literatur vgl. die Schrift des Satyros (FHG III 164). 

5) Über diese Stadtquartiere berichtet Ps. Kallisthenes I 32, Philo in Flaccum § 8 
Mang. II 525. Vgl. Dittenberger, Or. Gr. II 705, auch P. Teb. II 316 (in Kap. III). 
Vgl. Lumbroso, L'Egitto 8 169. 

6) Vgl. Bouche-Leclercq III 154 ff. Schubart, Arch. V 57 Anm. 1. 

7) Hierüber vgl. jetzt die das ganze Material zusammenfassende und verarbeitende 
Studie von Gerhard Plaumann, Ptolemais in Oberägypten, ein Beitrag zur Geschichte 
des Hellenismus in Ägypten (Leipz. Histor. Abh. herausg. v. Brandenburg, Seeliger, 
Wilcken, Heft XVTII, 1910). 



A. Die Ptolemäerzeit. § 3. Die Griechen städte. 17 

ägypten darstellte, verdanken wir vor allem den Inschriften, weniger 
den Papyri. Auch für Ptolemais wurde früher von manchen die Existenz 
einer ßovlri geleugnet, bis die wichtige Inschriftenpublikation von Pierre 
Jouguet jeden Zweifel an ihr benahm. 1 ) Damit liegen uns mehrere 
Volksdekrete von Ptolemais aus der ersten Hälfte des III. Jahrh. v. Chr. 
vor, in denen wir ßovXtf und dijiiog an der Arbeit sehen. Ob der von 
Schubart 2 ) zuerst richtig als Dekret von Ptolemais gedeutete P. Fay. 22 
in die ptolemäische oder die römische Zeit gehört, ist leider nicht mit 
Sicherheit zu erweisen. Jedenfalls besteht kein Grund, anzunehmen, daß 
die Stadt in der späteren Ptolemäerzeit ihre Autonomie verloren habe. 
Der Rat von Ptolemais wurde nach jenen Inschriften geleitet von sechs 
Prytanen, von denen einer zur Zeit den Vorsitz führte (aQiiJCQVTavig), 
einer vielleicht der yQa(i^.atsvg x% ßovlr\g war 3 ), so daß es also fünf 
TCQVTccvEig im engeren Sinne gab. 

Die Bürger von Ptolemais waren in Phylen und Demen geordnet wie 
die alexandrinischen Demenbürger. Ob es daneben (wie in Alexandrien) 
auch eine Klasse von Bürgern gegeben, die nicht in den Demen waren 
und ntoXs^Laulg im engeren Sinne hießen, läßt sich noch nicht sicher 
entscheiden. 4 ) Daß die Phylenordnung von Ptolemais, die gewiß sogleich 
bei der Gründung der Stadt eingeführt wurde, im Zusammenhang mit der 
schon bestehenden alexandrinischen Ordnung eingerichtet wurde, ist schon 
oben gesagt: die bloße Nennung des Demotikons genügte, um anzuzeigen, 
ob der Träger ein alexandrinischer oder ein ptolemäensischer Bürger war. 
Neben den Bürgern hat es auch hier Nichtbürger gegeben, im besonderen 
auch Ägypter, wie ja die neue Stadt sich an die ägyptische Ortschaft 
Psoi anschloß (wie Alexandrien an Rhakotis). 5 ) Aber das Griechentum 
hat sich hier, wie ein Text der Claudischen Zeit zeigt (Lond. III S. 71 ff.), 
sehr viel reiner erhalten als in der Weltstadt Alexandrien, so daß es nach 
dieser Richtung viel mehr mit dem durch sein Epigamie-Verbot geschützten 
Naukratis zusammenzustellen ist. Es würde zu der Eingeborenenpolitik 
des Soter (s. unten S. 19 f.) nicht schlecht passen, wenn er in Ptolemais 
geradezu ein Epigamie-Verbot eingeführt hätte. Ist das nicht geschehen, 
so nötigt der Tatbestand jenes P. Lond. zu der Annahme, daß die Griechen 
von Ptolemais durch gesellschaftliche Boykottierung der Eingeborenen sich 
selbst geholfen haben. 

Wenn aber auch Ptolemais staatsrechtlich durchaus eine autonome 
nolig war, so hat doch seine Zugehörigkeit zu einer absoluten Monarchie 



1) Vgl. Jouguet, Bull. Corr. hell. XXI (1897) S. 184 ff. mit reichem Kommentar 
(= Dittenberger Or. Gr. I 47 — 49). Dazu kommt noch die Inschrift bei Strack, 
Arch. II 539 n. 8 (= Ditt. Or. Gr. II 728). Vgl. dazu Plaumann 1. c. 4 ff. 

2) Arch. V 78 Anm. 3. 3) Plaumann S. 18. 
4) Plaumann S. 20 ff. 5) Plaumann S. 3. 



18 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

in der Praxis notwendig diese Autonomie durchkreuzen müssen. So 
zeigen uns die Volksdekrete, wie die freien Bürger der Stadt tatsächlich 
vor allem um die Gunst des Königs buhlten. 1 ) Ein anderer Text, nach 
dem der höchste königliche Beamte der Thebais, der Epistratege, zugleich 
als aQ%iTCQvravts von Ptolemais bezeichnet wird, zeigt, auf welchen Um- 
wegen gelegentlich Kontrolle über die Stadt ausgeübt wurde. 2 ) Das Münz- 
recht ist zudem der Stadt nicht konzediert worden. 3 ) 

Andere griechische TtöXeig als diese drei hat es im ptolemäischen 
Ägypten nicht gegeben. 4 ) Wohl mögen sich die Griechen in den sonstigen 
Städten und Dörfern auch irgendwie organisiert haben 5 ), aber eine staats- 
rechtlich schärfer zu fassende Organisation, ein TtoXCtsv^a innerhalb der 
Gesamtstadt, läßt sich nach unserm bisherigen Wissen nur in Memphis 
wahrscheinlich machen. In Lond. I S. 49 aus dem III. Jahrh. v. Chr. 
begegnet ein 'EXXrjvofisfi^Ctrjg^ der sv xcbi 'EXXtjvlgjl wohnt. Dies erklärte 
ich in den Gott. Gel. Anz. 1894, 725 durch Hinweis auf die Notiz des 
Stephanus Byz. s. v. 'EXXtjVixög, die er aus Aristagoras von Milet ent- 
nommen hat (FHG II 98 n. 5): 'EXXrjvixbv xcci Kccqlxov %6%oi iv Meuyidi, 
dcp' av e EXXr]voiie[i(piTCU xccl KaQiyco^isiKplxm cog ZäQiötccyoQccg. Es sind 
offenbar die hellenischen und karischen Söldner des Psammetich, die 
Amasis nach Herod. II 154 später in Memphis angesiedelt hat. Wenn 
man die weitere Notiz des Stephanus s. v. Kccqixöv, wonach die Karer 
iitiyapiag itQog Ms^KpCtag 7toirjöd^.6voL, KccQO[i£H(piTai genannt wurden, 
auch auf die 'EXXt]vo[ie[icplTca anwenden darf, so haben auch diese zmyapia 
mit den Memphiten gehabt und sich mit ihnen vermischt. Der einzige 
Hellenomemphit, den wir aus jenem Lond. kennen lernen, hat einen rein 
ägyptischen Namen, wie auch seine Nachbarn. Trotz dieser Rassen- 
mischung haben diese Hellenomemphiten dort ein „hellenisches" Quartier 
gebildet und sich um ein 'EXXrjviov geschart (P. Lond.) Ob das noXc- 
rsv[ia in der memphitischen Inschrift Dittenberger Or. Gr. II 737 eben die 
Organisation dieser Hellenomemphiten ist, wie Schubart vermutet hat, 
(Klio X 63 Anm. 2), ist mir sehr zweifelhaft. Vgl. Schürer, Gesch. d. Jüd. 
Volkes IIP S. 39, der sich auf Ziebarth, Berl. ph. Woch. 1906, 363 beruft. 6 ) 



1) Vgl. Ditt. Or. Gr. 47 und 49. 

2) Vgl. Plaumann S. 29, auch 28. 

3) Svoronos, Die Münzen der Ptolemäer IV S. 60 f. 

4) Die frühere Annahme (Lumbroso, Rech. 59, Mitteis Reichsrecht 41), daß auch 
Hermopolis-Magna und Lykopolis Griechenstädte in diesem Sinne gewesen seien, ist 
nicht zu halten. 

5) Vgl. Schubart, Klio X 62 ff. 

6) Die Schwierigkeit, die in 17 Tt6Xig der letzten Zeile liegt, wird auch durch 
Schubarts Hypothese nicht gehoben, denn die Hellenomemphiten zusammen mit 
den Idumäern machen nicht die ndXig aus. Wo bleiben die Phönizier, die Karomem- 
phiten, vor allem die Ägypter? Daß noXixsviLu hier ohne Bezeichnung des Volkes 
steht, ist nur verständlich, wenn es eben das ■noXlrevpu der 'idovnuloi ist. Man 



A. Die Ptolemäerzeit. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. ]9 

Dagegen werde ich unten darlegen, was für die Hypothese angeführt 
werden könnte, daß jener Par. 60 bi8 (30), den Lumbroso auf Naukratis 
bezogen hat, vielleicht auf diese hellenische Organisation von Memphis zu 
beziehen ist. Ist es richtig, so haben sie ti[iov%ol an ihrer Spitze gehabt. 

§ 4. BEVÖLKERUNG UND BEVÖLKERUNGSPOLITIK. 

Es war ein buntes, mit der Zeit immer bunter werdendes Völker- 
gemisch 1 ), das unter der ptolemäischen Herrschaft in Ägypten wohnte. 
Außer den Makedoniern waren Griechen aus den verschiedensten Teilen 
der griechischen Welt — auch aus dem Westen — dorthin gekommen, 
teils um Solddienste bei diesen reichen und gutzahlenden Fürsten zu 
nehmen, teils um drüben in der neuen Welt als Kaufleute oder Gewerbe- 
treibende ihr Glück zu suchen, und neben diesen Griechen finden wir dort 
auch Thraker und Illyrier, Kreter, Kleinasiaten wie Lykier und Karer 
und Galater, ferner Perser und Semiten verschiedenster Stämme, nament- 
lich Juden, und gegen Ende dieser Periode auch Römer. 2 ) Sie alle 
standen als Eindringlinge gegenüber den Eingeborenen, den Ägyptern, 
der Hauptmasse der Bevölkerung. 3 ) Die innere Geschichte des Landes 
ist wesentlich bedingt durch die Frage, in welchem Verhältnis die Ange- 
hörigen dieser so verschiedenartigen Völker mit einander gelebt haben, 
und welche Politik die Regierung ihnen gegenüber durchgeführt hat. 
Von besonderer Bedeutung ist diese Frage für die Griechen, Ägypter und 
Juden geworden. Betrachten wir zunächst die Griechen und Ägypter. 

Während Alexander der Große im Verfolg seiner keimenden Welt- 
herrschaftspläne auch das ägyptische Volk mit zur Verwaltung des Landes 
heranzog und zwei Ägypter an die Spitze der Zivilverwaltung von Ober- 
und Unterägypten stellte (s. S. 9 Anm. 6) 4 , hat Ptolemaios I, wiewohl er 
sich in der Religionspolitik durchaus der Toleranz Alexanders anschloß 5 ), 
doch im Staatsleben eine Scheidewand zwischen den Makedoniern und 
Griechen und andrerseits den Ägyptern errichtet 6 ), indem er die höheren 



unterscheidet das noXlrsviicc der Idumäer von den ccnb rfjg TtoXeag 'läov(iaioi wie die 
kXs^avdQSig von den Griechen ait kXs^avSgtiag. 

1) Vgl. Wilcken, Die griech. Papyrusurkunden 1897, S. 31 ff. P. Meyer, Heer- 
wesen, S. 7 ff. 

2) Schon seit der zweiten Hälfte des II. Jahrh. v. Chr. sind römische Kaufleute 
in Alexandrien nachweisbar. Vgl. V. Pärvan, Die Nationalität der Kauf leute im röm. 
Kaiserreich 1909, S. 17 f. 

3) Die Gesamtbevölkerung jener Zeit ist durchschnittlich etwa auf siehen Millionen 
Menschen anzusetzen. Vgl. Griech. Ostraka I 489 f. zu üiod. I 36, 6. 

4) Nach dem Übergang über den Euphrat hat er dann auch die Satrapien 
an Perser gegeben — ganz zu schweigen von der unglückseligen Verschmelzungs- 
politik seiner letzten Jahre. 

5) S. unten Kap. II. 

6) Dem entspricht auch seine straffe Kirchenpolitik. Vgl. Kap. IL 



20 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Beamtenstellen ausschließlich den ersteren vorbehielt. 1 ) Die Makedonier 
und in zweiter Reihe die Griechen, die damals noch in einem Kontrast 
standen, der erst allmählich sich gemildert hat 2 ), sollten allein die Herren 
im Lande sein, die Ägypter aber die Untertanen. Unter den ersten kräf- 
tigen Herrschern ist diese selbstbewußte makedonische Eingeborenenpolitik 
aufrecht erhalten worden. Es war nicht eine Schwäche der Politik, son- 
dern ein praktisches Erfordernis, daß man in der Sprachen frage den 
Ägyptern entgegenkam. War auch die griechische Sprache die offizielle 
Landessprache, so mußten doch die Erlasse, die im Interesse des Fiskus 
auch von den Stockägyptern gelesen werden sollten, doppelsprachig publi- 
ziert werden. Vgl. Rev. P. 9 (in Kap. V). Entgegengekommen ist man 
auch auf dem Gebiete des Gerichtswesens, insofern man für gewisse Fälle 
die einheimischen Gesetze (die %coQiKoi vö[ioi) und die einheimischen 
Volksrichter {XaoKQtxcu) in Geltung ließ. Vgl. Band II, Kap. I. Auch durften 
sie ihre Verträge unter gewissen Kautelen demotisch abfassen. Aber die 
späteren Regierungen sind weit darüber hinausgegangen. Da sehen wir 
die Ägypter aus den unteren Stellen allmählich auch in höhere hin- 
aufrücken und überhaupt eine bedeutende Rolle im Staatsleben spielen. 
Die verlockende Aufgabe, das weitschichtige Material, das die Papyri für 
dieses Problem — eines der wichtigsten der inneren Geschichte! — 
bieten, erschöpfend zu verarbeiten, ist bisher noch nicht in Angriff ge- 
nommen worden. 3 ) 

Das Erwachen der nationalistischen Bewegung der Ägypter führt 
Polybios (V 107), der gewiß gut darüber orientiert war, auf die Tatsache 
zurück, daß Ptolemaios IV Philopator zum Kampf gegen Antiochos HI 
20000 Ägypter als Phalangiten ausgebildet und in sein Heer eingestellt 
hatte. So betrachteten sie sich als die Sieger von Raphia (217), wollten 
nicht mehr gehorchen wie früher und sehnten sich nach einem riy£[i(bv, 
einem nationalen König. So kam es denn bald zu Revolten (schon von 
ca. 216 an) 4 ) und zu offenem, auf beiden Seiten oft grausam geführtem 
Kampf mit der Regierung. Je schwächlicher die Regierung des Philopator 
wurde, je mehr Zugeständnisse er machte 5 ), desto gefährlicher wurde die 



1) Eine umfassende Untersuchung darüber liegt noch nicht vor, so daß die 
Grenze, bis zu der die Ägypter schon im EH. Jahrh. vordringen, noch nicht feststeht. 
Ein Ägypter als olY.ov6y.og in Lille 3 III 50, ein ßu6i\nnbq ygafificcTevs in Lille 3 HI 
52 usw. 

2) Im Jahre 163 v. Chr. schreibt ein Makedonier des Serapeums: nuga zb r 'EXXi\vä [is 
ilvui (P. Vat. B 13). Andererseits hoben sich in Alexandrien noch zu Augustus' Zeit 
die Makedonier deutlich von den Griechen ab. S. oben S. 15. 

3) Andeutungen in meinen Vorträgen „Die griech. Papyrusurkunden" (1897) 
S. 31 f., „Hellenen und Barbaren" (N Jahrb. f. d. Klass. Alt. XVU, 1906, 466 ff.). 
P. Meyer, Heerwesen 58 ff. 

4) Vgl. Bouche-Leclercq I 315 ff. 

5) Vgl. unten Kap. H über die dreisprachigen Texte aus seiner Zeit. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. 21 

Bewegung, die denn auch mit voller Kraft in die Regierung des unmün- 
digen Epiphanes hinüberging. So war der größte Teil der Regierung dieses 
Königs mit Kämpfen um die Existenz des Reiches ausgefüllt, ganz abge- 
sehen von den Gefahren, die von außen es bedrohten. 1 ) Erst im 8. Jahre 
des Epiphanes konnte Lykopolis im Busirites (im Delta), der Hauptsitz 
der unterägyptischen Aufrührer, die unter Führung einheimischer dvvdötat 
standen, erobert werden. 2 ) Aber auch später ist im Norden noch gegen 
die nationalistische Bewegung gekämpft worden. 3 ) Noch entschiedener 
war der Erfolg der Insurgenten im Süden. 4 ) Nach der Bauinschrift von 
Edfu konnte wegen der Unruhen vom 16. Jahre des Philopator (207/6) 
bis zum 19. Jahre des Epiphanes (186) nicht an dem Tempel gebaut 
werden. 5 ) Eugene Revillout verdanken wir die einigen demotischen Ver- 
tragsdatierungen entnommene Entdeckung, daß in diese Zeit die Herr- 
schaft zweier einheimischer Pharaonen fällt, die zusammen etwa 18 Jahre 
in der Thebais regiert haben. 6 ) Daß die Schaffang der Epistrategie für 
die Thebais eine Folge dieser Erschütterung des Reichsbestandes war, 
ist schon oben S. 10 gesagt worden; dasselbe gilt auch von der Aus- 
dehnung der Hofrangklassen auf die höchsten Beamten (s. oben S. 7), 
wodurch die treugebliebenen makedonisch- griechischen Schützer des 
Thrones noch fester an die Dynastie gebunden werden sollten. Auf der 
anderen Seite aber kam der König auch den Ägyptern entgegen, indem 
er nach dem Siege im 9. Jahre den Aufrührern, die in ihre idia zurück- 
kehrten, Amnestie gewährte (Rosett. 19) und vor allem nach ägyptischem 
Ritus sich in Memphis als ägyptischer König krönen ließ (Rosett.). 7 ) 
Damit kapitulierte der Sieger vor dem Besiegten. Den Dank der ägyp- 
tischen Priesterschaft für diese schwächliche Politik lesen wir in der 
Inschrift von Rosette. Aber die nationalistische Partei war noch nicht 
befriedigt. Schon unter Philometors und Euergetes' II Samtherrschaft 
(169 — 164) hören wir von neuen Unruhen. So erregte ein ztiovvöiog 
6 xccXov{ievog IlETOöoQÜJtLg im Norden eine Revolte (Diod. 31, 15 a.) Auf 
diese haben wohl mit Recht Grenfell-Hunt die Erwähnung eines ägyp- 



1) S. oben S. 5. 

2) Inschrift von Rosette (Dittenberger Or. Gr. 90), 22 ff. Polyb. 22, 7, 1. 

3) Vgl. Polyb. 22, 7, 3 ff. (zum J. 185/4). 

4) Ein Hinweis auf die Revolution im Süden enthält P. Tur. 1, 5, 27 ff. Vgl. 
dazu J. Krall, Studien zur aeg. Gesch. II, S. 41. 

5) Vgl. Dümichen, Aeg. Zeitsch. 1870, S. 3 ff. Vgl. dazu auch P. Meyer, Heer- 
wesen 59. 

6) Vgl. Revillout, Compt. R. de l'Accad. d. Inst. 1872, 256 ff; Rev. Egypt. IV, 
156 ff. etc. Von H. Brugsch bestätigt. 

7) Die Art, wie die Priester in der Rosettana 45 von den vo^i^öfieva xf\i nccQct- 
Irjipei xf\g ßaatlelag sprechen, scheint mir darauf hinzudeuten, daß Epiphanes nicht 
der erste war, der die ägyptische Krönung auf sich nahm. Unter den Früheren käme 
wohl nur Philopator in Betracht. Vgl. Wilcken bei J. G. Droysen, Kl. Sehr. II 440. 



22 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

tischen Aufstandes in P. Amh. 30 (9) bezogen. Die Nachwirkungen 
dieser Unruhen treten uns noch für die nächsten Jahre in den Serapeunis- 
texten entgegen, wonach der Makedonier Ptolemaios unter dem Haß der 
Ägypter zu leiden hat, weil er ein „Hellene" ist. 1 ) Von Unruhen (cfyu|&u) 
sprechen auch manche Texte aus den nächsten Dezennien 2 ) der Regierung 
des Euergetes H, doch handelt es sich hier vielfach um die oben S. 5 be- 
handelten dynastischen Kämpfe, die die Bevölkerung Ägyptens zwangen, 
für die eine oder andere Partei sich zu erklären. Es ist möglich, daß 
die Ägypter gerade dadurch, daß die miteinander streitenden Könige sich 
um ihre Unterstützung bemühen mußten, gegen Ende des Jahrhunderts 
erreichten, daß auch höhere Stellen mit Ägyptern besetzt wurden. So 
finden wir einen Ilaäg als 6vyysvr\g xal GtQatrjybg t7jg ®rjßatdog 3 ) im 
J. 130/29 und einen &ou[iovg als övyyevrjg xal eitiGTQaxriyog xal 6xQa- 
rrjybg rijg &rjßatdog unter Ptolemaios Soter II. 4 ) Im letzten Jahrhundert 
v. Chr. ist dann noch einmal ein großer Aufstand in der Thebais ge- 
wesen, dessen Niederwerfung mit der Zerstörung Thebens im Jahre 88 
endete. 5 ) Auf diese Wirren bezieht sich der Brief des Piaton (12). Daß 
in diesen unruhigen Zeiten gelegentlich auch ägyptische Nachbarstädte 
gegeneinander Krieg geführt haben, zeigt ein merkwürdiger Kairener 
Text (11) vom Jahre 123. 

Diese nationalistische Bewegung, die wir von Philopators Zeiten an 
verfolgen können, ist die natürliche Reaktion des Orients gegen den 
griechischen Herrn, wie sie auch im Seleukidenreich schon früher und 
z. T. mit noch größerem Erfolg — wie in der Begründung des Parther- 
staates — zutage getreten war. Der Haß der Nationalisten gegen die 
griechische Fremdherrschaft tritt uns auch in der Überarbeitung ent- 
gegen, der die altägyptische „Verteidigung des Töpfers vor dem König 
Amenophis" wohl in ptolemäischer Zeit unterworfen wurde. Da wird 
geweissagt, daß die Stadt am Meere, d. h. Alexandrien (wie Reitzenstein 
zuerst erkannte) ein Trockenplatz für die Netze der Fischer sein werde, 
während die Götter Alexandriens nach Memphis übersiedeln würden. 6 ) 
Die allmählich wieder wachsende Kraft des Orients hat sich aber nicht 
nur in jenen gewaltsamen Auflehnungen gezeigt. Viel nachhaltiger und 
für die Kulturgeschichte bedeutender waren die mehr und mehr sich be- 



1) Vgl. meinen Kommentar zu P. Vat B. in den „Urkunden der Ptolemäerzeit". 
S. auch den Gegensatz von "EXXriveg und Ägyptern in Amh. 40. 

2) Vgl. z. B. Grenfell-Hunt in Teh. I S. 46. 

3; Strack, Dyn. d. Ptol., S. 257 n. 109. Vgl. Theb. Bank. 8, korrig. von Revillout, 
Melang. 343 und unten Nr. 10. 

4) Vgl z. B. Strack n. 140, 26, wo die Könige ihn als tcSeltpäq begrüßen. Vgl. 
auch Tur. 5—7 und Lond. E, S. 13/14. 

5) Pausan. I 9, 3. 

6) Vgl. Wilcken, Zur ägyptischen Prophetie (Hermes 40, 544 ff, 557). 



A. Die Ptolemäerzeit. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. 23 

merkbar machenden Beeinflussungen des griechischen Wesens durch das 
Orientalische. Der Hellenisierung, die schließlich nirgends sehr tief ge- 
gangen ist, tritt allmählich die Orientalisierung gegenüber und bewirkt, 
daß die Griechen hier im Zusammenleben mit den Orientalen und auch 
unter dem Einfluß des südlicheren Klimas manche fremden Sitten und 
Anschauungen übernahmen. 1 ) Wir sahen oben S. 13 f., daß die Griechen 
in Naukratis und Ptolemais sich in Rasse und Kultur ziemlich rein 
gehalten haben, während in der Weltstadt Alexandrien die Verlockung 
zur Mischung viel eher gegeben war. So erzählt Polybios, daß schon 
etwa um 200 die Makedonier von Alexandrien so verweichlicht waren, 
daß sie mit den Makedoniern der Heimat den Vergleich nicht mehr aus- 
hielten. Vor allem war die Verlockung im Lande groß, wo die Griechen 
nun durch viele Generationen hindurch in Städten und Dörfern mit den 
Ägyptern zusammen wohnten. So ist es trotz der oben geschilderten 
nationalen Gegensätze mindestens vom II. Jahrh. an 2 ) doch vielfach zu 
einer Mischung des Blutes und zu einer gräko-ägyptischen Misch- 
rasse gekommen, die sich von jenen reinen Hellenen in den Griechen- 
städten und meist wohl auch von den Honoratiorenfamilien in den Metro- 
polen mehr und mehr abhebt. Äußerlich tritt diese Mischung uns am 
deutlichsten in der Nomenklatur entgegen: Griechen, namentlich wohl 
solche zunächst, die ägyptische Frauen geheiratet hatten, geben ihren 
Kindern ägyptische Namen oder fügen dem griechischen Namen einen 
ägyptischen hinzu (Doppelnamen mit 6 xcci o. ä.). Da in den Urkunden 
aber nicht notwendig der ganze Doppelname zu stehen braucht, sondern 
willkürlich auch der griechische oder der ägyptische allein gesetzt wird, 
so ist es sehr gefährlich, aus dem Namen Rückschlüsse auf 
die Nationalität zu machen. Für die Benutzung der Urkunden, min- 
destens vom H. Jahrhundert an, ist es sehr wichtig, sich dies immer 
gegenwärtig zu halten. 3 ) Ein Beispiel für viele: in Teb. I 247 (ca. 112 
v. Chr.) folgen in einer .Liste mit der Überschrift: 'EXXrjvav ysagy^cbv 
echt ägyptische Namen wie e AQ{iiv6ig r jQ[iiv6iog (auch der Vater!), 
'Agcpccrjöig IleroöcQiog, r AQ[id%o()og ®otoqxuCov usw. Daß bei dieser Völker- 
mischung und Kulturmischung die Eingeborenen und nicht die Griechen 
gewonnen haben, ist für Ägypten gerade so wie für die anderen Reiche 
selbstverständlich, denn die Griechen hatten die höhere Kultur zu geben, 
und so hat dieser Mischungsprozeß zweifellos auch zum Niedergang des 
Griechentums in Ägypten beigetragen. 

Unter den sehr verschiedenen Stämmen angehörigen Semiten, die zur 



1) Vgl. Wilcken, Hellenen u. Barbaren 1. c. 467 f. 

2) Ein interessantes Beispiel für die Mitte des III. Jahrh. bietet die Inschrift, 
die Lefebvre in den Annales de l'Institut 1908, S. 231 ff. edierte. S. unten. 

3) Vgl. hierzu z. B. Otto, Priester und Tempel I 2 Anm. 1. 



24 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Ptolemäerzeit teils als Söldner teils in friedlichen Berufen in Ägypten 
siedelten 1 ), nehmen die Juden unser besonderes Interesse in Anspruch. 
Dank den epochemachenden aramäischen Papyri von Elephantine 2 ) können 
wir eine jüdische Niederlassung in Elephantine mit dem Kult des Jahu 
etwa seit dem VI. Jahrhundert bis ins Ende des V. Jahrhundert verfolgen, 
wodurch die Angaben des Jeremias 42 ff. und des Ps. Aristeas § 13 (Wendl.) 
neues Licht bekommen. 3 ) Weitere Scharen von Juden sind unter den 
Ptolemäern nach Ägypten gekommen und haben sich teils in Alexandrien, 
teils im Lande angesiedelt, und zwar ist diese jüdische Diaspora schon 
seit dem III. Jahrhundert nachweisbar. 4 ) Die größte Anziehung scheint 
die Welthandelsstadt Alexandrien auf sie ausgeübt zu haben, wo sie nach 
Philos Angabe (in Flaccum § 8) einen starken Prozentsatz der Gesamt- 
bevölkerung ausmachten. Sie wohnten hier im Ghetto, was allein schon 
gegen die Behauptung jüdischer Quellen spricht, daß die Juden als solche 
hier das alexandrinische Bürgerrecht gehabt hätten. 5 ) Tatsächlich ist 
ihnen hier mit manchen anderen Privilegien eine eigene Organisation 
ihrer Gemeinde gewährt worden, also ein xoXCtsvpa (vgl. P. Aristeas § 310 
Wendl.), aber nicht die itofoteCcc 6 ), also entsprechend der von Strabo ge- 
geschilderten Ordnung in Kyrene, wo sie auch eine eigene Klasse der 
Bewohner bilden, aber nicht zu den xolltav gehören. 7 ) Die Ausbreitung 
der Juden über die Städte und Dörfer der %aQa haben wir erst durch 
die Papyri, Ostraka und Inschriften genauer kennen gelernt. 8 ) Es treten 
uns nicht nur zahlreiche einzelne Juden entgegen, sondern auch jüdische 
Gemeinden und Synagogen (aQ06sv%al). Vgl. Dittenberger 129 (54), 
P. Magd. 35 (56), Teb. I 86, 18. 'lovdccioi und "EXlrjvsg werden unter- 
schieden im Dorf WevvQig in Petr. I S. 43 (55). Ihren kultischen Mittel- 



1) Vgl. die Belege bei Schürer, Gesch. d. Jüd. Volkes III 4 38 ff. Bezeugt sind 
Phönizier (vgl. das Tvgicov atgccroTtsSov in Memphis bei Herod. II 112), Syrer (Zvgav 
xäfiTi im Faijüm vgl. Teb. II S. 402, im Oxyrhynchites vgl. Oxy. II 270, 22 u. sonst, im 
Heliopolites vgl. Hamb. 2, 6, im Menelaites vgl. BGU 1123, 2 und der kXs^avdgemv 
%&>q<x BGU 1132, 10), Samaritaner (Zccilccqeicc im Faijüm Teb. II S. 401), Idumäer (über 
ihr itoMrsvficc in Memphis s. oben S. 18), Araber (vgl. auch Magd. 15). 

2) Vgl. Sachau, Drei aramäische Papyrusurkunden aus Elephantine (Abh. Berl. 
Akad. 1907). Sayce und Cowley, Aramaic Papyri discovered at Assuan. 1906. Literatur 
bei Schürer III 4 25 ff. 

3) Vgl. Schürer 1. c. 31 ff. 

4) Das gesamte Material, geographisch und chronologisch geordnet, ist von 
Schürer 1. c. 40 ff. zusammengestellt. Vgl. auch Bludau, Juden und Judenverfolgungen 
im alten Alexandrien 1906. 

5) Vgl. Willrich, Klio III 406. 

6) Vgl. zuletzt Wilcken, Zum alexandrinischen Antisemitismus (Abh. Sachs. Ges. 
1909) S. 787. Die Einwendungen von Schürer III 4 S. 718 scheinen mir nicht stich- 
haltig zu sein. 

7) Joseph. Ant. XIV 7, 2. Vgl. auch die ccqxovtss und das noXixsv[Loc der Juden 
im Kyrenäischen Berenike in CIG DJ 5361 (bei Schürer, Gesch. DJ 4 S. 79). 

8) Vgl. die Belege bei Schürer 1. c. 40 ff. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. 25 

punkt fand die ägyptische Diaspora erst im IL Jahrh., als Philometor dem 
Hohenpriester Onias erlaubte, in Leontopolis (im Heliopolitischen Gau) 
einen Tempel zn bauen. 1 ) Diese ägyptischen Juden treten uns in den ver- 
schiedensten Berufen entgegen, als Domanialpächter und Steuerpächter, 
als Grundbesitzer und Privatpächter, als Tagelöhner, als Handeltreibende. 2 ) 
Über militärische Ansiedelungen von Juden vgl. Willrich, Arch. I 48 ff. 3 ) 

Schon aus dem Gesagten ergibt sich, daß die Regierung nicht nur 
auf religiösem Gebiet auch den Juden gegenüber die vollste Toleranz übte 
(vgl. Kap. H), sondern auch geneigt war, diesen stets loyalen Untertanen 4 ) 
manche Privilegien zu erteilen. Die dynastischen Streitigkeiten des 
H./I. Jahrhunderts haben dann wie den Ägyptern, so auch den Juden 
Gelegenheit gegeben, sich noch weitere Vorteile zu erringen. Bekannt 
ist, daß Kleopatra HI in dem Kampf gegen ihren Sohn Ptolemaios 
Soter H zwei jüdische Generale, XeXxCccg und jivuvCag, die Söhne jenes 
'Ovlaq, an der Spitze ihrer Truppen hatte. 5 ) Eine Inschrift des Berliner 
Museums enthält eine Ehrung eines Sohnes dieses Xslxtag. 6 ) Als freilich 
Soter H siegreich heimkehrte, hatten die Juden die Feindschaft der 
Alexandriner, die auf seiner Seite gestanden hatten, zu erleiden. Als dann 
der ptolemäische Thron wankte, haben die Juden sich ihre Stellung 
durch Anschluß an Gabinius, dann an Cäsar, endlich an Octavianus gewahrt. 

Schon früh haben die Juden sich bemüht, hellenische Kultur anzu- 
nehmen, soweit ihnen das bei ihrem Festhalten am jüdische Gesetz mög- 
lich war. Im Kern blieben sie echte Juden, ihr Hellenismus ist nicht 
tief gedrungen. Aber das Griechisch als herrschende Landessprache haben 
sie doch so gründlich übernommen, daß sich schon bald eine Übersetzung 
ihrer heiligen Schriften ins Griechische als notwendig herausstellte. So 
ist die Septuaginta hier nach und nach — wohl schon vom IH. Jahrh. 
an bis ins H. Jahrh. — entstanden. 7 ) Griechische Eigennamen, die z. T. 
Übersetzungen ihrer jüdischen Namen sind, lassen sich schon fürs IH. Jahr- 
hundert nachweisen 8 ), und werden dann immer häufiger. 

1) Vgl. H. Willrich, Juden und Griechen vor der makkab. Erhebung (1895), 
S. 126 ff. 

2) Vgl. die Belege bei Wilcken, Zum alex. Antisemitismus 1. c. 788 f. 

3) Schürer 1. c. scheint mir in der Annahme von militärischer Verwendung der 
Juden vielfach zu weit zu gehen. Der Zusatz xfjg i7ttyovf)g beweist sie nicht. 

4) Ihre Loyalität tritt auch in den Weihungen viteg ßaailicog entgegen, die von 
ihrem Standpunkt aus ein deutliches Entgegenkommen gegen die hellenische An- 
schauung bedeuten. 

5) Joseph. Ant. XIII § 285, der sich auf Strabo beruft. 

6) Willrich, Arch. I 48 ff. Strack, Arch. II 554 n. 36 mit Reinachs Ergänzungen. 
Eine XsXxlov yf\ in BGU IV 1129, 16. 

7) Ein Sprachgebrauch der griechischen Papyri hat uns gelehrt, daß die Sprüche 
des Jesus Sirach erst nach 116 v. Chr. übersetzt worden sind. Vgl. Wilcken, Arch. 
III 321 und dazu IV 205. 

8) Vgl. z. B. Eib. I 96. Petr. in 21 g etc. 



26 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Trotz dieser kulturellen Annäherungen hat doch auch hier wie überall 
in der Diaspora eine Abneigung zwischen Hellenen und Juden bestanden, 
die sich mehr und mehr zur Feindschaft auswuchs. Der Hauptgrund 
ist wohl die einzigartige Religion der Juden und ihre daraus resultierende 
Exklusivität und Verachtung der Andersgläubigen, wie sie sich nebst 
eifriger Propaganda namentlich seit der makkabäischen Bewegung ent- 
wickelt hat. 1 ) Außerdem mag es auch im wirtschaftlichen und sozialen 
Leben bei der großen Ausbreitung und der Betriebsamkeit der von der 
Regierung geförderten Juden zu Reibungen gekommen sein. Die Papyri 
berichten uns gelegentlich von Streitigkeiten zwischen Griechen und 
Juden — vgl. Grenf. I 43 (57), Magd. 35 (56), Hib. 96 — , doch kommen 
ganz ähnliche Dinge auch zwischen allen anderen Teilen der Bevölkerung 
vor. Es ist zu betonen, daß es zu einem praktischen Antisemitismus des 
Straßenkampfes in der Ptolemäerzeit noch nicht gekommen ist. 2 ) Die 
antisemitische Stimmung dieser Zeit können wir nur erschließen aus der 
Existenz einer antisemitischen Literatur und ihrer Beantwortung durch 
eine jüdische Apologetik. 3 ) 

Auf das religiöse und geistige Leben der Bevölkerung wird in Kap. II, 
HI und XH, auf seine wirtschaftlichen Betätigungen namentlich in Kap. VI 
und VII eingegangen werden. Hier soll nur noch auf einen allgemeinen 
Grundsatz der inneren Politik der Ptolemäer hingewiesen werden, der für 
das ganze Leben der Bevölkerung von größter Bedeutung ist und zugleich 
die Stellung der Regierung zu ihr aufs hellste beleuchtet, das ist das 
Prinzip der Idia.*) Der Grundsatz, daß der Untertan nur in der 
Gemeinde, der er angehört, nur in der idCa (origo), seine Untertanpflichten 
(im Steuerzahlen und sonstigen Leistungen) ausüben kann, während er 
überall anderswo nur ^svog ist 5 ) — ein Grundsatz, der an sich auch den 
freien Gemeinden Griechenlands nicht fremd war — , hat in diesem Lande 
des Absolutismus zu der Konsequenz geführt, daß der Untertan gehalten 
war, in der Regel seine idCa nicht zu verlassen (ccvaxaQslv, irii ^svrjg 
Eivai). Wir kannten schon aus Ps. Aristeas § 109 ff. (Wendl.) eine Ver- 
fügung des Philadelphos, wonach die Leute aus der %cÖQa in Alexandrien 



1) Zu den Motiven des Antisemitismus vgl. "Wilcken, Z. alexandr. Antisemitismus 
1. c. S. 784 ff. 

2) Daß jene Kämpfe nach der Rückkehr des Soter II rein politischer Natur 
waren, hat Wülrich, Hermes 39, 244 ff. gezeigt. 

3) Felix Stähelin, Der Antisemitismus des Altertums (Wiss. Beilage zum Progr. 
des Gymnasiums Winterthur 1905). Vgl. auch Bludau 1. c. 

4) Vgl. P. Meyer, Klio I 424 f.; Zulueta, de patrociniis vicorum 41; Rostowzew, 
Kolonat 74 f. Wie Steindorff mir mitteilt, begegnet die Vorstellung, daß der Landmann 
nicht ohne weiteres sein Dorf verlassen darf, schon in dem Bauer -Papyrus aus dem 
Mittleren Reich. 

5) Vgl. Tor. 8, 13: t&v TtaQsnidruLOvvxav Kai \xcc\xoiy.ovvt(ov i[v t]koti[?] 
]-£vwv. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. 27 

sich nicht länger als 20 Tage aufhalten durften (jcaQsxidrjfislv). Hierin 
tritt uns, wie die Anziehungskraft der Großstadt auf die Gaubewohner, 
so die Beschränkung der Bewegungsfreiheit der letzteren entgegen. In 
derselben Richtung liegt die Mitteilung der Rosettana (Ditt., Or. Gr. 90) 
19 f.: 7tqo6exa%ev de xal xovg xaxajcoQevofievovg ex xe xäv \k,ayC\x,(av xal 
xäv aXXav xäv aXXöxQta cpQovrjßdvzav ev xolg xaxä xyjv xaQa%v\v xatQolg 
xaxeX&ovxag fieveiv ixl xäv l8Ccov xxtfGeav. Hier werden die auf- 
rührerischen Ägypter von Epiphanes begnadigt unter der Bedingung, daß 
sie in ihre 18 Ca zurückkehren. Ebenso beziehen sich in Tor. 8, 27 die 
Worte elg *«£ 18 tag avxäv \iexoixi6ftii\vai wohl auf eine Maßregel, die im 
J. 40 des Euergetes II, nach Beendigung des Kampfes mit Kleopatra II, 
verfügt war. Vgl. ferner den Erlaß des Euergetes H in Teb. 5, 6 ff., in 
dem — gleichfalls nach Beendigung innerer Kämpfe — die avaxexcoQrj- 
xöveg amnestiert und aufgefordert werden, zurückzukehren in ihre Heimat. 
Endlich nennt sich in Amh. 50, 5 vom J. 106 v. Chr. ein Kontrahent in 
Krokodilopolis (Thebais) xäv e7tavt]x6(y)x(av ex xov nagayyeXfiaxog. 1 ) 
Auch hier muß es sich um einen allgemeinen Erlaß handeln, denn durch 
diesen Ausdruck werden „die auf Grund des Erlasses Zurückgekehrten" 
wie eine eigene Klasse der Bevölkerung charakterisiert. Es liegen also 
aus der Ptolemäerzeit mehrere Belege dafür vor, daß nach inneren Un- 
ruhen die Regierung für die Rückkehr der Aufrührer in ihre l8Ca sorgte. 
Jene Verfügung des Philadelphos zeigt aber, daß auch dauernd, auch in 
ruhigen Zeiten, die Regierung einen Druck darauf ausübte, daß die Gau- 
bewohner in ihrer 18 Ca, bei ihrer Arbeit seien. Eine Weiterbildung dieser 
Regierungsbestrebungen werden wir unten für die Kaiserzeit kennen lernen. 
Während dieses Prinzip von der 18 Ca sich auf die gesamte Bevölkerung 
bezieht, haben diejenigen Klassen, die in königlichen Betrieben arbeiteten, 
wie die ßaötXixol yecogyoC auf den königlichen Domänen und die vxoxe- 
Xelg in den Monopol Werkstätten, noch strengeren Beschränkungen der Frei- 
zügigkeit unterstanden, wie unten in Kap. VI und VII darzulegen ist. 
In diesen Einrichtungen tritt uns die Macht des Absolutismus kraß ent- 
gegen. Aber wenn so die Freien in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt 
wurden, so steht dem die andere wichtige Tatsache gegenüber, daß die 
Unfreien, die Sklaven, in diesem Lande gar keine Rolle gespielt haben. 
Weder in der Landwirtschaft noch in der Industrie, weder in den großen 
noch in den kleinen Betrieben sind sie von irgendwelcher Bedeutung 
gegenüber der freien Arbeit gewesen. 2 ) Die Sklaven, die in unseren Ur- 



1) Vgl. hierzu Wilcken, Arch. II 123 f. 

2) Vgl. meinen Nachweis in Griech. Ostr. I 681 ff. Die inzwischen hinzugekom- 
menen Materialien ändern nichts an diesem Ergebnis. Von besonderem Interesse sind 
unter diesen das Gesetz über die Sklavensteuer (Hib. 29) und das über die Sklaven- 
prozesse (Lille 29). 



28 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

künden begegnen, sind in der Regel Haussklaven, und unter ihnen nehmen 
die Sklavinnen als Konkubinen des Hausherrn die angesehenere Stellung 
ein. Das Land Ägypten mit seinen 7 Millionen war eben so reich an 
billigen, bedürfnislosen, freien Arbeitern, daß hier das Bedürfnis nach 
Sklavenarbeit nicht vorlag. So bestätigt Ägypten die allgemeine Regel, 
daß im Altertum intensivere Sklaven Wirtschaft nur dort aufgekommen ist, 
wo die einheimischen Arbeitskräfte nicht ausreichten. 1 ) 



ß. DIE KÖMISCHE PERIODE. 

C. E. V arg es, de statu Aegypti provinciae Romanae I. et II. p. Chr. n. saec, 
Gott. 1842. — Franz, CIGr. HI S. 308ff. - S. Sharpe, Gesch. Egyptens, deutsch 
von Jolowicz, mit Anmerk. von A. v. Gutschmid (2. Aufl.) 1862. — E. Kuhn, Die 
städt. und bürgerl. Verfassung des röm. Reiches II (1865) S. 80 ff. 454 ff. — J. Mar- 
quardt, Röm. Staatsverwaltung I (2. Aufl. 1881) S. 438ff. — Wilcken, übservationes 
ad historiam Aegypti prov. Rom., Diss. 1885. — Th. Mommsen, Röm. Geschichte 
V (1885) S. 553 ff. — E. Herzog, Geschichte und System der röm. Staatsverfassung 
II (1887) S. 648 ff. — A. Simaika, Essai sur la province romaine d'Egypte depuis 
la conquiüte jusqu'a Diocletien, Paris 1892. — J. G. Milne, A history of Egypt under 
Roman rule, London 1898. — 0. Hirschfeld, Die kaiserlichen Verwaltungsbeamten 
bis auf Diocletian, 1905. 

§ 1. DAS REGIMENT. 

Mit der Eroberung Alexandriens am 1. August 30 v. Chr. fiel das 
Lagidenreich dem siegreichen Oktavian zu. Ägypten ward nun aus einem 
zuletzt freilich nur noch nominell selbständigen Staate zu einer Provinz 2 ) 
des römischen Weltreiches, aber einer Provinz mit ganz eigenartiger 
Organisation. Da Oktavian das Land durch Eroberung gewonnen hatte, 
hat er es von vornherein, wiewohl er es nach seinen Worten dem im- 
perium des römischen Volkes hinzufügte (s. Anm. 2), ausschließlich in 
seine Verwaltung genommen als Nachfolger der Lagiden, und wenn auch 
bei den grundlegenden Auseinandersetzungen mit dem Senat im Jahre 27 
v. Chr. nach Dio 53, 5, 3 Ägypten mit zur Diskussion gestellt wurde, so 
war diese Formalität um so bedeutungsloser, als Ägypten nicht zu den 
Ländern gehörte, die ihm als Triumvir einst vom Volk überwiesen 



1) Vgl. Ed. Meyer, Die Sklaverei im Altertum 1898. 

2) Vgl. Mommsen RG V 554, 3 (anders vorher Staatsrecht H s 1004). Herzog H 650. 
P. Meyer, Festschr. f. 0. Hirchfeld S. 136. Für mich ist außer den dort angeführten 
Zeugnissen auch bestimmend, daß die Hauptsteuern des Landes an den Fiskus gingen, 
dieser aber mit 0. Hirschfeld als Eigentum des populus Romanus aufzufassen ist (s. 
Kap. IV). Der bekannte Ausspruch des Philo (in Flaccum § 19, H 540 Mang.) to /te- 
yiöxov avxov xwv %xr\\iäx(üv darf nicht zu wörtlich genommen werden, auch bei Tac. 
hist. 1, 11 ist nicht zu übersehen, daß es heißt: provinciam — domui retinere. 
Innerhalb der „Provinz" heben sich vielmehr die „Landgüter" des Kaisers deutlich 
ab (Kap. VQ). Vgl. auch Augustus, Mon. Ancyr. 5, 24: Aegyptum imperio populi 
Romani adieci. CLL VI 701, 702: Aegypto in potestatem populi Romani redacta. 



B. Die römische Periode. § 1. Das Regiment. 29 

waren. 1 ) Die durch die wirtschaftliche und strategische Bedeutung Ägyptens 
verursachte Gefährlichkeit des Landes, die den großen Cäsar abgehalten hatte, 
es zur Provinz zu machen 2 ), bewog den Oktavian, nicht nur wie in den 
anderen prokuratorischen Provinzen jegliche Mitwirkung des Senates aus- 
zuschließen, sondern hier — und nur hier allein — sogar den Senatoren 
zu verbieten, den ägyptischen Boden ohne besondere kaiserliche Erlaubnis 
zu betreten. 3 ) So wurde die Dyarchie für Ägypten völlig außer Kraft 
gesetzt. Das ägyptische Volk aber hat, unbeirrt durch staatsrechtliche 
Finessen, den Oktavian, nachdem es sich dem Sieger ergeben hatte, von 
vornherein als neuen Landesherrn, als Pharao anerkannt, dem dieselben 
göttlichen und weltlichen Ehren 4 ) wie allen Vorgängern zustanden (vgl. 
Kap. II). Oktavian hat diese Ehren und diese Anschauungen sich gern 
gefallen lassen, was ihn nicht hinderte, die Ägypter als dediticii schlecht 
genug zu behandeln (s. unten S. 56 f.). 

Die Grenzen der Provinz sind unter Augustus nach Süden hin vor- 
geschoben worden. Nachdem die Besitzungen, die die Ptolemäer südlich 
vom ersten Katarrakt gehabt hatten (s. oben S. 4) längst an die Äthiopen 
zurückgefallen waren, hat im ersten Jahre der neuen Herrschaft C. Cor- 
nelius Gallus, der erste Statthalter, der Freund des Oktavian und der 
Musen, von Philae aus (nach seinen Worten) den römischen Einfluß nach 
Süden hin geltend gemacht. Vgl. die Gallus -Inschrift. 5 ) Nach einigen 
Jahren ist dann nach siegreichen Kämpfen gegen die angreifende Kandake 
die Grenze bis nach Hiera Sykaminos (Makarraka) vorgeschoben worden. 6 ) 
Vgl. die Kandake -Inschrift (4). Dieses auch in offiziellen Akten 4ade- 
xdc6%OLvog genannte Grenzgebiet 7 ) ist zwar dem Strategen des Gaues 
von Elephantine mit unterstellt worden (vgl. Dittenberger, Or. Gr. I 210), 
spielt aber insofern eine besondere Rolle, als es nach älteren Dekreten, 
die von manchen Kaisern wiederholt wurden, als Eigentum der Isis von 
Philae betrachtet wurde. 8 ) Das Land wurde militärisch besetzt und durch 



1) Die Ordnung des Landes vom J. 30, die Dio 51, 17 erzählt, ist durch die 
Verhandlungen des Jahres 27 nicht geändert worden. 

2) Suet. Div. Iul. 35. Mommsen, RG III 6 491. 

3) Tac. annal. II 59; hist. 1, 11. Dio 51, 17. Vgl. Arrian, Anab. III 5, 7. 

4") Vgl. z. B. die Königstitulaturen in Lepsius, Königsbuch der alten Ägypter II 
Taf. 61 ff. 

5) Lyons und Borchardt, Eine trilingue Inschrift von Philae (Sitz.-Ber. Berl. 
Akad. XX, 1896, 499 ff.). Dittenberger, Or. Gr. II 654. CIL III 14147 6 . 

6) Vgl. Mommsen, RG V 593 ff. 

7) Gegen Sethes Ansicht, daß die Dodekaschoinos dauernd auf das Katarrakten- 
gebiet beschränkt gewesen sei (Unters, zur Gesch. Äg. II 3, 1901) vgl. Wilcken, Arch. 
U 175 ff. Vgl. auch Sethe, Äg. Z. 41, 58 ff. , Meine Ausführungen werden jetzt be- 
stätigt durch eine neue Inschrift aus Maharraka in Äg. Z. 1910 (ed. Schubart). 

8) Vgl. Wilcken, Hermes 23, 595 f. Die Zusammengehörigkeit von Philae und 
der Dodekaschoinos tritt auch in den Weihinschriften von oi &nb $i\wv xai dude- 
■Kcca%olvov entgegen. Vgl. hierzu jetzt F. Blumenthal, Arch. V Heft 3. 



30 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Standlager gesichert, wovon manche griechische und lateinische Inschriften 
und Ostraka — Papyri sind bisher hier noch nicht gefunden worden — 
Zeugnis ablegen. 1 ) Bis in die Mitte des III. Jahrh. reichen diese Doku- 
mente. Dann brechen auch hier die Barbaren über die Reichsgrenzen vor, 
die Blemyer, die bis in die Thebais hinein, bis Ptolemais, vorstürmten 
und von Probus nur mit Mühe und nur für kurze Zeit zurückgeworfen 
werden konnten. 2 ) Vorher hatten die Blemyer wie es scheint im Bunde 
gestanden mit den Palmyrenern, die von Norden her ihre Herrschaft 
über das Land ausdehnten. Auch der Usurpator Firmus (272/3) stand 
mit den Blemyern in Beziehung (vit. Firm. 9). Während von diesen 
Blemyern die Papyri dieser Zeit bisher keine Nachrichten bringen, sind 
manche Texte gefunden worden, die durch die Datierung nach der 
Herrschaft des Vaballath auf dieses palmyrenische Intermezzo hinweisen. 
Vgl. z. B. 5. So war durch diese Einfälle der Blemyer dem Verzicht 
Diokletians auf die Dodekaschoinos vorgearbeitet. 

Das Regiment des neuen Landesherrn war seinem Grundgedanken 
nach ebenso absolut wie das seiner Vorgänger, der Lagiden. So datierte 
man auch nach wie vor nach den Königsjahren des jeweiligen Herrschers, 
und zwar nicht etwa nur die ägyptischen Dokumente, sondern auch offi- 
zielle Regierungsakten, denn der Versuch, eine alexandrinische Eroberungs- 
ära einzuführen, scheiterte an der Macht der Gewohnheit. 3 ) In der Praxis 
aber trat der Absolutismus in mancher Hinsicht nicht so schroff wie 
vorher in die Erscheinung, zumal der neue König nicht selbst in Ägypten 
regierte und somit die königliche Residenz und Hofhaltung — auch die 
oben S. 7 besprochenen Hofrangklassen — verschwanden. Auch in der 
Bodenfrage war das ursprüngliche ptolemäische Prinzip, daß der König 
allein Eigentümer des ganzen Bodens sei, nicht mehr in Geltung. War 
es schon in der späteren Ptolemäerzeit durchbrochen worden, daß das 
Land entweder ßccdiXuerj oder hv acpiGsi sei, so haben die Kaiser die 
weitere Entwicklung des Privatgrundbesitzes direkt befördert (s. Kap. VII). 
Die oben betonte Tatsache, daß trotz des faktisch königlichen Regimentes 
Ägypten ein Teil des imperium populi Romani war, tritt uns äußerlich, 
aber doch vielsagend darin entgegen, daß das Wort drjfiööiog (= staat- 
lich, publicus), das die Lagiden für die Bezeichnung öffentlicher Einrich- 
tungen perhorresziert hatten (s. oben S. 3), sogleich mit dem Beginn 



1) Vgl. Wilcken, Griech. Ostr. II n. 1128—1146 und dazu I 705 ff. Mommsen, 
RG V 594 f. 

2) Vit. Probi 17. Zosim. 1, 71, 1. Vgl. zu den Blemyern: E. Revillout, Memoire 
sur les Blemys, 1874. K. Sethe, Pauly-Wissowa HI 566 ff. M. Geizer, Stud. z. byz. 
Verwaltung Äg. 11 ff. Plaumann, Ptolemais in Oberägypten 67. Vgl. auch Krall, 
Wien. Denk. Ak. 46 (1898), der dies Vordringen der Blemyer mit dem Zurücktreten 
des Reiches von Meroe und dem Erstarken des Reiches von Axum zusammenhingt. 

3) Wilcken, Hermes 30, 151 ff. 



B. Die römische Periode. § 1. Das Regiment. 31 

der Rö-Jierherrschaft sich vordrängt. Man darf daraus doch wohl ent- 
nehmen, daß durch die Zugehörigkeit zum Reiche der Begriff des Staates 
nunmehr auch in diesem Lande, dem er von jeher fremd gewesen war, 
Wurzeln schlug. So wird rö ßccöifoxöv (Königskasse) jetzt verdrängt 
durch tö drjfiööLOv (Fiskus), die ßa6i faxoi XQanet,Zxui, die gelegentlich 
noch vorkommen (vgl. Kap. IV), durch die drjfioöiot, xqcctis&xccl. 1 ) Die 
ßccGiAixi} yr\ bezeichnet im prägnanten Sinne nur noch einen gewissen 
Teil des öffentlichen Landes, während ihr der ganz neu geprägte Ter- 
minus drjiioöicc yx\ für einen anderen Teil gegenübertritt (s. Kap. VII). 
Andererseits hat sich die ägyptische Anschauung, in dem Herrscher den 
ßccöiXevg zu sehen, niemals verdrängen lassen und kommt gelegentlich 
auch in griechischen Texten zum Ausdruck. Je mehr sich der augustische 
Prinzipat in eine Militärmonarchie verwandelte, desto allgemeiner tritt 
dann auch diese ägyptische Anschauung wieder hervor. In Diokletians 
Ordnung liegt diese Entwicklung vollendet vor uns. 

Das Ziel der cäsarischen Regierung Ägyptens war dasselbe wie das 
der lagidischen 2 ), nämlich möglichst große Schätze aus dem Lande heraus- 
zu wirtschaften, um außerhalb Ägyptens liegende Bedürfnisse zu decken. 
Seit der Fremdherrschaft hat das arme ägyptische Volk immer nur für 
andere Leute gearbeitet. Die Überschüsse aus der ägyptischen Verwaltung 
waren eine Hauptquelle für die Befriedigung der zahlreichen Aufgaben, die 
Augustus auf den fiscus übernommen hatte, und die er ohne den Besitz 
Ägyptens überhaupt nicht hätte übernehmen können. Bei der Neuord- 
nung der Reichsfinanzen hat Ägypten daher eine sehr große Rolle gespielt. 
Im besonderen hat nur das ägyptische Korn es ihm ermöglicht, die stadt- 
römische cura annonae zu übernehmen (vgl. Kap. IX). 

Zur Regierung des Landes bestellte Oktavian einen Statthalter 3 ) mit 
dem Titel praefectus Alexandreae et Aegypti 4 ) oder (meist) praefectus 
Aegypti = sitttQ%og Alyvnxov. Titular ist nur ejtccg%og, appellativ nennt 
man ihn meist ^ys^av. Der Präfekt, der dem Ritter stände entnommen 
wurde und, wie auch der Titel bezeugt, nichts anderes als der Stellvertreter 
des Kaisers war, wurde daher — wie alle entsprechenden Beamten auch 
außerhalb Ägyptens — vom Kaiser ernannt und abgesetzt, natürlich ohne 
daß der Kaiser an irgendwelche Normen der Amtsdauer gehalten war. 
Vor Eintreffen des Nachfolgers durfte der Präfekt die Provinz nicht ver- 
lassen (Ulpian, Dig. 1, 17, 1). Im Falle plötzlich eintretender Vakanz 
(z. B. durch Todesfall) wurde ein Vizepräfekt (dLctde%6[i£vog xrp fjysfio- 
vCav) vom Kaiser ernannt, meist aus der Zahl der anderen hohen Reichs- 



1) Der einheitliche Titel ßcceiXixbg YQcc^arsvg bleibt natürlich unverändert 
bestehen. 

2) Siehe oben S. 4. 3) Vgl. 0. Hirschfeld KV 345 ff. 
4) So in der Gallus-Inschrift. 



32 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

beamten Ägyptens. 1 ) Die Präfektur war anfangs das höchste Amt der 
Ritterkarriere und ist auch später nicht unter die zweite Stelle gesunken. 2 ) 
Wiewohl diesem „Vizekönig" vom Volk gelegentlich königliche Ehren 
erwiesen wurden 3 ), so war er doch nur loco regum (Tac. hist. 1, 11), und 
es wurde streng daran festgehalten, daß die höchsten königlichen Ehren 
dem Kaiser reserviert wurden. 4 ) Anfangs ohne Rangtitel auftretend, 
werden die Statthalter seit Nero als y.qütiqxoi (= viri egregii) bezeichnet, 
seit der Mitte des IL Jahrh. als ka^ngoxarot (= viri clarissimi), wiewohl 
diese Bezeichnung den hier ausgeschlossenen Senatoren zukam; allmählich 
verdrängt dann der XayLnQÖtatog den XQcctiGtog und wird im III. Jahrh. 
der herrschende Titel, während daneben am Ende des IL Jahrh. ver- 
einzelt 6 diaörj^öratog (= vir perfectissimus) begegnet. 5 ) Über die Per- 
sönlichkeiten der Präfekten haben die Papyri neben den Inschriften reiche 
Aufschlüsse gebracht. Die beste Zusammenstellung der bisher bekannt 
gewordenen Statthalter bietet L. Canterelli. 6 ) 

Der Präfekt, dem unter Augustus durch Volksbeschluß ein imperium 
ad similitudinem proconsulis übertragen war 7 ), war nach dem alten römi- 
schen Grundsatz sowohl in der militärischen wie in der zivilen Verwal- 
tung die Spitze. Beschränkt war sein Imperium dadurch, daß er gewisse 
letzte Entscheidungen dem Kaiser vorzubehalten hatte. 8 ) Der Ausschluß 
der Senatoren ergab die Konsequenz, daß hier ein Ritter das Provinzial- 
heer kommandierte (vgl. Kap. XI). Als Zivilbeamten unterstand ihm so- 
wohl die Verwaltung wie die Jurisdiktion. 

Eine wichtige Änderung führte Augustus ein, indem er zur Erleich- 
terung und besseren Durchführung der ungeheuer großen Aufgaben der 
Verwaltung und Jurisdiktion auch hier die Konventsordnung nach dem 
Muster der anderen Provinzen schuf. In jedem Jahre sollte der Präfekt 
Konvent abhalten, nicht nur zur Erledigung der vor den Konvent ge- 
brachten Prozesse 9 ), sondern auch, wie schon die griechische Bezeichnung 



1) Vgl. A. Stein, Arch. IT 148 ff. und P. Meyer, Klio VU 122 ff, 144. 

2) Hirschfeld 1. c. 347. 3) Vgl. BGU H 362 VII 17 ff. 

4) Vgl. die Katastrophe des Cornelius Gallus und dazu Wilcken, Äg. Z. 35, 1 ff. 
(Zur trilinguen Inschrift von Phüae). Immerhin wurde auch auf die Präfekten er- 
streckt, daß die Könige während der Nilschwelle nicht auf dem Nil fahren durften 
(Plin. h. n. 5 § 57, vgl. Arch. IV 417). Vgl. auch Seneca, nat. quaest. IV 2 § 7 und 
dazu Arch. IE 326. 

5) Oxy. 237 VI 34. Vgl. Preisigke, Stadt. Beamte S. 29. P. Meyer bei 0. Hirsch- 
feld, Die Rangtitel der röm. Kaiserzeit (Sitz. Berl. Akad. 1901) S. 584 Anm. 3. Jetzt 
auch A. Stein im Arch. V Heft 3. 

6) La serie dei prefetti di Egitto (R. Accad. d. Lincei 1906). I. da Ottaviano 
Augusto a Diocleziano. Eine Fortsetzung ist in Vorbereitung. 

7) Ulpian, Dig. 1, 17, 1. 

8) Vgl. Edikt des Ti. Jul. Alexander Z. 64. 

9) Über diese an sich und auch in den Urkunden am meisten hervortretende 
juristische Bedeutung des Konvents vgl. Band H, Kap. H. 



B. Die römische Periode. § 1. Das Regiment. 33 

ÖLaXoyidfiös bestätigt, zur „Abrechnung" mit den Verwaltungsbehörden, 
also zur Kontrolle der Administration 1 ), und zwar war der Präfekt der 
einzige Beamte im Lande, der zum conventum agere, diakoyCfeö&cu, d. h. 
zur Leitung der Konventsgeschäfte qualifiziert war. 2 ) War der Kaiser ein- 
mal im Lande, so konnte er natürlich auch selbst statt seines Stellver- 
treters den Konvent leiten. 3 ) Um die jährliche Durchführung des Kon- 
vents zu erleichtern, hat Augustus die Konventsstädte so ausgesucht, daß 
keine weiten Reisen von dem gewöhnlichen Amtssitz Alexandrien aus nötig 
waren: es waren in der Regel Alexandrien, Pelusium und Memphis (ge- 
legentlich Arsinoe statt Memphis) 4 ), die zugleich als die Hauptfestungen 
des Delta — sie bilden ein Festungsdreieck — sich hierzu besonders 
empfahlen. 5 ) Dem entsprechend teilte Augustus die Provinz in drei Kon- 
ventssprengel in der Weise, daß Alexandrien Konventsstadt für die west- 
lichen Deltagaue, Pelusium für die östlichen und Memphis für das ganze 
übrige Land war. 6 ) Über die Beziehungen dieser Konventssprengel zu 
der sonstigen administrativen Gliederung des Landes vgl. unten S 35. 
Falls meine im Arch. IV 415 ff. aufgestellten Berechnungen sich bestätigen, 
waren die normalen Konventszeiten so geordnet, daß der Präfekt etwa im 
Januar nach Pelusium fuhr, im Februar/März oder auch noch April in 
Memphis war und dann nach Alexandrien zurückkehrte, wo im Juni/Juli 
(Epiph) — also während des Steigens des Nils, wo er den Nil nicht be- 
fahren durfte 7 ) — der alexandrinische Konvent abgehalten wurde. Falls 
der Präfekt noch besondere Inspektionsreisen durch das Land, bis zur 
Thebais hin zu machen wünschte, was meist wohl bald nach Über- 
nahme des Amtes oder auch sonst geschah, scheint er diese Reisen vom 
memphitischen Konvent aus, also im Frühling, angetreten zu haben. 8 ) 
Über die feierlichen Empfänge, die bei solchen inidruilcu des Präfekten 
in den Städten vorbereitet wurden, berichtet z.B. Lond. III S. 112 ff., 
auch BGU II 362, VII. 

Aus dem Zeremoniell, mit dem der Vizekönig sich umgab, ist uns 
durch die Papyri im besonderen die Sitte des Empfanges der Morgen- 
visite (<xöJta6[i6g) bekannt geworden. Vgl. BGU I 347, 3 (in Kap. II); 
Oxy. III 471, 67 ff. 

Über die Formen seiner Edikte und seiner sonstigen Verfügungen 
und Entscheidungen vgl. Band IL 



1) Vgl. Wilckcn, Arch. IV 369. 2) Vgl. Wilcken, Arch. IV 406 ff. 

3) Vgl. z.B. Oxy. IV 705, II 37 ff., wo Septimius Severus und Caracalla im 
J. 202 Konvent abhalten. 

4) Vgl. Wilcken, Arch. IV 374 ff. 5) Vgl. Arch. IV 400 ff. 
6) Vgl. Oxy. IV 709. 7) S. oben S. 32 Anm. 4. 

8) Vgl. Arch. IV 418 ff. Zu der Liste auf S. 419 füge ich als ältestes Beispiel 
hinzu CIL III 14147 \ wonach der Präfekt im J. 39 am 28. April in Syene war. 



34 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Während es für die Ptolemäerzeit immer noch eine offene Frage 
ist, ob außer dem König auch die Beamten Tagebücher geführt haben, 
steht es für die Kaiserzeit fest, daß vom Präfekten an alle Beamten 
solche v7to(ivri[iati<}[iol genannten Amtsjournale zu führen gehalten waren. 1 ) 
Den besten Einblick in die Anlage dieser Tagebücher gewährt uns der 
im Original erhaltene vjto(ivrj^iati6^6g eines oberägyptischen Strategen 
in Par. 69 (41). Er zeigt zugleich, daß diese Aufzeichnungen, ehe sie 
in die Akten eingereiht wurden, öffentlich ausgehängt wurden, wie sie 
auch später zugänglich waren. Vgl. den Kommentar. Daraus erklärt sich, 
daß bei den Prozessen so häufig Abschriften aus solchen v3to[ivrj{iccTL6[ioL 
vorgelegt wurden. 

Zur Bewältigung der ungeheuren Arbeitslast 2 ) waren dem Präfekten 
eine Reihe anderer Reichsbeamter unterstellt, die gleichfalls dem Ritter- 
stande entnommen wurden, so der Juridicus (dixcaodötrjg) für die 
Rechtsprechung (vgl. Band II) und der Idiologus, neben dem später 
der dioixrjtrjg und der iTtCtQOTCog täv ovöiccxav und der xccfroXixög hinzu- 
treten, für die Finanzgeschäfte (vgl. Kap. IV). 3 ) Alle diese Beamten haben 
ihren Amtssitz in Alexandrien, das nach wie vor das Zentrum der ge- 
samten Verwaltung war. 

§ 2. DIE LANDESVERWALTUNG. 

Die staatsrechtliche Anschauung, daß Alexandrien (als noXig) außer- 
halb Ägyptens (als X&qo) liegt, tritt mit unübertrefflicher Deutlichkeit 
namentlich in römischen Texten entgegen, in denen die Stadt bezeichnet 
wird als Alexandria ad Aegyptum. So z. B. in der 4. Holztafel von Kairo 
(in Kap. V). So auch in Oxy. I 35, 9 : iv y Ale%\ctvdQEia rf) itgbg Alyvnxcp) 
einem Text, der Übersetzung aus dem Lateinischen ist (vgl. Arch. IV 253). 
Im Gegensatz dazu heißt es in der 3. Holztafel von Kairo: actum Aeg(ypto) 
nomo Arsinoite metropoli (s. unten S. 39). Vgl. auch praef. Alexandreae 
et Aegypti in der Gallus - Inschrift. Darum habe ich den r\y£^ic3v 
ä[i<poTe()(ov in Oxy. 39, 6 als Präfekt von Alexandrien und Ägypten ge- 
deutet (Griech. Ostr. I 426), was die Zustimmung von Canterelli gefunden 
hat (Studi Storici I, 1908, 284 ff.) Dieselbe Vorstellung liegt auch in 
Oxy. IV 727, 11 vor, wo Römer in Alexandrien erklären, nicht nach 
Ägypten fahren zu können (Wilcken, Arch. IV 392). 



1) Vgl. Wücken, 'Tjrofirrjfitmefjoi (Philolog. 53, 80 ff). 

2) Vgl. Philo in Flaccum § 16 charakterisiert die Präfekten als ov $i%ä£ovxag 
{i6vov , ccXXu v.a\ loyi6\LOvg räv Ttgoßädcav Kai daaumv Xafißävovzag, av ^ i^ira6ig tbv 
nXsiova xov ivtavtov %q6vov avqXißKSv. Vgl. Hirschfeld, KV 349. 

3) Über den procurator Neaspoleos et mausolei Alexandriae, der außer den 
hiermit angedeuteten städtischen Funktionen auch für das ganze Land eine all- 
gemeine Bedeutung für die Getreideverwaltung gehabt hat, s. unten Kap. IX. Im 
übrigen vgl. zu den Beamten 0. Hirschfeld, KV 350 ff. 



B. Die römische Periode. § 2. Die Landesverwaltung. 35 

Während die Ptolemäerzeit nur eine Teilung dieser %aQa in Ober- 
nnd Unterägypten kennt (s. oben S. 8), begegnet in der Kaiserzeit eine 
Dreiteilung, indem von dem früheren Unterägypten die sieben südlichsten 
Gaue mitsamt dem Arsinoites als eigener Landesteil den Gauen des Delta 
gegenübergestellt wurden. Strittig ist die Frage, wann diese Neuerung 
geschaffen ist. Ich hatte früher aus dem Edikt des Ti. Iul. Alexander 
Z. 47 (nach dem Franzschen Text) gefolgert, daß damals (a. 68) diese Drei- 
teilung noch nicht bestanden habe 1 ); Grenfell-Hunt schlössen dann aus 
Oxy. IV 709, den sie um 50 n. Chr. ansetzten 2 ), daß die Dreiteilung schon 
damals durchgeführt gewesen sei. Vgl. auch Teb. II 302, 25, wodurch die 
Abtrennung der 7 Gaue mindestens für 71/2 bezeugt ist. Kürzlich hat 
nun V. Martin 3 ) mit Benutzung der auf v. Bissing zurückgehenden neuen 
Dittenbergerschen Ausgabe des Edikts des Alexander gezeigt, daß in Z. 47 
die 7 Gaue genannt gewesen sein können 4 ) und hieran anknüpfend die 
Hypothese aufgestellt, daß schon Augustus die Dreiteilung eingeführt habe. 
Wenn die Frage zu völliger Evidenz auch erst durch neues Material ge- 
bracht werden kann, ist doch schon jetzt diese Möglichkeit zuzugeben, 
ja es läßt sich manches für die Wahrscheinlichkeit anführen. 5 ) Für die 
Motivierung der Neuerung möchte ich auf die oben S. 33 behandelten 
drei Konventssprengel hinweisen, die freilich mit diesen drei Verwaltungs- 
bezirken nicht übereinstimmen, aber doch schon eine Lostrennung der 
südlichen Gaue des früheren Unterägyptens mindestens bis Memphis hin 
zur Folge hatten. Wenn wirklich schon Augustus, wie ich vermutete, die 
Konventssprengel so festsetzte, wie sie in Oxy. IV 709 auftreten, so konnte 
es nahe liegen, diese 7 Gaue, die mit der Thebais zugleich Memphis als 
Konventsstadt zugewiesen waren, auch als selbständigen Verwaltungsbezirk 
einzurichten, und so könnte die Konventsordnung der Anlaß zu dieser 
Einrichtung gewesen sein. An sich wäre es auch möglich, daß die Orga- 
nisation dieser 7 Gaue vorangegangen wäre, aber für die andere Auffassung 
spricht vielleicht, daß die Wahl der drei Städte sich unabhängig hiervon 
durch praktische Gründe erklären ließ (Arch. IV 400 f.), die Wahl von 
Memphis aber dann die Loslösung jener 7 Gaue zur Folge hatte. Schreibt 



1) Vgl. Ostrakal 425: ovx inl xr\v SrißcctSu (iöv[ov ov]Sh inl xovg noqqa vopovg 
xfjg xdxco %ä>Qctg xxX. 

2) Mir schien die Schrift auch mit einem Ansatz nach 68 vereinbar zu sein, 
vgl. Arch. DZ 312. 

3) In der zu erwartenden Schrift L'Epistratege etc. S. oben S. 10 Anm. 2. 

4) Die Größe der Lücke erlaubt zu ergänzen: ovx inl xr\v ®r\ßcuda fiovrj[v ovd' 
inl xovg f vopovg ov]8s inl xovg tioqqco vopovg xfjg tidxa %ä>Qag (Martin). Für die 
Ergänzung spricht, daß $ %äxw %coQa nach Strabo XVII p. 788 speziell das Delta be- 
zeichnet, auch p. 802 Sais als (ir}xo6noXig xfjg %dxa> %wQccg von ihm genannt wird 
(Martin). Weniger entscheidend ist an sich Oxy. IV 709, 8 (82). 

5) Vgl. Martin 1. c. 



36 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

man die Dreiteilung des Landes Augustus zu, so hindert m. E. auch nichts 
mehr, in Teb. II 302, 26 das 41. Jahr, das doch nur das des Augustus 
sein kann (a. 11/2) mit dem yevöfiEvog äTCiöxQccxrjyog xcov f Exxä vo^iäv xat 
[IdQötvöitov in Z. 25 zu verbinden. 

Eine Veränderung ist erst eingetreten, als Hadrian den Antinoites 
schuf (s. unten S. 49) und ihn den 7 Gauen zuzählte, ohne doch den Titel 
'Exxä vofiol xccl 'Aqöivöivyis zu verändern. Martin vermutet, daß damals 
der Letopolites, der vorher zur Heptanomia gehört habe, zur Karo %<oqcc 
(= Delta) geschlagen sei, um eine Veränderung des einmal eingebürgerten 
Namens unnötig zu machen. Dieser Punkt bedarf wohl noch weiterer 
Aufklärung. 

Innerhalb der neuen drei Landesteile ©rjßaCg, 'Erna vo^iol 1 ) xcci 'Aq- 
öLvottrjg und r\ Kdxco %c)Qa oder xb zJsXxcc 2 ) blieb die alte Gaueinteilung 
bestehen, nur daß auch jetzt wie früher gelegentliche Veränderungen 
(durch Zusammenlegung von Gauen o. ä.) vorgenommen wurden. 3 ) Auch 
jetzt zerfielen, wie es oben S. 9 für die Ptolemäerzeit dargelegt wurde, 
die voyuoC in xo7taQ%lai, und der Gau umfaßte das Gebiet der [irjxQÖitoXLg 
und der jcö/iat. 

In der Verwaltung des Landes sind in der Kaiserzeit mehrere 
wichtige Veränderungen durchgeführt worden. Während die Ptolemäerzeit 
nur in der Thebais einen Epistrategen, und zwar als vorwiegend militä- 
rischen Beamten gekannt hatte (s. oben S. 10), hat Augustus jedem 
Landesteil — sagen wir also mit Martin, jedem der drei Landesteile — 
einen Epistrategen vorgesetzt 4 ) und zwar als reinen Zivilbeamten. Die 
Epistrategen der Kaiserzeit stehen mit dem Militär in keinem Konnex. 5 ) 
Der älteste uns bekannte Epistratege der Römerzeit (17/6 v. Chr.) trägt 
einen griechischen Namen, IJxoXefiatog 'HgaxXsCdov. Möglicherweise ist 
er noch aus der ptolemäischen Verwaltung übernommen. 6 ) Alle späteren 
Epistrategen — auch schon der vom J. 4 v. Chr. 7 ) — sind Römer und zwar 
römische Ritter, denn Augustus hat das Amt umgewandelt in eine Pro- 
kuratur. 8 ) In den griechischen Texten tritt dies gelegentlich darin ent- 



1) Die Bezeichnung 'ExTccvofiia kommt nach Martins Beobachtung erst seit dem 
in. Jahrh. vor. 

2) Der letztere Ausdruck z. B. in der Ehreninschrift Dittenberger, Or. Gr. n 709, 6. 
8) Vgl. z. B. Kuhn II 487 f. Wilcken, Arch. IV 164 f. Kornemann, Klio VII 282 f. 

So nennt jetzt BGU IV 1130, 8 'Ti/wjAij eine %ä>\ii\ des Avxo7toXCrrig zur Zeit des 
Augustus, während Claud. Ptol. 4, 5 § 64 es als Metropole des 'TiprjUtr}g bezeichnet. 

4) Vgl. Strabo XVII p. 798: tiara. 8h xr\v %ooqccv ini6t^axr\yovg xivag — icnoSsi- 
^ccvxsg. Mit Recht bemerkt Martin, daß xivag besser zu 3 als zu 2 Epistrategen paßt. 

5) Daß BGU 37211 (19) nicht auf militärische, sondern auf polizeiliche Befug- 
nisse geht, führe ich im Kommentar aus. 

6) Letronne, Rec. d. Inscr. II S. 141. 7) Inscr. Graec. ad r. Rom. pert. I 1109. 
8) Vgl. Wilcken, Griech. Ostr. I 427, 499. Mommsen wollte dagegen die Pro- 

kuratur von der Epistrategie trennen. 



B. Die römische Periode. § 2. Die Landesverwaltung. 37 

gegen, daß der Epistratege, wenn auch nicht im Titel, als knixQonog be- 
zeichnet wird. 1 ) Lateinisch heißt er titular procurator ad epistrategiam 
oder epistrategiae. Als römischer Ritter heißt er (seit dem II. Jahrh.) 
xQccxuSxog (= vir egregius). Für die Thebais und die Heptanomia sind 
uns zahlreiche Epistrategen bekannt. 2 ) In die Kccxco %coQa gehört wahr- 
scheinlich der in BGTJ IV 1138,4 genannte, aus der Zeit des Augustus. 3 ) 
Der Epistratege tritt uns teils als Delegatar des Präfekten im Gerichts- 
wesen mehrfach entgegen (vgl. Band II), teils als Verwaltungsbeamter. Im 
besonderen hat er in den zwei ersten Jahrhunderten gewisse liturgische 
Beamte zu erlosen und einzusetzen (vgl. Kap. VIII). Wieweit er an der 
Finanzverwaltung beteiligt war, ist nach dem jetzigen Material noch nicht 
ganz klar. Wie Martin erkannt hat, sind die vjioxrfpavcc xfj £jil6xqcc- 
xrjyCy*) nicht ihm zur Kontrolle unterstellte Steuern, sondern die Erträg- 
nisse gewisser Steuern, die dem Epistrategen als Emolumente überwiesen 
waren, wie andere Steuerträge dem ßaöihxbg yQccfi^iaxsvg und dem 
xcofioyQccupccxevg zugewiesen waren. 5 ) Die Epistrategen werden regel- 
mäßig auf dem Konvent erschienen sein, um Rechnung zu legen über die 
Verwaltung ihrer Epistrategie, abgesehen von ihrer Verwendung in der 
Jurisdiktion. Außerdem unternahmen sie oft Amtsreisen durch ihren 
Bezirk. 

Von diesem römischen Ritter ist durch eine weite Kluft getrennt 6 ) 
der öXQaxrjyög des einzelnen Gaues, wenn er auch unter den Lokalbeamten 
der vornehmste ist. Wie dem Epistrategen, so sind auch dem Strategen 
von Augustus alle militärischen Funktionen genommen — falls er am 
Ausgang der Ptolemäerzeit solche noch gehabt hatte. Sie sind jetzt 
reine Zivilbeamte. Während die Epistrategen als Prokuratoren gewiß 
vom Kaiser ernannt wurden, hat die Strategen der Präfekt ernannt. 7 ) 
Ob die Strategie eine Liturgie gewesen ist oder nicht, ist eine Frage, die 
zurzeit mit Sicherheit kaum zu lösen ist. 8 ) Die meisten der uns be- 



1) Vgl. BGU 168, 4, wo ein Epistratege als inixQÖnatv (i[^yi}ats angeredet wird. 
Zu diesem schon Ostraka I 427 angeführten Beleg kam inzwischen hinzu Lips. 32, 10 
und Oxy. VI 899, 25, verglichen mit BGU II 648, 14. Vgl. jetzt Martin. 

2) Vgl. die Zusammenstellungen bei Martin. 

3) Zu Lucceius Ofellianus in CIG 4701 und BGU IV 1046, III 8 vgl. Arch. 1TI 508. 
Sollte der Widerspruch sich dadurch lösen, daß der Letopolites, der bei Ptol. zum 
Delta gehört, nachher zur Heptanomia geschlagen war, wie Martin (s. oben) es für die 
Zeit bis auf Hadrian vermutet? Im IV. Jahrh. gehörte jedenfalls der Letopolites zu 
Arcadia, der Nachfolgerin der Heptanomia (s. unten S. 73). 

4) Fay. 42a 11. Wessely, Karanis S. 73. Lond. II S. 71. BGU 199,14; 337,10. 

5) Für jenen vgl. Par. 17, 22, für diesen BGU 199, 7; 337; 652,15; 902. Lond. 
II S. 71. Wessely, Karanis S. 73. 

6) Richtig betont von Gradenwitz, Arch. II 577. 

7) Edikt des Jul. Alexander Z. 35. 

8) Aus der in der vorigen Anmerkung zitierten Stelle des Edikts folgt es jeden- 
falls nicht notwendig. Vgl. Wilcken, Hermes 27, 287 ff. 



38 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

kannten Strategen der Kaiserzeit führen griechische oder ägyptische Namen, 
werden also Griechen oder Gräco -Ägypter gewesen sein (nicht Ägypter); 
einzelne begegnen aber auch mit römischen Gentilnamen. l ) Der Stratege 
stand an der Spitze der gesamten Gauverwaltung. Vgl. das Tagebuch 
der Strategen P. Par. 69 (41). Besonders deutlich tritt uns seine Tätig- 
keit in der Finanz- und speziell der Steuerverwaltung entgegen. Er 
scheint auf diesem Gebiet jetzt noch weitergehende Kompetenzen als 
vorher in der Ptolemäerzeit gehabt zu haben. Er haftete dem Fiskus 
mit seinem Vermögen 2 ) und hatte einen Bürgen zu stellen. Vgl. den 
Amtseid Oxy. I 82. Bemerkenswert ist, daß der Stratege in vielen 
Fällen, namentlich in Fragen der Finanzen, direkt mit dem Präfekten 
verkehrte, nicht etwa durch Vermittelung des Epistrategen. Letzteres 
wird nur auf den Gebieten geschehen sein, die speziell den Epistrategen 
unterstellt waren. Wir haben eine Reihe von Schriftstücken, in denen 
sich der Präfekt direkt an die Strategen wendet und umgekehrt. 

Unter den Strategen standen die Nomarchen (vgl. oben S. 10), die 
namentlich an der Steuererhebung beteiligt waren. Vgl. Kap. V. 

Die rechte Hand des Strategen war auch jetzt wie in der Ptolemäer- 
zeit der ßaöifoxbg yQafifiatsvg, der unter Umständen den Strategen als 
sein diade%6iiEvos zu vertreten hatte. In solchen Fällen — wie gewiß 
auch in entsprechenden anderen Vertretungen — kam es vor, daß jemand 
als diads%6[ievog xccl tä xcctä tijv 6%Qavr\yiav an sich selbst als ßccöilixbg 
yQcc[i[iccTEvs amtliche Briefe zu schreiben hatte. Solche liegen uns vor in 
den Straßburger Akten aus dem Gau Nesyt, die ich im Arch. IV 122 ff. 
herausgegeben habe (vgl. 52). Über die Betätigung der ßccöiXixol ygafju- 
(icctetg in der Finanz Verwaltung vgl. unten Kap. V. Auch für sie waren 
die Einkünfte gewisser Steuern als vjtoxsCfisva reserviert. 3 ) 

Ein staatlicher Beamter ist auch der yQcc(i[iaT£vg tirjTQOJtöXecDg , der 
zwischen dem 6xqaxr\y6g und den städtischen Beamten steht.*) Ihm ent- 
spricht in den Dörfern der gleichfalls staatliche xafioyQa^fiatsvg. 

Mit den Metropolen der Gaue sind wichtige Veränderungen in der 
Kaiserzeit vorgegangen. Wir müssen scheiden zwischen der Zeit vor 202 
und nach 202 n. Chr. In der ersten Periode sind die Metropolen wie in 
der Ptolemäerzeit ohne Autonomie geblieben, staatsrechtlich betrachtet 
Dörfer, deren Besonderheit darin lag, daß sie das Zentrum der Gau- 
verwaltung (fi-rjtQÖTtolig) darstellten. Hier war der normale Amtssitz des 



1) Vgl. Wilcken, Hermes 27, 292. Die Untersuchung müßte jetzt von neuem 
geführt werden. Entscheidend sind nur die Gentilnamen. Kömische Cognomina be- 
weisen nichts. 

2) Vgl. Edikt des Jul. Alexander § 3, wo der argccrriyog zu den nQogoa{psiXr\y.6rsg 
rä Srifioala Xoyco gehört. 

S) B. oben' S. 37 Anm. 5. 4) Vgl. Preisigke, Stadt. Beamte S. 10. 



B. Die römische Periode. § 2. Die Landesverwaltung. 39 

GtQcctrjyos und des ßaötXtxbg yQcc[i[icct£vg, hier war die drjfioöCa ßißkio- 
S-rjxrj 1 ) und die ßLßfoo&far] iyxttfösav (Band II Kap. 4) , hier die Haupt- 
regierungskasse des Gaues (Kap. IV) usw. So fehlte es in Ägypten an 
den autonomen Gemeinden, zu deren Repräsentation in anderen Provinzen 
ein Provinziallandtag geschaffen war. 2 ) 

Die staatsrechtliche Auffassung, daß die xcoqcc aus Gauen besteht 
und die Städte wie Arsinoe, Hermopolis usw. nichts anderes als die 
{irjTQoxoXsig dieser Gaue sind, finde ich besonders klar in den lateinischen 
Urkunden ausgedrückt. So heißt es auf der 2. Holztafel, die de Ricci in 
der Nouv. Rev. Histor. XXX 480 herausgab: Actum Aeg(ypto) nomo 
Arsinoite metropoli. Damit findet endlich auch BGU 326 II 10 '^qöivo- 
slxri [irjiQoxoXsL seine Erklärung, zumal dies in der griechischen Über- 
setzung eines lateinischen Textes steht (s. die früheren Deutungen in 
Teb. II S. 370). Darum fragt auch Kaiser Traian, als er dem ägyptischen 
Arzt des Plinius das Bürgerrecht geben will, nicht aus welcher Stadt 
(oder Dorf) er stammt, sondern ex quo nomo sit, worauf Plinius (ep. 10) 
antwortet: vo[iov MsfupCtov. Auch wenn der Ägypter in einer der Metro- 
polen wohnt, stammt er darum doch aus dem Gau, denn die Metropolen 
sind eben keine „Städte". 

Eine wesentliche Veränderung tritt uns in der Organisation der 
städtischen Beamten entgegen, die auf Augustus zurückzuführen sein 
wird. 3 ) Wir finden in der Kaiserzeit in allen Metropolen der Gaue eine 
gleichmäßig organisierte Beamtenschaft, die als ocqxovtes oder auch als 
tö xoivbv rav ccq%6vtcqv zusammengefaßt wird. Vgl. Oxy. I 54 (34). 
Die einzelnen Beamten, die hierzu gehören, sind nach einer festen Rang- 
ordnung gegliedert, die in den Urkunden, sobald mehrere Ämter neben- 
einander zu nennen sind, in der Regel streng beobachtet wird. Nach 
Preisigke 1. c 21 hat folgende Rangordnung bestanden: 1. yv[ivaaiaQ%og, 
2. i^rjyrjti]s 5 3. xoö^irjtijg^ 4. <XQ%i£Q£vg, 5. ayoQavöfiog, 6. £v&rjvid()%r]g 
(Platz nicht ganz sicher), 7. vTtofivrj^atoyQcccpog. In exakt geschriebenen 
Urkunden werden, wo mehrere dieser Beamten neben einander zu nennen 
sind, diese in absteigendem Range aufgezählt, dagegen werden die Amts- 
titel der einzelnen Personen gewöhnlich in aufsteigender Reihenfolge ge- 
nannt. 4 ) Nach Niederlegung der Ämter wird der Titel in präteritaler 
Form weitergeführt, wie yvyLva6iaQ%ri6ag, i^rjy^tsvaccg usw., was der 
Ptolemäerzeit ebenso wie die gesamte Rangordnung fremd gewesen war. 



1) Dies erst von den Römern geschaffene Archiv diente der Aufbewahrung der 
staatlichen Gauakten. Vgl. die Beispiele bei Preisigke, Girowesen S. 283. Vgl. den 
Kommentar zu Par. 69 (41). 

2) Vgl. Mommsen, RG V 558. 

3) Vgl. zum folgenden Preisigke, Städtisches Beamten wesen im röm. Ägypten, 
(Diss. Hall. 1903), der zuerst diese Dinge richtig erkannt hat. 

4) Vgl. Preisigke S. 33. 



40 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Alle diese Beamten, die sämtlich Liturgen sind — auch dies ist eine wichtige 
Änderung gegenüber der Ptolemäerzeit (vgl. Kap. VIII) — , bilden als äg- 
%ovtsg ein kollegiales verantwortliches Kollegium (xoivdv), das die städti- 
schen Geschäfte zu leiten hat. 1 ) Davon abgesehen hat jeder einzelne seine 
besonderen Befugnisse, so der yviivct6iaQ%og und xoö^irjr'rjg für das Gym- 
nasial- und Ephebenwesen (Kap. III), der ev&r]VictQ%rig für das Verpflegungs- 
wesen (Kap. IX). Diese Archonten, die die Honoratioren der Metropolen 
darstellten, hatten wohl in der Kegel gymnasiale Bildung und gehörten 
also zu den „ot änb yv{iva6Cov u (vgl. Kap. III). Außer diesen Archonten 
gab es noch weitere städtische Beamte, wie den Schatzmeister (rccfiiccg), 
die außerhalb jenes xoivöv standen, und deren Titel nach Ablauf des 
Amtsjahres nicht fortgeführt wurde. 2 ) 

Da in Teb. II 397, 18 ff. für das Jahr 198 ein äQimQvxuvig bezeugt 
wird, wie es scheint für Arsinoe, und der Exeget der Stadt damals zu- 
gleich dies Amt bekleidet, so muß es dort ein Prytanenkollegium gegeben 
haben. Ein bloßer Titel TiQvtdvEig, etwa gleichlautend mit ccQ%ovx£g, 
kann es schon deshalb nicht gewesen sein, weil dann zu erwarten wäre, 
daß nicht der Exeget, sondern der Gymnasiarch den Vorsitz geführt 
hätte. Genaueres ist uns über diese Prytanen von Metropolen vor 202 
noch nicht bekannt. 

Die Bürger der Metropolen hießen {irjTQonotttcu und hatten als solche 
manche Vorrechte vor den in der Metropole nur Domizilierenden, den 
xatoLXOvvtsg und den 7caQS7Cidrjuovvtsg y und vor den Dörflern. So hatten 
sie z. B. hinsichtlich der Kopfsteuer Erleichterungen (vgl. Kap. V). Die 
stimmfähige Gemeinde machte den drtfiog der Stadt aus und konnte als 
solche zusammen mit den Archonten z. B. Ehrendekrete beschließen. Vgl. 
Oxy. III 473 (33) (Oxyrhynchos II. Jahrh.). Dieser Text zeigt zugleich, 
daß unter den TtaQSTtidTj^ovvrsg (consistentes) die Römer und Alexandriner 
an solchen Ehrenbeschlüssen teilnehmen konnten. 

Die Städte waren meist in cc^Kpoda genannte Straßenquartiere 3 ) ge- 
teilt, die unter a{icpoddQ%cci und cc[i<poöoyQau(iarslg standen. Die Ampho- 
darchen hatten z. B. die Bevölkerungslisten zu führen (vgl. Lond. II S. 49 ff., 
Stud. Pal. I S. 58 ff. vgl. [61]), die äfitpoöoyQafifiatslg waren bei der Ver- 
teilung der Liturgie beteiligt (vgl. BGÜ IV 1062, Oxy. I 81). Sind die 
Namen der aiiyoda nach Bauwerken oder Zünften oder Nationalitäten usw. 
gegeben, wie in Arsinoe u. a., so sind sie für die innere Geschichte der 
Städte und für die Anschauung, die wir uns von ihnen zu machen haben, 



1) Preisigke 1. c. 8 ff. 

2) Preisigke c. 12 nennt sie Beamte zweiter Ordnung. 

3) "Aucpoöov steht hier in dem Sinne wie in dem Bericht des Chron. paschal. über 
Hadrians Bauten in Jerusalem: ipigiOEv ttjv itöXiv sig knru &\Lcpo8a v.a.1 Ü6xr}6ev &v- 
&Q(ä7tovg cciicpodccQxccg xccl k%äax(a &Ttiv£i(i£v aficpodov, %x\. 



B. Die römische Periode. § 2. Die Landesverwaltung. 41 

von hohem Interesse. 1 ) In Memphis dagegen wurden die ayLtpodcc nume- 
riert. 2 ) Es ist natürlich überhaupt mit manchen lokalen Verschiedenheiten 
in den Städten zu rechnen. 

Einen vollständigen Umschwung in der Geschichte der Metropolen 
hat Septimius Severus herbeigeführt, indem er im Jahre 202 zugleich mit 
Alexandrien (s. unten S. 45) auch ihnen einen Rat {ßovXri) verlieh. Es 
ist das wohl die wichtigste Änderung, die die Organisation Ägyptens 
in dieser Periode erfahren hat, denn damit war der Grund gelegt zu 
einer wenn auch durch die fortbestehende Gauordnung beschränkten 
Selbstverwaltung der Städte. Es ist bezeichnend für unsere literarische 
Tradition, daß sie nur die Einsetzung der ßovXrj für Alexandrien im 
Jahre 202, nicht aber die der Metropolen erwähnt. Erst die Papyri haben 
uns Kunde von dieser einschneidenden Maßregel gebracht. 3 ) Wenn bis- 
her auch nur für einzelne Metropolen die ßovktf direkt nachgewiesen ist, 
so kann doch z. B. nach Oxy. I 58, 13 nicht bezweifelt werden, daß ihnen 
allen eine solche gegeben worden ist. Meine in den Observat. ad hist. 
Rom. S. 14 aufgestellte Vermutung, daß dies im Jahre 202 geschehen 
sei, ist durch das inzwischen hinzugekommene Material nicht erschüttert 
worden. 4 ) Es ist wohl kaum zu bezweifeln, daß Severus sich zu dieser 
Maßregel verstanden hat, um einen Teil der staatlichen Aufgaben auf 
die Schultern der Ratsherren abzuwälzen. 5 ) Es ist der städtische 
Reichtum, der jetzt in noch ganz anderer Weise als vorher vom Staate 
herangezogen wird, indem die finanzielle Verantwortung für wichtige 
Verwaltungszweige den reichen Städtern zugeschoben wird, eine Maß- 
regel, die schließlich hier wie anderwärts zur Verarmung der Städte 
geführt hat. Welche große Bedeutung für das ganze Land diese 
Änderung der Kommunalordnung gehabt hat, konnte erst nach und 
nach genauer erkannt werden 6 ) und bedarf auch noch weiterer Unter- 
suchungen. Zu der Bedeutung dieser Maßregel für die Begründung 
der Bistümer in Ägypten vgl. Kap. IL Einstweilen läßt sich erkennen, 
daß die Vermögensverwaltung der Stadt von dem xoivbv der uQ%ovt£g 
nunmehr an die ßovXtf übergeht 7 ), daß die städtischen liturgischen Be- 
amten jetzt von der ßovXrj erwählt werden 8 ), und auch manche staatliche 
Beamte, namentlich solche, welche in der Steuerverwaltung eine Rolle 
spielen, wie die Dekaproten, die Nomarchen, die Praktoren usw., der Staats- 
regierung von der ßovXrj präsentiert werden, wodurch sie die Verant- 

1) Vgl. die topographische Literatur oben in der Einleitung § 2. 

2) Wilcken, Arcb. II 472. 

3) Vgl. Wilcken, Griech. Ostraka I 430, wo die ältere Literatur verzeichnet ist. 

4) Vgl. Griecb. Ostraka I 431 Anm. 1. 5) Vgl. Wilcken, Hermes 20, 445 ff. 

6) Vgl. z.B. Rostowzew, GGA, 1909, 616 ff., auch seine Studien z. Kolonat. 

7) Preisigke l.-c. 15 f. und unten Kap. IV. 

8) Preisigke 1. c. 18 ff. 



42 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

wortung übernahm. 1 ) Vgl. z.B. xlvövvg) Exdörrjg ßovXfjg ia Oxy. I 58, 13; 
CPHerm. 97, 8. Wie dadurch die Haftung für die Eingänge der Steuern 
auf die Kommunen abgewälzt wird, so ist auch die Tempel Verwaltung nun- 
mehr eine städtische geworden, indem die Tempelfinanzen von Kuratoren 
(iM^sXrjxccL), die vom Rat gewählt sind) verwaltet werden. Vgl. Kap. II, 
im besonderen den Kommentar zu BGU 362. Wichtige Einblicke in die 
mannigfachen Geschäfte der ßovXn] gewähren die in CPHerm. edierten 
Urkunden. Vgl. 38—40. 

In allen diesen Tätigkeiten wird der Rat vom Strategen als dem 
ersten Regierungsbeamten des Gaues beaufsichtigt. Er gibt die Befehle 
des Präfekten weiter an die ßovXij 2 ) und überwacht ihre Ausführung, 
und zwar nicht nur in staatlichen, sondern auch in städtischen Angelegen- 
heiten. 3 ) Diese scheinbar autonomen Gemeinden waren also durchaus 
nicht von der Gauverwaltung eximiert, sondern vielmehr ihr unterstellt. 

Ich trage daher Bedenken, Ausdrücke wie „Einführung der Dekurionats- 
ordnung" oder „Munizipalisierung Ägyptens", wie jetzt üblich geworden ist, 
schon auf die Ordnung des Severus von 202 anzuwenden. Was hier in 
die Gauverwaltung eingefügt ist, ist die griechische ßovXi]. Vor einer 
Munizipalordnung im eigentlichen Sinne möchte ich erst für das IV. Jahrh. 
sprechen, wo die Gauverwaltung aufgehoben wird. S. unten. 

Neben der ßovXtf bleiben nach wie vor die uQ%ovT£g bestehen, doch 
sind, wie oben gesagt worden, manche ihrer Befugnisse an den Rat 
übergegangen. Zu diesen agxovtsg gehörten auch die xqvtkvsiq 4 ) , ein 
Kollegium, dessen Zahl wir nicht kennen, von denen jetzt immer je einer 
im Turnus das Präsidium im Rat hatte (als evaQ%og XQvxavLg). Dieser 
zurzeit amtierende Prytan gilt als der Vertreter des Rates (r) ßovXr\ diu 
tov delvog). Über die Zahl, den Wahlmodus und den Zensus der Rats- 
herrn sind wir noch nicht unterrichtet. 5 ) Einen Einblick in die Ge- 
schäftsordnung der ßovXrj bieten uns die erhaltenen Ratsprotokolle. Vgl. 
für Herakleopolis BGU 925 (37), für Hermopolis die von Wessely edierten 
Stücke in CPHerm. aus der Mitte des HI. Jahrh. Vgl. 38—40. 

Zugleich mit der Schaffung des Rates wird auch die Bürgerschaft 
der Metropole einer neuen Organisation unterworfen worden sein. Der 
drjiiog neben uQ%ovt£g und ßovXrj begegnet zwar auch schon vor 202 
(s. oben S. 40), wie nach 202, und es wäre möglich, daß dieser dfjfiog 
auch damals schon in Phylen gegliedert gewesen wäre. Aber nachweisen 
können wir die Phylen erst nach der Neuordnung von 202; das älteste 



1) Preisigke 1. c. 20 ff. 2) Vgl. z. B. Oxy. 58. 3) Preisigke 1. c. 22. . 

4) Vgl. Wilcken, Arch. IV 118 f. — Daß in den Metropolen (wie auch in AlexaVi- 
drien) schon vor 202 Prytanen gewesen sind, zeigt für Arsinoö Teb. II 397. S. oben 
S. 40. 

5) Preisigke 1. c. S. 50. 



B. Die römische Periode. § 3. Die Griechenstädte. 43 

Beispiel ist z. Z. Oxy. VII 1030 (36). Diese Metropolphylen, die keine 
Namen führen, sondern numeriert werden, dienen als Unterlage für die 
Verteilung der öffentlichen Lasten. 1 ) 

Alles in allem hat die Einführung der ßovkrj im J. 202 nicht etwa 
die Wirkung gehabt, die Metropolen den Griechenstädten gleichzustellen. 
Sie wurden weder griechische nölsig, noch römische civitates (s. oben 
S. 42), sondern sie blieben ^rjrQOTfoXsug ihrer Gaue. Daher sind auch den 
Metropoliten durchaus nicht ohne weiteres die Wohltaten der Constitutio 
Antonina zugute gekommen (s. unten S. 57). 

Was endlich die Dorf Verwaltung betrifft, so erscheint als eine 
Neuerung gegenüber der Ptolemäerzeit 2 ), daß in der Kaiserzeit die iiqeö- 
ßvtSQoi t^g xcofiYjg als eine allgemeine dörfische Behörde auftreten. Diese 
Presbyter, die liturgische Beamte sind, vertreten eventuell den %G)[ioyQcc[i- 
[latevg. Vgl. BGU 6, BGU 15. Die Dorfgemeinden sind öfters mit ol a%b 
xf\g xcbiirjg bezeichnet, d. h. die Gemeinde derer, die im Dorfe ihre Origo 
haben. 3 ) Diese Dorfgemeinde hatte u. a. das Recht, Beschlüsse zu fassen 
zur Ehrung verdienter Personen. 4 ) Sie hatte auch auf gemeinsamen Be- 
schluß Vorschläge zu machen für die Liturgen, für die dann auch die 
Gesamtheit der Dorfbewohner die Bürgschaft übernahm. Vgl. BGU 235 
und Flor. 2. 5 ) 

§ 3. DIE GRIECHENSTÄDTE. 

Wenden wir uns von der Gauverwaltung wieder zu den Griechen- 
städten, so hat sich in der Kaiserzeit die Zahl dieser jcoXEtg um eine ge- 
mehrt, indem zu Alexandrien, Naukratis und Ptolemais die Neugründung 
Hadrians, Antinoopolis, hinzukam. 

Leider ist die Zahl der Papyri, die uns über Alexandrien und 
seine Geschichte Aufschlüsse geben, bisher noch gering. Aus den in der 
Einleitung § 2 behandelten Gründen sind hier Papyrusfunde an Ort und 
Stelle auch kaum zu erwarten. Glücklicherweise hat sich kürzlich unter 



1) Wilcken, Griech. Ostr. I 431 f. 

2) Die Ansicht Rostowzews (Arch. H[ 214 f.), daß die nQsaßvtSQOi. Trjs xwfirjs die 
Nachfolger seien der 7tQS6ßvtsQ0i, %5>v yecooyätv der Ptolemäerzeit, hat eine innere Wahr- 
scheinlichkeit für sich. Der oben hervorgehobene Unterschied, daß die Presbyter der 
Kaiserzeit das ganze Dorf vertreten, während die der Ptolemäerzeit nur die Genossen- 
schaft der 8r\y.6aioi yEcogyoi, wäre als Entwicklungsergebnis aufgefaßt hiermit nicht 
unvereinbar. Aber das Problem hat noch, viele dunkle Seiten, die noch eingehender 
Untersuchung bedürfen. 

3) Nicht die Dorf behörden: Hohlwein 1. c. 187 ff. Vgl. dagegen Wilcken, Arch. 
III 529, 551. Mir zustimmend Zulueta, de patrociniis vicorum S. 64. 

4) Vgl. Dittenberger Or. Gr. II 666, ein Ehrendekret der ol anb xa>fnj<j Bovasi- 
Qscog und der T07toyQcc(i(iarslg und -ncoiioyQafinarelg des Gaues (Letopolites) zu Ehren des 
Präfekten (aus Neros Zeit), abgefaßt in den Formen eines iprjqptfffta. 

5) Vgl. Wilcken, Griech. Ost. I 508 f. 



44 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

den in Abusir-el-Mäläk ausgegrabenen Papyri eine größere Zahl als alexan- 
drinische Urkunden (aus der Zeit des Augustus) herausgestellt, die von 
Schubart im IV. Bande der BGU herausgegeben werden. 1 ) Andererseits 
befindet sich unter den sonstigen in Ägypten gefundenen Papyri doch 
eine nicht unbeträchtliche Zahl von Texten, die entweder alexandrinische 
Verhältnisse berühren — so vor allem die „Martyrien" (s. unten S. 45) — 
oder aber in Alexandrien selbst geschrieben und dann in die %cÖQa ge- 
sendet und so der Vernichtung entgangen sind, oder endlich auch Ab- 
schriften von solchen (wie die abschriftlich verbreiteten Edikte und sonstigen 
Akten alexandrinischer Behörden). 5 ) Zu den alexandrinischen Originalen 
gehören u. a. zahlreiche Privatbriefe, die vielfach an der Erwähnung des 
Proskynema vor dem großen Sarapis kenntlich sind (vgl. Kap. II). Eine 
genauere Eruierung 3 ) und Zusammenstellung der aus Alexandrien stammen- 
den Urkunden wäre sehr erwünscht. 

Alexandrien hatte durch die römische Eroberung an seinem Prestige 
stark gelitten, hörte es doch auf, die Residenz eines Königreiches zu sein, 
um der Amtssitz eines römischen Ritters zu werden. Für das Aufgeben 
der glänzenden Hofhaltung mit ihrem reichen Hofstaat war die Haus- 
haltung der Präfekten im alexandrinischen Prätorium 4 ) ein schwacher 
Ersatz. Die Alexandriner haben es nie verwunden, daß ihre Stadt nun 
den zweiten Rang einnahm hinter der Stadt am Tiber, die in ihren Augen 
ein Parvenü blieb. Sie rächten sich, indem sie ihrer Spottlust gegen den 
Kaiser und seine Stellvertreter freien Lauf ließen, und oft sind sie von 
einer im Stillen kontinuierlichen Fronde zu offener Revolte übergegangen. 5 ) 

Durch die Papyri haben wir von einer eigenartigen alexandrinischen 
Literatur Kunde gewonnen, die der Verherrlichung des alexandrinischen 
Bürgerstolzes vor dem Cäsarenthrone diente. Erhalten sind uns daraus 
einige Erzählungen von Kriminalprozessen, in denen Vertreter der alexan- 
drinischen Bürgerschaft vom Kaiser zum Tode verurteilt worden sind. 
Nach Analogie der christlichen Märtyrer- Akten nennt man sie jetzt heid- 
nische oder alexandrinische Martyrien. Wenn diese Erzählungen auch 
Literatur sind, so gehen sie doch auf die amtlichen kaiserlichen Protokolle 
zurück und gewähren uns so, nach Abzug dessen, was durch die Über- 



1) Vgl. dazu Schubart, Arch. V S. 35 ff., und Preuß. Jahrbücher 1909, 498 ff. (Neues 
aus dem alten Alexandrien). 

2) Das Original eines Statthalterbriefes bietet ein von Zucker herausgegebener 
Berliner Papyrus (Sitz. Ber. Akad. 1910 S. 710). 

3) Vgl. z. B. Arch. IV 391 f. 

4) Vgl. Oxy. III 471, 110; BGU 288, 14, wo ich am Original jrea<i>Tcapi[co her- 
stellte. In beiden Fällen ist das alexandrinische praetorium gemeint. Außerdem 
gab es praetoria auch in den Metropolen für die Besuche der Regierungsbehörden, 
belegt für Antinoopolis. Vgl. Arch. IV 121. 

5) Vgl. Mommsen, RG V 581 ff. 



B. Die römische Periode. § 3. Die Griechenstädte. 45 

arbeitungen hinzugekommen ist, einen Einblick in die Vorgänge selbst. 
Ursprünglich verfaßt sind sie wohl von Mitgliedern der Gesandtschaften, 
also von Genossen der Märtyrer; nach und nach sind sie dann — ähnlich 
wie die christlichen Martyrien — überarbeitet worden mit der Tendenz, 
den Freimut der Märtyrer noch mehr zu steigern. Drei solcher Kriminal- 
prozesse sind uns so bekannt geworden: der erste wurde vor Kaiser 
Claudius in Rom geführt und endete mit der Hinrichtung des alexan- 
drinischen Gymnasiarchen Isidoros und seines Genossen Lampon; der zweite 
spielte sich vor dem Tribunal des Hadrian ab, vielleicht auch in Rom, 
und führte zum Tode des alexandrinischen Vertreters Antoninus ; der dritte 
wurde vor Commodus in Rom geführt und endete mit der Hinrichtung 
des alexandrinischen Gymnasiarchen Appianos. In den beiden ersten Fällen 
hatten die Streitigkeiten zwischen den Alexandrinern und Juden den Anlaß 
zum Prozeß gegeben. Im dritten Falle, der keinen Hinweis auf diese 
antisemitische Bewegung enthält, dasselbe anzunehmen, ist keineswegs ge- 
boten, denn nicht als Antisemitenführer, sondern als Vertreter der griechi- 
schen Opposition gegen die römische Gewaltherrschaft haben diese Männer 
in Alexandrien ihren Märtyrerruhm gewonnen. Zur Begründung meiner 
Auffassung von diesen Märtyrer- Akten muß ich hier auf meine Abhandlung 
„Zum alexandrinischen Antisemitismus" (Abh. Sachs. Ges. d. Wiss. XXVH, 
1909, 783 ff.) verweisen, wo auch die ausgebreitete Literatur hierzu ver- 
zeichnet ist. Als Proben gebe ich unten nur die Akten aus Claudius' 
(14) und aus Commodus' Zeit (20), während ich für die sehr verstümmelten 
Hadrianischen Akten auf jene Abhandlung verweise. 

Während für die Ptolemäerzeit die Frage, ob Alexandrien eine ßovlri 
gehabt habe, eine offene ist (s. oben S. 14), steht es für die Kaiserzeit 
fest, daß es von der römischen Eroberung an hier keine ßovXrj gegeben 
hat, bis Septimius Severus sie im Jahre 202 begründete. 1 ) S. oben S. 41. 
Gleichwohl ist auch in der Periode von 30 v. Chr. bis 202 n. Chr. die 
Bürgerschaft Alexandriens in Phylen und Demen organisiert geblieben. 2 ) 
Doch ist auch in der Kaiserzeit wie schon vorher diese Ordnung nicht 
immer dieselbe gewesen. So ist zu Beginn der Regierung des Kaisers 
Nero 3 ) eine durchgreifende Änderung durchgeführt worden, die uns nicht 
nur in den neuen Namen entgegentritt, sondern namentlich auch darin, 
daß es von jetzt ab üblich war, dem Demennamen den Phylennamen vor- 
anzustellen. Man sagt jetzt z. B. Ucoöljcöö^los 6 xcci ZäXd-cuevg und weist 
dabei mit ZJaöixoöfiLog auf die Phyle, mit IdXd-auvg auf den Demos 



1) Vgl. Dio Cass. 51, 17; vit. Sev. 17. 

2) Vgl. die Literatur hierzu oben S. 15 Anm. 6. 

3) Vgl. Wilcken, Arch. V 182 ff. Zustimmend Birt, Rh. Mus. 1910, der die 
Neuerung im besonderen auf Seneca zurückführen will. Vgl. auch Schubart, Arch. 
V 94 ff. 



46 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

hin. 1 ) Das alexandrinische Bürgerrecht wurde von der römischen Regierung 
als das vornehmste in Ägypten dadurch anerkannt, daß nur dieses als Vor- 
stufe zum Erwerb des römischen Bürgerrechts qualifiziert erachtet wurde. 2 ) 
Immerhin rückte jetzt das alexandrinische Bürgen-echt, das in der Ptole- 
mäerzeit an erster Stelle gestanden hatte, gegenüber dem römischen natür- 
lich an die zweite Stelle. Zur Erwerbung des alexandrinischen Bürger- 
rechtes waren vor allem die Griechen im Lande qualifiziert. 3 ) Den 
Ägyptern wurde es nur ganz ausnahmsweise verliehen. 4 ) Über die Zu- 
sammensetzung der alexandrinischen Bevölkerung zur Zeit des Augustus 
haben die Papyri aus Abusir-el-Mäläk sehr interessante Aufschlüsse ge- 
bracht. 5 ) Zu den schon oben S. 15 hiernach mitgeteilten verschiedenen 
Bevölkerungsschichten kommen jetzt noch die Pömer hinzu. Neben 
römischen Vollbürgern begegnen auch kaiserliche Freigelassene, auch 
romanisierte Griechen. 6 ) Auf die sozialen Unterschiede sowie die wirt- 
schaftliche Lage der verschiedenen Bevölkerungsklassen werfen diese Papyri 
heUe Streiflichter. 7 ) 

Über die von Strabo XVII p. 797 xarä itöfov aufgezählten Beamten, 
den Exegetes, Archidikastes, Hypomnematographos und den Nachtstrategen 
ist schon oben S. 16 gesagt worden, daß sie durchaus nicht alle „städtisch" 
sind. Man sollte denken, daß wie in den Metropolen auch in Alexandrien 
jetzt der Gymnasiarch die erste Stellung unter den städtischen Beamten 
eingenommen hätte 8 ), dem dann der Exeget folgte, dann der Kosmet usw. 
in der oben angegebenen Reihenfolge. Auch diese alexandrinischen Ämter 
werden ja wie in den Metropolen nach Beendigung der Amtszeit in prä- 
teritaler Form als Titel weitergeführt; auch dies könnte dafür sprechen, 
daß die städtische Beamtenschaft von Alexandrien bei Beginn der Römer- 
zeit dieselbe wichtige Umwandlung und so auch die Rangordnung erfahren 
hätte wie die der Metropolen. Doch ist die Frage nach den Urkunden 
schwer zu beantworten, da der Gymnasiarch bisher seltener erscheint. 



1) Dieser Sprachgebrauch konnte erst durch den neuen Lond. III S. 156 ff. von 
Kenyon dargelegt werden (vgl. Arch. II 70 ff), denn hier steht S. 161, 5 (pvXfig rf]g 
avtfjg Kai ör^iav, womit das vorhergehende ZsßäßTiog 6 y.a.1 'HgäxXsiog wiederholt 
sein soll. 

2) Vgl. Plin. et Trai. epist. 5—7 und 10. 

3) Als Beispiel vgl. etwa den ia^rixcog Ms^avögiav itoXitBiav in Lond. II 
S. 48, 60 ff. 

4) Traian. epist. 7: civitatem Alexandrinam secundum institutiones (so nach der 
Bodleian copy bei Hardy statt institutionem) principum non temere dare proposui etc. 

5) Vgl. Schubart 11. cc. 

6) Vgl. Schubart, Arch. V 115 f. Die Personen, die sich als Kalöagog bezeichnen, 
können aber nicht Freigelassene sein (Schub.), sondern müssen kaiserliche Sklaven Bein. 

7) Vgl. Schubart, Preuß. Jahrbb. 1. c. 

8) Vgl. z. B. das Auftreten der alexandrinischen Gymnasiarchen als Gesandten 
vor dem Kaiser in den „Martyrien" (S. 45), z. B. Oxy. 33 III, wo übrigens das örgoopeiov 
und die cpccixd6icc (weiße Schuhe) als seine Amtsabzeichen angegeben werden. 



B. Die römische Periode. § 3. Die Griechenstädte. 47 

Viel mehr tritt in ihnen der Exeget hervor. Gelegentlich erscheint dieser 
auch hier, wie in Arsinoe (s. oben S. 40), als der Vorsitzende der Prytanen. 
Vgl. Oxy. III 477 (132/3) und Teb. II 317 (176/5), wo sich Personen 
an den i^rjyrjrfj xcci xolg KcciöccQSioig xal xolg ukXocg 7CQvxdvs6i wenden. 
Nach Teb. II 397 (s. oben S. 40) wird man annehmen, daß auch hier 
der Exeget zugleich den Vorsitz im Prytanenkollegium führte. Über die 
Rangstellung gegenüber dem Gymnasiarchen folgt daraus ebensowenig 
etwas, wie in jenem Beispiel aus Arsinoe, das uns zugleich zeigt, daß 
TCQVtdvug nicht etwa bloß Titel für die städtischen Beamten (uQ%ovx£g) 
ist 1 ), sondern ein spezielles Prytanenkollegium. Zu diesem gehörte einst 
auch der yev6[ievog nQvtavix.bg aQi&v in Oxy. 592 (122/3). 2 ) Die anderen 
beiden Texte zeigen aber, daß auch die KaiöccQeioL zu diesen alexandri- 
nischen Prytanen gehören. Die Ansicht, daß dies Bürger aus der Phyle 
KuLöaQEiog seien 3 ), ist kaum haltbar, zumal nachdem in Teb. II 317 ein 
zweites Beispiel, das 50 Jahre jünger ist, zu Tage kam, vielmehr werden 
die Kaiö&QEioi die kaiserlichen Freigelassenen sein. 4 ) Aus der Art, wie 
aus dem Gesamtkollegium die KaiödQEtov hervorgehoben werden, folgt, 
daß diese kaiserlichen Freigelassenen darin eine hervorragende Rolle ge- 
spielt haben müssen. Vielleicht sind sie von der kaiserlichen Regierung 
zur Kontrolle den Alexandrinern aufoktroyiert worden. 5 ) Doch bedarf die 
Deutung dieser Kai6a.Qeioi noch weiterer Aufklärung. 

In derselben Richtung liegt, daß auch der ptolemäische 6xQccxr)ybg 
xr\g xöXsag (s. oben S. 14) in der Kaiserzeit beibehalten wurde. 6 ) 

Für die Zeiten nach 202, in denen Alexandrien eine ßovXtf hatte, 
liegt z. Z. nur ein geringes Urkundenmaterial vor. 7 ) 

Auf die Geschichte von Naukratis ist ein unerwartetes Schlaglicht 
gefallen durch die Mitteilung des antinoitischen Ratsprotokolls (27), daß 
Hadrians Neugründung Antinoopolis die v6[ioi von Naukratis übernommen 
habe (s. unten S. 51). Wenn so bei der Gründung der neuen autonomen 
Gemeinde Naukratis z. T. als Vorbild gedient hat, so darf man wohl mit 
großer Wahrscheinlichkeit folgern, daß Naukratis zu Hadrians Zeit sich 
seine alte Autonomie bewahrt hatte. Aus demselben Protokoll geht her- 
vor, daß die Griechen von Naukratis auch zu Hadrians Zeit noch daran 
festhielten, kein connubium {sntya^Ca) mit den Ägyptern zu haben. 

1) Vgl. P. Meyer, Berl. ph. Woch. 1904, 495 (nach vor der Edition von Teb. II.) 
Vgl. auch Jouguet, Chronique des Papyrus 2 (1905) 48 f. (dito). 

2) Vgl. auch das vit6(ivri(ia TtQvrdvsav in BGU IV 1084, 15. 

3) Jouguet 1. c. Otto, Priester und Tempel I 155, der an wechselnde Prytanien 
(wie in Athen) zu denken scheint. 

4) SoP. Meyer 1. c. Grenfell-Hunt zu Teb. II 317. Schubart, Arch. V 94 Anm. 3. 
Zur Bedeutung von Kccißdgsioi vgl. O. Hirschfeld KV 472. 

5) Vgl. auch Schubart 1. c. 

6) Vgl. Griech. Ostraka I 624, wo im übrigen manches veraltet ist. 

7) Ein ßovXsvtrjg 7tQ8cßvruTog von dort jetzt in Giss. 34,2. 



48 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Für die Bedeutung von Ptolemais am Beginn der Kaiserzeit haben 
wir das Zeugnis des Strabo XVII p. 813: eitsira JltoXefiaixrj jtöXig, 
(isyiötrj x&v iv tfj ®rjßatdi xal ovx iXdttav Mifixpeag, h%ov6a xal 
6v6Tr}[icc icoXitlxov iv tä 'EXXrivixci xqotig). Im III. Jahrh. hat die Stadt 
dann durch die Blemyereinfälle stark gelitten. 1 ) Ihr Name ÜToXe^aXg i\ 
*Eq{islov, den sie jetzt bei Schriftstellern und auch in Urkunden (vgl. 
Oxy. II 268) führt, ist noch nicht erklärt. 2 ) 

Viel umstritten ist die Frage, ob Ptolemais von Augustus bis auf 
202 eine ßovXrj gehabt hat oder nicht. 3 ) Tatsächlich ist ein zwingender 
Beweis für die Existenz einer ßovXtj in dieser Zeit bisher nicht erbracht 
worden. Auf der anderen Seite fehlt es aber eben so sehr an einem Be- 
weis dafür, daß die ßovXtf, die für die ältere Ptolemäerzeit strikt erwiesen 
ist (s. oben S. 17), jemals abgeschafft worden wäre. So lange hierfür kein 
Beweis erbracht ist, wird man in Strabos Wort von dem övötrjfia %oXi- 
xixbv xtX. um so mehr einen Hinweis auf eine von der Verfassung der 
anderen Metropolen verschiedene Autonomie (mit ßovXiq) sehen dürfen, 
als auch für Naukratis jetzt der Fortbestand der alten ßovXiq wahrschein- 
lich gemacht ist (s. oben). Aber gelöst ist das Problem noch nicht. 
Unter dieser Voraussetzung würde auch das Prytanenkollegium der Stadt 
seine alte Bedeutung behalten haben. Erwähnt wird ein ccQ%L7iQVTavt,g in 
einer Inschrift 4 ), ferner die HQvx&vEig in Lond. III S. 71, 13, dessen Be- 
ziehung zu Ptolemais ich im Arch. IV 534 ff. nachgewiesen habe. Hier 
wird ein Stück Land in der Dorfflur von KgoxodcXav noXig, das damals 
zum @Lvttrjg gehörte 5 ), bezeichnet als gehörig uq%6vtcov nöXsag diä t&v 
71qoitccv£(qv. Danach standen hier also die Prytanen an der Spitze der 
städtischen Beamten, die auch hier wie damals in den Metropolen als 
aQ%ovxEg zusammengefaßt wurden. 

Daß Ptolemais eine Gaumetropole war, und zwar die des &LVLTrjg, 
bezeugt Claud. Ptol. IV 5 § 66. Gegen die Annahme der Autonomie be- 
sagt das natürlich nichts, denn auch Antinoopolis, das sicher die volle 
Autonomie besaß, wird von demselben Schriftsteller als die nrjTQÖTtoXig 
des jivtivotxTqg bezeichnet (§ 61). Auch die Rolle, die der öTQcctrjybg 
(Fiwixov in dem Würzburger Papyrus spielt (27), spricht nicht dagegen. 
Ob Ptolemais schon in der Ptolemäerzeit Metropole war, wissen wir nicht. 
Jedenfalls muß hiernach Ptolemais, gleichviel ob es eine ßovXr[ hatte oder 
nicht, Sitz der Gauverwaltung gewesen sein. Aus der Zeit nach 202 



1) S. oben S. 30. Planmann, Ptolemais S. 69. 

2) Vgl. Planmann 1. c. 81. 3) Vgl. Planman 1. c. 70 ff. 

4) Vgl. Planmann S. 77. Die Erwähnung der Prytanen ist natürlich kein 
Argument für die ßovXi]. Vgl. Arsinoe und Alexandrien. 

5) Wilcken, Arch. IV 537. Plaumanns Ansicht (S. 88), daß das Dorf vielleicht 
zum Nachbargau k(pQoSLtoitoXLrr)g gehören könnte, ist nicht genügend begründet. 



B. Die römische Periode. § 3. Die Griechenstädte. 49 

werden mehrere ßovXsvtaC von Ptolemais genannt, namentlich in den 
Steinbrüchen von Gertassi. 1 ) 

Die Bürgerschaft von Ptolemais ist auch in der Kaiserzeit Avie vor- 
her in Phylen und Demen gegliedert gewesen. Die Inschrift bei Ditten- 
berger Or. Gr. II 703 (a. 147) zeigt, daß die oben S. 45 besprochenen 
Neuerungen des Nero sich auf Ptolemais nicht erstreckt haben: auch im 
IL Jahrh. noch nennt man hier nur das Demotikon. Sie zeigt zugleich 
die Kompatibilität des ptolemäischen und alexandrinischen Bürgerrechts. 
Für die Bevölkerungsverhältnisse in der Stadt hat uns P. Lond. III S. 71 ff. 
unerwartet reiche Aufschlüsse gebracht. Vergleichen wir diese Namens- 
listen mit denen der gewöhnlichen Metropolen, so sehen wir mit Staunen, 
wie rein sich hier die griechischen Namen und gewiß nicht nur die Namen, 
sondern auch die griechischen Bürger in ihrer Rasse gehalten haben. 2 ) 
Noch zu Claudius' Zeit, aus der dieser Text stammt, wird das Andenken 
an die großen Männer aus den Anfängen der hellenistischen Zeit geehrt, 
indem man die Söhne ZJsXevxog, Av<5liia%og, KdööuvdQog, 'AvxiTtatQog — 
um von AXi^avÖQog und IItoXe^,alog zu schweigen — benannte. Daneben 
treten Namen aus der alten Dynastie hervor — Aqöivöt), Beqsvlm], KXso- 
nccTQcc — , auch solche, die auf die griechischen Kulte der Stadt hinweisen, 
wie Za^,6d , Qa%og^ und vor allem Ecotyiq, der häufigste unter allen Namen 
der Stadt. Gewiß fehlt es nicht an einzelnen Mischungen mit ägyptischen 
Elementen, aber sie treten damals doch noch sehr stark zurück. So hat 
sich, gestützt auf die griechische Verfassung, in diesem xi^svog 'EXXrjvav 
die Bürgerschaft als die griechische Aristokratie der Thebais lange er- 
halten. 

Die Gründung von Antinoopolis ist bekanntlich durch den Zufall 
herbeigeführt worden, daß der Geliebte des Hadrian, Antinoos, in Mittel- 
ägypten während der Nilfahrt des Kaisers seinen Tod fand. Zum Andenken 
an ihn gründete der Kaiser daselbst auf dem Ostufer eine Stadt, Avnvoov 
jrd/Ug 3 ), etwa gegenüber von Hermopolis, an einer Stelle, wo der Gott 
Besis verehrt wurde. 4 ) Die Ruinen, die zur Zeit der Napoleonischen 
Expedition noch manche der griechischen Bauten mit zahlreichen aufrecht- 
stehenden Säulen aufwiesen, liegen bei dem heutigen Schech Abäde. 5 ) Die 

1) Vgl. Plaumann 1. c. 78 f. 

2) Vgl. Wilcken, Arch. IV 535 ff. 

3) So oder Ävxivoov in den Urkunden Die von den Modernen meist gebrauchte 
Form Antinoe ist bequemer, aber unzulässig. Arsinoe ist keine Parallele. 

4) Daher in Antinoopolis so viele Namen, die von diesem Gott abgeleitet sind, 
wie -Btjcoüs, BriGagiav, BTiGccmicov , Bri6äg (Hypokorystikon), BriGccvrivoog v.%\. Vgl. 
P. Fior. 71, 541 ff. 

5) Wer die Description de l'figypte nicht zur Hand hat, kann auch aus der 
kleinen Nachbildung bei Milne, Hist. 58 sehen, wieviel Schönes dort zugrunde ge- 
gangen ist. Literatur vgl. bei P. Meyer, Heerwesen S. 130 und W. Weber, Unter- 
suchungen z. Gesch. des Kaisers Hadrian (1907) 248, 909. 



50 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Gründung fällt in den Herbst 130. 1 ) Die Anlage der Stadt, die eine 
Griechenstadt sein sollte, erfolgte nach dem Muster der hellenistischen 
Städte — im besonderen wohl Alexandriens. 2 ) Es war ein System von 
geraden, sich rechtwinklig schneidenden Straßen, wie sich noch aus den 
Papyri rekonstruieren läßt, die uns die TtXiv&eicc, die Häusercarres von 
Antinoopolis, vor Augen führen. So wird in den Kaufverträgen aus dieser 
Stadt die Lage der Häuser nach folgendem Schema angegeben: iv ra 
d y(>d({i(itttL) itkiv&ieüp) £ rijg lAvxivöov (Lond. III S. 158, 12), d. h. im 
Buchstaben Delta, im siebenten Carre. 3 ) Nach alexandrinischem Muster 
zerfiel also die Stadt in Quartiere, die nach den Buchstaben benannt 
wurden. Ob auch hier fünf waren oder noch mehr, läßt sich noch nicht 
sagen. Der Hafen der Stadt wird in Lond. HI S. 164, 17 erwähnt. Wie 
sehr Hadrian bemüht war, die neue Gründung zu einem wichtigen Handels- 
platz zu machen, zeigt seine Anlage des neuen Karawanenweges von 
Antinoopolis nach Berenike am Roten Meer. 4 ) 

Für die Frage, woher Hadrian die Ansiedler für diese Üvtivoecov 
Nsav 'EXXtjvcov noXig genommen hat, hatten wir bisher nur die Beob- 
achtung von P. Meyer, daß seit den 40er Jahren des H. Jahrh. in den 
Urkunden eine größere Anzahl von Veteranen der Auxilien und Flotten 
(Griechen oder Graecoägypter) begegnet, die als lävtivosig bezeichnet 
werden, also bei ihrer Entlassung in die Bürgerlisten von Antinoopolis 
eingeschrieben sein werden. 5 ) Während dieser Modus uns wohl mehr das 
allmähliche Anwachsen der Bevölkerung veranschaulicht, gibt uns jetzt 
ein Würzburger Papyrus (26) zum erstenmal einen Hinweis auf die Quellen, 
aus denen Hadrian bei der Gründung selbst geschöpft hat. Danach sind 
u. a. Bürger von Ptolemais in Oberägypten ausgelost worden, um Anti- 
noopolis zu kolonisieren. Nach den obigen Ausführungen über die Rein- 
heit der griechischen Rasse von Ptolemais begreift man, daß Hadrian, 
wenn er in seinem Philhellenismus eine Stadt von „Neuhellenen" gründen 
wollte, gerade von dort den Grundstock der Kolonisten geholt hat. Aber 
er war auch auf Zuzug aus anderen Orten angewiesen, wollte er nicht 
Ptolemais entvölkern, und so werden bei der damaligen starken Mischung 



1) Weber 1. c. 247. 

2) Diese gehen ihrerseits wieder auf das Vorbild der vom Milesier Hippodamos 
erbauten Piräusstadt zurück. 

3) Andere Beispiele Lond. III S. 159, 12; 163, 12 ff. Straßb. 34, 9. In manchen 
Fällen ist auch ein Hinweis auf Nord oder Süd hinzugefügt. — Die Häuser Alexan- 
driens werden gleichfalls nach dem Buchstaben, aber nicht nach itXiv&elu bestimmt. 
Vgl. BÖU 1115, 16 ff., 1116, 8. 

4) Dittenberger, Or. Gr. II 701. 

5) Heerwesen, S. 129. Die uns bekannten antino'itischen Veteranen sind meist 
Grundbesitzer im Faijüm. Stammt von dort auch der kleine Text Lond. II S. 117 
(oben), der von idcupöav v.uxa , xXr\QOv%r\&ivxaiv kvtLvosvai handelt? Vgl. hierzu auch 
unten Kap. VH. 



B. Die römische Periode. § 3. Die Griechenstädte. 51 

der Griechen und Ägypter auch manche Graecoägypter dorthin gezogen 
sein, denn reine Griechen waren außerhalb von Ptolemais und Naukratis 
selten. 1 ) Aus der Rücksicht auf solche Graecoägypter, die z. T. wohl 
schon mit Frauen und Kindern übersiedelten, begreift man die aus P. 
Compt. Rend. (27) uns bekannt gewordene Verfügung Hadrians, daß die 
Antinoiten connubium (wriya/ifo) mit den Ägyptern haben sollten. Nur 
so versteht man, daß dies als ein i^cciQsrov bezeichnet wird (vgl. den 
Kommentar). Meine Annahme, daß hiernach die Kinder eines Griechen 
und einer Ägypterin das Bürgerrecht (als Mvtivosig) haben sollten 2 ), wird 
jetzt durch P. Lond. III S. 161, 4 ff. gestützt: hier sind die Kinder eines 
Vollbürgers und einer Ägypterin (aus einem Dorf des Hermopolites) 
Bürger der Stadt. 

Neben den 'Avxivosig wohnten auch hier (wie in Alexandrien) reine 
Ägypter und Graecoägypter, die nicht das Bürgerrecht besaßen. Vgl. 
z. B. in Lond. III S. 163 die verschiedenen Priester ägyptischer Kulte: 
keiner von ihnen wird als 'Avtivosvg bezeichnet. 

Antinoopolis war von vornherein eine Stadt mit Autonomie. Die 
ßovkrj ist schon vor 202 mehrfach bezeugt 3 ), und hat sicher von Anfang 
an bestanden. Über den Geschäftsgang belehren uns die Ratsprotokolle 
Compt. Rend. (27) und P. Straßb. graec. 1168 (Arch. IV 115 ff.). Als 
Präsident funktionierte der jeweilige {EV(xQ%og) Prytan (hier TCQvxavmog 
genannt). Nach CIGr. III 4705, wo zu verbinden ist itQvxccvsvovxog xov 
dsiva — cpvhfjg A^vatdog, war dieser Prytan, der hier eponym auftritt, 
immer der Vertreter einer Phyle. 4 ) Es wird also so viele Prytanen wie 
Phylen gegeben haben. Diese Prytanen gehörten wahrscheinlich mit zu 
dem Kollegium der &Q%ovx£g, das auch hier (wie in den Metropolen) die 
städtischen Beemten (Gymnasiarchen, Exegeten usw.) umfaßt haben wird. 
Nach Flor. 71, 675 ist es nicht unwahrscheinlich, daß es hier auch xi- 
[lov%ol gegeben hat, wie in Naukratis (s. oben S. 13). Dies erinnert an 
die wichtige Mitteilung von 27, daß die Antinoiten die v6\loi von Nau- 
kratis hatten. Freilich ist es umstritten, ob damit das Stadtrecht gemeint 
ist, das Grundrecht der Verfassung, oder nur das Privatrecht, wofür Per- 
drizet eintritt. 5 ) Auf jeden Fall sind die vöfioi von Naukratis nicht samt 
und sonders auf Antinoopolis übertragen worden, wie ja schon in dem 
Ratsprotokoll selbst die Verleihung der Imya^Ca als Ausnahme gegenüber 



1) Vielleicht liegt ein Fall von Zuzug ans dem Lykopolites vor in (28). 

2) Arch. III 556. Ebenso auch Mitteis, B. Privatr. 66 Anm. 5. 

8) Vgl. z. B. Dittenberger Or. Gr. II 709; BGU 1022 (29), Compt. Bend. (27) etc. 

4) Auch wenn in Oxy. III 477; Teb. II 317 (s. oben) die KaiGäqnot, die Phylen- 
angehörigen sein sollten (Jouguet, Otto), -würde die Ordnung in Alexandrien doch 
eine andere sein, denn in Antinoopolis ist z. Z. nur ein Prytan der Vertreter 
der Phyle. 

5) Eev. d. Et. Anc. XII (1910) 221 An. 3. 



52 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Naukratis gekennzeichnet wird. Auch sonst ist die Verfassung keineswegs 
ganz übereinstimmend, da Naukratis keine Phylen hat. 

Die Gliederung der Bürgerschaft in Phylen und Demen ist vielmehr 
nach dem Muster von Alexandrien eingeführt worden. Das beweist die 
Formel wie 'AdQidvtog 6 nah KuniTGifoevg, 1 ) die durchaus der von Kaiser 
Nero in Alexandrien eingeführten entspricht, während sie in Ptolemais 
sich nicht findet. Die Namen der Phylen — 10 sind bekannt — und 
Demen sind von Hadrian selbst ersonnen, denn nach den schönen Aus- 
führungen von Wilhelm Weber 2 ) spiegeln sich die persönlichen Anschau- 
ungen des Kaisers in ihnen wieder. Vgl. die Liste bei Kenyon, Arch. 
H 71 und Lond. III S. 155 ff., dazu BGU 1022, Hamb. 15. Wie Lond. III 
S. 161, 4 ff. zeigt, waren die unmündigen Söhne von Phylenbürgern zwar 
HvtLvoslg, aber noch nicht aufgenommen in die Phyle (des Vaters). Vgl. 
auch die cccpr]Xixeg 'Avuvoslg ebenda S. 165, 6 BGU 168, 3. Die Bürger- 
innen hießen 'AvxivöLÖEg. 

Daß diese Bürger einer autonomen Gemeinde namentlich in Steuer- 
und Liturgiefragen privilegiert waren, versteht sich von selbst. Vgl. 
P. Würzburg (26), BGU IV 1022 (29). Nach P. Compt. Rend. (28) haben 
auch die Väter von nccldeg 'Avtlvo'CxlxoC Privilegien genossen. Das dürften 
Väter von solchen Söhnen sein, die als Kolonisten sich an der Be- 
siedlung von Antinoopolis beteiligt haben. Vgl. den Kommentar. 

Trotz aller Autonomie ist Antinoopolis doch zugleich [irjXQÖitofog des 
MvtLvottrjg geworden, den Hadrian wohl vom Hermopolites abzweigte. 
Vgl. Claud. Ptol. IV 5 § 61. 3 ) Wie das praktisch durchgeführt wurde, 
wüßten wir gern. Der Stratege wird in der Metropole gewohnt haben, 
aber seine Kompetenz wird nur außerhalb des Stadtgebietes gegolten 
haben (so auch Kuhn II 505). In städtischen Angelegenheiten war die 
Stadt gewiß von der Kompetenz des Strategen eximiert. So nennt, 
wie schon Letronne hervorhob, die städtische Weihinschrift CIG. III 
4705 zur Datierung den Präfekten, den Epistrategen und den Prytanen, 
aber nicht den Strategen (wie z. ß. Dittenberger Or. Gr. II 659 aus 
Dendera, 661 dito, 663 dito, 675 aus Ombos, 702 aus der Oase, 708 aus 
Xois usw.). Daß gleichwohl auch bei Beschwerden von Antinoiten der 
Präfekt die kommissarischen Erhebungen dem Strategen überwies, zeigt 
P. Würzb. (26). 

Über die Kulte von Antinoopolis vgl. Kap. II, über die Agone 
Kap. HI. 

Von weiteren Griechenstädten ist auch in der Kaiserzeit nichts be- 



1) Auch lateinisch, vgl. Cair. Holzt. (Nouv. Rev. Hist. XXX 480: L. VaLerio) 
Lucretiano Matidio q(ui) e(t) Plotinio Antinoensio). 

2) Kaiser Hadrian S. 249. Vgl. Arch. IV 550, 552. 

3) Der Gau 'AvTivottrjs wird erwähnt in P. Straßb. 40, 9 (a. 569). 



B. Die römische Periode. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. 53 

kannt. *) Zum Schluß sei hier darauf hingewiesen, daß die uralte Ägypter- 
stadt Heliopolis irgend wann neu besiedelt zu sein scheint. Diese 
bisher nicht hervorgehobene Tatsache ergibt sich aus Lond. II S. 209 (31) 
156 n. Chr. und Oxy. IV 719 (193 n. Chr.). In dem älteren Text be- 
gegnet ein: lävovßicov iävovßicovog MeiupLrrjg cbrö yvfiva6Co(y) vibg cctcoC- 
xov 'HUov noXiv (1. itoXecog), in dem jüngeren ein Jldvyiog ZänoXXavCov 
tirjtQog 'EXsvyg än[oC\xov r HHov TCÖXsag. Der letztere ist Bürger und 
zwar „Kolonist" von Heliopolis, wenn er auch ein Grundstück im Oxy- 
rhynchites kauft, der andere ist Bürger von Memphis, kann daher nicht 
selbst „Kolonist" von Heliopolis sein, ist aber der Sohn eines solchen. 
Zumal letzteres auch in der fremden Stadt besonders hervorgehoben 
wird, werden diese cixoixoi "HXCov nöXeag eine irgendwie privilegierte 
Klasse gebildet haben. Da der Memphit sich außerdem als ä%b yv^ivcc- 
dCov bezeichnet (vgl. Kap. III), so werden diese Kolonisten wohl — 
mindestens z. T. — den Griechen angehört haben. Der für Memphis 
typische Name 'AvovßCav spricht in dieser Zeit nicht dagegen. Wann 
diese Kolonisierung vor sich gegangen ist, darüber fehlt es z. Z. an jeder 
Andeutung. 

§ 4 BEVÖLKERUNG UND BEVÖLKERUNGSPOLITIK. 

Die römische Herrschaft hat in der Bevölkerungsfrage mehrere wich- 
tige Änderungen herbeigeführt. Dahin gehört die steigende Bedeutung 
des römischen Elementes, ferner die Herabdrückung der Ägypter zu De- 
diticiern und der Ausbruch der Judenkämpfe. 

Es versteht sich von selbst, daß von nun an die römischen Bürger 
in Ägypten die Rolle spielten, die unter den Ptolemäern den Makedoniern 
und Griechen zugefallen war. Sie waren jetzt die Vertreter des herrschen- 
den Volkes, während die Makedonier, soweit diese überhaupt noch als 
eigene Klasse {Maxedovsg) nachweisbar sind 2 ), und die Griechen jetzt als 
Provinzialen an die zweite Stelle zurücktraten. Die Kluft zwischen den 
Römern und der Gesamtbevölkerung des Landes tritt uns u. a. darin ent- 
gegen, daß nur die civitas Alexandrina zum eventuellen Erwerb der civitas 
Romana qualifizierte (s. oben S. 46). Trotzdem ist bekanntlich kein Ver- 
such gemacht worden, etwa die Sprache der Herren, das Latein, zur offi- 
ziellen Amtssprache zu machen. Das war das Ergebnis der hellenistischen 
Jahrhunderte, daß die griechische Sprache wie selbstverständlich die Amts- 
sprache im Lande blieb. 8 ) Auch die höchsten römischen Beamten des 



1) Zu Hermopolis Magna und Lykopolis s. oben S. 18 Anm. 4. 

2) So im Anfang in Alexandrien. Vgl. Schubart Arch. V 111. Sie werden bald 
verschwunden sein. 

3) Mommsen RG V 563. L. Hahn, Rom und Romanismus im griech. röm. Osten 
1906, 110 ff. 



54 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Landes, auch der Präfekt, haben in dieser Periode ihre Amtsjournale 
(y7to[Lvr]ficcti,6[ioL) griechisch führen lassen. 1 ) Die statthalterlichen Edikte 
wurden griechisch publiziert. Auch die noch erhaltenen kaiserlichen 
Reskripte, die an Personen in Ägypten gerichtet waren, sind griechisch 
geschrieben. Zwar Hadrians Brief an den Präfekten Rammius (BGU 140) 
war im Original lateinisch geschrieben, aber ausgehängt wurde eine grie- 
chische Übersetzung — vielleicht neben dem lateinischen Wortlaut, weil 
die Publikation im Legionslager erfolgte. Denn im allgemeineren, wenn 
auch nicht ausschließlichen amtlichen und privaten Gebrauch ist das 
Latein nur im Heere gewesen. Die meisten der wenigen uns erhaltenen 
lateinischen Papyri sind Militärakten. Vgl. BGU II 610, 696, IV 1083; 
Fay. 105; Oxy. IV 735; Gen. lat. 1; Wess. lat. Taf. 8, 9. Auch die latei- 
nischen Briefe (Grenf. II 109; Oxy. I 32; Straßb. 36; Wess. lat. Taf. 1) 
und Rechnungen (Oxy. IV 737; Gen. lat. 4; Wess. lat. Taf. 11) gehören 
z. T. militärischen Kreisen an. 2 ) Doch zeigen zahlreiche griechische Ur- 
kunden von Soldaten (und nicht nur von Auxiliaren), z. B. auch die Ostraka 
aus dem Militärlager von Pselkis (Griech. Ostr. I S. 705 ff.), daß auch in 
diesen Kreisen sehr viel Griechisch gesprochen wurde, was sich aus den 
Aushebungsverhältnissen erklärt (vgl. Kap. XI). Andererseits zeigen Stücke 
wie Oxy. IV 720, Oxy. VI 894 3 ), daß das Latein zwischen römischen 
Beamten und römischen Bürgern in Gebrauch war, selbst wenn diese 
Römer nur griechisch subskribieren konnten. Doch ist dies vielleicht nur 
auf solche Fälle beschränkt gewesen, in denen es sich um speziell römische 
Einrichtungen handelte. Bei welchen Gelegenheiten die römischen Be- 
amten sich sonst noch des Latein bedienten, illustrieren die lateinischen 
Inschriften Ägyptens (CIL III). Die Sprachenfrage bedarf noch dringend 
einer eingehenderen Untersuchung. 4 ) 

Den Kern der römischen Bevölkerung bildet die römische Beamten- 
schaft und das Heer. Außerdem haben sich manche Römer als Kauf- 
leute, Bankiers, Gewerbetreibende, Grundbesitzer usw. in Ägypten nieder- 
gelassen, vor allem wohl in Alexandrien 5 ), aber auch im Lande. Daß 
man in Oxyrhynchos schon zu Claudius' Zeit mit römischen Bewohnern 
rechnet, zeigt die formelhafte Erklärung des Hausbesitzers Oxy. II 255 
vgl. Oxy. III 480 (a. 132): [irjt(£) enl&vov ^'t( £ ) 'PMp{cäov) ft^r(f) 



1) Vgl. Arch. I 4. 

2) Abzusehen ist hier von den außerhalb Ägyptens geschriebenen lateinischen 
Papyri wie P. Brit. Mus. CCXXIX (aus Seleucia in Pieria) und Grenf. II 108 (geschrieben 
ad Pulvinos). 

3) Vgl. auch die Cairener Holztafeln in Nouv. Rev. Hist. XXX 477 if. 

4) Zu dem allmählichen Eindringen lateinischer Lehnwörter in das Griechische 
vgl. Wessely, Wien. Stud. 24 (1902) und dazu Wilcken, Arch. II 465, Thumb, Arch. 
III 447, außerdem Hahn 1. c. 

5) Beispiele aus Augustus' Zeit bei Schubart 1. c. 



B. Die römische Periode. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. 55 

MXe£avd(Q£a) iir]r(s) Alyv{%xiov) [irJT(i) ccTtEXtvi&sgov) xtX. In derselben 
Stadt begegnen uns im 2. Jahrh. die daselbst domizilierenden Römer als 
Teilnehmer an einem Gemeindebeschluß von aQ%ovTeg und drjpog (Oxy. 
III 473 33). Wahrscheinlich waren diese consistentes (7taQ£(itdrj(iovvt£g) in 
einem Conventus civium Romanorum organisiert. 1 ) Daß auch in der 
fernen Thebais sich Römer aufhielten, ganz abgesehen vom Heere, zeigt 
BGU III 747 (35), wonach die Römer, die im Koptitischen Grau in der 
Steuerverwaltung liturgische Stellen bekleideten, dem Strategen daselbst 
nicht parieren wollten. 

Nicht alle Personen, die eine römische Nomenklatur zeigen, sind von 
Hause aus 'römische Bürger gewesen. Gerade hier sind gewiß viele Frei- 
gelassene unter ihnen, die durch die Freilassung in die gens ihres Patro- 
nus eingetreten sind. Auch manche Latini mögen darunter sein. Außer- 
dem haben viele Provinzialen dank dem Militärdienst das Bürgerrecht er- 
worben, die Legionare schon bei Eintritt in die Legion, die Auxiliaren 
und Flottenmannschaften nach Absolvierung des Dienstes als veterani 
(vgl. Kap. XI). Diese aus der griechischen resp. graeco-ägyptischen Schicht 
hervorgegangenen Bürger erkennt man meist leicht an ihren früheren 
griechischen oder ägyptischen Namen, den sie nunmehr als Cognomen 
führen. Außerhalb der Armee wird in Ägypten das römische Bürgerrecht 
nicht allzu häufig verliehen worden sein, schon wegen jener Bestimmung 
über das alexandrinische Bürgerrecht als Vorstufe, und überhaupt ist in 
Ägypten die Civität immer nur personal, niemals an Gemeinden verliehen 
worden. 2 ) 

Darum wird für Ägypten die Constitutio Antonina vom J. 212 
einen viel größeren Einschnitt bedeutet haben als für manche andere 
Provinz, in der die Ausbreitung der Civität sukzessive eine größere Aus- 
dehnung, und nicht nur durch personale Verleihung, gewonnen hatte. 
In den ägyptischen Urkunden tritt uns die Größe des Umschwunges deut- 
lich entgegen. Statt der im ganzen doch spärlichen Zahl von römischen 
Bürgern aus der Zeit vor 212 finden wir jetzt eine Unmenge von Avqt\- 
>Uot, die durch ihre griechischen und ägyptischen Cognomina sich als 
Neubürger nach jener Konstitution präsentieren. 3 ) Freilich verzichtete 
man schon bald darauf, regelmäßig das römische Pränomen und Nomen 
zu gebrauchen 4 ), was für uns um so bedauerlicher ist, als ja nicht alle 
Bewohner des Landes durch jenen Akt der römischen Civität teilhaftig 
geworden waren, so daß die Untersuchung über das Maß der Ausbreitung 
der Civität dadurch für uns sehr erschwert wurde. 

1) Vgl. hierzu Korneroann Pauly-Wiss. IV 1179 ff. 

2) Vgl. Mitteis, Reichsrecht 148 f. 

3) Ein ausdrücklicher Hinweis auf die Konstitution findet sich z. B. in BGU H 
655 (a. 215): Avg^Xiog Zmaifiog itgb per tjjg fticcg dagsäg Zwoiuog AsoviSov. 

4) Vgl. P. Meyer, Heerwesen 187. 



56 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Daß die Worte Ulpians (Dig. 1, 5, 17): in orbe Romano qui sunt 
ex constitutione imperatoris Antonini cives Romani effecti sunt ein unvoll- 
ständiges Bild von dem Erlaß geben 1 ), ist längst erkannt worden, da z. B. 
aus den Militärdiplomen des 3. Jabrh. hervorging, daß die alten Kate- 
gorien von Bürgern und Nichtbürgern (latinischen und peregrinischen 
Rechts) durchaus nicht verschwunden waren. So war es ein viel behan- 
deltes Problem, welche Kategorien von Caracalla ausgeschlossen worden 
seien. 2 ) Daß die Annahme Mommsens 1. c, „bloß die Bürger von Alexan- 
dria, nicht aber die Ägypter überhaupt" hätten das Bürgerrecht empfangen, 
den Kreis der Empfänger zu eng zog, ließ sich nach dem Anwachsen des 
Papyrusmaterials erkeünen. 3 ) P. Meyer hat dann aus den Papyri das 
Resultat gewonnen, daß die kopfsteuerpflichtige Bevölkerung (die Xaoyqa- 
cpovfisvoL) von der Civität ausgeschlossen geblieben seien. 4 ) Diese These 
ist jetzt im wesentlichen bestätigt worden durch die glückliche Auf- 
findung des Wortlautes der Constitutio, den P. Meyer als Giss. 40 vor 
kurzem herausgegeben hat. Die entscheidenden Worte des Ediktes lauten 
nach Meyers Ausgabe: dCdaiit xol\ß 6\vvccna\piv %evoig tolg xcctä t]tjv 
oixoviievrjv it[oXit]£Cav 'Pa^alav , [ftjsvovtog \itavxbg yivovg Tto\i%£vyi\<k- 
tav, %<oq\}s] tS>v \ded]eiTixicov. 5 ) Hierdurch wird Mommsens Auffassung, 
daß diese Verleihung nur eine personelle war, „ohne daß dadurch die in 
den einzelnen Nichtbürgergemeinden bestehende Ordnung geändert ward" 
(Staatsr. III 699), bestätigt. 6 ) Vor allem aber füllt sich jetzt die lange 
empfundene Lücke unseres Wissens in authentischer Weise durch die 
Ausnahmeklausel: %ooptg rcöv [d soweit ixCav. Unter den verschiedenen 
Klassen von dediticii können hier mit Meyer nur die peregrini dediticii 
gemeint sein 7 ), von denen Gaius (Inst. 1, 14) sagt: vocantur autem pere- 
grini dediticii hi, qui quondam adversus populum Romanum armis sus- 
ceptis pugnaverunt, deinde victi se dediderunt. 

Hiernach ist es jetzt eine wichtige Aufgabe festzustellen, wer in 
Ägypten zu diesen dediticii gehört hat. Ihr Hauptkennzeichen ist die 



1) Ebenso Dio Cass. 77, 9, 4 ff. Vit. Sev. 1, 2. Augustin. de civ. Dei 5, 17. Justin. 
Nov. 78, 5. 

2) Vgl. Mommsen, Hermes 16, 474 ff. (= Histor. Sehr. II 418 f.). Mitteis, Reichs- 
recht 159 ff. 

3) Vgl. Wilcken, Hermes 23, 294 ff. 

4) Heerwesen 136 ff. 

5) Die Ergänzungen sind von Meyer, bis auf £,£voig xoig uaxa t]t)v, das ich ihm 
vorschlug. Da vor övvünccaiv der Artikel steht, so ist es adjektivisch gebraucht. Das 
Substantiv kann nur £,ivoig (peregrini) sein, wenn dieser Begriff auch in der unvoll- 
ständigen Wiedergabe Ulpians fehlt. 

6) Ob freilich Meyers Ergänzung [}i\ivovxog \nccvxbg yivovg %oXixBV^]äx(av wört- 
lich zu halten ist, ist sehr fraglich. Den Sinn dürfte er richtig erfaßt haben. 

7) Auch dies spricht dafür, daß der Begriff £,£vog = peregrinus vorhergegangen 
sein muß. 



B. Die römische Periode. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. 57 

Kopfsteuerpflichtigkeit *), und insofern hatte P. Meyer schon vorher richtig 
gesagt, daß die XccoyQcccpovfievoi von der Constitutio ausgeschlossen ge- 
wesen seien, während die von der inCxQiöiq (vgl. Kap. V) als den privile- 
gierten Klassen angehörig anerkannten Personen (die S7tixexQt,(ievoi) die 
civitas Romana erhalten hätten. 2 ) Zu diesen von der Kopfsteuer freien 
Klassen gehören aber 3 ) zunächst alle Inhaber des alexandrinischen Bürger- 
rechts, und ebenso auch die des Bürgerrechts von Ptolemais, Naukratis 
und Antin oopolis. 4 ) Das entspricht der anderen Charakteristik des dedi- 
ticius, daß er nullius certae civitatis civis est. 5 ) Die Metropolen waren, 
wie wir oben sahen, nicht civitates, daher zahlten auch die Metropolen- 
bewohner Kopfsteuer. Aber die Honoratiorenfamilien , die die Amter be- 
kleideten, die o[ uitb yv^ivaeCov genannten (s. Kap. III) — also die Bürger 
hellenischer Bildung 6 ) — zahlten ein geringeres Kopfgeld, wie z. B. 
die \3Lt\xqo'KoVixai dadexdÖQaxiioi in Oxyrhynchos, die te6<36qccxcuslxo6C- 
d()a%fioi in Hermopolis (s. Kap. V), und an dieser Kopfsteuerpflichtig- 
keit hat die Einführung der Ratsordnung vom J. 202 nichts geändert. 
Vgl. Lond. III S. 127/8 vom J. 261. Trotzdem sind diese Honoratioren- 
familien mit beschränkter Kopfsteuer nicht zu den dediticii gezählt 
worden. 7 ) Sie begegnen nach 212 durchweg als AvQr{kioi (vgl. z. B. 
den eben zitierten Lond. P.). So gehören denn auch die diesen Familien 
entstammenden Beamten nicht zu den dediticii. 8 ) Ferner sind frei 
von der Kopfsteuer die xdtoixoi, d. h. die Besitzer von Katökenland, 
die als Nachfolger der Lehnsleute der ptolemäischen Zeit eine besondere 
privilegierte Stellung einnahmen (vgl. Kap. VII). Ob es bestimmte Be- 
dingungen gegeben hat, die zum Erwerb des Katökenlandes qualifizierten, 
ist noch nicht festgestellt worden. Man sollte es denken, da der Besitz 
des Katökenlandes wichtige Rechte gab. Wohl kamen auch Personen 
mit ägyptischen Namen unter den Katöken vor 9 ), aber eine Katökenliste 
wie Lond. II S. 143, 62 ff., in der vorwiegend griechische Namen erscheinen, 
unter ihnen viele Honoratioren der Stadt 10 ), oder eine Liste von Katöken 
und Katökensöhnen wie Lond. H S. 46 ff. legen doch den Gedanken nahe, 
daß zum mindesten zu Beginn der Kaiserzeit, als der Begriff dediticius 



1) Vgl. Meyer P. Giss. II S. 31. 2) Heerwesen S. 143. 

3) Vgl. Wilcken, Griech. Ostr. I 240. P. Meyer 1. c. 

4) Für Antinoopolis wird es ausdrücklich bezeugt durch P. Coropt. Rend. (28). 

5) Ulpian, Regul. 20, 14. 

6) In dieser Zeit der Völkermischung gilt erst recht, was schon Isokrates 
(Panegyr. 51) gesagt hat, daß Hellene ist, wer die hellenische 7TaiSsvaig hat. 

7) Oxy. ni 478 , 22 spricht nicht notwendig dagegen. Die Verpflichtung, 
12 Drachmen zu zahlen, mußte notwendig Si' b\ioX6yov XccoyQacpiag festgestellt werden. 
Darum konnten sie durch Privileg doch eximiert sein von dem Stande der o^öloyoi 
(— dediticii, s. unten). 

8) Vgl. Meyer, Heerwesen S. 142. 9) Meyer, Heerwesen S. 104. 
10) Vgl. dagegen die vorhergehende Liste von 8t]iiöaioi yecoQyoi. 



58 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

eingeführt wurde, die Katöken vorwiegend griechische Elemente um- 
faßten. Da dann in den weiteren Jahrhunderten bis zur Constitutio An- 
tonina die Mischung der griechischen und ägyptischen Namen weitere 
Fortschritte machte, so erklärt sich, daß nach 212 aus den Kreisen der 
Metropoliten und der Katöken auch viele Träger ägyptischer Namen als 
AvQ^liot erscheinen. 1 ) Wenn Oktavian auch sicherlich nicht die Rassen- 
angehörigkeit, sondern die rechtliche Stellung der Personen für die Schei- 
dung in Dediticier und Nichtdediticier zugrunde gelegt hat, so läuft doch 
die Exemtion der Bürger griechischer Städte, der Honoratioren der Metro- 
polen und der Katöken faktisch auf eine Privilegierung der helle- 
nischen Bestandteile der Bevölkerung hinaus 2 ), während die Aiyvnxioi 
als dediticii nunmehr eine staatsrechtlich getrennte Klasse bildeten. 8 ) 
Eine Ausnahme machte nur ein Teil der ägyptischen Priesterschaft, inso- 
fern diejenigen Priester, die sich innerhalb des von der Regierung kon- 
zedierten Numerus hielten, im Anschluß an die ptolemäischen Einrich- 
tungen von der Kopfsteuer befreit wurden (Kap. II). So haben die 
Ägypter, die unter den späteren Ptolemäern immer angesehener und ein- 
flußreicher geworden waren, durch den mißglückten Widerstand gegen 
Oktavian einen tiefen Sturz getan. Sie wurden wieder zurückgeworfen in 
die niedrige Stellung, die sie unter den ersten Ptolemäern eingenommen 
hatten. Zwar hatten sie auch damals schon eine kopfsteuerartige Auflage 
zahlen müssen, aber abgesehen davon, daß die von Augustus eingeführte 
Kopfsteuer {Xaoyqcupla) neu und wahrscheinlich strenger organisiert wurde 
(Kap. V), waren die Ägypter jetzt als peregrini dediticii als die Paria- 
klasse gebrandmarkt. 4 ) So hat denn auch aus ihren Reihen während der 
Römerherrschaft nicht eine einzige Persönlichkeit im öffentlichen Leben 
eine größere Rolle gespielt, wie es doch in der späteren Ptolemäerzeit 
vorgekommen war (oben S. 22). In der Sprachenfrage kam ihnen die 
Regierung auch jetzt insofern entgegen, als sie ihnen auch weithin ge- 



1) Zumal seit P. Meyers Zusammenstellungen (Heerwesen S. 137 ff.) sehr viel 
neues Material hinzugekommen ist, muß die Aurelier- Frage von neuem untersucht 
werden. 

2) So auch Jouguet, Rev. de Philol. XXXIV (1910), 56. 

3) Vgl. Wilcken bei Rostowzew, Stud. z. Gesch. des Kolonats S. 223, 408. 
Natürlich gehören auch die nichtprivilegierten Fremden dazu, wie die Juden, die ja 
auch Kopfsteuer zahlen. 

4) Jetzt verstehen wir noch besser die Korrespondenz zwischen Plinius und 
Traian über den Ägypter Harpocrates. Daß Aegyptius eine staatsrechtliche Klasse 
bezeichnet, bestätigen Plinius' Worte ep. 6: quoniam esset Aegyptius. Ego autem 
qui inter Aegyptios ceterosque peregrinos nihil interesse credebam . . . etc. Und in 
ep. 7 fragt Traian, ex quo nomo sit, denn der Ägypter gehört zum Gau, nicht zu 
einer Stadt (vgl. oben S. 39). Vgl. auch Jos. c. Apion. 2,4: povoig Alyvjtriotg ol 
■AVQioL vvv 'Paeaioi rfjg olxovptvng iistaXaiißävsiv fiauvogovv TtoXirdag &TteiQi]Kaatv. 
Vgl. 2,6. 



B. Die römische Periode. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. 59 

stattete, Verträge demotisch abzufassen (Band II). Vgl. Spiegelbergs Aus- 
gabe der demotischen Papyri von Berlin (S. 22 ff.) und von Straßburg. 
Dagegen liegt aus der Römerzeit kein Beispiel dafür vor — wie Spiegel- 
berg mir bestätigt — , daß etwa Regierungserlasse zweisprachig publiziert 
wären wie einst in Philadelphos' Zeit. 1 ) Dies Fehlen wird kein Zufall 
gewesen sein. Es entspricht einerseits dem strengeren Zuge der römischen 
Regierung, andrerseits hatte die griechische Sprache inzwischen offenbar 
auch unter den gewöhnlichen Ägyptern solche Fortschritte gemacht, daß 
das öffentliche Interesse eine Rücksichtnahme auf das einheimische Idiom 
nicht mehr erforderte. 

Während der lateinische Ausdruck dediticius sich in unsern Urkunden 
außerhalb des Edikts des Caracalla begreiflicherweise nicht findet, glaube 
ich ein griechisches Äquivalent dafür in dem Worte bfioXoyog wahrschein- 
lich gemacht zu haben. 2 ) Diese b^iöXoyoi, die bis vor kurzem nur aus 
Cod. Theod. 11, 24, 6 bekannt waren, tauchten dann auch in den Papyri 
auf und sind auf sehr verschiedene Weise gedeutet worden. 3 ) Nun läßt 
sich aber aus Lond. II S. 38 (63) erweisen, daß die bfiöXoyoi hier im 
Gegensatz zu den vjtsgETug, d. h. den Kopfsteuerfreien, über 60 Jahre 
Alten, die Kopfsteuerpflichtigen sind, also die kopfsteuerpflichtigen Männer 
vom 14. — 60. Jahre (die XaoyQatpoviievoi). Vgl. auch BGU 560 (64). 
Dieser Zusammenhang zwischen den b[i6Xoyot, und der XaoygacpCa tritt 
auch in dem Ausdruck t} b[i6Xoyog XaoyQacpCu entgegen. Vgl. Oxy. III 
478, 23 und Stud. Pal. I S. 71, 459 (61). Dieses Zusammenfallen der 
b[i6Xoyoi mit den XaoyQcccpov[isvoi führte mich, da die letzteren anderer- 
seits wieder mit den dediticii zusammenfallen, auf die sachliche Gleich- 
setzung der b^ioXoyot mit den dediticii. Daraus ergab sich dann eine 
Identifizierung der beiden Begriffe, da sich von dieser Voraussetzung aus 
eine glaubhafte Etymologie von bpdXoyoi gewinnen ließ, denn da bpoXo- 
yalv „sich ergeben" (auch nach bewaffnetem Widerstand) heißen kann 4 ), 
so kann auch bpöXoyog denjenigen bezeichnen, der sich ergibt, d. h. den 
dediticius im Sinne des Gaius. Natürlich ist das zunächst eine Hypothese, 
die weiterer Prüfung bedarf. Die Richtigkeit einstweilen vorausgesetzt, 
so sind die bfiöXoyoi (= dediticii) die gesamte kopfsteuerpflichtige Be- 
völkerung Ägyptens, einschließlich der Frauen und Kinder. In diesem 
weitesten Sinne ist das Wort angewendet in Stud. Pal. I S. 64, 142 f., 



1) Der hieroglyphische Text der dreisprachigen Gallus-Inschrift ist Priester- 
Inschrift. Der Beschluß in Ditt. Gr. Or. 666, auch eine hieroglyphische Ehreninschrift 
zu setzen, ist Beschluß der Dorfleute von Busiris, nicht des Präfekten, wie Letronne 
annahm. 

2) Bei Roetowzew, Kol. S. 220—223. Vgl. auch S. 407 f. 

3) Vgl. den Überblick bei Zulueta, de patrociniis vicorum (in Oxford Studies in 
social and legal history ed. Vinogradoff I 1909) S. 51 ff. 

4) Herodot VII 172. Thuk. I 101, 3; 108, 4. IV 69, 4. 



60 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

wo es in einer Liste der äcprjXiKsg viol Xaoygacpov^ivcov heißt: xccl reo 
(tc^cotö) (erst) Ovs6%a6iavov anb %£(vrjg) xccT[£i6eXfr6vt£g o. ä.] 1 ) 6vv xolg 
TCatQaöL iv 6[iol(6yoig) dvei2.(rj^iisvoL) %xh Hier werden die unter 
14 Jahre alten, also noch nicht Kopfsteuer zahlenden Söhne, die mit 
ihren Vätern aus der Fremde heimgekehrt waren 2 ), doch schon unter die 
öfiöXoyoi aufgenommen. Dagegen bezeichnet ofiöXoyoi in Lond. II S. 38 
im engeren Sinne die dediticii von 14 — 60 Jahren, die Kopfsteuer zahlen. 
Zu BGU 560 (64) vgl. den Kommentar. Eine noch prägnantere Bedeutung 
scheint in Lond. II S. 226 ff. vorzuliegen, wo als 6{i6Xoyoi nur die im 
eigenen Dorf Anwesenden bezeichnet werden im Gegensatz zu den von aus- 
wärts gekommenen Arbeitern, die zu vorübergehenden Arbeiten in dies 
Dorf kommandiert worden sind. Vgl. auch BGU II 618. 

Bestätigt sich meine Hypothese, so haben wir also vom I. bis zum 
HI. Jahrh. folgende Zeugnisse für die dediticii (piiöXoyoi) in Ägypten: 
Griech. Ostr. II n. 412—415 für J. 62/3; Lond. II S. 38 ff. 3 ) für J. 94/5; 
Lond. II S. 226 ff. für 133/4; BGU 560 fürs IL Jahrh.; BGU 618 für 213/4. 

Der Widerstand der Ägypter gegen Oktavian hat sich bereits im 
1. Jahre der neuen Herrschaft in Aufständen fortgesetzt. Nach Strabo 
XVII p. 819 hat der erste Statthalter Cornelius Gallus das aufrührerische 
Heroonpolis erobert und einen Aufstand in der Thebais, der „wegen der 
Steuern" ausgebrochen war, niedergeworfen. Vgl. hierzu die Gallus-Inschrift. 
Die unsichere Lage zur Zeit des Tiberius beleuchtet das Edikt des Flaccus 
in P. Boissier (13). Auch später ist es gelegentlich zu Unruhen unter 
den Ägyptern gekommen, doch sind sie meist nicht von größerer Bedeu- 
tung gewesen und haben offenbar vom römischen Heer leicht niederge- 
drückt werden können. Diese Unruhen waren z. T. die Wirkungen der 
wirtschaftlichen Lage, indem die Ägypter, um dem ständig wachsenden 
Druck der Liturgien und Steuern zu entgehen, vielfach ihre idla verließen 
{ava%coQ£Zv) und so ein gefährliches Proletariat snl %evr]g bildeten. Zu 
einem ernsteren Aufstand scheint es etwa im Jahre 153 gekommen zu 
sein. Auf ihn bezieht sich das Edikt des M. Sempronius Liberalis vom 
Jahre 154, das uns in BGU II 372 (19) erhalten ist. Größeren Umfang 
nahm der Aufstand der Bukolen an, der im Jahre 172 ausbrach, zu einer 
Niederlage der römischen Truppen führte und erst durch den aus Syrien 
geschickten Avidius Cassius niedergeworfen werden konnte. Von beson- 
derem Interesse ist, daß nach Dio Cass. 71, 4 ein Priester es war, der 
die Führung des Aufstandes übernahm. Dadurch ist der nationale Cha- 



1) So schlug ich bei Rostowzew 1. c. vor statt &nb £s(vcov), woraus Wessely ge- 
folgert hatte, daß die Ortsabwesenden die oyböXoyoi seien. 

2) Daß die Väter mit den Söhnen in die Fremde gingen, liegt auch in P. Cair. 
Cat. 67002 I 19 vor (ixl Uvi]s cvv xinvoig). 

3) Vgl. auch S. 41, 137 UDd 42, 191. 



B. Die römische Periode. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. 61 

rakter dieses Aufstandes gesichert. Von dem Aufstandsgebiet xä BovxöXca 
handelt der Brief BGU II 625 (21) aus dem III. Jahrhundert. Meine 
Vermutung *) , daß die Militärurkunden P. Mel. Nie. S. 58 ff. sich viel- 
leicht auf den Aufstand von 172 beziehen könnten, ist durch die von 
A. Stein im Arch. IV 165 erwiesene Datierung vom Jahre 203 beseitigt. 
Ob es sich um neue Unruhen in den Bukolia vom Jahre 203 handelt, 
bleibt zweifelhaft. Landflüchtige Ägypter aus der %aQa waren ferner auch 
beteiligt bei dem großen alexandrinischen Aufstande des Jahres 215, der 
von Caracalla selbst im Blut erstickt wurde. Wir besitzen jetzt in Giss. 
40 II 15 ff. (22) Auszüge aus dem Tagesbefehl des Kaisers, in dem er 
nach Beendigung der Revolte die Austreibung der in Alexandrien nicht 
ortsansässigen Ägypter anordnete, ein Text, der auch durch die Charakte- 
risierung der „wahren Ägypter" von höchstem Interesse ist. 

Die Mischung der ägyptischen und der griechischen Rasse, die schon 
unter den Ptolemäern sehr bedeutend gewesen war (s. oben S. 23), hat in 
der Kaiserzeit immer weitere Fortschritte gemacht. Die Mischung der 
Namen in den unteren griechischen Schichten, die nicht zu den privi- 
legierten Klassen (den smjcsxQ^asvoi) gehörten und den ägyptischen Kreisen 
wird eine immer allgemeinere, so daß Rückschlüsse aus der Nomenklatur 
auf die Rasse für diese Kreise überhaupt nicht mehr möglich sind. Ja, 
auch in jenen höheren griechischen Kreisen kommen ägyptische Namen 
vor, wenn auch im großen und ganzen ein Unterschied in den Nomen- 
klaturen nicht zu verkennen ist. Vgl. die oben S. 57 angeführten Bei- 
spiele. Wollte jemand seinen Namen, der in die Bevölkerungslisten einge- 
tragen war, später ändern, so bedurfte er dazu natürlich einer behörd- 
lichen Erlaubnis. Ein Straßburger Papyrus vom Jahre 194 (52) führt 
uns einen Fall vor, wo ein Mann griechischen Namens vom Idiologos die 
Erlaubnis erbittet und erhält, für die ägyptischen Namen von Vater und 
Mutter griechische Äquivalente einzuführen. Dieser der gräko-ägyptischen 
Mischbevölkerung angehörige Mann schämt sich offenbar seiner ägyptischen 
Elternnamen und will nun wenigstens äußerlich den Anschluß an die 
"EXXrjvtg erreichen. Seine Rechtsstellung hat sich zwar durch die Ände- 
rung der Nomenklatur nicht geändert; er war und blieb ein Dörfler seines 
Gaues. 

Nachdem die AiyvTtxiov (im oben definierten Sinne) von Oktavian zu 
dediticii gemacht waren, schlössen sich die hiervon eximierten Klassen 
als "EXXrjvsg zusammen. Es scheint sogar, daß es eine wie auch immer 
beschaffene Organisation dieser „Hellenen" gegeben hat. Dies darf aus 
der vielbesprochenen alexandrinischen Inschrift Dittenberger Or. Gr. II 709 
gefolgert werden, in der zur Ehrung des berühmten Rhetors P. Aelius 



1) Arch. HI 552 f. 



(J2 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Aristides außer Alexandrien die "EXX^vag des Delta und der Thebais, 
aus der Heptanomia aber Hermopolis Magna und der Rat von Antino- 
opolis sich vereinigen. Bemerkenswert ist auch, daß in einer Census- 
eingabe aus dem Dorf Samaria für das Jahr 131/2 ein IlToXsfialog 
sich räv iv HQ6i(vottrj) d[v]dQ&v 'EXXrjvcov" nennt (Teb. II 566). *) 
Wollte er sich dadurch von der wahrscheinlich stark semitischen Bevölke- 
rung des Dorfes abheben? 2 ) Immerhin enthält auch dieser Ausdruck einen 
Hinweis auf einen Zusammenschluß der Hellenen des Gaues. Diese 
"EXXrjvsg also sind es, wenn die obigen Ausführungen zutreffend sind, die 
durch die Constitutio Antonina das römische Bürgerrecht erhalten haben. 
Es sei hervorgehoben, daß im Edikt Z. 19 der Kaiser von den Hellenen 
gesprochen hat, doch ist von dieser Zeile nichts weiter erhalten als t]öv 
'EXXi][va)v. Äußerlich sind sie nunmehr als Römer kenntlich durch ihre 
veränderte Nomenklatur — falls sie nicht gelegentlich auf die Hervor- 
hebung verzichten. Dagegen werden sie m. W. niemals als 'Pattcctot, be- 
zeichnet, wie sie auch keine Tribus führen. Vgl. hierzu die Bemerkungen 
zu BGU 747 (35). Sie behalten neben der civitas Romana ihre alte 
Gremeindeangehörigkeit und heißen daher nach wie vor }4Xe%avdQEig, 
'AvxivotXg etc., resp. x&v uizb yvfivaöCov TE66ccQaxcu£ixo6£dQa%iioi u. dgl. 
Über die rechtlichen Wirkungen der constitutio Antonina vgl. Mitteis im 
II. Bande. Über das von Caracalla angegebene Motiv, er habe die 
peregrini dem römischen Staatskult zuführen wollen, vgl. Kap. IL 

Unter den sonstigen Bestandteilen der Bevölkerung verdienen auch 
für die Kaiserzeit die Juden eine besondere Betrachtung. Die Ausbrei- 
tung der Juden in Stadt und Land, die schon in der Ptolemäerzeit eine 
bedeutende gewesen war (s. oben S. 24), wird in der Kaiserzeit eher zu- 
als abgenommen haben. Philo schätzt die ägyptische Judenschaft seiner 
Zeit auf etwa 1 Million. 8 ) Die Papyri bieten auch für diese Zeit wieder 
mehrere wertvolle Nachrichten. 4 ) Für eine starke Verbreitung der Juden 
in der Thebais spricht die Tatsache, daß die „thebäischen" Juden in 
Arsinoe ihre eigene tiqoöevx^ sowie ein Bethaus (sv%£lov) hatten. Vgl. 
Lond. IH S. 183, 57. Ein jüdisches Ghetto in Oxyrhynchos bezeugt 
für das J. 85 Oxy. H 335, wo ein von einem Juden gekauftes Haus in 
aiicpodov 'Iovda(t)x(ov) liegt. 5 ) Für das Vertrauen, daß sie bei der Regie- 
rung genossen, zeugt, daß in der Sitologenliste BGU 715 (a. 101/2) sich 
mehrere Juden befinden. 



1) Der Text ist nur im Auszug mitgeteilt. 

2) Vgl. die 'iovSaloi und "EXXr\v£g in Psenyris in 55. 

3) Philo in Flaccum § 6. 

4) Vgl. die Zusammenstellung der urkundlichen Belege hei Schürer, Gesch. IH 4 
S. 46 ff. 

5) Vgl. hierzu Wilcken, Zum alexandrinischen Antisemitismus (Ahh. Sachs. Ges. 
Wiss. 1909 S. 788). 



B. Die römische Periode. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. (>3 

Das Hauptzentrum der Judenschaft war aber auch jetzt Alexandrien. 
Das alte Ghetto faßte sie nicht mehr, wenn der Begriff sachlich auch be- 
stehen blieb. Yon den fünf Stadtbezirken nannte man zwei die jüdischen, 
weil meistens Juden darin wohnten; aber auch in den anderen wohnten 
sie zerstreut. 1 ) 

Daß trotz der gegenteiligen Versicherungen des Josephus auch noch 
zu Augustus' Zeit die alexandrinischen Juden nicht das alexandrinische 
Bürgerrecht besaßen (s. oben S. 24), wird jetzt auch durch zwei der neuen 
alexandrinischen Urkunden bestätigt. Vgl. BGU IV 1140 (58), wo scharf 
geschieden wird zwischen dem u4X&,avdQavg (dem Bürger) und dem 
Iovdcüog x&v u% !dk^avdQE{lag), dem Juden, der zu den Bewohnern der 
Stadt gehört. Nach derselben Richtung weist xb x&v 'Iovdcu'cov uq%siov 
in BGU IV 1151, 7. Dies bestätigt einerseits, daß die Juden dort ein 
eigenes noXixsv^a bildeten, zeigt aber andererseits, daß sie eben keine 
TioXixai der Stadt waren: für diese war das nokixixbv aQ%Elov (BGU IV 
1131, 14. 22). 

Dagegen glaube ich demselben Papyrus eine Bestätigung für die 
Behauptung des Josephus 2 ) entnehmen zu dürfen, daß die alexandrinischen 
Juden (besser wohl, manche derselben) sich hätten Maxsdovsg nennen 
dürfen, denn der &s6d(OQog, der nach BGU 1151, 7 ein Testament diä 
xov xav 'IovdaCcov ccq%slov gemacht hat, ist ein Bruder des ^tXe^avdQog, 
der nach BGU IV 1132, 3 als Maxedcöv bezeichnet wird. Indem ich 
annehme, daß nur Juden das jüdische Notariat benutzten, ergibt sich 
mit Wahrscheinlichkeit, daß der ©södcoQog ein Jude war (der Name 
paßt dazu vorzüglich) und wie sein Bruder Maxsöav genannt wurde. 
Daß wirklich alle Juden, wie Josephus meint, so geheißen hätten, 
kann billig bezweifelt werden, aber daß mehrere von ihnen oder viele 
Maxsdöveg hießen, wird die tatsächliche Unterlage für seine Mit- 
teilung sein. Zur Beurteilung ist daran zu erinnern, daß die Mccxedövsg 
nach Schubarts Darlegungen außerhalb der alexandrinischen Bürger stan- 
den. 3 ) Also das alexandrinische Bürgerrecht der Juden kann nicht aus 
dieser neuen Nachricht abgeleitet werden. Natürlich waren die Juden 
kopfsteuerpflichtig, so weit sie nicht in eine der privilegierten Klassen 
aufgerückt waren. Vgl. BGU IV 1068 (62), 8. 

Die durch religiöse 4 ) und wirtschaftliche Momente begründete Span- 
nung zwischen Juden und Hellenen, die schon die Ptolemäerzeit hindurch 
bestanden hatte (s. oben S. 26), entlud sich nun in der Kaiserzeit in 



1) Philo in Flaccum § 8. 

2) BeU. lud. II 18, 7. Vgl. c. Apion. II 4. 3) Arch. V 111 f. 

4) Der religiöse Gegensatz tritt jetzt u. a. darin hervor, daß die Juden von den 
Griechen offiziell als ccvöaiot bezeichnet werden. Vgl. Wilcken, Zum alexandrinischen 
Antisemitismus S. 785 f. 



ß4 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

blutigen Straß enkämpfen, die bald von den Hellenen, bald von den Juden 
in fanatischem Hasse herbeigeführt wurden. Der Grund für diese neue 
Erscheinung dürfte in der erst jetzt auftretenden politischen Spannung zu 
suchen sein, die dadurch entstehen mußte, daß im Gegensatz zu den 
oppositionslustigen Alexandrinern die Juden die loyalsten Untertanen der 
neuen römischen Herren waren. Dazu kam, daß die Juden, gestützt auf 
ihr gutes Verhältnis zur Regierung neue Privilegien, im besonderen auch 
das alexandrinische Bürgerrecht zu erringen suchten. Außerdem scheint 
auch die wachsende geschäftliche Konkurrenz die Gegensätze verschärft 
zu haben. Zum erstenmal in der ganzen Literatur finden wir jetzt eine 
Andeutung, daß der Vorwurf des Wuchers gegen die Juden erhoben 
wurde. In BGU IV 1079 (60) vom Jahre 41 warnt ein Kaufmann einen 
anderen vor den jüdischen Geldverleihern mit den Worten: „Hüte dich 
vor den Juden." 1 ) 

So brach denn unter Gaius aus Anlaß des provozierenden Auftretens 
des jüdischen Königs Agrippa jene furchtbare Judenverfolgung aus, über die 
wir die notwendig einseitigen, aber unschätzbaren Berichte des Philo (in 
seinen Schriften in Flaccum und legatio ad Gaium) besitzen. Die weitere 
Entwicklung dieser Kämpfe kann hier nicht dargestellt werden 2 ), nur was 
die Papyri beisteuern, soll kurz hervorgehoben werden. So fällt der 
oben erwähnte Brief in die Zeit dieser Kämpfe hinein. Aus Claudius' 
Regierung aber haben wir das erste jener oben S. 44 charakterisierten 
Martyrien, nach dem der alexandrinische Gymnasiarch Isidoros, der den 
jüdischen König Agrippa — wie ich glaube Agrippa II — vor dem 
Kaiser verklagte, zum Tode verurteilt wurde. Vgl. 14. 

Die Eroberung Jerusalems durch Titus im Jahre 70 rief in Alexan- 
drien einen jüdischen Aufstand hervor, der durch das römische Heer 
niedergeworfen wurde. Die Folge war, daß der Oniastempel in Leontopolis 
auf Befehl des Kaisers geschlossen wurde. 3 ) Eine andere Wirkung des 
Falles von Jerusalem, die Umwandlung des dem Jehova gezahlten dCdgccxtiov 
in eine Abgabe an den Jupiter Capitolinus, können wir in P. Stud. Pal. I 
S. 71 (61) verfolgen, der sehr wertvolle Angaben über dieses 'Iovdcc'Cxbv 
teteöficc (aus dem Jahre 72/3) bringt. 

Der Haß der Juden gegen die römische Regierung, der nach der 
Eroberung Jerusalems an die Stelle der früheren Loyalität trat, führte 
im Jahre 115, als Kaiser Trajan im fernen Osten stand, und die ägypti- 
schen Garnisonen z. T. dorthin disloziert waren, zu dem gefährlichen Auf- 



1) Mißtrauen gegen die Aussage eines Juden tritt in Fay. 123 (a. 100) hervor. 

2) Vgl. Literaturübersicht und Darstellung in Schürers Geschichte des jüdischen 
Volkes. 

8) Jos. bell. VII § 409 ff. Nachkommen der alten Onias-Kolonie aus dem J. 59 
n. Chr. begegnen jetzt in Hamb. 2. 



B. Die römische Periode. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. 65 

stand der ägyptischen und der mit ihnen bald verbündeten kyrenäischen 
Judenschaft, der erst nach Entsendung des Marcius Turbo zu Beginn der 
Regierung des Hadrian völlig niedergeworfen werden konnte. 1 ) Aus diesem 
Kriege, in dem Griechen und Ägypter zusammen gegen die Juden kämpften, 
haben wir soeben mauche Einzelheiten kennen gelernt durch einige Papyri 
aus dem oberägyptischen Heptakomia. Vgl. Brem. 40 (16), Giss. 24 (15), 
27 (17) und 41 (18). Sie zeigen uns u. a., in welche verzweifelte Situa- 
tion die Feinde der Juden im Binnenlande kamen, ehe die römischen 
Truppen eingriffen. 

An diesen Krieg schloß sich in Alexandrien noch ein Aufruhr an, 
der zu neuen Gewaltsamkeiten zwischen Hellenen und Juden führte. Aus 
diesem Anlaß kam es zu jenem Kriminalprozeß vor Kaiser Hadrian, der 
in dem Antoninus-Martyrium behandelt wird. 2 ) Hierbei waren sowohl die 
Juden wie die Alexandriner durch Abgesandte vertreten. Der Text ent- 
hält auch manche Hinweise auf den voraufgegangenen Krieg. 

Auch der letzte große Judenkrieg, der 132 in Judaea ausbrach, scheint 
in Ägypten ein Nachspiel gehabt zu haben. BGU 889, 22 f. weist auf 
einen 'Iovd(a'Cxbg) xaQa%og im Jahre 136/7 hin. 3 ) 

Daß das dritte Martyrium, aus der Zeit des Commodus, nicht not- 
wendig neue Judenkämpfe voraussetzt, wurde schon oben S. 45 hervor- 
gehoben. Daß aber der Haß zwischen Hellenen und Juden auch weiter- 
hin noch fortbestand, dafür zeugt die Tatsache, daß man in Oxyrhynchos 
noch im Jahre 202 das Siegesfest zur Erinnerung an den im Anfang 
der Regierung des Hadrian errungenen Sieg über die Juden als Jahresfest 
feierte. Vgl. Oxy. IV 705, 34 (in Kap. III). 

Zum Schluß hebe ich hervor, daß auch in dieser römischen Periode 
die Regierung an dem Prinzip der idCa festgehalten hat. Vgl. oben S. 26. 
Ja, sie ist noch schärfer als in der Ptolemäerzeit der Bevölkerung einge- 
prägt worden, denn abgesehen von gelegentlichen Ermahnungen zur Heim- 
kehr, die durch Aufstände hervorgerufen wurden, hat die Regierung jetzt 
regelmäßig alle 14 Jahre anläßlich des Census 4 ) eine generelle Aufforde- 
rung zur Rückkehr in die idCcc und Aufnahme der Arbeiten an die Be- 
völkerung erlassen. Vgl. unten meine Kommentare zu BGU 372 (19) und 
Lond. III S. 125 (in Kap. V). Abgesehen von dieser die Gesamtbevölkerung 
bindenden Beschränkung waren auch jetzt wieder die in kaiserlichen 
Diensten Arbeitenden, im besonderen die kaiserlichen Domanialpächter für 
die Zeit von der Aussaat bis zur Ernte, eidlich verpflichtet, bei der Arbeit 
zu bleiben. Vgl. Kap. V. 

1) Vgl. Wilcken, Zum alexandrinischen Antisemitismus S. 792 ff. 

2) Es liegen zwei Rezensionen vor, Par. und BGU 341. Vgl. den Text bei 
Wilcken, Zum alexandrinischen Antisemitismus S. 808 ff. 

3) Vgl. Wilcken 1 c. 799. 

4) Zuerst hervorgehoben von Rostowzew, Kolonat 209 ff. 



66 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

C. DIE BYZANTINISCHE PERIODE. 

Eine unerschöpfliche Fundgrube für die Geschichte dieser Zeit, im besonderen 
auch für die Erklärung unserer Urkunden sind immer noch die Kommentare von 
Jac. Gothofredus zum Cod. Theodosianus. Unter den älteren Darstellungen ist 
namentlich Gibbons umfassendes Werk von bleibendem Wert. Von neueren nenne 
ich: Jak. Burckhardt, Die Zeit Constantins des Großen (1853), 2. Aufl. 1880. — 
Franz, CIGHI S. 312ff. (1853). — Sharpe, Geschichte Egyptens, deutsch von Jolowicz, 
mit Anmerkungen von A. v. Gutschmid (2. Aufl.) 1862. — E. Kuhn, Die städt. und 
bürgerl. Verfassung d. röm. Reiches I/II, 1864/65. — M. A. v. Bethmann-Hollweg, 
Der römische Civilprozeß HI, 1866. — H. Schiller, Geschichte d. röm. Kaiserzeit II, 
1887. — Th. Mommsen, Abriß d. röm. Staatsrechts 1893 S. 347 ff. — 0. Seeck, Ge- 
schichte des Unterganges der alten Welt, 1897 ff. Vgl. vor allem seine lehrreichen 
Artikel bei Pauly-Wissowa etc. — J. G. Milne, A history of Egypt under Roman 
rule, 1898. — Die Papyrusurkunden sind zum ersten Mal gründlich für die Geschichte 
dieser Zeit verwertet worden von Matth. Geizer, Studien zur byzantinischen Ver- 
waltung Ägyptens (Leipz. histor. Abhandlungen, hgb. von Brandenburg, Seeliger, 
Wilcken, Heft XHI), 1909. Vgl. von demselben, „Altes und Neues aus der byzan- 
tinisch-ägyptischen Verwaltungsmisere, vornehmlich im Zeitalter Justinians" im Aren. V 
Heft 3. 

§ 1. DAS REGIMENT. 
Wenn wir mit Diokletian eine neue Periode beginnen lassen, so ist 
das nicht so selbstverständlich wie bei Alexander dem Großen und Augustus. 
Nicht Weniges von dem, was uns in dem Lebenswerk des Diokletian auf 
den ersten Blick als etwas Neues erscheint, läßt sich auch schon in der 
Torhergehenden Zeit der Agonie des Prinzipats nachweisen. Vor allem 
können, um von Früheren abzusehen, Septimius Severus und dann Aure- 
lianus als seine Vorläufer bezeichnet werden. Das III. Jahrh. ist nicht 
nur eine Zeit des Verfalles, sondern es treten in ihm auch schon neue 
Gedanken und neue Erscheinungen auf, die von Diokletian zielbewußt 
vereinigt und gesteigert mitgeholfen haben, eine nochmalige Regeneration 
des Reiches zu ermöglichen. Es ist hier nicht der Ort zu begründen, 
weshalb ich Mommsens Ausspruch über Diokletians Staatsordnung „Neu 
ist darin so zu sagen alles" 1 ) ebenso für zu weitgehend halte wie andrer- 
seits Eduard Meyers Ausspruch, daß „die Neuschöpfung, welche Aurelian 
und Probus begonnen, Diokletian und Konstantin auf den Trümmern aus- 
geführt haben, dem Altertum und dem Prinzipat bereits ungefähr ebenso 
fernsteht wie das Reich Karls des Großen". 2 ) Jedenfalls wird es nützlich 
sein, die neuen Aufschlüsse der Papyrusurkunden zusammen mit der son- 
stigen Tradition in der Richtung zu verarbeiten, daß wir neben dem 
absolut Neuen auch die Momente der kontinuierlichen Entwicklung 
schärfer zu fassen suchen. Manche solcher Momente haben schon jetzt 
die Papyrusurkunden klarer zur Anschauung gebracht. 3 ) 



1) Abriß d. röm. Staatsrechts S. 361. 

2) Die wirtschaftliche Entwicklung d. Altertums 1895 S. 51. 

3) Vgl. z. B. die Entwicklung des Städtewesens in Ägypten im IV. Jahrh., die 



C. Die byzantinische Periode. § 1. Das Regiment. 67 

Auf der anderen Seite sind manche von Diokletians Reformen erst 
von Späteren, namentlich von Konstantin dem Großen, vollendet worden. 
Aber die Grundgedanken treten doch schon bei ihm hervor. Die neue 
Reichsorganisation, wie er sie hinterlassen hat, steht als eine so ge- 
schlossene Einheit vor uns, daß der Historiker berechtigt ist, hier einen 
Einschnitt zu machen. Wenn ich die mit ihm beginnende Periode die 
„byzantinische" nenne, wiewohl Byzanz ja erst seit Konstantin eine Rolle 
spielt, so wird dieser bewußte Anachronismus durch das Bedürfnis eines 
praktischen Ausdruckes wohl entschuldigt. 1 ) 

Bis vor kurzem besaßen wir aus dieser byzantinischen Zeit, abgesehen 
von einzelnen Ausnahmen, nur private Papyrusurkunden, meist Verträge, 
Briefe, Rechnungen u. dgl. Erst die letzten Jahre haben uns bedeutendere 
Papyrusmengen gebracht, die uns auch in die öffentlichen Angelegen- 
heiten, im besonderen auch in die Verwaltung des Landes tiefere Ein- 
blicke gewähren. Dahin gehören, von Einzelpublikationen abgesehen, 
namentlich die Leipziger und Florentiner Papyri, manche Oxyrhynchos- 
Urkunden, Stud. Pal. III u. VIII, und vor allem die kürzlich von Jean 
Maspero herausgegebenen, auf Justinians Zeit helle Lichter werfenden 
Aphrodito-Papyri des Cairener Museums. 2 ) Damit sind unsere Forschungen 
auf eine neue Basis gestellt. 

Das Kaisertum als eine absolute Monarchie, wie es Diokletian — 
nach früheren vorübergehenden Prätensionen eines Domitian, Septimius 
Severus, Aurelian — dauernd im Reiche stabiliert hat 3 ), ist für Ägypten 
nichts Neues gewesen, vielmehr ist damit die ägyptische Ordnung — ein- 
schließlich der Eliminierung des Senates — mutatis mutandis auf das 
Reich übertragen worden. Dominus und deus sind von jeher von den 
Ägyptern als berechtigte Charakteristika ihrer Könige anerkannt worden. 
Nur sagte man jetzt, da das Wort xvqioq schon zu abgegriffen war, statt 
dessen lieber ds<3Jt6tr}g i ), und wenn auch der deus bald vor dem Christen- 
gott zurücktreten mußte, so blieb doch fteiötatog u. ä. die übliche Be- 
zeichnung für den christlichen Kaiser. 

Andererseits fand eine Ausgleichung Ägyptens mit dem sonstigen 
Reiche mit dem Ergebnis statt, daß unter Aufhebung der bisherigen Sonder- 
stellung des Landes Reichseinrichtungen auf Ägypten übertragen wurden. 



auf die Ordnung des Septimius Severus vom Jahre 202 zurückgeht (s. unten S. 77 ff.), 
oder die Ausbildung des Kolonates, dessen Vorstufen Rostowzew bis in die Ptolemäer- 
zeit verfolgt hat (Kap. VII). 

1) Vgl. auch Arch. I 2. 

2) Vgl. Einleitung § 3. Einen Überblick über die Texte der byzantinischen Zeit 
bietet mein „General-Register". 

3) Vgl. vor allem Mommsen 1. c. 

4) Über das allmähliche Eindringen des Ss6n6xr\g vgl. meine Bemerkungon im 
Arch. IV 260. 



68 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

So wurde jetzt die Datierung der Akten nach den Reichskonsuln ein- 
geführt, und es schwand die uralte Datierung nach dem ägyptischen 
Königsjahr. Diokletian (nebst Mitregenten) ist der letzte Kaiser gewesen, 
nach dessen Regierungsjahren in Ägypten gerechnet worden ist, bis dann 
Justinian (a. 537) wieder ein Kaiserjahr — aber nicht mehr das äoyp- 
tische — in die Datierung einführte. 1 ) So hatte Ägypten nach Diokletian 
nicht mehr wie bisher seinen eigenen König. Dieselbe Nivellierung tritt 
aber auch darin hervor, daß Diokletian nach der Eroberung Alexandriens 
(a. 297) 2 ) die griechische Sondermünze Alexandriens aufhob und nunmehr 
die lateinischen Stempel auch hier arbeiten ließ. 3 ) In beiden Maßregeln 
liegt ein gutes Stück Romanismus, der auch sonst von nun an von der 
Regierung gegenüber dem Hellenismus befördert wurde.' Schrift 4 ) und 
Sprache unserer Urkunden legen ein deutliches Zeugnis dafür ab. 

Unverändert wurde auch in diese Periode das Regierungsprinzip 
hinübergenommen, daß Ägypten in erster Reihe für den Staatssäckel, im 
besonderen auch für die Ernährung der Reichshauptstadt zu arbeiten habe. 
Der einzige Unterschied war nur der, daß die ägyptischen Kornschiffe 
bald nach Konstantinopel statt nach Rom fuhren. Vgl. Kap. IX und X. 

Dank der geschützten Lage des Niltales ist auch in dieser Periode 
die äußere Geschichte des Landes im Vergleich zu mancher anderen 
Provinz eine verhältnismäßig ruhige gewesen. Nur im Süden ist die 
Thebais Jahrhunderte hindurch den Raubzügen der Blemyer und Nobaden 
(Nubier) ausgesetzt gewesen. Es wurde schon oben S. 30 darauf hin- 
gewiesen 5 ), daß Diokletian (es war wohl 297) die Dodekaschoinos geräumt 
hat, so daß nunmehr die Insel Philä, südlich von den Katarrakten, die 
Südgrenze des Reiches bildete. Wie Prokop (b. Pers. I 19) erzählt, über- 
ließ er dies relativ unfruchtbare Land den Nobaden zur Besiedelung, 
damit sie die Blemyer im Schach hielten. 6 ) Der Friede der Thebais wurde 
außerdem durch jährliche Tributzahlungen an Blemyer und Nobaden er- 
kauft und sollte ferner durch den gemeinsamen Isiskult auf Philä ge- 
sichert werden (vgl. Kap. II). Doch in diesen Zugeständnissen trat die 
Schwäche des Reiches zu deutlich zutage, als daß sie den erwünschten 
Frieden hätten bringen können. Im Gegenteil sehen wir später die Blemyer 
und Nobaden miteinander vereint immer wieder gegen das Kulturland 
vordringen. Es war zugleich ein Kampf der Heiden gegen das Christen- 



1) Vgl. Genaueres in der Einleitung § 7. 

2) Zur Datierung der Eroberung vgl. Seeck, Unterg. I 450/1. 

3) Vgl. Einleitung § 8. 4) Vgl. Einleitung § 5. 

5) Dort auch die Literatur über die Blemy erfrage. Für die byzantinische Zeit 
vgl. auch noch Leipoldt, Schenute v. Atripe S. 24 usw. und Äg. Z. 40, 126 ff. 

6) Über die innerafrikanischen Vorgänge, die hierbei mit eine Rolle spielten 
(Verschwinden des Reiches von Meroe und Ausdehnung des axumitischen) vgl. Krall 
I.e. S. 11. 



C. Die byzantinische Periode. § 1. Das Regiment. 69 

tum. Vor ihren unmenschlichen Grausamkeiten zitterte die Bevölkerung 
der Thebais 1 ), für die die Blemyer die ßccQßccQoi, w.v.x i%o%rjv waren. Vgl. 
Cair. Cat. 67004, 9: ßccQßaQOig rjt(o)t, BXb(ivöl in Übereinstimmung mit 
Olympiodor FHG IV 66, der ja auch ein Thebaner war. Noch anschau- 
licher als in den bekannten literarischen Quellen 2 ) treten uns diese 
fürchterlichen Zustände der Thebais jetzt in einigen Papyri entgegen. 
Aus der Zeit Theodosius' IL haben wir den Hilferuf eines Bischofs von 
Syene gegen die räuberischen Angriffe der Blemyer und Nobaden in P. 
Leid. Z (6). Dazu kommen jetzt aus der Zeit Justinians (aus den fünf- 
ziger Jahren des VI. Jahrh.) P. Cair. Cat. 67009 und 67004. In der 
ersteren Bittschrift erzählen die Bürger von Antaiopolis (Qau el Kebir), 
daß zur Zeit ihrer Voreltern die Blemyer ihre Stadt derartig verwüstet 
hätten, daß sie noch heute wirtschaftlich darniederliege. Während sie 
damals stattliche kaiserliche und öffentliche Bäder gehabt hätte, habe sie 
jetzt nur ein Privatbad für die armen Leute. 3 ) Hiernach sind die Blemyer 
bei diesem Einbruch - — leider läßt der Ausdruck täv ndkav rftiäv yoviov 
keine genauere Datierung zu — sogar bis Antaiopolis vorgedrungen, also 
noch ein gutes Stück nördlich über Ptolemais hinaus, das fürs HI. Jahrh. uns 
als nördlichster Punkt des Vordringens der Barbaren genannt wird (s. oben 
S. 30). 4 ) Bekanntlich hat dann Justinian, wie Procop (bell. Persic. I 19) 
erzählt, durch Narses, den damaligen dux der Thebais 5 ) — wohl in den 
dreißiger Jahren des VI. Jahrh. 6 ) — den heidnischen Kult auf Philä be- 
seitigen lassen (vgl. Kap. II). Daß trotzdem auch hinterher die Blemyer 
zunächst noch eine Gefahr blieben, zeigt jene zweite Bittschrift (67004) 
aus dem Anfang der fünfziger Jahre des VI. Jahrh., in der die Ratsherren 
von Omboi (dem heutigen Köm-Ombo) sich über einen bösen Mann be- 
schweren, der mit Hilfe der Blemyer, wie es scheint, arg in ihrer Stadt 
gehaust hatte. 7 ) Über die in dem Papyrus berührten religiösen Fragen 

1) Vgl. den Bericht eines Zeitgenossen aus dem IV. Jahrh. bei Leipoldt, Schenute 
von Atripe S. 24. 

2) Vgl. Wilcken, Archiv I 396 ff. und Sethes Darstellung in Pauly-Wiasowa III 
566 ff. Es ist vor allem Priscus Panites in FHG IV 100 und Prokop 1. c. 

3) Z. 17 ff. : 8idcc6%oiisv-Tä)[g r]&v dAmje(iW) BlsyLvtov ßagßaQcov inl r&v itälai 
ruiwv yovicov itaQEÜrjcpOTcov (korrig. aus 7cagai.aß[6vzoav]) \rr\v Tj^svigav itoXtjv %al 
noQ&riGävTcov detvcös, owixi ccTtb rmv %q6vcov £-asLv\<o\v 17 d-frÄta TtoXig ktX. 

4) Über Psois, d. h. Ptolemais, hinaus sind sie auch nach den Berichten des 
Schenute vorgedrungen (Krall, Denk. Wien. Akad. 46 1. c. S. 12). Vgl. auch die bei 
Geizer 1. c. S. 11 aus Palladius, hist. Laus. p. 95, 4 (Butl.) zitierte Nachricht über 
Panopolis. 

5) rwv insivr] ötgaTMozüv uq%(üv. Dieser Narses war ein Landsmann des be- 
rühmten Narses. 

6) J. Maspero, Theodore de Philae in Rev. de l'hist. d. Religions (Annales du 
Musee Guimet) 1909, S. 4 (S. A.) setzt dies Ereignis um 535. 

7) Die Schilderungen erinnern an den aus Leipoldt oben Anm. 1 zitierten Bericht. 
Auch die Jungfrauenschändung fehlt nicht. S. Z. 16. Vgl. auch mein Papyrusreferat 
über diese Urkunden im Arch. V, Heft 3. 



70 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

vgl. Kap. IL Im allgemeinen scheint aber doch der Kriegszug des Narses 
den Grund für friedlichere Zustände an der Südgrenze gelegt zu haben, 
um so mehr als dann das Christentum bei diesen Barbaren eingeführt 
wurde (s. Kap. II). Für die kulturellen Verhältnisse bei den Blemyern 
sind von Interesse einige auf Gazellenleder geschriebene Urkunden blemy- 
scher Herkunft, die wohl dem VI. Jahrh. angehören. Drei davon wurden 
zuerst von Baillet veröffentlicht (vgl. 7), drei gehören dem Berliner 
Museum: BGÜ III 795, 796, 797. Ein interessantes Problem ist uns 
noch der /JtößxoQog yQa^taatsvg £&vov(g) Blsfi^ieov &%b xo[i£QxCco[y in 
BGÜ IE 972, 1 (VI./VII. Jahrh.) aus Latopolis (Esneh). Ein Dokument 
aus diesen jahrhundertelangen Kämpfen mit den Blemyern ist das auf 
einem Berliner Papyrus erhaltene Epos, das den Blemyersieg eines Ger- 
manos feiert (aus dem Anfang des V. Jahrh.). Vgl. Berl. Klassikertexte 
V (1) S. 108 ff. Auch der Panegyricus auf den Johannes dux Thebaidis 
(aus justinianischer Zeit), ebendort S. 117 ff., weist in Z. 82 auf die Blemyer 
hin. Vgl. zu letzterem Gedicht jetzt J. Maspero, Byz. Z. XIX (un pap. 
litteraire d'läcpQodCt^g xcoprjg). 

Die Südgrenze war aber nicht der einzige von Barbaren bedrohte 
Punkt. Auch libysche Stämme berannten gelegentlich von Westen her 
das Kulturland. Von Einfällen der libyschen Mu6xixui und Fcovicbtat 1 ), 
wie es scheint in das Faijiim 2 ), berichtet BGÜ III 935 (III./IV. Jahrh.). 
Vgl. Arch. II 386. 

Von viel größerer Bedeutung war aber der Einbruch der Sassaniden 
im Anfang des VII. Jahrh. — ein Vorspiel der arabischen Eroberung — , 
durch den die ganze Schwäche der damaligen byzantinischen Herrschaft 
aufgedeckt wurde. Im Jahre 619 3 ) floh der Augustalis Niketas mit dem 
Patriarchen Johannes dem Barmherzigen vor den Truppen des Chosrau II. 
die Ägypten eroberten, um sich etwa 10 Jahre hindurch hier zu be- 
haupten. Zeugen dieser persischen Okkupation sind die zahlreichen in 
Pehlewi geschriebenen Lederurkunden (jetzt in Wien und Berlin), die in 
Ägypten und zwar in Mittelägypten, nebst persischen Münzen • aus der 
Zeit dieses Königs gefunden worden sind. 4 ) Griechische Papyri haben 
bisher keine Aufschlüsse über dies Dezennium der Fremdherrschaft ge- 
bracht. Ein denkwürdiges Zeugnis für die besondere Stellung, die jener 



1) Vgl. Claud. Ptol. IV 5, 24 (7, 31). 

2) Vgl. kgoivotrov in Z. 1. Gefunden ist der Text in Herakleopolis. Die Zer- 
störung des Originals hindert leider die Revision des nur flüchtig von mir kopierten 
Textes. 

3) Dies schon früher von H. Geizer angenommene Datum -wird jetzt gegenüber 
den Ansätzen auf 617 (v. Gutschmid) oder 615 — 618 (Karabacek) durch griechische 
Papyrusurkunden gestützt, die noch im J. 618 nach Heraklius datiert sind. Vgl. 
Matth. Geizer, Stud. z. byz. Verw. Äg. S. 31. 

4) Vgl. J. Karabacek, Führ. PR S. 13 f. (mit Tafel) und 113. 



C. Die byzantinische Periode. § 2. Diözese und Teilprovinzen. 71 

Niketas vor dem Einfall der Perser eingenommen hatte, ist ein von 
Grenfell edierter Papyrus aus Apollinopolis Magna (Edfü) 1 ), in welchem 
der Verkäufer nicht nur bei den Kaisern, sondern, was ganz einzig da- 
steht, auch bei dem Niketas schwört. 2 ) 

Wie es gekommen ist, daß die so fest gefügte Monarchie Diokletians 
und Konstantins schließlich so schmählich enden mußte, ist namentlich 
aus den wirtschaftlichen Veränderungen zu verstehen, die unten in dem 
Abschnitt über die Steuern (Kap. V) und die Bodenwirtschaft (Kap. VII) 
darzulegen sind. Wie die Arbeit von Matthias Geizer zuerst gezeigt 
hat, ist es vor allem die seit dem IV. Jahrh. zu beobachtende Bildung 
der großen Grundherrschaften gewesen, die zu einer Verschiebung der 
Fundamente des Diokletianischen Baues geführt hat. Mehr und mehr 
sind diese Großgrundbesitzer — später vielfach als Pagarchen — zu selbst- 
herrlichen Adligen geworden, denen gegenüber die kaiserliche Autorität 
ohnmächtig war. Die neuen Urkunden aus Aphrodito aus Justinianischer 
Zeit zeigen uns diese Entwicklung in voller Blüte. So waren in Ägypten 
Zustände eingetreten, wie sie aus ganz ähnlichen Gründen einst im 
III. Jahrtausend, zwischen dem Alten und dem Mittleren Reich, zur Auf- 
lösung der Reichsregierung geführt hatten, als die großgrundbesitzenden 
Gaufürsten — entsprechend den Pagarchen der Justinianischen Zeit — die 
Herren im Lande waren. 3 ) Der scharfe Riß, der durch den feindlichen 
Gegensatz der Bekenntnisse durch die ganze Bevölkerung hindurchging, 
hat außerdem dazu beigetragen, daß die monophysitischen Kopten schließ- 
lich die Araber als ihre Retter aufnahmen. 

§ 2. DIÖZESE UND TEILPROVINZEN. 4 ) 
Innerhalb der neuen Reichshälften, der partes Orientis und partes 
Occidentis, die Diokletian unter Wahrung der Reichseinheit unter sich 
und seinen Mitkaiser Maximian verteilte, ist eine völlig neue Beamten- 
hierarchie geschaffen worden, deren Glieder sämtlich nur als Gehilfen 
des souveränen Kaisers galten. 5 ) Als Reichsminister traten jetzt die prae- 
fecti praetorio an die Spitze, und nachdem Konstantin sie zu rein zivilen 
Reichskanzlern gemacht hatte, traten ihnen die magistri militum als 



1) Journ. of Philol. XXII S. 272 (3. Jan. 618). 

2) Vgl. hierzu Matth. Geizer 1. c. 31. Die persönliche Machtstellung des Niketas 
tritt darin um so stärker hervor, als der Augustalis damals in der Thebais offiziell 
nichts mehr zu sagen hatte. S. unten S. 75 ff. 

3) Vgl. Ed. Meyer, Gesch. d. Altert. I (2), 2. Aufl., S. 216 ff. 

4) Vgl. hierzu jetzt vor allem M. Geizer 1. c. , wo das genauere Detail zu 
finden ist. 

5) Vgl. zu der Neuordnung Bethmann- Hollweg 1. c. Mommsen 1. c. Ich kann 
hier nur die zum Verständnis der Urkunden allernotwendigsten Hauptpunkte hervor- 
heben. 



72 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Reichsfeldherrn an die Seite. Das gesamte Reichsgebiet ward in 12 Diö- 
zesen geteilt — 5 im Osten, 7 (darunter Italien!) im Westen — , von 
denen mehrere zusammen einem praefectus unterstellt und von diesem 
resp. seinen vicarii verwaltet wurden. So standen unter dem praefectus 
praetorio per Orientem zunächst die Diözesen Oriens, Asiana, Pontica, 
Thraciae. Die Diözesen wiederum umfaßten mehrere der alten Provinzen. 
So gehörte Ägypten neben Palästina, Cilicien, Cypern, Mesopotamien usw. 
zur dioecesis Orientis und unterstand daher dem in Antiochia 1 ) resi- 
dierenden praefectus praetorio per Orientem. Es war ein Grundgedanke 
der Diokletianischen Ordnung, daß die Sprengel der Provinzialvorsteher 
verkleinert werden sollten. 2 ) Wie er durch die Samtherrschaft und das 
Adoptionssystem die Dauer der neuen Dynastie sichern wollte, so sollten 
die Usurpationen, die das Reich durch Dezennien hin erschüttert hatten, 
dadurch ferngehalten werden, daß die Provinzen zerstückelt und außer- 
dem die militärischen und die zivilen Kompetenzen von einander getrennt 
wurden. 

So ist Ägypten nach der Eroberung Alexandriens im Jahre 297 3 ) in 
3 Teilprozinzen zerschlagen worden, als deren Namen das Veroneser Ver- 
zeichnis nennt: Thebais, Aegyptus Jovia, Aegyptus Herculia. 
Während Mommsen 4 ) in Aegyptus Jovia und Herculia (so genannt nach 
den göttlichen Beinamen des Diokletian und Maximian) das westliche 
und das östliche Unterägypten sah, haben Collinet und Jouguet in dem 
von ihnen im Arch. III 340 edierten Cairener Papyrus eine Bestätigung 
der Ansicht Jullians gefunden, wonach die drei neuen Provinzen Aegyptus 
Jovia, Herculia und Thebais räumlich vielmehr den drei alten Epistrate- 
gien Delta, Heptanomia und Thebais — in der Hauptsache — entsprachen. 
Nach diesem Text sitzt der praeses Aeg. Herculiae (a. 322) in Arsinoe, 
also in der Heptanomia, zu Gericht. Inzwischen ist bestätigend hinzu- 
gekommen Oxy. VI 896 II 29 (a. 316), wonach der Präses von Herculia 
auch in Oxyrhynchos, also wiederum in der alten Heptanomia, kompetent 
war. Für die Auffassung von Collinet -Jouguet spricht ferner, daß nach 
P. Straßb. 42 (in Kap. V) noch im Jahre 310 ein cens(itor) Hept(a- 
nomiae) begegnet. Der alte Name konnte aber nur noch angewendet 
werden, wenn er einem der damals gültigen Provinzialgebiete entsprach. ) 



1) Auf Antiochia nimmt Bezug ein in Kap. XI zu edierender P. Lips. 

2) Dieselbe Tendenz tritt schon bei Septimus Severus hervor. Vgl. auch die auf 
Einschränkung der Macht der Gardepräfekten und Statthalter abzielenden Reform- 
vorschläge, die Dio Cassius 52 dem Maecenas in den Mund legt. 

3) Eutrop. brev. 9, 23 sagt von diesem Zeitpunkt: ea tarnen occasione ordinavit 
provide multa et disposuit, quae ad nostram aetatem manent. 

4) In seiner grundlegenden Arbeit über das Verzeichnis Abh. Berl. Akad. 1862, 
489 ff. (= Histor. Schrift. II 561 ff.). 

5) Vgl. Wilcken, Arch. V 265. Siehe jetzt auch M. Geizer 1. c. 4. 



C. Die byzantinische Periode. § 2. Diözese und Teilprovinzen. 73 

Auch das Verschwinden der Epistrategen seit 297 paßt für jene Annahme. 1 ) 
Insofern freilich war die alte Heptanomia verändert worden, als der süd- 
lichste Teil, der Hermopolites und Antinoites, zur Thebais geschlagen 
waren. Da andererseits der Letopolites, den Claud. Ptolemaeus zum Delta 
rechnet, später als Teil Arkadiens erscheint, besteht die Möglichkeit, daß 
er schon damals zur Herculia gefügt ist. 2 ) So treten an die Stelle der 
drei Epistrategien die drei Teilprovinzen. 

Indem Diokletian aus den angegebenen politischen Gründen mit dem 
altrömischen Grundsatz der Einheit des militärischen und zivilen Kom- 
mandos brach, gab er das Militär einem dux, dagegen Jurisdiktion und 
Zivilverwaltung dem in Alexandrien residierenden praefectus Aegypti (jhtttQ- 
#o$) 3 ), dem die gleichfalls rein zivilen praesides {rjye^iöveg) der Thebais 4 ) 
und Herculia unterstellt waren, während die Jovia sein Immediatgebiet 
gewesen zu sein scheint. 5 ) Alle diese Beamten hatten den Rang von 
v. perfectissimi (diccörjuÖTaToi). 6 ) Die weitergehende Kompetenz des prae- 
fectus gegenüber den praesides tritt uns in den Urkunden darin entgegen, 
daß auch aus ihren Sprengein Bittschriften an ihn direkt, mit Umgehung 
der praesides gerichtet werden konnten, wie er auch Anordnungen in 
jenen Teilprovinzen traf. Vgl. Oxy. I 71 II, Amh. 82 und 83, Flor. 36, Oxy. 
I 67, VI 895. Gleichwohl wird Konvent über ganz Ägypten von ihm nicht 
mehr abgehalten. Darin u. a. tritt uns die größere Selbständigkeit der 
neuen Teilprovinzen gegenüber den früheren Epistrategien entgegen, daß 
unter Fortfall des Konvents die bisherigen Konventsgeschäfte, also Kon- 
trolle der Verwaltung und Erledigung der Prozesse, von den einzelnen 
Statthaltern in ihren Teilprovinzen erledigt werden, was übrigens für die 
Bevölkerung, im besonderen der Thebais, große Erleichterungen brachte. 7 ) 

Diese ursprüngliche Provinzialordnung hat im Laufe der Jahrhunderte 
manche Veränderungen erfahren, sowohl hinsichtlich der örtlichen Teilung 
des Landes als auch der Beamtenkompetenzen. Auf der einen Seite sehen 
wir das Bestreben, die Teilprovinzen immer weiter zu zerstückeln, auf der 
anderen Seite drängen die Verhältnisse wieder zu einer Vereinigung der 
militärischen und zivilen Gewalten in einer Hand. 



1) Die letzte mir bekannte Erwähnung von iniatQaxr\yiai ist die in Oxy. I 
58 und Amh. 137 vom J. 288. 

2) Falls es nicht schon im II. Jahrh. geschehen war. Vgl. die Vermutung oben 
S. 37 Anm. 3. 

3) Titular ist nur $itag%og, doch wird er in der Anrede auch rjysfiwv genannt, 
also wie vor Diokletian. Vgl. Wilcken, Arch. IV 226. 

4) Die Präsiden heißen titular nur rjys^mv, nie £itaQ%og. Eine Liste von prae- 
sides der Thebais gab Mitteis, Mel. Nicole 367 ff., dazu Wilcken, Arch. IV 226 f. 

5) Letzteres nach M. Geizer 1. c. 4/5. 

6) Über die Erhöhung zu clarissimi s. unten S. 74. 

7) Vgl. Wilcken, Arch. IV 420 ff. und Mitteis in Bd. H. Der Juridicus bleibt 
bestehen. Vgl. C. Just. I 57 (a. 469) und P. Cair. in Arch. I 293 ff. 



74 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Die nächste Änderung bestand in der Schaffung der neuen Teil- 
provinz Augustamnica im J. 341 *), die nach dem Augustus amnis be- 
nannt die Osthälfte von Aeg. Jovia und die Herculia umfaßte, bald jedoch 
z. T. eine andere Umgrenzung erfuhr. 2 ) Der praeses der Augustamnica 
(v. perf.) wird in C. Theod. 12, 1, 34 und Oxy. I 87 fürs Jahr 342 bezeugt. 
Vgl. auch Amh. 142, 3. Vor Abfassung der Not. dignitatum (or. 1 , 127) 
ist dann dieser praeses durch einen corrector ersetzt worden. 

Während noch 380 der praef. Aeg. mit diesem Titel erscheint (Cod. 
Theod. 12, 1, 80), begegnet er 382 als praef. Augustalis. Diese Ände- 
rung könnte also auch schon 381 fallen. Da etwa zur selben Zeit Ägypten, 
das bis dahin zur Diözese des Oriens gehört hatte, als eigene ÄlyvitTiawri 
öloCxyjöis nachweisbar ist 8 ) — übrigens einschließlich von Libyen, das ich 
hier außer Betracht lasse — , so wird die Erhöhung des Präfekten zum 
Äugustalis, wie schon Mommsen vermutete (Abh. Ak. 1. c. 476), mit dieser 
Begründung der selbständigen Diözese zusammenfallen. Nachdem der 
praef. Aeg. schon in der Mitte des Jahrhunderts zum v. clarissimus (Xu[i- 
itgÖTccTog) avanciert war 4 ), erhielt der Augustalis jetzt den hohen Rang 
eines TteQißXsittog (v. spectabilis), und wurde unter den comes Orientis 5 ), 
aber über die vicarii des praef. praet. gestellt (Not. dignit. or. 1, 28 ff.). 

Wenige Jahre danach, in der Mitte der achtziger Jahre, wurde die 
alte Heptanomia (resp. Herculia) 6 ) wiederhergestellt unter dem Namen 
Arcadia (nach Kaiser Arcadius genannt). 7 ) Nun bestand die Diözese 
aus Ägyptus, Augustamnica, Arcadia, Thebais, abgesehen von Libyen. 
Diesen Zustand repräsentiert der Laterculus Polemii Silvii (10, 7), ebenso 
die Not. dignitatum (Anfang des V. Jahrb.), die unter dem Augustalis 
fünf praesides nennt, von Libya superior und inferior, Thebais, Aegyptus 8 ), 
Arcadia, ferner der corrector von Augustamnica (or. 1, 80 ff.). Das Heeres- 
kommando, das anfangs in ganz Ägypten und Libyen ein dux gehabt 



1) Das Datum entnahm Ed. Schwartz dem Kephalaion des Osterbriefes von 341 
(Gott. Nachr. 1905, 354). 

2) Über diese Frage M. Geizer 1. c. 6/7 (vgl. Ammian. 22, 16, 1 ff.). 

3) Vgl. C. Theod. 12, 1, 97 vom 8. März 383. 

4) Auch die praesides waren clarissimi geworden. Vgl. P. Flor. 95, 8. Lips. 34, 12. 
Vgl. auch Mitteis, MdL Nicole 368. 

5) Es verschwindet der comes Orientis, Aegypti et Mesopotamiae , der vorher 
gelegentlich zwischen dem praef. pr. Orientis und dem praef. Aeg. begegnet. Vgl. 
Dessau, Inscr. Lat. I 1231, 1237 (aus den vierziger Jahren). 

6) Vom Kynopolites bis zum Letopolites. 

7) Später begegnet mehrfach die eigenartige Form kq-x.ci.Sav, sowohl bei Schrift- 
stellern (vgl. Pietschmann, Pauly-Wiss. H 1137) wie auch in den Papyri (vgl BGU 
306,4; 760, 1; 836, 1 usw.). 

8) Nach M. Geizer S. 8 wäre dieser praeses Aeg. dieselbe Person wie der Augu- 
stalis. Aber wenn die Notitia unter den 40 praesides auch den praes. Aeg. aufzählt, 
wird sie doch wohl ein eigenes Amt ins Auge gefaßt haben. Anders ist es nach- 
her zu Hierokles' Zeit. 



C. Die byzantinische Periode. § 2. Diözese und Teilprovinzen. 75 

hatte 1 ), war jetzt geteilt zwischen dem comes Aegypti (or. 1, 36") 2 ), d.h. 
von ganz Ägypten mit Ausschluß der Thebais, und dem dux Thebaidos 
und dem dux Libyarum (or. 1, 40, 41). 

Prinzipiell von größerer Bedeutung als die bisher erwähnten Ver- 
änderungen sind die unter Theodosius II in der Thebais durchgeführten 
Neuerungen. Hier führte die beständige Bedrohung der Provinz durch 
die Blemyer zu der Wiedervereinigung der militärischen und zivilen Kom- 
petenzen in einer Hand, also zum Aufgeben des einen Grundpfeilers der 
Diokletianischen Ordnung. Wie Leid. Z (6) zeigt, ist damals (zwischen 
425 — 450) die Thebais in eine superior ■ und inferior geteilt worden. Zu- 
gleich ist der comes et dux limitis Thebaici v. spect. mit militärischer 
und ziviler Gewalt über die ganze Provinz gestellt worden, während in 
der unteren Thebais ein ziviler praeses unter ihm gebot (letzteres so 
wegen Hierokles). 3 ) Andererseits führten die inneren Wirren in Alexan- 
drien gelegentlich dazu, daß dem zivilen Augustalis auch militärisches 
Kommando übertragen wurde, aber doch nur vorübergehend. Vgl. z. B. 
Cod. Just. 2, 7, 13 (a. 468) und 1, 57, 1 (a. 469), die adressiert sind duci 
Aegyptiaci limitis et praefecto Augustali. 4 ) Jene Teilung der Thebais 
erwähnt der Synekdemos des Hierokles (vor 535 geschrieben), der die 
untere Thebais (unter einem praeses) von Hermopolis bis Panopolis, die 
obere (unter dem dux) von Ptolemais bis Omboi begrenzt. Aegyptus 
stellt er unter den Augustalis, also als Immediatgebiet, die Augustamnica 
aber ist inzwischen gleichfalls geteilt worden, I. unter einem corrector, 
IL unter einem praeses. Kurz danach (a. 535) finden wir dann auch 
Aegyptus in zwei Teile geteilt. 5 ) 

Drei Jahre darauf erfolgte die durchgreifende Neuordnung Ägyptens 
durch das XTTT. Edikt Justinians (a. 538). 6 ) Während bis dahin die 
ägyptische Diözese unter der Leitung des Augustalis dem praef. praet. 
Orientis als Einheit unterstellt gewesen war, wurde jetzt die Diözese in 
eine Reihe selbständiger Provinzen aufgelöst, von denen jede direkt dem 
praef. praet. Orientis unterstand. 7 ) Während hiermit der Diokletijanische 
Gedanke der Zerstückelung der alten Provinzen auf die Spitze getrieben 
war, hat Justinian andererseits, unter dem Drucke äußerer und innerer 



1) Dessau, Inscr. lat. I 701 (Zeit Konstantins): v. p. dux Aeg. et Theb. utra- 
rumque Libb. Hier steht Aegyptus als gemeinsamer Grundbegriff von Jovia und 
Herculia. 

2) Comes ist er mindestens seit 391 (Cod. Theod. 16, 10, 11), vorher war er dux 
Aeg. (Cod. Theod. 11, 30, 43 vom J. 384). 

3) Dies von M. Geizer 1. c. 10 ff. nachgewiesen. 

4) Weiteres bei M. Geizer 1. c. 17 ff. 

5) Nov. Iust. 8 notitia 35/36. Geizer S. 21. 

6) Dieses von Scholl -Kroll vertretene Datum (statt 554 Zachariae v. L.) ist von 
M. Geizer 1. c. 22 ff. als evident richtig erwiesen worden. 

7) Vgl. zum folgenden M. Geizer 1. c. 28 ff. 



76 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Wirren, mit dem Diokletianischen Grundgedanken der Trennung von 
Militär- und Zivilkompetenzen nunmehr vollständig gebrochen, nachdem 
schon im V. Jahrh., wie wir sahen, Ausnahmen, teils dauernde (in der 
Thehais), teils ephemere (in Alexandrien) sich als nötig erwiesen hatten. 
So erhalten jetzt dauernd der Augustalis von Alexandrien und Aegyptus 
(I und II), der Statthalter von Augustamnica (I und II), der von Arcadia 
und der dux der Thebais (I und II) (ebenso der dux von Libyen) Militär- 
und Zivil gewalt. *) Sie unterstehen alle direkt dem praef. praet. Orientis, 
und haben alle denselben Rang eines spectabilis. Für den Augustalis von 
Alexandrien und den dux der Thebais, der nun auch Augustalis heißt 2 ), 
gibt das XIII. Edikt ausreichende Auskunft, während die Bestimmungen 
über Augustamnica und Arcadia daselbst verstümmelt sind. Daß für sie 
aber analoge Bestimmungen getroffen sind, ist aus anderen Quellen mit 
Recht erschlossen worden. 3 ) Diese Justinianische Ordnung scheint bis 
zum Arabereinfall geblieben zu sein. 4 ) Sie liegt zugrunde in der de- 
scriptio orbis Romani von Georgius Cyprius aus der Zeit des Phokas 
(ed. H. Geizer, S. 35 ff.). 

§ 3. GAU UND STADT. 

Innerhalb der neuen Teilprovinzen blieb in bezug auf die Verwaltung 
der Städte sowie der Gaue und ihrer Dörfer zunächst alles beim Alten. 
Unter Diokletian sind, soweit wir sehen können, keine Änderungen ein- 
getreten. Aber wenige Jahre danach hat sich eine tiefgreifende Wandlung 
vollzogen. Während bis dahin das Gebiet des Gaues in Toparchien zer- 
fiel (s. oben S. 9), finden wir seit dem J. 310 5 ) statt dessen eine Gau- 
teilung in mehrere nach Nummern benannte itäyoi = pagi, und da die 
Beispiele hierfür sowohl aus der Herculia (z. B. Straßb. 42, 3) wie aus der 
Thebais vorliegen (Flor. 31, 8, CPR 233, 7 usw.), so ist sie durch das 
ganze Land eingeführt worden. Da die letzte zurzeit bekannte Erwähnung 
einer Toparchie ins Jahr 307 fällt (Grenf. II 78, 2), so wird die Pagus- 
ordnung zwischen 307 und 310 eingeführt sein. 6 ) Lateinisch wie der 



1) Unter ihnen stehen wie vorher rein zivile praesides. Ob der dux die obere 
Thebais als sein Immediatgebiet (ohne praeses) hatte, wie M. Geizer S. 16/7 trotz des 
XIII. Edikts c. 23 annimmt, ist mir deswegen zweifelhaft, weil seine Hauptresidenz 
Antinoopolis gewesen zu sein scheint. S. unten. 

2) Nach dem XIII. Edikt hätte er nur den Rang (rtfiij) eines solchen (c. 23). 
Aber nach den Aphroditopapyri (Cairo Cat. 67001 ff.) hat er auch den Titel geführt. 

3) Vgl. M. Geizer 1. c. 2S ff. 

4) Zu der Frage, ob vorher ein Versuch gemacht sei, wieder eine Gesamt- 
diözese zu schaffen, vgl. Geizer S. 29 und 32. 

5) Dies zurzeit älteste Vorkommen findet sich in Straßb. 42, 3 (in Kap. V). 

6) Vgl. M. Geizer, Studien S. 57. Daß der pagus der Nachfolger der Toparchie 
gewesen sei, vermutete ich schon im Hermes 27, 299, nur irrte ich, wenn ich den 
pagus mit der Pagarchie gleichsetzte. Die Gloss. erklären übrigens näyos u. a. mit 
xonaQ%Lu, 



C. Die byzantinische Periode. § 3. Gau und Stadt. 77 

Name dieser neuen Gauteile ist auch der Titel ihrer Vorsteher: sie heißen 

7CQCCMO0LTOS ItttyOV. 

Eine andere große Veränderung, die wir beobachten können, ist die 
Aufhebung der Strategie. 1 ) Der Titel 6TQcctr]y6g begegnet noch 323 
(Oxy. 60), 326 (Amh. 138), ja auch noch 357 (Oxy. 66) und 362 (Oxy. 
VII 1057), um dann zu verschwinden. Aber schon aus dem J. 322 liegt 
die Gleichung 6tQat7jybg i]tol Quxtoq 'Egiio7tokir[ov] vor (Arch. III 348), 
ebenso auch noch aus dem J. 369/70 ötQatrjybg r\xoi s£ccxtg>q 'Odöecog Ms- 
ydXtjg (Leipziger Ineditum Inv. 362 [in 43]). Hier wird der GTQccrrjyög, der 
früher das Haupt der Steuerverwaltung des Gaues gewesen war, gleich- 
gesetzt dem jetzt neu geschaffenen exactor, der von nun an der Chef der 
Steuererhebung ist (vgl. Kap.V) und in anderen Texten kurzweg Qccxtoq 
beißt. Man wird M. Geizer zustimmen dürfen, der hieraus den Schluß 
gezogen hat, daß am Anfang des Jahrhunderts, mindestens a. 322 (S. 62) 
oder vielleicht schon zugleich mit der Einführung der Pagusordnung 
(S. 52) der Stratege als Steuerchef dem neuen Exaktor gewichen ist, 
während andere Kompetenzen des Strategen auf andere Organe über- 
gegangen sind. 2 ) Auffällig bleibt es immerhin, daß der Titel ötQatrjyög 
trotzdem, auch ohne die Gleichsetzung mit el-dxt&Q, noch Dezennien hin- 
durch, wenn auch selten, begegnet. 

Auf der anderen Seite ist es sehr verlockend, die neue Pagusordnung 
und die Abschaffung der Strategie innerlich zu verbinden. Die pagi 
kennen wir aus dem Westen, um von anderen hier nicht zutreffenden Be- 
deutungen abzusehen, als Teile des städtischen Territoriums. 3 ) Ebenso 
führt aber auch die Art, wie hier die Strategie beseitigt wird, auf die 
Vorstellung, daß der frühere Gau zum Stadtgebiet geworden ist. Die 
Kurien der Metropolen, die im III. Jahrh., wie wir sahen (S. 42), selbst 
in städtischen Angelegenheiten unter der Kontrolle des Strategen standen, 
sind jetzt von ihr befreit — freilich um nun in anderer Weise ein- 
geschränkt zu werden (s. unten). Sie wählen selbst aus ihrer Mitte den 
exactor, der dann zwischen ihnen und dem praeses vermittelt. 4 ) Diese 
Änderung ist darin begründet, daß eben der frühere Gau zum städti- 
schen Territorium geworden ist, wodurch der Stratege notwendig 
hinausgedrängt werden mußte. M. Geizer, der dies zum erstenmal klar 
ausgesprochen hat, hat auf S. 62 schon auf die neue Terminologie hin- 
gewiesen, wie sie z. B. in Lips. 64, 45 vorliegt: xr\g noXsag xal t&v nafi&v 
tijg ivoQCccg rfig vfistsQag usw. Der frühere Gau ist jetzt die evoqCcc, 
das Territorium der Stadt. Staatsrechtlich gibt es also keine vopoC 



1) Daß sie im IV. Jahrh. aufhörte, zeigte ich im Hermes 27, 297 ff gegenüber 
Wesselys Annahme, daß sie bis ins vTL Jahrh. fortbestanden habe. 

2) Über die Gerichtsbarkeit des Kurialpräsidenten s. unten S. 81. 

3) Vgl. Marquardt, Köm. Staatsverwaltung I* 13. 4) Geizer 1. c. 52. 



78 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

mehr, sondern nur noch nöXsig einschließlich ihrer evoqCcci. 1 ) 
Trotzdem hat sich das Wort vopog, meist als geographische Bezeichnung, 
noch viel länger als der öxaaxrjyög in den Urkunden erhalten, bis in die 
arabische Zeit hinein. Wenn in CPR 19 vom J. 330 im Präskript ge- 
schrieben ist: JtQ07CoXi,TSvofisv<p 'Eqilov nöXeag xal vofiov, so ist zwar die 
Anwendung des Wortes vofiög nicht korrekt, aber die neue Verfassung 
tritt uns in dem Zusatz xal vofiov doch deutlich entgegen, denn im 
III. Jahrh. war die Kurie nur Kurie der Metropole gewesen. Wenn statt 
vopög später gelegentlich %d)Qa gesagt wird (z. B. im XIII. Edikt Justi- 
nians) 2 ), was dann ins Arabische als küra übergegangen 3 ) ist, so ist damit 
ganz korrekt das frühere Gaugebiet als die %g>qcc der izöXig bezeichnet, in 
dem Sinne wie man früher ganz Ägypten die %coqoc der nöXtg Alexandrien 
genannt hatte. Zur Bestätigung des obigen Ergebnisses möchte ich noch 
auf eine weitere terminologische Beobachtung hinweisen. Der Exaktor, 
dessen Kompetenz außer der Stadt auch den ganzen (früheren) Gau, also 
das ganze Territorium umfaßte, heißt bald ££,ccxxcoq ( Eq(iotioXCx[ov ] (Arch. 
III 348) % bald exactor civitatis (Arch. III 341, ll). 5 ) Der letztere Aus- 
druck ist von um so größerer Bedeutung, als er in der lateinischen Sen- 
tenz eines Präses begegnet, also gewiß die offizielle Auffassung ausdrückt. 
Für die römische Regierung bestand also auch Ägypten jetzt 
aus civitates (einschließlich ihrer Territorien). 6 ) Nicht ohne Interesse 
ist es auch, daß — wenn ich nicht irre — die Bezeichnung der Gaustädte 
als (irjtQOTioXsig jetzt in den Urkunden schwindet. 7 ) Ich fand sie noch 
für die Jahre 302/3 (Lips. 84), 303 (Lips. 18, 18), was selbverständlich ist, 
aber auch noch 320 (Lips. 19), was ein Nachzügler sein kann. Spätere 
Belege habe ich nicht zur Hand. Das ist gewiß kein Zufall. Die Städte 
sind eben nicht mehr firjxgÖTtoXig xov vo{iov, sondern sie sind civitates, 
d. h. %6Xevg, wie auch in Arch. III 341 der exactor civitatis übersetzt wird 
s^äxxoQ xrjg noXecog. Gleichbedeutend hiermit ist itoXixüa, was früher 
m. W. nie auf ägyptische Städte angewendet wird, jetzt aber öfter be- 
gegnet. Vgl. Flor. 95, 9 usw. (a. 375), Lips. 62 I 6 usw. (a. 384), BGU I 
304, 3 (um 640). Der letzte Fall ist besonders instruktiv, da er zeigt, 
daß die noXixda den alten Gau (als Territorium) mit umfaßt: nayaQ%((p) 
xov ßoQQ^cvov) ßxsXovg xavxrjg xfjg noX{i)x{stag). 

Wir stehen hier vor einer der folgenschwersten Umwälzungen, die 



1) So auch bei den späteren Autoren wie Hierokles usw. Vgl. Geizer 1. c. 62 f. 

2) Vgl. auch Bell, Jour. Hell. Stud. 28, 106. 3) P. Heid. m (1) S. 22. 

4) Exectori Hermopolitu auch in einem Leipziger Ineditum. 

5) So erklärt es sich, daß später gelegentlich Gaunamen auf Städte übertragen 
werden, wie Sethroites für Heracleopolis parva (Delta) und Arsinoites für Arsino'S 
(schon von Kuhn II 502 angemerkt). 

6) Vgl. auch curator civitatis in Lips. 40 II 8. 

7) Ich sehe hier ab von dem kirchlichen Metropolbegriff. 



C. Die byzantinische Periode. § 3. Gau und Stadt. 79 

die Verwaltung Ägyptens je erfahren hat: die Gaue sind durch die Stadt- 
territorien ersetzt. 1 ) Erst für diese Neuordnung möchte ich jetzt den 
Ausdruck „Dekurionatsverfassung" oder „Munizipalisierung Ägyptens" an- 
wenden, die in letzter Zeit häufig von der Reform des Septimus Severus 
gebraucht sind. Es ist die Frage weiter zu prüfen, ob nicht zu Beginn 
des IV. Jahrh., zur Zeit des Maximin, durch einen einheitlichen Akt 2 ) die 
römische Munizipalordnung in Ägypten eingeführt ist. Diese Hypo- 
these würde am besten, wie mir scheint, die Tatbestände erklären. Vor 
allem würde die Einführung der pagi mit ihren praepositi mit einem 
Schlage klar. 3 ) Auch der Romanismus, der uns vom IV. Jahrh. an, im 
besonderen auch im Titelwesen der städtischen Verwaltung entgegentritt, 
würde sich hiernach von selbst verstehen. 4 ) Im Gegensatz hierzu würden 
wir in der Neuordnung des Severus vom J. 202 die Einführung einer 
partiellen griechischen Kommunalordnung 5 ) erkennen, der allerdings 
durch das Fortbestehen der Gauordnung von vornherein eine Entfaltung 
abgeschnitten war. Auf diese griechische Periode folgt nun von Maximin 
an (307/10) die der römischen Munizipalisierung. 

In der Zusammensetzung der Kurien (ßovXaC) der Civitates ist 
eine Veränderung gegenüber dem III. Jahrh. bisher nicht nachgewiesen 
worden. Es ist nur ein terminologischer Unterschied, daß man jetzt die 
Ratsherrn außer ßovlsvrat auch 7toXiTEv6[ievoL nennt, was dem all- 
gemeinen späteren Sprachgebrauch entspricht (vgl. Du Cange s. v.). Ge- 
legentlich kommen in derselben Urkunde beide Ausdrücke vor. Während 
aber der Titel ßovXevtccC sich bis zuletzt daneben hält 6 ), ist der alte Titel 
des Vorsitzenden nQvtccvig, wenn ich recht sehe, allmählich verdrängt 
durch den neuen Titel 7CQ07toXixtv6iiBvog (oder auch nQÖsÖQog). So be- 
gegnet TCQvzccvig z. B. noch a. 316 (Oxy. 103), a. 323 (Oxy. 60), a. 338 
(Oxy. VI 892,5), andererseits 7tQ07iohrsv6(i£vog schon 330 (CPR 19, l). 7 ) 
Von besonderem Interesse aber ist das Nebeneinander des alten und neuen 
Titels in Lond. II S. 273, 1 (44). Zu den ngösögoi vgl. BGU 1027, Flor. 
71, 521 usw., Lond. III S. 129. Vgl. auch Bd. II S. 30 Anm. 2. 

Über die Rolle, die der dij^og jetzt spielte, liegen bisher nur spora- 
dische Zeugnisse vor. Ein amüsantes Bild einer turbulenten Volksver- 
sammlung aus Oxyrhynchos vom Anfang des IV. Jahrh. bietet uns Oxy. 



1) Nach Steindorff (Abh. Sachs. Ges. Wies. 1909, S. 886 f.) ist im neuen Reich 
etwas ganz Ähnliches eingetreten. Die damals aufgegebene Gauordnung haben erst 
die Saiten wieder eingeführt. 

2) Vgl. Geizer S. 52. 3) S. oben S. 77. 

4) Einzelnes schon richtig (neben Irrigem) bei Kuhn II 606 tf. 

5) So habe ich sie bei meiner ersten Mitteilung charakterisiert: Hermes 20,446. 

6) Vgl. z. B. aus justinianischer Zeit die ßovlsvtat von Omboi in Cair. Cat. 
67004, 2. 

7) Vgl. Lips. 37, 3 vom J. 389. 



30 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

41 (45). Die städtische Bevölkerung der neuen Civitates erscheint nach 
wie vor (s. oben) in Phylen gegliedert. Überall, wo diese Phylen bisher 
begegnen, dienen sie als Grundlage für die Verteilung der Liturgien. Vgl. 
Oxy. 86, 11 (46) (a. 338); Lips. 65 (a. 390); Flor. 39 (a. 396) (in X). In 
dem Leipziger Ineditum Inv. 362 (in 43) vom J. 369/70 macht ein cpvXccQ%og 
den Personalvorschlag. 

Die städtische Beamtenschaft scheint sich im IV. Jahrh. wesent- 
lich verändert zu haben. Von den oben S. 39 aufgezählten Beamten, die 
in fester Rangordnung das xolvov rcfrv aQjövxcav bildeten, sind jetzt die 
meisten allmählich verschwunden. So sind die yv\iva6laQ%oi und xoöfirj- 
xaC zugleich mit dem Gymnasium durchs Christentum beseitigt worden 
(Kap. III), wie die städtischen aQ%iEQ£lg durch die christliche Hierarchie 
verdrängt worden sind. Auch ttyogav6(ioi, s^rjyrjrccC^ fvtb^tap^at dürften 
in den jüngeren Texten kaum begegnen. Doch wann diese Amter ab- 
geschafft sind und wie sie durch andere ersetzt worden sind, dazu fehlt 
es bisher an jeglicher Vorarbeit, wie wir sie für die vordiokletianische 
Zeit Preisigke verdanken. Hier sei nur auf zwei wichtige neue Amter 
hingewiesen, die auch außerhalb Ägyptens für die Städte dieser Zeit 
charakteristisch sind, das ist der curator civitatis und der defensor 
civitatis. 

Der erstere 1 ), koyißx^s genannt, ist nicht mehr wie in früheren Jahr- 
hunderten ein außerordentlicher vom Kaiser entsendeter Zentralbeamter, 
sondern ein ständiger Munizipalbeamter, der vom Rat erwählt, der kaiser- 
lichen Bestätigung unterlag und als „der vom Kaiser bestätigte Bürger- 
meister" 2 ) zunächst die erste Stelle unter den städtischen Beamten ein- 
nahm, bis er von dem defensor an die zweite Stelle gedrängt wurde. 3 ) 
So weit ich sehe — auch hierfür fehlt es an einer Durcharbeitung des 
gesamten Materials — begegnet er in den Papyri zuerst a. 288 in BGU 
IH 928. Weitere Beispiele sind Oxy. VI 895 vom J. 305 (47), Flor. 36, 32 
vom J.312, Oxy. VI 896 (48) vom J. 316, Oxy. VI 892 (49) vom J. 338 usw. 
Die beiden Beispiele aus diokletianischer Zeit zeigen also, daß der Curator 
auch schon vor der Einführung der Munizipalordnung in den griechischen 
Metropolen amtiert hat. Seine Kompetenzen erstrecken sich auf die ver- 
schiedenartigsten Zweige der Verwaltung, und zwar auf den ganzen Gau 
resp. auf die ganze Civitas (einschließlich ihrer ivogCcc), wie er auch in 
Lips. 40 II 8 ff. als curator civitatis bezeichnet wird. 

Neben diesen curator trat der defensor civitatis oder plebis, der 



1) Zum curator vgl. Kuhn I 36 ff. Preisigke, Stadt. Beamt. 62, 2. Seeck, Pauly- 
Wissowa IV 1809 ff. 

2) Mommsen, R. Staatsr. IP 1087. 

3) Seeck 1. c. 



C. Die byzantinische Periode. § 3. Gau und Stadt. 81 

sxdixog 1 ), der zum Schutz der humiliores gegen die potentiores 2 ) für die 
niedere Gerichtsbarkeit eingesetzt allmählich zum angesehensten Muni- 
zipalbeamten avancierte. Während man früher aus C. Theod. 1, 29, 1 
schloß, daß dies Amt überhaupt erst im J. 364 geschaffen sei, hat kürz- 
lich Oxy. VI 901 gezeigt, daß dies nur für Illyricum gilt, denn nach 
diesem Papyrus bestand das Amt in Ägypten mindestens schon im J. 336. 3 ) 
Weitere Belege für dieses Amt sind z.B. Oxy. YI 902 (a. 465); für das 
Faijüm BGU 836, 7 (Justinian. Zeit), 401, 7 (a. 618: xä nsQißXinx<p xo- 
lisxi xcci Xoyiatätca ixdCxcp xtL); für Antaiopolis Cair. Cat. 67087 (Justi- 
nian. Zeit); für Antinoopolis 67058 IV 1 (Justinian. Zeit). Neben diesem 
defensor hat es wie außerhalb Ägyptens auch hier eine gewisse Gerichts- 
barkeit der Munizipalmagistrate gegeben, insofern der Kurialpräsident — 
hierin der Nachfolger des verschwundenen Strategen — vom praeses de- 
legiert werden konnte. Vgl. CPR 19 (a. 330) und Oxy. 67 (a. 338, also 
sicher neben dem defensor), wo der jiqoiioXlt£v6(lsvos vom praeses als 
ÖLXccörrjg erbeten und bewilligt wird. 

Während die Metropolen des III. Jahrh. sich trotz ihrer ßovXrj wegen 
ihrer Stellung zum Gaustrategen von den autonomen Griechenstädten 
scharf abhoben, ist es fraglich, ob die seit dem Anfang des IV. Jahrh. 
unter Aufhebung der Gauordnung organisierten Civitates sich von jenen 
Griechenstädten noch wesentlich unterschieden haben. Die Beseitigung 
der Graue wird zu einer Nivellierung geführt haben. Da es jetzt keine 
Strategen mehr gab, werden Städte wie Ptolemais und Antinoopolis nun 
auch den &iVLtrjs und !4vTivofcr]g mit verwaltet haben, d. h. auch sie 
werden zu civitates geworden sein. Doch das sind Hypothesen, die nur 
zur Untersuchung des bisher noch nicht behandelten Problems anregen 
sollen. Für eine gewisse Nivellierung scheint mir z. B. zu sprechen, daß 
auch für Antinoopolis ein defensor nachweisbar ist (s. oben). Auf der 
anderen Seite bleibt zu untersuchen, ob diese Griechenstädte nicht bezüglich 
ihrer inneren städtischen Organisation ihre Sonderheiten behalten haben. Für 
Alexandrien verweise ich auf die wertvollen Nachrichten in C. Theod. 12, 
1, 189—192 vom J. 436 (darunter über die quinque primates ordinis Ale- 
xandrini, sowie den auch jetzt noch weiter bestehenden vxofiVTjuccto- 
yQdyosy) Vgl. Franz, CIG III S. 324, auch M. Geizer, Studien S. 18 
(über die Demen). Eine wesentliche Änderung bedeutete dann die Ein- 



1) Betbmann-Hollweg EI 107 ff. Seeck, Pauly-Wiss. IV 2366 ff. Mitteia, Reichs- 
recht 167 f. Sav. Z. 1909, 401. Vgl. auch Bd. H S. 31. 

2) Oxy. VI 902, 10: in(e)l tolvvv oi ftitfixoi i%£vo^^r[6av iv xalg it6Xe6siv Ttgö[g] 
xä> ßorj&eiccv dgi^at tolg a.Siv.ovydvois. Natürlich erstreckt sich seine Kompetenz auf 
das ganze alte Gaugebiet. Vgl. Oxy. 901. 

3) Vgl. hierzu Mitteis, Sav. Z. 1. c. und Bd. ES. 31. 

4) Vgl. auch den Kaiserbrief ad senatores civitatis Alexandrinae von 387 (Cod. 
Theod. 10, 10, 19). 



82 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Setzung des vindex in Alexandrien durch Anastasius, durch die die Steuer- 
erhebung dort von der Kurie auf diesen meistbietenden Pächter überging. 1 ) 
Über Naukratis, das wohl kaum noch eine Rolle spielte, hören wir nur 
einmal von dem Fortbestand seiner ßovkri (Gen. 10, 9). Dagegen nehmen 
Antinoopolis 2 ) und Ptolemais auch bis in die späten Zeiten eine 
hervorragende Stellung ein. Nach der Teilung der Thebais ist Ptolemais 
die Hauptstadt der oberen, Antinoopolis die der unteren gewesen. Die 
letztere Stadt scheint unter Justini an der Hauptsitz des dux Thebaidis 
geworden zu sein. Die neuen Cairener Papyri (Cat.), die zum größten 
Teil dorther stammen, zeigen, daß er hier sein Tribunal hatte, vor das 
sogar die Ratsherrn von Omboi aus der oberen Thebais kamen. 3 ) Georgios 
Kyprios nennt die beiden Städte ausdrücklich die firjTQoiiokeis der 
beiden Thebaides. 4 ) So begegnet dies Wort {irjTQÖitoUg, das im IV. Jahrh., 
wie wir sahen, in seiner alten Beziehung zum vopog schwinden mußte, 
hier in der neuen Bedeutung als Provinzialhauptstadt. Für die Geschichte 
des Hellenismus ist es aber von eigenem Interesse, daß gerade diese beiden 
Griechenstädte, die Gründungen des Soter und Hadrian, schießlich die 
Provinzialhauptstädte der Thebais geworden sind. 

Es wurde schon oben S. 71 darauf hingewiesen, daß die Einrich- 
tungen der Diokletianisch -Konstantinischen Monarchie durch die wirt- 
schaftliche Entwicklung des Landes allmählich völlig umgestaltet worden 
sind. Das gilt im besonderen auch von der eben charakterisierten Muni- 
zipalordnung des IV. Jahrh. 5 ) Während ursprünglich der ganze alte Gau 
als Territorium der civitas — im besonderen z. B. in der Steuererhebung — 
der Kurie unterstand und daher sich aus den pagi des Stadtgebietes zu- 
sammensetzte, sind nach und nach immer größere Strecken dieses Terri- 
toriums von der Kurialverwaltung eximiert worden. Die ersten, die dies 
erreichten, waren die großen Grundherren. Es wird im VII. Kapitel zu 
behandeln sein, wie diese, räch langjährigem Kampf mit der Regierung 
um die Patroziniumsfrage, endlich im J. 415 den Sieg davontrugen, indem 
ihre früheren Klienten ihnen als den possessores und domini als Hörige 
überwiesen wurden, deren Steuern sie nun selbst zu erheben hatten. 
Indem so die Grundherrschaften mit ihren Hörigen (Personen und Dör- 
fern), die meist durch den ganzen Gau zerstreut gewesen sein werden, der 
Kurialverwaltung (Exactor) entzogen wurden, wurde in die Pagusordnung 



1) Zur politischen Würdigung dieser einschneidenden Maßregel s. M. Geizer, 
Studien 98 und Arch. V Heft 3. 

2) Eine Besonderheit seiner Verfassung sind auch jetzt noch die %i\lov%oi, wenn 
wirklich in Flor. 71, 675 ripov^ov als Titel zu fassen ist. 

3) Vgl. z. B. Cat. 67004, 14 und dazu J. Maspero, Bull, de l'Inst. franc. d'arch. 
or. VII 62 f., auch mein Referat im Arch. V Heft 3. 

4) So wie Oxyrhynchos die (irjrQOTtoXig von Arcadia war usw. 

6) Vgl. zum folgenden die grundlegenden Ausführungen von M. Geizer, Studien I.e. 



C. Die byzantinische Periode. § 3. Gau und Stadt. 83 

Bresche gelegt, die auf der Einteilung des ganzen Stadtgebietes in pagi 
beruhte. So ist es kein Zufall, daß seit dem Anfang des V. Jahrh. 
praepositi pagorum nicht mehr begegnen. 1 ) Dagegen spielen in den 
Texten vom VI. Jahrh. an eine große Rolle die nu>yaQ%ai, über deren Be- 
deutung erst die neueren Funde die richtigen Aufschlüsse gebracht haben 2 ) 
Ihr Ursprung und ihr Name ist gleichwohl noch dunkel. Daß diese 
großen mächtigen Herren, die nur vom Kaiser abgesetzt werden konnten, 
mit den kleinen praepositi pagorum der früheren Zeit nichts zu schaffen 
haben, ist heute außer allem Zweifel. Vielleicht ist ihr Name 8 ) damit 
zu erklären, daß dies neue Amt — wohl schon im V. Jahrh. — geschaffen 
worden war, um denjenigen Teil des Gaues, der nach Exemtion der von 
der Pagusordnung befreiten Grundherrschaften noch vom alten Pagus- 
land 4 ) übriggeblieben war, in einer Hand verwalten zu lassen. Jedenfalls 
bedeutet die Schaffung der Pagarchie eine Zentralisierung der Steuer- 
erhebung in diesem Pagusland, und damit andererseits zugleich eine neue 
starke Einschränkung der Kompetenz der Kurien. Aber nicht das ganze 
alte Pagusland ist dem Pagarchen überwiesen worden. Einzelne Dörfer 
sind durch das Privileg der Autopragie von der Gewalt des Pagarchen 
eximiert worden, indem sie formell unter der Kurie (yab rrjv nolizcx^v 
xcl%iv) stehen blieben. Diese Autopragie ist z. B. dem Dorfe Aphrodito 
vom Kaiser Leo (457 — 474) verliehen worden. 5 ) Vgl. Kap. V. So standen 
innerhalb des alten Gaues jetzt nebeneinander die autoprakten Grund- 
herren mit ihren Hörigen, die autoprakten Dörfer (formell unter der Kurie) 
und die den Pagarchen unterstellten Dörfer (die %aya,Q%ov\i£va.C). 

Von der Macht und dem Reichtum solcher Pagarchen, die meist 
selbst zu den größten Grundbesitzern gehörten, gaben uns schon die Oxy- 
rhynchostexte des VI. Jahrh., die von den Apionen handeln, eine Vor- 
stellung. 6 ) Von ihren Übergriffen und ihrer Verachtung aller Autoritäten, 
der kaiserlichen wie der dukalen, legen die Cairener Papyri jetzt Zeugnis 
ab. Sie waren um so gefährlicher, als sie jetzt vielfach zugleich als 
6tQatrjXdtai auch militärisches Kommando hatten. 7 ) Wiewohl sie vor 
allem die Steuererhebung auf dem Lande zu leiten hatten, heißen sie 



1) Der letzte, der zurzeit bekannt ist, ist -vom J. 411. Vgl. Geizer S. 96. 

2) Vgl. außer Geizer 1. c. die wertvollen Materialien bei Bell, Journ. Hell. Stud. 
28. 100 ff. 

3) Er kommt nur in Ägypten yor. 

4) Die Gliederung des Landes in numerierte pagi fiel zugleich mit den prae- 
positi pagorum fort. 

6) Daraus möchte ich schließen, daß auch die Pagarchie schon im V. Jahrh. 
geschaffen ist. Die Verleihung der Autopragie an Dörfer setzt sie voraus. Der Hin- 
weis auf die 8 Pagarchen in Cair. Cat. 67002 H 18 paßt zu dieser Annahme. 

6) Geizer S. 83 ff. Vgl. Oxy. I 130 ff, namentlich 136 und 138. Dieser Apion 
hat seine privaten Steuererheber, Schiffer, Bankiers, seine eigene Post usw. 

7) Geizer S. 97. 



84 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

durchweg Pagarchen der betreffenden „Stadt", in der sie residieren. 1 ) 
Manche dieser Pagarchen herrschten zugleich über mehrere Städte, wäh- 
rend es andererseits auch vorkommt, daß mehrere Pagarchen nebenein- 
ander in einer Stadt residieren. 2 ) Ohne Zweifel hat das Pagarchenamt 
von seiner Begründung an bis zu der Araberherrschaft hin eine beständige 
Steigerung erfahren. 

Auch in der Dorfverwaltung sind manche Änderungen in unserer 
Periode eingetreten. Wohl finden wir im IV. Jahrh. noch die beiden 
yuoti<xQ%<u, aber daneben auch neue Titel, wie den EtpoQog, der in Goodsp. 12 
(a. 340) vor ihnen aufgeführt wird, ferner den quadrarius, der ebendort 
und in dem gleichzeitigen BGU 21 hinter ihnen genannt wird. Wenn ich 
recht sehe, fehlt jetzt der xaiioyQcciiiicczsvg, der früher der wichtigste Be- 
amte im Dorf gewesen war. Wer seine Funktionen übernommen hat, ist 
noch zu untersuchen. IlQsößvvsQOi finden sich noch im VII. Jahrh. Vgl. 
Lond. I S. 222 (8). Vom V. Jahrh. an treten uns die TtQcoToxafLfjrai 8 ) als 
eine Behörde entgegen, die im besonderen in der Steuerverwaltung tätig 
ist. 4 ) In Cair. Cat. 67001 (a. 514) bilden diese Protokometen zusammen 
mit den övvrsXsötaC und xTtfroQsg eine xoiv6xr\g. In Oxy. I 133, 7 ff. 
(a. 550) ist das xoivbv täv JtQcoToxcoprjT&v vertreten durch die xatidQ%cu, 
deren es damals mehr als sieben gibt. Ein häufiger Beamtentitel dieser 
Zeit ist auch der ßorjd'bg xcöprjg. 5 ) Für die Entwicklung der Dorfverwal- 
tung in byzantinischer Zeit liegt ein reiches Material vor, das der Ver- 
arbeitung harrt. 



§ 4. BEVÖLKERUNG UND BEVÖLKERUNGSPOLITIK. 

Auch für die Bevölkerungsfrage besitzen wir in den Papyri ein wert- 
volles Quellenmaterial, doch fehlt es bisher an jeglichem Versuch einer 
Verwertung. Ich beschränke mich daher auf eine Skizzierung einiger 
Probleme. 

Das römische Bürgerrecht und das römische Wesen hat seit Dio- 
kletian wie anderwärts so auch in Ägypten große Fortschritte gemacht. 
Unsere Papyri könnten, wenn sie systematisch verarbeitet würden, wohl 
genauere Aufschlüsse über die Art und das Tempo der Ausbreitung bringen. 
Im VI. Jahrh. nennen sich Kopten der niedrigsten Schichten, Feldhüter 
und Hirten, die nicht einmal zu dem xoivöv des Dorfes gehören, AvQJ\kioi. 



1) Vgl. Bell 1. c. und dazu Wilcken, Arch. V 297. 

2) Vgl. Geizer S. 97 f. 

3) Sie begegnen schon im Anfang des V. Jahrh. iD der hist. Lausiaca des 
Palladius. 

4) In anderer Verwendung z. B. in Lond. III S. 251 (n. 1073). 

6) Vgl. außer den P. Cair. Cat. die Indices von Wess. Klein. Form. 



C. Die byzantinische Periode. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. 85 

Vgl. Cair. Cat. 67001. Man müßte nun die Etappen herausarbeiten, die 
dahin führten. Geht man von der Ausschließung der dediticii durch 
Caracalla aus, so könnte man darauf hinweisen, daß durch die Munizipal- 
ordnung, wie wir sie oben für den Anfang des IV. Jahrh. annahmen, die 
früheren Metropolen zu vollwertigen itoXecg (civitates) geworden waren, 
daß also ihre noXltai nicht mehr als dediticii gelten konnten, um so mehr 
als die frühere XaoyQUtpla (jedenfalls in dieser Form) jetzt verschwand 
(Kap. V). So blieben hiernach nur noch die Dörfler als disqualifiziert 
zum römischen Bürgerrecht. Und hier auf dem Lande werden in der Tat 
auch noch nichtrömische Alyvntiot geblieben sein. Dies wird für die 
Zeit Theodosius' II m. E. bezeugt durch die oft zitierten Worte des Isi- 
doros von Pelusium, der als Pelusiot doch wohl in ägyptischen Dingen 
Bescheid wissen mußte (epist. I 489): Alyvxxiovg \£tv du a% , t\vuav vöfiog 
elgyei ccQ%rJQ. Darin kann ich M. Geizer (Stud. 34/5) nicht zustimmen, 
wenn er annimmt, daß hiermit in Ägypten ansässige römische Bürger ge- 
meint seien, denn die sind von den Magistraturen nicht ausgeschlossen 
gewesen. Vielmehr meint Isidoros offenbar die eingeborenen Ägypter, die 
Kopten, und wenn er von diesen sagt, das Gesetz schließe sie von den 
Magistraturen aus, so dürfen wir daraus entnehmen, daß es auch damals 
noch wie nach Caracallas Edikt eine staatsrechtliche Klasse von AiyvTCxtov 
gab — wenn auch freilich inzwischen vielleicht durch die Munizipal- 
ordnung etwas zusammengeschmolzen — , die das römische Bürgerrecht, 
das die Vorbedingung für die höheren Magistraturen war, noch nicht be- 
saß. Dazu paßt nicht schlecht, daß noch in einer Konstitution vom 
J. 415 von den homologi coloni gesprochen wird (s. oben S. 59). Fak- 
tisch wird die Zahl der nichtrömischen Ägypter durch fortgesetzte Bürger- 
rechtserteilungen durch die Kaiser immer kleiner geworden sein; man 
denke nur an die massenhaft auftretenden OXdoviOi. Und endlich ist der 
Begriff des dediticius, dessen Voraussetzung, wie wir vermuteten, schon 
seit dem IV. Jahrh. z. T. fortgefallen waren, schließlich ganz obsolet ge- 
worden. Justinian erklärte im J. 530 die dediticia condicio als ein 
vanum nomen, das ganz zu beseitigen sei. 1 ) Mögen diese Andeutungen 
bei einer gründlichen Untersuchung geprüft werden. 

Entsprechend dem stärkeren Vordrin gen des Romanismus, das wir schon 
oben S. 79 anläßlich der Munizipalordnung hervorhoben, hat sich in unserer 
Periode auch der Gebrauch des Latein, das vorher über die Armeekreise 
kaum hinausreichte, erweitert. Ja das Latein ist jetzt die offizielle Amts- 
sprache der höheren Stellen geworden — oder es ist doch wenigstens der 
Versuch dazu gemacht worden. Daß die an den dux gerichteten Kaiser- 
reskripte, Leid. Z (6) und die Maßmannschen Urkunden (Mommsen, 

1) C. Just. VII 5, worauf mich Mitteis hinwies. 



86 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Stobbes Jahrb. VI 398 ff.), lateinisch geschrieben sind, beweist noch nichts 1 ), 
zumal Hadrian an den Präfekten Rammius ja auch lateinisch geschrieben 
hatte (BGU 140); auch steht ihnen das griechische Schreiben des Dio- 
kletian und seiner Genossen in Oxy. VI 889 gegenüber. Aber entscheidend 
ist, daß im Gegensatz zur vorhergehenden Periode die Amtsjournale der 
höheren Beamten, wie der praesides und des iuridicus, jetzt lateinisch 
redigiert wurden. Die vor Gericht gesprochenen Worte wurden in der 
Sprache, in der sie geredet waren, sei es griechisch oder lateinisch, pro- 
tokolliert, aber die Darstellung des Protokollführers (Datum, Überschrift, 
Nennung der Redner usw.) wurde lateinisch gegeben. 2 ) Wenn ich nicht irre, 
ist unter Diokletian -Konstantin sogar der Versuch gemacht worden, den 
Richter auch im Verkehr mit griechisch Redenden lateinisch sprechen zu 
lassen oder mindestens die Sentenz lateinisch verkünden zu lassen, wäh- 
rend dies später wieder aufgegeben ist zugunsten der griechischen Sprache 
auch des Richters. Für diese Annahme einer ursprünglich schärferen Be- 
tonung der lateinischen Amtssprache verweise ich auf den im Arch. III 340 
edierten Text vom J. 322, in dem die Sentenz 3 ) des Richters lateinisch 
protokolliert ist (es folgt eine sQfirjvsCa), und ähnlich liegt es in Lips. 44 I 
und Wessely, Lat. Taf. 14, aus derselben frühen Zeit. Vgl. dagegen Lips. 
33, 38, Arch. I 298 ff. aus späterer Zeit, wo der Richter nach griechischem 
Interlokut auch die Sentenz griechisch gibt. 4 ) Im Verkehr außerhalb des 
Gerichtes ist eine Abnahme des Griechischen kaum zu spüren, so daß wir 
dieselben griechischen Urkundenarten wie aus der früheren Periode haben. 
Sollte dies Ergebnis sich nicht durch weiteres Material als irrig er- 
weisen, so könnte man wohl von einer im wesentlichen gelungenen helle- 
nistischen Abwehr des romanistischen Vorstoßes sprechen, denn das Ent- 
scheidende ist, welche Sprache im mündlichen oder schriftlichen Verkehr 
herrscht, nicht, welcher Sprache sich der Redakteur des Protokolls be- 
dient. Immerhin ist ein gewisses Vordringen des Latein nicht zu ver- 
kennen; abgesehen von der lateinischen Redaktion jener Journale wäre 
auch auf die häufigen lateinischen Datierungen von Urkunden, lateinische 
Subskriptionen u. dgl. hinzuweisen. 



1) Vgl. auch den an den praeses von Phönicien von Ägypten aus gerichteten 
lateinischen Empfehlungsbrief in Arch. IH (168) ed. Bresslau. 

2) In Lond. III S. 128 f. (aus früher Zeit) sind die Lücken m. E. für die lateini- 
schen Titel des praeses freigelassen. Auch der durchstrichene Buchstabe vor den 
Parteireclen scheint mir eher ein lateinischer zu sein (s?) als ein griechisches it. 

3) Da der Richter hier außer der Sentenz nichts gesagt hat, bleibt die Frage, 
ob er vorher im Interlokut griechisch oder lateinisch sprechen würde, unbeantwortet. 
Ebenso in den 2 fragmentierten anderen Beispielen. Aber Lond. DI S. 128 f. spricht 
für den Gebrauch des Griechischen. Vgl. dagegen C. Theod. 8, 15, 1, wo Kaiser Kon- 
stantin mit einer griechischen Partei sich lateinisch unterhält. 

4) Wie auch Julian in C. Theod. 11, 39, 5. 



C. Die byzantinische Periode. § 4. Bevölkerung und Bevölkerungspolitik. 87 

Ein anderes Problem ist die Entwicklung der Hellenen und der 
Ägypter und ihr Verhältnis zueinander. Das Aufhören der gymnasialen 
Erziehung im IV. Jahrh. (III. Kap.) kann kaum ohne Wirkung auf die 
Entwicklung der Rasse gewesen sein: es muß die fortschreitende Orienta- 
lisierung befördert haben. Untersuchungen über die graeco- ägyptische 
Völkermischung werden für diese Zeit vielleicht noch schwieriger zu 
führen sein als für die frühere Periode, je weiter das Christentum sich 
ausdehnt, denn die neuen christlichen Namen nehmen uns jede Möglich- 
keit, diese Fragen zu behandeln. Auf der anderen Seite lehrt die Kirchen- 
geschichte, daß zwischen Hellenen und Ägyptern durch das Christentum 
eine tiefe Feindschaft entstanden ist, zuerst weil die Hellenen (die „Heiden'') 
sich lange gegen die neue Religion sträubten, nachher, weil Hellenen und 
Ägypter verschiedene Bekenntnisse hatten, jene als Anhänger der ortho- 
doxen melchitischen Kirche, diese als Monophysiten. Ob in unseren Papyri 
Anspielungen auf diese Gegensätze zu finden sind, ist noch zu unter- 
suchen. Auch von den inneren Unruhen und Kämpfen, von denen die 
literarische Tradition berichtet, sind bisher keine Spuren in den Papyri 
bemerkt worden. Leider fehlen in den Papyri bis jetzt auch alle Nach- 
richten über das Verhältnis der Hellenen zu den Juden in der byzan- 
tinischen Zeit. 

Aussichtsvoller ist es, das Erstarken des Ägyptertums gegenüber 
dem Hellenentum, das Vordringen der ägyptischen Sprache, das Sinken 
der griechischen Kultur zu untersuchen. Freilich wird man hierfür bei 
der griechischen Tradition nicht stehen bleiben dürfen, sondern wird die 
koptische Literatur, die getragen von der koptischen Kirche sich mächtig 
entwickelt, heranziehen müssen. So sicher es ist, daß durch die National- 
kirche und die neue Nationallitteratur das Kopten tum erstarkte, so be- 
greiflich ist es, daß das Griechentum niedergehen mußte, eingekeilt 
zwischen diesem ihm feindlichen — und im Mönchstum geradezu bildungs- 
feindlichen — Koptentum und andererseits dem Neurömertum, von dem 
es als höchste nationale Kulturleistung die Zirkusspiele der Grünen und 
Blauen übernahm. Für den, der den Niedergang einer Kultur aus der 
Sprache und den Gedanken öffentlicher und privater Akten ablesen kann, 
sind die Papyri eine kulturhistorische Quelle ersten Ranges. Anderer- 
seits wäre es wertvoll, durch Nebeneinanderhalten der griechischen 
und koptischen Tradition die allmähliche Verengerung des griechischen 
Sprachgebietes zu eruieren. Für das Anwachsen des koptischen Sprach- 
gebietes möchte ich auf die Tatsache hinweisen, daß jetzt wieder, wie 
einst zu Beginn der Ptolemäerzeit, Regierungserlasse zweisprachig 
publiziert wurden, griechisch und koptisch. Hierfür gibt ein Beispiel 
Cair. Cat. 67031, 16, wo der Erlaß eines dux über Sportein mit den 
Worten schließt: xccl xr\ stcixgjqCg) ^sdsQ^rjvyslyld-rjvai dLaX[E]xra xtL 



38 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

Es war dies offenbar wieder eine Notwendigkeit geworden, da in weiten 
Kreisen der Ägypter die griechischen Erlasse nicht verstanden wurden. 
„Die griechische Sprache war den Kopten, und zwar selbst den Kleri- 
kern, im allgemeinen nicht geläufig", versichert Leipoldt schon für 
Schenutes Zeit, um 400. 1 ) Kein Wunder, daß etwa 200 Jahre später der 
Bischof Abraham von Herrn onthis sein Testament, das wir in Lond. I 
S. 232 ff. griechisch lesen, zunächst koptisch diktiert hatte (Z. 12): 
hnayoQEvöa, {isv (so trenne ich; 1. vitrjyÖQEvöa) tfj t&v Alyvnxiav 
(pcovri, 'EXXrjVLXOlg dh xal Qrniaäiv fWra|a yQayr\vca. Vgl. Z. 68 ff. 2 ) 
Auch die gegenseitige Beeinflussung der Sprachen ist charakteristisch für 
diese Periode. Wieviel griechisches Sprachgut ins Koptische übergegangen 
ist, wissen die Koptologen. Sehr viel geringer sind die koptischen Spuren 
in unseren griechischen Texten, aber sie fehlen auch nicht ganz. Im be- 
sonderen treten sie in dem fürchterlichen Vulgärgriechisch uns entgegen, 
das dann zu den südlichen Nachbarn, den Blemyern und Nubiern ge- 
wandert ist. Vgl. z. B. die Inschrift im Arch. 1 417. Viel stärker ist 
die Beeinflussung des Griechischen durch das Latein in dieser Zeit. 



D. DIE AEIBISCHE PERIODE. 

J. Karabacek, Die Theodor Grafschen Funde in Ägypten 1883; Ders., Ergeb- 
nisse aus den Papyrus Erzherzog Rainer 1889; Ders., Führer PR 1894 S. 133 ff. — 
C. H. Becker, Beiträge zur Geschichte Ägyptens; Ders., Papyri Schott -Reinhardt I 
(P. Heid. III, 1) 1906; Ders., Arab. Papyri des Aphroditofundes, Z. f. Assyr. 20, 68 ff. 
1906 und Papyrusstudien I ebend. 22, 137 ff. 1908. Ders., Grundlinien d. wirtschaftl. 
Entwicklung Ägyptens in den ersten Jahrhunderten des Islam, Klio 9, Heft 2, 1908. — 
H. J. Bell, The Aphrodito Papyri, Jour. Hell. Stud. 28, 97ff. 1908. «) — Stanley 
Lane-Poole, A history of Egypt in the Middle Ages 1901. — J. Wellhausen, 
Das arabische Reich und sein Sturz, 1902. 

Die Grundlage für die Erforschung der arabischen Periode müssen 
selbstverständlich die arabischen Quellen bilden, außer den Autoren auch 
die massenhaft erhaltenen, aber erst zum kleinsten Teil publizierten ara- 
bischen Papyri. 4 ) Gegenüber diesen und den gleichfalls sehr zahlreich 
erhaltenen koptischen Papyri 5 ) treten die griechischen Urkunden dieser 
Periode (bis Ende des X. Jahrh.) numerisch sehr zurück. 6 ) Erst kürzlich 



1) Schenute von Atripe S. 26. 

2) Über die koptischen Schreibereien dieses Abraham vgl. Crum, Copt. Ostraka. 

3) Vgl. meine Referate über Beckers und Beils Arbeiten im Arch. HI 661 f. 
IV 186, 258, V 297 f. 

4) Vgl. über die letzteren Einleitung § 1. 

5) Vgl. Einleitung § 1. 

6) Vgl. das Generalregister. Besonders zahlreich sind die Urkunden der arabi- 
schen Zeit in Wess. Stud. Pal. HI u. VIII (klein. Form.). Weiteres findet man in BGU, 
in Wien. Denk. 37 usw. 



D. Die arabische Periode. 89 

sind durch die Funde von Aphrodito (Köm Esqäw) auch aus dieser Zeit 
größere Mengen zusammenhängender Gruppen (Anfang des VIII. Jahrh.) 
zutage gekommen, die zum größten Teil nach London, z. T. nach Heidel- 
berg, Straßburg usw. gebracht sind. Vgl. den Bericht Beils 1. c. Da die 
Ausgabe der Londoner Stücke (als Lond. IV), von denen nach Beils 
Mitteilungen die wichtigsten Aufschlüsse zu erwarten sind, jeden Tag er- 
scheinen kann, beschränke ich mich hier auf eine in den allgemeinsten 
Umrissen gehaltene Skizze, in der Hoffnung, beim Druck späterer Kapitel 
diese Edition bereits verwenden zu können. 

Zur Zeit, da die Sassaniden über Ägypten herrschten (s. oben S. 70), 
war Muhammed aufgestanden und hatte im Islam einen gewaltigen neuen 
Faktor der Weltgeschichte geschaffen. Es dauerte nicht lange, daß den 
mit diesem Islam unaufhaltsam vorrückenden Arabern auch Ägypten zu- 
fiel, dessen ganze Schwäche schon bei der persischen Katastrophe zutage 
getreten war. Als im J. 639 Amru ibn el-'Asi die ägyptische Grenze 
überschritt, schlössen sich die monophysitischen Kopten aus Haß gegen 
Byzanz den Muslimen als ihren Befreiern an. Das kaiserliche Heer wurde 
geschlagen und Alexandrien mußte, als die byzantinischen Schiffe aus- 
blieben, nach langwieriger Belagerung kapitulieren (641). Aus dieser Er- 
oberungszeit stammt Lond. I S. 222 (8) x ) vom J. 639/40. Vgl. auch 
BGU 304 vom J. 647/8. 

So war Ägypten eine Provinz des großen Khalifenreiches geworden. 
Den neuen Herrn, der zuerst von Medina, dann von Damaskus und dann 
von Bagdad aus das Land regierte, nennen unsere Texte, mit Transkrip- 
tion seines arabischen Titels: 'A[iLQcdtiov[ivCv (Fürsten der Gläubigen). 2 ) 
Wie einst der römische Kaiser seinen Präfekten, so setzte der Khalif seinen 
Statthalter an die Spitze der Provinz. Die griechischen Texte nennen ihn 
övfißovXog — wie Theophanes den Khalifen den ngcotoövfLßovXog nennt. 3 ) 
Vgl. z.B. Stud. Pal. VIH u. 1082: Aßdakaift 6v^ißovl(. .), der von 685 
bis 705 Statthalter war; Heid. III (1) 5 ff. passim. Residenz des Statt- 
halters wurde nicht Alexandrien, sondern Fustat (tö <Po66ütov in den 
Papyri), das Amru gegenüber von Memphis bei dem römischen Lager 
von Babylon begründet hatte; aus ihm ist später Kairo erwachsen. 
So war Ägypten jetzt wieder ein einheitliches Verwaltungsgebiet wie einst 
als Diözese, und es ist bemerkenswert, daß parallel mit Alyvnrog auch 
AcpQixri und Avaxolr^ (= Oriens) als Teile des Khalifenreiches bezeichnet 
werden. Vgl. Bell 1. c. S. 115. Die Verwaltung des Landes wurde zum 



1) Andere Texte der Zeit liegen in Wien, noch unpubliziert. Vgl. die Be- 
schreibungen im Führer PR S. 137 ff. 

2) Vgl. Lond. I S. 230 (24), Stud. Pal. VIII n. 1082. Häufig in den Londoner 
Texten (Bell). 

3) Wellhausen 1. c. 86 Anm. 2. 



90 Kapitel I. Allgemeine historische Grundzüge. 

großen Teil von den Byzantinern übernommen. Die alten Namen der 
Teilprovinzen begegnen zunächst auch jetzt noch. So zitiert Bell aus 
einem Londoner Papyrus (VIII. Jahrh.) die Erwähnung von Arcadia, 
Thebais und tö XCfiirov. 1 ) Doch läßt Becker die Frage offen, ob das 
nicht nur noch geographische Bezeichnungen waren. 2 ) Für diese Annahme 
scheint zu sprechen, daß der Statthalter ohne Vermittlung von praesides 
oder dgl. direkt mit dem Dorf Aphrodito verkehrt. Andererseits nennt 
BGU III 750 einen dux von Arcadia, und ein Rainer-Papyrus vom J. 699 
einen dux von Arcadia und Thebais. Nach Bell S. 114 begegnet im An- 
fang des VIII. Jahrh. auch noch der Augustalis von Alexandrien. Über 
die Bedeutung dieser Titel sind weitere Aufschlüsse abzuwarten. Dagegen 
sehen wir schon jetzt, daß die Pagarchen unverändert in die neue Zeit 
hinübergegangen sind. Die Pagarchien scheinen in den Londoner Texten 
nach Beils Mitteilungen (S. 100 ff.) eine große Rolle zu spielen. Der 
Ausdruck vofiög, der auch jetzt noch vorkommt, kann nur noch geo- 
graphische Bedeutung haben, da er seinen staatsrechtlichen Begriff ja schon 
Jahrhunderte vorher eingebüßt hatte. 3 ) An die Pagarchendynastie der 
byzantinischen Zeit (vgl. die Apionen bei Geizer 1. c.) erinnert der Apa 
Kyros mit seinen Söhnen Christophoros und Theodorakios, die gleichfalls 
wie der Vater dies Amt bekleiden. 4 ) 

Die Araber treten nunmehr als das Herrenvolk im Lande auf, so wie 
früher die Makedonier und dann die Römer. Die Muslimen sind steuer- 
frei, während die Ungläubigen Tribut zu zahlen haben, im besonderen 
auch die Kopfsteuer (vgl. Kap. V). Dies hat mit der Zeit dem Islam 
immer neue Anhänger aus den Reihen der Kopten zugeführt. Als hier- 
durch die Belastung der übriggebliebenen Ungläubigen eine unerträgliche 
wurde, sah sich die Regierung (im VIII. Jahrh.) genötigt, eine Steuer- 
reform einzuführen. Die schweren Kämpfe mit den Kopten, die im Ver- 
folg dieser Neuerungen ausbrachen, endeten erst im IX. Jahrh. mit der 
völligen Niederwerfung der Kopten, worauf dann die Verschmelzung der 
Kopten mit den Arabern einsetzte. 5 ) Aus der Zeit vor jenen Kämpfen 
bringen die Londoner Papyri nach Beils Mitteilungen viele Nachrichten 
über die immer stärker werdende Landflucht (die (pvyddsg), in der er und 
Becker die Vorboten der späteren Erhebungen sehen. 6 ) Zu dieser Land- 
flucht vgl. auch Lond. I S. 230 (24). 

Um den weiteren Niedergang des Griechentums, der schon in der 



1) Tb Xi^iirov ist nicht neu. Vgl. tov @r}ßaCxov Xiyiixov in Leid. Z (6). 

2) Z. f. Assyr. 22, 141. 

3) Hierin sind Beils Ausführungen 1. c. von Geizer überholt worden, ebenso be- 
treffs der Pagarchen. 

4) Vgl. Führer PR n. 550 ff. und BGU 304, 320. 

5) Vgl. Becker, Klio 1. c. S. 9 (SA). 6) Becker, Z. f. Assyr. 22, 139. 



D. Die arabische Periode. 91 

byzantinischen Zeit in vollem Gange war (s. S. 87), zu untersuchen, haben 
wir in den griechischen, arabischen und koptischen Urkundenmassen der 
arabischen Zeit eine Quelle ersten Ranges. Wir werden zu Zeugen, wie 
die griechische Sprache allmählich verdrängt wird, wie in den Kanzleien 
zunächst die arabische neben sie tritt, wie dann die griechisch-arabischen 
Bilinguen durch die arabisch -griechischen ersetzt werden, bis schließlich 
das Arabische allein herrscht. 1 ) Und ebenso sehen wir auch im privaten 
Gebrauch das Griechische mehr und mehr durch das Arabische und das 
Koptische verdrängt werden. Die letzte unter den bekannt gegebenen Ur- 
kunden, die noch griechische Schriftzeichen trägt, ist, wenn ich recht sehe, 
der Wiener Text im Führ. PR n. 1090 — eine arabisch -griechische Bi- 
lingue auf Papier. Wenn auch die Kopten vorgearbeitet hatten, gilt 
doch auch hier das Wort Mommsens, der den Islam den Henker des 
Hellenismus genannt hat. 



1) Vgl. Becker, Heid. III (1) S. 28 ff. 



KAPITEL IL 

RELIGION UND KULTUS. 

A. PTOLEMÄEEZEIT. 

Grundlegend Walter Otto, Priester und Tempel im hellenistischen Ägypten 
I 1905. II 1908 und dazu die wichtige Besprechung von M. Rostowzew, Gott. 
Gel. Anz. 1909 Nr. 8 S. 603 ff. Fr. Cumont, Die orientalischen Religionen im röm. 
Heidentum 1910. Außerdem vgl. die oben S. 2 zur Ptolemäergeschichte aufgezählten 
Werke. Zu ihnen kommt soeben hinzu Wilamowitz, Staat und Gesellschaft der 
Griechen (in der „Kultur der Gegenwart"). Speziellere Arbeiten werden unten genannt. 

§ 1. RELIGIONS- UND KIRCHENPOLITIK DES STAATES. 

Die der griechischen Religion eigene Toleranz fand in dem Weltreich 
Alexanders des Großen, das Völker der verschiedensten Religionen um- 
faßte, einen gesteigerten Ausdruck. Wie Alexander allerorten den Göttern 
der von ihm Besiegten gehuldigt hat, so hat er auch in Ägypten dem 
Apis geopfert 1 ), was auf das ägyptische Volk um so mehr befreiend 
wirken mußte 2 ), als die persische Regierung nach den großen nationalen 
Aufständen ihre ursprüngliche Toleranz aufgegeben und die religiösen 
Gefühle der Ägypter — wie durch die Tötung des Apisstieres durch 
König Ochos — aufs tiefste verletzt hatte. An diesem Prinzip der reli- 
giösen Toleranz haben auch die Ptolemäer nicht gerüttelt, und sie ist 
allen hier gepflegten Religionen, auch der jüdischen, gegenüber geübt 
worden. Im besonderen aber ist der ägyptische Kultus unter ihrer Herr- 
schaft nicht nur staatlich anerkannt gewesen, sondern auch durch könig- 
liche Stiftungen und Geschenke sowie durch persönliche Teilnahme der 
Könige gefördert worden. Es entsprach dies nicht nur den allgemeinen 
hellenistischen Anschauungen, sondern es war auch das beste Mittel, die 
„gottesfürchtigen" Ägypter der neuen Herrschaft zu nähern. 

Außer den griechischen Nachrichten 3 ) sind hierfür die ägyptischen 
Denkmäler Zeugnisse, die jetzt von Kurt Sethe in den „Hieroglyphischen 



1) Arrian Anab. III 1, 4. Ebendort über den von Alexander angeordneten Kult 
der Isis in Alexandria. 

2) Nur bei dieser religiösen Toleranz konnte hier die Sage entstehen, daß Alexander 
der Sohn des Nektanebo II sei (Ps. Kallisthenes). 

3) Vgl. namentlich Dittenberger, Or. Gr. I. 



A. Ptolemäerzeit. § 1. Religions- und Kirchenpolitik des Staates. 93 

Urkunden der griechisch - römischen Zeit" zusammengestellt werden. *) 
Unter ihnen ragen z. B. hervor die Satrapenstele (Sethe II Hfl 7 .), nach 
der Ptolemaios Lagu als Satrap im Jahre 311 der Göttin Buto ein Stück 
Land zurückgab, das einst Xerxes konfisziert hatte 2 ), ferner die Stele von 
Pithom (Sethe II 81 ff.) und die Mendesstele (Sethe II 28 ff.) aus der Zeit 
des Philadelphos, die für sein Verhalten gegenüber dem ägyptischen Kultus 
äußerst wichtige, freilich, wie allein schon der Revenue -Papyrus zeigt, 
sehr einseitige Aufschlüsse geben. Nur durch das Zusammenarbeiten der 
griechischen und ägyptischen Nachrichten läßt sich ein richtiges Bild ge- 
winnen. Als dann seit Philopator, wie wir sahen (S. 20), die nationalen 
Unruhen begannen, ist die Fürsorge der Könige für die ägyptischen Götter 
nur noch gesteigert worden, um die Ruhe im Lande zu sichern. Von den 
heute noch aufrechtstehenden Tempeln Ägyptens stammen bekanntlich die 
meisten — wie die von Dendera, Der el-Medine, Edfu, Köm-Ombo, 
Philae — aus der Ptolemäerzeit, und vieles daran ist auf königliche Muni- 
fizenz zurückzuführen. 

Das Hauptproblem der Religionspolitik war aber nicht eine einseitige 
Förderung der ägyptischen Religion, sondern der friedliche Ausgleich 
zwischen dieser und der griechischen Religion des herrschenden Volkes. 
Diesem Zweck diente einmal die von der Regierung beförderte Gleich- 
setzung von griechischen Göttern mit ägyptischen, die schließlich zu einer 
völligen Theokrasie führte (s. unten S. 107 f.), ferner die Einführung der 
nach griechischer Art apotheosierten Könige als övvvaoi &sol in den 
ägyptischen Kultus (s. unten S. 107). Endlich hat auch die Einführung 
des Sarapis und seine Gleichsetzung mit dem Osiris-Apis derselben Politik 
der Versöhnung und Ausgleichung gedient (s. unten S. 101), und zwar mit 
so durchschlagendem Erfolg, daß man hierauf hin mit Recht von dem 
„politischen Genie" des Ptolemaios gesprochen hat. 3 ) 

Von dieser schon für die ersten Ptolemäer nachweisbaren Religions- 
politik ist aber zu trennen die Kirchen politik. 4 ) So sehr der Staat 
auch in seiner Toleranz dem ägyptischen Volke seine Religion erhalten 
wollte, und so viel er auch finanziell für die Pflege des ägyptischen 
Kultus durch Geschenke und Stiftungen getan hat, so hat er andererseits 
mit allen Mitteln verhindert, daß die ägyptische Priesterschaft wie einst 
in der Pharaonenzeit einen Staat im Staate bilde. 5 ) Wie es sich von den 

1) Bis jetzt erschienen 2 Hefte (bei Hinrichs 1904), von Alexander bis Euergetes I. 
Vollständige deutsche Übersetzungen sollen folgen. 

2) Vgl. hierzu meine Ausführungen in der Ägypt. Zeitschrift 35 (1897) 85 f., die 
jetzt durch P. Libbey bestätigt worden sind. Vgl. Arch. V 230. Die alte irrige 
Deutung jetzt noch bei A. Erman, Äg. Religion, 2. Aufl. (1909), 226 wiederholt. 

3) Cumont 1. c. 94. 4) Über den Begriff der Kirche s. unten S. 110. 

5) Ich schließe mich hier und im folgenden in der Würdigung der Kirchen- 
politik den zutreffenden Ausführungen von Rostowzew (GGA 1909, 636 ff.) gegenüber 
Otto E 285 ff. an. 



94 Kapitel II. Religion und Kultus. 

griechischen Priestern von selbst verstand ; so haben die Ptolemäer auch 
die ägyptischen Priester direkt unter die staatliche Autorität gestellt. 
Der Gott galt zwar als Eigentümer des Tempels und der Tempelschätze, 
aber sein Vertreter auf Erden war nicht die Priesterschaft, sondern der 
König, der, bald selbst Gott, die letzte Entscheidung in ailen Tempel- 
angelegenheiten hatte und die oberste Spitze der gesamten Tempelverwal- 
tung darstellte. 1 ) Das Tempelland war zwar nominell dem Gotte heilig 
(IsQcc), aber rechtlich gehörte es ebenso wie die yr\ nXrioov%LKri und 
IdiöxtijTog zur iv utptöEL yrj, d. h. auch ihm gegenüber wurde die 
Prätension festgehalten, daß der König ein Obereigentum daran hatte 
(s. unten Kap. VII). Es war daher ebenso wie jedes andere Land steuer- 
pflichtig und unterstand der staatlichen Bodenverwaltung. Vgl. Teb. 6. 
Nur die dem Gotte als Geschenk überwiesenen Ländereien (yrj avLSQcofievrj) 
genossen mindestens seit dem großen Regierungserlaß von 118 vor Chr. 
Steuerprivileg und wurden von den Priestern selbst verwaltet (Teb. 5, 
61 [65]). Ebenso unterstand die gewerbliche Tätigkeit in den Tempeln 
der staatlichen Kontrolle und erlitt mehrfach Eingriffe seitens des Staates 
(s. unten). Die Priester selbst aber erhielten ihr Amt vom König. Vgl. 
unten S. Ulf. Diese zwar mit manchen Privilegien wie der Freiheit von der 
Kopfsteuer (Petr. III S. 174 [66]) ausgestatteten, aber vom König durchaus 
abhängigen Priester durften ihm wohl göttliche Ehren erweisen, aber die 
Apotheose des Königs und der Mitglieder des königlichen Hauses erfolgte 
auf Befehl des Königs, im ägyptischen wie im griechischen Kult (s. unten 
S. 99), wie es auch der König war, auf dessen Befehl die heiligen Tiere 
(nach Prüfung durch die Sachverständigen) inthronisiert wurden (vgl. 
Mendesstele, Sethe II S. 47 ff.), der ferner auch das für die Tempel so 
wichtige Asylrecht verlieh (vgl. zu Teb. 5, 83 [65]). Gute Beispiele 
dafür, wie die Könige die Tempelangelegenheiten ordneten, bieten z. B. 
Teb. 6 und Teb. 5, 50—84 (65). 

Diese auf die unbedingte Souveränität des Staates abzielende Kirchen- 
politik ist nicht zu allen Zeiten mit gleicher Strenge in der Praxis durch- 
geführt worden. Unter der starken Herrschaft der ersten Ptolemäer tritt 
sie uns am deutlichsten entgegen. Derselbe Philadelphos, der nach der 
Pithomstele den ägyptischen Kultus so reich unterstützt hat, und nach 
der Mendesstele auch persönlich lokalen Kulten so viel Interesse bewiesen 
hat, hat andererseits gegen die Priesterschaft einen schweren Schlag ge- 
führt, indem er die Erhebung der früher den ägyptischen Göttern, nun- 



1) Die früher weit verbreitete Ansicht Letronnes, daß in der Ptolemäerzeit der 
iitL6toXoYQäcpog eine besondere Oberbehörde für die ägyptischen Tempel, sozusagen 
Kultusminister gewesen sei, habe ich im Hermes 22, 1 ff . durch richtige Ergänzung 
der ObeliskeninBchrift von Philä, als irrig erwiesen. Zustimmend Otto I 55 f. Vgl. 
auch oben S. 6. 



A. Ptolemäerzeit. § 1. Religions- und Kirchenpolitik des Staates. 95 

mehr der 'Agöwör} QvXddskcpog geweihten cmöiioiqu- Steuer (ein Sechstel 
vom Ertrag der Wein- und Nutzgärten) von den Priestern auf den Staat 
übertrug (vgl. Kap. V). Und wenn auch in anderen Abschnitten des 
Revenue -Papyrus, die vielleicht schon auf Soter zurückgehen, bei der 
Konstituierung des Ölmonopols und des Othonionmonopols den Tempeln 
Privilegien im Vergleich zu den Privaten eingeräumt wurden, so hat 
Rostowzew 1 ) doch richtig erkannt, daß hinter dieser scheinbaren Privile- 
gierung in Wirklichkeit die Vernichtung von älteren Tempelmonopolen 
steckte (vgl. Kap. VI), so daß man von einer absichtlichen Beeinträchtigung 
der wirtschaftlichen Bedeutung der Priesterschaften zugunsten des Fiskus 
sprechen muß. Daß auch der dritte Ptolemäer, Euergetes I, der Priester- 
schaft gegenüber die staatlichen Interessen kräftig gewahrt hat, scheint 
mir aus dem Dekret von Kanopos 2 ) hervorzugehen, wenn man nur die 
Begründung dieses Priesterbeschlusses mit dem des Dekretes von Rosette 
aus der Zeit des Epiphanes 3 ) vergleicht. Während in letzterem eine Fülle 
von Wohltaten aufgezählt werden, die bei Lichte besehen eine starke Be- 
einträchtigung des Fiskus und eine Schwächung der staatlichen Autorität 
bedeuten 4 ), wird dort nicht ein einziger Verzicht auf ein königliches 
Recht namhaft gemacht: außer den großen Siegen des Königs und seiner 
Liberalität anläßlich einer mangelnden Nilschwelle wird dort nur ganz 
allgemein auf Wohltaten hingewiesen, die der König dem ägyptischen 
Kult, im besonderen dem Apis und Mnevis erwiesen hat, sowie auf die 
Rückführung der von den Persern geraubten Götterbilder. 5 ) Dieser ge- 
waltige Unterschied erklärt sich dadurch, daß zwischen den beiden 
Dekreten die unheilvolle Regierung des Philopator liegt, von der, wie wir 
oben S. 20 sahen, der Umschwung in der Eingeborenenpolitik der Regie- 
rung und damit auch der Beginn der ägyptischen Revolutionen datiert, 
unter deren Fortgang dann die Regierung des Epiphanes zu leiden hatte. 
Der Wechsel der Zeiten tritt uns auch darin entgegen, daß gegenüber der 
schlichten rein griechischen Datierung des Dekrets von Kanopos sich in 
dem von Rosette bekanntlich eine griechische Übersetzung des ägyptischen 
Einganges findet. Auch dies können wir heute schon auf die Regierung 
des Philopator zurückführen: ein Münchner Papyrus (109), zu dem kürz- 
lich eine Cairener Inschrift bestätigend hinzukam, zeigt uns, daß schon 
unter Philopator in trilinguen Texten der griechische eine Übersetzung 
der ägyptischen Königstitulaturen bot. So sehen wir seit Philopator ent- 

1) GGA 1909, 631 f. 

2) Dittenberger, Or. Gr. I n. 56. 3) Dittenberger, Or. Gr. I n. 90. 

4) So z. B. der Verzicht auf den jährlichen xatäTtlovs der Priester zur Cour 
am Königshofe. Vgl. unten S. 110. 

5) Freilich hatte auch Philadelphos dem Tempel von Mendes Steuererleichte- 
rungen verschafft (Mendesstele), aber doch eben nur einem speziellen, von ihm be- 
vorzugten Tempel, nicht den gesamten Tempeln des Landes. 



96 Kapitel II. Religion und Kultus. 

sprechend der allmählichen Erstarkung des Nationalismus die kirchen- 
politische Stellung des Staates schwächlicher werden. Daß der ägyptische 
Klerus die zahlreichen nationalen Aufstände geschürt hat, ist nicht direkt 
zu beweisen, aber sehr wahrscheinlich. Diese Entwicklung tritt uns auch 
darin entgegen, daß die Regierung in späteren Zeiten, wie es scheint, mit 
der Verleihung der Asylie an ägyptische Tempel immer freigebiger wurde. 
Euergetes II bestätigte zwar im J. 118 nur die bestehenden Asylien (Teb. 
5, 83), und aus dem Bericht des Finanzministers aus der Zeit des Ptole- 
maios Alexandros erfahren wir, daß nur sviu räv sjiLörj^icov (lsq&v) die 
Asylie besaßen, wie Memphis, Busiris usw. (Dittenberger, Or. Gr. II 761). 
Aber im I. Jahrh. v. Chr. haben dann auch kleinere Dorftempel dieses 
Recht erhalten, durch dessen Verleihung auf staatliche Hoheitsrechte ver- 
zichtet wird. Vgl. die Inschrift von Euhemeria bei Dittenberger, Or. Gr. 
II 736 (vgl. Milne, Cat. Cairo, Greek inscr. 33037) und die von Theadelphia (70). 

§ 2. DIE GRIECHISCHEN KULTE. 

Wie einst die Siedler von Naukratis sich um die Tempel ihrer heimi- 
schen Götter scharten 1 ), so werden auch die Griechen, die mit und nach 
Alexander nach Ägypten kamen und sich hier niederließen, zuerst den 
Kult ihrer alten Götter gepflegt haben. In erster Reihe werden wir 
solche rein griechischen Kulte in den Griechenstädten (Alexandrien und 
Ptolemais), dann aber auch in den Gaumetropolen zu vermuten haben. 2 ) 
Im besonderen ließen die neuen griechischen Herrscher es sich angelegen 
sein, sowohl dem griechischen Auslande als den Griechen im Inlande 
gegenüber, durch Stiftung von Tempeln, durch Beteiligung an ausländi- 
schen und Einführung von inländischen Agonen, als Pfleger der griechi- 
schen Götter zu erscheinen. Diese Richtung des Königshauses tritt uns 
in der Stellung der Hofdichter, wie Theokrit und Kallimachos, gegenüber 
der ägyptischen Religion deutlich entgegen. 3 ) Wie diese ersten Ptolemäer 
da, wo sie von der Rücksicht auf den ägyptischen Klerus frei waren, als 
Männer griechischer Religion auftraten, zeigt z. B., wie Otto II 266 mit 
Recht hervorgehoben hat, die im fernen Adulis gesetzte Siegesinschrift 
des Euergetes I, in der er sich als anöyovog rä [iev anb xaTgbg 'HQaxXeovg 
rov z/tög, rä de anb ^irjtgbg AiovvGov xov Aibg bezeichnet. 4 ) Wenn wir 
gleichwohl so selten rein griechischen Tempeln und Kulten der alten 
Götter begegnen 5 ), so liegt das in der unten zu besprechenden Tatsache, 



1) Herodot II 178. 

2) In Ptolemais waren die ägyptischen Kulte vielleicht (?) extra muros verwiesen. 
Vgl. meine Bemerkung bei Plaumann, Ptolemais 58. 

3) Vgl. Otto I 5, 1; II 265 ff. 4) Dittenberger, Or. Gr. I 54. 

5) Eine Zusammenstellung der sicher griechischen Tempel und Kulte ist auch 
nach Ottos Buch noch zu wünschen, da er in seinem Götterindex (II S. 377 ff.) eine 



A. Ptolemäerzeit. § 2. Die griechischen Kulte. 97 

daß die ägyptischen Götter schon früh mit griechischen Göttern identifi- 
ziert worden sind, so daß bei bloßer Nennung der griechischen Namen 
die Entscheidung über ihren Charakter sehr schwierig ist. 

Zu den alten Göttern 1 ) sind aber auch neue hinzugekommen. So haben 
die Gründer der beiden neuen Griechenstädte nach griechischer Sitte 
göttliche Verehrung erhalten. In Alexandrien ist so Alexander der Große 
mit dem Gottesnamen 'AXi^avögog göttlich verehrt worden 2 ), und dieser 
Kult hat dadurch für das ganze Land eine besondere Bedeutung erhalten, 
daß diesem Gotte ein jährlich wechselnder eponymer Priester vom König 
eingesetzt wurde, nach dem die offiziellen Akten, Verträge usw. datiert 
wurden. Vgl. z. B. 103 bis 107. Die Ansichten über den Zeitpunkt, in 
dem dieser eponyme Alexanderpriester eingesetzt worden ist, gehen aus- 
einander. Während Kornemann und Karst im Anschluß an Ps. Kallisthenes 
III 33 ihn in die Zeit des Soter verlegten, versetzten ihn andere (auch 
ich) unter Philadelphos. Eine ausführliche Darlegung der verwickelten 
Frage bietet Otto I 138 ff., der seinerseits zu zeigen sucht, daß der 
Alexanderpriester erst im J. 274 eingesetzt sei. Kürzlich ist das Problem 
dadurch in ein neues Stadium getreten, daß aus den letzten Jahren des 
Soter sowie den ersten Jahren des Philadelphos Texte bekannt geworden 
sind, die bereits nach einem eponymen alexandrinischen Priester datiert 
sind, freilich ohne daß der Gott genannt würde. So beginnt Eleph. 2 
(a. 285/4): BaötXsvovtog IlxoXe^aCov (stsl) {i {irjvbs TogmaCov iqf CsQsmg 
MsvsXdov tov Aadyov. Danach ist P. Hib. 84 a von Rubensohn verbessert 
worden. 3 ) Vgl. auch Eleph. 3 und 4 (a. 284/3) und Hib. 97. Gegenüber 
der zunächst nur auf die Hibeh- Papyri gestützten Ansicht von Grenfell 
und Hunt, daß der ungenannte Gott Alexander sei, konnte ich noch auf 
die Möglichkeit hinweisen, daß nach Arrian Anab. VH 23, 7 vielleicht 
Hephaistion gemeint sei. 4 ) Nachdem aber Eleph. 1 bekannt geworden ist, 
der vom J. 311 stammt und den Priester noch nicht kennt, fällt diese 
Möglichkeit fort. 5 ) Auch der von Otto II 319 gewählte Ausweg, daß 
Sarapis gemeint sei, scheint mir nicht gangbar. So dürfen wir es heute 



Scheidung nicht vorgenommen hat, auch Neues hinzugekommen ist. Auf S. 6 f. be- 
schränkt er sich auf die negative Seite, die er mit Recht betont. Für griechische 
Götter halte ich z. B. in Dittenberger Or. Gr. I 18 'Ägts(iig Zätstga, 63 'AnoXXav 
'TAatrjg usw., 65 Zsvs 'OXv\Litiog und Zsvg üwafioeiog, 83 z/rjfi^TTjp und Koqtj und 
sdiHccioßvvri u. a. Charakteristisch für die hellenistische Zeit ist bekanntlich das Her- 
vortreten der Tv%r\ (vgl. E. Rohde, Griech. Roman 276 ff.). So finden wir auch in 
Alexandrien ein Tv%alov, aber auch im Lande. 

1) Bemerkenswert ist, daß in einem im III. Jahrh. v. Chr. wahrscheinlich von 
einem Griechen geschriebenen Briefe die Wendung [■S'Jfräi 7cXsietri zügig vorkommt 
(Petr. IE S. 153). 

2) Zu dem Fehlen des 9sog vor 'AXit-avögog, eben weil dieser Gottesname ist, 
vgl. meine Bemerkung in GGA 1895, 141 Anm. 1. 

8) Vgl. P. Eleph. S. 22. 4) Arch. IV 184. 5) Arch. V 202. 



98 Kapitel II. Religion und Kultus. 

als wahrscheinlich bezeichnen, daß der Alexanderkult schon von Soter 
eingerichtet worden ist, und zwar zwischen 311 und 289/8. *) Daß in 
dem oben angeführten Beispiel Menelaos, der Bruder des Soter, selbst das 
Priestertum bekleidet, zeigt, welch hohe Bedeutung ihm beigemessen wurde. 
Ein Verzeichnis der bekannten Alexanderpriester bietet Otto I 175, II 322, 
zu dem inzwischen schon wieder Neues hinzugekommen ist (vgl. Arch. 
V 229, aus den demotischen Cairener Papyri). 2 ) 

Auch im oberägyptischen Ptolemais ist der Stadtgründer als Stadt- 
gott verehrt worden. Auch hier hat es wie in Alexandrien einen offiziellen 
Staatskult dieses Stadtgründers gegeben, der aber nur für die Thebais, 
nicht wie der Alexanders für das ganze Land galt. Dieser Kult des 
Ptolemaios Soter ist zuerst nachweisbar unter Philopator (215/4). Es ist 
wahrscheinlich, daß er auch damals erst geschaffen ist. So Plaumann, 
Ptolemais S. 51 (gegenüber Otto I 160). Diese Annahme wird um so be- 
greiflicher, wenn mau zugleich mit Plaumann 1. c. annimmt, daß es schon 
vor diesem staatlichen Kult, wohl von Soters Zeit an, hier einen städti- 
schen Kult des frsbg 2Jcat^Q (NB. ohne IItoXe(ialos) gegeben hat, für 
dessen Weiterbestand in der Ptolemäerzeit er auf die philensische Inschrift 
bei Lepsius XII gr. 207 verweisen kann. Zum Kult von Ptolemais vgl. 
außer Otto auch Plaumann, Ptolemais S. 39 ff. 

Wichtiger noch als diese Kulte der Stadtgötter war nun aber der 
hellenistische Herrscherkult, der uns in den Urkunden viel häufiger 
als der Kult der alten Griechengötter entgegentritt. Es kann an dieser 
Stelle nicht die Entwicklung der Ideen dargestellt werden, die schließlich 
zu diesem Herrscherkult, einer typischen Erscheinung der hellenistischen 
Welt, geführt haben 3 ); nur die Formen, die dieser Kult in Ägypten, z.T. 
abweichend von anderen Gebieten des Hellenismus angenommen hat, sollen 
hier kurz skizziert werden. Nur das eine sei hervorgehoben, daß, wenn 
auch auf griechischem Boden sich Vorläufer nachweisen lassen, und 
griechische Religion und Philosophie auf dies in Alexander erreichte 
Ziel hingelenkt haben, es doch kein Zufall sein wird, daß das einzige 
hellenistische Königreich, das diese Apotheose nicht kennt, auch das ein- 
zige ist, das nicht auf orientalischem Boden oder in orientalischer Nach- 
barschaft sich entwickelt hat, nämlich Makedonien. Gleichwohl ist der 



1) Vgl. Rubensohns Ausführungen zu Eleph. 2 und 3. S. jetzt Wilamowitz, 
Staat und Gesellschaft S. 159. 

2) Der Annahme, daß der isgsvg Alexanders mit dem alexandrinischen ih,r\yT\trj? 
identisch sei (vgl. Otto I 154 ff.), wird mit Recht von manchen widersprochen. 

3) Die Ansichten darüber gehen noch vielfach auseinander. Vgl. außer Otto 
(passim) Kornemann, Klio I 51 ff.; Karst, Gesch. d. Hell. Z. II 374 ff.; Beloch, Griech. 
Gesch. III; Wilamowitz, Griech. Religion (Jahrb. d. Freien D. Höchst. 1904); Staat u- 
GeseUsch. 151 ff. 



A. Ptolemäerzeit. § 2. Die griechischen Kulte. 99 

hier zu behandelnde Herrscherkult, was früher oft verkannt wurde, durch- 
aus den griechischen Kulten anzureihen und scharf zu scheiden von 
der göttlichen Verehrung, die die Könige außerdem im ägyptischen Kult 
genossen haben (s. unten). 

Sehen wir von Alexander ab, so ist ein Herrscherkult in Ägypten 
zuerst geschaffen worden, als Philadelphos seinen 283/2 verstorbenen Vater 
zum ftebg ZJartfQ erhob. Der Kultbeiname ZcorrJQ wurde gewählt, weil 
er dem Ptolemaios I schon bei Lebzeiten als Ehrentitel beigelegt war 
(308 von den Nesioten, später von den Rhodiern). In diesem *) wie in 
allen weiteren Fällen ist es der König, der die Apotheosierung befiehlt, 
nicht etwa die Priesterschaft, geschweige denn die ägyptische, wie manche 
früher glaubten. Als dann auch die Mutter BsgevCxr) starb, erhielten 
beide Eltern zusammen als Q-eoI ÜGirrJQEg einen gemeinsamen Kult. 
Ferner machte derselbe Ptolemaios II seine Schwester und Gemahlin 
Arsinoe II, die schon seit der Geschwisterhochzeit den Ehrenbeinamen 
<&iXccd£X<pog geführt hatte 2 ), nach ihrem im J. 270 erfolgten Tode zur 
Göttin als fteä <PiXddeX(pog. z ) Während also bis dahin nur Verstorbene 
apotheosiert worden waren, tat Ptolemaios II nunmehr den letzten ent- 
scheidenden Schritt, indem er zu seiner eigenen Vergötterung überging: 
er schuf den Kult der &eoI lädsXcpoC, deren Gegenstand er selbst und seine 
tote Schwester waren. 4 ) Damit war die Königsapotheose auf ihrem Höhe- 
punkt angelangt. Von nun an wurde es Sitte, daß jeder neue König sich 
und seine Gemahlin einige Zeit nach der Thronbesteigung — später oder 
früher — im gemeinsamen Kult apotheosierte. So folgten den frsol IddeX- 
<poC die frsoi EvegysTcci, die ftsoi <PiXoiiuroQEg, die dsol 'ETtiyaveig usw. 
Alle diese Namen sind als Kultbeinamen aufzufassen 5 ), und abgesehen 
von den Neubildungen, die die familiären Beziehungen hervorheben, wie 
'ddsXcpot, <PiXo7idtoQsg usw., sind es meist Kultnamen, die in der griechi- 
schen Religion, im besonderen im Heroenkult schon geläufig waren, wie 
ZcorriQ, Evagy irrig, 'EjtLcpawt'jg. Es ist gegenüber den früher weit ver- 
breiteten gegenteiligen Ansichten 6 ) durchaus daran festzuhalten, daß diese 
Gottesvorstellungen absolut griechisch sind und mit den ägyptischen 



1) Belege bei Otto I 143. 

2) Das hat Dittenberger gezeigt in Or. Gr. I S. 648. Vgl. dazu meine Be- 
merkungen im Arch. DI 318. 

3) 3>dddsXcpog ist erst im II. Jahrh. auf Ptolemaios II übertragen worden. Vgl. 
Wilcken, Pauly-Wissowa s. v. 'Agaivdri H Sp. 1284 und Gott. G. A. 1895, 163. 

4) Früher wurde dieser Kult öfter mit dem der <&iX<ideX<pog verwechselt. VgL 
dagegen Wilcken, Pauly-Wiss. D Sp. 1285. Jetzt Otto I 347 f. 

5) Wilcken, GGA 1895, 164 Anm. 1. Vgl. dagegen z.B. die Auffassung von 
Strack, Dyn. d. Ptol. 129 ff., gegen dessen Abschnitt über „Namen und Beinamen" 
(1Ö5 ff.) überhaupt viel einzuwenden ist. 

6) Auch bei A. Erman, Ägypt. Religion, 2. Aufl., 229 liegt noch ein Nachklang 
daran vor. 



100 Kapitel II. Religion und Kultus. 

gar nichts zu tun haben. 1 ) Gerade die hieroglyphischen Wiedergaben 
dieser Gottesnamen zeigen aufs deutlichste, daß sie nur Übersetzungen 
aus dem Griechischen sind, denn in den vorptolemäischen Texten gibt es 
für derartige Namen innerhalb der Königstitulaturen schlechterdings kein 
Beispiel. 2 ) 

Diese so geschaffenen Götterpaare sind nun dadurch im ganzen Lande 
zur Geltung gekommen, daß sie als övvvaoi &eo£ dem Kult der wichtig- 
sten Götter — auch der ägyptischen Hauptgötter (s. unten) — angegliedert 
worden sind 3 ), und zwar zunächst nur von den dsol 'A&ekcpoC an. Wes- 
halb die &eoi HarriQEg erst unter Philopator in diese gvvvccol einrückten, 
ist noch immer nicht ganz aufgeklärt. So sind diese Ptolemäergötter 
als övvvaoi frsoC auch dem Stadtgott ^AXi^avdgog von Alexandrien an- 
gegliedert worden, und da dessen Jahrespriester, wie wir sahen, eponym 
war, so begegnet auch die immer länger werdende Reihe der Ptolemäer- 
götter in den Präskripten der Akten. Zur Illustrierung dieser Ausfüh- 
rungen lasse ich unten einige Beispiele von solchen Präskripten folgen 
(103 bis 107). 4 ) 

Es entspricht der oben gekennzeichneten Kirchenpolitik, daß, wäh- 
rend die Regierung anfangs mit der Verleihung der Asylie an ägyptische 
Tempel sparsam war (s. S. 96), die Altäre des Königs von vornherein und 
überall Asylierecht gehabt zu haben scheinen. Ygl. Spiegelberg, Dem. 
Pap. von Cairo 30698 (S. 118) aus der Zeit des Euergetes I: „ich gebe 
es Dir außerhalb des Altars des Königs und der Schutzstätte (= Asyl)". 

Endlich ist noch hinzuzufügen, daß einzelne Königinnen noch eine 
besondere eponyme Priesterin in Alexandrien bekommen haben, die 
gleichfalls in den Aktpräskripten mit genannt wird, wie die navrjcpÖQog 
'AQöLvörjg ffriXadikcpov (seit 267/6 belegt), die u&locpÖQog BsQevixrjg Eveq- 
ydudog (seit 211/0 belegt), die isgeia AQöivorjg ^vXoTcdtoQog (seit 199/8 
belegt), denen im II. Jahrh. sich noch einige weitere anschließen. Zu 
diesen wie zu den entsprechenden Kulten in Ptolemais vgl. Otto I 157 ff., 
185 ff., 195 ff., Plaumann, Ptolemais 39 ff. 

Daneben sind manche Königinnen im Privatkult mit griechischen 
Göttern, wie AtpQodCrrj, geglichen worden. Dahin gehört die berühmte 



1) Selbstverständlich können sie daher auch nicht von den ägyptischen Priestern 
verliehen sein. Stracks Bemerkung, Dyn. d. Ptol. 128, 1, beruht auf Mißverständnis 
meiner Worte. 

2) Sie treten als sechster Name hinter die bekannten 5 Königsnamen des Pharao, 
und das ist völlig unägyptisch. 

3) Vgl. Wilcken, Hermes 22, 7 ff. 

4) Für diese Aktpräskripte, die uns sowohl griechisch wie demotisch vorliegen 
und die manche schwierige Probleme bieten, verweise ich namentlich auf Lepsius, 
Abh. Berl. Akad. 1852; Otto, Priester u. Temp. I 137 ff. ; Laqueur, Quaestiones epigr. 
et papyrolog. sei. (1904), 31 ff. ; Plaumann, Ptolemais in Oberäg. (1910), 39 ff. 



A. Ptolemäerzeit. § 3. Sarapis. 101 

Stiftung des Kallikrates auf dem Vorgebirge Zephyrion. x ) Vgl. auch das 
bescheidenere ts^isvog in Petr. III n. 1 II und das Isqöv der ZJvqCcc &ebg 
und 'AcpQodCvrj Bsgsvlxr] in Magd. 2 (101). Privatkult wurde auch in 
den griechischen Kultvereinen getrieben, deren Spuren für diese Zeit 
bisher nicht allzu zahlreich sind. 2 ) 

§ 3. SARAPIS. 

Dem Sarapis wird hier ein besonderer Platz angewiesen, da er, 
zwischen den griechischen und den ägyptischen Göttern stehend, eine ganz 
eigene Rolle in der Religion sgeschichte dieser Zeit gespielt hat. 3 ) Ich habe 
schon oben S. 93 meine Ansicht über den Sarapis kurz angedeutet, indem 
ich sagte, daß die Einführung des Sarapis und seine Gleichsetzung mit 
Osiris-Apis im Verfolg der ptolemäischen Religionspolitik durchgeführt 
ist, zu dem Zweck, Griechen und Ägypter einander auf religiösem Gebiet 
nahe zu bringen. Es ist hier um so weniger meine Absicht, von dem 
sehr verwickelten und nach meiner Ansicht im letzten Punkte noch un- 
gelösten Sarapis-Problem eine ausführlichere Darstellung zu geben, als ich 
in den „Urkunden der Ptolemäerzeit" in kurzem eine solche bieten werde. 
Doch darf eine kurze Skizzierung der Frage deswegen hier nicht unter- 
lassen werden. 

Während die Tempellegende (bei Tacitus und Plutarch) von einer 
Einführung des Gottes aus Sinope spricht, wurde von manchen seit 
Champollion Uccqcctiis vom ägyptischen Osiris-Apis, dem zum Osiris ge- 
wordenen toten Apis von Memphis, abgeleitet, und der Gott daher für 
einen rein ägyptischen gehalten, während wieder andere neuerdings an- 
nahmen, daß der Sarapis aus diesem Osiris-Apis heraus zu einem helleni- 
stischen Gotte entwickelt worden sei. Diesen beiden Hypothesen gegen- 
über habe ich nachgewiesen, daß der Name UccQÜJiig nicht aus 'OöoQciiug 
abgeleitet werden kann, sondern ein selbständiger, und da er in Ägypten 
unbekannt ist, unägyptischer Gottesname ist. 4 ) Damit wird nicht nur 
der ersten, sondern auch der zweiten Hypothese der Boden entzogen, 
denn für jenen „hellenistischen" Sarapis kann der Name nicht frei er- 
funden sein. Hiernach halte ich für erwiesen, daß — entsprechend dem 
Grundgedanken der Legende — der Sarapis von Ptolemaios I aus dem 
Ausland eingeführt ist. Hier ist er dann von vornherein im Kult mit 
dem Osiris-Apis verschmolzen worden, um den Zwecken der königlichen 



1) Vgl. Pauly-Wissowa E Sp. 1281 und 1286. 

2) Vgl. Otto I 165. Im allgemeinen Karst II 280. 

8) Auch wenn er, was bis jetzt nicht erwiesen ist, zu den orientalischen Göttern 
gehören sollte, so würde er aus letzterem Grunde hier eine Sonderstellung beanspruchen 
dürfen. 

4) Arch. III 249 ff. und jetzt Arch. V 229, 1. 



102 Kapitel II. Religion und Kultus. 

Religionspolitik dienen zu können. So nennen bilingue Texte den Gott 
im griechischen Teil 2JaQa7iig, im ägyptischen Osiris-Apis. 1 ) Woher der 
Sarapis gekommen ist, ist noch nicht aufgeklärt; der Versuch, ihn vom 
babylonischen sar-apsi (Ea) abzuleiten, hat mich nicht überzeugt. 2 ) 

Der Hauptmittelpunkt für den neuen Kult wurde das Serapeum zu 
Alexandrien. Der Synkretismus tritt uns hier darin deutlich entgegen, 
daß einerseits das Kultbild von der Meisterhand des Bryaxis einen grie- 
chischen Gott darstellte, andererseits ein Apisstier hier verehrt wurde. 3 ) 
Außerdem war von besonderer Heiligkeit das von Mariette entdeckte 
Serapeum am Wüstenrande westlich von Memphis, wo seit alten Zeiten 
die heiligen Apisstiere als Osiris-Apis bestattet wurden. 4 ) Hier schloß 
sich nun an das alte Heiligtum ein Tempel des neuen Gottes an. Aus 
diesem fieycc 2JccQecjtL£lov, wie das manche einzelne Kapellen und Tempel 
umschließende Gesamtheiligtum genannt wurde, sind uns die schönen 
„Serapeumspapyri" erhalten (H. Jahrh. vor Chr.), die uns einen so tiefen 
Einblick in das Leben und Treiben in diesem Heiligtum gewähren. Da 
ich übers Jahr eine neue Gesamtausgabe und Erklärung dieser Texte in 
den „Urkunden der Ptolemäerzeit" herausgebe, beschränke ich mich darauf, 
hier nur eine Probe in Lond. I S. 30 (97) vorzulegen. Aus demselben 
Grunde sei aus den reichen Nachrichten über den Kult im Sarapeum nur 
eine Eigentümlichkeit hier erwähnt, die ebenso wie das Sarapisproblem 
verschieden aufgefaßt wird, nämlich die xaro^ot, jene Sarapisverehrer, die 
während der %axo%ri den Tempelbezirk nicht verlassen durften. Man hat 
in ihnen lange Zeit „Eingeschlossene", „Klausner" gesehen, und Wein- 
garten hat daher die christlichen Mönche auf sie zurückführen wollen. 5 ) 
Auf den richtigen Weg hat schon Letronne geführt, indem er sie als 



1) Vgl. auch Arch. IV 207/8 und 247. Otto II 268, 5 hat mich mißverstanden. — 
Wohl noch aus der Zeit vor Einführung des Sarapis stammt der „Fluch der Arte- 
misia" (Wessely, Kais. Samml. S. 4 ff.), den ich in den „Urkunden der Ptolemäerzeit" 
neu herausgeben werde. Vgl. Arch. V 229. 

2) So Lehmann-Haupt seit längerer Zeit, jetzt -wieder bei Röscher s. v. Sarapis. 

3) Vgl. Bottis Fund der Apisstatue (zwar aus hadrianischer Zeit). Auch die 
Erzählung bei Dio Cass. 51, 16, 5 setzt m. E. für Alexandrien den Äpiskult voraus. — 
Auch in Priene war der Sarapiskult mit der Verehrung des Apis verknüpft. Vgl. 
Hiller v. Gärtringen, Inschr. von Priene 195 und dazu meine Bemerkungen im Arch. 
IV 207/8. Vgl. auch die Darstellung eines Sarapeums aus Italien bei Erman, Ägypt. 
Religion 2 S. 288. Sonst selten. 

4) Macrobius sat. 1, 7, 14 sagt: nullum Aegypti oppidum intra muros suos aut 
Saturni aut Sarapis fanum recepit. Wenn seine Begründung mit den blutigen Opfern 
auch verkehrt ist, da die Ägypter solche seit alten Zeiten kannten, so ist doch jene 
topographische Beobachtung zu prüfen. Für Memphis war das extra muros durch 
die Apisgräber gegeben. In Alexandrien liegt das Serapeum in der Rhakotis. Ist 
die Beobachtung des Macrobius richtig, so wird sie durch den Charakter des Osiris- 
Apis zu erklären sein. 

5) Die „Zelle" scheint unausrottbar zu sein. Auch Lehmann - Haupt 1. c. 362 
bringt sie wieder. 



A Ptolemäerzeit. § 4. Ägyptische und gräco-ägyptische Kulte. 103 

„vom Gott Besessene" deutete, und neuerdings ist diese Ansicht wieder 
von Preuschen 1 ) verfochten worden. Wie ich auch sonst in der Deutung 
der Serapeumstexte ihm vielfach nicht folgen kann, so hat er auch das 
innere Wesen der xatoxt] ni. E. noch nicht richtig erklärt. Vorläufig 
muß ich mich auf diese Andeutungen und die Bemerkungen zu 97 be- 
schränken. Auch über die dtdv/tca, die im Dienst des Serapeums (und 
zwar des Osiris-Apis) standen, behalte ich mir vor, in den „Urkunden der 
Ptolemärzeit" zu handeln. 2 ) 

Auch außerhalb von Alexandrien und Memphis hat der neue Kult 
sich bald im ganzen Lande verbreitet. Bemerkenswert ist, wie der ZlaQänvg 
den 'OölQtg mehr und mehr verdrängt hat, an dessen Stelle er schon früh 
neben Isis trat. 3 ) Mit Isis vereint hat er dann auch seinen Siegeszug 
durch die Welt angetreten. 4 ) 

§ 4. ÄGYPTISCHE UND GRÄCO-ÄGYPTISCHE KULTE. 

Die Religion der Ägypter ist mit den Formen und Gedanken, die sie 
seit der Saitenzeit entwickelt hatte, in die Periode der griechischen Herr- 
schaft eingetreten. 5 ) Die Lektüre von Herodots Darstellung der ägypti- 
schen Religion, die namentlich durch ihre lebendige Beobachtung von den 
Kultsitten seiner Zeit eine wertvolle Ergänzung zu den nationalen Tradi- 
tionen bietet, ist als Einleitung für das Studium der Papyri sehr zu 
empfehlen, um so mehr als der von Herodot geschilderte Zustand sich 
bis zum Beginn der Ptolemäerzeit kaum geändert hat, so daß gerade 
durch eine Vergleichung mit Herodot uns die Neuerungen der hellenisti- 
stischen Zeit recht deutlich ins Auge springen. 

Bekanntlich bildeten damals die Gaue, wie für die Verwaltung, so 
auch für die Religion, Einheiten, denn jeder Gau hatte seinen eigenen 
Sondergott, der in dem Hauptheiligtum der Metropole als Hauptgott (oft 
neben anderen) verehrt wurde. Steindorff hat zwar kürzlich darauf hin- 



1) Mönchtum und Sarapiskult, 2. Aufl., Gießen 1903. Vgl. Aren. IE 143. Ihm 
schließt sich auch Otto I 119 ff. in diesem Punkte an, ebenso auch Sudhoff, Ärztliches 
aus griech. Papyrusurkunden S. 222. Gegen diese Auffassung wendet sich neuerdings 
Reitzenstein. Vgl. unten zu Nr. 97. 

2) Vgl. Otto I 116 ff. 

3) Cumonts Ansicht (1. c. S. 92), daß durch die Einführung des Sarapis der 
Osiriskult erneuert sei, ist nicht ganz zutreffend. Aber vom Osiris-Apis aus war 
bald die Brücke zum Osiris geschlagen. 

4) Über die schon frühe Ausbreitung in der griechischen Welt vgl. jetzt A. Rusch, 
De Sarapide et Iside in Graecia eultis. Berl. Diss. 1906. 

5) Vgl. Ad. JErman, Ägyptische Religion, 2. Aufl., S. 185 ff. und 225 ff.; auch 
Ed. Meyer, Gesch. d. Altert. P (für die alten Zeiten) und Gesch. Ägyptens (bei Oncken). 
Von älteren Arbeiten haben namentlich die von Letronne (so im Recueil d. inscript. etc.) 
noch immer ihren großen Wert. Auch E. Kuhn, Stadt, u. bürgerl. Verfass. des röm. 
Reiches II (1865), 455 ff. ist für unsere Studien nützlich. 



104 Kapitel IL Religion und Kultus. 

gewiesen, daß in älteren Zeiten dieser Sondergott nicht als der des Gaues, 
sondern der der Stadt bezeichnet wird 1 ), aber jedenfalls für die jüngeren 
Zeiten gilt, daß der Stadtgott auch Gaugott ist. Klar tritt diese Vor- 
stellung bei Herodot II 42 entgegen: „ötfot [iev 8ij zJi>bg &rjßaieog Wqvv- 
xat, Iqov ?J vo[iov xov &rjßaCov eidi und 0601 8s xov Mav8f(xog sxxtjvxai 
legov rj vofiov xov MsvdrjäCov slöC, und in einem Papyrus aus dem An- 
fang des III. Jahrh. n. Chr. wird bei xo]v xov vofiov dsöv geschworen 2 ), 
womit der Herakles des Herakleopolites gemeint ist. Dieselbe Vorstellung 
lag auch vor, wenn Ptolemaios II das Faijüm, den KooxodiXoiioMxrjg, 
zum 'Aoöivoixrig machte, während die Metropole zunächst nach wie vor 
KqoxoöIXov %6Xtg hieß: Arsinoe war damit zur Gaugöttin erhoben. 3 ) 
Außer diesem Zentraltempel des Gaues gab es in der Metropole, wofür 
die Papyri zahlreiche Belege bringen, auch noch andere Tempel. Anderer- 
seits hatten aber auch die Dörfer ihre eigenen Tempel, je nach der Größe 
des Dorfes in verschiedener Zahl. Man lese z. B. den Index von Teb. I 
S. 615, wo mehrere solcher Dorfgötter (z. T. direkt als dsbg xr\g xa^rjg 
bezeichnet) aufgezählt werden. Abgesehen von den direkten Nachrichten 
der Papyri über die Götter kann durch methodische Forschung, die frei- 
lich ägyptologi scher Kenntnisse nicht ganz wird entraten können, aus 
den Personennamen noch viel wichtiges Material für die Religion gehoben 
werden. 4 ) Da die Ägypter wie die Griechen ihre Kinder gern nach den 
Ortsheiligen nannten, so spiegeln sich, wie ich im Archiv schon öfter 
hervorhob, nicht nur die Götterwelt im allgemeinen, sondern im besonderen 
die Lokalkulte in den Eigennamen der einzelnen Gemeinden wieder. Wird 
eine neue Papyrusfundstelle bekannt, so fallen uns sogleich die neuen 
Namen der Bewohner auf, die dann vielfach eben auf die lokalen Gott- 
heiten zurückzuführen sind — wie wir es kürzlich auch wieder bei 
Heptakomia erlebt haben. Ja, ein guter Kenner kann eventuell aus den 
Personennamen, wenn sie in genügender Zahl vorliegen, die Herkunft eines 
Textes erschließen. Wie sich so Aufschlüsse über die einzelnen Götter 
gewinnen lassen, so auch über die Verbreitung der Kulte im Lande. 
Diese sehr wichtige Frage kann um so eher mit Aussicht auf Erfolg in 
Angriff genommen werden, als wir es mit einer Bevölkerung zu tun 
haben, die normaler Weise an die IdCa gebunden war. So sind die vielen 
Tausende von Personennamen 5 ), die uns die Papyri beschert haben, ein 
Schatz für den Religionsforscher, der aber noch zu heben ist. Wird er 

1) Die äg. Gaue in Abh. Sachs. G. Wiss. 1909, 881. 

2) Stud. Pal. I S. 28, 26. 

3) Freilich in der Form, daß sie nicht den alten Suchos verdrängte, sondern 
neben ihn trat. Vgl. Petr. III 126 S. 315 und dazu meine Bemerkungen bei J. G. 
Droysen, Klein. Schrift. II 435. 

4) Vgl. Spiegelberg, Arch. I 339. 

5) Selbstverständlich auch die nach Göttern genannten Ortsnamen. 



A. Ptolemäerzeit. § 4. Ägyptische und gräco-ägyptische Kulte. 105 

gehoben, und werden überhaupt die Urkunden für die Religionsgeschichte 
Ägyptens systematisch durchgearbeitet, wozu bisher nur Ansätze vorliegen, 
so läßt sich für Ägypten eine topographisch geordnete Übersicht über 
die Tempel, Götter und Kulte gewinnen wie für kein anderes Land der 
alten Welt. Die topographische Basis wird aber um so notwendiger sein, 
als nur dann die landschaftlichen Unterschiede, die auch schon Herodot 
betont, hervortreten werden. 1 ) 

Als besonders charakteristisch für diese Zeit darf die seit der saiti- 
schen Periode immer mehr zunehmende Bedeutung des Tierkultes be- 
zeichnet werden. 2 ) Wie schon zu Herodots Zeiten (vgl. II 46,10. 65 ff.) 
wurden nicht nur einzelne besonders gezeichnete Exemplare als heilig 
verehrt 3 ), sondern alle Vertreter der Gattung galten in dem betreffenden 
Gau als heilig. Daher stammen die vielfach aufgedeckten Massengräber 
von Katzen, Ibissen, Falken usw., daher auch die Krokodil -Nekropolen 
im Paijüm, denen Grenfell und Hunt glücklich die Tebtynis-Papyri ent- 
nommen haben. Von solchen Krokodilgräbern handelt eine auch sonst 
für den Tierkult interessante Inschrift, die Lefebvre kürzlich ediert hat (70). 
Während sonst die Verehrung der einzelnen Tiere sich auf bestimmte 
Gaue zu beschränken pflegte, waren die schon seit dem alten Reiche 
heiligen Stiere von Memphis und Heliopolis, der Apis und der Mnevis, 
durch das ganze Land Gegenstand der Verehrung. 4 ) So tritt auch die 
Fürsorge der Könige für diese beiden heiligen Tiere in unsern Urkunden 
besonders deutlich hervor. Vgl. für Ptolemaios I (als Satrapen) Diod.I 84, 8; 
für Euergetes I das Dekret von Kanopos Z. 9; für Epiphanes das Dekret 
von Rosette Z. 31; für Euergetes II Teb. 5, 77 f. (65). Weiteres Material 
zu dem Kult dieser Tiere bieten die memphitischen Papyri, die ich in 
den „Urkunden der Ptolemäerzeit" neu behandeln werde. Erst wenn sie 
gestorben und feierlich bestattet waren, galten diese heiligen Tiere als 
mit Osiris vereinigt — 'OöoQüitis und 'OöoQOfivEvig 6 ) — und so als Götter, 
während sie vorher nur Isqü t,aa gewesen waren. S. unten Nr. 85. Die 
gelegentlich geäußerte Ansicht, daß nur diese beiden Tiere zu Osiris ge- 
worden 6 ), ist nicht zutreffend: nicht nur der heilige Stier von Hermon- 
this, Bov%iq, wird zum , 060Qßov%ig' 1 ) , sondern auch der heilige Ibis, wie 
aus dem Namen ZtevoöoQcptßig zu folgern ist (Tor. I 5, 8 usw.), auch das 
Krokodil £ov%os, wie der Name IIav6oQ6ov%og ergibt, den ich in einem 
unedierten Louvrepapyrus kopierte. 8 ) Umgekehrt darf man schließen, daß, 

1) Vgl. Rostowzew, Gott. G. A. 1909, 606. 2) Vgl. Ad. Erman 1. c. 197 f. 

3) Auf die Epiphanie des heiligen Exemplares (vgl. Herodot III 27) weist die in 
Äg. Z. 1884, 136 f. von mir behandelte Petesuchos-Inschrift hin (IIste6ov%ov &söv [ii- 
yuv tbv in' ccvrov cpavivra). 

4) Vgl. Herodot IH 27 f. 5) Vgl. z. B. Leid. G, H, I, K. 

6) Vgl. E. Revillout, Rev. Eg. VI 144. 7) Vgl. Spiegelberg, Arch. I 339 ff. 

8) Im allgemeinen vgl. auch Diod. I 21, 6. 



106 Kapitel II. Religion und Kultus. 

wo ein Gottesname mit 'Oöoq- zusammengesetzt ist, es sich um ein kon- 
sekriertes heiliges Tier handelt, denn zu Osiris kann nur werden, wer auf 
Erden gelebt hat — wie die Menschen. So führt der aus Manethos be- 
kannte und viel gemißhandelte Name 'OöccQGfjcpog (Jos. c. Ap. I 26 § 238) 
auf ein heiliges Tier Utfcp. 1 ) Für den Tierkult vgl. z. B. den Index zu 
Teb. I S. 615 f.: da bezieht sich auf den Ibiskult das Ißiotayelov , die 
IßCcav tQoyctC, auf den Falkenkult die legccxsta, auf den Widderkult 2 ) der 
HQLoru(pog, auf den Krokodilkult das xQOxodsikotacpstov usw. Zu letzterem 
vgl. auch Teb. 57 (69). Daß nicht erst zu Strabos Zeit die Fütterung 
der heiligen Krokodile im Faijüm ein Hauptvergnügen für die Fremden 
war, zeigt Teb. 33 (3), wonach auch dem reisenden Senator L. Memmius 
im J. 112 v. Chr. das Schauspiel geboten werden sollte. Der gelegent- 
liche Streit der Nachbargaue um der heiligen Tiere willen ist namentlich 
durch Juvenals XV. Satire bekannt geworden. 3 ) 

Charakteristisch für die ägyptische Religion dieser Spätzeit ist ferner 
die göttliche Verehrung von berühmten Männern des ägyptischen 
Altertums. Daß 'Ifiovd-rig, der als Sohn des Ptah verehrt wurde, ur- 
sprünglich der Baumeister des Königs Doser gewesen ist, hat uns Sethe 
gelehrt. 4 ) Neben ihm wird in dem von Ptolemaios IV erbauten kleinen 
Tempel von Der el-Medine (auf dem Westufer Thebens) der weise 
Amenhotep göttlich verehrt, der einst der Baumeister Amenhotep III ge- 
wesen war. 5 ) Ihm, „dessen Sprüche nicht vergehen", sind im III. Jahrh. 
v. Chr. griechische Weisheitssprüche zugeschrieben worden, die uns ein 
thebanisches Ostrakon erhalten hat. 6 ) Andererseits wurde er als Heilgott 
dort neben '^46xXrjni6g (= Imuthes) und der 'TyUia verehrt. 7 ) Auch der 
im Faijüm verehrte Gott IlEXE6ov%og dürfte ursprünglich eine menschliche 
Gestalt der Vergangenheit gewesen sein. 8 ) Und wenn wir in dem Namen 
0Qafii]VLg 9 ), wie ich vermute, keinen Geringeren als den „Pharao Menis", 
den ersten König der I. Manethonischen Dynastie sehen dürfen, so können 
wir auch für die Ptolemäerzeit seinen Kult für das Faijüm annehmen, 
wie ich ihn für die Kaiserzeit im Arch. IV 244 nachgewiesen habe (hier 



1) Derselbe steckt auch in dem Dorfnamen KsQxsaijcpig. Zu diesen Bildungen 
vgl. lg. Z. 1883, 162. 

2) Hiefür vgl. vor allem die Mendesstele (Sethe E 28 ff.). 

3) Vgl. weiteres bei Kuhn, Bürgerl. u. städt. Verfassung II 470 f. 

4) Untersuch, z. Gesch. Äg. DI 4. Vgl. Arch. DI 467. 

6) Vgl. Sethe in Aegyptiaca, Festschr. f. G. Ebers (1897) 106 ff. 

6) Wilcken in Aegyptiaca, Festschr. f. G. Ebers, S. 142 ff. 

7) Vgl. die Graffiti von Der el-bahri bei C. R. Peers, Journ. Hell. St. XIX (1899) 
13 ff. Ein Proskynema 7tagcc x& kvqIco &sä 'Aa%XriTtim kccI 'Afisvmd'r) xul *Tyislcc. Vgl. 
auch Milne, Cat. Gen. Cairo (Greek Inscr.)' n. 9304 S. 37/8. 

8) Vgl. meinen Aufsatz in Äg. Z. 1884, 136 ff. über den Labyrintherbauer 
Petesuchos. 

9) Teb. I 24, 92. 84, 23, 26 usw. 



A. Ptolemäerzeit. § 4. Ägyptische und gräco-ägyptische Kulte. 107 

nQa^ifjvts). Dieser steht parallel dem Kult des i7ipa/iap()Tjg, d. h. des 
Pharao Amenemhet III (XII. Dynastie) 1 ), dessen Kult nach der Hawara- 
stele mit Suchos verbunden erscheint. 2 ) 

Aber auch ihre lebenden Griechenkönige haben die Ägypter in alter 
Weise göttlich verehrt, und haben die Priester mit denselben altheiligen 
Königstitulaturen und -namen bedacht wie die der früheren Dynastien. 3 ) 
Die Dekrete von Kanopos und Rosette sind voll von solchen den Königen 
erwiesenen göttlichen Ehren. Die Göttlichkeit des Königs tritt uns auch 
in dem Eid beim König entgegen (ogxog ßaöiUxög), der im öffentlichen 
Leben eine große Rolle gespielt hat. Vgl. z. B. Petr. II 46 (HO). Grie- 
chische Übersetzungen jener ägyptischen Königstitulaturen begegnen uns 
zuerst unter Philopator auf einem Münchner Papyrus (109), was wohl als 
ein Zeichen des beginnenden Einflusses der Ägypter auf die Regierung 
aufgefaßt werden darf. Vgl. oben S. 95. Mit dieser neuen Richtung 
wird es auch zusammenhängen, wenn wirklich, wie ich vermutete, Philo- 
pator zuerst die Königskrönung nach ägyptischem Ritus eingeführt hat. 
Vgl. S. 21. 

Während alle bisher besprochenen Erscheinungen rein ägyptische 
sind, treten daneben nun synkretistische auf, die für die hellenistische 
Zeit charakteristisch sind. Dahin gehört einmal die schon oben erwähnte 
Tatsache, daß die nach griechischem Kult apotheosierten Könige und 
Königinnen, also die ftsol 'Adeltpoi, EvsQyetai usw., als 6vvvaoi &eo£ dem 
Kult der ägyptischen Hauptgötter angeschlossen wurden 4 ), so dem 'Juov- 
Qa6ov&tiQ von Theben, der 'IöLg von Philä usw. Diese Ehrung des 
Königshauses konnte von den ägyptischen Priestern beschlossen werden. 5 ) 
So haben im Dekret von Kanopos die Priester bestimmt, nicht (wie 
manche herausgelesen haben), daß die Könige zu &sol EvsQyixai werden 
sollten, sondern, daß der Kult der (bereits bestehenden) %-eoV EveQyi- 
rai allen Tempeln angegliedert werde (Z. 22 f.). So sind also griechische 
Götter den ägyptischen an die Seite getreten. 

Noch entscheidender aber für die synkretistische Entwicklung hat es 
gewirkt, daß der schon vor Herodots Zeit 6 ) im Fluß befindliche Prozeß 
der Gleichsetzung der alten Griechengötter mit den ägyptischen 



1) Vgl Rubensohn, Äg. Z. 42 (1906), 111 ff. und dazu Wilcken, Arch. IV 211 f. 

2) Hierdurch erkläre ich jetzt die Nachricht Herodots II 148, daß die unteren 
Räume des Labyrinths (des Totentempels des Marres) mit Krokodilmumien angefüllt 
gewesen seien. 

3) Vgl. etwa Lepsius, Königsbuch; Sethe, Hierogl. Urkunden der griech. Zeit I. H. 

4) Vgl. Wilcken, Hermes 22, 7 ff. 

5) Andererseits ist es nach der Mendesstele der König, der befahl, daß das 
Bild seiner Schwester in allen (ägyptischen) Tempeln aufgestellt werde. Vgl. Sethe, 
Hierogl. Urk. n 41. 

6) Vgl. H 50 und passim. Es ist schon für Hekataios 1 Zeit anzunehmen. 



^08 Kapitel II. Religion und Kultus. 

immer weitere Fortschritte gemacht hat. Während z. B. Herodot II 50 
die Hera und Hestia noch zu den Göttern rechnet, die die Ägypter nicht 
kannten, finden wir sie im IL Jahrh. v. Chr. mit Katarraktengöttinnen ge- 
glichen: "Hqcii tfji xal ZJdtsL xal 'EöxCat xf\i xal 'Avovxei 1 ) , wofür man 
einige Dezennien später — mit fortschreitender Ägyptisierung — ZdtEi 
tfji xal "Hqul xccl 'Avovxsl %r\i xal 'Eßxiai sagt. 2 ) Wenn man sieht, wie 
hier Hera und Hestia diesen ursprünglich nubischen Gottheiten gleich- 
gesetzt sind, mit denen auch nicht die geringste Verwandtschaft sie ver- 
band, so kommt man auf die Vorstellung, daß diese Identifizierungen 
staatlicherseits systematisch betrieben oder doch gefördert worden sind. 3 ) 
Es würde dies ganz in der Richtung der Religionspolitik liegen, die zur 
Einführung des Sarapis und seiner Gleichsetzung mit dem Osiris-Apis ge- 
führt hat. Jedenfalls mußte diese religiöse Ausgleichung die Annäherung 
der beiden Völker befördern. Freilich haben die Griechen bei dieser 
Mischung den kürzeren ziehen müssen, denn sie sind dadurch mehr und 
mehr dem ägyptischen Kult zugeführt worden. Wenn z.B. in dem Tempel 
von Köm-Ombo angeschrieben stand: 'Aqot^qsi &£&(, nsydXm 'AitdlXavi*), 
so war, wenn auch die hier betenden Griechen zunächst noch an ihren 
Apollo dachten, der Kult hier doch ein absolut ägyptischer, und ebenso 
in allen ähnlichen Fällen. 5 ) Während es zunächst Sitte war, wie in den 
angeführten Beispielen, die beiden gleichgesetzten Gottheiten — meist mit 
6 xal verbunden — in einem Doppelnamen zu nennen, wurde oft genug 
auch nur einer von ihnen genannt, und darum ist es, wie oben S. 96 f. 
ausgeführt wurde, oft so schwer, von einem einzelnen griechischen Götter- 
namen zu sagen, ob er wirklich zu einem griechischen oder aber zu 
einem ägyptischen Kult in Beziehung steht. Die Beispiele für diese 
gräco-ägyptische Göttermischung sind derartig über unser Papyrusmaterial 
hin zerstreut, daß ich hier auf die Vorführung spezieller Belege verzichte; 
unsere Chrestomathie bietet Fälle genug. 

Fragen wir nach dem inneren Verhältnis des Gläubigen zur Gottheit, 
so liegen uns aus der römischen Zeit einige eigenartige fetischistische 
Züge vor, die gewiß auch für die Ptolemäerzeit gelten, die ich aber doch 
erst im römischen Abschnitt besprechen möchte (s. S. 124£). Im übrigen 
haben die Menschen auch hier in der Hauptsache zwei Dinge von der 
Gottheit zu erlangen gesucht, Gesundheit resp. Heilung von Krankheiten 
und Auskunft über die Zukunft. Die Götter, die im Volk Ansehen haben 
wollten, mußten mehr und mehr Heilgötter und Orakelgötter werden. 
Wo die besten Kuren gemacht wurden und die sichersten Orakel gegeben 



1) Dittenberger, Or. Gr. I 111. 2) Dittenberger 1. c. 130. 

3) So vermutete ich bei Besprechung der Stele von Assuan (Wochenschr. f. kl. 
Phil. 1888 S. 9 S. A.). 

4) Dittenberger, Or. Gr. I 114. 5) So richtig Otto I 6. 



A. Ptolemäerzeit. § 4. Ägyptische und gräco-ägyptische Kulte. 109 

wurden, dorthin vor allem wendeten sich die Wallfahrer. Wie schon 
in alten Zeiten in den ägyptischen Tempeln wirkliche Heilkunde und 
öder Zauberschwindel nebeneinander getrieben wurden, so wird es auch 
jetzt gewesen sein. Von einer glücklichen Heilung durch den Gott 
Soknopaios spricht Amh. 35 (68), vom Aufenthalt in einem Isistempel 
des Faijüm zu Kurzwecken spricht Teb. 44 (118). *) Auch der weise 
Amenhotep war zum Heilgott geworden (s. S. 106 Anm. 7). Von den Ge- 
beten an die Götter um Gesundheit der Angehörigen zeugen viele Brief- 
eingänge: „Wenn Du gesund bist, eirj av ag eyco xolg ftsolg sv%6^ievog 
dLccTsXS)" o. ä. Vgl. Witkowski, Ep. priv. 11. 12. 26. Vgl. auch %aQtg 
xolg i^fotg, ei vyccCvsig, ebenda 13. Ahnlich 14 (frecbt). Die 7tQo6xvvr}{icc- 
Formel begegnet erst in der Kaiserzeit. Andererseits handeln von Träumen, 
durch die die Gottheit den Inkubanten eventuell Weisungen für die Zu- 
kunft gibt, einige der Serapeum- Papyri, deren Besprechung ich mir für 
die „Urkunden der Ptolemäerzeit" vorbehalten muß. 2 ) Vgl. außerdem 
Goodsp. 3 (50). Ein reicheres Material für Orakelanfragen liegt uns — 
wohl nur zufällig — erst für die Kaiserzeit vor (s. unten S. 125). 

Auf die religiösen Feste nehmen die Papyri vielfach Bezug. Ab- 
gesehen von den Urkunden mache ich auf die hierfür sehr interessanten 
Angaben in dem saitischen Kalender (Hib. 27) aufmerksam. 

Neben dem offiziellen Kult ägyptischer Götter hat es auch privaten 
Kult gegeben. Für ihn scheint mir Dekret von Rosette Z. 52 — 53 von 
besonderer Wichtigkeit zu sein. Auch ägyptische Kultvereine treten 
uns entgegen. 3 ) Bei dem starken Synkretismus der jüngeren Zeit kann 
es oft strittig sein, ob wir einen ägyptischen oder einen griechischen 
Verein vor uns haben. 

Über die Stellung der Regierung zu den ägyptischen Tempeln ist 
schon oben S. 93 ff. gesprochen worden. Es erübrigt noch, auf die Orga- 
nisation der Tempel und der Priesterschaft kurz hinzuweisen. 4 ) Die 
ägyptischen Tempel — abgesehen von den Privatheiligtümern — zerfielen 
offiziell in Tempel erster, zweiter und dritter Ordnung, was schon aus älterer 
Zeit herübergenommen sein mag. 5 ) Ein Verzeichnis der „kleineren" Tempel 
des Dorfes Kerkeosiris bietet Teb. 88 (67). Wie diese Tempel, so war 
auch ihre gesamte Priesterschaft nach einheitlichem System organisiert. 



1) Im allgemeinen vgl. jetzt Sudhoff, Ärztliches aus griech. Papyrusurkunden 
1909, 213 ff. 

2) Vgl. Sudhoff 1. c. Reitzensteins Ausführungen in „Hellenist. Mysterienreligion". 
76 beruhen z. T. auf irrigen Lesungen. 

3) Otto I 125 ff. Vgl. jetzt die wichtigen Statuten von Kultgenossenschaften, 
die Spiegelberg aus den demotischen Papyrus von Cairo herausgegeben hat (Cat. 
General d. Ant. ßgypt. 1908). 

4) Vgl. die ausführlichen Darlegungen von Otto I 17 ff. Dazu Rostowzew 1. c. 

5) Dekr. v. Kanopos Z. 50 ff., Rosette Z. 54, Teb. I S. 615 f. Otto I 18 ff. 



HO Kapitel II. Religion und Kultus. 

Gleichwohl gab es damals, wie wir oben S. 94 sahen, keine andere dauernde 
einheitliche Leitung als die von dem König, der auch in ihrer Religion 
selbst Gott war, in Anspruch genommene. Freilich wurde es den Prie- 
stern erlaubt, in Priesterversammlungen, die von den sämtlichen Tempeln 
des Landes beschickt wurden, zusammenzutreten 1 ), aber die Kompetenzen 
dieser Versammlungen waren sehr beschränkte — in den uns bekannten 
Fällen handelt es sich nur um neue Ehren für das Königshaus 2 ) — , und 
diese Versammlungen unterstanden selbstverständlich der Kontrolle der 
Regierung. Es ist mir daher auch zweifelhaft, ob die bisherige Auffassung, 
die in diesen Synoden nur die Ausübung eines wichtigen Korporationsrechtes 
sieht 3 ), in dieser Allgemeinheit zutreffend ist. Ich möchte dem gegenüber 
zur Prüfung die These aufstellen, daß diese Priesterversammlungen ur- 
sprünglich gerade von der Regierung gefördert worden sind, um die 
Priester ihre Königstreue dokumentieren zu lassen und damit ihre Ab- 
hängigkeit vom Staat zu befestigen. Auch in dem jährlichen xatditXovg 
slg HXeZdvdQeiccv 4 ) möchte ich in erster Reihe einen Zwang zur Teil- 
nahme der Vertreter der Priesterschaft an der Königsgeburtstagsfeier 
sehen. 5 ) Es war eine Schwächung der königlichen Position, wenn Epi- 
phanes hierauf verzichtete. So sind denn auch damals die Priester aus 
Anlaß der ägyptischen Königskrönung zusammengekommen, in der der 
Sieg des Nationalismus hervortritt. Ahnlich mögen auch bei den späteren 
Königskrönungen solche „Synoden" stattgefunden haben, aber der Schwer- 
punkt ihrer Beschlüsse liegt schon im Dekret von Rosette — und damit 
erklären sich die oben S. 95 hervorgehobenen Unterschiede vom Dekret 
von Kanopos — in der Aufzählung und Festnagelung der zahlreichen 
Privilegien und Erleichterungen, die sie beim König durchgedrückt hatten. 
Diese Priestersynoden sind neben anderen Argumenten neuerdings 
für die Berechtigung, von einer ägyptischen Kirche im strengen Sinne 
des Wortes zu sprechen, verwendet worden. 6 ) Zu den schon von anderer 
Seite erhobenen Einwendungen und Beschränkungen 7 ) kommt für mich 
noch dazu, daß die Götter Ägyptens keine Einheit bilden 8 ), daß es über- 
haupt keine einheitliche Lehre gibt 9 ), die wie in den anderen Religions- 



1) Vgl. vor allem die beiden Dekrete von Kanopos und Rosette. 

2) Die Ordnung des Kalenders im Dekret von Kanopos soll auch nur der besseren 
Durchführung solcher Ehren dienen. 

3) So neuerdings namentlich Otto I 72 ff. II 283. 4) Rosette 16/7. 

5) So Lepsius, zustimmend Wilcken, Hermes 23, 602. Dagegen Otto I 73 will 
auch hierin in erster Reihe ein Recht zur Beratung gemeinsamer Angelegenheiten 
Behen. Für letzteres finde ich überhaupt kein Beispiel. 

6) Otto II 281 ff. 

7) Schubart, Lit. Zentr. 1909, Sp. 68 ff.; Rostowzew, GGA 1909, 603 und nament- 
lich 635 f. 

8) Vgl. Arch. V 250. 

9) Vgl. die zutreffende Charakteristik von Cumont 1. c. 104. 



A. Ptolemäerzeit. § 4. Ägyptische und gräco-ägyptische Kulte. Hl 

genossenschaften, auf die wir den ursprünglich christlichen Begriff der 
Kirche übertragen, wie im Parsismus, Judentum, Islam in autoritativer 
Weise kodifiziert wäre. Immerhin können wir vergleichsweise auch 
von einer ägyptischen Kirche, vom Klerus usw. sprechen, zumal in der 
einheitlichen Organisation der Priesterschaft — z. B. im Gegensatz zu den 
Verhältnissen im kirchenfreien Griechenland — entschieden Ansätze vor- 
liegen. 

Die Priesterschaften der einzelnen Tempel 1 ), und zwar die eigent- 
lichen iegeig, waren in Phylen gegliedert, zunächst in je vier, seit dem 
Dekret von Kanopos in je fünf, jede unter einem Phylarchen. Diese vier 
resp. fünf Phylen verrichteten abwechselnd im Laufe des Jahres die kul- 
tischen Handlungen, so daß auch die Emolumente, Sportein usw., die mit 
den Kulthandlungen verbunden waren, abwechselnd den Phylen resp. ihren 
Priestern zufielen. Jede Phyle hatte einen jährlich wechselnden Ausschuß 
von je fünf ßovXsvxal Uosig an ihrer Spitze. 2 ) Unter den Phylenpriestern 
gab es verschiedene Klassen, wie z. B. die beiden oft genannten Dekrete 
aufzählen: ol (XQ%i,eQ£Zg xai Ttoo(fü\xai aal ol stg xb ädvrov sl6JtoQ6v6fisvoL 
TCQog tbv 6xoXi6\ibv xg>v Q'E&v xccl nxegocpoocci xal UQoyQa^axstg xal ol 
ccXXol iEQ£lg TtavtEg xxX. An der Spitze des Tempels stand der bii6xäxr\g 
xov Isqov, der nach manchen identisch ist mit dem ao%i£Qevg 3 ) } nach 
anderen, denen auch ich mich anschließe, von ihm verschieden ist. 4 ) 
Während Otto (I 41) dem Par. 35 (und 37) ein Argument für die Iden- 
tität entnimmt, werde ich in den „Urkunden der Ptolemäerzeit" genauer 
begründen, daß gerade diese Texte einen strikten Beweis für die Ver- 
schiedenheit ergeben, wenn man sie, die auf jeden Fall emendations- 
bedürftig sind, richtig emendiert: in Par. 35, 23 ist S7ii6xQ£tltavxog de 
[jtajXtv (xov j4fid)6Log [isxäy 'Aqulov&ov xov nagä xov sjaöxäxov not- 
wendig herzustellen, und da I4[iä6ig vorher als 6 itugä xov aQ%L£o£cog 
{7a. 12) bezeichnet ist, so liegt die Verschiedenheit der beiden Amter hier 
deutlich zutage. Vgl. auch Teb. 5, 62 (65). — Ebenso dissentieren die 
Ansichten über die Einsetzung des ijtLöxdxrjg. Die Annahme Ottos (I 239), 
daß die Priester von der Regierung das Recht erhalten hätten, ihren em- 
dxdxrjg selbst zu erwählen, wird von Rostowzew 1. c. 611 ff. entschieden 
bestritten. Er stellt die Epistaten als vom Staat eingesetzte liturgische 
Halbbeamte den anderen Priestern als Inhabern von gewinnbringenden 
Priesterstellen scharf entgegen. In diesen lebenslänglichen Epistaten, deren 
Amt sich faktisch oft innerhalb derselben Familie vererbte, sieht er noch 
einen Rest des alten Feudalismus, mit dem erst die römische Regierung 



1) Für alle Einzelheiten verweise ich auf Otto I 23 ff. 

2) Otto I 37 ff. 3) So z. B. Otto, auch Rostowzew. 

i) Vgl. Bouche - Leclercq III 197 Anna. 2. P. Meyer, Festschr. für 0. Hirschfeld 
S. 160 Anm. 1. 



112 Kapitel II. Religion und Kultus. 

aufgeräumt hat. Jene gewinnbringenden Priesterstellen aber sind nach 
Rostowzew vom Staat auf dem Wege des Verkaufes resp. des Verpachtens 
auf unbegrenzte Zeit vergeben worden — vgl. den grundlegenden Pap. 
Eleph. 14 (in Kap. VII) — , die Inhaber der nicht gewinnbringenden Stellen 
sind es dagegen, die das övvrufyg genannte Gehalt vom Staat erhielten. Diese 
von Rostowzew bisher nur kurz skizzierten neuen Gedanken, deren all- 
gemeine Grundzüge mir das Richtige zu treffen scheinen, verdienen im 
einzelnen gründlich nachgeprüft zu werden. 

Auf die mit dem Totenkult betrauten Priester, wie die %oa%vtat 
und ■Kaqa6%i6xai usw. 1 ), soll hier nur kurz hingewiesen sein, da ich die 
reichen Quellen, die uns über sie vorliegen, in den „Urkunden der Ptole- 
mäerzeit" neu herausgeben und besprechen werde. 2 ) 

§ 5. ORIENTALISCHE KULTE. 

Auf die große Verbreitung der Juden im ptolem'äischen Ägypten und 
damit auch der jüdischen Religion ist schon oben S. 24 f. hingewiesen 
worden. Die Stellung der Regierung ist auch diesem Kult gegenüber 
stets eine absolut tolerante gewesen, während in gewissen Teilen der 
griechischen Bevölkerung sich schon damals eine antisemitische Stimmung 
gelegentlich geltend gemacht hat. 3 ) So waren, wie wir oben sahen, die 
Synagogen (iiQ06£v%aC) der Juden schon seit dem III. Jahrh. durchs ganze 
Land zerstreut, und seit dem IL Jahrh. erhob sich mit königlicher Ge- 
nehmigung in Leontopolis im Delta der Zentraltempel dieser ägyptischen 
Diaspora. Die uns erhaltenen Weihinschriften von Juden sind religions- 
geschichtlich z. T. von hohem Interesse. Vgl. Wilamowitz (Sitzungsb. Berl. 
Akad. 1902 S. 1094) über den frsbg ityttfrog. 4 ) Bemerkenswert ist, daß 
die Juden, wenn sie auch den Herrscherkult selbstverständlich ablehnen 
mußten, doch, um ihre Loyalität auszudrücken, sich soweit hellenisierten, 
daß sie die Weihungen an ihren Gott vjisq ßaöikecog vollzogen. 

An orientalischen Kulten finden wir ferner den der HöTccQzr), die 
übrigens schon seit dem neuen Reich als Tochter des Ptah von Memphis 
unter die ägyptischen Götter aufgenommen war. 5 ) Von dem ihr ge- 
weihten l46T<XQTi£tov, das zu dem großen UccqcckmIov gehört, handeln die 
Sarapeumspapyri (UPZ.). Aber auch manche andere fremde Kulte 
mögen durch die aus der Fremde stammenden Soldaten oder auch durch 



1) Vgl. Otto I 98 ff. 

2) Zum Totenkult dieser Zeit vgl. jetzt Th. Schreiber, Expedition Ernst Sieglin, 
Ausgrabungen in Alexandria I 1908. 

3) Vgl. Wilcken, Zum alexandrinischen Antisemitismus (Abb.. Sachs. Ges. 1909, 
784 f.). 

4) Vgl. jetzt den nicht jüdischen &eog "Tipioros ZoottJq aus Müet (Dittenberger, 
Or. Gr. II 755, 756). 

5) Vgl. Otto I 171. 



B. Römische Zeit. § 1. Religions- und Kirchenpolitik des Staates. H3 

ausländische Frauen griechisch-makedonischer Männer nach Ägypten ver- 
pflanzt worden sein. Ein Beispiel für einen solchen Privatkult der DvqIcc 
d-sög bietet uns Magd. 2 (101). Der Adoniskult wird in Petr. III S. 32, 19 
erwähnt (III. Jahrh. v. Chr.). 

B. EÖMISCHE ZEIT. 

Außer Ottos Werk und den kritischen Bemerkungen von Rostowzew, GGA 1909, 
ferner Cumont 1. c, vgl. die oben S. 28 für die römische Zeit aufgeführte historische 
Literatur, im besonderen auch Milne, Hist. of Eg. u. Rom. Rule 128 ff. Vgl. auch 
Wessely, Karanis S. 56 ff. F. Blumenthal, Der ägyptische Kaiserkult (Archiv V 
Heft 3). 

§ 1. RELIGIONS- UND KIRCHENPOLITIK DES STAATES. 

Die Religionspolitik der römischen Regierung in Ägypten befolgt 
im allgemeinen dieselben Tendenzen wie vorher die der Ptolemäer. Auch 
sie erstrebt den religiösen Frieden zwischen den verschiedenen im Niltal 
gepflegten Kulten, auch sie kommt ihnen daher mit völliger Toleranz 
entgegen, soweit sie nicht direkt den Ansprüchen der römischen Staats- 
religion entgegentreten. Das letztere trat einmal bei den Juden hervor 
indem sie wie früher den Ptolemäerkult, so jetzt den Kaiserkult ablehnten. 
Aber nur Kaiser Gaius hat ihnen gegenüber auf dieser Forderung be- 
standen und hat gewaltsam seine Statuen in ihren Synagogen aufstellen 
lassen, was zu schweren Kämpfen in Alexandrien führte (s. oben S. 64). 
Dagegen ist diese Forderung des Kaiserkultes später strikt aufrecht er- 
halten worden gegenüber den Christen, und wie im ganzen Reich, so 
führte auch in Ägypten die Religionspolitik zu Christenverfolgungen, 
deren Spuren uns auch in den Papyri noch entgegentreten (s. unten). 
Hiervon abgesehen ist im besonderen auch der ägyptischen Religion gegen- 
über größte Toleranz geübt worden. Wohl haben einzelne Kaiser ge- 
legentlich ihre persönlichen Antipathien wie andere ihre Sympathien 
gegenüber dem ägyptischen Kultus gezeigt 1 ), wohl haben Kaiser wie 
Augustus und Tiberius den ägyptischen Kult von Rom ausgeschlossen 2 ), 
aber in Ägypten selbst hat die Regierung stets an ihrem toleranten Stand- 
punkt festgehalten. Wir hören nichts von irgend welchen Beschränkungen 
des ägyptischen oder auch des griechischen Kultus. 3 ) Auch betreffs der 



1) Vgl. die Weigerung Oktavians (a. 30), in Alexandrien den Apis zu besuchen, 
•wiewohl dieser, wie wir jetzt wissen, mit dem Kult des von ihm hochverehrten Sarapis 
in Beziehung stand (Dio Cass. 51, 16, 6). 

2) Vgl. Wissowa, Religion u. Kultus der Römer 1902 S. 295. Cumont I.e. 99 ff. 

3) Die frühere, jetzt von 0. Th. Schulz wieder verteidigte Ansicht, daß nach 
vit. Marci 23, 8 Kaiser Marcus das niedere Volk von Pelusium vom Sarapiskult aus- 
geschlossen habe, beruht auf irriger Interpretation. Vgl. meine Ausführungen in 
Klio IX 131 ff. Schulz' Bemerkung ebenda S. 261 ändert nichts an der Sache. Durch 



114 Kapitel IL Religion und Kultus. 

Einführung des römischen Kultus wurde mit großer Zurückhaltung vor- 
gegangen, so daß wir überhaupt kaum sichere Spuren davon nachweisen 
können (s. unten S. 115), wenn wir absehen von dem römischen Kaiser- 
kult, der nach seiner historischen Entstehung und seinen Formen viel- 
mehr dem hellenistischen Kult zuzuschreiben ist (s. unten S. 117 ff.). 

Wie bei den ersten Ptolemäern, so steht aber auch bei den Kaisern 
die Religionspolitik in einem Gegensatz zur Kirchenpolitik. 1 ) Unter 
der immer schwächlicher werdenden Regierung der letzten Ptolemäer — 
für deren Zeit uns bisher nur wenige Urkunden bekannt geworden sind — 
werden die Priesterschaften wahrscheinlich immer reicher und mächtiger 
geworden sein. Dieser Entwicklung hat Augustus, wie Rostowzew zuerst 
erkannt hat, Einhalt geboten und hat mit noch strengeren Mitteln als die 
ersten Ptolemäer die absolute Autorität des Staates gegenüber der Priester- 
schaft stabiliert. Einzelne Fälle von Säkularisierung von Tempelgebieten 
durch Augustus, die uns neuerdings bekannt geworden sind (vgl. Oxy. 
IV 721, Teb. LT 302 in Kap. VIT), lassen vermuten, daß vielleicht in 
weiterem Umfang solche Konfiskationen von IsQa yfj damals vorgenommen 
sind (s. unten Kap. VII), und wenn auch nach Teb. 302 den Priestern 
das hier konfiszierte Land in Pacht zurückgegeben wird, so zeigt doch 
gerade dies Beispiel, wie energisch die Eingriffe des Augustus waren, 
denn dies Land erhielten die Priester zum Ersatz dafür, daß er ihre 
övvtcc^Lg eingezogen hatte! Auch sonst sehen wir die fiskalischen 
Interessen gegenüber den Priestern in einseitiger Weise zur Geltung 
gebracht. Auch die Einschränkung 2 ) des Asylrechtes der ägyptischen 
Tempel (s. oben S. 96) hat diesen eine schwere rechtliche und wirt- 
schaftliche Einbuße gebracht. Die römische Faust tritt uns im be- 
sonderen aber auch in der strengen staatlichen Verwaltung der Tempel 
entgegen: es wird die gesamte Tempelverwaltung — in einem uns noch 
unbekannten Zeitpunkt — zentralisiert und einem äQ%iEQevs ÜXa^av- 
dgeCccg xal Alyvitxov 7iu6r]g übergeben, dessen Stelle bezeichnender- 
weise mit der eines römischen Prokurators, des Idiologos, kombiniert 
wird (s. unten S. I26f.). Aber auch die innere Organisation der Priester- 
schaften erleidet Veränderungen, die auf eine Schwächung ihrer Stellung 
hinauslaufen, so die Einführung der liturgischen Kollegien der 7tQsößv- 
Tfpot, die vielfach an die Stelle der früheren feudalen Epistaten treten, 



meine Übersetzung „fernhalten" für summovere sollte nur auf die Dauer der "Wirkung 
hingewiesen werden (vgl. S. 133). Es ändert sich an meiner Argumentation nichts, 
wenn ich übersetze: „Marcus entfernte den Sarapiskult von der pelusischen Gemein- 
heit." Darin tritt andererseits der einmalige Eingriff des Kaisers schärfer hervor. 

1) Ich folge hier wieder den Ausführungen von Rostowzew 1. c. 638 ff. gegen- 
über Otto. 

2) Zuerst betont von Rostowzew, GGA 1909, 640, Kolonat S. 217. Material bei 
Preieigke, Straßb. Pap. I S. 164 ff. 



B. Römische Zeit. § 2. Römische Götter. 115 

so vor allem die Verpflichtung der Priester, auch an den Liturgien mit- 
zutragen (s. unten Nr. 84). Als dann seit 202 die Kurien Verfassung ein- 
geführt war (s. oben S. 41), sind auch die Tempel der Verwaltung der 
städtischen Kurien unterstellt worden, so daß von der früheren Sonder- 
stellung der Tempel kaum noch etwas übrig geblieben ist. So endet 
diese Periode mit der völligen Unterwerfung der ägyptischen Kirche 
unter den Staat und der Gleichstellung der Priester mit der sonstigen 
Bevölkerung. 



§ 2. RÖMISCHE GÖTTER. 

Irgend welche sicheren Nachweise für einen in Ägypten ausge- 
übten römischen Kultus liegen uns nicht vor. Man kann ja wohl ver- 
muten, daß es für die cives Romani, die als Beamte und Offiziere und 
Soldaten oder auch als Kaufleute nach Ägypten kamen, dort römischen 
Kult gegeben hat resp. daß sie solchen ausgeübt haben, aber sichere 
Spuren liegen bisher kaum vor. Otto (I 9, 5) zitiert als Belege für römi- 
schen Kultus CIL III 22 (Jupiter, Hercules, Victoria), 79 (Mercurius), 
6605 (Dii Manes). Der erste Fall, in dem die Götter Diokletians und 
Maximians gemeint sind, fällt außerhalb unserer Periode. In dem zweiten 
Fall liegt eine militärische Weihung deo magno Mercurio aus Dakke vor 
(a. 109); da aber in Dakke, wie die griechischen Weihinschriften zeigen, 
der Lokalgott JUavtvovcpig verehrt wurde, der im Griechischen mit e EQ^ifjg 
wiedergegeben wird, so ist gar kein Zweifel, daß auch der Mercurius 
niemand anders ist. Von römischem Kultus kann hier also nicht ge- 
sprochen werden. Wir lernen vielmehr, daß auch die Römer ebenso wie 
die Griechen ihre heimischen Götter gelegentlich den ägyptischen Göttern 
glichen. Auch bei ihnen finden wir Doppelnamen wie in CIL 75 (aus 
den Steinbrüchen zwischen Philä und Syene, Anfang des IH. Jahrh.), wo 
die Weihung I(ovi) O(ptimo) M(aximo) Hammoni Chnubidi lautet, wäh- 
rend mit Iunonis reginae die Satis (= "Hqo) gemeint ist, wenn sie auch 
nicht besonders genannt ist. Der Zusatz quorum sub tutela hie mons est 
zeigt, daß die Verehrung den ägyptischen Göttern galt (Otto I 6). So 
bleiben uns für unsere Zeit nur die in größerer Zahl vorkommenden 
Grabschriften mit Dis Manibus! Ob diese Weihung damals noch viel 
mehr als eine Formel gewesen ist, lasse ich dahingestellt. Ich füge zu 
jenen Beispielen hinzu die Weihung des Cornelius Gallus aus dem Anfang 
der Römerzeit: die[is] patrieis. Da haben wir die römischen Götter — 
aber daneben steht: et Nil[o adiutjori! Damit beginnt schon die Linie, 
die zum IOM Hammon Chnubis führt. 

Wir hören ferner, daß im Hause eines L. Bellienus Gemellus die 
Saturnalien gefeiert wurden (P. Fay. 119, 28, um 100 n. Chr.), aber ob 



\\Q Kapitel II. Religion und Kultus. 

dies Fest noch religiöse Bedeutung für ihn hatte, ist sehr zweifelhaft. 1 ) 
Von irgend einem römischen Kultus hören wir bisher, wie gesagt, nichts. 2 ) 
Der einzige Kultus eines römischen Gottes, über den wir genauere Nach- 
richten erhalten, ist der des Jupiter Capitolinus in Arsinoe im J. 215 
(BGU 362 [96]), womit das KantxoksLov in Oxyrhynchos zu vergleichen 
ist (Oxy. I 43 Verso 4, 3). Aber der arsinoitische Kultus ist gräco -ägyp- 
tisch. Otto (I 10) hat hieraus geschlossen, daß dieser Gott von den 
Ägyptern in ihr Pantheon aufgenommen sei. Ich möchte eher glauben, 
daß gerade dieser Gott — man denke an die Rolle, die er in Jerusalem 
seit Vespasian spielt! — von der Regierung eingeführt ist resp. dem 
Wunsche der Regierung gemäß von den Kommunen. Doch wird 
von vornherein auf den römischen Kult verzichtet, und der hellenistische, 
damals stark ägyptisierte Kult zediert worden sein. Jedenfalls ist aus- 
geschlossen, daß hier wie in den obigen Fällen eine griechische oder 
ägyptische Gottheit unter diesem Namen verehrt wäre. Eine bestimmte 
lokale Individualität wurde (so auch Otto 1. c. Anm. 2) niemals mit fremden 
Göttern geglichen: Ü&rjvä ist Neit, aber nicht ylfrrjvä TLoliäg. Für den 
römischen Charakter des Gottes ist bezeichnend, daß hier neben den 
ägyptischen Festen nicht nur die römischen Kaiserfeste in großer Zahl, 
sondern auch das römische Neujahr und der Geburtstag der Göttin Roma 
gefeiert wurden (vgl. 96), welch letztere in rein ägyptischen Tempeln 
kaum gefeiert sein dürften. Sollte sich Wilamowitz' Vermutung bestätigen, 
daß diese Kapitole erst eine Folge der Constitutio Antonina gewesen sind 
(GGA 1898, 677), so müßten wir um so mehr daran festhalten, daß hier 
ein römischer Gott installiert wurde, der nun gerade den alten und neuen 
römischen Bürgern gelten sollte. Wie dem auch sei, der Grundgedanke 
von Wilamowitz, daß die constitutio Antonina mit dem römischen Bürger- 
recht auch römische Götter gebracht habe, berührt sich eng mit der offi- 
ziellen Begründung, die Caracalla in seinem Einführungsedikt gegeben hat. 
Wir lesen sie jetzt in Giss. 40 I, wo der Kaiser sagt (Z. 4 ff.): ToiyaQovv 
vo{il£cq[v o]vxco fis[ycclo7CQe7Cäg? xccl? £v6eß?]äg dv[va\dfrcu xfi fieycdEi,[6]- 
xr\xi (maiestati) ccvxäv (seil, der vorher genannten fteot) xb ixavbv 7toi[eZv, 
si xovg £evovg, bö]dxtg hav v\%\Bi6iX%\p6\iv eig xovg efiovg av[d-Q]d)7tovg, 

[elg xß)]v &eäv 6vveizev£y[xoi][U , dCdco^ii xxX. Er glaubt also 

der maiestas der römischen Staatsgötter — denn an diese kann hier nur 
gedacht werden — am besten zu dienen, wenn er auch die Peregrinen 
ihrem Kult zuführt, eine Motivierung, die gerade bei diesem Kaiser 
überrascht, der, selbst als <f>ilo6aQUKLg bezeichnet (worauf mich W. Weber 
hinwies) zuerst den Sarapis und die Isis innerhalb des Pomerium auf- 

1) Vgl. Wilamowitz, GGA 1901, 44 Anm. 1. 

2) Was der Sr\iiiovQyhg &s&s 'Pm(irig in BGU 937, 8 (III Jahrh.) bedeutet, ist noch 
völlig dunkel. 



B. Römische Zeit. § 2. Römische Götter. 117 

genommen hat. Es wäre ein für den Synkretismus dieser Zeit sehr inter- 
essanter Zug, wenn er andererseits den Kult des Jupiter Capitolinus in 
Ägypten eingeführt hätte. 

Größere Bedeutung als die alten römischen Götter hat jedenfalls der 
Kaiserkult gehabt. Freilich ob er geradezu „das eigentliche Hauptstück" 
der damaligen Religion gewesen ist 1 ), möchte ich wenigstens für die grie- 
chische und ägyptische Bevölkerung, also den größten Teil der Gesamt- 
bevölkerung des Landes, nach unseren Urkunden bezweifeln. Man schwört 
wohl jetzt beim Kaiser oder später beim Genius des Kaisers wie früher 
bei den Ptolemäern — und das war vorgeschrieben — , man ruft beim 
Abschluß von Heiratsverträgen die Julia Augusta an oder später das 
kinderreiche Ehepaar Marcus und Faustina 2 ), aber in allen großen Nöten 
des Lebens wendet man sich nach wie vor an die alten Ortsheiligen oder 
wallfahrtet zu den großen heimischen Göttern. Die Sprüche des Sansnös, 
die ich unten als Nr. 116 mitteile, geben uns, glaube ich, ein ganz zutreffen- 
des Bild, und sie wissen nichts vom Kaiserkult. Die intimeren Korrespon- 
denzen der Bevölkerung sind voll von persönlichen Beziehungen zu den 
Ortsheiligen, aber ich besinne mich nicht, solche zu den Kaisergöttern 
gelesen zu haben. Mögen diese Andeutungen eine genauere Untersuchung 
hervorrufen, die mir zurzeit nicht möglich ist. Die Frage ist wichtig, 
auch für manche der von Deißmann in „Licht vom Osten" behandelten 
Probleme. 

Der Kult der vergötterten Kaiser war auch in Ägypten wie sonst 
in den östlichen Provinzen nicht ein römischer, sondern ein hellenistischer. 
Er ist daher im folgenden Abschnitt zu behandeln. Die offizielle römische 
Auffassung des Kaiserkultes, wonach nur die vom Senat konsekrierten 
Kaiser als divi verehrt wurden, tritt uns in den Datierungen der Urkunden 
nach Kaiserjahren entgegen. Hier werden nur die toten Kaiser, und zwar 
auch nur die vom Senat konsekrierten, als &sög bezeichnet, womit 
bekanntlich der Grieche das in seiner Nuance ihm nicht verständliche 
divus wiedergibt. Für die Behandlung der Urkunden ergibt sich daraus 
z. B. die wichtige praktische Regel, daß Texte, die nach einem &tbg .... 
datiert sind, niemals Originalschriften, sondern nur Abschriften aus der 
Zeit nach dem Tode des betreffenden Kaisers sind. 



1) Otto II 279 wendet diesen Ausspruch von Wilamowitz (Jahrb. d. freien Deutsch. 
Hochstifts 1904, 24) auch auf die ägyptischen Verhältnisse an. Aber Wilamowitz 
selbst hat an anderer Stelle im Hinblick auf die Oxyrhynchos- Papyri sehr richtig 
gesagt, daß der Kaiserkult „wohl nicht ins Volk gedrungen war" (GGA 1898, 677). 

2) Wilcken, Ehepatrone im römischen Kaiserhaus (Sav. Z. 1909, 604 ff.). Eine 
Parallele zu dem Abschluß eines Ehevertrages vor Julia Augusta fand ich in dem 
soeben von Spiegelberg, Äg. Z. 46 (1909) 112 ff. edierten demotischen Vertrag einer 
Probeehe, de „vor Hathor" resp. „vor den weiblichen Göttern" geschlossen wird. 



Hg Kapitel II. Religion und Kultus. 

§ 3. DIE GRIECHISCHEN KULTE. 

Vom griechischen Kult wissen wir für die Kaiserzeit noch weniger 
als für die Ptolemäerzeit. Die Pflege durch das Herrscherhaus (s. oben 
S. 96) kam in Fortfall, die Agyptisierung des griechischen Kultus wird 
immer größere Fortschritte gemacht haben, die Identifizierung der Griechen- 
götter mit den ägyptischen wird nahezu eine vollständige geworden sein. 
Höchstens in den Griechenstädten, Alexandria — das freilich kaum noch 
eine Griechenstadt genannt werden konnte — , eher vielleicht in Naukratis, 
Ptolemais und dem neuen Antinoopolis, wird man noch irgend welchen 
griechischen Kult zu erwarten haben. 1 ) Aber selbst hier ist den griechi- 
schen Namen gegenüber Vorsicht geboten. Sind doch z. B. der 'EQfiijg 
und die HcpQodCrr], die in Lond. HI S. 163, 5 für Antinoopolis (a. 212) 
belegt werden, sicher ägyptische Götter, da als ihr Priester ein naGxo- 
tpÖQog genannt wird. 2 ) Höchstens die öfter begegnenden Dioskuren möchte 
ich wohl für griechische Götter halten, aber nur aus dem Grunde, weil 
ich kein ägyptisches Götterpaar kenne, dem sie gleichgesetzt sein könnten. 3 ) 
So mag man die Orakelfrage an die Dioskuren in Fay. 138 (95) dem 
griechischen Kult zuweisen, und auch was in Giss. 20 (94) über ein Orakel 
der Dioskuren und im besonderen über ein Privatheiligtum derselben gesagt 
wird, wird dorthin gehören. Freilich unterscheidet sich die Orakelfrage 
in nichts von den ägyptischen (s. unten), und der Mann, der in BGU 
248, 13 bei den Dioskuren schwört, will das Suchosfest feiern (Z. 27 f.). 
Bei diesem völligen Synkretismus werden Unterschiede kaum noch 
empfunden sein. Auch den Zsvg Kdöcog in BGU HI 827 werden wir zu 
den griechischen Göttern zählen dürfen. 4 ) 

Erhalten haben sich aber die griechischen Stadtgötter von Alexandrien 
und Ptolemais. Daß der Alexanderkult in der Kaiserzeit fortbestanden 
hat, wird mit Recht allgemein angenommen. Bei der großen Verehrung, 
die Augustus schon im Jahre 30 v. Chr. wie auch später dem Alexander 
bewies 5 ) und bei der — namentlich mit der severischen Dynastie — sich 



1) In Alexandrien gehört dahin außer dem Alexanderkult z. B. der Musenkult 
des Movaslov. Das Amt des vom Kaiser ernannten legevs des Museums wurde von 
hohen Würdenträgern, meist dem &Qxt-Siy.a6trig, bekleidet. Ob regelmäßig, wie Otto 
I 166 ff. annimmt, wird von Hirschfeld, KV 362 Anm. 3 bezweifelt. Eine andere Kom- 
bination ist allerdings nicht bekannt. 

2) Auch der griechisch klingende dvixrjros 'Eqiltjs in Giss. 24, 4 (15) ist kein 
anderer als der ägyptische Thot, der Gaugott des Hermopolites. 

3) Vgl. schon Herodot II 50, 5. 

4) Wenn wirklich der in diesem Text genannte Ort Pelusion nicht die berühmte 
Grenzstadt des Delta, sondern ein Dorf des Faijüm ist (Arch. I 555), so können wir 
hier verfolgen, wie bei der Besiedlung des Dorfes mit dem Namen auch der heimische 
Kult gewandert ist. 

5) Suet. Aug. 18; Dio Cass. 51, 16, 5. 



B. Römische Zeit. § 3. Die griechischen Kulte. 119 

immer mehr steigernden Vorliebe römischer Kaiser für Alexander 1 ) ist 
dies ebenso selbstverständlich wie die Aufhebung des früher mit ihm ver- 
bundenen Ptolemäerkultus. Das mausoleum Alexandri wurde einem römi- 
schen Prokurator unterstellt, der auch procurator Neaspoleos war. 2 ) Über 
den Kult des Alexander fehlt es jedoch an genaueren Nachrichten. 3 ) Einen 
[sQevg wird er nach wie vor gehabt haben, aber dieser war nicht mehr 
eponym. Denn daß er, etwa an erster Stelle, unter den eponymen alexan- 
drinischen IsQslg gewesen wäre, die bisher nur in herakleopolitischen Ur- 
kunden des III. Jahrh. auftreten, ist mehr als unwahrscheinlich (s. unten 
S. 121). Ob der Kult überhaupt noch staatlich war oder nur städtisch, 
wissen wir nicht. Die Aufhebung der Eponymie könnte für letzteres 
sprechen. 4 ) 

In Ptolemais hat natürlich der Staatskult der Ptolemäer, und damit 
die für die Thebais eponymen Priestertümer, mit der römischen Okkupa- 
tion aufgehört. Dagegen hat die römische Regierung geduldet den Fort- 
bestand des städtischen Kultus des Stadtgottes Hcoxtjq (s. oben S. 98), da 
der Ptolemaios-Name hiermit nicht verknüpft war. 5 ) So nennt Lond. III 
S. 80, 115 und 118 (a. 47) Grundstücke, die geschenkt sind (<xvi£QG)[iEvai) 
r&i (is(yL6tai) d's&t, ZtcorfiQi (Plaumann S. 51). Den Versuch W. Ottos 
(Hermes 45, 448 ff.), diesen ptolemäensischen Kult für einen Augustus- 
Soter-Kult zu erklären und ihn gar für den Ausgangspunkt eines ägypti- 
schen Augustus-Soter- Kultus zu nehmen, halte ich für verfehlt. Der 
philensische Kult des Avtokq&xcqq KalßaQ Ztsßaörbg HarriQ xccl EvsQys- 
xr\g (Otto S. 449) darf keinesfalls als Beleg verwertet werden: das ist 
eben ein Soter-Euergetes-Kult. Auch zeigt dieser Kultname gerade, was 
dem ptolemäensischen Gott bei Ottos Annahme fehlt, nämlich die Nennung 
des Kaisernamens. Vgl. gegen Ottos Ansicht jetzt auch F. Blumenthal im 
Arch. V Heft 3. 

Der Kaiserkult hat sich in Ägypten im Verhältnis zu den anderen 
Provinzen eigenartig entwickelt. Während früher mit einem staatlichen 
Kaiserkult auch in Ägypten gerechnet wurde (vgl. Otto passim), hat 
Blumenthal 1. c. soeben gezeigt, daß sich bisher nur ein städtischer 
Kaiserkult nachweisen läßt. Die Usßaötela, KcuöccQsiu usw. (vgl. die 
Übersicht bei Blumenthal) sind städtische Tempel, deren uQ%i£QEig städtische 
Beamte sind, die unter den anderen aQ%ovTsg ihren festen Rangplatz haben 



1) Vgl. Werner Hoifmann, Das literarische Porträt Alexanders d. Gr. im griech. 
u. röm. Altertum (Leipz. Hist. Abh. VIIT) 1907, S. 46 ff., 70 f. 

2) CIL VIII 8934. XIII 1808. Vgl. Kap. IX. 3) Vgl. Otto I 154 ff. 

4) Vgl. hierzu F. Blumenthal, Arch. V Heft 3. 

5) Wie tolerant übrigens die Römer in dieser Hinsicht waren, zeigt die Tat- 
sache, daß man einen Kleopatrakult auch jetzt geduldet hat. Vgl. Nr. 115. 



120 Kapitel II. Religion und Kultus. 

(vgl. Preisigke, Stadt. Beamte). Daß der Kult ein hellenistischer war, 
ist schon oben hervorgehoben worden. 

Der Kult der späteren Kaiser hat sich in der Regel an die dem 
Augustus zu Ehren — offenbar in großer Zahl — errichteten 2JeßaöTela 
und Kaiöagsla angeschlossen, wo sie als övvvaoi &eoC verehrt wurden. 
Einzelnen sind aber auch aus besonderen Veranlassungen Sondertempel 
errichtet worden, in die dann die Nachfolger auch wieder als ßvvvccoi 
d-soC aufgenommen wurden. Vgl. die Liste bei Blumen thal, der Beispiele 
für Claudius, Nero(?), Plotina, Hadrian, Antoninus Pius und Faustina 
aufzählt. Vgl. z.B. Amh. 124 (in Kap. III). Am meisten Tempel scheint 
Hadrian gehabt zu haben, für den solche bis jetzt in Alexandrien, Mem- 
phis, Arsinoe und Hermopolis nachweisbar sind. Vgl. auch den ii£QL6[ibg 
'AÖQiaveCov von Hermopolis, den Blumenthal als städtische Abgabe für 
den Bau eines 'Aöqiuvüov vom J. 131/2 erklärt hat (in P. Lips. 93 — 96). 

In diesem kommunalen Kaiserkult wurde der lebende Kaiser nicht 
als freög bezeichnet. Die Priester heißen ccQ%LCQ£ig uiÖQiavov o. ä., und 
ihre in den Tempeln aufgestellten Statuen heißen nicht dydXiiarcc, sondern 
avdQidvrsg. Vgl. Blumenthal 1. c. Vgl. z. B. BGU 362 (96). Dagegen 
kommt in privaten Urkunden die Bezeichnung des lebenden Kaisers als 
dsög vor, aber sichere Belege sind auch hierfür nur für die Übergangszeit des 
Augustus gefunden worden. Vgl. Arch. II 430 n. 3, BGU IV 1137 (112). 
Über die divi in der Datierung der Urkunden s. oben S. 117. 

Nur in der Form der Gleichsetzung mit einem Gott hat auch die 
offizielle Auffassung eine Vergötterung des lebenden Kaisers zugelassen, 
aber bezeichnenderweise findet sich dies nur bei Augustus, und zwar ist 
er nicht als Ucot^g — wie Otto glaubte (s. oben) — , sondern als Z£vg 
'Etev&sQiog Z£ßaörög (wie es scheint, durch das ganze Land) verehrt 
worden. Vgl. für Theben Arch. II 431 n. 8 (Weihinschrift), für Dendera 
Dittenberger, Or. Gr. 659 (dito), für das Faijüm CPR 224 (111, im Eid), 
für Oxyrhynchos P. Oxy. II 240 und 253 (im Eid, hier als göttlicher 
Vater des Tiberius). Vgl. ferner das aus Ägypten stammende Gedicht 
auf die Schlacht von Actium (Kenyon, Rev. de philol. 29, 1895, S. 177 ff.), 
auch das Epigramm von Philä bei Kaibel 978. Ich betone, daß dieser 
Kultname Zfug 'EXm&EQtog Z£ßaötög bei Lebzeiten angeschlossen wird 
an die römische Nomenklatur, nämlich Imp. Caesar divi filius, während 
nach seinem Tode der Gott nur mit diesem Kultnamen erscheint (Oxy. 
240, 253). Aus ersterem sowie daraus, daß dieser Kultname in die Eides- 
formel eingeführt ist, schließe ich, daß dieser Kult von der römischen 
Regierung, d. h. von Augustus anerkannt wenn nicht geschaffen worden 
ist. Da in BGU II 543 vom J. 27 v. Chr. (10. Jan.) noch bei Caesar 
Imperator divi filius geschworen wird, so ist dieser Kult wohl erst nach 
der Erlangung der Augustuswürde geschaffen worden, wie denn auch in 



B. Römische Zeit. § 3. Die griechischen Kulte. 121 

den offiziellen Akten er immer Zsvg 'EXev&toiog ÜEßaerög heißt. Sollte 
er aber schon im J. 30 geschaffen sein, so würde der Kultname später 
durch Hinzutreten des Eeßaöxog umgestaltet worden sein. Aber BGU 543 
spricht mehr für die erstere Annahme. Über die Benennung Neros als 
'Aya&bg Aaipvv vgl. zu Oxy. VII 1021 (113). 

Ob die eponymen alexandrinischen leQslg, die bisher nur in hera- 
kleopoli tischen Urkunden des III. Jahrh. begegnen, dem Kaiserkult zuzu- 
schreiben sind, ist noch ganz dunkel. Vgl. CPR 64 (108). Ebenso ist es 
noch umstritten, ob der neue äQ%MQ£vg jlXs^avöouag xal Alyvitxov ndör/g 
(s. unten S. 126) auch als oberste Spitze des Kaiserkultes aufgefaßt werden 
darf. 1 ) Ich glaube, daß die gesamten Kulte, auch der Kaiserkult, ihm 
unterstellt waren. Aber schon diese Verbindung mit den griechischen und 
ägyptischen Kulten zeigt seine Verschiedenheit von den anderen provin- 
zialen Kaiserpriestern. Daß die vergötterten Kaiser an Stelle der früheren 
Ptolemäergötter als övvvccol %-boC dem Kult der Lokalgötter angeschlossen 
sind, wird allgemein angenommen 2 ), doch ist zu bemerken, daß sie nicht 
wie einst die &eol AdsXtpol xal &eoi Evsoyhat xrX. einzeln namhaft ge- 
macht werden, sondern höchstens in dem gelegentlich gemachten Zusatz 
xal ol övvvaoi &eoi verstanden werden können. Ob sie durchweg (wie 
in der Ptolemäerzeit) angeschlossen sind, bedarf noch weiterer Auf- 
klärung. 

Außer den Kaisern ist noch ein neuer Gott dem griechischen Kult 
dieser Zeit hinzugefügt worden, das ist Antinoos, der Liebling des 
Hadrian, den dieser nach seinem plötzlichen Tode im J. 130 zum Gott 
erhob, und dem zu Ehren er Antinoopolis gründete (s. Kap. I S. 49). 
Von diesem griechischen Gotte, der z. B. in Dittenberger, Or. Gr. II 700 
als AvrCvoog 'E^tKpavrjg erscheint, ist zu trennen der 'OöLoavtCvoog, der 
ausschließlich dem ägyptischen Kult angehört (s. unten S. 123). 3 ) Doch 
ist, wenigstens außerhalb Ägyptens, dieser Unterschied auch wieder ver- 
wischt worden; vgl. CIG III 6007. Unter den zahlreichen Kombinationen, 
in denen Antinoos (in Eigennamen) auftritt, ist von besonderem Interesse 
das häufige BrjßavtLvoog, denn Bes war vorher an dieser Stelle der Haupt- 
gott gewesen. Vgl. S. 49. Ein Antinoos-Fest erwähnt Teb. II 592 (aus 
Tebtynis im Faijüm!). 

Abgesehen von dem offiziellen Kult der Tempel ist griechischer Kult 
auch in Vereinen gepflegt worden, sowohl in speziellen Kultvereinen 
wie auch in anderen Vereinen, die zu anderen Zwecken gegründet 



1) Dafür: Mommsen, RG V 658, 569; Wilcken, Hermes 23, 601 ff.; Brandis, 
Pauly-Wisa. II Sp. 474; P. Meyer, Festschr. für O. Hirschfeld 157 ff. Dagegen: Otto 
I 58; 71. 

2) Vgl. Otto I 11. 3) Vgl. meine Bemerkungen im Arch. IV 552. 



122 Kapitel II. Religion und Kultus. 

waren. 1 ) Eine von kaiserlichen Sklaven begründete övvodog Esßa6xri 
bezeugt uns BGU 1137 (112). Für den Privatkult, der in privaten Kapellen 
gepflegt wurde, ist schon oben in Giss. 20 (94) ein Beispiel namhaft ge- 
macht worden. 

§ 4. SARAPIS. 

Die grundlegenden Fragen sind schon oben S. 101 behandelt. Daß 
Sarapis und Isis in der Kaiserzeit neben Mithras, Kybele und der dea 
Syria zu den großen orientalischen Göttern gehörten, die die Götter der 
römischen Religion in Westeuropa schließlich siegreich verdrängten, liegt 
außerhalb des Rahmens unseres Buches, und doch sollen wir hieran denken, 
wenn wir in unsern Urkunden vom Sarapis lesen, wie überhaupt der 
religiöse Zustand Ägyptens nur dann bis in die Tiefe verstanden werden 
kann, wenn man ihn im Zusammenhang mit dem des ganzen Weltreiches 
auffaßt. 2 ) Jener Sarapis, der die Welt erobert hat und daher zu den 
stärksten Widersachern des Christentums gehört hat, ist natürlich der 
alexandrinische Gott gewesen. Über die in seinem Kult beschäftigten 
Priester liegt ein ziemlich reichliches Material vor 3 ), doch scheint mir 
bei der Deutung noch nicht genügend berücksichtigt zu sein, daß wir es 
doch auch bei dem alexandrinischen Kult ebenso wie beim memphitischen 
mit einem doppelten Gotte, einem hellenistischen und einem ägyptischen, 
also auch mit einem doppelten Kultpersonal zu tun haben. So gehörte 
jedenfalls der veaxÖQog tov [leydXov UaQanidog, dessen Stelle von den 
höchsten alexandrinischen Würdenträgern bekleidet wird, zum griechischen 
Kult, ebenso der leQÖqHovog, während die Pastophoren, Stolisten usw. 
zum Kult des ägyptischen Gottes gehören. 4 ) Doch das bedarf — ebenso 
wie für die ausländischen Sarapiskulte — noch genauer Nacharbeitung. 

Die Papyrusnachrichten über den alexandrinischen Sarapis sind bisher 
noch ebenso wenig gesammelt und bearbeitet wie die über den inländi- 
schen Sarapisdienst. Wir gewinnen durchaus den Eindruck, daß wie fürs 
Ausland, so auch für die Ägypter dieser Zeit der Sarapis der Hauptgott 
des Landes geworden war. Manche Frommen reisten nach Alexandrien, 
um dort den Sarapis anzubeten. Vgl. Teb. II 416 (98). Die aus Alexan- 
drien ins Land geschickten Briefe sind, was bisher noch nicht beachtet 
wurde, meist daran kenntlich, daß der Schreiber versichert, bei dem Herrn 
Sarapis seine Fürbitte {7tQ0öxvvr}(iaY) für den Adressaten verrichtet zu 



1) Vgl. Otto I 165 ff. 

2) Vgl. außer Cumont 1. c. namentlich Wisaowa, Religion und Kultus der Römer; 
Wilamowitz, Geschichte der griechischen Religion (Jahrb. d. Freien Deutsch. Hoch- 
stifts 1904). 

3) Vgl. Otto I 113 ff. 

4) Bei Otto 1. .c, auch S. 16, ist diese Scheidung nicht klar durchgeführt. 

5) Die itQ06Kvvr\iLa- Formel, die erst in der Kaiserzeit auftritt, stammt nach 
Spiegelberg aus dem altägyptischen Briefstil (vgl. Arch. IV 258). 



B. Römische Zeit. § 4. Sarapis. § 5. Ägyptische und gräco-ägyptische Kulte. 123 

haben 1 ) — häufig mit dem Zusatz: Kuft' ixccörrjv rj^iEQav. Letzteres ist 
typisch für die ägyptische Frömmigkeit überhaupt: der ganze Kultus war 
hier darauf eingerichtet, daß der Gläubige täglich im Tempel beten konnte. 2 ) 
Von der besonderen Fürsorge des Kaisers Caracalla für den alexandrinischen 
Sarapis zeugt sein Erlaß vom J. 215 (Giss. 40 II [22]). Sehr bemerkens- 
wert sind zwei Briefe eines früheren aQ%uQEvg des Hadrianeion von Ar- 
sinoe (a. 199?) an seine Frau und seine Tochter, in denen er ihnen droht, 
daß, falls sie den von ihm beabsichtigten Freilassungen Schwierigkeiten 
entgegenstellten, er gewisse ihnen sonst zufallende Güter dem Sarapis von 
Alexandrien vermachen werde (Teb. II 407). — Auch im Lande waren 
inzwischen überall Serapeen begründet. Der Redner Aristides spricht von 
42 Serapeen. 3 ) Eine Einladung zur xltvr] des Herrn Sarapis enthält 
Oxy. 110 (99). 

§ 5. ÄGYPTISCHE UND GRÄCO-ÄGYPTISCHE KULTE. 

Was oben S. 103 ff. zur Charakteristik der ägyptischen Religion der 
Ptolemäerzeit angeführt wurde, gilt in den großen Zügen auch für die 
Kaiserzeit. Wurde dort Herodot empfohlen, so ist hier vor allem auf die 
ausgezeichnete Darstellung Strabos im XVII. Buch hinzuweisen. Die Ver- 
gleichung der beiden Autoren zeigt, daß der Tierkult jetzt eine womög- 
lich noch größere Ausbreitung und Bedeutung hatte. 4 ) Von großem Inter- 
esse sind die Urkunden, die von den Byssoslieferungen für den toten Apis und 
Mnevis handeln. Vgl. Gen. 36 (85), Teb. II 313 (86). Auch der Kult der 
apotheosierten Könige oder Männer aus der ägyptischen Vergangenheit 
währte fort, so der des „Pharao Menis" (s. oben S. 106). 

Als neuer Gott ist in das ägyptische Pantheon 'Oöiqccvtlvoo^ auf- 
genommen worden (s. oben S. 121), d. h. der zum Osiris gewordene Antinoos. 
Da er bei dem nach ihm dann benannten Antinoopolis seinen Tod ge- 
funden hatte, so haben die Ägypter ihn in dieser Form — nicht als 
!4vxCvoo<s — zum Hauptgott der Stadt gemacht. 5 ) Vgl. den Schwur beim 



1) Vgl. z B. BGU 385 (100), 845. Direkt bestätigt wird die Annahme der 
alexandrinischen Herkunft z. B. in BGU 385, 601, 623, 843. In anderen Fällen wie 
BGU 276, 332, 333, 384, 449, 625 usw. ist sie wahrscheinlich. 

2) Vgl. Cumont 1. c. S. 113, der z. T. gerade aus dieser Eigentümlichkeit des 
ägyptischen Gottesdienstes seinen tiefen Eindruck auf die römische Welt ableitet. 

3) Vgl. das Verzeichnis der überlieferten bei G. Parthey in seiner Ausgabe von 
Plutarch, de Isid. et Osir. (1850) S. 216 f. und Otto II 383. 

4) Vgl. Ad. Erman, Äg. Religion 2 240. Zum Tierkult vgl. auch Plutarch, de 
Isid. et Osir. 72 ff. 

5) Vgl. Arch. IV 552. Die Schreibung 'Oasigavrivoog zeigt, daß das lange Jota 
von 'Oalgig sich hier durch den Gegenton gehalten hat, weil olq vor einer unbetonten 
Silbe steht. Vgl. dagegen die enttonten Formen Öoog-äitig, 'Oeogßovxig usw., wo 
6iq vor einer betonten Silbe zu 6oq geworden ist. Wir haben also Osirantinoos zu 
sprechen, mit einem Gegenton auf dem ersten i. 



124 Kapitel II. Religion und Kultus. 

Genius des Kaisers und beim , Ö6iqavxivoog in der antinoitischen Urkunde 
Straßb. 34, 18, wo Osirantinoos die Stelle des itaTQäog d-sog einnimmt. 
Vgl. meine Bemerkung zu 114. Vgl. auch Lond. III S. 163, 20: naöro- 
cpÖQog 'OöeiQccvtivoov &eov (isyCerov. Der Pincio-Obelisk ist diesem Osiris- 
Antinoos gewidmet. 1 ) 

Als neue Götter sind ferner an Stelle der Ptolemäer die römischen 
Kaiser getreten. Der ägyptische Kult der Cäsaren läßt sich schon un- 
mittelbar vom Beginn der römischen Herrschaft an verfolgen, am frühesten 
in den einheimischen Texten. 2 ) Ebenso wie vorher die Ptolemäer wurden 
jetzt die Kaiser an den Tempelwänden als Pharaonen dargestellt und mit 
göttlichen Titeln geehrt. 3 ) Einen griechischen Beleg für den ägyptischen 
Kaiserkult bietet z. B. der aQ%i7tQocpiJTr]g täv xvqiuv AvxonQaroQov 2Je- 
ßccGväv in Teb. II 313 (86). 

Daß die Gleichsetze g der griechischen mit den ägyptischen Göttern 
in der Kaiserzeit zu einem vollständigen Synkretismus führte, ist schon 
oben S. 118 gesagt worden. Wenn bei dieser Mischung im Kult im all- 
gemeinen das ägyptische Element sich als das stärkere erwiesen hat 4 ), so 
konnte doch nicht ausbleiben, daß auch von der griechischen Seite aus 
Beeinflussungen stattfanden. Dafür dürften die in griechischer Kunst ge- 
arbeiteten kleinen Terrakottastatuetten von ägyptischen Göttern sprechen, 
die in den Ruinen der Wohnhäuser aus römischer Zeit zu Tausenden ge- 
funden worden sind. ) 

Fragen wir, welche der verschiedenartigen Götter das religiöse Be- 
dürfnis der Massen am besten befriedigt haben, so sind es, wie schon 
oben S. 117 ausgeführt wurde, sicher nicht die Kaisergötter gewesen — 
weder die des griechischen noch die des ägyptischen Kultus — , sondern 
die ägyptischen und gräco-ägyptischen Ortsheiligen und der große Sarapis 
in Alexandrien. Die heimischen Götter soll man vor allem verehren und 
Isis und Sarapis — so sagen die Sprüche des Sansnos, die bisher für 
diese Frage wohl noch kaum herangezogen sind (CIGr III 5041 [116]). 
Indem er Wallfahrten zu allen Tempeln anempfiehlt, berührt er sich mit 
dem Briefe Lond. III S. 206 (117), der für diese Fragen gleichfalls von 
hohem Interesse ist. 

Ein charakteristischer Zug der ägyptischen Religion — vielleicht ein 
Residuum des alten Fetischismus — ist die Vorstellung, daß die Gottheit, 



1) Vgl. Ad. Erman, Mitt. Rom. Inst. IX (1896) S. 118. 

2) Vgl. Otto II 278 ; Blumenthal 1. c. 

3) Vgl. etwa Lepsius, Königsbuch der Ägypter und seine „Denkmäler". 

4) Die Annahme von Leipoldt, Schenute von Atripe 1903, daß in der Kaiserzeit 
die ägyptische Religion völlig hellenisiert worden sei, halte ich nicht für richtig. 

5) Vgl. Ad. Erman, Äg. Religion 2 238 ff. Die Terrakotten, die ich mit H. Schäfer 
in Herakleopolis fand, lagen alle in den Wohnhäusern. Th. Schreiber rechnet mit 
der Herkunft aus Gräbern. 



B. Römische Zeit. § 5. Ägyptische und gräco-ägyptische Kulte. 125 

wenn sie nach richtigem Ritus gebeten wird, auch verpflichtet ist, das 
Gebet zu erhören, so daß der Gläubige, wenn die Gottheit sich ihm ver- 
sagt, sich berechtigt fühlt, sich zu revanchieren. Porphyrius wundert 
sich darüber, daß die Ägypter in ihren Gebeten den Göttern bisweilen 
drohen 1 ), und Plutarch, de Iside et Osir. 73 erzählt, daß die Priester in 
gewissen Fällen Drohungen gegen die heiligen Tiere ausstoßen, eventuell 
sie töten. 2 ) Diese Klassikernachrichten können wir jetzt durch mehrere 
briefliche Äußerungen illustrieren. Vgl. vor allem Oxy. VII 1065 (120); 
auch Atene e Roma VII 124, 11: o#r[' ijlovödfiVfV [ov]rs TtQoöexvvrjöcc 
fteovg (poßov^isvri 6ov tö iietecoqov. Dieselbe Eudaimonis schreibt P. 
Brem. 10: fäfti de ort ov fieXkco dea 6%okdt,SLV, et (irj xqoxsqov a?caQrl6G) 
xhv vlöv {iov. 

Im übrigen wirken die Götter auch jetzt vor allem als Heilgötter 
und Orakelgötter. Für die Heilgötter vgl. z. B. Oxy. VI 935 (119). Be- 
zeichnend ist, daß auch der neue Osirantinoos nach Aussage des Pincio- 
obelisken durch Tempelschlaf heilte. 3 ) Hierhin gehört auch der Brauch, 
sich durch Amulette, Zaubertexte, die eng zusammengeknifft und mit 
einem roten Faden zusammengeschnürt um den Hals getragen wurden, 
gegen Krankheiten usw. zu schützen. Vgl. BGU 956 und dazu meine Aus- 
führungen im Arch. I 420 ff. Der Zauberglaube ist von jeher ein wich- 
tiges Charakteristikum der ägyptischen Volksreligion gewesen (vgl. Ad. Er- 
man, Äg. Rel. 2 167 ff.). Auf die großen Zauberlehrbücher, die uns auch 
auf Papyrus überliefert sind, kann hier nur kurz hingewiesen werden. 
Eine neue Gesamtausgabe der Zaubertexte wird unter Wünschs Leitung 
vorbereitet. Sie leiten zugleich hinüber zum Orakelwesen. 4 ) Hierfür sind 
sehr interessant mehrere Orakelfragen, die z. T. in den Tempeln gefunden 
sind. 5 ) Vgl. BGU 229, 230; Fay. 137 (121); Oxy. VI 923; Lond. III 
1267 (d) von Grenfell-Hunt gelesen im Arch. IV 559; Wess., Spec. Taf. 12 
n. 26 (122). Diese Texte, die in den bekannten Bleitäfelchen aus Dodona 
ihre Parallelen haben 6 ), zeigen uns so recht deutlich, wie abhängig sich 
die Gläubigen von ihren Ortsheiligen fühlten, so daß sie oft um die 
nebensächlichsten Dinge die Entscheidung des Gottes einholten. Andere 
Papyri wieder bestätigen uns, daß das Horoskopstellen in dieser 



1) Vgl. Porph. Epist. ad Aneb. 29. Vgl. Cumont 1. c. 111. 

2) Ed. Meyer, Geschichte Ägyptens (Oncken) 40 verweist darauf, daß ähnlicher 
Brauch bei Negerstämmen vielfach vorkommt. 

3) Vgl. Ad. Erman, Mitt. Eöm. Inst. XI (1896) S. 118. 

4) Vgl. auch die Anweisung, Omina zu erbalten, in Oxy. VI 880. 

5) Vgl Ammian. Marceil. 19, 12, 3 (über das Besaorakel von Abydos): chartulae 
seu membranae continentes quae continebantur, post data quoque responsa interdum 
remanebant in fano. 

6) Dittenberger, Syll. II 773 ff und Pauly-Wissowa V 1202. Vgl. auch Wiegand, 
Ausgrab, in Milet (Sitz. Berl. Ak. 1906, 258). 



\26 Kapitel II. Religion und Kultus. 

Zeit beliebt war. Vgl. Lond. I S. 127 ff. und Grifnth, Ig. Z. 38, 71 ff. 
(vgl. Wilcken, Arch. II 175); Oxy. II 235 (dazu Nickiin, Class. Rev. XVI 
119 ff); Par. 19, 19 bis. usw. Trotz aller dieser Mittel, die dem Glauben 
und Aberglauben entgegenkamen, sind, wie wir aus anderen Quellen wissen, 
mindestens seit dem IL Jahrh. weite Kreise des ägyptischen Volkes dem 
heimischen Kult untreu geworden und sind zum Christentum übergetreten. 
S. unten § 6. 

Über die Kulthandlungen bieten uns die Papyri manche wertvolle 
Auskünfte. So enthalten die Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben 
der Tempel Mitteilungen über die in den Tempeln gefeierten Feste. Daß 
im Jupiter Capitolinus-Tempel manche ägyptischen Feste gefeiert wurden, 
wurde schon oben hervorgehoben (vgl. 96). Ausführlichere Nachrichten 
haben wir sonst namentlich für den Soknopaios- Tempel in Soknopaiu- 
Nesos. Vgl. die Abrechnungen BGU 337 + 1 (92); 149 (93) und die 
Mitteilungen Wesselys aus dem unedierten Rainer -Pap. 171 in „Karanis" 
S. 74 ff, im besonderen den daraus aufgestellten Festkalender S. 76. Ein- 
zelne Götterfeste werden auch in Briefen wie BGU 248 und sonst er- 
wähnt. Auf die Volksfeste, zu denen manche dieser religiösen Feste 
Anlaß gaben, soll im XII. Kap. (über das Volksleben) eingegangen werden. 
Die angeführten Tempelrechnungen enthalten zugleich manche Angaben 
über die in den Tempeln vollzogenen Opferhandlungen. Andere Texte 
handeln speziell von den blutigen Opfern, im besonderen von der Unter- 
suchung und Versiegelung der Opferstiere durch die \jL06yp6<pQayi6xal, in 
voller Bestätigung der Nachrichten des Herodot II 38. Durch BGU 
250 (87) erfahren wir, daß der Idiologos (s. unten) im Jahre 122/3 die 
Neuerung getroffen hat, daß der ^o6%o6cpQayL6xrig dem opfernden Priester 
eine schriftliche Bescheinigung der Reinheit des Opferstieres auszustellen 
hatte. 1 ) Solche Bescheinigungen sind uns erhalten, und sie sind, wie nach 
jenem Text zu erwarten ist, alle jünger als 122/3. Vgl. Gen. 32; Straßb. 
graec. 1105 (89); Grenf. II 64. Für die Versiegelung war eine Abgabe 
an den Staat zu entrichten (vgl. BGU 356 [88]). Im übrigen hatten die 
Priester für die ihrem Tempel gespendeten Opferstiere ein dsxdtr] zu 
zahlen (vgl. Teb. II 307), während die Spender (nach Grenfell-Hunts Deu- 
tung) ein xsXog iio6%ov zu zahlen hatten. Vgl. Lond. II S. 82; BGU 383, 
463, 718; Fay. 244. Über sonstige Opferspenden (xat evßEßeiav) vgl. 
Wessely, Karanis S. 7 1 ff. 

Auf die großen Veränderungen, die das Kaiserregiment für die Ver- 
waltung des gesamten Tempelwesens gebracht hat, ist schon oben S. 114 
kurz hingewiesen worden. Wenn auch der neue <xQ%t£Q£vg ^äXe^avögstag 
aal AlyvTtrov Ttdörjg 2 ) nicht nur den ägyptischen Kult, sondern wie ich 

1) Vgl. Wilcken bei Otto I 63, 1. 2) CIL III 5900. 



B. Römische Zeit. § 5. Ägyptische und gräco-ägyptische Kulte. 127 

glaube (s. S. 121), den gesamten, auch den Kaiserkult und den griechischen 
Kult zentralisieren sollte, tritt uns in den Urkunden doch bisher nur die 
Wirkung auf den ägyptischen Kult entgegen, weswegen ich ihn an dieser 
Stelle bespreche. Wann diese Stelle des aQ%uQ£vg geschaffen ist, ist nicht 
überliefert. Daß sie schon aus dem Anfang der Römerzeit stammte, ist 
nicht ausgeschlossen. Mindestens seit Hadrianischer Zeit ist diese Stelle 
kombiniert gewesen mit der des Idiologos. 1 ) In BGU 250 (87) amtiert 
im J. 122/3 der Idiologos genau so, wie man es vom aQ%LEQsvg erwarten 
sollte. Es ist daher mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die beiden 
Ämter damals schon kombiniert gewesen sind. 2 ) Es entspricht dem Ver- 
hältnis des Procurator usiacus zum Idiologos, daß ersterer gelegentlich als 
sein ihm untergebener Stellvertreter, als diad£%6ii£vog xr\v aQ%ieQ(o6vvriv er- 
scheint. Vgl. z. B. BGU 362 p. 5, 10 (96), P. Achmim (81), CIG III 5069 (73). 
Der Idiologos sowohl wie der Procurator usiacus haben nicht etwa nur die 
Finanzverwaltung der Tempel, sondern auch die geistlichen Angelegenheiten 
zu leiten. So gehen dem Idiologos als ägxieQSvg Berichte über das Ver- 
halten der Priester gegenüber ihren kultischen Pflichten zu (P. Rain, bei 
Hartel, Gr. Pap. S. 70 [72]), so leitet der Idiologos eine Untersuchung 
betreffs eines Priesters, der die Vorschriften über Rasur und leinene Klei- 
dung nicht beachtet haben soll (vgl. BGU 16 [114]), und entfernt Hinder- 
nisse für die Ausübung des Götterdienstes 3 ) (Iva (irjxexi ccl xäv ftecov 
&Qr)6xeiai e(i7todC£ovrai). Ahnlich befiehlt ein Erlaß des dLccd£%6(i£vog 
xx\v 0LQ%uQG)6vvriv in Talmis (Nubien), im Interesse der ^q^öxlcc die 
Schweine aus dem Tempel zu treiben (CIG III 5069 [73]). 

Die Priestersynoden, wie die Ptolemäerzeit sie kannte (s. oben S. 1 1 0), 
sind für die Kaiserzeit nicht belegt und werden geschwunden sein. 'Em- 
öxdxai als Vorsteher der Tempel wird es auch jetzt noch gegeben haben, 
denn die £%i6xaxixöv genannte Abgabe kommt auch jetzt noch vor (vgl. 
z.B. Lond. II S. 114; BGU 337,2 [92]; Teb. II 306), aber ob sie noch 
dieselbe Stellung hatten wie in der Ptolemäerzeit, wissen wir nicht. 
Charakteristisch für die Römerzeit ist vielmehr, daß ein liturgisches Kol- 
legium von TtQSößvxeQOL oder 'fjyovfisvoi an der Spitze der einzelnen 
Tempel stand. Diese jährlich wechselnden Kollegien bedeuteten der Regie- 
rung gegenüber natürlich viel weniger als früher die mächtigen hni6xäxaiS) 
Wie früher werden auch jetzt die gewinnbringenden Priesterstellen von 



1) Diese Vereinigung hahe ich nachgewiesen im Hermes XXIII 600 ff. Vgl. auch 
Griech. Ostr. I 643 f. Sie ist später durch viele neue Texte bestätigt worden. Vgl. 
jetzt Otto I 58 ff. 

2) So Otto I 62 gegenüber P. Meyer, der die Vereinigung erst für Severus' Zeit 
annimmt. Vgl. auch Otto, Arch. V 181. — Nach W. Weber, Untersuch, z. Gesch. d. 
Kais. Hadrian 114 wäre die Vereinigung eben damals (122) erfolgt. Die Hypothese 
ist anregend, aber zunächst doch ganz unsicher. 

3) Vgl. Wessely, Karanis S. 56. 4) Vgl. Rostowzew, GGA 1909, 615. 



128 Kapitel II. Religion und Kultus. 

der Regierung, und zwar vom Idiologos, verkauft resp. auf unbegrenzte 
Zeit verpachtet. 1 ) Vgl. Teb. 294 (78), 295, 296 (79), 297; P. Achmim (81); 
Gen. 7 (80). Kleinere Heiligtümer werden wohl auch jetzt als Ganzes 
veräußert. Vgl. die Verpachtung eines ßcopög in BGU 916. Andererseits 
besteht auch jetzt das System der övvrd^eig fort. Vgl. P. Petersburg 7 + 
Berl. Bibl. 5 (82), BGU 707, P. Hawara 188 in Arch. V Heft. 3. — Die Prüfung 
auf Qualifikation zum Priester bestand iu einer Ahnenprobe und einer 
Untersuchung auf körperliche Mängel (örjfisia). War sie bestanden, so 
wurde, wiederum vom Idio\.ogos-ccQ%L£Q£vg , die Erlaubnis zur Beschnei- 
dung gegeben, ohne die ein Priester tum nicht übernommen werden 
konnte. Vgl. BGU 82, 347 (76); Straßb. graec. 60 (77); Teb. II 291, 
292 (74), 293 (75), 314. Nicole, Textes gr. ined. (1909) Nr. IV. Für 
die Aufnahme unter die Priester wurde wie früher das teXeötMov, so 
jetzt das sIöxqitmov an den Staat gezahlt. 2 ) Vgl. Lond. II S. 113 (vgl. 
Arch. III 238 f.); Teb. II 294, 20 (78). Nur die von der Regierung 
für jeden Tempel festgesetzte Zahl von Priestern genoß die Privilegien, 
wie die Freiheit von der Kopfsteuer; die überzähligen (die vTCSQaCgovTBg, 
vgl. BGU 1, 15 [92]) waren kopfsteuerpflichtig. Die Regierung führte 
daher genaueste Kontrolle über den Bestand der Priesterschaften, und in 
jedem Jahre mußten die Listen der Priester (yQccyij legsav) wie auch die 
Listen des Tempelinventars (das scheint mir hier der prägnante Sinn von 
%eiQi6[iög zu sein) an die Regierung eingereicht werden. Solche meist mit 
einander verbundenen Listen sind z. B.: Teb. 298 (90), 600 (über Pastophoren, 
nicht CeQSlg)] BGÜ 590 + 162 (91), 258, 338, 387, 406, 488, 590, 627, 
1023; Lond. II S. 112/3; S. 114 oben (102). Zur Prüfung der Tempel- 
inventare wurden vom Idiologos-aQ%i6Q£vg besondere i^sraCrai ins Land 
geschickt. Der Brief Teb. II 315 (71) zeigt uns, wie sehr diese Prüfer 
gefürchtet wurden, und mit wie brutaler Gewalt die römische Regierung 
eventuell den Priestern gegenübertrat. 

Eine wesentliche Veränderung in den Formen der Verwaltung der 
Tempel muß im III. Jahrh. eingetreten sein, als den neubegründeten Kurien 
der Metropolen auch die Tempelverwaltung aufgehalst wurde. Die Kurien 
erwählten nun Kuratoren (istLftEXrjteii), denen die Kontrolle und Abrech- 
nung über die Finanzen der Tempel als haftpflichtigen Liturgen zugewiesen 
wurde. So erkläre ich den «u.ufA^T^g des Jupiter- Capitoiinus -Tempels, 
dessen Abrechnungen wir in 96 lesen. Parallel steht der ßovXtvtrjg ixi- 
(i(elr)TY}g) Isqov 'Eq{islov Me[icp6(og in einem Theadelphia - Papyrus bei 
Seeck, Rhein. Mus. 62, 520, vgl. Wilcken, Arch. V 289 f. Vgl. auch den 
Inspektionsbericht zweier Buleuten an die ßovXtf über gewisse dem Sera- 

1) Darauf zielt auch das naxa itQoxrjgvi-tv ituQaXaßmv bei Wessely, Karanis S. 04 
{aus R. 107). 

2) Vgl. ßostowzew, GGA, 613 Anm. 1. 



B. Römische Zeit. § 6. Orientalische Kulte. 129 

peum von Hermopolis gehörige Grundstücke in CPHerm 7 II/III (vgl. 
Wücken, Arch. III 541/2). So erscheint schließlich auch die Tempel- 
verwaltung als ein Teil der städtischen Verwaltung. 1 ) Eine genauere 
Untersuchung über diesen wichtigen Vorgang ist dringend erwünscht. 
Schon vorher aber hatten die Priester mehr und mehr von ihrer alten 
privilegierten Stellung eingebüßt. Das Edikt des Lusius Geta (Ditten- 
berger, Or. Gr. II 664) zeigt, daß gelegentlich auch Priester zwangsweise zur 
Bebauung königlicher Domänen herangezogen waren, was hier nun freilich 
verboten wird. Nach BGU 176 (83) waren die Piester von X6yi\ia Uqk 
zu Hadrians Zeit frei von Fronarbeiten an den Dämmen, trotzdem werden 
ihre Sklaven gelegentlich doch dazu herangezogen. Wichtig ist, daß nach 
BGU 194 (84) die Priester jetzt prinzipiell liturgiepflichtig waren, nur 
hatte in diesem Falle die Dorfgemeinde auf Grund eines Abkommens mit den 
Priestern diesen kürzlich die Liturgie abgenommen. Wie der von Wessely, 
Karanis S. 66 zitierte Fall, in dem ein Priester, zur Liturgie herangezogen,' 
sich darüber beschwert, aufzufassen ist, kann erst beurteilt werden, wenn 
der Text vorliegt. 

§ 6. ORIENTALISCHE KULTE. 
Der Kult orientalischer Gottheiten hat sich in der Kaiserzeit, im be- 
sonderen wohl gefördert durch die römischen Truppen 2 ), wahrscheinlich 
noch mehr als in der Ptolemäerzeit ausgebreitet — entsprechend der all- 
gemeinen Entwicklung im Reiche. Aber die Papyri bieten bisher nur 
geringe Spuren. Über den Mithraskult, der auch hier sicher zur Bedeutung 
gekommen ist, schweigen die Papyrusurkunden bisher ganz, dafür hat 
aber aus einem Pariser Zauberpapyrus dieser Zeit Albrecht Dieterichs 
Kunst eine Mithrasliturgie herausgeschält (1. c). Für den Fortbestand der 
jüdischen Religion bürgt die große Bedeutung, die die Juden in Alexan- 
drien, aber auch im Lande gehabt haben (vgl. S. 62). Der Zentraltempel 
von Leontopolis wurde zwar von der römischen Regierung nach den Un- 
ruhen, die nach der Zerstörung Jerusalems auch in Ägypten ausbrachen, 
geschlossen. Daß auch die jüdischen Vorstellungen nicht ganz unberührt 
vom Agyptertum blieben, zeigt die Inschrift im Archiv V 163 (vom J. 29 
vor Chr.), die frs&L {ieycck<p [isyctia) vtfjLöta) geweiht ist: da ist der 
jüdische frebg vipiörog (s. oben S. 112) nach ägyptischer Weise (isyccg [isyccg 
genannt. — Von orientalischen Göttern läßt sich sonst noch die babylo- 
nische Nanä als Navuia nachweisen, die in Alexandrien 3 ) einen Navalov 
genannten Tempel hatte, in dem sich ein staatliches Archiv befand (Oxy. 
34 Verso). 4 ) Auch der Kult dieser Göttin, die übrigens als "AQxs\Lig Navcc 



1) Vgl. die Bemerkungen von Rostowzew, GGA 1901, 641. 

2) Vgl. Cumont bei Dieterich, Eine Mithrasliturgie 1903, 88. Auch Otto I 170. 

3) Arch. I 124. 4) Zu letzterem vgl. Band II Kap. IV. 



130 Kapitel II. Religion und Kultus. 

auch irn Piräus verehrt worden ist 1 ), ist in der Provinz der Agyptisierung 
verfallen. Vgl. die ~Iöls NccvaCcc in Lond. II S. 114 (102). 

Gleichfalls recht dürftig sind bisher für unsern Zeitabschnitt die 
Nachrichten über 

die christliche Religion. 
Das Wenige, was über die Ausbreitung des Christentums in Ägypten 
während der ersten drei Jahrhunderte bekannt ist, hat kürzlich Ad. Har- 
nack zusammengestellt. 2 ) Wenn man bedenkt, daß schon in der severi- 
schen Zeit die alexandrinische Katechetenschule — ein Gegenstück zum 
heidnischen Museion 3 ) — blühte, und daß Clemens und dann Origenes 
dort wirkten und den Hellenismus der christlichen Lehre nutzbar machten 4 ), 
und wenn man andererseits hört, daß schon eine große Zahl von Christen 
durch das ganze Land von der severischen Verfolgung betroffen wurde 
(Eusebius h. e. VI lf.), und daß der damalige alexandrinische Bischof 
Demetrios anfing, Bistümer im Lande zu errichten 5 ), so ist es verwunder- 
lich, daß unter den vielen Tausenden von Urkunden dieser drei Jahr- 
hunderte kaum irgend welche Spuren des Christentums uns entgegentreten. 
Das älteste, das wir haben, sind die libelli aus der decianischen Christen- 
verfolgung vom Jahre 250, die uns für einige Orte im Faijüm und für 
Oxyrhynchos das Vorgehen der Regierung veranschaulichen. Vgl. BGU 287 
(124) und P. Bull. Soc. arch. d' Alex. 9 (125). Außerdem haben wir noch einen 
christlichen Brief, der, wie Harnack gesehen hat, durch die Erwähnung 
des alexandrinischen Bischofs Maximus zwischen 264/282 datiert wird, 
der zwar in Rom geschrieben ist, aber auch auf die ägyptischen Ge- 
meinden ein Licht wirft (Amh. I 3a [126]). Das ist alles, was mit Sicher- 
heit in die vordiokletianische Zeit gehört. Übrigens ist es ja möglich, 
daß man bei immer wiederholten Prüfungen in den schon publizierten 
Urkunden hier oder da noch christliche Anspielungen finden mag. 6 ) Aber 
angesichts jener Tatsachen bleibt die Dürftigkeit der Spuren sehr auf- 
fallend. Nun könnte man darauf hinweisen, daß das Christentum sich zu- 



1) CIA Hl 131. Vgl. dazu Robert-Preller I 333 Anm. 1. 

2) „Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahr- 
hunderten". 

3) In Anbetracht des weiten Lehrplanes der christlichen Schule (auch Gram- 
matik, Geometrie, Arithmetik, Philosophie usw.) ist es doch sehr wahrscheinlich, daß 
gerade der bewußte Gegensatz zum Museion auf die Entwicklung der Schule ein- 
gewirkt hat. 

4) Vgl. P. Wendland, Christentum und Hellenismus (N. Jahrbb. für das klass. 
Altertum 1902). 

5) Hierzu verweise ich auf die feine Bemerkung von Ed. Schwartz (Gott. Nachr. 
1905, 182 f.), der diese erste Einsetzung von Bischöfen im Lande mit der (durch die 
Papyri erwiesenen) Tatsache kombiniert, daß im Jahre 202 die Metropolen Stadtrecht 
erhielten. 

6) Vgl. z. B. meine allerdings sehr unsichere Hypothese betreffs Teb. H 334 
(ca. 200/1) im Arch. V 238. 



C. Die byzantinische Zeit. § 1. Die christliche Kirche. 131 

nächst vielfach gerade in den national -ägyptischen Kreisen ausgebreitet 
haben mag, die nicht griechisch schreiben konnten, die ihre nationale 
Sprache redeten, und sicher hat die oberägyptische Kirche, deren Ent- 
stehung Leipoldt 1 ) schon der zweiten Hälfte des II. Jahrh. zuweist, schon 
im III. Jahrh. begonnen, die christlichen Schriften, von denen wir anderer- 
seits aus dieser Zeit auch Reste von griechischen Papyrushandschriften 
besitzen, in koptischer Schrift und Sprache zu verbreiten. Aber die Vor- 
stellung, als ob das Christentum auch nur im Lande — um von Alexan- 
drien zu schweigen — auf diese „Kopten" beschränkt gewesen wäre, 
würde sicher in die Irre gehen. Daß die Heiden auch von den Kopten 
"EXXyjvsg genannt wurden, entspricht nur der allgemeinen Terminologie, 
und daraus darf nicht auf eine Scheidung der Religionen nach den Rassen 
geschlossen werden. 2 ) Hiernach möchte ich es doch nur für einen Zufall 
halten, daß nicht schon mehr christliche Dokumente unter den Papyrus- 
urkunden zutage gekommen sind. Jeder Tag kann uns das Vermißte 
bringen. Wie wertvolle Aufschlüsse aber auch die heidnischen Urkunden 
der ersten drei Jahrhunderte für das Verständnis des Neuen Testaments 
bei methodischer Verwertung bringen können, haben die Forschungen 
Adolf Deißmanns gezeigt. Sowohl die Interpretation der Worte als auch 
das Verständnis der Umwelt der jungen Religion und der Kreise, in die 
sie eindrang, hat wesentliche Förderung durch ihn erfahren. 3 ) 

C. DIE BYZANTINISCHE ZEIT. 

§ 1. DIE CHRISTLICHE KIRCHE. 
Am Beginn unserer Periode steht die diokletianische Christenverfol- 
gung. Ihrer Zeit mag der vielbesprochene Brief des Psenosiris in Grenf. 
II 73 (127) angehören, der uns Kunde gibt von der Ausbreitung des 
Christentums in der thebanischen Oase. Wenige Jahre danach folgte der 
Umschwung in der Kirchenpolitik, der erst zur staatlichen Duldung und 
dann allmählich zur Herrschaft des Christentums geführt hat. Die Papyri 
bieten ein reiches Material aus den Zeiten, in denen Christentum und 
Heidentum bis zum Untergang des letzteren gekämpft haben, aber es 
fehlt bisher an einer umfassenden Bearbeitung desselben unter diesem 
weltgeschichtlich so wichtigen Gesichtspunkt. 4 ) So muß ich mich z. Z. 
auf einige willkürlich herausgegriffene Proben beschränken. 

1) „Schenute von Atripe" 1903 S. 28. 

2) Dies bemerke ich gegenüber Leipoldt 1. c. 

Zur Terminologie vgl. z. B. A. Eichhorn, BdgßaQos quid significaverit (Diss. Lips. 1904), 
S. 60, der auf Kukula's Untersuchung in der Festschrift f. Gomperz S. 359 ff. verweist. 

3) Vgl. jetzt das auch die früheren Forschungen zusammenschließende Werk 
„Licht vom Osten", 2. Aufl. 1909. 

4) Einen ersten kleinen V ersuch machte ich im Arch. I 396 ff. („Heidnisches 
und Christliches aus Ägypten"). 



132 Kapitel II. Religion und Kultus. 

Der Geist der christlichen Religion tritt uns vor allem in den pri- 
vaten und auch amtlichen Briefen entgegen. Einige derselben sind schon 
von Deißmann gewürdigt worden. 1 ) Im besonderen sei für das IV. Jahrh. 
auf die Korrespondenz des Abinnäus hingewiesen (teils in Lond. II, teils 
in P. Gen. ediert). Vgl. z. B. den Brief des christlichen Dorfpriesters von 
Hermopolis in Lond. II S. 299 (129). Ich füge hinzu den Brief Lond. III 
S. 242 (130), der wahrscheinlich an einen Bischof gerichtet ist. Aus dem 
VI./ VII. Jahrh. stammen die Briefe Grenf. I 91 und 93, die gleichfalls an 
einen Bischof geschrieben sind. Vgl. auch die an einen Bischof gerichtete 
Bittschrift von Mönchen Cairo Cat. 67021. Genaueren Studiums bedarf noch 
der christliche Bettelbrief Gen. 14, in dem sich u. a. ein Bibelzitat findet 
(6 yccQ eXe&v Mt[oo]%[öv], hg IGtz, &£<p davsC&t). 2 ) Der Glaube, daß 
Gott von Krankheiten heilen kann, tritt in dem Briefe Oxy. VI 939 (128) 
klar hervor. 

Wie die Christen diesen Glauben mit den Heiden gemeinsam haben, 
so treten uns auch sonst gemeinsame Züge entgegen, im besonderen auch 
solche, die aller Wahrscheinlichkeit nach direkt vom Heidentum über- 
nommen sind, um das Volk für den neuen Glauben zu gewinnen. 3 ) Die 
starke Ausbreitung der Märtyrer- und Heiligenverehrung, die einen Ersatz 
für den alten Polytheismus bot 4 ), die Beibehaltung der Mumisierung der 
Leichen und heidnischer Begräbnissitten 5 ) u. a. lassen sich auch durch die 
Papyri illustrieren. 6 ) Sicher aus dem heidnischen Gedankenkreis über- 
nommen sind die Amulette und die Orakelfragen. Ein christliches 
Amulett, das sich formell an die heidnischen eng anschließt, nur daß das 
„Vaterunser" die Zauberworte ersetzt, liegt vor in BGU 954 (133) 7 ), und 
daß auch die Sitte, die Gottheit um die kleinsten Kleinigkeiten des All- 
tagslebens zu befragen, ins Christentum übergegangen war, bestätigt Oxy. 
VI 925 (132). 

Auch für die Organisation der christlichen Kirchen, für die Amts- 
führung der irtCGKOTtoi, 7iQS6ßvr£Q0i, agiidiuKovoi und didxovoi usw. sowie 
auch für die Eremiten und die Klöster und ihre Mönche und Nonnen 



1) Licht vom Osten 2 S. 151 ff. 

2) Paroem. 20, 17: dccvsl£ei &ew 6 iXewv %x(af/>v. Vgl. hierzu Wilcken, Arch. 

rri 384/5. 

3) Vgl. über solche religiösen Ausgleichungen z.B. V. Schultze, Geschichte des 
Untergangs des griech.-röm. Heidentums II S. 346 ff. 

4) Verse auf das Martyrium des heiligen Senäs (l6oipr}(pcc fyxeb/xia) stehen in 
Cair. Cat. 67024 Verso (VI. Jahrh.). 

5) Vgl. Leipoldt, Schenute von Atripe 30 f. 

6) Vgl. z. B. das Testament des Bischofs Abraham (um 600) in Lond. I 
S. 234, 56 ff. 

7) Vgl. jetzt das gnostische Amulett Oxy. VI, 924, auch Berlin. Klasserstexte VI 
S. 129 ff. Unter den christlichen Gebeten ebendort hat Reitzenstein soeben das eine 
(S. 112, 43 ff.) als ein Stück aus dem heidnischen Poimandres erwiesen (Gott. Nachr. 
1910, 324 ff.). 



C. Die byzantinische Zeit. § 2. Die heidnischen Kulte. 133 

bieten die Papyri viele Nachrichten, doch harren auch diese noch ihrer 
Zusammenstellung und Bearbeitung. 1 ) Das älteste uns erhaltene Beispiel 
einer episcopalis audientia bietet Lips. 43 (vgl. Bd. II S. 32). Vgl. auch 
den aus dem VI./ VII. Jahrh. stammenden Brief BGU 103 (134). Für die 
Bedeutung des in einer christlichen Kirche geschworenen Eides — des Nach- 
folgers des im Tempel geschworenen heidnischen Eides — spricht Stud. Pal. III 
n. 343 (vgl. 1 10 A). Daß in Gegenwart christlicher Presbyter Rechtsgeschäfte 
abgeschlossen werden, zeigt CPR 19, 7/8. Ebenso wird auch Gen. 68, 11 
zu deuten sein. Als ein Organ, das über die Sittlichkeit in der Ge- 
meinde wacht, erscheinen die Presbyter in Grenf. I 53 (131). Eine Bitt- 
schrift von Eremiten aus justinianischer Zeit enthält Cair. Cat. 67003, die 
eines Mönches aus einem Kloster Cair. Cat. 67007. Ein Kircheninventar 
bietet Grenf. II 111 (135). Über die Bewirtschaftung der kirchlichen 
Liegenschaften vgl. unten Kap. VII. 

Nachdem auf dem Konzil zu Chalkedon 451 die Lehre von den zwei 
Naturen Christi proklamiert war, haben die Kopten in leidenschaftlichem 
Festhalten an ihrer Auffassung von der einen göttlichen Natur Christi 
als „Monophysiten" heftige Kämpfe gegen die der chalkedonischen Lehre 
anhängenden byzantinisch-griechischen Kreise als die „Melchiten" geführt. 
Aus den Papyrusurkunden sind bisher keine Spuren dieses Kampfes ans 
Licht gezogen worden. 

§ 2. DIE HEIDNISCHEN KULTE. 
Spuren des unterliegenden Heidentums lassen sich durch das IV. Jahrh. 
hindurch bis in das VI. Jahrh. hinein verfolgen. Wenn auch die Zer- 
trümmerung des großen Sarapis von Alexandrien im J. 391 durch den 
fanatischen Theophilos, die um so mehr einen ungeheuren Eindruck machte 
als sie ungestraft blieb, das Signal zu weiteren Zerstörungen der heid- 
nischen Tempel gab 2 ), so fanden doch auch noch die Fanatiker des 
V. Jahrh. — wie Schenute von Atripe — Gelegenheit genug, Tempel za 
zerstören und zu plündern. 3 ) Wenn auch in Atripe selbst kein Kult 
mehr ausgeübt wurde, so sind doch in anderen Fällen damals noch die 
Tempelzerstörer von dem geschädigten Klerus in Antinoopolis und Hermo- 
polis verklagt worden. 4 ) Hiernach ist nicht verwunderlich, daß eine Reise- 
beschreibung eines Heiden aus der Zeit des Konstantius den blühenden 
heidnischen Kult Ägyptens zu rühmen weiß. 5 ) Wie sich gelegentlich 
heidnische und christliche Vorstellungen mischten, dafür gibt einen inter- 

1) Namentlich auch in den von Wessely in Stud. Pal. I Heft .i und 8 heraus- 
gegebenen Papyri „kleinen Formats" steckt viel Material. Vgl. die Indices. 

2) Vgl. V. Schultze, Gesch. d. Unterg. d. griech.-röm. Heidentums I 261. 

8) Vgl. Leipoldt, Schenute v. Atripe 178 ff. 4) Vgl. Leipoldt 1. c. 178. 

6) Geogr. Graec. Min. H p. 520 (neue Ausgabe von Lumbroso, it. Acc. d. Lincei 
1898). Vgl. Mommsen, RG V 585. 



134 Kapitel II. Religion und Kultus. 

essanten Beleg der Pap. Edmonstone vom J. 355 (Oxy. IV S. 202), in dem die 
Freilasserin erklärt acpvxsvai v^iag iksv&eQovg — vytb yf\v %ai ovQavbv 
xoct svöeßecav x\ov 7t]aveXerjiiovog &£ov. Da spuken in einer abgeblaßten 
Formel die alten Götter IHj und OvQavog (vgl. vnb 4Ca üjv "Hliov Oxy. 
I 48; 49) neben dem „allbarmherzigen" Christengott. 1 ) Daß selbst in 
Städten wie Oxyrhynchos, die um 400 voll von Kirchen und Klöstern 
waren, sich doch noch Freunde des Heidentums hielten, die sich in heim- 
lichen Konventikeln zusammenfanden, zeigen uns die %ayavi%ax Gvvx&lnai 
in BGU 936 (123) vom J. 426. 

Über das V. Jahrh. hinaus hat sich das Heidentum unter offizieller 
Duldung auf der Insel Philä erhalten. Hier war es, wie oben S. 68 dar- 
gelegt wurde, eine politische Notwendigkeit, mit Rücksicht auf die Blemyer 
und Nobaden den Kult der wundertätigen Mutter Isis auch weiter zu ge- 
statten. 2 ) Dieser äußere Zwang tritt uns jetzt um so deutlicher entgegen, 
als wir aus Leid. Z (6) gelernt haben, daß zu Zeiten Theodosius' II be- 
reits christliche Kirchen auf Philä neben dem Isistempel bestanden haben. 3 ) 
Erst als unter Justinian Narses die Blemyer zurücktrieb, wurde der Isis- 
kult aufgehoben, die Priester gefangen genommen und die Götterbilder 
nach Byzanz geschickt. 4 ) Zum Glück wurde der schöne Tempel nicht 
zerstört, sondern wurde später durch den Bischof Theodoros 5 ) in eine 
christliche Kirche umgewandelt, worüber uns die Inschrift CIG IV 8646 
berichtet. Zerstört wird er erst jetzt durch die Stauwerke von Assuän. 
Nach der Aufhebung des Isisdienstes ist dann auch zu diesen Barbaren 
das Christentum gekommen. 6 ) Noch immer aber gab es in der Thebais 
unter der griechisch -ägyptischen Bevölkerung einzelne, die dem Heiden- 
tum anhingen. Davon berichtet — aus den 50er Jahren des VI. Jahrh. — 
Cair. Cat. 67004, die oben S. 82 erwähnte Bittschrift der Ratsherrn von 
Omboi. Leider ist der Text als Ganzes noch zu unklar, um hier auf- 
genommen zu werden. Aber es läßt sich erkennen, daß ein dem Heiden- 
tum ergebener Mann 7 ) damals den Versuch machte, den Blemyern. die 
sich gerade dem Christentum zuwendeten 8 ), ihre heidnischen Tempel 



1) Vgl. "Wilcken, Arch. I 404, 1. Etwa in diese Zeit setzt Mommsen, RG V 
585, 2 den auf Hadrians Namen gefälschten Brief in der vit. Saturnini 8. 

2) Vgl. Priscus Panites in FHG IV 100 über den 100jährigen Frieden aus Mar- 
cians Zeit, und Prokop, de bello Pers. I 19. S. dazu "Wilcken, Arch. I 396 ff. 405 f. 

3) Vgl. Wilcken, Arch. I 398 ff. 

4) Prokop, de bello Persico I 19, 37. Vgl. oben S. 69. 

5) Vgl. J. Maspero, Theodore de Philae in Rev. des THist. d. Religions (Annales 
du Musee Guimet) 1909. 

6) Vgl. Krall, Wien. Denk. 46 (Beitr. zur Gesch. der Blemyer u. Nubier). 

7) Z. 7 f. : ovk mxvrjßsv — to (iE(ivr)(iivov £. .| %Qi6ticcviitbv ad'slr^fjcai öißag kccI 
d'gfjGKOs uccl Scci(io6i Kai ^oävoig &cpCsgw6ai 6[rj]xovg. 

8) Nach Krall 1. c. S. 7 waren die Bega, die Nachkommen der Blemyer, noch in 
arabischer Zeit Heiden. Die Nubier dagegen waren Christen geworden. 



D. Die arabische Zeit. 135 

wieder herzustellen, um sie dann zu Raubzügen gegen Omboi zu verleiten. 
Vgl. Z. 9: 6%ävdaXa 7tot,rj6[ccfi£V(i]g ey xca av[xb]v xä I'sqcc xotg ßccoßccQoig 
rjtL (= rjxot) BXs^ivöl diccxuivLöccG&ca f /i£#' o xccijisq ixstvoo xbv atdiov 
sztyivaGxsiv frebv vnsöxQscpovxo xxX. 1 ) Dies ist zurzeit wohl das Spä- 
teste, das wir vom Heidentum in Ägypten erfahren. 



D. DIE AEABISCHE ZEIT. 

Mit der arabischen Herrschaft brach für die monophysitischen Kopten 
eine Zeit der Freiheit an. Was ihnen Byzanz verweigert hatte, gewährte 
ihnen der Khalif, die völlige Glaubensfreiheit. Damit fand auch der vorher 
mit so großer Erbitterung geführte Streit der Monophysiten und der 
Melchiten sein Ende. So hat die christliche Kirche unter der Herrschaft 
des Islam sich ungestört weiter entwickeln können, und sie besteht noch 
heute. Wir besitzen aus dieser Periode zahlreiche griechische Papyri, 
die sich mit christlichen und im besonderen kirchlichen Verhältnissen 
beschäftigen (vgl. namentlich Stud. Pal. III u. VIH; Denk. Wien. Akad. 37), 
doch haben sie unter diesem Gesichtspunkt bisher noch keine Bearbeitung 
gefunden. Auf die Umwandlung des christlichen Eides, in dem nun die 
ÜfiLQäTsg statt der Kaiser eintreten, ist unten zu Nr. 114 hingewiesen. 
Spärlich dagegen sind bisher die griechischen Papyri, die Hinweise auf 
die Religion der Muhammedaner enthalten. Hervorgehoben sei hier die 
griechische Wiedergabe der sogenannten Basmala, des islamischen Glaubens- 
bekenntnisses, die sich in den älteren Zeiten der arabischen Herrschaft 
(seit dem Chalifen Abd-el-Malik, Ende des VH. Jahrh.) auf den von den 
Byzantinern übernommenen sogenannten „Protokollen" 2 ) neben dem Ara- 
bischen findet. Diese griechische Übersetzung lautet: 'Ev övoiiccxt xov 
freov xov iXetffiovog xal (piXav&QaTtov. Ovx %6xiv &ebg ei ^ltj ö ftebg 
(tovog. Maapsx an66xoXog fteov.*) 



1) Vgl. hierzu mein Referat in Arch. V Heft 3. 

2) Vgl. Karabacek, Führ. PR S. 17 ff. 

3) Vgl. C. H. Becker, Das Lateinische in den arabischen Papyrusprotokollen 
(Z. f. Assyr. 22, 166 ff.). Zu der Streitfrage, ob es auch eine lateinische Legende auf 
diesen Protokollen gibt, wie Karabacek jetzt annimmt, vgl. auch Bell, Arch. V 143 ff. 
und Wilcken, Arch. IV 258 f. Da die Basmala nur ein Teil des Stempels ist, durch 
den die Papyrusrollen als amtliches Fabrikat bezeugt wurden, konnte sie ohne Anstoß 
z. B. auch vor dem christlichen Osterbrief stehen, den Schmidt und Schubart soeben 
in den Berl. Klassikertexten VI herausgegeben haben. 



KAPITEL III. 

DIE ERZIEHUNG. 

Für die kulturgeschichtlich so wichtige Frage, in welcher Weise das 
Erziehungswesen in Ägypten geregelt worden ist, sind die Papyri in 
größerem Zusammenhange bisher noch nicht ausgenutzt worden. Die 
folgende Skizze möge zu einer gründlicheren Behandlung anregen. 

§ 1. DER ELEMENT AR-UNTERRICHT. 

Ich gehe kurz über die Frage der Erziehung der ägyptischen Be- 
völkerung hinweg, zu deren Beantwortung in erster Reihe die einheimische 
Tradition herangezogen werden müßte. 1 ) Unter den griechischen Papyri 
interessiert nach dieser Richtung P. Teb. II 291 (137) vom J. 162 n. Chr., 
der uns zeigt, daß die Anwärter auf Priester stellen ein Examen darüber 
ablegten, daß sie die tegarixä xal Älyvnxiu yq&^axa verstünden. Das 
bestätigt den Bericht des Diodor I 81, 1. Der Unterricht wurde nach 
Diodor durch die Priester ihren Söhnen gegeben — wohl eher in Tempel- 
schulen, wie in alten Zeiten, als privatim. Für die Laien wird es öffent- 
liche Elementarschulen kaum gegeben haben. In den besser situierten 
Kreisen wurden Hauslehrer gehalten, wofür P. Lond. I S. 48 (136) ein Bei- 
spiel für die ptolemäische Zeit gibt. 

Auch der griechische Elementarunterricht wird in Privat- 
schulen oder von Hauslehrern erteilt worden sein, wenigstens liegen Zeug- 
nisse für öffentliche Elementarschulen m. W. nicht vor. 2 ) Eine Privat- 
schule ist z. B. jenes diduöxalslov des Tothes, das in den Papieren der 
dCdvficci des Sarapeums (IL Jahrh. vor Chr.) eine Rolle spielt. 3 ) Privat- 



1) Für die Pharaonenzeit vgl. Ad. Erman, Ägypten und ägypt. Leben I 444 ff. 
Über ägyptische Schulbücher vgl. Krall, Mitt. P. Rain. IV 126 ff. 

2) Üher die Besonderheiten der Prinzenerziehung, auf die Autoren und Inschriften 
gelegentlich hinweisen, haben die Papyri noch nichts gebracht. Zur Sache vgl. Lum- 
broso, Recherches 207 ff.; Beloch, Griech. Gesch. LH (1) 389; Dittenberger , Or. Gr. 
I 247 (ßvvTQoyog), auch 148 und 256 (TQoysvg). Zu letzterem Perdrizet, Ann d. Serv. 
d. Ant. 1908, 243 ff. 

3) Hierüber demnächst in meinen „Urkunden der Ptolemäerzeit". 



§ 1. Der Elementar-Unterricht. 137 

lehrer setzt auch der Brief Oxy. VI 930 (138) voraus. 1 ) Alexandrinische 
didaöxaXalu erwähnt Oxy. III 471, 113. 

Über die Lehrmethode im Elementarunterricht werden wir durch die 
zahlreichen Schulbücher aufgeklärt, die uns teils auf Papyrus, teils auf 
Holztafeln (vielfach Wachstafeln), teils auf Ostraka erhalten sind. 2 ) Der 
Unterricht begann mit dem Erlernen der Unziale, wobei in methodischer 
Weise von den einzelnen Buchstaben zu Buchstabenkombinationen und 
schließlich zu Niederschriften von Texten nach Diktat oder Vorlage vor- 
gaschritten wurde. Als Texte wurden außer den Klassikern gern — ganz 
wie bei den alten Ägyptern (vgl. Erman 1. c.) — auch moralische Gnomen 
genommen (vgl. Crusius 1. c). Vgl. auch die soeben von Zereteli 1. c. 
edierten Proben. Nach der Unziale wurde auch die Kursive geübt, doch 
zeigen uns unsere Urkunden, im besonderen manche autographe Sub- 
skriptionen, daß viele über die Unziale nicht hinausgekommen sind. Auf 
die reinen Schreib- und Leseübungen folgten dann auch grammatische und 
stilistische Übungen. — In ähnlich methodischer Weise wurde auch die 
Tachygraphie dem, der sie erlernen wollte, von Privatlehrern beigebracht. 
Vgl. C. Wessely, Denkschr. Wien. Akad. 44 (1895). Einen Lehrvertrag 
mit einem Tachygraphielehrer (örjiiBioyQcccpog) enthält Oxy. IV 724 (140). 

Da der Schulbesuch, der übrigens beiden Geschlechtern offenstand, 
nicht obligatorisch war 3 ), so begegnen in den Urkunden massenhaft 
Analphabeten, für die mit der bekannten Stellvertreterklausel (syQai^u 
i)7tsQ avtov yQcc^ara [ir} sldöros o. ä.) andere schreiben. Es sollte einmal 
aus unserm reichen Material nach Zeitabschnitten das Verhältnis der An- 
alphabeten zu den Schreibkundigen untersucht werden, im besonderen, bis 
in welche Kreise hinauf Analphabeten vorkommen. 4 ) 

1) In nicht ungünstiger Stellung muß der ygamiarodidäexccXos IlsTsvscpmTrig ge- 
wesen sein, der im Jahre 108 n. Chr. der Leto eine Mauer ix zov ld<ov baute : Milne, 
Greek inscript. (Cat. Gen. von Cairo) S. 30/1. — Zwei alexandrinische Vollbürger, die 
die yQd^ara als ihren Beruf {x£%vt\) bezeichnen, in Teb. II 316, 16 (148). 

2) Die wichtigsten Publikationen sind: C. Wessely, Stud. Pal. I p. XLII sqq. — 
Jouguet-Lefebvre, Bull. Corr. Hell. 28 (1904), 201 ff. — O. Crusius, Philolog. 64 
(1905), 142 ff. — Jouguet et Perdrizet, Le papyrus Bouriant n. 1 (Stud. Pal. 
I Heft 5). — E. J. Goodspeed, Mel. Nicole S. 182 n. 7 und 8. — J. G. Milne, Jour. 
Hell. Stud. 28 (1908), 121 ff. — F. G. Kenyon, Jour. Hell. Stud. 29 (1909), 29 ff. — 
G. Zereteli, Melanges Chatelain (1910). Eine hübsche Auswahl bietet jetzt Zie- 
barth, Aus der antiken Schule (Lietzmanns Kleine Texte 1910). — Vgl außerdem 
hierzu E. Ziebarth, Aus dem griechischen Schulwesen (1909) S. 105ff. P. E. Sonnen- 
burg, Aus dem antiken Schulleben. Das humanist. Gymnasium 1909 V S. 197 ff. 
Brinkmann, Rh. Mus. 65 (1910) 149 ff. 

3) Über Schulzwang anderwärts vgl. E. Ziebarth, Aus dem griech. Schulwesen 
1909 S. 34 ff. 

4) Voraussetzung für das Gelingen einer solchen Untersuchung wäre allerdings, 
daß in den Editionen die Verschiedenheit der Hände genauer, als es bisher vielfach 
geschehen ist, festgestellt würde. 



138 Kapitel III. Die Erziehung. 

Als nach Diokletian das Latein eine größere Rolle zu spielen anfing 
(s. oben S. 85), mußte auch zum Erlernen dieser Sprache Gelegenheit 
gegeben werden. Uns sind noch einige Proben von Schülerarbeiten er- 
halten, in denen griechischen Wörtern die entsprechenden lateinischen 
Vokabeln (in griechischen Buchstaben geschrieben) gegenübergestellt sind. 
Vgl. P. Par. 4 bis (Taf. 18); Lond. II S. 322 f. Vgl. auch die lateinischen Babrius- 
übersetzungen in Amh. II 26. Über ein merkwürdiges „lateinisch-griechisch- 
koptisches Gesprächsbuch" aus dem V. Jahrh., das kürzlich vom Berliner 
Museum erworben wurde, berichtet W. Schubart in den „Amtlichen Be- 
richten aus den kgl. Kunstsammlungen" XXXI (1909) S. 47 ff. 

§ 2. DIE GYMNASIALE AUSBILDUNG. 

Die Hauptpflegestätte der Jugenderziehung war wie außerhalb in der 
Griechenwelt so auch für die ägyptischen Griechen das Gymnasium. Ein- 
zelne Gymnasien lassen sich durch das ganze Land verstreut nachweisen, 
bis hin zum fernen Elephantine am Katarrakt. 1 ) Durch die Weißbrodt- 
sche Inschrift (Arch. V Heft 3) erfahren wir, daß sich im II. Jahrh. v. Chr. 
in Omboi (wenig nördlich von Elephantine) ein Gymnasium befand, das 
— vielleicht schon im III. Jahrh. v. Chr. — von einem itQ&tog (pCXog ge- 
stiftet war. Wir dürfen wohl mit Sicherheit annehmen, daß jede Stadt, 
nicht nur die Griechenstädte, sondern auch die Metropolen der Gaue, 
ihr eigenes Gymnasium besessen hat. 2 ) Wie auswärts wird auch 
hier neben der gymnastischen Ausbildung der höhere geistige Unter- 
richt (in Musik, Rhetorik und dgl.) gepflegt sein. Für letzteres liegen 
bis jetzt keine direkten Belege vor, was ein Zufall sein kann, der bei der 
Geringfügigkeit der bisherigen Nachrichten über das ägyptische Gym- 
nasium nicht verwunderlich wäre. So ist es nur die körperliche Aus- 
bildung, die uns bis jetzt für die Gymnasien hier bezeugt wird. Mit 
Recht haben Herodot (II 91) und Diodor (I 81, 7) hervorgehoben, daß 
die griechische Gymnastik den Ägyptern (wie überhaupt den Orientalen) 
fremd war. Wenn auch gelegentlich in der Pharaonenzeit gymnastische 
Spiele bezeugt werden 3 ), so ist doch die zielbewußte sportliche Ausbildung 
und die Hochschätzung des agonistischen Sieges einer der markantesten 
Züge der griechischen Kultur im Gegensatz zur orientalischen. Die neue 
Zeit, die Alexander der Große für Ägypten inaugurierte, wurde vielleicht 
durch nichts so sinnfällig gekennzeichnet, wie durch den gymnischen und 



1) Vgl. Par. 69 (41) aus dem III. Jahrh. n. Chr. 

2) Vgl. den Ausdruck xov (isyäXov yv^vaßiov in BGU III 760 (150), der es wahr- 
scheinlich macht, daß es in Arsinoe mindestens noch ein anderes Gymnasium gegeben 
hat (wie in Milet). 

3) Vgl. A. Erman, Ägypten u. äg. Leben I 335. Wiedemann, Herodots zweites 
Buch S. 370. 



§ 2. Die gymnasiale Ausbildung. 139 

musischen Agon, den er in Memphis nach dem Apisopfer aufführen ließ. 1 ) 
Auch dies kann man als eine symbolische Handlung auffassen — wie 
den Brand von Persepolis. So sind die durch das ganze Land verteilten 
Gymnasien mit ihrem geistigen und körperlichen Unterricht die Brenn- 
punkte des Hellenismus geworden. 

Mit dem Gymnasium ist auch das Institut der Ephebie nach Ägypten 
gekommen. 2 ) Während dieses für die Ptolemäerzeit durch einige Inschriften 
kürzlich beleuchtet worden ist 3 ), verdanken wir genauere Nachrichten über 
die Kaiserzeit den Papyri. Aber auch sie lassen uns noch über viele 
Fragen im Dunkeln. 

Aus der Ptolemäerzeit haben wir zwei Dedikationsinschriffcen von 
Vereinen früherer Epheben, die uns eine Gliederung der Jahrgänge in 
ccigeöeig zeigen und zugleich beweisen, daß diese Vereine über Vermögen 
verfügten. 4 ) Daß die Weihungen dieser Vereine dem Gaugott 2ov%og 
&ebg pey ag peyccg gelten, gibt zu denken. Andere Inschriften nennen 
övvs(prjßot. b ) An der Spitze der Gymnasien und damit auch der Epheben 
standen die yvfiva6CaQ%0L, die in ptolemäischen Inschriften und Papyri 
genannt werden, doch nur selten, und dann meist als Inhaber hoher staat- 
licher Funktionen 6 ), ohne Beziehung zu ihrer gymnasialen Stellung. Ein 
Hinweis auf ihre Tätigkeit im Gymnasium findet sich inschriftlich in einer 
Weihung des yv^,\ya6iaQ%og] xal oC ex to£> yv^va\ßiov].' 1 ) Daß mit ot 
ex xov yv[iva6iov die Genossenschaft der zurzeit dem Gymnasium An- 
gehörenden gemeint ist, zeigt die Weißbrodtsche Inschrift, nach der sie 
unter diesem Titel mit dem König selbständig korrespondierten. 8 ) Daß 
die Gymnasiarchie damals ein Jahresamt war, darf aus der Inschrift bei 
Rubensohn, Arch. V 161 n. 7 gefolgert werden. 9 ) Aber der eigentliche 
Leiter der Epheben war, ebenso wie in Athen, der xoö fit] t^'g 10 ), der erst 

1) Axrian, Anabasis HE 1,4. 

2) Vgl. jetzt P. Jouguet, Rev. de Philolog. 34 (1910) S. 43 ff., dessen Arbeit mir 
erst nach dem Entwurf dieses Kapitels zuging. Ich freue mich, in den Hauptpunkten 
mit ihm übereinzustimmen. 

3) Die Existenz der Ephebie war schon zu entnehmen Dio Cass. 51, 6, 1, wo- 
nach Antonius und Kleopatra ihre Söhne ig itpr\ßovg ißeyQccipccv. 

4) Dittenberger, Or. Gr. 1 176 (141) und 178 (142). Zu uiqbgi? vgl. Poland, Griech. 
VereinsweseD S. 154, der einen cäQs6iäQ%7\g einer Ärztevereinigung aus Rom zitiert. 
Vgl. auch Archiv II 553, n. 35 (Karnak), wo i[(p7}ßevx6]Teg nur ergänzt ist, aber wegen 
'Epfi^t 'HQalxXei] mit "Wahrscheinlichkeit. 

6) Vgl. Dittenberger, Or. Gr. I 188, 189. Strack, Archiv II 560 n. 4. 

6) Vgl. Fr. Preisigke, Stadt. Beamtenwesen S. 53 ff, der am gründlichsten über 
die Gymnasiarchie gehandelt hat. 

7) Vgl. Strack, Arch. II 548 n. 26. Vgl. dazu die Weihung aus Kition (Cypern) 
bei Strack, Dyn. der Ptol. S. 234 n. 46 (ol &itb yv(ivccato[v]). 

8) Vgl. zu dem Ausdruck Ziebarth, Aus dem griech. Schulwesen S. 76. 

9) yviivcc6iaQ%rJ6ag rö x$- (hog). Stiftung einer Sonnenuhr, wohl für ein Gym- 
nasium, aus dem II. /I. Jahrh. v. Chr. 

10) Zu dieser Deutung des Kosmeten vgl. Wilcken, Arch. V 237. 



14:0 Kapitel III. Die Erziehung. 

kürzlich durch eine Inschrift auch für die Ptolemäerzeit belegt worden 
ist (Zeit des Ptolemaios X Soter II, aus dem Faijüm). 1 ; Der Dedikant 
heißt hier: 243to]kA(ov[i]og l4QT£fi[iöägo]v [6 6v~\yysvrjs xal xoöfirjtrjs [xal 
y]vnva6CaQ%og. Da es unwahrscheinlich ist, daß jemand zugleich Kosmet 
und Gymnasiarch ist, wird man wie auch in anderen ptolemäischen Texten 
hier einen cursus honorum zu erkennen haben, in dem der xotf/iTjTrjs 
wahrscheinlich dem yv^ivaöiaQxog zeitlich vorangeht. 

Ob die Ephebie in der Ptolemäerzeit, wie ursprünglich in Athen und 
auch außerhalb, zur Vorbereitung für den militärischen Dienst eingeführt 
worden ist, läßt sich aus dem bisherigen Material schwer beantworten. 
Ob die Gymnasien überhaupt staatliche Institute gewesen sind, ist sehr 
zu bezweifeln. Das einzige, von dem wir aus der Ptolemäerzeit Genaueres 
hören, das von Omboi, ist durch private Stiftung entstanden. Im II. Jahrh. 
v. Chr. kommen einmal ol ix tou örjpziov veavCöxoi vor, die einem mili- 
rischen Verbände angehören. 2 ) Da andererseits veuvCöxoi auch zu den 
ix xov yv^ivaöLov in Omboi gehören, wie auch außerhalb Ägyptens die 
v£CiVL6xot, eine besondere Gruppe im Gymnasium bilden (vgl. Ziebarth 
1. c. 76), so scheint hier eine Verbindung zwischen Gymnasium und Armee 
vorzuliegen 3 ). Vor allem dürfte feststehen, daß normalerweise nur die"El- 
A^vfg, als die, denen das Gymnasium offenstand, zum Heeresdienst als 
qualifiziert galten, nicht die kopfsteuerpflichtigen Ägypter. Also faktisch 
haben die Gymnasien als Vorbereitungsstätte für die Armee gedient. Vgl. 
Wilamowitz, GGA 1900, 54 ff. 

Ein reicheres Material liegt für die Kaiserzeit vor. Für die Orga- 
nisation der Ephebie sind vor allem wichtig ein Auszug aus der ygacpi] 
TiecCöcov (Flor. 57 [143]), Anmeldungen zur Ephebie (Oxy. III 477 [144], 
Flor. 79 [145], vgl. auch Oxy. II 257 [147], BGU IV 1084 [146]) und die 
Ephebeneide (Teb. II 316 [148]). Wie in Athen der ursprüngliche Zwang 
zum Ephebendienst, der bei Organisation dieses Instituts nach der 
Schlacht bei Chaironea einst eingeführt war 4 ), schon in der nächsten Gene- 
ration aufgegeben war ), so ist selbstverständlich auch hier von Zwang 
keine Rede. Dagegen ist der bei jener Begründung aufgestellte Grund- 
satz, daß freie und legitime Geburt der Knaben Voraussetzung für die 
Aufnahme ist, auch jetzt noch in Kraft. Außerdem scheint hier Vor- 
bedingung zu sein, daß auch der Vater einst Ephebe gewesen ist. Ob 



1) Lefebvre, Aimales du Service d. Antiq. 1908, S. 239 f. 

2) P. Amh. II 39 -f Grenf. I 30. Vgl. Witkowski Ep. priv. Nr. 48. Dazu Ziebarth, 
Aus dem griech. Schulwesen S. 76. 

3) Vgl. auch die politische Rolle als Friedensunterhändler, die nach 11, 50 die 
vtu.vL6v.oi von Krokodilopolis in Kriegszeiten spielten. 

4) Dies Datum verdanken wir Wilamowitz, Aristoteles und Athen I 194. 

5) Vgl. Thalheim, Pauly -Wissowa V 2738. 



§ 2. Die gymnasiale Ausbildung. 141 

freilich wirklich jede Erweiterung des bestehenden Kreises von Familien 
ganz ausgeschlossen war, ist eine Frage, zu deren Beantwortung besser 
weiteres Material abgewartet wird. 1 ) Über die sonstigen Kautelen, die 
bei der Meldung zum Epheben verlangt wurden, orientiert am besten 
Flor. 57 (143). 

Schwierig ist zurzeit auch die Frage, welches Alter zum Eintritt in 
die Ephebie berechtigte. Der Ausdruck cog &qclv iyovta in Flor. 79 erweckt 
die Vorstellung, daß es eine bestimmte Altersgrenze gegeben habe. In der 
Tat läßt sich auch in mehreren Fällen übereinstimmend zeigen, daß der 
Eintritt in die Ephebenschaft in demselben Jahre erfolgte, nämlich dem 
vierzehnten. In Flor. 57, 18 (143) ist Heron 14 Jahre 17 Tage alt, als 
er zur Aufnahme unter die Epheben in die Akten genommen wird. Nach 
BGU 1084 (146) ist ein Theon, der im J. 136 1 Jahr alt gewesen, also 135 
geboren war, im Jahre 149 unter die Epheben aufgenommen: das letztere 
Datum (9. September 149) ist sein %Qovog ecprjßsCag. Er war damals also 
14 Jahre alt. Damit ist vereinbar, daß in Oxy. II 257 (147) ein jetzt 
13jähriger für die bevorstehende Prüfung tcöv TtQoößccivövtav sig rovg 
aiib yvfivaöCov angemeldet wird. Mit diesem Ergebnis stimmt nun aber 
schlecht, daß nach Teb. II 316 (148) auch schon 2- und 6jährige (resp. 
3- und 7jährige) als ecprjßevxöreg bezeichnet werden. An einen wirklichen 
Dienst kann in diesen Jahren natürlich nicht gedacht werden. Man könnte 
höchstens eine vorläufige Anmeldung durch die Eltern oder Einschreibung 
durch die Behörden denken. Aber wie man sie dann als icprjßsvxötsg be- 
zeichnen konnte, ist noch eine ungelöste Schwierigkeit. Nur so viel sieht 
man auf alle Fälle hieraus, daß die Wendung icprjßsvxötsg tö x. srog nicht 
heißen kann „die das x-te Jahr hindurch Epheben gewesen sind", sondern 
„die es in diesem Jahre geworden sind". Statt des allerdings üblicheren 
tö srog begegnet auch tä x. sxsi (vgl. 145) und auch sv tcö x. erst,, wenn die 
Inschrift bei Strack, Arch. II 553 richtig ergänzt ist. Der natürlichen 
Annahme, daß damit das Jahr bezeichnet ist, in dem der praktische Dienst 
als Ephebe begonnen hat, steht, wie gesagt, Teb. 316 gegenüber, ein Di- 
lemma, aus dem auch Jouguet, der 1. c. diese Fragen gründlich untersucht 
und geklärt hat, keinen Ausweg gefunden hat. Trotzdem dürfen wir es 
zurzeit mit Jouguet als wahrscheinlich bezeichnen, daß das 14. Jahr nor- 
malerweise das Jahr des Eintritts in die Ephebie war. Der junge Hellene 
trat also in demselben Jahre in das Gymnasium ein, in dem der Ägypter 
und die ihm Gleichstehenden kopfsteuerpflichtig wurden. Jenen öffnete 
sich damit die Möglichkeit der Teilnahme am politischen Leben, zum 



1) Es scheint, daß der alexandrische Jude in BGU IV 1140 (58) sich oder 
seinem Vater gymnasiale Bildung zuschreibt. Aber der Text ist noch nicht ver- 
ständlich. 



142 Kapitel III. Die Erziehung. 

mindesten in ihrer Kommune, dieser lernte den Druck eines Staates er- 
tragen, für den er nur ein dediticius war. 

Offen ist auch noch die Frage, wie lange der Ephebendienst für den 
Einzelnen gedauert hat. Aus dem oben angeführten Grunde ist ecprjßsvxcog 
tö x. sxog nicht ein Zeugnis für einjährigen Dienst. In Teb. II 316 (148) hat 
ein iyrjßsvxcog von 19 Jahren schon einen festen Beruf, gehört also sicher 
nur noch zu den einstigen Epheben. Ob der Dienst aber '2 oder 3 Jahre 
dauerte, wissen wir nicht. 

Strittig ist die Frage, wer die sl'GxQtßig, die Aufnahme des Epheben, 
vollzogen hat. Jouguet (1. c. S. 52) vertritt die Ansicht, daß es der Exeget 
getan habe, und stützt sie namentlich auf die Eingabe Oxy. 477 (144), die 
an den Exegeten (als Vorsitzenden der Prytanen) von Alexandrien ge- 
richtet; ist. Aber dieser Text beweist nicht, daß der Exeget auch die 
slöxQiöig vollzogen hat. Es handelt sich hier nur um die ersten vor- 
bereitenden Schritte seitens des Vaters, der zuerst nur durch den Exegeten 
in amtlichen Kontakt mit den hierfür kompetenten Lokalbehörden kommen 
will (vgl. Kommentar). Ich gehe vielmehr aus von Flor. 57 (143), wo es 
klipp und klar gesagt ist, daß die si6xqi6ig durch den Präfekten vollzogen 
werden soll (Z. 73 f.). Wir kommen erst zur Klarheit, wenn wir scharf 
trennen zwischen der aiöxQLöig, der Aufnahme, die der Präfekt vollzieht, 
und der inixQiöig, die nach Flor. 57, 74 der Exeget von Alexandrien voll- 
zieht. So klärt sich, weshalb in Oxy. 477 der Vater, wenn er auch die 
slöxQLöLg als Endziel bezeichnet, sich doch zunächst (für die bevorstehende 
s7tC%Qi6ig) an den Exegeten wendet. In beiden Texten stehen übrigens 
alexandrinische Bürger, die in der %coQa wohnen, in Frage. Wie die Nicht- 
alexandriner der %G>Qa behandelt wurden, darüber fehlt es noch an hin- 
reichendem Material. In Flor. 79 (145) ist der Titel in Z. 1 leider unsicher 
überliefert. Man kann zwischen dem Strategen und dem Exegeten des 
Hermopolites schwanken. Jedenfalls ist diese Eingabe an einen Gau- 
beamten gerichtet. Aber sie bezeichnet nicht notwendig dasselbe Stadium 
des Vorgehens wie Oxy. 477. Auch der Alexandriner in diesem letzteren 
Text will nachher mit den .Lokalbeamten verhandeln. So findet denn die 
Frage, ob auch die Metropoliten vom Präfekten in die Epheben auf- 
genommen wurden, bisher noch keine urkundliche Beantwortung. 

Was die Organisation der Epheben betrifft, so scheinen die ptole- 
mäischen aigsösig verschwunden zu sein. Es begegnet jetzt eine Gliede- 
rung in öviiiioqCcci, die numeriert und nach ihrem Obmann (6v[i[io()icc()x r ls) 
benannt werden (Teb. II 316 [148]). Vielleicht eine Unterabteilung ist 
das nläyiov in BGU 1084 (146). *) 



1) Ähnlich sind die 6v6XQi{m.ata. (Rotten, schon bei Polybius) als Abteilungen 
der Epheben in Athen erst seit Hadrian nachweisbar. 



§ 2. Die gymnasiale Ausbildung. 143 

Die alten Jahrgärige von Epheben bildeten auch jetzt wie in der 
Ptolemäerzeit Vereine, die eventuell Weihungen darbrachten. 1 ) Wie eng 
die früheren Epheben nach Beendigung der Ephebenzeit mit ihren Sym- 
morien in Zusammenhang blieben, zeigen die Ephebeneide (Teb. 316 

ru8j). 

Als Vorsteher der Epheben finden wir auch in der Kaiserzeit die 
Gymnasiarchen und Kosmeten, die beide jetzt zu den regelmäßigen 
städtischen Beamten der Metropolen gehören. 2 ) Damit steht für diese 
Zeit jedenfalls fest, daß die Gymnasien städtisch, nicht staatlich waren — 
was wir auch für die Ptolemäerzeit als wahrscheinlich annahmen. Beide 
Amter sind jetzt Liturgien, die nur die Reichen bekleiden können. 3 ) 
Unter Trajan befahl der Präfekt Rutilius Lupus, daß die Unkosten der 
Gymnasiarchie verringert würden (Amh. 70 [149]). Daß auch die Kosmetie 
unter Umständen bankerott machen konnte, zeigt CPR 20. Während in 
den ersten beiden Jahrhunderten gelegentlich monatlicher Wechsel in der 
Amtsführung zwischen zwei Gymnasiarchen nachweisbar ist 4 ), finden wir 
im III. Jahrh. (in Hermopolis) den Wechsel von mehreren Gymnasiarchen 
innerhalb eines Monats. Vgl. die Berichte der ilcaoxvtca an die ßovXrj 
in CPHerm. 57—65 (vgl. 151). In CPHerm. 53, 14 (39) wird von den 
jedem Gymnasiarchen zufallenden 3 Tagen gesprochen. Von der Geschäfts- 
führung der Gymnasiarchen handeln ferner z. B. BGU III 760 (150) und 
Lond. III S. 104/5. Die Ehrung eines Gymnasiarchen ist Gegenstand von 
Oxy. III 473 (33). 

Die Nachrichten über die Tätigkeit der Epheben sind, wie oben be- 
merkt, sehr dürftig und ganz einseitig. Wir erfahren nur von der gym- 
nastischen Ausbildung und im besonderen von ihren Wettkämpfen. 5 ) 
Eine Stiftung von Siegespreisen für Epheben bietet Oxy. IV 705 (153). 6 ) 
Einen Befehl des Logisten an die Epheben vom Jahre 324 zum Wett- 
kampf enthält Oxy. I 42 (154). 



1) Vgl. Dittenberger, Or. Gr. II 668. Unklar bleibt leider die Erwähnung 
der icpTißsvxörsg in Oxy. IV- 711. 

2) Vgl. Fr. Preisigke, Stadt. Beamt. S. 54 ff. Zum Rangverhältnis der beiden 
vgl. Amh. 124 (152). 

3) Als munus patrimonii konnten es auch Unmündige bekleiden. Vgl Preisigke, 
Stadt. Beamt. 58 f. Dagegen ist die Annabme , daß in Amh. 64 , 6 yv[Lva6iccQ%ig die 
Gymnasiarchin bezeichne, mit Recht von Braunstein, Die politische Tätigkeit der 
antiken Frau (Leipz. Diss.), bestritten worden, der vielmehr a.^%r\ hinzudenkt. 

4) Vgl. BGU ni 760 (150), Lond. III S. 181, 17. 

5) Ein Isgovixrig ccnb icprjßslccg in BGU IV 1093. 

6) Ich zweifle jetzt, ob der Titel inl xäv ötsu^cctcov , den ein Gymnasiarch in 
Antinoopolis führt, einen Hinweis darauf enthält, daß dieser Beamte die Siegeskränze 
zu verteilen hatte. Vgl. CIG III 4705 = Inscr. Gr. ad res Rom. pertin. I n. 1143. 
Letztere heißen auch hier ötitpavot,. Vgl. Lond. III S. 166, 21. Ist an ßriiifiaza ge- 
nannte Abteilungen der Epheben zu denken, wie sie Poland, Gesch. Gr.Vereinsw. 155 
aus Ikonion erwähnt? 



144 Kapitel III. Die Erziehung. 

Durch die gymnasiale Bildung erhob sich der Grieche nicht nur 
kulturell über den Orientalen, sondern sie galt auch als Vorbedingung 
für die Beteiligung am politischen Leben der Kommune. Uns begegnet 
in der Kaiserzeit als ein fester terminus technicus ol ccjio yv^ivadiov. Mit 
Recht hat Wilamowitz (GGA 1900, 55) die von Grenfell-Hunt aus Oxy. 

II 257 (147) gezogene Bedeutung als descended from gymnasiarchs ab- 
gelehnt. Er bezeichnet aber nicht nur die jungen Leute, die „dem Gym- 
nasium angehören oder anzugehören berechtigt sind'' (1. c), sondern auch 
die Älteren, die das Gymnasium in der Jugend besucht haben (vgl. 
Amh. 75). Ja, er ist zu einer Klassenbezeichnung geworden, durch die 
alle diejenigen, die die gymnasiale Bildung haben, mit samt ihrer Familie 
zusammengefaßt werden, so daß, wie in Amh. 75, auch Frauen als anb 
yv^ivaöCov bezeichnet werden können. Diese „oC cmo yvpvccöiov" waren 
die Honoratioren der Städte, aus deren Reihen die städtischen Beamten 
hervorgingen. Vgl. Preisigke, Stadt. Beamt. S. 7 ; Ziebarth, Aus d. griech. 
Schulwesen S. 140 f.; Jouguet 1. c. 46 f. 

Im Anschluß an das Gymnasium sei auf einige Urkunden hingewiesen 
durch die uns das Treiben der berufsmäßigen Allerweltsathleten im IL 
und III. Jahrh. veranschaulicht wird. So vor allem das Boxerdiplom Lond. 

III S. 215 ff. (156) und die verwandten Akten BGU IV 1073 und 1074. x ) 
Wie die städtischen Kassen durch die an die Wettsieger gezahlten Pen- 
sionen belastet wurden, zeigen die Anträge der Athleten in CPHerm 54 
bis 56, 69, 70, 113 sowie die entsprechenden Zahlungsanweisungen des 
Rates in CPHerm. 78 und 94. 2 ) Vgl. 157. Von Kleiderlieferungen der 
Stadt Hermopolis für den ludus monomachorum von Alexandrien handelt 
Lips. 57 (a. 261). Vgl. Arch. III 566. Ein Reskript des Kaisers Gallienus, 
in dem er dem Angehörigen einer berühmten Athletenfamilie Immunitäten 
erteilt, steht in" CPHerm 119 Verso (158). Vgl. dagegen das einschrän- 
kende Edikt des Diokletian und Genossen in P. Lips. 44. 

Die letzte Erwähnung der Epheben ist zurzeit die in jenem Tages- 
befehl des Logisten vom J. 324. 3 ) Auch die Gymnasiarchen haben dies 
IV. Jahrh. nicht überlebt (Preisigke 1. c. 67). Die Pferdewettrennen, die 
für Byzanz charakteristisch sind und auch in Alexandrien und Ägypten 
weite Verbreitung fanden 4 ), scheinen sich mit dem Christentum besser 



1) Wilcken- Viereck, Arch. IV 563 f. Viereck, Klio 8, 413 ff. Vgl. auch die nav- 
Y.Quria6Tcd in Oxy. VII 1050. 

2) Vgl. hierzu mein Referat Arch. III 540 ff. 

3) Ungefähr zu der Zeit, wo jener Logist den Befehl an die Epheben gab, trat 
•der heilige Pachomius auf, der seinen Mönchen das Salben und Baden des ganzen 
Körpers verbot! Vgl. Gibbon VI c. 37. Das war direkt gegen das griechische Gym- 
nasium gerichtet. 

4) Oxy. I 145, Lond. III S. 27Y, 18. Vgl. M. Geizer, Studien S. 18 f. Vgl. auch 
Oxy. I 152. VI 922. 



§ 2. Die gymnasiale Ausbildung. 145 

vertragen zu haben als die Wettkämpfe der nackten Ephebenleiber. 
Theodosms' Aufhebung der Olympischen Spiele (394) trennt zwei ver- 
schiedene Welten. 

Mit den Gymnasien schwindet die für die Hellenen bis dahin charak- 
teristische Erziehung. Es fällt damit zugleich eine starke Schutzwehr 
gegen die immer stärker werdende Orientalisierung. Sie werden selbst 
mehr und mehr zu ßaQßaQOi in Rasse und Kultur. Das zeigen uns auch 
unsere Urkunden. Denn wenn diese auch, wie bemerkt, uns keine direkten 
Nachrichten über den geistigen Unterricht der Gymnasien bieten, so sind 
sie alle insgesamt betrachtet doch ein unschätzbares Material, um das Er- 
gebnis jenes Unterrichtes, die gymnasiale Bildung wie auch die Bildung der 
anderen Klassen zu studieren. In den Wandlungen des Stiles tritt uns 
die innere Umwandlung der Zeiten deutlich entgegen. Die Gesamtheit 
der Urkunden, neben unsern sonstigen Hilfsmitteln, für eine Geschichte 
der Bildung in Ägypten, der allgemeinen Volksbildung wie auch der ge- 
lehrten Berufe 1 ), von Alexander dem Großen bis in die arabische Zeit hin 
zu verarbeiten, ist eine große und lohnende Aufgabe, wobei wir nur zu 
bedauern haben, daß sich die Urkunden fast ganz auf die %aQ(x be- 
schränken. Über die Großtaten der Ptolemäer für die Hebung der Wissen- 
schaften, über die Gründung des Museums und der Bibliotheken von 
Alexandrien haben sie uns bisher nichts Neues gelehrt. Neben den Ur- 
kunden werden aber die literarischen Papyri, die durch ganz Ägypten 
hin bis in die kleinsten Dörfer gefunden werden, eine wichtige Quelle 
für jenes Problem sein, insofern sich in diesen Funden der Geschmack 
der Zeiten und die Ausbreitung der griechischen Bildung wiederspiegelt, 
abgesehen davon, daß gelegentlich auch dichterische Provinzialprodukte 
uns darunter bekannt wurden, wie z. B. die panegyrischen Gedichte in 
den Berliner Klassikertexten V S. 107 ff. und die Reimereien in den Aphro- 
ditopapyri (Cat. Cairo). Daß so viele literarische Funde bis tief ins Land 
hinein gemacht werden konnten 2 ), verdanken wir sicher in erster Reihe 
der Wirkung des griechischen Gymnasiums. 



1) Unter diesen Berufen sind es namentlich die Juristen (als Anwälte, Qt]togsg, 
oder Rechtsgelehrte, vo^itioi) und die Ärzte, deren Treiben die Papyri illustrieren. 
Für jene verweise ich auf Bd. II, für diese sind die Papyrusnachrichten kürzlich von 
Sudhoff, Ärztliches aus griechischen Papyrusurkunden (1909) sorgfältig zusammen- 
gestellt und beleuchtet worden. 

2) Als Beispiel einer literarischen Bibliothek gebe ich hier den Text des so- 
genannten Zündeischen Katalogs (155). 



KAPITEL IV. 

DIE FINANZ-RESSORTS. IHRE ORGANE UND 

KASSEN. 

I. DIE STAATLICHE VERWALTUNG. 
Ä. DIE PTOLEMlEKZEIT. 

Gr. Lumbroso, Recherche's sur Feconomie polit. de FEgypte sous les Lagides. 
1870. 339 ff. — Robiou, Memoire sur Feconomie politique, Fadministration etc. de 
FEgypte au temps des Lagides. 1885. — Wilcken, Griechische Ostraka I 492 ff. — 
J. Beloch, Griechische Geschichte III 333 ff. 394. — P. M. Meyer, JioUriaig und l'äiog 
Xoyosy Festschr. f. 0. Hirschfeld 1903, 131 ff. Archiv III 86 f. — H. Maspero, Les 
finances de FEgypte sous les Lagides. 1905. — Bouche-Leclercq, Histoire des La- 
gides III, 381 ff. — Fr. Preisigke, Girowesen im griechischen Ägypten. 1910. 

§ 1. DIE RESSORTS. 

A priori ist mit der Möglichkeit, ja der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, 
daß die Finanzverwaltung der pharaonischen Zeiten, im besonderen viel- 
leicht die der unmittelbar vorhergehenden Perserzeit, auf die Gestaltung 
der ptolemäischen Finanz Verwaltung von Einfluß gewesen ist. 1 ) Doch ist 
das Finanzwesen der früheren Zeiten noch zu wenig erforscht, um sichere 
Rückschlüsse nach dieser Richtung zu gestatten. Die Sonderung des 
Griechischen und des Ägyptischen in der Verwaltung ist noch ein Haupt- 
problem. 

Die altägyptische Naturalwirtschaft war schon in der Perserzeit durch 
die persische Reichsmünze und das Tributsystem des Darius eingeschränkt 
wordeu. Unter den Ptolemäern, die dem Lande zum ersten Mal eine 
eigene Münze gegeben haben 2 ), hat die Geldwirtschaft immer weitere 
Fortschritte gemacht. 8 ) Einnahmen und Ausgaben des Staates bestanden 
teils in Geld, teils in Naturalien. Gleichwohl standen die höchsten 
Finanzämter über beiden Ressorts, und erst bei den niedrigeren Amtern 
fand die Spezialisierung für Geld oder Naturalien statt. 



1) Dies wird stark betont von H. Maspero 1. c. 172 ff. 

2) Vgl. oben Einleitung § 8. 3) Wilcken, Gr. Ostraka I 665 ff. 



I. Die staatliche Verwaltung. A. Die Ptolemäerzeit. § 2. Die Beamten. 147 

Die gesamten Einnahmen und Ausgaben wurden in einer einheit- 
lichen Zentralkasse verrechnet, die, entsprechend dem absolutistischen 
Charakter der Regierung 1 ), als die „Königskasse", rö ßa6iXix6v, bezeichnet 
wurde. 2 ) Die Verwaltung dieser Kasse hieß r\ dioi'xrj6Lg. z ) 

Von diesem ßuötXixov ist ein l'diog Xöyog rov ßccöiXeag, eine „Privat- 
kasse des Königs", als besonderes Ressort abgetrennt worden. 4 ) Wann diese 
konstituiert worden ist, ist noch unbekannt. Der z. Z. älteste Beleg ist 
aus dem Jahre 162. 5 ) Daher läßt sich auch noch nichts Bestimmtes sagen 
über das Verhältnis dieses l'diog Xöyog zu den für die königlichen Kinder 
reservierten Einkünften, die zuerst unter Ptolemaios V. erscheinen (rijg 
sv TCQOöödcQi T&v xixvav rov ßaöiXscog) 6 ) und vielleicht mit der später 
begegnenden xs%(OQi6fiEvr} utgoGodog zusammenhängen. 7 ) Alle diese Ein- 
richtungen können schon sehr viel älter sein als sie uns bezeugt werden, 
vielleicht schon von vornherein vorgesehen sein. 8 ) Vielleicht sind sie gar 
aus der Pharaonenzeit übernommen. Jedenfalls zeigt die Abtrennung des 
i'ÖLog Xoyog, daß das ßaöihxöv trotz seines Namens den Charakter einer 
staatlichen Kasse hatte resp. bekam. 9 ) Über die Einnahmequellen des 
l'diog Xoyog sind namentlich BGU III 992 (162) und Amh. 31 (161) An- 
deutungen zu entnehmen: hier wird ein jtooö'Ti[iov (für Okkupation von 
königlichem Ödland), dort der Ertrag von Vererbpachtung von konfisziertem 
Land an dieses Ressort abgeführt. Wahrscheinlich gilt schon von der 
ptolemäischen Kasse, was Strabo XIII p. 797 von der römischen sagt 
(s. unten S. 154). 

§ 2. DIE BEAMTEN. 

An der Spitze der gesamten Finanzverwaltung (diotxrjöig) stand, wie 
in allen Ressorts, der König selbst, dem überall die letzte Entscheidung 
zustand, and der durch seine Gesetze und Kabinettsorders neue Grundlagen 
schuf. 10 ) 



1) Vgl. oben S. 3. 

2) Ebenso z. B. auch im Seleukidenreich, wo das ßccaiXiTtbv gleichfalls Geld und 
Naturalien umfaßte. Vgl. Dittenberger, Gr. Or. 1 229, 106. 

3) Vgl. den Titel 6 inl tfjg dioi*T]6mg S. 148. 

4) Vgl. Wilcken, Ostraka I 631. P. Meyer 1. c. Preisigke, Girowesen 190 ff. 

5) BGU H1992 (162). — Weitere Belege Theb. Bank 1,21 (a. 131/0): l. X. xov 
ßccoiXiag. Amh. 31, 1 (161). P. Grenf. I 16,1. Dittenberger, Gr. Or. I 188 (163), 189. 

6) P. Petr. in 97 S. 237. 

7) Vgl. Grenf ell-Hunt, Teb. I S 569. Bouche-Leclercq III 190. 380. P. Meyer, 
Aio'wrysig 132, 4; Arch. III 87. Jetzt vgl. Rostowzew, Kolonat 44 ff. 

8) Die ■kqögoSoi des Moeris-Sees hat nach Diodor I 52, 6 schon Ptolemaios II 
seiner Gemahlin zugewiesen. 

9) S. jetzt auch Rostowzew, Kolonat 58 f. 
10) Wilcken, Gr. Ostraka I 492. 



148 Kapitel IV. Die Finanz-Ressorts. Ihre Organe und Kassen. 

Sein Hauptvertreter ist der große Finanzchef in Alexandrien, der 
dioixrjtrjg 1 ) oder 6 enl xr\g diOLXijöecog hieß. 

Während dieser für die gesamte dioCxrjöig, auch der auswärtigen Be- 
sitzungen 2 ), kompetent war, stand unter ihm speziell als Chef jenes l'diog 
Xöyog ein Spezialbeamter, der 6 ^pog to5 ldC<p I6ya> hieß. 3 ) Dies ist 
unseres Wissens der einzige Spezialbeamte dieses Ressorts. Im übrigen 
sind die im folgenden genannten Beamten der dioCxrjöig auch für den 
Wiog Xoyog tätig (vgl. Amh. 31, BGÜ III 992). 

Dem Dioiketes stand zur Erledigung seiner ungeheuren Arbeitslast 4 ) 
eine große Zahl von Unterbeamten zur Verfügung. Die neuerdings viel 
behandelte Streitfrage, ob es unter ihm Provinzialchefs in der %äQcc ge- 
geben hat, die gleichfalls 8ioixt\xai hießen, ist zu einer evidenten Lösung 
noch nicht geführt worden. 5 ) Ein bisher nicht beachtetes Argument, das 
•für diese Annahme spricht, ist P. Lond. I S. 41 Z. 99 zu entnehmen : 
danach erhält der dioixrjxrjg seinen Brief an demselben Tage wie die drei 
memphitischen Beamten, also in Memphis. 6 ) Hierzu stimmt P. Teb. 72 
462: xov siödo&EVTog iv MefMpei xäv diOLxrjTrji. 1 ) Auch daß jener mem- 
phitische und andere dioixrjxaC in der geringen Rangstufe x&v cpCXav be- 
gegnen 8 ), während z. B. der ihnen untergebene Idios-Logos-Beamte in der 
obigen Inschrift ein Gvyysvijg ist, spricht für jene Annahme. Daß Unter- 
beamte denselben Titel führen wie der Oberbeamte, begegnet auch beim 
lyXoyLöx^g und den ihm unterstellten iyXoyiGxuC 9 ), ebenso auch bei den 
olxovopoL (vgl. unten S. 151). Somit möchte ich es zum mindesten als 
wahrscheinlich betrachten, daß es Provinzial-d^otx^Tca in der %d>Qa ge- 
geben hat, denen immer mehrere Gaue unterstellt waren. 

A priori ist wahrscheinlich, daß in der Finanzverwaltung im Laufe 
der drei ptolemäischen Jahrhunderte manche Änderungen eingeführt worden 
sind. Einzelnes läßt sich auch heute schon erkennen. Aber der Versuch 
H. Masperos, grundlegende Unterschiede zwischen dem III. und n. Jahrh. 



1) Cicero pro Rabirio 10, 28. Vgl. Dio Cass. 42, 36, 1. Die z. Z. vollständigste 
Liste der dioiv.T\xa.l bei H. Maspero 1. c. 245. 

2) Dittenberger, Or. Gr. I 59. Vgl. auch die Ausführungen zu Nr. 2. 

3) Vgl. das Material bei P. Meyer, Festschr. f. 0. Hirschfeld 132. 

4) Nach dem Posttagebuch P. Hib. 110 (in Kap. X) erhielt er allein fast ebenso 
viele Postpakete wie der König. 

6) Für diese Annahme: Mahaffy, P. Petr. II S. 9; Grenfell, P. Rev. S. 123; 
Wilcken, Gr. Ostraka I 493; Strack, Arch. II 559; Beloch III 394. Dagegen: P.Meyer, 
Heerwesen 54 ; H. Maspero 1. c. 238 ff. ; Bouche-Leclercq III 381 f. Unentschieden : 
Grenfell-Hunt Teb. I S. 33 f. 

6) Hierüber werde ich genauer in meinen „Urkunden der Ptolemäerzeit" handeln. 

7) Bouche-Leclercq muß dagegen annehmen, daß der vnodiocitriTrjg damit ge- 
meint ist. 

8) Vgl. Strack 1. c. 

9) P. Rev. 37, 12 und 18, 9. Über diesen Beamten vgl. Kap. V. 



I. Die staatliche Verwaltung. A. Die Ptolemäerzeit. § 2. Die Beamten. 149 

nachzuweisen, bedarf sehr der Korrektur. Während er großes Gewicht 
auf die Einsetzung des eniiis^rjtTJg im II. Jahrh. legt, ist dieser Beamte 
schon für das III. Jahrh. bezeugt (s. unten). Nach unserem bisherigen 
Material ist der einzige Unterschied in der Beamtenhierarchie der, daß die 
vjtodtoixrjtaC und die siti t&v tiqo668cov für das III. Jahrh. noch nicht 
bezeugt sind, und daß die Stellung des olxovöfiog im III. Jahrh. eine 
größere ist als vom IL Jahrh. an. 1 ) Aber durch neues Material kann sich 
manches verschieben. Ich muß mich hier auf eine Charakterisierung der 
einzelnen Beamten beschränken. Die historische Entwicklung läßt sich 
z. Z. noch nicht klar erkennen. 

Seit dem II. Jahrh. finden wir vitodioixqtccC, deren Amtsbezirk 
jedenfalls mehrere Gaue umfaßte. Der aus den Serapeumstexten bekannte 
vnodLoixrjtijg Sarapion, der der Rangklasse t&v diad6%(av angehörte, am- 
tierte in Memphis, machte aber auch Amtsreisen in den Arsinoites und 
slg tovg ava xoitovg (Leid. D etc.). Genauer läßt sich z. Z. ihr Bezirk 
noch nicht abgrenzen. 2 ) Der 'Eqii&vcc£, in der Thebais (Grenf. II 23 [159]) 
gehört zu den b^i6ti}ioi tolg 6vyysvs6i. 

Gleichfalls erst seit dem II. Jahrh. begegnet der k%l t&v jrootfddcov. 3 ) 
Während die vjeodiOLxrjtaC ein größeres Gebiet unter sich hatten, be- 
schränkt sich seine Kompetenz auf einen einzelnen Gau. 4 ) Daß er unter 
dem v3todi,oixr]vr}g rangiert, wird auch durch P. Grenf. II 23 (159) be- 
stätigt. Sein Amt ist häufig von dem ihm übergeordneten ötgatrjybg des 
Gaues gleichzeitig geführt worden. 5 ) Abgesehen von den allgemeinen 
Aufgaben der dioCxr]6ig arbeitet er auch für den i'diog koyog (Amh. 31. 
BGU III 992) und die xe%aQC6[ievr} TtQÖGodog (Teb. 64 b 17). Er verfügt 
über spezielle Unterbeamte (oi nuQu tov irii t&v rtooGodav: Teb. I 64 b 17). 

Einen noch engeren Amtsbezirk scheint der istLfiEXrjtrjg 6 ) gehabt 
zu haben. Wenigstens im IL Jahrh. begegnet ein ixifJtElrjTVjg t&v xcctco 



1) Zur Veranschaulichung diene folgende Tabelle: 



IE. Jahrh. 
Aiowr\xr\q , 

AiQwi\xa.l der ^cbpa(?) 



II./I. Jahrh. 

Aioiv.r\xal der ^cöpa(?) 

'TnodiomriTcd 

'Eni tcöv nqocödav 
'EniiielriTcd 'EnifisXr}Tai 

OIy.ov6^ol Olxovdpoi agyvQiyiäv 

'AvTiygcccpslg Oixovopot. airixäv 

'AvtiyQcccpEig. 

2) Masperos Vermutungen S. 204 sind unsicher. Dorion (Par. 63) ist garnicht 
Beamter des Sai'tes. Den 'EqiicövccI; hat er übersehen. 

3) Vgl. Maspero 208. 241. BoucheVLeclercq III 387. 

4) Vgl. Dittenberger, Or. Gr. I 194,4 (tov Ihql Qrjßctg); 179,5 (tov AqgivoLtov). 
P. Tor. I 1, 3 (tov vopov). 

5) Vgl. z. B. die Indices von Teb. I mit zahlreichen Beispielen. 

6) Bouche'-Leclercq HI 391. 



150 Kapitel IV. Die Finanz-Ressorts. Ihre Organe und Kassen. 

tojtav xov EaCxov (P. Par. 63 VII), wonach der Saitische Gau damals 
zwei solcher Beamten gehabt hat. Wie oben bemerkt, ist der Epimeletes 
schon für das III. Jahrh. bezeugt und nicht nur für das Ende desselben. 1 ) 
In P. Petr. II 20 II 3 (166) wird er unmittelbar nach dem dioixrjtrjg ge- 
nannt, wobei hier vielleicht nicht an den großen alexandrinischen Chef zu 
denken ist. 5 ) Andererseits erscheint er nach diesem Text als dem olxo- 
vöfiog übergeordnet. 3 ) Der Epimeletes wird innerhalb seines Bezirkes 
nach allen Richtungen die Interessen der dtoCxrjöig wahrgenommen haben. 
Die Annahme von Bouche-Leclercq (III 391, 1), daß es verschiedene eiti- 
(islrjtaC mit verschiedenen Spezialkommissionen gegeben habe, beruht auf 
einer irrigen Deutung von P. Zois I 15 und II 15. 4 ) Im III. Jahrh. hat 
der mi^sXrjr^g u. a. die Steuerdeklarationen entgegengenommen (P. Lond. 
I S. 50, vgl. auch Arch. II S. 82/4 und dazu Kap. V). Nach P. Lille 19, 6 
(vgl. auch 23 [189]) war er bei der Getreideverwaltung tätig (wie in 
P. Petr II 20). Im IL Jahrh. stand der iaifisXrjtijg unter dem vnodioi- 
xrjtrjg, wie namentlich aus den Serapeumstexten hervorgeht, in denen der 
Letztere oft gebeten wird, den Epimeletes zur Lieferung des Öles an die 
Zwillinge zu nötigen. 5 ) Also ist in P. Par. 63 VII 20 (tolg aXXoig eni- 
lisXrjteäg xal vTCodtoLxrjTalg) die Rangordnung nicht eingehalten. Auch 
dem ext t&v TtQoöödcov scheint er untergeordnet zu sein, da dieser offenbar 
höheren Rangstufen angehört, und auch einen ganzen Gau unter sich hat. 
Andererseits steht der Epimeletes auch hier über dem Oikonomos (Teb. 
6, 14). Wie er in den Zoispapyri den Garten versteigert 6 ), so verpachtet 
er in den Tebtyms-Papyri oft Domanialland an die ßccöiXixol yfeopjW. 7 ) 
Nach Teb. 17 (165) reist er gelegentlich auf die Dörfer und kontrolliert. 
Vgl. auch Petr. II 32 (1), eine Klageschrift an den Epimeletes von einem, 
der in einem königlichen Betriebe arbeitet. 

Wir kommen endlich zum oixovöfiog. 8 ) Im III. Jahrh. spielt dieser 
Beamte offenbar eine größere Rolle als im IL Wie die vorhergenannten 
Beamten hat er damals noch in gleicher Weise mit der Geld- wie mit der 
Naturalverwaltung zu tun. Vgl. Petr. II 20 (166). 9 ) Sein Amtsbezirk ist 



1) So Grenfell-Hunt, Teb. I S. 62, die Editoren zu P. Lille 4, 9. Dagegen Wilcken, 
Arch. V 226. Nach Ps. Arist. Oecon. II 35 wird zu Alexanders des Großen Zeit ein 
£nnLslr\rris über den *A%QißirT\g gesetzt. 

2) Hierzu neigen auch Grenfell-Hunt Teb. I S. 34. 

3) So richtig Bouche-Leclercq III 391, 1. 

4) Schon in den Gr. Ostraka I 517, 2 habe ich gezeigt, daß ngög rrjv tyXriipLv trjg 
viTQiHfjg mit TiQccdivTcov, nicht mit im^sXrirrjg zu verbinden ist. 

5) Z. B. Leid. D 18. 

6) Ich kehre zu meiner früheren Annahme zurück (Theb. Bank S. 26,2), daß auch 
Theodoros ein iitifieXrjrrjg war. 

7) Vgl Teb. 61 (b) 22, 36, 45. Teb. 72, 354. Teb. 214. 

8) Vgl. Maspero 186 ff. Bouche-Leclercq 388 f. 

9) Wilcken, Gr. Ostraka I 653. 



I. Die staatliche Verwaltung. A. Die Ptolemäerzeit. § 2. Die Beamten. 151 

der Gau. Auch der große IdQöivöixrig untersteht damals einem einzigen 
olxovöfiog. 1 ) Neben ihm funktioniert ständig ein avxtyQacpsvg (vgl. 
Rev. P.). Wie der Revenue-Papyrus lehrt, hat der Oikonomos u. a. die 
Aufgabe, die Steuern zu verpachten und die Steuerpächter aufs genaueste 
zu kontrollieren und mit ihnen Abrechnung zu halten (ßLaXoyCfeöd-ccL). 2 ) 
Andererseits sorgt er für den Korntransport aus dem Gau nach Alexandrien 
(xaxayaytf). 3 ) Er vergibt die öffentlichen Arbeiten seines Gaues. 4 ) Er 
erscheint überhaupt als der ständige Hauptvertreter der Finanzverwaltung 
des Einzelgaues. 5 ) In Lille 4, 29 wird er vor dem ßaöiXtxbg yga^axsvg 
genannt. Neben diesem oixovö^iog des Gaues gibt es aber auch einen 
oixovöfiog xx\g 'HgaxXetdov [isgCdog im Arsino'ites (Petr. II 181. 1) ; ja sogar 
in Dörfern begegnet ein eigener olxovoiiog (Hibeh 107 und 108, vgl. aus 
späterer Zeit Grenf. II 37, 6 (169). Vgl. Preisigke, Klio VII 262. Das 
werden Unterbeamte des Gauökonomen sein, die denselben Titel wie er 
führen (vgl. oben zum dioixrjxTig S. 148). 

Dagegen ist im Laufe des II. Jahrh. die Spaltung in einen olxovöfiog 
xäv KQyvQLxübv und einen olxovopog xav ölxixgjv vollzogen worden. 
Während sonst jeder dieser einen ganzen Gau zu verwalten hat 6 ), hat im 
ÜQötvoi'Trjg jede der 3 [isgCdsg ihren eigenen oixovofiog xäv agyvgixäv 
und Gixixcbv erhalten. ") Ob es daneben auch solche für den ganzen 'Jgöi- 
votxrjg gab, wie im III. Jahrh., wissen wir nicht. Mit dieser Spezialisierung 
der Geschäfte ist auch seine Stellung gegenüber den Verwaltungsbeamten 
gesunken: der Papyrus Louvre 10632 (167) zeigt deutlich, daß jetzt der 
ßccöifoxbg yga^axsvg über dem Oikonomen stand. Wenn in Dittenberger, 
Or. Gr. I 188 (163) und 189 aus dem I. Jahrh. v. Chr. der Chef des idiog 
Xöyog, ein Gvyyevrjg, zugleich als olxovoiiog xov ßaöiXi&g bezeichnet wird, 
so ist dieser olxovoiiog xov ßccöiXecog mit jenen gewöhnlichen Finanz- 
beamten der Gaue nicht zu identifizieren. 

Abgesehen von diesen speziellen Finanzbeamten sind die sämtlichen 
oben S. 10 ff. aufgezählten Verwaltungsbeamten der Gaue gleichfalls für die 
Aufgaben der Finanzverwaltung tätig gewesen, also die GxgaxrjyoL und 
vo(iaQx<xL, die ßatiiXixol yQcc[i[ieczelg und tojtoyQa^atslg und xcofioyQccnficc- 
rslg, die xo%äq%ai und xc}[icc()%cci,. s ) Die Texte dieses und der nächsten 
Kapitel geben Beispiele für die Betätigung dieser Gaubeamten auf dem 



1) Vgl. Petr. II 25 (a) 4. Dies übersieht Bouche-Leclercq 1. c. Vgl. auch olx. 
xov IIeqI Grißug in P. Par. 66, 1 und unten 167. 

2) Wilcken, Gr. Ostraka I 517. Vgl. Kap. V. 

3) Vgl. Petr. E 20, IV, auch I (166). 4) Petr. III 43. Vgl. Kap. VIII. 

5) Sein Verhältnis zum iTti(isXr}tT]g, der ihm übergeordnet ist, ist noch recht 
dunkel. 

6) Vgl. P. Tor. 5 — 7 : ngbg xf\i otyiovo(iiai räv UQyvQixeöv xov IIct&vQirov. 

7) Vgl. Dittenberger, Or. Gr. I 177, 179 (168). 

8) Vgl. Maspero 185 f. 206 ff. Engers, de Aegyptiarum xcafiröv administratione etc. 



152 Kapitel IV. Die Finanz-Ressorts. Ihre Organe und Kassen. 

finanziellen Gebiet. Als die wichtigsten unter ihnen treten der öxQccxrjyog, 
der vo[iaQ%r{g, der ßaöifoxbg yQafi^iaxsvg und der xc}[ioy(>aii[iax£vg hervor. 
Eine gesonderte Darstellung der Kompetenzen der einzelnen Beamten 
würde hier zu weit führen. 



§ 3. DIE KASSEN UND MAGAZINE. 

Von der zentralen Reichshauptkasse, die in Alexandrien gewesen sein 
muß, ist bisher keine Nachricht erhalten. Dagegen kennen wir durch 
viele Zeugnisse die Regierungskassen der %d)Qcc, ccl ßaöifoxal xgccTts^cu. 1 ) 
Sie waren die Zahlstellen für die sämtlichen Einnahmen und Ausgaben 
des Staates, soweit sie in Geld erfolgten. Jeder Gau hatte seine Re- 
gierungshauptkasse in seiner Metropole. Diese galt als die Kasse des 
Gaues. 2 ) Aber auch die Dörfer hatten ihre ßa6tkixal rgaTiE^ai*), gewisser- 
maßen Filialen der Kasse der Hauptstadt. 4 ) Die Staatskassen führten für 
das Ressort des löiog Xoyog ein gesondertes Konto. 5 ) Über das Lokal 
dieser Institute liegen keine genaueren Nachrichten vor. Nach P. Hibeh 
106 ff. waren Trapeziten im III. Jahrh. im XoytvxtfQiov tätig. Nach 
P. Eleph. 10 (182), der XQUTte&täv xäv sv xolg isQolg erwähnt, scheinen 
sich — mindestens teilweise — königliche xqutie&i innerhalb der ge- 
heiligten Tempelbezirke befunden zu haben. 

An der Spitze der Kassen standen Beamte mit dem Titel xQccitst.Cxrjg. 
Über den Trapeziten der einzelnen Institute standen Vorgesetzte, die für 
ein größeres Gebiet kompetent waren. So ein XQu(7i££Cxr}g) xr\g &rj(ßutdog) 6 ) ; 
vgl. auch den xQane&xrjg Kaixov in P. Hib. 66 Verso. 

Diese Trapeziten waren Beamte, nicht Pächter, wie manche aus 
P. Rev. 73 ff. (181) schließen. 7 ) Dieser Text besagt vielmehr, daß es 
außer den ßaötktxal xQuits^at, die ausschließlich den Staatsinteressen 
dienten, noch andere xQ&7iet,ai gab, die vom König an Privatleute ver- 
pachtet wurden und wahrscheinlich als Banken den Interessen des Publi- 
kums dienten. 8 ) Diese werden in dem Text nur als xgccTis^ai, nicht ßuöi- 
Xixal XQ&xet,ai, bezeichnet. 

Der sehr umständliche und gewissenhafte Geschäftsgang bei den 
Regierungskassen wird durch mehrere der unten abgedruckten Texte vei- 



1) Vgl. hierzu Wilcken, Aktenstücke d. Kgl. Bank zu Theben (Abh. Berl. Akad. 
1886) und Griech. Ostraka I 630 ff. Jetzt Preisigke, Girowesen. 

2) Vgl. P. Hibeh 110 Vers. II 86: TQuns&xris ' Eqho7ioXlt[ov]. 

3) Vgl. Wilcken, Gott. G. A. 1895, 155 f. Bestätigt durch Rev. Pap. 75, 1: [al 
iv tcüg] nöUeiv r\ xm^aig TQccnsfci ßcc6iXrAcd (181). Vgl. jetzt auch P. Eleph. 15 (Bank in 
Arsinoe bei Edfu: Wilcken,- Ar eh. V S. 214/5). Vgl. Fr. Preisigke, Girowesen S. 8. 

4) Wilcken, Gr. Ostraka I 633. 5) Amh. 31 (161) BGÜ III 992 (162). 
6) Vgl. Theb. Bank. S. 28. 7) So J. Beloch, Gr. Gesch. III (1) 313. 

8) Vgl. Wilcken, Gr. Ostraka I 634 ff. Zugestimmt haben Grenfell-Hunt, Oxy. 
III 248. Otto, Priest, u. Temp. II 110. P. M. Meyer, Berl. ph. Woch. 1904 Sp. 1060. 



I. Die staatliche Verwaltung. B. Die römische Zeit. § 1. Die Ressorts. 153 

anschaulicht. 1 ) Sowohl bei den Einzahlungen wie bei den Auszahlungen 
bedurfte es ausführlicher Anweisungen (.diccyQcccpaC) von Seiten der kom- 
petenten Finanzbeaniten resp. der Steuerpächter und ferner der Mit- 
wirkung von Kontrollbeamten, ehe auch nur eine Drachme verausgabt 
oder eingenommen wurde. 2 ) Über die Buchführung der Trapeziten (in 
den i<pr)fieQCd£s) vgl. Gr. Ostraka I 640 f. 

Was die tQanat,ai für den Geldverkehr, waren die &iq6avQol für die 
Naturalleistungen. 3 ) Die Zentrale in Alexandrien hieß auch für das 
Naturaldepartement tb ßccöihxöv.*) Gerauere Nachrichten haben wir nur 
über die Magazine der %ö>qcl, die nicht nur in den Metropolen, sondern 
auch in den Dörfern sich befanden. Über ihre Anlage läßt sich dem 
mathematischen Papyrus von Achmim sowie P. Lond. II S. 186 (192) 
einiges entnehmen. 5 ) 

Wie der Trapezit zur Kasse, so stand der öitokoyog zum Thesauros. 6 ) 
Die Sitologen sind die Beamten, die die Naturalien in den Thesauros auf- 
nehmen resp. aus dem Thesauros abliefern. 7 ) Über die Behandlung des 
Korns im Thesauros, und über den Transport von der Tenne zum Thesauros 
und vom Thesauros zum Ladungsplatz vgl. Rostowzew, Arch. III 204 ff. 
und unten Kap. X. Über die Privatdeposita in den Thesauren und über 
das Girowesen der Thesauren hat jetzt eingehend Fr. Preisigke gehandelt 
(Girowesen). 

B. DIE KÖMISCHE ZEIT. 

0. Hirsch feld, Die kais. Verwaltungsbeamten bis auf Diocletian 1905. — Th. 
Mommsen, Rom. Staatsrecht II 3 992 ff. — M. Rostowzew, Fiskus (Dizionario epi- 
graf. di Antich. Rom. III 96 sq. 1898). — Derselbe, Die kaiserliche Patrimonialver- 
waltung in Ägypten (Philologus 57). — Derselbe, Geschichte d. Staatspacht (1902) 
S. 459ff. — U. Wilcken, Griech. Ostraka aus Äg. und Nubien (1899) I 641 ff. — 
P. M. Meyer, AioUt\<sig und "idiog loyog (Festschrift f. 0. Hirschfeld 1903, 131 ff) 
und Archiv III 86 ff. — W. Otto, Priester und Tempel im hellenistischen Ägypten 
I, H (1905, 1908). — L. Mitteis, Rom. Privatrecht I (1908) 347 ff. — F. Preisigke, 
Girowesen im griech. Ägypten 1910. — M. Rostowzew, Studien z. Geschichte d. 
römischen Kolonates 1910. 

§ 1. DIE RESSORTS. 
Durch die Neuordnung des Augustus wurden die Einnahmen Ägyp- 
tens, die bis dahin das ßccöiXixöv gefüllt hatten, in den Fiskus über- 



1) Vgl. außer Amh. 31 (161), BGU 992 (162) auch die Theb. Bankakten und 
die Zoispapyri. 

2) Vgl. Wilcken, Gr. Ostraka I 638 ff. 

3) Vgl. Wilcken, Gr. Ostraka I 649 ff. Preisigke, Girowesen 40 ff. 

4) Vgl. z. B. Lille 23 (189) und die Paralleltexte. 

5) Wilcken, Gr. Ostraka I 650 f. 

6) Gab es auch „Thesaurusbeamte", die über den Sitologen standen ? Vgl. 
P. Eleph. 10,4: itccQa x&v ngbg xolg [&]r\[a]ccvQolg. Oder sind das die Sitologen? 
Ebenso: Hibeh I 117, 2: 6 nqbg xoig &ri(c<xvQolg) xov Kaixov. Spezielle Vermessungs- 
beamte nennt Par. 66 II 26. 

7) Wilcken, Gr. Ostraka I 653 ff. Vgl. unten Kap. V. 



154 Kapitel IV. Die Finanz-Ressorts. Ihre Organe und Kassen. 

geführt. Wiewohl dieser Fiskus mit Hirschfeld (KV lff.) juristisch als 
Eigentum des populus Romanus aufzufassen ist, stand er doch ausschließ- 
lich dem Princeps zur Deckung der von ihm übernommenen Aufgaben 
zur Verfügung und war praktisch daher eine kaiserliche Kasse. An die 
Stelle der früheren Bezeichnung tö ßaötXixbv trat jetzt 6 (pCöxog oder tö 
dyiioöLov 1 ) oder tö xa^iulov, später ro [sgcbxccxov xccfitslov, woneben auch 
noch andere Umschreibungen begegnen. 2 ) Die Verwaltung des Fiskus 
hieß ebenso wie früher die des ßccöifoxbv: y] öiotxrjöig. 

Gleichfalls aus der ptolemäischen Verwaltung übernommen wurde 
das Ressort des idiog Xöyog, und zwar mit demselben griechischen Namen 
(lateinisch transkribiert idius logus o. ä.). 3 ) Nach Strabo XVII p. 797 
war der Leiter dieses Ressorts x&v ädsö7CÖxcov xal xav elg KaCöaga 
itCrtxkiv ocpetlovrov i^sxaGxiqg, womit freilich der Inhalt nicht erschöpft 
ist. Abweichend von andern Provinzen sind also in Ägypten die bona 
vacantia von vornherein dem Kaiser zugefallen. Wie weit der Kreis x&v 
slg Kcclöccqcc tcCtcxslv ocpziXövxav zu fassen ist, darüber gehen die Ansichten 
auseinander. 4 ) 

Neben diesen Idiog Xöyog tritt nun als eine völlig neue Schöpfung 
der Kaiserzeit das Patrimonium. Wie die ovölui, die einzelnen Land- 
güter, deren Einkünfte in die Patrimonialkasse flössen, an den Kaiser ge- 
kommen sind, kann erst im VII. Kapitel dargelegt werden. Der Ausdruck 
6 ovöiaxbg Xöyog, der dieses Ressort bezeichnet, ist nachweisbar z. Z. 
erst seit dem II. Jahrh. 5 ) Nach Rostowzews Vermutung (Kolonat 131) 
würde er als eigenes Ressort etwa unter den Flaviern gebildet sein. 
Alle diese Ausdrücke ovöicci, ovöiaxbg Xöyog, xä ovöiaxä sind, wie die 
Sache selbst, eine Neuerung der Kaiserzeit; sie begegnen niemals in pto- 
lemäischen Texten. 

Für die Frage, wie der Xdtog Xöyog und der ovöiaxbg Xöyog, die 
sicher von einander zu trennen sind, sich zueinander verhalten, ist maß- 
gebend die Tatsache, daß der Leiter jenes der Vorgesetzte des Leiters 
dieses ist (s. unten). 

Eine besondere Schwierigkeit liegt darin, daß die ovölcu, mehrfach 
als zum xa^iulov, zum Fiskus gehörig, als xa^iiaxaC bezeichnet werden. 

1) Vgl. oben S. 30 f., wo darauf hingewiesen wurde, daß hierin zum ersten Male 
in Ägypten der Staatsgedanke zum Ausdruck kommt. 

2) Vgl. Wilcken 1. c. ; P. Meyer 1. c. In Amh. 77 wechselt 6 (plenog und 6 xv- 
qicckos Xoyog. 

3) Vgl. P. Meyer 1. c. 148. 

4) Am weitesten faßt ihn wohl P. Meyer, JtoUrieig S. 149. Ob auch die dem 
Kaiser freiwillig, testamentarisch vermachten Erbschaften dem i'Siog Xoyog zufielen 
(Meyer), ist mir zweifelhaft. Strabo spricht jedenfalls nur von ninxuv öcpsLXovrcc, 
und die dem Kaiser vermachten ovaicci gingen wie die bei Lebzeiten geschenkten in 
das Patrimonium. 

5) BGU 277 II 10; 599, 14 f.; 976, 13. 



I. Die staatliche Verwaltung. B. Die römische Zeit. § 1. Die Ressorts. 155 

Während 0. Hirschfeld hieraus den Schluß zog, daß einige ovöCat zum 
Fiskus gezogen seien 1 ), erklärte Mitteis diese Erscheinung durch die An- 
nahme einer schwankenden Terminologie. 2 ) Rostowzew andererseits meinte, 
daß im IL Jahrh. zwischen Fiskus und Patrimonium kein scharfer Unter- 
schied mehr Destanden habe. 3 ) Wenn man aber die von den genannten 
Gelehrten behandelten Papyri chronologisch noch genauer fixiert, so 
ergibt sich, daß die Bezeichnung der Patrimonialgüter als fiskaler erst 
seit Septimius Severus begegnet: BGU II 475, 1 (a. 198/9) 4 ); BGU I 106 
(174) (a.199); BGU 156 (175) (a.201); Lond. II S. 161/2 (177) (a.270/5). 5 ) 
Vorausgesetzt, daß hier kein Zufall vorliegt, und daß auch künftig keine 
Beispiele, die vor Septimius Severus fallen, bekannt werden, liegt es nahe, 
hier nicht an ein Schwanken des Ausdruckes, sondern an eine Neuord- 
nung der Dinge zu denken, und man wird a priori geneigt sein, diese 
Neuordnung mit den sonstigen Änderungen, die Septimus Severus in der 
Finanzverwaltung des Reiches durchgeführt hat (vgl. die res privata) 6 ), 
in Verbindung zu bringen. 7 ) Daß man in der Verwaltung auch weiterhin 
die ov6iaxa als eine Besonderheit behandelte, die man nach wie vor der 
Dioikesis gegenüberstellte (vgl. Teb. II 339, 10; BGU I 84, 5), würde 
noch nicht gegen die Hypothese sprechen, daß Severus die Patrimonial- 
güter, die allmählich mehr und mehr den Charakter von Krongütern be- 
kommen hatten, zum Fiskus geschlagen hätte. Es fragt sich nur, ob man 
aus jenem Tatbestand nicht vielmehr umgekehrt den Schluß ziehen soll, 
daß schon Severus, der ja in so manchem ein Vorgänger des Diokletian 
gewesen ist, den Fiskus überhaupt als Kaiserkasse behandelt hat. Doch 
solche Hypothesen können hier nicht verfolgt werden. Es genüge fest- 
zustellen, daß in Ägypten nach unserm jetzigen Material von Severus an 
die Patrimonialgüter als fiskale bezeichnet werden. 



1) KV 356 Anm. 2. 

2) Rom. Privatr. I 357. 

3) Kolonat 130. 

4) In der Edition habe ich nur II. Jahrh. angegeben. Mir ist jetzt die Berech- 
nung des 7. Jahres auf 198/9 auch paläographisch wahrscheinlicher als die auf 166/7, 
die man sonst wählen müßte. 

5) Anders liegt es z. B. in BGU II 462, wo der Fiskus den Grundbesitz von 
Leuten, die als Sitologen Fiskalschuldner geworden waren, konfisziert hat. In diesem 
Falle war ein Anheimfallen an den ov6iav.bg Xöyog natürlich ausgeschlossen, und 
darum spricht dies Beispiel aus der Zeit des Pius natürlich nicht gegen die oben 
bezeichnete chronologische Grenze. Es ist mir hiernach fraglich, ob man, wie Ros- 
towzew (Kolonat 120 ff.) tut, jedes Grundstück, das mit der Formel 7Cq6tsqov tov Ssi- 
vog zitiert wird, für ein Patrimonialgut halten darf. 

6) O. Hirschfeld, KV 18. Vgl. auch Mitteis, R. Privatr. 358 f. 

7) Eine Andeutung schon bei Rostowzew, Kolonat S. 132. Noch näher kommen 
Obigem, wie ich nachträglich sehe, die Ausführungen von P. Meyer, JioUt}6ig S. 136. 
Anders freilich urteilt dieser später im Arch. III 88. 



156 Kapitel IV. Die Finanz-Ressorts. Ihre Organe und Kassen. 

§ 2. DIE BEAMTEN. 

Die höchste Instanz in allen Finanzfragen war, wie vorher der ßcc- 
Gilevg, so jetzt der Kaiser. 1 ) Als sein regulärer Stellvertreter war der 
praefectus Aegypti der oberste Leiter der gesamten Finanz Verwaltung 
im Lande. 2 ) Er spielte also jetzt die Rolle in Ägypten, die vorher dem 
ptolemäischen dioixrixYig zugefallen war. 3 ) Daher ist denn auch dieser 
Titel als Bezeichnung des obersten Finanzchefs jetzt geschwunden. Aber 
unter den Prokuratoren, die den Präfekten als Untergebene in der Fiskal- 
verwaltung zu unterstützen hatten — unter ihnen ragen die jetzt zu Pro- 
kuratoren umgebildeten und auch sonst umgestalteten Epistrategen hervor 
(vgl. oben S. 36 f.) — , begegnet auch jetzt ein hoher Finanzbeamter dieses 
Namens: 6 dtotx^T^g, 6 xQccti6tog dioLxrjTrjg. 4 ) So lange für ihn 
nur Belege vom II. Jahrh. an vorliegen 5 ), was Zufall sein kann, läßt sich 
über einen Zusammenhang mit dem ptolemäischen dioixrjrrjg nichts Be- 
stimmtes sagen. 6 ) Ebenso wird die Frage, ob er identisch ist mit dem 
inschriftlich bezeugten EnCrgoTtog — Itci dioixrJGscog [yiXe^avdQEtag] —proc. — 
ad dioecesim Alexandreae 1 ), besser noch offen gelasseü. Die Annahme, daß 
der Dioiketes im IL Jahrh. noch niedrigen Ranges gewesen sei (Avan- 
cement vom GxQtttYiyog) , beruht auf irrtümlicher Deutung von P. Oxy. 
III 513 (183). 8 ) Vielmehr ist eine Veränderung der Rangstufe vom II. 
zum III. Jahrh. nicht zu erkennen. Wie hoch sein Rang war, zeigt, daß 
er gelegentlich der Vertreter des Juridicus war, wie auch der Juridicus 
gelegentlich ihn vertreten hat. Sie müssen danach gleich hohen Rang 
gehabt haben. 9 ) Schon hieraus folgt, daß es nur einen Beamten dieser 
Art gab, und daß er in Alexandrien seinen regulären Amtssitz hatte, wie 
die anderen, die für ganz Ägyten kompetent waren. 

Wie wir oben für die Ptolemäerzeit für die x^Q a Dioiketen niederen 
Ranges annahmen, so sind auch für die Kaiserzeit untergeordnete dioixrj- 

1) Wilcken, Gr. Ostraka I 496 ff. 

2) Vgl. Wilcken, Gr. Ostraka I 498; 0. Hirschfeld, KV 349. 

3) Vgl. Rostowzew, Staatspaehi 460, wo ich nur insofern mißverstanden bin, 
als auch ich Ostraka I 498 in dem Präfekten den Oberverwalter der Finanzen ge- 
sehen habe. 

4) Vgl. P. Meyer, z/«n'x7jffis 146; C. Hirschfeld, KV 358 ff. Daß sein Titel (wie 
in der Ptolemäerzeit) ihn als den Verwalter der Sioi%r\6ig bezeichnen soll, geht z. B. 
aus Flor. 89, 1/2 hervor: diejncov tcc yiiqr\ xf\<$ dioixrjascog (für den dt.ccde%6n£vog). 

5) Julianus a. 141: Catt. Verso I 1; Vonasius Facundus a. 162: Oxy. VH 1032 
Vestidius Rufinus a. 182/3: P. Straßb. Arch. IV 124 Anm. 1, Oxy. HI 513, 29 (183) 
Suillius Saturninus a. 194: P. Straßb. Arch. P7 124 Anm. 1; Flavius Studiosus a. 200 
Oxy. VI 899; Calventius Adiutor a. 210: Flor. 6; Septimius Arrianus a. 221: Oxy. I 61 
Velleius Maximus Mitte des IE. Jahrh.: BGU 8 II (170). 

6) Dies zur Einschränkung von Gr. Ostraka I 498. Vgl. O. Hirschfeld, KV 359 

7) 0. Hirschfeld, KV 359. 

8) Vgl. hierzu Wilcken, Arch. IT 124, 1. 

9) Wilcken, Arch. IV 453. 



I. Die staatliche Verwaltung B. Die römische Zeit. § 2. Die Beamten. 1 57 

tccC im Lande bezeugt, zwar bisher nur für den Anfang der Kaiser- 
zeit. 1 ) Nach Grenfell-Hunt zu P. Teb. II 408 standen diese im Range 
unter dem xojtdcQxVS- Sie war e n also sehr viel unbedeutender als jene 
Dioiketen der Ptolemäerzeit. 

Als ein neuer Fiskalbeamter tritt später der xu&oXtxög hinzu. Wäh- 
rend man früher annahm, daß dieser Beamte erst mit Diokletian erscheine, 
ist er jetzt nach Lond. III S. 110 schon für die Mitte des III. Jahrh. 
bezeugt worden. Wie ich im Arch. IV 539 zeigte, begegnet dieselbe 
Person in derselben Stellung auch in Oxy. I 78 vom J. 246. Wenn sich 

die Vermutung P. Meyers bestätigt, daß der diao'rjiiöxaxog Claudius Ju[ ] 

in Giss. 48 (171) der xad-oXixög sei, so würde es nahe liegen, die Schaffung 
dieses neuen Beamten wiederum mit den Finanzreorganisationen des 
Severus in Verbindung zu bringen. Doch ist neues Material für diese 
Frage abzuwarten. 

An der Spitze des L'diog Xöyog stand ein römischer Prokurator, der 
(wie der Leiter aus der Ptolemäerzeit) 6 itobg xa idCa Xöya hieß, 
oder mit Bezeichnung seines Ranges 6 xodxiöxog 7iobg x<p idCa Xöya oder 
knCxQoicog idiov Xöyov. 2 ) Daneben wird er auch selbst udiog Xöyog oder 
idiologus genannt. 3 ) Er hat die Leitung und Verwaltung seines Ressorts, 
hat aber nach Strabo 1. c. auch die Untersuchung darüber, was seinem 
Ressort zufällt (i&xccöxrjg) und hat daher innerhalb seiner Ressortinter- 
essen Jurisdiktion. 4 ) Er hatte sein Bureau natürlich in Alexandrien 
und wohl auch ein Hilfspersonal im Lande, aber weitere Spezialbeamte 
dieses Ressorts sind jetzt ebenso wenig bekannt wie aus der Ptolemäer- 
zeit. Seine Kompetenz erstreckte sich auf das ganze Land, denn für jeden 
Gau war eine eigene Abteilung in seinem Bureau gebildet. Jeder Gau 
hatte daselbst seinen Gauschreiber (6 yodcpav xbv vouöv), der auch kurz 
Xötog Xöyog genannt wurde (wie in Amh. 69 [190]). Vgl. P. Fay. 23 (a), 3: 
yevö^svog) yQ(cc{i[iaxsvg) vo^i&v xivav IdCov Xöyov; Lips. 121 (173); 
P. Ausonia 2 (vgl. Arch. V 281); Amh. 69, 3 (190). Vgl. auch Teb. II 

294, 2 (78): xä itgbg x<p [ xcov] idicov Xöycov. 5 ) Wie der Idiologos 

selbstverständlich dem Präfekten unterstand, so hatte er andererseits die 
Oberaufsicht über den Leiter des Patrimonium (s. unten). 



1) Vgl. Oxy. II 291: Teb. II 408. 409. Rostowzew, Staatspacht S. 461 nennt sie 
daher die letzten Ausläufer der ptolemäischen Finanzverwaltung. 

2) Zu diesen und andern Formen vgl. P. Meyer, Dioikesis 148. Eine Liste der 
Idiologoi gibt Otto I 173 ff. 

3) Namentlich in nicht amtlichen Texten. So heißt er bei Strabo 1. c. so und 
in privaten Weihinschriften. In P. Catt. I col. VI 1 könnte in der Überschrift 
Kürzung vorliegen. Aber auch in der amtlichen Eingabe bei Hartel, Gr. Pap. S. 70 
(72) kommt die Bezeichnung vor: tjj xov ISioXoyov x[ai] [uqx]ieq£cos iitiXQOit(i}). 

4) Vgl. Wilcken, Arch. IV 394, 408; Mitteis im II. Bande. 

5) Sind damit die i'dioi löyoi der Einzelgaue gemeint? 



158 Kapitel IV. Die Finanz-Ressorts. Ihre Organe und Kassen. 

Die Verwaltung der oveianä hat manche Wandlungen durchgemacht. 
Aus der früheren Kaiserzeit begegnen uns als Vorsteher der einzelnen 
ovgCuv (Güter) die TCQOEöt&teg, die offenbar die Nachfolger der ptolemä- 
ischen TtQosötrjxoteg der iv dagea yfj sind (Kap. VII). Vgl. Wessely, 
Spec. scr. gr. 11, 21 (176); BGU II 650 (in Kap. VII). Doch wird auf 
die Verwaltung der einzelnen Güter besser in Kap VII eingegangen. Seit- 
dem dann die Verwaltung zu einem eigenen Ressort als ovßiaxbg Xoyog 
zusammengeschlossen war (S. 154), unterstand dieser dem procurator 
usiacus, inCtgoxog täv ovöiaxav oder ovöcäv o. ä., der bis jetzt nicht 
vor dem II. Jahrh. bezeugt ist. 1 ) Daß es nur einen einzigen Beamten 
dieses Titels für das ganze Land gegeben hat 2 ), wird jetzt durch P. Giss. 
40 II (22) entschieden. Vereinzelt begegnen kaiserliche Freigelassene mit 
diesem Titel (in lateinischen Inschriften) 3 ), während die in den Papyri 
Genannten meist ■üqccxiöxo', sind, römische Ritter. 4 ) Dieser procurator 
usiacus ist unterstellt dem Idiologos. 5 ) Dies geht klar aus den Texten 
hervor, in denen er als der diadeypyLevog trjv ao^ifpaxfuv^v, d. h. als 
Stellvertreter des mit dem Idiologos kombinirten uQiiEQEvg von Ägypten 
auftritt. Vgl. S. 127. 6 ) 

Unter dem procurator usiacus standen die siaryQijrai ovßiaxcbv eda- 
qicbv, von denen immer je einer für ein einzelnes Dorf funktionierte. Vgl. 
Fay. 23; BGU II 619; Gen. 38. 7 ) Diese werden, wie auch sonst die 
Beamten mit dem Titel i7atrjQrjraij Kontrollbeamte gewesen sein. Im III. 
Jahrh. finden wir an der Spitze der einzelnen Güter itQovor\xal (Lond. II 
S. 161 [177]), auch cpQovtiötaC (Oxy. I 58). Als Subalternbeamte standen 
dem proc. usiacus die [ia%cciQocp6()OL ovdiaxoC zur Verfügung, die eventuell 
Verhaftungen vornahmen (Amh. 77, 20 ff.). Der procurator hatte für sein 
Ressort eine eigene Rechnungskammer: rö koyi<5tr\Qiov xov hitixQÖnov i(bv 
0V61&V (Amh. 77, 22). 

Im Dienste des kaiserlichen Hausgutes standen auch die KalöaQog 
olxovöfiOL. Strabo XVII p. 797 sagt nach Aufzählung der hohen rö- 



1) Wilcken, Gr. Ostraka I 393. 0. Hirschfeld, KV 356 f., der damit rechnet, daß 
diese Behörde unter Hadrian eingesetzt sei. 

2) So schon Wilcken, Gr. Ostraka I 393; Mitteis, R. Privatr. I 357. Dagegen 
nahm P. Meyer, dioUr}6ig S. 156 für jeden Gau einen solchen Beamten an. 

3) P. Meyer, ^toi'xrjeig S. 156. 

4) Vgl. P. Meyex 1. c. Dazu kommt Ulpius Heraclides a. 174/5: Teb. H 317. 
Schon dies spricht gegen Meyers Annahme, daß sie erst seit Severus römische Ritter 
gewesen seien (Arch. III 88). Vgl. auch BGU III 891. 

5) Wilcken, Hermes 23, 597 ff.; 0. Hirschfeld, KV 357; Mitteis, R. Privatr. I 358. 

6) Gegen die Annahme P. Meyers, daß dies erst seit Severus gelte, vgl. Mitteis, 
R. Privatr. I 358. 

7) Die Annahme von P. Meyer, -Jhhxtjcis 155, daß die inixr\qr)[tai nur heim 
Kleinbesitz vorkämen, wird durch die neuen Lesungen von Gen. 38 widerlegt. Vgl. 
den Kommentar. 



I. Die staatliche Verwaltung. B. Die römische Zeit. § 2. Die Beamten. 159 

mischen Beamten: TcaQ&icovrcci de xovtotg cctieXsv&sqol KccLGccQog xal olxo- 
vöfioi, {i£C£a xul ikccTtG) xertiöteviievoi Ttgay^iata. Diese Kaiöccgog otxo- 
vöfioi sind offenbar die direkten Nachfolger der oixovönoi rot) ßadiXs'cog 
der Ptolemäerzeit (vgl. S. 151). Wir kennen einen Secundus in diesem 
Amte vom J. 123 (Teb. II 296 [79]), einen Metiochos vom J. 197 
(P. Achmim [81]) und einen Saturninus vom J. 201 (BGÜ 156 [175]). Ihr 
Amtssitz ist Alexandrien (in den ersten beiden Fällen sicher nachweisbar). 
Nach ihren Namen dürften sie kaiserliche Sklaven sein. Trotzdem ist 
KccCöccQog olxovö{iog nicht als KaCöagog (dovXog) olxovö[iog zu deuten, 
wie jetzt Teb. II 296 zeigt. 1 ) Vicarii begegnen in BGÜ 102, 1; Oxy. 735. 

Außer diesen speziellen Finanzbeamten sind, wie es oben S. 151 für 
die Ptolemäerzeit gesagt wurde, so auch in der Kaiserzeit die sämtlichen 
im I. Kapitel behandelten Verwaltungsbeamten der Gaue auch für die 
Finanzverwaltung tätig gewesen. Das gilt vom Epistrategen, der, wenn 
auch nur dürftige Spuren dieser Tätigkeit vorliegen, doch wohl gerade als 
Finanzbeamter den Titel eines procurator bekommen hat (S. 156). 2 ) In 
viel höherem Maße ist es nachweisbar vom Strategen und dem könig- 
lichen Schreiber. Daß der Stratege jetzt das Haupt der Steuerverwaltung 
des Gaues, im besondern der Steuererhebung ist, ist eine wichtige Neuerung 
der Kaiserzeit. 3 ) Vgl. ßostowzew, Staatspacht 461 ff. Aber auch die 
Beamten der voiiccq%iccl, der tojtoi, der x&iiai, unter letzteren vor allem 
der xcotioy()cc{iiiaT£vg, arbeiten auf diesem Gebiete. Zu betonen ist, daß 
in der Mitwirkung dieser Beamten irgend eine Spezialisierung nach den 
obigen Ressorts nicht stattgefunden hat. 4 ) Sie arbeiten ebenso für den 
Idiologos und das Patrimonium, wie für den Fiskus. Vgl. für den Idio- 
logos z. B. Lond. III S. 123 (172) und 72, ferner P. Cair. Preisigke 9. 

Nachdem auch früher schon die städtischen uQ%ovT£g zu den staat- 
lichen Finanzgeschäften herangezogen waren (vgl. z. B. Amh. 109, 6 ff.), 
fand doch eine noch ganz anders gesteigerte Ausnutzung der städtischen 
Organisation für diese Zwecke statt, nachdem die Metropolen das Stadt- 
recht im J. 202 erhalten hatten. Wichtige Aufgaben der kaiserlichen 
Finanzverwaltung wurden jetzt den Ratsherren und Beamten der Städte 
zugeschoben. Dieser wichtige Prozeß bedarf noch eindringenden Studiums. 
Hier sei nur auf die Bedeutung der dexcc7iQ cot oi für die Steuererhebung 



1) Richtig schon vorher gedeutet von Gradenwitz, Arch. II 104. 

2) Die Annahme von Rostowzew, Staatspacht 460 f., daß er ausschließlich 
Patrinionialbeamter gewesen sei, scheint mir zu eng zu sein. Vgl. die ganz 
allgemeine Kontrolle, die er über die richtige Steuerveranlagung nach Oxy. III 488 
ausübte. 

3i Vgl. zu dieser Tätigkeit z. B. Par. 61) (41) und BGÜ 747 (35). 

4) Vgl. P. Meyer, _/(o/xrj(»is S. 145; Preisigke, Girowesen 60 und 188 ff. 



160 Kapitel IV. Die Finanz-Bessorts. Ihre Organe und Kassen. 

hingewiesen (Kap. V). Trotzdem bleibt auch jetzt im III. Jahrh. der 
Stratege die Spitze der Steuerverwaltung des Gaues. 1 ) 

Wie alle diese Beamten und Körperschaften sich bei der Steuer- 
verwaltung, bei den Monopolen, bei der Bodenverwaltung usw. betätigt 
haben, wird in den nächsten Kapiteln zu behandeln sein. 

§ 3. DIE KASSEN UND MAGAZINE. 

Die Einrichtung der ßccöthxal TQuits^ai, wie sie oben S. 152 für die 
Ptolemäerzeit geschildert sind, haben die Kaiser unverändert übernommen. 2 ) 
Nach 0. Hirschfeld, KV 72 sind sie sogar Vorbild für die auch in andern 
Provinzen errichteten mensae geworden. Nach wie vor waren sie die 
Regierungshauptkassen für alle Einnahmen und Ausgaben des Staates. 
Man nannte sie jetzt drjfiööiai tgccTCs^ar, dagegen die an ihnen ange- 
stellten Beamten hießen gelegentlich (aber selten) auch jetzt noch ßccötfa- 
xol tqccxs&tccl. 5 ) Filialen in den Dörfern (vgl. S. 152) scheint es in der 
Kaiserzeit nicht gegeben zu haben. Vgl. Preisigke, Girowesen S. 14. 
Diese drjjiödiai TQccTte&L dienten der gesamten Finanzverwaltung, dem 
Fiskus wie dem Xdiog koyog und dem Patrimonium. Es gibt keine be- 
sonderen Kassen für die einzelnen Ressorts. Wohl aber hat man, wie in 
der Ptolemäerzeit, so auch in den druioötat tqcctis&i besondere Conti für 
sie gehabt. Analog ist aufzufassen %t\v — rr}g voticcQ%(C)ag tQcc7ce^av in 
Teb. II 350: das bedeutet nur eine Buchung auf das Konto des Nomarchen 
(vgl. Grenfell-Hunt zu der Stelle und Preisigke, Girowesen 16). Wenn in 
Lond. II S. 118, 19 rrjv inl xovxoig (für (pögog TtQoßdtcov) tQan^av im 
Gegensatz steht zu xr\v drjfioöCav rgdue^av (in Z. 17), so ist mit Preisigke 
(Girowesen 15) unter der ersteren TQU7tet,a eine Bank zu verstehen, keine 
Staatskasse. Zum Geschäftsgang an den Regierungskassen vgl. Wilcken, 
Gr. Ostraka I S. 647 f. 

Durch Oxy. III 513 (183) ist erwiesen, daß auch in der Kaiser- 
zeit wie in der Ptolemäerzeit neben den Staatskassen Banken (rganB^ai) 
für die geschäftlichen Interessen des Publikums bestanden haben, die vom 
Staat verpachtet wurden. Das Pachtangebot auf eine solche tqücxs^cc er- 
wähnt Oxy. I 91, ll. 4 ) Wie zu diesen von Privaten gepachteten Pacht- 
banken die IdtcoTixal xgccnelm sich verhalten, ob sie identisch sind, ist 
durch ein bestimmtes Zeugnis noch nicht festgestellt worden. Über die 
Rechtsgeschäfte, die diese Banken vermittelten, vgl. Bd. IL Diese Bank- 



1) Wilcken, Griech. Ostr. I 627. Ygl. z. B BGU IV 1062, 16 verglichen mit BGU 
HI747 (35); Par. 69 (41). 

2) Vgl. Wilcken, Gr. Ostraka I 645 ff. ; Preisigke, Girowesen 12 ff. 

3) Vgl. BGU 121 (184); Oxy. VI 916 (185), wo 8r\\L{o6ioig) und ßcc6i%(nt6g) ab- 
wechseln. 

4) Vgl. Wilcken, Arch. V 212 Anm. 4. 



I. Die staatliche Verwaltung. C. Die byzantinische Zeit. § 1. Die Ressorts. 161 

Urkunden zeigen, weichen gewaltigen Aufschwung die Bankgeschäfte in 
der Kaiserzeit im Gegensatz zur Ptolemäerzeit genommen haben. 

Auch die Magazinverwaltung ist ziemlich unverändert aus der 
Ptolemäerzeit übernommen worden. 1 ) Die Thesaurosanlagen in Alexan- 
drien, die jetzt, wo der Transport nach Rom hinzukam, noch großartiger 
geworden sein müssen, wurden unter die Verwaltung des procurator 
Neaspoleos gestellt. 2 ) Vgl. unten Kap. IX. Als eine besondere Abteilung, 
in die die Einnahmen von den Tempelbesitzungen flössen, erscheint der 
&r]6ccvQbg isQcäv. Vgl. Wilcken, Gr. Ostraka I 656 und W. Otto, Priest, 
u. Temp. II 104. Über die äußere Anlage eines (nicht staatlichen) The- 
sauros unterrichtet uns Lond. II S. 186 (192). Im übrigen standen die 
%r\6avQol, die durch das ganze Land, in Städten und Dörfern, verteilt waren, 
auch jetzt unter der Verwaltung der nunmehr liturgischen Sitologen. Sie 
nahmen Getreide in die Thesauren auf, wie sie auch Getreide aus den 
Thesauren ablieferten, standen also parallel den Trapeziten. 3 ) Den ßorj&bg 
<3itoX6yc3v erwähnt P. Grenf. II 63, 1 (vgl. Arch. III 124). Über die Ge- 
schäftsführung der Sitologen geben uns zahlreiche Texte Aufschlüsse. 4 ) 
Vgl. z. B. 190, 191. Auf den Korntransport wird in Kap. X eingegangen. 



C. DIE BYZANTINISCHE ZEIT. 

Franz, CIG III p. 322 sq. — Burckhardt, Die Zeit Constantins des Großen. — 
v. Bethmann-Hollweg, Der röm. Zivilprozeß III 1866. — H. Schiller, Gesch. d. 
röm. Kaiserzeit II 68 fF. — Mommsen, Abriß d. röm. Staatsrechts. 1893. — 0. Hirsch- 
feld, Kais. Verwaltungsbeamte. 1905. — 0. Seeck, Geschichte d. Untergangs d. alt. 
Welt. Derselbe, Pauly-Wissowa IV Sp. 664 ff. 671 ff. u. sonst. — M. Geizer, Studien 
z. byz. Verwaltung Ägyptens. 1909 und Archiv V 346 ff. — Preisigke, Girowesen. 1910. 

§ 1. DIE RESSORTS. 
Wiewohl im Verfolg der diokletianisch - konstantinischen Reformen 
(vgl. S. 66 ff.) alle öffentlichen Einnahmen dem allein souveränen Kaiser 
gehörten, wurden doch in der Verwaltung zwei Hauptressorts nebenein- 
ander gestellt, die freilich mehr nach praktischen als nach juristischen 
Gesichtspunkten getrennt waren, und deren Grenzen je nach der Willkür 
des Herrschers verschoben wurden: die sacrae largitiones und die res pri- 
vatae, die ungefähr dem fiscus und der von Septimius Severus im Reiche 
eingeführten res privata (vgl. S. 155) der vorhergehenden Periode entsprachen. 



1) Vgl. Wilcken, Gr. Ostraka I 655 ff ; Preisigke, Girowesen. 

2) Vgl. 0. Hirschfeld, KV 364 ff.; Wilcken, Arch. IV 126. 

3) Vgl. Wilcken, Gr. Ostraka I 658 ff. 

4) Vgl. Wilcken, Gr. Ostraka I 661 ff. Preisigke zu P. Straßb. 45 und jetzt 
ausführlich im Girowesen. Rostowzew, Arch. III 212 ff. 



162 Kapitel IV. Die Finanz-Ressorts. Ihre Organe und Kassen. 

Das Ressort, der sacrae largitiones, so genannt, weil der Kaiser aus 
ihm die außerordentlichen Gnadengeschenke an die Soldaten und Beamten 
bestritt („Gnadenkasse"), wurde aus den verschiedensten Steuern und 
Zöllen und den Erträgen von Bergwerken, Monopolen und kaiserlichen 
Fabriken gespeist. 1 ) Dem Ressort der rts privatae wurden vorwiegend, 
wenn auch nicht vollständig und auch nicht ausschließlich, die Erträge 
der kaiserlichen Domänen („Domanialkasse") sowie der durch Konfiskation 
oder sonst an den Kaiser gefallenen Güter zugeführt. 2 ) Von diesem hat 
später Kaiser Anastasius (491 — 518) das sacrum Patrimonium als beson- 
deres Domänenressort abgezweigt. 3 ) 

Wie es ein eigenes Ressort „fiscus" jetzt nicht mehr gibt, so ist auch 
tö (IsQcotaTov) tafiulov jetzt nicht mehr Bezeichnung eines bestimmten 
Ressorts. Es kann sowohl auf die Largitionen wie auf die res privata 
angewendet werden. Vgl. M. Geizer, Studien S. 41 ff. 

§ 2. DIE BEAMTEN. 

An die Spitze dieser neuen Ressorts wurden zwei hohe Hofbeamte 
gestellt. Der oberste Leiter der Largitionen hieß anfangs rationalis, dann, 
als unter Constantin auch der Oberleiter der res privata diesen Titel be- 
kam, zur Unterscheidung rationalis summae rei, und nach 340 comes 
sacrarum largitionum. Anfangs nur vir perfectissimus, war er nun illustris. 
Der Obervorsteher der res privata hieß anfangs magister privatae, unter 
Constantin rationalis privatae und nach 340 comes rerum privatarum, 
gleichfalls zunächst v. perfectissimus, dann illustris.*) 

Unter diesen Oberleitern, je einem in jeder Reichshälfte, arbeitete 
in den Provinzen eine große Zahl von Unterbeamten, über die die No- 
titia dignitatum nach dem Stande ihrer Zeit mehr oder weniger voll- 
ständig Auskunft gibt. 5 ) Für Ägypten nennt sie für die Largitionen außer 
einem comes commerciorum per Orientem et Aegyptum 6 ) den comes et ra- 
tionalis summarum Aegypti?) Auch dieser hat, wie sein Chef, den comes- 
Titel erst später erhalten. Anfangs hieß er v. perf. rationalis Aegypti 
(CIL III 17). Vgl. 6 diccCr}[i6tccrog xa&ofoxös (CIG III 4892, aus Dio- 
kletians Zeit), nachher Xa(i7CQ6xarog (CIG III 4807). 8 ) Ob alle xa&ofoxot, 
die in den Urkunden dieser Periode begegnen, mit dem Vorsteher der 



1) Vgl. Seeck, Pauly-Wiss. IV 611 ff. 

2) Seeck 1. c. 665 ff. 

3) Seeck 1. c. 676. Vgl. Hirschfeld, KV 47 Anm. 4. 

4) Bethmann-Hollweg 1. c. ; Hirschfeld, KV 36 f. ; Seeck 1. c. 

5) Vgl. Or. 13 und 14; Oc. 11 und 12. 

6) Ägypten war seit 382 eine eigene Diözese. Siehe oben S. 74. 

7) Ein lafingoraros xdfi(Tjs) xcc&oUh/ aus späterer byzantinischer Zeit in Wien. 
Denk. 37, 5 [207] Nr. 64. 

8) Vgl. Insc. gr. ad res Rom. pert. I 1211, 1215, 1220. 



I. Die staatliche Verwaltung. C. Die byzantinische Zeit. § 2. Die Beamten. 163 

Largitionalia identisch sind 1 ), ob nicht vielmehr auch mit einem ratio- 
nalis rei privatae zu rechnen ist, wie er durch Not. dign. Oc. XII für die 
Teile des Westens und durch die sehr unvollständige Darlegung in Or. 
XIV mit dem allgemeinen rationales rerum privatarum auch für den Osten 
bezeugt ist 2 ), bedarf noch weiterer Untersuchungen. 3 ) VgL unten zu P. 
Lond. II S. 287 (179). Außerdem kennen wir für den Anfang des IV. Jahr- 
hunderts den magister rei privatae. 4 ") Vgl. zu BGrU 927 (178). Die Papyri 
nennen aber auch einen eitCtoonog %v\g %Qiovdxt\g. Vgl. Wessely, Wien. 
Stud. 1902, 145. Zu diesem Zeugnis tritt jetzt der inCrQonog \it\oiovdxrig 
Alyvnxov aus dem Anfang des IV. Jahrh. in P. Lips. Inv. 508 (vgl. 
Bd. II, 196) hinzu, der offenbar für ganz Ägypten kompetent ist. Ist er der 
Vorgänger des magister rei privatae? Nach 0. Hirschfeld, KV 359/60 
wäre der xa&ofoxög der byzantinischen Zeit aus dem ÖLOLXTjtTJg der vor- 
hergehenden Periode hervorgegangen. Nachdem wir inzwischen einen 
xa&ofoxog auch für Ägypten schon fürs Jahr 246, vielleicht schon für 
202/3 kennen gelernt haben (s. oben S. 157), ist zu untersuchen, ob nicht 
vielmehr in diesem der Vorgänger zu sehen ist. Der Magister rei pri- 
vatae Aegypti tritt an die Stelle des nun verschwindenden Idiologos. 5 ) 
Vielleicht wird nach obiger Vermutung zunächst der proc. rei priv. als 
Nachfolger anzunehmen sein, der titular einen noch genaueren Anschluß 
an den procurator des idiog Xoyog ergeben würde. 

Die termini tä ovöiaxd, ovöCcu, ov6iux.bg Xöyog für das Patrimonium, 
das jetzt, ohne eigenes Ressort zu sein, zur res privata gehörte, ver- 
schwinden jetzt allmählich. 6 ) An die Stelle des Titels procurator usiacus 
(s. oben S. 158) tritt jetzt der diaörj^ototog inlroonog dsGTtoTixcbv xvrf- 
<5E(ov (P. Lond. II S. 287 [179]) 7 ). Andererseits dringt der lateinische 
terminus Patrimonium auch ins Griechische ein. Vgl. Oxy. VI 900, 5 (a. 322) : 
TtQUMoöixog narQiiL(ov( s i}aXi(xiv 9 ') dsxdrov ndyov. Als Anastasius um 509 
das Patrimonium von den res privatae abzweigte, stellte er es unter einen 
comes sacri patrimonii (xöfirjg tfjg tdixfjg xtrjßsag). 9 ) Falls ovöia^ in 



1) So P. Meyer, z/khxtjcis S. 147 und O. Hirschfeld, KV 358. — Belege: Lond. II 
S. 287. III S. 240; Oxy. I 41; BGU 21 IH 10; Mel. Nie. S. 187 ff.; Flor. 54, 6. Siehe 
auch vorige Anmerkung. 

2) Vgl. auch Bethmann-Hollweg HI 73, 36. 

3) Vgl. Wilcken im Addendum bei M. Geizer, Studien (vor S. 1). 

4) CIL III 18. 

5) So Hirschfeld, KV 358. 

6) OußiaxTj yfj noch in CPR 19, 6 vom J. 330; vgl. jetzt auch P. Cair. Preisigke 4 
vom J. 320. 

7) So nach Rostowzew Hirschfeld, KV 358, 3. Geizer 1. c. 68 vergleicht ihn dem 
procurator possessionum nostrarum in Cod. Theod. XVI 10, 13 und I 32, 7. 

8) Vgl. die patrimoniales fundi (= Domänen) in den Konstitutionen, z. B. Cod. 
lust. XI 62 u. sonst. 

9) Cod. Just. I 34; Lyd. de mag. H 27. Vgl. Seeck 1. c. 676. 



164 Kapitel IV. Die Finanz-Ressorts. Ihre Organe und Kassen. 

Lond. III S. 249 (1083, 1) richtig gelesen ist, dürfte dies hiermit zu er- 
klären seiü. Vgl. auch ovöla in dem Erlaß des Anastasius selbst 1. c. 

Außer diesen speziellen Finanzbeamten dienten die gesamten oben 
aufgeführten Verwaltungsbehörden, von den praefecti praetorio bis zu den 
praesides und den städtischen und dörfischen Behörden auch den Zwecken 
der Finanzverwaltung. 

§ 3. KASSEN UND MAGAZINE. 

Die Zentralkasse für den comes largitionum war das sacrum aerarium, 
für den comes r<rum privatarum das privatum aerarium. Daneben stand 
als dritte Zentralkasse die arca, die ein jeder der vier praefecti praetorio 
zu verwalten hatte, in die speziell die für die Besoldung der Truppen 
und Beamten bestimmten Abgaben (annona) flössen. Unter diesen Zentral- 
kassen standen die Diözesan- und Provinzialkassen. 

Wie in Ägypten das Kassen wesen dieser Zeit geregelt war, darüber 
haben wir erst neuerdings einige Aufschlüsse bekommen. 1 ) 

Die Einrichtung der dt][i66t,cu tqccjis£ccl, wie sie in der vorhergehenden 
Periode bestand, hat sich bis mindestens in die Mitte des IV. Jahrh. ge- 
halten. 2 ) VgL P. Amh. 140 (a. 349), wo eine amtliche Zahlung dg xrjv 
drjuoeCccv tgccns^av erfolgt. 8 ) Ein späteres Beispiel für das Vorkommen 
von drjfioöla tgans^a = „Regier ungskasse" ist mir nicht erinnerlich 4 ), doch 
habe ich nicht hieraufbin das gesamte Material durcharbeiten können. 
Die TQctTtE&i resp. TQajis&Tai, die auch später noch begegnen, werden 
Banken resp. Bankiers im Sinne der vorhergehenden Periode sein. Eine 
neue Erscheinung, die mit der Entwicklung der Grundherrschaften zu- 
sammenhängt, ist es, daß die großen Grundherrn sich ihre eignen Privat- 
banken halten (tqccii££cu, TQaKs^itaC) , ähnlich wie sie auch ihre eigene 
Post u. a. führen. 5 ) Das sind also Privatbanken, die mit den Regierungs- 
kassen nichts zu tun haben. 

In den achtziger Jahren 6 ) des IV. Jahrh. stoßen wir nun auf die 
XQvöävcu (P. Lips. 61 [187], 62 [188], 63; Flor. 95) 7 ) oder %qv<5g>ves 
(Lips. 102 I 7; ebenso im Ed. Just. XI). Dem Namen nach könnte man 



1) Vgl. jetzt M. Geizer, Studien 36 ff. und Arch. V 346 ff. 

2) Wohl aus diokletianischer Zeit stammt die Erwähnung x&v xov vofiov dr\- 
woaioav %QruLÜTG}v XQuns&xäv in BGU II 620 (186) und P. Class. Philol. 1174 n. X. 

3) Vgl. jetzt auch P. Cair. Preisigke 33 (a. 339): xjj xjjg inccQxias XQanigj]. 

4) So auch M. Geizer, Studien S. 61. 

5) Vgl. die Banken der Apionen in Oxyrhynchos, z. B. Oxy. I 136 (a. 583): xbv 
XafiJtgöxaxov XQK7iE^lxriv xov ivdol-ov oi'xot). 

6) In einem Würzburger Papyrus begegnet schon im J. 335 ein xQv6wvr\g, aber, 
da es Fragment ist, ist sein Charakter nicht ganz klar. 

7) Auch in Oxy. I 126, 13 (180) vom J. 572 ist xqvgwvji zu verbinden (Geizer). 
Jetzt bieten die P. Cairo Cat. (67033 ff) zahlreiche neue Belege für das VI. Jahrh. 



I. Die staatliche Verwaltung. C. Die byzantinische Zeit. § 3. Kassen und Magazine. 165 

sie für private Geldwechsler halten. 1 ) Aber sie treten 11. cc. ohne Zweifel als 
staatliche Funktionäre auf. 2 ) Entscheidend für ihren amtlichen Charakter 
ist P. Oxy. 126, 13 (180), wonach die xavovixd zu zahlen waren reo xaxa 
xaiQbv iQ-vixa %Qv6civri, s ^ ao dem jeweiligen Provinzial-^pvtfeävijg, wie 
die aQxccQLxd dem jeweiligen uQxccQi<(xccQLyoQ. Zumal die 8r^i66iaL tqcc- 
7t£t,ai Ende des IV. Jahrh. nicht mehr zu begegnen scheinen, werden 
wir daher die %qv6cövcci wohl für den Ersatz für die vorher 
eingegangenen drjpöOLOi tgaTce^ltai halten dürfen. 3 ) Sie sind also 
nicht Bankiers, sondern Regierungskassen-Beamte, und zwar stehen 
sie der Regierungs-Provinzialkasse vor, denn wie in P. Oxy. 126 
von dem jeweiligen i&vixbg xQvöavrjg die Rede ist, so heißen sie in P. 
Lips. 61 — 63 und Flor. 95 iQvöcjviqs STtaQxslccg &rjßatdog. Also für die 
damals noch ungeteilte Thebais gab es ein %Qv6avr}g -Bureau, und zwar 
in Antinoopolis, der damaligen Hauptstadt der Thebais (S. 82). Ebenso 
werden die anderen Teilprovinzen auch ihren xQ V(S( ovrjg in ihrer Haupt- 
stadt gehabt haben. Für das Ansehen des Amtes des %Qv<5(övrig spricht, 
daß es 11. cc. von einem 7iolirsv6(ievog, also einem Curialen von Anti- 
noopolis bekleidet wird. Wie die Papyri zeigen, steht er unter dem Be- 
fehl und der Kontrolle des betreffenden Teilstatthalters. 

Für die Beziehungen dieser Provinzialkassen zu der Reich szentralkasse 
ist m. E. von großer Bedeutung die Bemerkung in P. Lips. 62, 14 (188): 
äjceöTccXrjöav e£g rovg frstovg frrjöccvQovg (vgl. Z. 29/30). Solche kaiserlichen 
&r]6av()0L, an die die empfangenen Geldsteuern abgeliefert wurden, sind 
die Filialkassen der Zentralkasse des comes sacrarum largitionum, die mit 
dem Namen ihesauri in den Hauptplätzen der Diözese jede unter einem 
praepositus thesaurorum eingerichtet waren, unter der Oberleitung eines 
comes thesaurorum (oder largitionum) für die gesamte Diözese. 4 ) So hat 
auch Ägypten (seit 382 Diözese) seinen eigenen comes thesaurorum oder 
largitionum damals gehabt. 5 ) Nach Analogie der in Not. dign. Oc. 11, 21 ff. 
genauer mitgeteilten Einrichtungen des Westens könnte man erwarten, 
daß es auch in Ägypten mehrere praepositi thesaurorum, also auch ver- 
schiedene thesauri an verschiedenen Plätzen der Diözese gegeben hätte. 
Aber aus Ed. Just. XI 2 Ende (tc3 ts itQou%o6lx(p t&v ftstcov rj^iäv &r]- 
6avQß)v) scheint mir zu folgen, daß es in Ägypten nur einen prae- 
positus gegeben hat, und P. Lips. 62 (188) bestätigt dies. Also gab es 
für Ägypten nur eine Zentralkasse (frrjöavQoC), natürlich in Alexandrien. 
Diese Sonderheit erklärt sich, glaube ich, aus der geographischen 



1) Wie es z B. der ccQyvQoitQätrjg in Oxy. I 144 (a. 580) in Alexandrien ist. 

2) So schon Mitteis zu P. Lips. 62 S. 190 f. 

3) So jetzt auch M. Geizer, Studien S. 61. 

4) Vgl. Seeck 1. c. 657; M. Geizer, Studien 38. 

5) Vgl. Not. dign. Or. 13, 5: comites largitionum per omnes dioeceses. 



166 Kapitel IV. Die Finanz-Ressorts. Ihre Organe und Kassen. 

Eigentümlichkeit des langgestreckten schmalen Niltals. Während z. B. in 
der Diözese Italien (vgl. Not. dign. Oc. 11, 26 ff.) die verschiedenen The- 
sauren, deren Aufgabe es war, die eingegangenen Gelder an die Zentral- 
kasse des Westreiches zu schicken (Cod. Just. X 23, 1), derartig gelegen 
waren, daß von jedem Punkt aus direkt der Transport nach der Zentral- 
kasse vorgenommen werden konnte 1 ), hätten in Ägypten die Sendungen 
von weiter südlich gelegenen Thesauren aus doch alle über Alexandrien 
geführt werden müssen. So wurde hier nur das eine Thesaurusamt in 
Alexandrien errichtet, dafür aber in den Teilprovinzen zur Erleichterung 
der Sendungen aus den ferneren Gebieten jene Provinzialkassen unter den 
XQVöavca geschaffen. Vielleicht erklärt sich so, daß %Qv6ävai nur für 
Ägypten bezeugt werden. 2 ) 

Wie die Geldsteuern an den %Qv6(bvr]g der Teilprovinz gezahlt wur- 
den, so die an die arca des praef. praetorio abzuführenden Abgaben 
(aQxccQLxd) an den arcarius. Vgl. hierzu P. Oxy. I 126 (180). 

Auch für die Magazinverwaltung der byzantinischen Zeit sind die 
Papyri noch genauer durchzuarbeiten. 3 ) Auch hier begegnen einstweilen, 
ähnlich wie beim Kassen wesen, die alten Einrichtungen der vorhergehen- 
den Periode. So werden öixoXoyoi in Amh. 140 für 349 und in Amh. 139 
für 350 bezeugt. Ja, der Titel begegnet noch in Flor. 78, 2, den Vi- 
telli, allerdings mit einem Fragezeichen, dem V./VI. Jahrh. zuweist. Auch 
der Name d-rjöavQÖg für das Naturalm agazin begegnet z. B. in Lips. 84 
(Diokletians Zeit), Straßb. 45, 7 (a. 312), Lips. 97 XX 6, XXIII 9. Wie 
lange sich diese alten Einrichtungen und Namen erhalten haben, ist noch 
zu untersuchen. Allmählich wird die Bezeichnung d-rjöavQÖg für den 
Speicher durch oqqlov = horreum verdrängt, so schon in Flor. 75, 18 vom 
J. 380, in jüngeren Zeiten ganz allgemein (vgl. z. B. Wessely, Klein. Form. 
S. 272). 



IL DIE STÄDTISCHE VERWALTUNG. 

Zum Schluß soll kurz auf die entsprechenden Einrichtungen in den 
Städten hingewiesen werden. Die städtische Finanzverwaltung ruhte in 
der Hand jener städtischen Beamten, die wir im I. Kapitel durch den 
Wechsel der Jahrhunderte hindurch verfolgt haben. An dieser Stelle sollen 
nur diejenigen Chargen und Einrichtungen hervorgehoben werden, denen 
jene sich zur Durchführung der städtischen Finanzwirtschaft bedient 



1) Aquüeia, Mediolanum, Roma, Augusta Yindelica. 

2) So außer den Papyri im Ed. Just. XL Dagegen fehlt ein Hinweis auf diese 
Zwischenstelle im Cod. Just. X 23, 1. 

3) Vgl. jetzt M. Geizer, Studien S. 59 f. 



II. Die städtische Verwaltung. 167 

haben. 1 ) Nach Maßgabe der zurzeit vorhandenen Quellen sind wir fast 
ganz auf die römische und byzantinische Zeit angewiesen. 2 ) 

Nachdem vorher die städtische Finanzverwaltung in der Hand der 
&()%ovTsg gelegen hatte, ging sie nach Erteilung des Stadtrechtes (a. 202) 
auf die ßovXtf über. Der Vorsitzende des Rates, der Prytan, wird in Oxy. 
I 55 (196) geradezu als der dieitcov rä tcoXitlxcc bezeichnet, wozu man 
wohl mit Preisigke (S. 16 Anm. 4) xQW atcc hinzuzudenken hat. An der 
Spitze der städtischen Kassenverwaltung stand der dem auswärtigen 
Quaestor entsprechende tcc^Cag, genannt tafiCag täv itoÄttixav xQ^iidtav 
(Oxy. I 55 [196]) oder auch spezieller ta^iCccg tioXltixg)v Xrjfi^idtcjv (BGU 
III 934). Unter diesem tccfiCag stand die Stadtkasse, die %olixi'ny\ XQane^a 
(Oxy. I 84 [197]), die für die Stadt dieselben Dienste leistete wie die 
ßccöLfojtr) resp. drjfioöCa tQccTts^a (die sich neben ihr in jeder Stadt befand) 
für den Staat. Daneben wird auch der Ausdruck 6 itoXiTLxbg koyog oder 
6 trjg nökEcog X6yog konkret auf die Stadtkasse angewendet. Vgl. Oxy. I 
54, 15 [34]), 55, 7 [196]) usw. 3 ) Die städtischen Gelder heißen itoforixu 
XQrjfiuta (Oxy. I 55 [196]). 4 ) Die Beamten dieser Stadtkassen werden 
zum Unterschied von den staatlichen und privaten Trapeziten als die %o- 
kixiKol tqcctieIixui bezeichnet. Vgl. Straßb. 28 vom J. 305. Wenn in Oxy. 
84, 8 f. (197) vom J. 316 der Trapezit heißt drjfioßCav Xtjlfijfidtcjv tQcats- 
&tr]g '0^(yQvyxttov) TtoXitm^g xqaiti'Qqg^ so ist hier drjfiööLog nicht mehr 
in der alten prägnanten Bedeutung wie früher gebraucht. Vgl. den Kom- 
mentar. Hierzu paßt es, daß in noch späterer Zeit 6 drjtiööiog loyog ge- 
radezu die Stadtkasse (vgl. Straßb. 47 — 51 aus dem VI. Jahrh.) oder 
andererseits auch die Dorfkasse (in den P. Cairo Cat.) 5 ) bezeichnet, ein 
Sprachgebrauch, der der älteren Zeit völlig fremd ist. 

Über den Geschäftsgang werden wir namentlich durch einige Liqui- 
dationsgesuche (ahrjösig) unterrichtet. Vgl. die zahlreichen an den Rat 
von Hermopolis gerichteten Gesuche dieser Art in CPHerm. aus dem 
III. Jahr., z. B. 86 (195). Auf Grund dieser Gesuche erfolgte dann die 
Anweisung des Rates an den xuplag. Vgl. auch Oxy. I 55 (196) und 
84 (197). 

Zur Kontrolle der Tätigkeit dieses ta^ilag und überhaupt der städti- 
schen Finanzen gab es eine eigene Behörde in dem „Prüfer", dem e%s- 



1) Grundlegend Preisigke, Stadt. Beamte S. 15 ff. Zur Vergleichung mit den 
auswärtigen Einrichtungen siehe z. B. Liebenam, Städteverwaltung im römischen 
Kaiserreiche, 1900, 328 ff. 

2) Zu dem ptolemäischen oiv.ov6iiog r&v -naxa NccvxQativ vgl. oben S. 13 Anm. 6. 

3) Vgl. Preisigke 1. c. 16. 

4) Daß die Stadt mit diesen Geldern Darlehnsgeschäfte betrieb, zeigt CPHerm. 
23, 7: ifta\yi]6ato axb tov itolitixov %Qrniatog (III. Jahrh.). 

5) Vgl. Geizer, Studien S. 94. 



168 Kapitel IV. Die Finanz Ressorts. Ihre Organe und Kassen. 

Tccörrfg. 1 ) Schon aus Trajanischer Zeit haben wir einen langen Bericht an 
diesen Beamten über die Verwaltung der städtischen Wasserleitung von 
Arsinoe, deren Einnahmen und Ausgaben ihm zur Kontrolle vorgelegt 
wurden (Lond. III S. 181 f. [193]). Aus dem DI. Jahrh. liegen Abrech- 
nungen (diakoyLöfiög) des e&raövrjg mit dem ranCag vor Vgl. CPHerm. 
98. 99. Von diesem i^sTa6t7]g, der offenbar ein ständiger Beamter war, 
sind zu trennen gewisse i^Etdöetg, die gelegentlich im Auftrage des 
Rates einzelnen Personen im Interesse des städtischen Haushaltes als 
munus übertragen wurden. Vgl. CPHerm. 101. 

Die Stadt hatte ihre eigene Rechnungskammer (itofarMov Xoyi6xr\Qiov ) f 
in die z. B. die Quittungen über die von der Stadt ausgezahlten Summen 
von den Empfängern eingereicht wurden. Vgl. CPHerm. 94 (194). 

Auf die Frage der städtischen Abgaben wird in Kap. V, auf die 
städtische Bodenwirtschaft in Kap. VII eingegangen werden. 



DIE ARABISCHE ZEIT. 

Über die Einrichtungen der arabischen Zeit werde ich erst in Kap. V 
handeln, da der grundlegende IV. Band des Londoner Katalogs soeben erst 
erschienen ist. 



1) Auch außerhalb Ägyptens bekannt. Vgl. Liebenam 1. c. 293. 



KAPITEL V. 

DAS STEUEßWESEN. 

A. DIE PTOLEMlEBZEIT. 

Zur Literatur vgl. oben S. 2. J. G. Droysen, De Lagidarum regno etc. (Kl. Sehr. 
II 391ff.). — Franz, CIGII1 S. 297ff. — G. Lumbroso, Recherches sur l'economie poli- 
tique etc. 1870. — F. Robiou, Memoire sur l'econ. polit. etc. 1875. — J. G. Droysen, 
Geschichte des Hellenismus II, III. Derselbe, Zum Finanzwesen der Ptolemäer (Kl. 
Sehr. II 275ff.). — Wilcken, Griech. Ostraka 1899. — M. Rostowzew, Woch. f. 
Kl. Philol. 1900 Sp. 115 ff. Derselbe, Gesch. d. Staatspacht in d. röm. Kaiserzeit 1902. 
— J. Beloch, Griech. Geschichte III 1904. — H. Maspero, Les finances de l'Egypte 
sous les Lagides 1905. — C. Wachsmuth, Wirtschaftl. Zustände in Ägypten wäh- 
rend d. griech. Periode (Hildebrands Jahrbb. f. Nationalök. u. Stat. 3. F. XIX, LXXIV, 
771ff.). — Bouche-Leclercq, Hist. d. Lagides HI. — W. Otto, Priester und Tempel 
1908. — K. Riezler, Über Finanzen und Monopole im alten Griechenland 1904. — 
M. Rostowzew, Studien z. Geschichte des röm. Kolonates 1910. 

§ 1. DIE STEUERN. 

Unter den regelmäßigen Ausgaben des ptolemäischen Staates stehen 
obenan die für Heer und Flotte, die die Weltmachtstellung des Reiches 
zu begründen und dann zu schirmen hatten (vgl. Kap. XI), sowie für die 
Beamtenhierarchie, die das Reich verwaltete. Daran schließen sich die Aus- 
gaben für die glänzende Hofhaltung 1 ) an, für Götter und Priester (vgl. 
Kap. II), für die Landesmelioration und innere Kolonisation, für Kulturauf- 
gaben (wie das alexandrinische Museum und die Bibliotheken) u. a. 2 ) 

Zur Deckung dieser Ausgaben sind die Besitzungen der Ptolemäer — 
und unter den ersten Königen waren es sehr beträchtliche 3 ) — sämtlich 
herangezogen worden 4 ), aber Ägypten war ihr kostbarster und ergiebigster 
Besitz. Für die Finanzwirtschaft Ägyptens haben die Papyri und Ostraka 
uns ein reiches, kaum zu überblickendes Aktenmaterial 5 ) gebracht, aber 

1) Vgl. Lumbroso, Rech. S. 189 ff. 2) Vgl. Lumbroso, Rech. S. 275 ff. 

3) Vgl. oben S. 4. 

4) Zu den Steuern in den überseeischen Besitzungen (Thrakien und Kleinasien) 
vgl. P. Teb. 8 (2) und Dittenberger, Or. Gr. I 55. 

5) Zu dem in den „Ostraka" von mir zusammengestellten Material (bis 1899) 
ist seitdem sehr viel neues hinzugekommen. Vgl. die Indizes der Editionen seit 1899, 
namentlich die lehrreichen Kommentare von Grenfell und Hunt zu Teb. I etc. Neuere 
Zusammenstellungen bei Maspero 1. c. und Bouche-Leclercq 1. c. 



1 70 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

diese Akten bringen nur Einzelheiten, die sich z. T. nur schwer zu einem 
Gesamtbilde vereinigen lassen. Zumal es für Ägypten an literarischen 
Gesamtdarstellungen aus alter Zeit fehlt, ist von hohem Interesse der 
Überblick, der uns über die Einnahmen (TCQoöodob) des benachbarten 
Seleukidenreiches aus der Feder eines Zeitgenossen (III. Jahrh. v Chr.) 
freilich nur in einer schlechten Epitome in Ps. Aristotelis Oeconomica II 
1, 4 (1345 b 28 ff.) erhalten ist. 1 ) Der Verfasser unterscheidet sechs Arten von 
Einkünften: 1. Die vom Grund und Boden (yff), d. h. Domanialgefälle 
(exyÖQLOv) und Grundsteuer (dexccrr]). 2 ) 2. Die Revenuen von Boden- 
schätzen (Minen etc.). 3 ) 3. Die Seezölle 4. Die Landzölle und Markt- 
gefälle. 5. Die Einkünfte von der Viehzucht und zwar (wie beim Boden) 
sowohl durch Verpachtung der königlichen Herden [kTCixa^xia) wie durch 
Vermögenssteuer von privatem Viehbesitz (dexdrrj). 6. Andere Einnahmen, 
wie Kopfsteuer (iitixtcpakaiov) und Gewerbesteuer (isiQcova^iov). Diese 
Einkünfte lassen sich sämtlich auch für Ägypten belegen, nur kennen 
wir hier noch viel mehr Arten, wie ja auch die Epitome nur die wich- 
tigsten hervorhebt. Zumal ihr Einteilungsprinzip kein wissenschaftliches, 
sondern ein praktisches ist (nach der Höhe des Ertrages, vgl. xgccTiörr] 
für die erste Klasse), seien unter Fortlassung der Domanialgefälle, die in 
Kap. VH behandelt werden, und der Monopole, die in Kap. VI für sich dar- 
zustellen sind, hier einige der wichtigeren der in Ägypten damals er- 
hobenen Steuern nach der üblichen Scheidung in direkte und indirekte 
Steuern namhaft gemacht. 4 ) 

Zu den direkten Steuern gehört zunächst die Grundsteuer, durch die 
damals wie in römischer Zeit nicht eigentlich der Grund und Boden, sondern 
der Ernteertrag besteuert wurde. Wie die Domänen den Privatbesitz weit 
überstiegen, der nur allmählich und in geringem Umfange sich entwickelte 
(Kap. VII), so haben auch die Domanialgefälle im Staatshaushalt eine viel 
größere Rolle gespielt als die Grundsteuer — wie auch bei Ps. Aristoteles das 
ixcpoQiov vor der dsxdrri genannt ist. Es scheint nicht eine einheitliche 



1) Die Begründung meiner jetzigen Auffassung, die von dem früher (auch dem 
in den Ostraka von mir) Gebotenen z. T. abweicht, muß ich mir für einen anderen 
Ort vorbehalten. Einzelnes davon habe ich schon bei Rostowzew, Kolonat S. 242 kurz 
mitgeteilt. 

2) So erkläre ich r\v ol (isv ixcpoQiov ol ös dsxuxriv TtQ06ayoQSvov6iv , sprachlich 
gestützt auf imx.scpaXat.6v xs xal %£iQcovä'E,iov itQ06ecyoQ£vo{i£vr] , wo derselbe Fehler 
des Epitomators vorliegt, indem ich daran festhalte, daß ixcpÖQLOv nur den Pachtzins 
bedeutet. Rostowzew, Staatsp. 356, 363 faßte beides (ixcpogiov und dsxdxr}) als Pacht, 
Riezler, Finanzen S. 11 beides als Grundsteuer (wie auch ich früher). 

3) So sind ohne Zweifel mit Boeckh xa. iv xij %ü>qcc l$icc zu verstehen. 

4) Eine Gruppierung des ganzen Materials nach modernen national -ökono- 
mischen Prinzipien habe ich mit Unterstützung L. Elsters in den Ostraka I 405 ff. 
versucht. Im einzelnen habe ich heute manches daran zu ändern, da wir über manche 
Steuern neue Aufschlüsse inzwischen bekommen haben. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 1. Die Steuern. 171 

Grundsteuer gegeben zu haben, sondern mehrere kleinere Steuern (vgl. 
Ostraka I 456) unter besonderen Namen, wie die äQTaßtda, das eitctQov- 
qlov 1 ), ferner Zuschläge wie die «rtypaqpij. 2 ) Die beiden ersten Namen 
weisen auf den Modus der Berechnung hin, denn in Ägypten war die 
Grundsteuer nicht wie im Seleukidenreich eine Quotensteuer (dort öexarrj) 3 ), 
sondern eine Quantensteuer: es wurde pro Arure entsprechend der Er- 
tragsfähigkeit des Bodens ein fester Satz auferlegt, was nur bei genauer 
Katastrierung des Bodens möglich war. 4 ) Die Urkunden haben ferner ge- 
zeigt, daß für Grundstücke, die Weizen oder Gerste, ferner Kroton, Sesam 
oder Knekos trugen, in natura, für die, die Wein, Palmen, Oliven oder 
Obst trugen, in Geld gezahlt wurde. 5 ) Die Geldzahlung gilt auch für die 
meisten anderen Steuern, entsprechend der damaligen Bedeutung der Geld- 
wirtschaft (vgl. Ostraka I 664ff.). Wir haben ferner aus P. Lond. I S. 49 
(221) und namentlich Arch. II 82 ff. (224) eine Gebäudesteuer zu er- 
schließen, die nach dem Nutzungswert berechnet wurde. Vgl. andrerseits 
die elxoött] in Petr. II 11 (2) (223), die von olxoitEÖa erhoben wurde. Die 
für die Ptolemäerzeit überlieferten Gewerbesteuern, wie das tslog der 
Rauhstoff- Arbeiter (xccööotcoiol) 6 ), der Färber 7 ), der Lederarbeiter 8 ), 
der Fährleute 9 ), der Goldschmiede 10 ), werden (wie die ^ELgcova^ta der 
Kaiserzeit) als gewerbliche Lizenzsteuer aufzufassen sein 11 ), neben der es 
eine gewerbliche Ertragssteuer wie die in der Perserzeit hier eingeführte 
dsxdtrj (Ps. Aristot. Oec. II 25, 2) auch jetzt gegeben haben wird. 12 ) An 
Vermögenssteuern kennen wir außer der Viehsteuer (vgl. das riXog 
xg)v itETSLvcbv in Gr. Ostraka II n. 1523) jetzt auch die Sklavensteuer 
(Hibeh 29 (259)). Ebenso ist jetzt auch eine (nur von Männern erhobene) 
Kopfsteuer, die ich in den Ostraka I 245 vor Augustus nicht sicher 
nachweisen konnte, für die Ptolemäerzeit, und zwar unter der Bezeichnung 



1) Zum inaqovgiov vgl. z. B. Hibeh 112. In Ostraka I 194ff. habe ich irrtümlich 
mehrere Abgaben zur Grundsteuer gezählt, die wir heute, namentlich nach P. Teb. I, 
nicht dazu zählen (vgl. besonders Grenfell-Hunt zu Teb. I S. 38 ff.), so auch Domanial- 
gefälle. 

2) Vgl. Teb. I S. 39. , 

3) Die früher aus Orosius gefolgerte Ansicht, die ägyptische Grundsteuer dieser 
Zeit sei eine iti^nxr\ gewesen, hat schon Lumbroso, Rech. 94, widerlegt. Vgl. Ostraka 
I 198. Dies hat 0. Seeck übersehen, der nicht nur in seinem Aufsatz über ,,die Ent- 
stehung des Indiktionenzyklus" (1894) und „die Schatzungsordnung Diokletians" (1895), 
sondern auch noch im H. Bande der „Geschichte des Untergangs der alten Welt" 
(1901) mit dem Fünftel operiert. 

4) Vgl. Griech. Ostraka I 205 ff. 5) Vgl. Griech. Ostraka I S. 199 ff. 

6) Vgl. Griech. Ostraka I 224. 

7) Griech. Ostraka II n. 1516. 8) Griech. Ostraka I 293. 
9) Griech. Ostraka I 394. 10) Griech. Ostraka I 403. 

11) S. Otto, Priester und Tempel I 301. Als Steuer „für die Ausübung" des Ge- 
werbes habe auch ich es in Ostraka I 321 gedeutet. 

12) Vgl. auch Strabo XVII 787 (von den alten Zeiten): yfjv xs xai xi%vag iqya^o- 
fievovs, &<p' mvnsQ xai al 7tQ06odot, Gvvrjyovxo xä ßaßiXst. 



172 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

frkrtcc&s bezeugt. Vgl. Teb. I 103 (288), auch Petr. III S. 174 (66). 
Auch damals wird sie wie später im wesentlichen auf der ägyptischen 
Bevölkerung (luoq) gelegen haben. Die Maxedovss und "Elkrjveg waren 
natürlich davon frei. 

Zu diesen Hauptsteuern kommt eine große Zahl von Zwangs- 
beiträgen zu staatlichen Einrichtungen, wie z. B. für die jährliche Land- 
vermessung (vitsQ yscoiieTQiccg) 1 ), für Kanäle, für die Gendarmerie u. a. 
Vielleicht noch drückender war die Verpflichtung, für die Verpflegung des 
reisenden Hofes, der reisenden Beamten und vor allem der Truppen zu 
sorgen. 2 ) 

Unter den indirekten Steuern seien hier die Verkehrssteuern 
hervorgehoben, unter denen das iyxvxhov, eine 10 resp. öprozentige 
Stempelsteuer sehr häufig begegnet. 3 ) Von besonderer Bedeutung aber 
waren die Zölle. 4 ) Ein- und Ausfuhrzölle wurden an den Grenzen 
des Landes erhoben, sowohl am Mittelländischen Meer (vor allem in 
Alexandrien 5 ), Pelusium) wie in den Häfen am Roten Meer 6 ), ebenso an 
der Südgrenze. Im Interesse der Monopole wurden hier eventuell Schutz- 
zölle erhoben, wie der hohe Zoll auf fremde Öle in Alexandrien und 
Pelusium (Rev.-P. 52, 4 ff.; vgl. Kap. VI). Binnenzölle wurden an der Grenze 
von Ober- und Unterägypten bei der Hermopolitischen cpvkccxYJ erhoben 
(Agatharchides, Geogr. Graec. Min. I S. 122)". Daß auch schon in der 
Ptolemäerzeit wie nachher in der Kaiserzeit (Griech. Ostraka I 276 ff.) 
sogar eventuell für das Passieren der Gaugrenzen kleine Zölle für Waren- 
ausfuhr zu zahlen waren, zeigt jetzt P. Hibeh 80 (290). Zum Torzoll 
(ßianvXiov) vgl. P. Teb. 8 (2) (für Lykien). 

Zu diesen Staatssteuern kamen endlich noch die Tempelabgaben 
hinzu. Vgl. Otto, Priester und Tempel I 340 ff. Unter ihnen ist uns die 
ttrtöiioiQcc durch Rev.-P. 27 ff. am genauesten bekannt geworden. Vgl. Nr. 
249. Die didgccxpCa rot) 2Jov%ov ist erst jetzt durch Teb. II 281 (289) 
aufgeklärt worden (als lOprozentige Kaufsteuer zahlbar an den Gaugott 
des Faijüm). 

Über die Höhe der jährlichen Geldeinkünfte aus Ägypten sind uns 
für Ptolemaios H Philadelphos durch Hieronymus 14 800 Talente Silbers 



1) Vgl. Kenyon, Class. Rev. 14, 171. 

2) Auf diese Verpflegungslasten wird in Kap. IX eingegangen werden. 

3) Griech. Ostraka I 182 ff. Vgl. jetzt Grenfell-Hunt zu Teb. II 350, auch Prei- 
sigke, Girowesen 565. Vgl. Bd. II S. 78. 

4) Vgl. Griech. Ostraka I 276 ff.; Bouche-Leclercq III 320 ff. 

5) Über alexandrinische Zölle handelt Teb. I 5, 22 ff. (260). 

6) Die tsxccQtri von Aevxi] näfir} gehört nicht in die Ptolemäerzeit, sondern in 
die Kaiserzeit und ist wahrscheinlich von den Nabatäern erhoben worden. Vgl. 
Wilcken, Archiv III 195 ff. Zustimmend Bouche-Leclercq III 322, anders Rostowzew, 
Archiv IV 307 und O. Hirschfeld, KV 80/1. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 173 

und für Ptolemaios Auletes durch Cicero 12 500 Talente Silbers über- 
liefert. 1 ) In diesen Zahlen tritt uns der wirtschaftliche Niedergang der 
späteren Zeit entgegen, dem erst Augustus eine Ende gemacht hat. 

§ 2. DIE STEUERVERANLAGUNG. 

Voraussetzung für die Berechnung der Steuern war die Feststellung 
der im Reiche vorhandenen Steuersubjekte und Steuerobjekte. 

1. Die Feststellung der Steuersubjekte. 2 ) 
Schon seit dem Mittleren Reich ist die Feststellung der Bevölkerung 
als Grundlage für die Heranziehung zu den finanziellen und persönlichen 
Lasten nachweisbar. 3 ) Die neuerdings von Borchardt aufgestellte Hypo- 
these, daß schon damals wie in der Kaiserzeit alle 14 Jahre solche Fest- 
stellungen stattgefunden hätten 4 ), hat sich jedoch nicht bewährt. Nach 
Herodot II 177 (vgl. Diod. I 77, 5) hat später Amasis angeordnet, daß jeder 
Ägypter alljährlich den Behörden sein Einkommen persönlich anzeige, was 
auch zu einer Aufzeichnung der Steuerzahler führen mußte. 5 ) Daß in der 
Ptolemäerzeit die Bevölkerung festgestellt wurde, war schon aus Diod. 
XVH 52, 6 zu ersehen, wonach ol rag avaygacpäg 8%ovtEg x&v xutoikovv- 
xav ihm 300 000 Freie für Alexandrien angegeben hatten. 6 ) Die Papyri 
zeigen jetzt, daß damals die Hausvorstände zur schriftlichen Anzeige (cctco- 
yQcccpif) ihrer selbst und ihrer Hausgenossen verpflichtet waren. Vgl. 
P. Alex. (198). Wahrscheinlich ist auch P. Lille 27 (199) eine solche 
ccnoyQucpy]. Da in Nr. 198 die Subjektsdeklaration mit der notwendig jähr- 
lich zu erneuernden a7toyQa<prj des wechselnden Kornbesitzes (s. unten 
S. 175) auf einem und demselben Blatte verbunden ist, so ist mit großer 
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß auch diese Personalangaben alljähr- 



1) Vgl. Griech. Ostraka I 412 ff. Umstritten ist noch die Deutung der Angabe 
des Diodor 17, 52, 6. Vgl. Ostraka S. 414. Inzwischen hat Wachsmuth 1. c. 803 in 
diesen 6000 Talenten speziell die Einnahmen des idiog Xoyog sehen wollen, was mir 
durch Diodor nicht indiziert zu sein scheint. 

2) Vgl. Griech. Ostraka I 435 ff. Levison, Die Beurkundung des Zivilstandes im 
Altertum, Bonn. Diss. 1898. Bouche-Leclercq III 289 ff. 

3) Daß die Beweise aus dem Alten Reich fehlen, hält E. Meyer, GAP (2) S. 180 
mit Recht (vgl. S. 149) für Zufall. Vgl. auch S. 251. Zu den Zähllisten aus Kahün 
vgl. Griffith, The Petrie Papyri, hieratic papyri from Kahun 1892 S. 19 ff. 

4) Vgl. Borchardt bei H. Schäfer, Ein Bruchstück altägyptischer Annalen iAbh. 
Berl. Akad. 1902) S. 9 Anm. 1. 

5) Wahrscheinlich war auch damals, ähnlich wie in P. Alex. (198), die An- 
gabe des Einkommens verbunden mit der Auskunft über die Personen des Haus- 
standes. 

6) Vgl. hierzu Gr. Ostraka I 487 Das &vayg<xcpäg darf nicht mit Bouche-Leclercq 
III 291 als terme impropre pour aitoygacpäg genommen werden: die avccyQacpcd sind 
die Listen, die auf Grund der a.TtoyQa.cpui aufgestellt werden. 



J74 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

lieh zu erneuern waren. 1 ) Zumal bei der damaligen knappen Form der 
njuyQcccpT] war diese Belästigung keine allzu große. Diese ptolemäische 
Einrichtung ist also wahrscheinlich eine direkte Weiterführung der vor- 
gefundenen ägyptischen Ordnung. Unter dieser Voraussetzung findet die 
Tatsache, daß aus der Ptolemäerzeit keine Geburts- oder Todesanzeigen 
bekannt sind, ihre Erklärung: diese waren bei jährlichen Subjektsdekla- 
rationen überflüssig. 2 ) 

Auf Grund dieser Selbstdeklarationen der Untertanen, die gewiß auch 
einer amtlichen Nachprüfung unterlagen, konnten die verschiedenen Be- 
völkerungslisten, wie die Regierung sie für verschiedene Zwecke brauchte, 
aufgestellt werden. 3 ) Speziell die Aufzeichnung der kopfsteuerpflichtigen 
ägyptischen Bevölkerung (vgl. oben S. 172) scheint man als XaoyQacpiu be- 
zeichnet zu haben. Vgl. P. Teb. 103 (288) und dazu Teb. 121 IV 60 f. 
Hin und wider werden auch Volkszählungen vorgenommen worden 

sein. 4 ) 

2. Die Feststellung der Steuerobjekte. 5 ) 

Die schwierige Aufgabe, die Objekte für die zahlreichen Steuern fest- 
zustellen, haben die Ptolemäer dadurch zu lösen gesucht, daß sie Selbst- 
deklaration der Steuerzahler und amtliche Nachforschung und Feststellung 
miteinander verbanden. Dies Prinzip tritt klar hervor in den einzigen 
uns erhaltenen Steuereinführungsordres — den nQoGtdy^axa, durch die 
Ptolemaios II Philadelphos die Veranlagung zu der von ihm neu organi- 
sierten caiöuoiQcc einleitete: von den Beamten und den betreffenden Grund- 
besitzern werden parallele uttoyQayul eingefordert. Vgl. Rev.-P. 36 — 37 
(249). Handelt es sich hier um eine Ausnahmebestimmung aus Anlaß 
der Umwandlung einer erst jetzt in staatliche Verwaltung übergehenden 
Abgabe, so haben doch dieselben beiden Faktoren ebenso auch für die 
reguläre Steuerveranlagung nebeneinander gewirkt. Für die Immobilien 
stand den axoyQcccpccC der Hausbesitzer der amtliche Kataster gegenüber, 
der andrerseits für die Berechnung der Grundsteuer für sich genügte und 
ohne Deklarationen evident gehalten wurde (s. unten), während für die 
Mobilien die uTCoyQcccpccC eventuell durch amtliche Nachforschung (Aus- 
zählung oder dgl.) kontrolliert wurden. 

1) Vgl. Gr. Ostraka I 437. Zustimmend H. Maspero 1. c. 221, Bouche-Leclercq 1. c, 
Wachsmuth 1. c. 778. 

2) Vgl. auch Bouche-Leclercq III 292. 

3) Vgl. die ccvayQccqxxi bei Diodor. Oben S. 173 Anm. 6. Listen von Haus- 
ständen, die auf die aitoyQccycd zurückgehen, vgl. in Petr. III S. 175/6, S. 177 (nach den 
oUiai geordnet). Eine Summierung ist erhalten in Petr. ILT S. 174 (66). Eine Zählung 
nach den Gewerben in Petr. III S. 173. 

4) Außer den oben genannten 300 000 Freien von Alexandrien nennt Diodor an 
anderer Stelle (I 36, 6) 7 Millionen Einwohner fürs ganze Land für seine Zeit. Zu 
dieser Zahl vgl. meine Gr. Ostraka I 489 f. und dazu Wachsmuth 1. c. 779 f. 

5) Vgl. Gr. Ostraka I 466 ff. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 175 

a. Die anoyqayui. 

Es ist bisher nicht bemerkt worden, daß, ähnlich wie wir es für die 
Kaiserzeit durch das Edikt des Mettius Rufus gelernt haben (s. unten), 
so auch in der Ptolemäerzeit bezüglich der Periodizität der Deklarationen 
zwischen denen für Immobilien und für Mobilien ein Unterschied be- 
standen hat. 

Immobiliendeklarationen liegen vor (sämtlich aus dem III. Jahrh. 
v. Chr.) in Lond. I S. 49 (221), Petr. III S. 200 (222). Vgl. auch P. Cairo 
in Arch. II 82ff. (224) und Petr. II 11 (2) (223). Nur die beiden ersten 
sind aTtoygacpccC, gerichtet an den s7iLfisXrjT7Jg resp. ßccöiXixbg yQafifiaxevg. 
Die unter 224 vereinigten Stücke sind nicht aitoyQCKpul, sondern Anzeigen 
an den iTii^iEXrjxrjg über aitoyQcccpaC, die bereits an den olxovöfiog und 
ßa6iXixbg yQccfificcxtvg vollzogen sind. Der Brief Nr. 223 erwähnt eine 
aitoyQacpri eines olxönedov an das xeXaviov (s. Kommentar). Die Tat- 
sache, daß diese cciioyQacpai alle an Finanzbehörden gerichtet sind, erhebt 
es über jeden Zweifel, daß sie zu Zwecken der Steuerveranlagung ein- 
gereicht sind. Vgl. im besonderen in der Meldung an den Epimeleten: 
Iva Ta£[a>/i<u] xä xcc&rjxovxoc xsXrj xovxcov (224). In allen Fällen handelt 
es sich um Gebäude. In dem allein vollständig erhaltenen P. Lond. werden 
die Maße der Gebäude und ihre Orientierung nach den Nachbarn ange- 
geben, außerdem wird wie auch in den P. Cairo der Wert taxiert. Über 
Grundbesitz ist aus dieser Periode keine Deklaration bekannt 
(s. unten S. 177). 

Der Hinweis auf ein 7tQÖ6xay[ia in den beiden anoyqacpai 1 ) macht es 
mir jetzt (nach Kenntnis des Edikts des Mettius Rufus) so gut wie sicher, 
daß diese Immobiliendeklarationen nicht, wie wir annahmen 2 ), alljährlich 
einzureichen waren, sondern von Zeit zu Zeit durch besondere königliche 
Verfügung angeordnet wurden. Ob es dafür regelmäßige Perioden gegeben 
hat 3 ), oder je nach Bedarf die Deklarationen verlangt wurden, was wohl 
wahrscheinlicher ist, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen. 

Mobiliendeklarationen liegen vor über Getreidevorräte (in P.Alex. 
[198], angeschlossen an die Subjektsdeklaration, sowie in einem kleinen 
Fragment des Alexandrinischen Museums [241]), über Viehbesitz (Hib. 33 
[243] und Petr. III S. 201 [242]), über verschiedene Utensüien (Petr. II 
Intr. S. 33 [244]), alle aus dem III. Jahrh. v. Chr. Die Adressaten sind 
nur in Hib. 33 genannt: der olxovö^iog und in der Paralleleingabe der 



1) Das Fehlen in den Meldungen der P. Cairo beweist um so weniger etwas, als 
Petr. IL! S. 200, das an den hier genannten 'I(iov&rjg gerichtet ist, das ngoatccyiiu 
nennt. 

2) Gr. Ostraka I 458. Auch noch Bouche-Leclercq III 291 ff. 

3) An sich wäre dies durch das stpdßTayfia nicht ausgeschlossen: auch die alle 
14 Jahre fälligen Zensuslisten der Kaiserzeit berufen sich auf ein TtQÖazuy^cc. 



176 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

TonoyQaii^iaTSvg. Daß diese aiioyQctcpcd alljährlich eingereicht werden 
mußten, liegt in der Sache. Darum ist auch hier kein Hinweis auf ein 
XQÖöTccyfia. Wahrscheinlich sind alle derartigen Eingaben amtlich nach- 
geprüft worden, doch liegt für diese Zeit kein direktes Zeugnis dafür vor. 

Alljährlich wie diese aiioy^afpai waren auch die durch das Grund- 
gesetz über die anönoLQcc vorgeschriebenen Abschätzungen (6vvttfi^6sig) 
der Ernte von ccyiTCsX&vag und Ttagdöeiöo^ denn diese Ernten waren variable 
Mobilien. Daß solche Abschätzungen (anders als bei der Grundsteuer) ver- 
langt wurden, hängt mit dem Quotencharakter der cctcoiioiqu zusammen. 
Vgl. Petr. II 27, 1 (250) und 30 (e). 

Eine besondere Gruppe bilden endlich die Zolldeklarationen (cbro- 
ygucpcd), die in dem betreffenden vopog teXcovixög zum Vorzeigen auf der 
Zollstation vorgeschrieben wurden. Vgl. Rev.-P. 52, 13 ff. Vgl. auch aus 
der Kaiserzeit Oxy. I 36 (273). 

b. Der Kataster. 
Wie das Deklarationssystem haben die Ptolemäer auch den Kataster 
von ihren Vorgängern übernommen. Was Herodot II 109 von Sesostris 
erzählt 1 ), gilt im wesentlichen auch für die griechische — und römische — 
Zeit (vgl. Gr. Ostraka I 175, 480 ff.). Es waren eben dieselben Natur- 
erscheinungen, die Nilüberschwemmung mit ihren für die Grenzen der 
Grundstücke und nicht minder für ihren Kulturwert so wichtigen Konse- 
quenzen, die einer sorgsamen Regierung zu allen Zeiten dieselben Auf- 
gaben stellten. Schon aus dem dürftigen Material, wie es früher vorlag, 
konnten wir ersehen, daß im besonderen die Dorfschreiber einen Kataster 
führten, aus dem sie auf amtliche Nachfrage Maße, Lage und Wert jedes 
Grundstückes ({letga, yeiTvivci, drf-Cac) angeben konnten. 2 ) Auch die von 
Herodot gekennzeichnete Evidenthaltung des Katasters durch Lokalinspek- 
tionen (£iti6xtil>£i,g) ließ sich schon früher erkennen. 3 ) Aber einen tieferen 
Einblick in die Anlage dieser Kataster haben uns doch erst die für die 
innere Geschichte Ägyptens überhaupt grundlegenden Tebtynispapyri des 
I. Bandes (1902) und der ausgezeichnete Kommentar von Grenfell-Hunt 
gebracht. Auf diese in erster Reihe muß hingewiesen werden, wer in diese 
sehr verwickelten Fragen eindringen will. Hier muß ich mich auf wenige 
Worte und wenige Proben beschränken. Die Tebtynispapyri haben nicht 



1) Ei Si rtvog xov xItjqov 6 nora^iög xt nageXotro, iX&wv ccv 7tQog avxöv iari^iccivs 
xb ysysvr](i£vov ' 6 dh %Ttniits xovg iitio-ASipo^ivovg v.a.1 avccii£XQi]6ovxag ogg> iXdaßav 
6 %coQog yiyovs, oxcog xov Xoiitov xaroc Xöyov xf]g xsxayiiEVTjg anocpOQffg xsXioi. Vgl. 
Diod. I 81, 2, auch Strabo XVII p. 787: aväyv.T\ ö*rj ccvccubxqüo&cu ticcXiv xai itdXiv. 

2) Vgl. namentlich Theb. Bank IV 2, 13 ff. und dazu meinen Kommentar in den 
Abh. Pr. Akad. 1886 S. 46, ferner S. 34 f. den Hinweis auf Tor. I 4, 6 ff., auch Ostraka 
I 485 f. 

3) Vgl. Gr. Ostraka I 175 f. und 485 ff. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 177 

nur neue Belege für die Handhabung des Katasters durch die Beamten 
gebracht — vgl. Teb. 14, Teb. 30 (233) — , sie haben uns vor allem um- 
fangreiche Bruchstücke von Vermessungsurkunden und Listen verschie- 
denster Art beschert, die, wenn auch keines von ihnen selbst als Kataster- 
original anzusprechen ist, doch z. T. auf die Kataster direkt zurückgehen 
und uns dadurch einen Einblick in diese gewähren. Es sind die Urkunden 
aus faijümischen Dörfern (Ende des II. Jahrh. v. Chr.), die die Heraus- 
geber unter dem Gesamttitel „The land survey" (Teb. 60 — 88) zusammen- 
gestellt und im Appendix I (S. 538 ff.) erklärt haben. Es sind Berichte 
vom Dorfschreiber (z. T. auch von anderen Beamten), wie sie alljährlich 
auf Grund des Katasters für die Zwecke der Feststellung der Steuern resp. 
Pachtsummen an die Vorgesetzten einzureichen waren. Eine Gruppierung 
der verschiedenen Akten geben die Herausgeber auf S. 538. Da sind 
Listen der Besitzer von Tempel- und Lehnsland (vgl. Nr. 62, 63, 65), 
Saatenberichte über Königsland (vgl. Nr. 66 — 70), Berichte über unkulti- 
viertes Königsland (Nr. 74 — 75), detaillierte Berichte über den gesamten 
Boden des Dorfes (Nr. 61, 64) usw. Von der geographischen Anordnung 
der geometrisch vermessenen Einzelparzellen im Kataster erhalten wir die 
beste Vorstellung durch die Auszüge Nr. 84 — 87 (231). In mehreren 
dieser Urkunden wie auch in Nr. 78, 81, 82 (232), 83 tritt uns die £%l- 
öKEiptg greifbar entgegen. 

Der Kataster umfaßte also das gesamte Land (itäv «dagpog), das 
Königsland, ebenso wie das Tempel- und Lehns- und Privatland. Er ent- 
hielt genaueste Angaben über den Umfang der Einzelparzellen, über die 
Namen der Besitzer, auf deren Namen sie eingeschrieben waren (avayQoi- 
(pEöd-ai), über die Zugehörigkeit zur yy\ ßecöLXixrj, legd, xXr)()ov%L%rj oder 
idiöxtrjtog (vgl. Kap. VII), über den Kulturzustand, ob es besät war 
(6itoQi[iog) und mit welcher Fruchtsorte, oder ob es unbesät und ohne 
Ertrag war {yTtoXoyog), und aus welchem Grunde (ob aX^ivQig oder 
XeQöog etc.). Im ersteren Falle war ferner der Ertrag in Artaben pro 
Arure gebucht, gleichviel ob es sich um Pachtzins (bei der Domäne) oder 
Grundsteuer handelte, so' daß auch die a%ia jeder Parzelle — im Falle von 
Verpachtungen u. dgl. — festgestellt werden konnte. Wie diese Verhält- 
nisse alljährlich namentlich durch die Nilüberschwemmung einer Ver- 
änderung unterlagen, so mußten auch die Eintragungen des Katasters 
alljährlich einer Revision unterworfen werden. Hierzu dienten die amt- 
lichen Lokalinspektionen. Während in den obigen Urkunden auf diese 
eiti6%Etljeig beständig hingewiesen wird, findet sich nicht ein einziges Mal 
ein Hinweis auf eine caioyQeupri. Es ist daher wohl kein Zufall, daß 
uns, wie ich oben betonte, aus ptolemäischer Zeit keine Grundstücks- 
deklaration erhalten ist. Man scheint also — wenigstens nach dem bis 
jetzt vorliegenden Material — den Kataster lediglich durch die amtlichen 



178 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

Lokalinspektionen und Nachmessungen evident gehalten zu haben, und 
die Nachrichten aus römischer Zeit bestätigen diese Vermutung (s. unten). 
An sich wäre mit diesem System durchaus vereinbar, daß wie in 
der Kaiserzeii auch jetzt anoyQccyaC über die von der Überschwemmung 
verursachten Veränderungen der normalen Ertragsfähigkeit (wie durch 
ctßQo%lcc, eiißQo%Ca etc.) an die Steuerbehörden eingereicht wären, die 
dann als Material für die iititixsipig benutzt wären (vgl. unten), aber 
bisher sind für die Ptolemäerzeit keine Spuren von solchen catoyQcupaC 
gefunden worden. Mit dieser cc7toyQa(pT]-Fra,ge hat es nichts zu tun, wenn 
gelegentlich von Interessenten — aber freiwillig, nicht auf Grund eines 
itQÖötayfia — Anzeigen von eingetretenen Besitzveränderungen zwecks 
Umschreibung des Namens gemacht wurden. Vgl. P. Teb. 30 (233) und 31. 
Diese Anzeigen sind nur durch den Schlendrian bei den unteren Behörden 
veranlaßt worden und richten sich zunächst auch nur an die Syntaxis- 
behörde der Katöken. 

Neben dem Grundstückskataster wird es auch damals, wie nachher in 
der Kaiserzeit, einen Gebäudekataster gegeben haben. Die oben be- 
sprochenen u7toyQU(pccC über Gebäude (s. S. 175) sind durchaus so gehalten, 
daß sie gelegentlichen Revisionen des Gebäudekatasters gedient haben 
können, und eine andere Verwendung ist für die Ptolemäerzeit nicht 
erweislich. 

Selbstverständlich ist nicht nur das Areal der Dörfer, sondern auch 
das der Städte katastriert worden. Für den städtischen Gebäudekataster 
der Stadt Memphis ist denn auch Lond. I S. 49 (221) bestimmt, während 
die Eingaben der Cairener Papyri (224) Häuser in Dörfern betreffen. Für 
Arsinoe vgl. Teb. 86. 

Wir dürfen ferner mit Sicherheit annehmen, daß entsprechend dem 
stark zentralisierten System der ganzen Administration auch die verschie- 
denen Dorfkataster eines Gaues mit dem der Metropole zusammen in der 
Gauhauptstadt zu einem einheitlichen Gaukataster vereinigt worden sind. 
Ja, es ist sogar zu vermuten, daß man in Alexandrien die Gaukataster 
ganz Ägyptens zur Verfügung hatte. Gegen die erstere Annahme könnte 
angeführt werden, daß von den Beamten der Metropole häufig Auskünfte 
aus dem Dorf kataster von den Dorfschreibern eingefordert wurden. Vgl. oben 
S. 176. Aber zugunsten der Annahme spricht wiederum die Tatsache, daß 
in Teb. 30 (233) der ßaöilixbg yQccpficcrevg, also der in der Metropole resi- 
dierende Gaubeamte, gebeten wird, bei sich (ticcqu 6oC) eine Umschreibung 
im Kataster vorzunehmen. 1 ) Jene Anfragen an die Dorfschreiber sind 
also vielleicht so zu deuten, daß dadurch eine gegenseitige Kontrolle des 



1) Vgl. H. Lewald, Beiträge zur Kenntnis d. röm.-ägyptischen Grundbuchrechts 
1909 S. 82 Anm. 6. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 3. Die Steuererhebung. 179 

speziellen Dorfkatasters und des allgemeinen Gaukatasters erzielt werden 
sollte. Doch wären auch noch andere Motive denkbar. 

3. Die Steuerberechnung. 1 ) 
Auch heute sind die Nachrichten über die Steuerberechnung noch 
sehr dürftig. Die vorbereitenden Arbeiten, die Einforderung und Prüfung 
der Deklarationen, die Evidenthaltung des Katasters, die Anfertigung der 
verschiedensten Listen (s. oben S. 177), das alles wurde, wie wir sahen, 
im Lande geleistet, und von allen Schriftstücken gingen Exemplare nach 
Alexandrien. Hier, unter den Augen des Königs, der — wahrscheinlich 
ohne festes Budget wirtschaftend 2 ) — selbstverständlich allein das Recht 
der Steuerauflage hatte, fand wie die Abrechnung über das verflossene 
Jahr so auch die Neuberechnung für das neue Jahr statt. Sein 
Finanzminister, der Dioiketes, wurde hierbei in erster Reihe unterstützt 
von dem gleichfalls in Alexandrien residierenden Ober-Rechnungsrat, dem 
ixXoyi6x7]g, der ihm unter den übrigen Beamten im Range vielleicht am 
nächsten stand 3 ), und der seinerseits für jeden Gau einen gleichfalls 
exXoyiöTiig genannten Beamten unter sich hatte. 4 ) Nach den neueren 
Aufschlüssen über die Kaiserzeit (s. unten) ist es wahrscheinlich, daß 
auch schon die ptolemäischen Gau-Eklogisten in Alexandrien ihr Bureau 
gehabt haben, während ihre Untergebenen (yQafi^iaxslg etc.) in den 
Xoyi6xr\qia der Gaue arbeiteten. Wie man in Alexandrien gerechnet hat, 
darüber liegen uns keine Akten vor. Das Ergebnis war für die Korn- 
lieferungen die öiuxri dLccyQcccprj, die allgemeine Einforderungs- Anweisung, 
die dann ins Land hinausging und hier die Grundlage für die Ablieferung 
der öiTLxd bildete. Vgl. Teb. I 61 (b) 37 und 72, 448 (ixl de xf^g itqay- 
liaxev&eC<5r]g öLXLxfjg didygucpfig enl EiQiqvuiov x[ov] iyXoyi6xov b ).) Ent- 
sprechend sind wohl auch für die Berechnung der Geldsteuern auf Grund der 
vom Lande eingegangenen Akten die Grundlagen im Bureau des Eklo- 
gisten geschaffen worden. 

§ 3. DIE STEUERERHEBUNG. 
Wie die Steuern nur vom König verfügt werden konnten, und die 
Steuerveranlagung auf königlichen Verordnungen beruhte, so war auch 
die Steuererhebung in ihren Grundzügen wie in ihrer variablen Anwen- 
dung auf das einzelne Jahr durch die königliche Gesetzgebung (yöfioi) 

1) Vgl. Gr. Ostraka I 492 ff. 

2) Vgl. Gr. Ostraka I 496. 

3) Vgl. Rev. P. 37, 11 (249). Vgl. Rostowzew, Staatspacht S. 339. 

4) Vgl. zum Eklogisten Gr. Ostraka I 493 ff. 

5) Vgl. hierzu Rostowzew, Archiv III 203. Mir scheint auch in Teb. 29, 13 Sia- 
ygayri in diesem Sinne vorzuliegen. 



180 Kapitel V. Das SteuerweBen. 

und durch königliche Kabinetsordres (diccyQccfificcta, jrpotfray^ara, öioq- 
ftcöiiccra) bis in die kleinsten Einzelheiten geregelt. 1 ) Uns liegen einige 
außerordentlich wertvolle Reste dieser Steuergesetzgebung vor, besonders 
im Revenue-Papyrus (III. Jahrh.) 2 ) und in dem P. Par. 62 (II. Jahrh.). 
Hier soll nur der erste allgemeine Teil des Revenue-Papyrus, zu dem ich 
wichtigere neue Lesungen mitzuteilen habe, abgedruckt werden (258) s ); 
eine Neuausgabe des Paris. 62 bleibt den UPZ vorbehalten. Während wir 
früher annahmen, daß alle Steuern auf Grund solcher Verordnungen 
verpachtet gewesen seien 4 ), hat Rostowzew erkannt, daß die 6itixd, die 
in Getreide zu zahlenden Steuern, ohne Pacht, direkt eingegangen sind, 
in denselben Formen, wie die ixcpÖQicc der Domanialpächter. 5 ) Wir haben 
somit auch schon für die Ptolemäerzeit zwischen Regie und Pacht zu 
scheiden. 

1. Die Regie. 

Daß die ixcpoQia der Domanialpächter direkt, ohne Vermittlung von 
Erhebungspächtern, an die Thesauren geliefert wurden, geht im besonderen 
aus den Tebtynis-Papyri klar hervor (s. unten Kap. VII). Ähnliches Mate- 
rial fehlt uns für die Erhebung der Grundsteuern. Gleichwohl ist es sehr 
wahrscheinlich, daß die verschiedenen Grundsteuern, die auf dem Privat- 
boden lasteten (s. oben S. 171), in derselben Weise an die Thesauren ab- 
geführt worden sind. Rostowzew hat kürzlich vorsichtig die Möglichkeit, 
ja die Wahrscheinlichkeit zugegeben, daß einige dieser Grundsteuern durch 
Pächter erhoben seien und hat auf Teb. 58 (287) zum Beleg hingewiesen. 6 ) 
Es ist aber nicht sicher, daß es sich hier um Steuerpacht handelt; es 
wird eher von einem Unternehmergeschäft die Rede sein (s. den Kom- 
mentar). So können wir nur sagen, daß es z. Z. keinen sicheren Beweis 
für die Verpachtung von öittxd gibt. 7 ) Die Sitologenquittungen auf Ostraka 
nennen nicht, wie ich angenommen hatte, den Namen des Steuerpächters, 
sondern den des Zahlers, d. h. des Landpächters oder aber des Grundbesitzers. 
Das zeigt jetzt für die Landpacht das Cairener Ostrakon n. .9522 (261), in 
dem zum ersten Mal ausdrücklich das sxcpoQiov an dieser Stelle genannt 
wird. 8 ) Dann ist es aber auch so gut wie sicher, daß in den anderen 



1) Vgl. Gr. Ostraka I 513 ff, Ein Ttgoarayficc über alexandrinische Zölle z. B. 
in P. Teb. I 5, 22 ff. (260). Ein SLÖg^n^a in Rev. P. 57 f. und 59 f. 

2) Fürs III. Jahrh. vgl. auch P. Hibeh 29 (259). 

3) Vgl. auch für die anö^oiga Nr. 249. 

4) So auch ich in den Gr. Ostraka I. 

5) Wochenschrift f. klass. Philol. 1900 Sp. 124f.; Archiv III 206 f. Zugestimmt 
haben ihm inzwischen auch Wachsmuth 1. c. und Bouche-Leclercq III 341 f. und 359 ff. 

6) Archiv HI 207. 

7) Daß mein Ostrakon (II) n. 1255 kein Beweis ist, wie ich angenommen hatte, 
hat Rostowzew, Woch. 1. c. gezeigt. 

8) Vgl. Wilcken, Zum alexandrinischen Antisemitismus. Abb. Sachs. Gesch. d.W. 
1909 S. 788, 3. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 3. Die Steuererhebung. 181 

Fällen, in denen eine der Grundsteuern genannt wird, wie die i%iy^a^>r\ 
(vgl. Beispiele in Gr. Ostraka I 194), der Quittungsempfänger gleichfalls 
nicht der Steuerpächter ist, sondern der Zahler, also hier der Grund- 
besitzer. 1 ) Diese Sitologenquittungen der letzten Art scheinen mir z. Z. 
die sichersten Belege für das Fehlen der Pacht hei den eitiotd zu sein. 

Nach Analogie der sxyoQiu dürfen wir vermuten 2 ), daß auf der Dorf- 
tenne, wohin zunächst die gesamte Ernte zu bringen war, nach dem 
Dreschen die Grundsteuern für den König abgesondert und dann in den — 
wohl meist benachbarten — Dorfthesaurus transportiert wurden. Die Ab- 
sonderung für den König wird auf Grund der Spezialisierungen der 6LXL%i\ 
öiayQatpri (s. oben S. 179), in der für jeden Kontribuenten der zu liefernde 
Betrag genau verzeichnet war, wahrscheinlich durch den xcofioyQcc^iiatEvg 
erfolgt sein. Vgl. Teb. 29, 12 ff. Der ganze Akt vollzog sich unter der 
Aufsicht der königlichen Beamtenschaft, im besonderen der Erntewächter 
{yiVrjfiarocpvXaxsg). 

Im Dorfthesaurus wurde dann das als Grundsteuer gelieferte Korn 
vom Sitologen — damals je einem für jeden Thesaurus — in Empfang 
genommen. Da diese Beamten nicht schon in früheren Momenten in die 
Erhebung eingreifen, sondern erst bei der Ablieferung in den Thesaurus 
durch die Grundbesitzer das Getreide übernehmen, so möchte ich nach 
wie vor die Sitologen nicht als „Steuererheber" bezeichnen 3 ), sondern als 
Thesaurusbeamte, die den Trapeziten parallel stehen. 4 ) Im Thesaurus 
fand dann die amtliche Reinigung des Getreides statt, wofür Natural- 
gebühren berechnet wurden. Vgl. P.Alex. 1 (198) und Teb. 92. 5 ) Hier 
wurde jede Lieferung mit den amtlich geaichten Maßen nachgemessen, 
und zwar außer von den Sitologen auch von den ävxiyQafpels^ die ihnen 
vom königlichen Schreiber als Kontrolleure an die Seite gestellt waren. 
Vgl. Nr. 189. Daß beide aber gelegentlich gemeinsame Betrügereien 
machten zum Schaden der Steuerzahler und größere Maße benutzten, 
zeigt der Erlaß des Euergetes II in Teb. 5, 85 ff. Gemeinsam vom Sito- 
logen und uvriyQcccpEvs wurden dann auch die Quittungen ausgestellt. 
Vgl. Amh. 59. 60. 6 ) Doch haben die Sitologen auch allein quittiert. Vgl. 
Rein. 40 und viele Ostraka. 

Soweit das Korn nicht im Lande verbraucht wurde, wurde es dann an den 
König nach Alexandrien in die großen Getreidespeicher (tö ßaGiXwöv) ge- 
schickt. Lagen die Thesauren nicht an einer Wasserstraße, so übernahmen 

1) Diesen Schluß habe ich in den Abh. Sachs. Gesch. d. W. noch nicht gezogen. 

2) Vgl. hierzu die klaren Darlegungen von Rostowzew, Arch. III 204 ff. 

3) So Rostowzew, Woch. f. kl. Ph. 1. c. und sonst. 
i) Zustimmend Bouche-Leclercq III 373 ff. 

5) Vgl. Rostowzew, Arcb. III 209. 

6) Rostowzew, Arch. 111 208 bezieht in den doppelt unterzeichneten Ostraka- 
Quittungen die zweite Unterschrift auf den ocvTiyQaysvg. 



182 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

die Transportgesellschaften der övrjXccTat oder xtrjvoTQÖcpot, gegen ein cpöge- 
tqov den Transport über Land bis zum nächsten Hafen. 1 ) Von hier aus 
fand dann die s^aycoyri resp. xaTccyayrj xov öCtov statt. Zum Getreide- 
transport vgl. Kap. X. 

2. Die Pacht. 

Wie die ptolemäischen Thesauren in ihrer Anlage durchaus denen 
der Pharaonenzeit gleichen 2 ), so wird auch das ganze im vorigen Abschnitt 
skizzierte direkte Erhebungssystem wahrscheinlich von der Vorzeit über- 
nommen sein 3 ), und die Ptolemäer werden vor der Frage gestanden haben, 
ob sie auch die anderen Steuern in ähnlicher Weise wie bisher einziehen 
sollten. Nach Arrian, Anab. III 5, 4 scheint Alexander der Große in dem 
Erhebungssystem, das er vorfand, nichts geändert zu haben: die Nomarchen 
sollten nach wie vor in ihren Gauen die Steuern erheben, nur daß sie 
sie dann an Kleomenes von Naukratis, den er zum Finanzchef über ganz 
Ägypten setzte, abzuliefern hatten. Erst die Ptolemäer sind es gewesen, 
die nach griechischem Muster 4 ) das Steuerpachtsystem einführten. Das 
wird gewiß damit zusammenhängen, daß sie durch Schaffung einer 
eigenen Landesmünze der Geld Wirtschaft die Tore öffneten. 5 ) Zwar 
haben sie nicht ausschließlich die Geldsteuern (diese allerdings sämtlich), 
sondern z. B. auch die in natura (Wein) zu liefernde ajzöfioiQa dem neuen 
Pachtsystem unterworfen. Dies wird darauf zurückzuführen sein, daß diese 
Steuer eine Quotensteuer war, die daher — ebenso wie die sizilische 
decuma der lex Hieronica — für eine Behandlung durch Pächter quali- 
fiziert war. 6 ) Dagegen ist es begreiflich, daß sie für die öltlxu, deren 
fixer Betrag pro Kopf genau berechnet war, das vorgefundene direkte 
Erhebungssystem bestehen ließen. Soweit wir z. Z. sehen können, sind 
alle Steuern mit Ausnahme der Getreide-Grundsteuern der Pacht unter- 
worfen worden. 

Wie auch andere griechische Einrichtungen, die damals nach Ägypten 
verpflanzt wurden, in der Luft des Absolutismus sich verändert haben 7 ), 
so auch die von der noltg entnommene Steuerpacht. Zwar war und blieb 
auch im Ptolemäerreich die Steuerpacht normaler Weise ein freies Ge- 
schäft, das der Pachtlustige mit dem Staat abschloß, aber dadurch, daß 
der Pächter während seiner gesamten Geschäftsführung unter beständiger 



1) Vgl. Fay. 18b. Petr. II 39 g. 

2) Vgl. Gr. Ostraka I 650 f. 

3) Genauere Untersuchungen hierüber von ägyptologischer Seite sind mir nicht 
bekannt. Vgl Ad. Ermans Ausspruch (Gr. Ostraka I 513, 3): „Über Steuereinziehung 
im alten Ägypten wissen wir nur, daß sie von Soldaten ausgeübt wird." 

4) Vgl. Gr. Ostraka I 513. 

5) Vgl. Einleitung § 8. 

6) Vgl. Rostowzew, Woch. f kl. Ph. 1. c. 

7) Vgl. Wilcken, Hellenen und Barbaren, N. Jahrbb. f. d. Kl. Alt. 1906 1468 ff. 



A. Die Ptolemäerzeit. § 3. Die Steuererhebung. 183 

Kontrolle des königlichen Beamtenapparates funktionierte, sind diese ptole- 
mäischen Steuerpächter doch etwas wesentlich anderes als die freien Ge- 
schäftsleute der griechischen nolig geworden. 1 ) Zwar ist durch meine 
Herstellung der 10. Kolumne des Revenue - Papyrus (s. Nr. 258) die 
weitestgehende Nachricht über die Unselbständigkeit des Pächters be- 
seitigt worden, aber eine gründliche Kontrollierung durch die königlichen 
Beamten bleibt auch so bestehen. Aus dieser starken Beteiligung der 
Beamtenschaft gewinnt man den Eindruck, daß die griechische Pacht nur 
mit Mühe in das vorhandene Erhebungssystem eingefügt worden ist. Es 
liegt bei der ptolemäischen Pacht geradezu eine gewisse Vermischung 
beider Systeme vor. 

Über die sehr verwickelten Fragen der Organisation der ptolemäischen 
Steuerpacht muß ich mich hier auf die wichtigsten Punkte beschränken, 
die zur Einführung in die Texte unerläßlich erscheinen. 2 ) 

Alljährlich wurden die Steuerpachten von der Regierung ausgeboten. 
Die Pachtbedingungen, die in ihren Grundzügen gesetzlich festgelegt waren, 
wurden in ihren Einzelheiten auf Grund der vorhergegangenen Steuer- 
veranlagungsarbeiten festgesetzt. Die von einer Auktionskommission unter 
Leitung des oixov6[iog vorgenommene Versteigerung vollzog sich in ganz 
ähnlichen Formen wie die Versteigerung von Domanialland (s. unten 
Kap. VII). Außer den zitierten Reglements bietet hierfür P. Louvre 10632 
(167) für einen praktischen Einzelfall interessante Angaben. Das Haupt- 
ziel der Regierung war, Pächter 3 ) zu finden, die ihr absolute Sicherheit 
für die Erfüllung des Pachtgeschäftes boten. Conditio sine qua non für 
den Zuschlag war daher die Stellung von ausreichenden Bürgen 4 ) und, 
wie es scheint, auch Afterbürgen. 5 ) Außerdem wurde in der Regel die 
Kapitalkraft des Pächters dadurch vervielfältigt, daß er eine Pachtgesell- 
schaft (xoivavCa) bildete. 6 ) Sowohl die Namen der Gesellschafter (xot- 
väveg) wie der Bürgen mußten in einer ygacptf der Behörde eingereicht 
werden: wer nicht in der ygacpri stand, durfte sich nicht beteiligen. Dis- 

1) Auf diese Veränderung habe ich zwar auch in den „Ostraka" hingewiesen 
(vgl. z. B. S. 516), aber mit Recht hat Rostowzew (Woch. f. kl. Ph. 1. c. und Staats- 
pacht 338 ff.) sie noch viel stärker unterstrichen und hat den Gegensatz schärfer 
herausgearbeitet. 

2) Vgl. im allgemeinen meine Griech. Ostraka I 513 ff. und Rostowzew, Staata- 
pacht 336 ff. 

3) Die Ansicht Steiners (Beitrag z. Interpretation d. Steuergesetzes von Ptolemaios 
Philadelphos, Diss. Heid. 1910 S. 22 ff.), daß 6 Sioixäv xi\v wvrjv nicht der Pächter, 
sondern sein Vertreter sei, halte ich für irrig. Die Identität zeigt deutlich z. B. 
Rev. 42, 3: wenn man den Pächter ruft, kann nicht normaler Weise der Vertreter 
kommen. Das Gesetz liebt es, mit Synonymen zu wechseln; vgl. 34, 11 und 13; 
29,8 und 13. 

4) Vgl. auch die Bürgschaftserklärung Petr. II 46 (110). 

5) Vgl. Gr. Ostraka I 554. 

6) Wilcken, Ostraka I 535 ff. Rostowzew, Wochenschr. 120. Steiner I.e. 7 ff 



184 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

qualifiziert zur Pacht waren die sämtlichen königlichen Beamten, andrer- 
seits die Sklaven. Daß diese Gesellschafter auch an gewissen Aufgaben 
der Geschäftsführung teilnahmen, ist jetzt nach dem neuen Wortlaut von 
Rev. 10 unbestreitbar. 1 ) 

Da durch den genau ausgerechneten Regierungsanschlag dem Pächter 
die Hände gebunden waren und normaler Weise die Möglichkeit eines 
lukrativen Geschäfts nur in besonders günstigen Jahren (durch das i%i- 
ysvrnia) gegeben war, so zahlte die Regierung dem Pächter, der die 
Pachtbedingungen erfüllt hatte, Tantiemen (o^wvtov), worin die gegen- 
über dem griechischen Steuerpächter veränderte Stellung des ptole- 
mäischen rsXcbvrjg besonders deutlich hervortritt. 2 ) Im III. Jahrh. ge- 
nügten 5 Prozent, im IL Jahrh. wurden 10 Prozent gegeben 3 ), woraus 
wohl zu schließen ist, daß es allmählich schwieriger wurde, Pächter zu 
finden. Die Schwierigkeiten in Nr. 167 sind speziell durch die Revolution 
herbeigeführt. Beispiele für Zwangspacht liegen für die Ptolemäerzeit 
bisher nicht vor 4 ), doch wird man im Notfalle bei der Steuerpacht 
ebensowenig davor zurückgeschreckt sein wie bei der Domanialpacht 
(s. unten Kap. VII). 

Nach Übernahme der Pachtgeschäfte wurde, wie wir jetzt aus Rev.-P. 9 
lernen (s. Nr. 258), der betreffende vö[iog tsXcovixög 10 Tage hindurch 
im xsXävtov öffentlich ausgehängt, und zwar nicht nur in griechischer, 
sondern auch in demotischer Sprache und Schrift. Zu dieser Zweisprachig- 
keit vgl. oben S. 20. 

Dem Pächter war dauernd für die Zeit seiner Tätigkeit ein ävtiyQcc- 
q)svg als staatlicher Kontrolleur vom Oikonomos an die Seite gestellt. 

Zur Ausübung der übernommenen Pflichten stand dem Pächter ein 
ausgedehntes Personal zur Verfügung in den Aufsehern (ßyodot,), Erhebern 
(XoyEvxaC), Dienern (vitrjQ ixai) und Quittungsbewahrern (öv^ißoXocpvXaxsg), 
deren Zahl der Oikonomos und sein dvr lyQacpevg, zusammen mit dem 
Pächter festzusetzen hatte, und deren /utf-frdg, zahlbar aus den Xoysv^ara, 
von der Regierung bestimmt war (Rev.P. 12 f.). 

Wie wir jetzt aus Rev.-P. 10 lernen, stand dieses Personal unter der 
Aufsicht (tpvXaxrf) des Pächters und seiner Gesellschafter, die im beson- 
deren darüber zu wachen hatten, daß jenes Personal nichts ohne Wissen 
und Kontrolle des F&ch.ter-ävuy()u(pevg täten. Nach Rev.-P. 11 stand 



1) Früher schon angenommen von Rostowzew, Wochenschr. 120. Vgl. auch 
Steiner S. 19. 

2) Vgl. Rostowzew 1. c. 

3) Vgl. Gr. Ostraka I 534. Zustimmend Rostowzew, Wochenschr. 118. Die ab- 
weichende Deutung von Steiner S. 28 ff. hat mich nicht überzeugt. 

4) Max Weber in seinem ausgezeichneten Artikel: Agrargeschichte (Staatshand- 
wörterb. 3. Aufl. 1909) S. 130 nimmt den Zwang als regelmäßige Erscheinung schon 
gegen Ende der Ptolemäerzeit an. Mir ist kein Beleg erinnerlich. 



B. Die römische Zeit. 185 

diesem Personal das Recht der Steuereintreibung (ngaßöeiv) zu (ebenso 
wie dem Pächter selbst, vgl. 15, 10 ff.), doch mußten sie über jede 
itQu&s 1 ) dem ccvrvyQacpsvg berichten, widrigenfalls sie das Fünfzigfache 
des nicht Gemeldeten an die königliche Kasse zu zahlen hatten. Der- 
selben hohen Strafe verfiel andrerseits der ccvTiyQccq>evg, wenn er über 
einen ihm angezeigten Steuereingang nicht an den Oikonomos und seinen 
ctvTiyQacpEvq berichtet hatte (Rev.-P. 11). 

Aus dem neuen Text von Rev.-P. 10 ergibt sich ferner, daß dem 
Pächter und seinen Gesellschaftern auch das Recht der i£ha6ig [tilg 
yivo]{ievr]g 7Cqoö6öov Tfjg ebvTjg zustand, doch fehlen die näheren Bestim- 
mungen; jedenfalls werden sie auch dies unter Kontrolle des avxiyQacpEvg 
ausgeübt haben. 

Die erhobenen Summen wurden alle Monate an die königliche Kasse 
abgeführt (Rev.-P. 34). Wenn, wie beim iyxvxfaov, die Zahlung direkt 
an die Kasse erfolgte, so mußte die dazu nötige Anweisung des Pächters 
vom avtiyQacpBvg unterzeichnet sein. Von Quittungen, die die Steuerpächter 
an die Kontribuenten ausstellten, liegen uns auf Papyrus und Ostraka 
zahlreiche Beispiele vor. 

Über die monatlichen Abrechnungen (diahoyiöfioC), sowie über die 
Schlußabrechnung nach Ablauf des Pachtjahres, die der Oikonomos und 
sein ävTiyQacpEvg mit dem Pächter vorzunehmen hatten, gibt das Reglement 
des III. Jahrh. sehr detaillierte Bestimmungen (vgl. Rev.-Pap. 16 ff'.). 

Sobald es sich um Steuerrückstände und andrerseits um Strafgelder 
handelte oder um irgend eine Störung der regulären Erhebung der 
Pächter, wurde die Pacht sozusagen suspendiert, und es trat wieder die 
Regie hervor, insofern dann der Oikonomos den Betrag zu erheben hatte. 2 ) 
Für solche Fälle gab es aber auch noch einen Spezialbeamten in dem 
3tQcixr(OQ f der auch außerhalb des Steuergebietes Zwangseintreibungen vor- 
zunehmen hatte. 3 ) 



B. DIE EÖMISCHE ZEIT. 

Varges, De statu Aegypti prov. Romanae I et II p. Chr. n. saeculis 1342. — 
Franz, CI6 III 318 ff. — Milne, A history of Egypt under Roman rule 1898. — 
Wilcken, Griechische Ostraka 1899. — Rostowzew, Wochenschr. für klass. Phil. 
1900 Sp. 115 ff. Derselbe, Gesch. der Staatspacht in der röm. Kaiserzeit 1902. Vgl. 
auch den Kolonat 1910. — 0. Hirschfeld, Die kaiserl. Verwaltungsbeaniten 1905. — 
Otto, Priester und Tempel 1908. 



1) Zu der strittigen Frage, ob der Pächter (resp. sein Personal) auch das Recht 
der Pfändung gehabt habe, vgl. Petr. III 32 (f.) S. 67 ff. (262). 

2) Vgl. Gr. Ostraka I 562 f. 

3) Vgl. Gr. Ostraka I 564 ff. Vgl. außerdem z. B Stud. Pal. I S. 1/2. Fay. 14. 



186 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

§ 1. DIE STEUERN. 

Nach der Eroberung Ägyptens durch die Römer ist der aus dem 
Lande herauszuwirtschaftende Betrag noch gesteigert worden, denn wenn 
auch an die Stelle des glänzenden Hofes mit all seinem Luxus und dem 
großen Hofstaate die dem gegenüber schlichten Ansprüche des Vizekönigs, 
des Präfekten, traten, so kam doch als ein gewaltiger neuer Posten, der 
in den Augen der Cäsaren sogar den Hauptzweck der Römerherrschaft 
am Nil darstellte, die Verpflegung Roms mit ägyptischem Korn hinzu. 
Nach Josephus b. Jud. II § 386 ist Rom durch 4 Monate des Jahres von 
ägyptischem Getreide ernährt worden, und nach der Epitome des Aurelius 
Victor c. 1 waren es 20 Millionen Modien (ca. 1740000 Hektoliter) Getreide, 
die unter Augustus alljährlich für die städtische cura annonae vom Nil an 
den Tiber expediert wurden (vgl. Kap. IX). Das bedeutet auf alle Fälle 
selbst gegenüber den glänzenden Zeiten des Philadelphos eine sehr be- 
deutende Steigerung der staatlichen Inanspruchnahme der Bodenproduk- 
tion 1 ), auch wenn wir mit Mommsen annehmen, daß ein Teil jener 
20 Millionen aus den Domanialgef allen genommen ist. 2 ) Daß eine der- 
artige Ausfuhr überhaupt möglich war, ist auf die gründlichen Meliorations- 
arbeiten zurückzuführen, durch die Augustus das unter den letzten Pto- 
lemäern ganz heruntergekommene Land zunächst wieder einer Periode 
wirtschaftlicher Blüte zugeführt hat (vgl. Kap. VIÜ). Ob sonst noch der 
Ausgabeetat gesteigert worden ist, ob im besonderen die Verpflegung der 
sehr starken römischen Besatzung des Landes (vgl. Kap. XI) kostspieliger 
gewesen ist als die Unterhaltung von Heer und Flotte in der Ptolemäer- 
zeit, ist schwer zu berechnen. Das wesentlichste Novum war jedenfalls 
der Beitrag für die cura annonae. 

Betrachten wir dem gegenüber die Einnahmen der römischen Periode, 
so ist in dem System der Besteuerung des Landes keine prinzipielle Ver- 
änderung zu erkennen: Augustus hat das vorgefundene ptolemäische System 
im ganzen und, wie es scheint, sogar im einzelnen beibehalten. Neue- 
rungen sind, wie unten zu zeigen ist, in der Veranlagung und in der 
Erhebung zu erkennen, aber das Abgabensystem selbst zeigt wohl 
Weiterbildungen aber keine prinzipiellen Veränderungen. Neu geregelt 
worden ist, aber auch erst allmählich, die Verpflegung der Garnisonen 
(Kap. IX). Im übrigen ist es gefährlich, durch Schlüsse a silentio Ab- 
gaben, für die uns aus ptolemäischer Zeit noch keine Belege vorliegen, 
ohne entscheidende innere Gründe für römische Neuerungen zu erklären. 
Die Kopfsteuer, die ich in den Ostraka als Neuerung des Augustus nahm, 



1) Vgl. Gr. Ostraka I 420 f. Die 1% Millionen Artaben, die Hieronymus für 
die gesamten Naturalerträge Ägyptens für diese Zeit nennt, ergeben selbst zu 
4% Modii gerechnet, nur ca. 6 3 / 4 Millionen Modii. 

2) Mommsen, Rom. Gesch. V 560. 



B. Die römische Zeit. § 1. Die Steuern. 187 

ist inzwischen, wenn auch unter anderem Namen (övvta^Lg, s. oben) und 
wohl auch in anderer Ordnung, auch für die Ptolemäerzeit belegt worden; 
die XaoyQacpCcc-Abg&he bleibt freilich auch jetzt ein Novum der römischen 
Herrschaft. Alles in allem macht für die Steuerordnung, gegenüber den 
tiefgreifenden Änderungen der Diokletianisch -Constantinischen Reformen, 
die Periode von Alexander bis auf Diokletian einen im Prinzip ziemlich 
einheitlichen Eindruck: es ist das hellenistische System. 1 ) 

Bei der großen Fülle des Materials können hier, wie oben für die 
Ptolemäerzeit, nur einige der wichtigeren Abgaben hervorgehoben werden. 2 ) 
Vorweg sei auf die römischen Steuern hingewiesen, die nur auf den 
römischen Bürgern in der Bevölkerung Ägyptens lasteten: die schon aus 
der Republik stammende Freilassungssteuer (vicesima libertatium = elxoerij 
eXev&SQiäv) und die von Augustus unter vielen Kämpfen durchgedrückte 
Erbschaftssteuer (vicesima hereditatium = sixoötYj rcöv tcItjqovoiii&v). 3 ) 
Eine größere Bedeutung im Staatshaushalt konnte ihnen erst nach der 
constitutio Antonina von 212 zukommen (Arch. V 430). Auch das von 
den Juden zu zahlende 'Iovdcäxbv xiksö^a ist erst von der römischen Regie- 
rung (Vespasian) eingeführt worden. 4 ) 

An den Grundsteuern hat sich gegenüber der Ptolemäerzeit nichts 
Wesentliches geändert; sie bleiben Taxationssteuern, und auch in der Ver- 
teilung von Natural- und Geldsteuern (je nach den Fruchtsorten) ist keine 
Änderung eingetreten. Im allgemeinen wird die Grundsteuer jetzt einen viel 
größeren Posten im Staatshaushalt repräsentiert haben als früher, ent- 
sprechend dem größeren Umfang des Grundbesitzes. Vgl. Kap.VTL Auch 
jetzt treten unter ihnen die a.Qxaßisla b ) und das snaQOVQiov 6 ) hervor. 7 ) Be- 
merkenswert ist, daß trotz der Korntransporte nach Rom der Satz dieser 
Abgaben nicht erhöht worden zu sein scheint. Die ägraßisCa jedenfalls 
bewegt sich nach wie vor ungefähr zwischen 1 — 2 Artaben pro Arure 



1) Vgl. oben S. 170 über das Seleukidenreich. 

2) Das bis 1899 bekannte Material habe ich versucht, in meinen Ostraka I zu- 
sammenzustellen. Auch für diese Periode ist inzwischen viel Neues hinzugekommen. 
Vgl. die Indices der jüngeren Publikationen. 

3) Über beide vgl. 0. Hirschfeld, KV 106 ff. und 96 ff. Für Ägypten vgl. meine 
Ostraka I 326 f. und Arch. V 430. 

4) Vgl. P. Rain, in Stud. Pal. I S. 71 f. (61) und Nr. 295. 

5) Vgl. z. B. Amh. 85, 9; Lond. III S. 71 ff., wo Land zu 1 und 2 Artaben ge- 
nannt wird; Lond. III S. 107, 15. 

6) Vgl. Ostraka I 193. 

7) Die Annahme Rostowzews, Pauly-Wiss. VII 159, daß mit tu xatbjxovra 
speziell die Grundsteuer bezeichnet sei, halte ich für irrig. In Lond. H S. 97 z. B. wird 
nur von drjfioßioi ysagyoi gesprochen. Also sind es hier Zuschläge zum Domanialpacht- 
zins. Vgl. jetzt Rostowzew, Eolonat 92 Anm. 2, wo er mit Rücksicht auf diese Stelle 
die ticc&rJKovTCi als die ständigen Steuern im Gegensatz zu den wechselnden irupogia 
faßt. Ein allgemeiner Ausdruck für die Grundsteuer ist wohl xa Srnio6La oder rä 
yvrjeicc dri(i66La (Grenfell-Hunt). 



188 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

(Saatland), d. h. eine Artabe mit Zuschlag. 1 ) Das notwendige Plus ist 
also nicht durch Erhöhung der Sätze der Grundtaxen erreicht worden, 
sondern einmal durch die Vergrößerung des Fruchtlandes, die die Weis- 
heit des Augustus durch die oben erwähnten Meliorationen herbeiführte. 
Dann aber scheinen jetzt die „Zuschläge" erweitert zu sein, denn außer 
den schon oben S. 171 genannten, wie die STayQacpT] 2 ) , finden sich 
jetzt noch neue. Zu den Zuschlägen zur Grundsteuer gehört namentlich 
die annona militaris, die aber (als avväva) nicht vor dem Ende des 
IL Jahrh. n. Chr. bis jetzt erscheint, bald in natura, bald in Geld 
(annona adaerata) gezahlt. 3 ) Bis dahin scheint das aus der Ptolemäer- 
zeit bekannte System des Zwangsankaufes von 6vvccyoQcc6Tixbg Gitog 
(frumentum emptum) für die Verpflegung der Garnisonen ausgereicht zu 
haben. Diese Zwangsankäufe sind wohl unter den öfter genannten inv- 
ßoXai und e%i[i£Qi6[ioC zu verstehen. 4 ) Wenn diese Zwangsankäufe in 
der Römerzeit, wie es scheint, eine größere Rolle gespielt haben als in 
der Ptolemäerzeit, so liegt das wohl daran, daß das Grundsteuergetreide, 
das in der Ptolemäerzeit namentlich der Verpflegung von Heer und Be- 
amten diente, jetzt in der Hauptsache nach Rom abgeführt wurde. So 
können wir die Wirkung der annona urbis in unseren Urkunden weniger 
direkt an der Behandlung der Grundsteuer selbst als an ihren Kon- 
sequenzen, der Steigerung der Zwangskäufe und dann der Einführung der 
Zuschlagssteuer vtzsq dvvcovrjg beobachten. Genauer soll auf die annona 
erst im IX. Kapitel eingegangen werden. 

Über die Gebäudesteuer sind wir bis jetzt noch schlecht unter- 
richtet. 5 ) Ziemlich unsicher bleibt noch die Deutung von P. Straß. 31. 

Für das lELQavd^iov (die gewerbliche Lizenzsteuer, s. oben 
S. 171) liegt für die römische Zeit ein reicheres Material vor. 6 ) Besonders 
lehrreich sind BGÜ 9 (293), das jetzt durch BGÜ 1087 ergänzt wird 
(vgl. dazu Arch. V 273 ff), Teb. II 287 (251) (vgl. Arch. V 233 f.), Stud. 
Pal. I S. 70/1. Dadurch wird das Ergebnis der „Ostraka" bestätigt, daß 
die Angehörigen derselben Zunft dieselbe Summe zu zahlen hatten, die 
verschiedenen Gewerbe aber in sehr verschiedener Höhe besteuert waren. 7 ) 



1) Vgl. Rostowzew, Pauly-Wiss. VII 160, der namentlich den wichtigen P. Brux. 
1 (236) verwertet. Vgl. auch Lond. III S. 71 ff. 

2) In römischer Zeit: CPR I 188, 14; Fay. 81, 10 (ergänzt). 

3) Vgl. Gr. Ostraka I 155 ff. 

4) Vgl. Rostowzew 1. c. Doch mögen namentlich imßoXal wohl auch andere 
Naturalzuschläge umfassen. Vgl. BGU 515, 7: xcc vitsg Xoytag [i7t]ißXrj9-ivra. Zu im- 
ßoXr\ vgl. auch Grenfell - Hunt zu Teb. II 346, 7. Zu ini(i£Qi6i,n6g im militärischen 
Sinne vgl. auch Preisigke zu Straßb. 10, 21. 

5) Zu dem ivoUiov in Ostraka I 192 vgl. jetzt die neue Deutung von Rostow- 
zew, Kolonat S. 140, 2. 

6) Vgl. Gr. Ostraka I 321 ff. 

7) Vgl. jetzt die Übersicht im Arch. V 274. 



ß. Die römische Zeit. § 1. Die Steuern. 189 

Für die gewerblichen Ertragssteuern bedürfen wir noch weiterer Auf- 
klärungen. *) 

Von den anderen Hauptsteuern wird namentlich die Kopfsteuer 
für die Römerzeit gründlicher aufgehellt (vgl. oben S. 171 f.). 2 ) Es steht jetzt 
fest, daß nur die Männer ihr unterlagen uud zwar vom 14. — 60. Lebens- 
jahre. 3 ) Hatten schon die Ostraka gezeigt, daß die Kopfsteuer (jetzt 
ÄaoyQcccptcc 41 ) oder gelegentlich auch enixscpdlcuov genannt) verschiedener 
kleinerer Ortschaften, wie Syenes und der thebanischen Quartiere, in ver- 
schiedener Höhe normiert war 5 ), so haben inzwischen die Papyri gelehrt, 
daß sogar innerhalb einer und derselben Metropole die verschiedenen 
Schichten der Bevölkerung in verschiedener Höhe besteuert waren. So 
zahlten nach P. Lond. II S. 54 ff. in Arsinoe die einen (die Ägypter) 
40 Drachmen 6 ) , die anderen (die privilegierten Metropoliten) nur 
20 Drachmen, während die Vollgriechen und xutolxoi usw. natürlich ganz 
frei waren (atsXslg). 1 ) In Oxyrhynchos dagegen war es Vorrecht der 
Metropoliten nur 12 Drachmen Kopfsteuer zu zahlen. 8 ) Für Herrn o- 
polis habe ich im Arch. IV 546 aus Lond. III 127/8 geschlossen, daß 
hier die Privilegierten, sogar die caib yviivaölov, 24 Drachmen gezahlt 
hätten. Vgl. %dg in Z. 6. So auch oben S. 57. Aber durch Amh. 75 ist mir 
diese Deutung inzwischen zweifelhaft geworden, wo sich an entsprechender 
Stelle tag, aber auch idg und dg findet. Diese Gruppen sind einstweilen 
noch rätselhaft. Über die Epikrisis, die die Privilegierten gegenüber den 
XccoyQacpov^iEvot, feststellte, vgl. unten. Zur Kopfsteuerpflicht der „über- 
zähligen" Priester vgl. oben S. 128. 

Auch die Rubrik der Zwangsbeiträge zu staatlichen Einrichtungen 
blieb wie in der Ptolemäerzeit bestehen (s. oben S. 172). 9 ) Auch jetzt 



1) Vgl. einstweilen Otto, Priester I 302 f. 

2) Vgl. Gr. Ostraka I 230 ff. 

3) Vgl. Kenyon, Lond. II S. 17 ff.; Wücken, Arch. II! 232 f. und 557. 

4) Das älteste Beispiel für diese neue Kopfsteuer war bisher Gr. Ostraka II 
n. 357 vom 13. Jahre des Augustus (= 18/17 v. Chr.). Noch ein Jahr älter ist ein 
Straßburger Ostrakon (208),, das nach meiner vor einigen Jabren genommenen Kopie 
die Xaoygaqiia für das 12. Jahr des Augustus bezeugt. Für die Frage, wann die 
XaoyQccfplcc- Kopfsteuer eingeführt ist, vgl. auch Grenfell-Hunt zu Oxy. IV 711. 

5) Gr. Ostraka I 234 ff. 

6) In Lond. II S. 55, 40 und 56, 67 steht \lY nicht für /tsra, wie Kenyon und 
Wessely (Stud. Pal. I S. 63) annehmen, sondern für den rs6<sccQccy.ovT<idQcc%n,og. Vgl. 
S. 54, 9, wo dieselbe Sigle für T£06cc()ccxovTudQccxiucüccv steht. Wenn in 55, 40 nur 
einer als Sohn eines 40-Drachmenmannes bezeichnet wird, werden die andern viol 
XaoyQacpovfievcov Söhne von 20- Drachmenmännern sein. 

7) Vgl. Arch. I 139. Vgl. auch Arch. III 555. Vgl. außerdem den (Ssxd- 
ÖQaxiiog), den Wessely (Epikrisis 23) in BGU 118 II 9 feststellte. Daß die slxoai- 
dgccxfioi, von Arsinoe den öcodsxadpa^fioi von Oxyrhynchos entsprechen, vermutete ich 
in Arch. V 428. 

8) Vgl. Grenfell-Hunt zu P. Oxy. II 257. 

9) Vgl. die Übersicht in Ostraka I 409. 



190 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

spielte die Verpflichtung, die durchreisenden Beamten und Truppen zu 
verpflegen, eine große Rolle. Vgl. hierüber Kap. IX. Auch die öxscpa- 
vot sind aus der Ptolemäerzeit in die Kaiserzeit hinübergegangen. 

Ebenso sind die indirekten Steuern von der römischen Regierung 
übernommen und wohl auch noch weiter ausgebildet worden. So finden 
wir das syxvxXiov wieder, jetzt im besonderen den Nomarchen unterstellt. 
Vgl. z. B. Teb. II 350 (mit Kommentar) und Lond. HI S. 69 (294). 

Bei dem großen Aufschwung, den der Handel Ägyptens nach dem 
Darniederliegen unter den letzten Ptolemäern durch die Fürsorge der 
römischen Regierung wieder nahm, werden die Zolleinnahmen sehr 
gesteigert worden sein. Dies bezeugt für den indischen und trogodyti- 
schen Handel ausdrücklich Strabo XVII p. 798. Ob die Römer neue Ein- 
richtungen in der Handhabung der Zölle getroffen haben, ist zurzeit 
schwer zu sagen und folgt nicht notwendig daraus, daß Einzelnes uns 
erst für die Römerzeit überliefert ist. Vielmehr sehen diese Einrichtungen 
meist so aus, als ob sie aus der Ptolemäerzeit übernommen sind. So 
läßt sich der xccQccAtfittrjg tt?s 'Eqv&qus d-cdccGörjg , der oberägyptische 
Kontrollbeamte für die in den ägyptischen Häfen des Roten Meeres zu 
erhebenden Zölle 1 ), zwar nur für die Kaiserzeit nachweisen 2 ), aber der 
Titel TtccQcdiJTtvrjs legt die Vermutung nahe, daß das vectigal maris Rubri 8 ), 
das nach Plinius h. n. VI § 84 als Einheit verpachtet wurde, auch schon 
in der Ptolemäerzeit ein einheitlich verwalteter Zoll gewesen ist. 4 ) So 
wird das Zollgesetz über arabische Waren in Oxy. I 36 (273), das wahr- 
scheinlich eben dieses vectigal maris Rubri betrifft 5 ), in seinen Grund- 
zügen gewiß auf die Ptolemäerzeit zurückgehen. 6 ) 

Neben den Ein- und Ausfuhrzöllen an den Grenzen der Provinz 
blieben auch die Transitzölle im Innern bestehen. Die Zollstation bei der 
hermopolitischen cpvkaxt], an der Grenze der Thebais, bestätigt Strabo 
XVII p. 813 auch für die Kaiserzeit. Vgl. ferner seine Mitteilung über 
die Zollstation in 2}%edla, oberhalb von Alexandrien, XVII p. 800. 

Ein reicheres Material liegt für die Gauzölle vor, die für Ein- und 
Ausfuhr von Waren von einem Gau in den anderen beim Verlassen des 
Ausgangspunktes oder bei der Ankunft am Bestimmungsort zu zahlen 
waren. Da nach P. Hibeh 80 (s. oben S. 172) gegenseitige Verrechnung 
zwischen den beiden Punkten stattfinden konnte, so sind diese Zölle als 
staatliche Provinzialzölle aufzufassen, nicht als Lokalzölle. Hierhin gehört 
die TtEvrrjxoötrj liegt ®(rißa<$) in Ostraka II n. 1569, die Tcsvt^xoötii 
'Eq^iov^Ctov) in Ostraka II n. 801 (292) und 806, die Ttsvti^xoötrj 



1) Vgl. Dittenberger, Or. Gr. I n. 202. 2) Vgl. Wilcken, Axch. III 196 f. 

3) Über die rstägtr] von Leuke Kome s. oben S. 172 Anm. 6. 

4) So Rostowzew, Arch. IV 309/10. 5) So Rostowzew, Arch. IV 310 f. 
6) Vgl. Wilcken, Arch. III 195. 



B. Die römische Zeit. § 1. Die Steuern. 191 

fo((isvog) Zotfvrjs in Ostraka II n. 43 (291) und 150. *) Während es sich 
im letzten Falle um Transport auf dem Nil zu handeln scheint, liegen 
Landzölle wie in den beiden ersten Fällen, so auch in den zahlreichen 
Quittungen 2 ) aus verschiedenen Dörfern des Faijüm vor, in denen be- 
scheinigt wird, daß bei Einfuhr oder Ausfuhr von Waren beim Tor 
des betreffenden Dorfes eine (sxcctoöty}) aal (itsvTrjxovtij) gezahlt sei 
oder für den Xi^irjv Mepcpeag. Daneben werden auch Gebühren für 
die die Karawane beschützende Wüstenwacht (iQTjuocpvXccxCcc) quittiert. 3 ) 
Die Dörfer (wie Bacchias, Karanis, Soknopaiu Nesos, Dionysias, Phila- 
delphia) liegen, wie ich betonen möchte, sämtlich an den Rändern des 
Faijüm, an der Gaugrenze. Über sie geht der Verkehr nach den Oasen 
(vgl. Grenf. II 50b) wie andererseits nach Memphis. Besonders lehr- 
reich für den Betrieb an diesen Toren sind die hierüber geführten Ein- 
gangsjournale wie P. Lond. III S. 41 ff. und namentlich S. 44 ff. Vgl. auch 
P. Amh. 77 (277). 

Neben den Staatssteuern stehen auch jetzt die Tempelabgaben. 
Der Fortbestand der <xk6iioiqcc (s. oben S. 172) ist auch für die Kaiserzeit 
belegt, doch ist ihr Charakter für diese Zeit noch sehr dunkel. 4 ) Auch 
die didQccxfiCcc tov Xovyov (vgl. S. 172) ist durch BGU 748 für die 
römische Zeit belegt. 

Dazu kommen endlich die Kommunalsteuern. Während wir für 
die Städte der Ptolemäerzeit keine genaueren Nachrichten hierüber be- 
sitzen, liegen uns für die Römerzeit einige Belege vor, und zwar so- 
wohl für die Zeit vor als nach der Einführung der ßovlrj (von 202). 
Mit städtischen Oktroi- Abgaben beschäftigt sich P. Lond. III S. 92 
(I. Jahrh.). Über Gebühren für Benutzung der städtischen Wasser- 
leitung von Arsinoe berichtet Lond. III S. 182 ff. (193) aus trajanischer 
Zeit. Die Stände auf dem Markt von Hermopolis waren nach CPHerm. 
102 (296) verpachtet. Ob die auf die Häuser der Stadt mit je 60 Drachmen 
repartierte Abgabe in CPHerm. 101 als Kommunalabgabe zu fassen ist, 



1) Vgl. dazu Ostraka I 276 ff. Rostowzews Ansicht, daß der Zoll von Syene 
und auch der von Memphis Reichszölle seien (vgl. Wochenschr. f. kl. Phil. 1900 S. 116), 
indem die Zollbezirke Ägyptens nach ihren Hauptstädten benannt seien, ist mir nicht 
wahrscheinlich. 

2) Mit Unrecht leugnet Preisigke zu P. Straßb. 12 den Quittungscharakter und 
will in den Dokumenten Ausweise sehen. Vielmehr liegt die Quittung in TstfXöavrixai, 
auch wenn die Summe nicht genannt wird. Sie wird übrigens genannt in P. Lond. 
III S. 37. 

3) Wilcken, Ostraka I 354 ff.; Wessely, Karanis 36 ff. Vgl. die Übersicht in 
Arch. I 9, ferner Fay. 67— 76(a); Amh. 116. 117; Lips. 81. 82; Lond. DJ S. 36 ff. u.a. 
Als Beispiel einer Gegenquittung vgl. Fay. 74. 

4) Gr. Ostraka I 159. Vgl. Lond. II 128 oben 9; BGU 915, 1; Fay. 41. Vgl. 
Otto, Priester I 353 f.; Rostowzew, GGA 1909, 628 ff. Vgl. jetzt Teb. D 343, 69 (mit 
Kommentar), auch P. Hawara 303, 13 (Arch. V 362). 



192 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

ist nicht sicher, aber wahrscheinlich. Nach den Ausführungen von Blumen- 
thal im Arch. V 333 ist auch der {isgiGfibg 'AöqlccvsCov, eine Umlage für 
einen Hadriantempel, als städtische Abgabe zu fassen. Auf städtische 
Abgaben im allgemeinen weist auch Oxy. VI 890 (280) hin. 

§ 2. DIE STEUERVERANLAGUNG. 
1. Die Feststellung der Steuersubjekte. 1 ) 
Für die Kaiserzeit liegt ein sehr viel reicheres Material als für die 
Ptolemäerzeit vor (s. oben S. 173 ff.), das uns mehrere wesentliche Neue- 
rungen der römischen Regierung vor Augen führt. Neu ist der 14jäh- 
rige Turnus, der die Einführung von Geburts- und Todesanzeigen herbei- 
geführt hat, neu ist auch die STtCxQiöig. 

a. Der 14jährige Zensus. 
Zu Beginn der Kaiserzeit scheint noch die alte ptolemäische Ein- 
richtung der alljährlichen Selbstdeklaration der Personen fortbestanden 
zu haben. Wenigstens legen Grenf. I 45 und 46 (200) vom Jahre 19 
und 18 vor Chr. diesen Schluß nahe. Bald danach wird dann 
der 14jährige Zensus eingeführt worden sein. Da durch die späteren 
Zensuseingaben das 8. Jahr des Nero = 61/2 als Zensusjahr völlig ge- 
sichert ist (s. unten), so ergeben sich rückwärts gerechnet die Jahre 10/9 
v. Chr., 5/6 n. Chr., 19/20, 33/4, 47/8 und 61/2 selbst als diejenigen Jahre, 
die eventuell für die Einführung des 14jährigen Zyklus in Betracht 
kommen. Nun besitzen wir in Oxy. II 254, wahrscheinlich vom J. 20 
n. Chr., und 255 (201) vom J. 48 Eingaben, die nach den scharfsinnigen 
Darlegungen von Grenfell-Hunt (Oxy. II S. 207 ff.) mit großer Wahrschein- 
lichkeit auf den Zensus von 19/20 resp. 47/8 zu beziehen sind. Damit 
ist dann erwiesen, daß die 14jährige Zensusperiode mindestens im 6. Jahre 
des Tiberius (19/20) schon bestanden hat. Man wird aber den beiden 
Forschern auch darin zustimmen, daß alle Wahrscheinlichkeit dafür spricht, 
daß schon Augustus diesen Zensus eingeführt hat, daß dieser Zensus also 
im J. 10/9 v. Chr. oder 5/6 n. Chr. geschaffen worden ist. Für diese An- 
nahme spricht, daß die haoyQcccpCa, die neue Kopfsteuer, deren Zusammen- 
hang mit dem Zensus feststeht (s. unten), bereits unter Augustus nach- 
weisbar ist — freilich schon für 19/8 v. Chr. (vgl. oben S. 189) also in 
der Zeit, die wir durch Grenf. I 45 und 46 (200) für den 14jährigen 



1) Wilcken, Arsinoitische Steuerprofessionen usw. (Sitz.-Ber. Pr. Akad. 1883 
S. 897 ff.); Ders., Hermes 28, 240 ff.; Ders., Gr. Ostraka I 438 ff.; Kenyon. Class. Rev. 
VII (1893) S. 110; P. Viereck, Philologus LH 219 ff.; W. Levison, Die Beurkundung 
des Zivilstandes im Altertum 1898; Grenfell-Hunt in Oxy. II S. 207 ff.; Wessely, Stud. 
Pal. I 26 ff. Vgl. jetzt auch Eger, Zum ägyptischen Grundbuchwesen in römischer 
Zeit (1909) S. 18 und 180 ff. und P. Meyers Kommentar zu Giss. 43. 



B. Die römische Zeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 193 

Zyklus für ausgeschlossen halten. Ferner ist auch die Epikrisis (s. unten) 
bereits für 11/2 n. Chr. durch Oxy. II 288 bezeugt, und auch dies 
führt zu der Annahme, daß der Zensus damals schon bestanden hat. 
Noch genauer läßt sich zurzeit das Datum der Einführung der 14jüli- 
rigen Zensusperiode wohl nicht berechnen. Diese für manche Probleme 
wichtige Frage wird hoffentlich durch neues Material noch einmal klar 
beantwortet werden. Jene beiden Eingaben vom J. 20 und 48 — Oxy. 
II 254 und 255 (201), zu denen noch das nicht genauer datierbare Frag- 
ment 256 hinzukommt — sind nun von allen früheren Deklarationen 
durchaus verschieden, weichen aber auch von den späteren Eingaben, wie 
sie vom J. 61/2 an vorliegen, wesentlich ab. So begegnet hier noch nicht 
der terminus xat olxCav ccTtoyocccptf. Auch bezeichnen sie sich als youyaC. 
Vgl. Oxy. 255 (201). So ist die Zeit von Augustus bis Nero eine Zeit 
des Überganges. Vom 8. Jahre des Nero (61/2) bis in die Mitte des 
III. Jahrh. liegen uns zahlreiche Beispiele von den Zensuseingaben vor, 
die alle 14 Jahre unter dem Namen xar olxCav ajcoyoacpaC 1 ) einzureichen 
waren. 2 ) Die belegten Zensusjahre sind: 61/2, 75/6, 89/90, 103/4, 117/8, 
131/2, 145/6, 159/60, 173/4, 187/8, 201/2, 215/6, 229/30, 243/4, 257/8. 

Daß diese jcar' olxCav axoyoacpaC vor allem den Zwecken der Steuer- 
veranlagung dienten, geht schon aus dem 14jährigen Zyklus hervor, denn 
mit Rücksicht auf den Beginn der Kopfsteuerpflichtigkeit mit dem 
14. Lebensjahre ist dieser Zyklus gewählt worden. 3 ) Zweck dieses Zensus 
war, die gesamte Bevölkerung Ägyptens, und zwar einen jeden nach seiner 
Heimat (CdCa) festzustellen. Darum wurden, wie wir kürzlich durch das 
Edikt des Vibius Maximus vom Jahre 104 gelernt haben (vgl. 202), vor 
einem solchen Zensus die Untertanen durch Edikt aufgefordert, daß jeder in 
seine Heimat gehe, um dort die Deklaration vorzunehmen 4 ) — gauz ähnlich 
wie es Lukas, Evang. 2, 1 ff. für Judäa erzählt. Diese Aufforderung ist, wie 
Rostowzew erkannt hat, bei jedem Zensus wiederholt worden. Vgl. meine Ein- 
leitung zum Edikt des Vibius Maxiraus (202). Diesem Edikt, das zur Rück- 



1) Der Zensus oder die Volksaufzeichnung heißt XctoygcccpLa. Vgl. z. B. Oxy. IV 
714, 23 und sonst. Daß xar' ol-xiccv aTtoygacpi] die einzelne Eingabe bezeichnen kann, 
zeigt z. B. Straßb. graec. 60 (77) I 13. Es kann aber auch den gesamten Zensus be- 
zeichnen, vgl. Rein. 49, 2 (207). 

2) Vgl. BGU I 53—55, 57—60, 90, 95, 97, 115—120, 122, 123, 125—132, 137, 
138, 154, [158], 182, 224, 225, 298, 302, II 410, 430, 447, 524, 537, 577, III 706, 777, 
833, IV 1069; Grenf. II 55; Lond. II S. 62; Lond. III S. 24—32; Oxy. II S. 208, III 
480; Amh. 74; Flor. 4, 5, 102; Rein. 46, 49; Teb. H 321, 322; Me'l. Nicole S. 557/8; 
Stud. Pal. I S. 27—32; Giss. 43, 44; Hamb. 7. 

3) Diese Annahme, die ich schon in den Sitz.-Ber. 1. c. S. 902 und im Hermes 
28, 248 f. aufstellte, ist inzwischen durch den direkten Hinweis auf die Kopfsteuer in 
den memphitischeD Deklarationen bestätigt worden. Vgl. 205. 

4) Ortsabwesende wurden eventuell als iv avaxcoQrjaei von den Angehörigen 
namhaft gemacht. Vgl. unten S. 196. 



194 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

kehr auffordert, scheint, wenigstens in manchen Fällen, ein anderes Edikt, 
das den Zensus im allgemeinen anordnete, vorangegangen zu sein (vgl. 
ebendort). 

Diese ediktale Aufforderung zur Rückkehr in die IdCcc wird um so 
verständlicher, wenn wir nachweisen können, daß nicht nur schriftliche 
anoyQdcpal eingereicht wurden, sondern daß die ganze Bevölkerung zwecks 
Aufnahme des Signalements sich persönlich bei dieser Gelegenheit zu 
stellen hatte. Dieses bisher nicht hervorgehobene, aber sehr wichtige 
Moment möchte ich aus P. Lond. II S. 55 = Stud. Pal. I S. 62 schließen, 
wo es z. B. Z. 39 heißt: xal anb a\naQ\a6tdt{aiv) vöxbqov elxo(vL<5&tv- 
tav) xtk. Daß es sich hier nicht etwa um Epikrisis, sondern um die 
xaz' obcCav änoyqacpri handelt, steht u. a. durch Z. 31 völlig fest. Also 
sind hier Kinder genannt, die bei dieser Gelegenheit nicht vorgeführt 
werden konnten und daher erst später (im nächsten Jahr) mit ihrem 
Signalement aufgeschrieben worden sind. Zu slxoviöfiog in diesem Sinne 
vgl. jetzt Oxy. VII 1022 Die persönliche Stellung spielt also beim Zensus 
dieselbe Rolle wie bei der Epikrisis (s. unten). Daruni mußten — nach 
der Lukaslegende — auch Joseph nnd Maria nach Bethlehem gehen. 

Die erhaltenen Deklarationen zeigen für die verschiedenen Gaue 
manche lokale Abweichungen. Allen gemeinsam ist, daß überall die 
Hausbesitzer sich und ihren Hausstand zu nennen hatten — mit An- 
gabe des Berufes, des Personalstandes (laoyQCKpoviievog, sntxEXQL^ivog o. ä.) 
und des Alters — , wobei auch das Haus zu bezeichnen war, so daß diese 
%ax olxiav ScTioyQacpat zugleich eine Feststellung aller Wohnhäuser er- 
gaben. 1 ) Im besonderen war festzustellen, in welchem Quartier {a^icpodov) 
der Deklarant eingeschrieben war (avayQatpsG&ai). Die Mieter wurden 
verschieden behandelt. Im Arsinoites, Herakleopolites, Oxyrhynchites de- 
klarierten die Hausbesitzer auch ihre Mieter, dagegen in Memphis voll- 
zogen die Mieter selbst, freilich in Gegenwart ihrer Wirte, die für ihre 
Kopfsteuer zu bürgen hatten, die Deklaration (vgl. 205). Ebenso haben 
wir jetzt auch aus dem 'ATtollavonoXCryig 'EjtTaxafiCag eine selbständige 
Eingabe eines Mieters (Giss. 43). Im Herakleopolites und in Antinoo- 
polis wurden die Erklärungen normalerweise im Periodenjahr selbst ein- 
gereicht (209, 207), während in den anderen genannten Gauen die 
Eingaben nicht früher als im Jahre danach regelmäßig gemacht wurden. 
Von den memphitischen Eingaben sind zwei aus dem Zensusjahr (BGU 
777, Lond. III S. 26/7), zwei aus dem folgenden Jahr (BGU 833 [205], 
Lond. IH S. 29). Die Deklarationen gingen an die Finanzbehörden des 
Gaues, den Strategen und den königlichen Schreiber, außerdem in den 



1) Vgl. Eg'er 1. c. S. 180 f. Daß die Häuser nach den aptpoda zusammengezählt 
wurden, zeigt z. B. CPHerm. 101. 



B. Die römische Zeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 195 

Metropolen an die beiden Stadtschreiber und den Amphodarchen und den 
XccoyQcccpog des Ampbodon (Teb. II 321), in den Dörfern an den Dorf- 
schreiber und den XaoyQacpog des Dorfes (vgl. 204). Dagegen in der 
griechischen noXig Antinoopolis wurden die Eingaben an eine städtische 
Kommission von gewählten Vertretern des betreffenden Stadtteiles ge- 
richtet (vgl. Rein. 49 [207]). 

Die Richtigkeit der Angaben wurde außerhalb des Faijüm durch den 
schriftlichen Kaisereid der Deklaranten geschützt, überall aber durch die 
amtliche Nachprüfung (i^ixaöig) der Ortsbehörden gesichert, wie einzelne 
Subskriptionen zeigen. 1 ) 

Die eingereichten Exemplare wurden in den betreffenden Bureaus zu 
langen Rollen aneinandergeklebt (övyxoXXriaiiia) , wie die Photographien 
in den Sitzungsber. Pr. Akad. 1883 1. c. zeigen. Außerdem wurden Listen 
und Auszüge verschiedenster Art hergestellt. 2 ) Im besonderen wurden die 
Zensuseingaben von den Behörden der einzelnen äficpoda verarbeitet. 
Solche Amphodarchenarbeiten, in denen neben Epikrisisakten und an- 
derem vor allem auch die Zensuseingaben verwertet sind, liegen uns für 
a[Mpodcc von Arsinoe* aus Vespasianischer Zeit in Lond. n. 260 und 261 
und einem Rainer-Papyrus vor. Vgl. Stud. Pal. I S. 58 ff. Wohl von den 
Behörden aus gingen Exemplare auch an das der Verwaltung, im be- 
sonderen auch der Steuerverwaltung dienende Gauarchiv, die dr)(io6Ca ßi- 
ßXio&ijxr] oder ßißXLo&rjxr] xäv drjfioölcav Xöycov 3 ), wo gleichfalls wieder 
övyxoXXfjöipcc und Auszüge hergestellt wurden. Diese Akten des Archivs 
wurden auf Wunsch auch Interessenten zur Anfertigung von Abschriften 
zur Verfügung gesteUt. Vgl. Stud. Pal. I S. 28 (209), Lond. II S. 63/4 
(208), vgl. auch BGÜ 545 und Straßb. gr. 60 (77), 13, wo von dvxC- 
yqatpa xax oIkiccv änoyQuy&v gesagt wird: e7ts<5x£{i{ievcc sx xrjg inl x6%av 
ßißXio&rjxrjg. 

Zur Evidenthaltung dieser Bevölkerungslisten ergab es sich bei der 
Größe des Zyklus als erforderlich, daß die Zugänge und Abgänge durch 
Geburt und Tod (oder auch Flucht oder dgl.) schon während der Periode 
zur Anzeige gebracht würden, was in der Ptolemäerzeit bei der jähr- 
lichen Wiederholung der Namensnennung nicht nötig gewesen war. Die 
Geburtsanzeigen, die von griechischen und griechisch-ägyptischen Eltern 
eingereicht sind (y7tofivr]^axa sitiyevvrjöecog) 41 ), zeigen, daß die Kinder oft erst 
mehrere Jahre nach der Geburt angezeigt wurden. Dasselbe ergeben die 
yQcccpcci iTuysyevvrjfievcjv in Stud. Pal. I S. 67, 77 etc. Wenn wirklich nur 
Knaben angemeldet wurden, wie in den bisher vorliegenden Proben, so 
hängt das wohl mit der Befreiung der Frauen von der Kopfsteuer zu- 

1) Vgl. Gr. Ostraka I 474. 2) Vgl. Gr. Ostraka I 478 ff. 

3) Vgl. oben S. 39. Vgl. hierzu auch noch Eger 1. c. S. 18 ff. 

4) BGÜ I 28, 110, 111; Fay. 28; Gen. 33 (211); Teb. II 299. 



196 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

sammen. 1 ) Die Frage, ob diese Anzeigen freiwillig oder auf Grund von 
Verfügungen eingereicht wurden, harrt noch einer evidenten Lösung. 
Wesentlich anders als diese griechisch -ägyptischen Geburtsanzeigen sind 
die Meldungen römischer Eltern über die Geburt von Knaben und 
Mädchen zu beurteilen, von denen wir kürzlich auf Holztafeln und Papyrus 
in lateinischer Sprache Proben erhalten haben. 2 ) Vgl. Cair. Holztafel (212) 
und Oxy. VI 894 (213). Auf solche Anzeigen bezieht sich das Reskript 
Gordians in Teb. II 285. 

Die Todesanzeigen 3 ) sind sicher freiwillige Meldungen der Hinter- 
bliebenen, deren Interesse in der Bitte, den Toten betreffs Kopf- und Ge- 
werbesteuer aus den Listen zu streichen, klar zum Ausdruck kommt 
(itSQiyQcccprjvcu neql xf\g XaoyQucpCug xccl %£iqco vcc^Cov : Oxy. I 173).*) Aus 
dem ecog M£%eCg in Stud. Pal. I S. 70, 394 etc. folgt, daß diejenigen, die in 
der ersten Hälfte des Jahres gestorben waren, die Gewerbesteuer (und so 
auch die Kopfsteuer) nur zur Hälfte zahlten. So begreift man die Prä- 
zision und Eile, mit der die Hinterbliebenen die Todesfälle anmeldeten. 
In diesem finanziellen Interesse der Angehörigen liegt aber auch be- 
gründet, daß die Regierung sich eine eingehende Prüfung dieser Mel- 
dung durch die Ortsbehörden vorbehielt. Vgl. BGU IV 1068 (62); Fay. 
30 (214). Eine Totenliste enthält ein P. Hawara (unnumbered). VgL 
Milne, Arch. V 395 f. Vgl. auch die Totenlisten in Lond. II S. 39 ff., wo 
der Ausdruck e| vTiofivrjfiarog eben auf solche Todesanzeigen hinweist. 

Formell ähnlich den Todesanzeigen und auch aus ähnlichem Interesse 
entsprungen sind die Meldungen, daß ein Angehöriger „in die Fremde 
gegangen" sei (uv£%(o()r)6ev sig xr\v %ivqv), was oft genug durch den 
Druck der Liturgien oder überhaupt durch wirtschaftliche Not oder auch 
durch Unruhen herbeigeführt wurde. Vgl. Oxy. II 251 — 253 (215). 
Die Pointe liegt hier in der Mitteilung, daß der Entwichene keinen 
nÖQog hinterlassen habe, durch den etwa, so dürfen wir wohl supponieren, 
einer seiner Angehörigen zur Steuerzahlung oder zur Übernahme einer 
Liturgie statt seiner verpflichtet werden könnte. 

b. Die inCxQiöig. 5 ) 
Auf Grund der in der Anmerkung genannten Arbeiten unterscheiden 



1) Irrig war meine Annahme in Ostraka I 453, daß diese Anzeigen für die 
Militärbehörden gemacht seien. Vgl. Grenfell-Hunt zu Fay. 28. 

2) Vgl. Girard, Nouv. Rev. Hist. 30, 494 ff; Wilcken, Archiv IV 252 ff. und 
Grenfell-Hunt zu Oxy. VI 894. 

3) Vgl. BGU I 17, 79, 254, III 773, IV 1068; Lond. II S. 66—68; Anz. Wien. 
Akad. 31, 7; Mitt.PR V 12/3; Oxy. I 79R, 173, II 262, VII 1030 (36); Fay. 29, 30; 
Teb. II 300, 301. Vgl. auch Levison 1. c. 

4) Vgl. Gr. Ostraka I 454 ff. Vgl. auch die Meldung des Todes eines yigdtog 
an den iyXr}iutTcoQ yeQ^Siavov) in Oxy. II 262. 

5) Kenyon, P. Lond. II S. 42 ff. (zu Nr. 260, 261) 1898; Grenfell-Hunt, P. Oxy. 



B. Die römische Zeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 197 

wir heute eine militärische und eine nichtmilitärische Epikrisis. Da anfangs 
zufällig vorwiegend Proben der ersteren Art bekannt wurden, rechneten 
die älteren Arbeiten nur mit einer militärischen Epikrisis. 1 ) Erst Kenyon 
konnte auf Grund seiner Publikation von P. Lond. n. 260, 261 (II S. 42ff.) das 
Vorhandensein einer andersartigen Epikrisis feststellen, und Grenfell-Hunt 
haben dann auf Grund der Oxyrhynchostexte (vgl. Oxy. II S. 217 ff.) die 
beiden Arten noch schärfer geschieden. Über die militärische wird unten 
in Kap. XI gehandelt werden. Hier ist die andere Epikrisis darzustellen, 
da sie ergänzend zu dem durch die xax olxCav anoyQayal der Regierung 
gelieferten Material hinzutritt, und das Ergebnis der Epikrisis für die 
Besteuerung des Individuums von großer Wichtigkeit war. Beide Arten 
von 67tLXQCö£ig sind nur für die römische Periode bezeugt. Den ältesten 
Beleg für die nichtmilitärische E7tCxgi6ig bringt Oxy. II 288 (11/2 n. Chr.). 
Bei dem engen Zusammenhang zwischen der Epikrisis und dem Zensus 
ist es wahrscheinlich, daß sie zugleich mit diesem eingeführt worden 
ist. Die Frage nach der Bedeutung der nichtmilitärischen oder, wie 
ich sie nennen möchte (Arch. V 237), der fiskalischen Epikrisis und 
namentlich nach ihrem Verhältnis zu der militärischen ist heute noch 
kontrovers. Für ihr Verständnis erscheinen folgende Punkte als besonders 
wichtig. 

Während die militärische Epikrisis stets durch den PräfeTsten oder 
seinen militärischen Stellvertreter, in der Regel in Alexandrien, vorge- 
nommen wurde, fand die nichtmilitärische in der Heimat des Epikrisis- 
pflichtigen statt und wurde in den Gauen unter Oberaufsicht des Strategen 
und seiner UntersteUten (vgl. Oxy. II 257, 12 ff., IV 714; Teb. II 298, 20) 
von lokalen Epikrisiskommissionen {i%ixQixai oder ähnl.) vorgenommen. 

Während der militärischen Epikrisis nur Erwachsene unterworfen 
waren, wurden zur nichtmilitärischen ausschließlich die gezogen, die das 
kopfsteuerpflichtige Alter (14 — 60) entweder noch nicht erreicht (aqp^'- 
Xixeg) oder es überschritten hatten (vTCsgexelg)^, denn diese Epikrisis, die 
Freie und Sklaven in gleicher Weise betraf, war eine Prüfung der 
Voraussetzungen, die eine volle oder partielle Befreiung von 



H S. 217 ff. (zu Nr. 257, 258); III S. 163/4 (zu Nr. 478); P. M. Meyer, Das Heerwesen 
der Ptolemäer und Römer in Ägypten 1900 S. 109 ff., 229 ff.; C. Wessely, Epikrisis. 
Sitz.-Ber. Wien. Akad. phil.-hist. Kl. 142, 9 (1900); P. M. Meyer, Berl. phil. Woch. 
1901 Sp. 242 ff.; W. Schubart', Archiv f. Pap. II 155 ff.; J. Lesquier, Le recrutement 
de l'arme'e Rom. d'ßgypte, Revue de Phil. 28 (1904) S. 22 (Separatabd.); C. Wessely, 
Stud. Pal. I S. 58 ff. (1905); P. Jouguet, Chronique d. Papyrus II (Rev. d. Etud. Anc. 
VII 1905) S. 59 (Sep.-Abd.); Wilcken, Arch. f. Pap. III 504 f., 556 ff. 7 237. 

1) Vgl. Mommsen, CIL III Suppl. p. 2007; Wilcken, Hermes 28, 260. 

2) Die erhaltenen Epikrisiseingaben betreffen alle cicprilixes. Die Epikrisis der 
4>7tSQ£teig findet sich z.B. in Stud. Pal. I S. 74, 550 ff. erwähnt. Danach bedurfte es 
einer besonderen Entscheidung darüber, ob die Überjährigen in die inixs^giiMsvot 
eintreten sollten. 



]98 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

der Kopfsteuer 1 ) gewährten oder allgemeiner gesagt, eine Prüfung 
des Personalstandes. Da die Kopfsteuer nur auf den Männern lastete, 
waren die Frauen der Epikrisis nicht unterworfen. 2 ) Eine Ausnahme 
machen die Jüdinnen, da das xsXsa^a 'Iovdcciav auch die Frauen traf. 3 ) 
Hier war also auch für die Frauen festzustellen, wenn sie z. B. VTiegexslg 
wurden. Vgl. Stud. Pal. I S. 71 (61). 

Der Personalstand der ayrjXLXsg wurde praktisch in der Weise fest- 
gestellt, daß ihre Eltern resp. ihre Herren, wenn der Befehl zur ijclxQiöig 
an sie ergangen war, über ihren eigenen Personalstand vor den Be- 
hörden Zeugnis ablegten, denn die Söhne und Sklaven wurden hinsicht- 
lich der Kopfsteuer ebenso behandelt wie ihre Eltern resp. Herren. 4 ) 
Waren diese steuerfrei, so galt es auch von den Söhnen resp. Sklaven. 
Die Behörden begnügten sich aber doch nicht mit diesem Nachweis betreffs 
der Eltern oder Herren allein, vielmehr mußten die der Epikrisis zu Unter- 
werfenden persönlich der Behörde vorgeführt werden, denn es werden die- 
jenigen als die Epikrisis nicht bestanden habend (avsTcCxQLXov) bezeichnet, 
die sich nicht persönlich gestellt hatten (cbtapatfrarot), wiewohl sie dazu 
qualifiziert waren. 5 ) Vgl. Oxy. 11257,23 (147): epe ds \b\v avBTtixqixoig 
xsxdc%&ca Tip (irj ivdrjfieiv. Vgl. auch Stud. Pal. I S. 74, 545 (= Lond. H 
n. 260, 38): j4v£7iCxqlxol ysva\is(vQi) xa {xqcoxg)) (exet,) diä xb dvai [ej^cot 
oqlcov Alyvnxov, worauf drei a%aQcc6xaxoi aufgezählt werden, die damals in 
Italien waren, und ein unccQciöxaxog, der in Indien war. Wohl aus Anlaß 
dieser persönlichen Vorstellung überreichten nun die Eltern resp. Herren 
der Behörde Eingaben (y7Cou.vr\tiaxa), in denen sie die von der Regierung 
verlangten Auskünfte schriftlich niederlegten und zum Schluß durch einen 
Kaisereid ihre Aussage bekräftigten. Die scheinbare Mannigfaltigkeit in 
der Anlage dieser vxofivtj^iaxa vereinfacht sich nun, was bisher nicht ge- 
nügend beachtet wurde, bedeutend, wenn wir sie nach ihrer Herkunft 
ordnen, denn auch hierfür, ähnlich wie für die Zensuseingaben, lassen sich 
für die verschiedenen Gaue ganz verschiedene Formulare nachweisen. Es 
liegen uns zurzeit folgende Eingaben dieser Art vor: 

1) S. oben S. 189. 

2) Wenn in Amh. 99, 1 eine 'Eq^iiovt) als 8i iitixQi6£cog Mia i] %a\ 'Eq(il6vt] be- 
zeichnet wird, so wird man mit den Editoren daran festhalten dürfen, daß sie nicht 
selbst Objekt der Epikrisis gewesen war. Die Ergänzung &sQu.ovfrccQiov £n[iy.(EXQi- 
(tiv7js)?] in Stud. Pal. I S. 69, 364 ist unrichtig. 

3) Vgl. oben S. 187. 

4) In bezug auf die Sklaven hat dies schon Schubart (Archiv II 156) gesagt. 
Vgl. auch Grenfell-Hunt zu Oxy. IV 714; Wessely, Stud. Pal. I 59. Vgl. auch die 
Ostraka über 'iovdaltov -ciXec^cc (295). 

5) Gelegentlich wurden yvco6tfiQBs beigebracht, also Personen, die die Identität 
der Persönlichkeit bezeugten. Vgl. Fay. 27, 32, wo P. Meyer yvcoQi^a mit Recht ver- 
mutet. Wahrscheinlich ist vorher in 26 yvcoOTiJQsg geschrieben statt covtiqsg( ). 
Dagegen ist es mit Unrecht angenommen worden in Grenf. II 49, 15, wo vielmehr 
<T£ff7](fj.sioa{ica) zu lesen ist. 



ß. Die römische Zeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 199 

Aus Oxyrhynchos: Oxy. 258 (216), 478 (218), 714, 1028; Lips. Inv. 
561 (217). Vgl. andererseits Oxy. 257 (147). 

Aus Arsinoe: BGU 109, 324 (219), 971; Gen. 18, 19; Fay. 27; Grenf. 
II 49; Teb. II 320; Hawara 401. 

Aus Herrn opolis: Amh. 75. 

1) Für Oxyrhynchos ist charakteristisch, daß hier in dem die Epi- 
krisis der Dreizehnjährigen anordnenden Befehl speziell die Frage zur 
„Prüfung" gestellt wird, ob die Eltern Metropoliten mit der (geringen) 
Kopfsteuer von 12 Drachmen seien: sl e| diKporsQav yoveav ^rjtQOTtokt- 
r&v dadexad()dx[i(Dv siölv. Dementsprechend macht die Beantwortung 
dieser Frage den Hauptinhalt der oxyrhynchitischen Eingaben aus. Der 
Vater versichert es für sich, und da die Mutter ja überhaupt keine Kopf- 
steuer bezahlen kann, muß der entsprechende Nachweis für ihren Vater 
gebracht werden. Wenn in P. Lips. (217) und Oxy. VII 1028 der Sohn 
resp. Sklave selbst schon als dadexuÖQccxiiog bezeichnet wird, so liegt dies 
daran, daß er hier inzwischen schon 14 Jahre alt geworden ist. — Die 
Eingabe Oxy. 257 (147) nimmt gegenüber den anderen, wie mir scheint, 
ein Sonderstellung ein. Lesquier 1. c. 26 (S. A.) Anm. 6 nimmt zwar an, 
mit Hinweis auf Schubart 1. c. 157, daß hier rcbv 7CQoößatv6vt(ov s£g xovg 
aitb yvfivaöCov nur une facon differente d'indiquer l'äge de l'enfant sei 
(= slg tQißxaidsxastslg). Er hat aber übersehen, daß auch die Auskünfte 
der Eltern hier ganz andere sind. Es wird nämlich der Nachweis ge- 
bracht, daß die Vorfahren der Familie, väterlicherseits und mütterlicher- 
seits, Gymnasiarchen gewesen sind. Also handelt es sich hier speziell um 
eine Epikrisis für diejenigen, die unter die Epheben aufgenommen [eIöxql- 
vsöfrcu) werden sollen. Vgl. oben S. 141 ff. Darum habe ich diesen Text 
oben im HI. Kapitel abgedruckt. 

2) Ganz anders sehen die Eingaben aus Arsinoe aus. Auch hier 
gab es unter den Metropoliten eine privilegierte Klasse 1 ), deren Kopfsteuer 
hier aber anders normiert war als in Oxyrhynchos, nämlich auf 20 Drachmen 
(statt 40). Vgl. oben S.,189. Jedoch die Regierung stellte hier nicht 
zpeziell die Frage zur Prüfung, ob die Eltern etwa inqTQOJiolZtai sixo- 
eCÖQaiiioi seien, und daher berührt auch die Meldung der Eltern nicht 
diesen Punkt. Hier erklären vielmehr die Eltern, gemäß dem erlassenen 
Befehl ihre dixaia vorzulegen — und zwar aus den oben angegebenen 
Gründen ihre dlxcucc, nicht die der e%lxqiv6iievoi. Es folgt dann die 
Konstatierung, daß sie für den jeweiligen Zensus für das und das dfitpo- 
dov ihre Deklarationen ordnungsmäßig gemacht hätten. Falls der Sohn 
(resp. Sklave) etwa bei dem letzten Zensus schon gelebt hat, so wird es 



1) Daß nicht alle Metropoliten privilegiert waren, zeigt z. B. BGU 115 (203), wo 
der ccnb zfjg (ir]TQ07i6Xs(os doch XaoyQcccpoviisvog ist. Vgl. auch Lond. II S. 54 usw. 



200 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

besonders hervorgehoben, daß er damals auch schon mit genannt worden 
sei (6vvaitoyQÜcpE6&UL). Auch wird unter Umständen erwähnt, daß der 
Sohn schon durch eine Geburtsanzeige angemeldet worden sei. 1 ) Das 
übliche V7cexa£,ä pov xä dCxccta läßt darauf schließen, daß Abschriften 
der Dokumente folgten; es ist uns aber diese Beilage bei keiner der Fai- 
jümer Urkunden erhalten. Doch da in Amh. 75 für Hermopolis ein Bei- 
spiel vorliegt, wird es wohl auch im Faijüm so Sitte gewesen sein. Sonst 
müßte man annehmen, daß schon der Hinweis auf die früheren a%o- 
ygacpav eben dies vnoxdöGetv sei, was mir aber nicht wahrscheinlich ist. 
Auch spricht BGU 324 (219) dagegen, wo övvitccoe&eiiriv dem V7texcc£,a 
parallel steht. Vgl. den Kommentar. 

3) Von der einzigen hermopolitischen Eingabe Amh. 75 I, aus 
der Zeit des Marcus und Verus, ist so wenig erhalten, daß wir nicht 
wissen können, welche Formalien hier üblich waren. Dafür sind uns hier 
die Beilagen erhalten, d. h. Auszüge von einer großen Zahl von Zensus- 
und Epikrisiseingaben bis in die Zeit des Nero hinein, in denen die Vor- 
fahren bis in die augusteische Zeit zu verfolgen sind. Da hier nun meist 
der Zusatz dnb y(y[ivcc6Cov) zu den Namen gefügt ist, so könnte man 
schon hiernach vermuten, daß diese Eingabe Oxy. 257 (147) parallel steht 
(s. oben). Diese Annahme wird noch durch Folgendes befestigt. In einem 
noch unedierten Straßburger Papyrus, den ich einsehen durfte, handelt der 
Gxoccxrjyog e EQ[i07toMxov von der Epikrisis der oC d%b xr\g (irjXQOitnheag 
eig xovg xeöGaoetixcadexaexelg TiQoGßaCvovxeg dq)t]kixeg und, wenn ich den 
verstümmelten Text recht verstand, der anb tccy^atog xov yvpvaölov, 
wobei als Zweck des enixolvee&ai angegeben wird die Feststellung, el e% 
dficpoxegcov yovea[v xb [ir)TQ07to]forLxbv ylvog 6co£ov6l, oi d' ex xov yvfi- 
[vcc6lov, et] an a-uroü xov xdy^iaxög e£6i. Wenn ich auch zur Erklärung 
dieses Begriffes xäy\icc nichts beibringen kann, so irre ich wohl nicht in 
der Annahme, daß hier zwei Gruppen unter den Privilegierten geschieden 
werden, die Metropoliten und die vom Gymnasium. 2 ) Dies bestärkt mich 
in der oben geäußerten Ansicht, daß Oxy. 257 (147) als die ccnb yvfiva- 
elov behandelnd von den anderen oxyrhynchitischen Eingaben zu trennen 
ist, und ebenso wird man wohl auch Amh. 75 dieser Gruppe zuweisen 
dürfen. Was über die Epikrisis der Metropoliten gesagt wird, fällt im 
Grundgedanken mit dem zusammen, was für Oxyrhynchos und Arsinoe 
festgestellt werden konnte, aber es liegt doch wieder eine andere Formel 
vor. Der Begriff dadexddQcc%{iog fehlt auch hier wie in Arsinoe. 

So finden wir, wie bei den Zensuseingaben, auch bei den Epikrisis- 



1) Vgl. Gen. 19, 12. Dagegen ist dies mit Unrecht von Wessely in BGU 109, 17 
ergänzt worden. 

2) Daß man normalerweise mit 14 Jahren in die Epheben eintrat, wurde oben 
S. 141 auseinandergesetzt. 



B. Die römische Zeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 201 

eingaben lokale Verschiedenheiten. Neben den allgemeinen gleichen Ver- 
ordnungen stand der durch die Jahrhunderte traditionell festgehaltene 
Usus der einzelne Gaue — ähnlich wie z. B. die Steuererhebung xaxd xs 
xov xijg Gjvf\g yvcopovcc xal xrjv xov vopov Gvvtf&eiav ausgeübt wurde 
(BGU IV 1062, 14 [276]). 

Auch die Epikrisisakten lagen wie die Zensuseiugaben in der drj- 
Hoöia ßißXio&rjy.r]. In Oxyrhynchos bildeten die beiden ßißXiocpvkaxag 
die Epikrisisbehörde, resp. mit dem Strategen u. a. zusammen die Epi- 
krisiskommission. Vgl. Oxy. III 478, 714. *) Natürlich hatten auch diese 
Akten Publizität. Die Interessenten konnten Abschriften aus ihnen ent- 
nehmen. Vgl. BGU Ii 562 (220). Wie diese Epikrisisakten von den 
Amphodonbehörden zur Aufstellung der Bevölkerungslisten verarbeitet 
wurden, zeigen die schon oben erwähnten wichtigen Dokumente in Stud. 
Pal. I S. 72 ff. 

Ein abschließendes Urteil über diese Epikrisis ist heute noch nicht 
möglich. Nur dies darf wohl schon jetzt als gesichert gelten, daß sie 
den Zweck hatte, festzustellen, welche Personen von der Kopfsteuerpflicht 
ganz oder partiell befreit waren. Wohl kann man sagen, daß die 
Epikrisis, die m. E. in jedem Jahre für die nunmehr 13 Jahre alt Ge- 
wordenen angeordnet wurde 2 ), für die Evidenthaltung der Bevölkerungs- 
listen ergänzend zu dem nur alle 14 Jahre stattfindenden Zensus, der die 
Grundlage für jene bildete, hinzutrat. Aber es scheint mir wichtig, als 
Unterschied festzustellen, daß der Zensus zu einer Untersuchung der 
Kopf steuerpflicht nicht führte. In den Zensuseingaben werden nur die 
Resultate der Epikrisis neben anderem — wie z. B. auch dem Häuser- 
besitz — angegeben. Wer die Epikrisis mit Erfolg bestanden hat, durfte 
sich in der nächsten Zensuseingabe als i7iiX£XQifiavog bezeichnen. Die 
Feststellung dieses Rechtes erfolgte aber ausschließlich durch den Epi- 
krisisakt. 

Wer sich eiiixaxQiiiävog nennen durfte, gehörte nun zu den privile- 
gierten Klassen. So stehen sich die ijtixaxoifiavoL und die Xccoyocccpoviis- 
voi (soweit sie voll besteuert waren) oder wie wir jetzt sagen dürfen, 
die dediticii schroff gegenüber. 3 ) Zu den inixexQL{isvoL gehören, wie 

1) In Oxy. 1028 sind mit den beiden früheren Gymnasiarchen vielleicht die ßißlio- 
cpvXccxeg gemeint. Vgl. 714. — Im Faijüm haben wir kein Beispiel für die Mit- 
wirkung der ßißhocpvluxes. Hier versehen gewöhnlich ein oder zwei frühere Gym- 
nasiarchen das Amt des im,Y.Qitijg. 

2) Die herrschende Ansicht, daß in den Zensusjahren keine Epikrisis stattge- 
funden habe, ist nicht richtig. Vgl. Oxy. 478, 31, wo eine Epikrisis für das 7. Jahr 
des Trajan (Zensusjahr) genannt wird. Die Begründung liegt in der obigen Unter- 
scheidung der beiden Maßregeln. Sie waren so verschieden, daß nicht einzusehen 
ist, warum im Zensusjahr die Dreizehnjährigen übergangen werden sollten. 

3) Der Gegensatz tritt besonders scharf entgegen in den lehrreichen Worten 
Lond. II S. 51, 124 fF., wo einer aus der Liste der vlol XccoyQcccpov^ivcov in die Liste 



202 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

wir oben sahen, abgesehen von den Römern, die Bürger der griechi- 
schen Städte, die privilegierten Metropoliten (dcjdsxddQuxfioL in Oxy- 
rhynchos, eCxoöCdgaxfioi in Arsinoe), im besonderen die cbrö yvpvaöLov 
und die Katöken. 1 ) Wir können daher auch sagen, daß durch die Epi- 
krisis in erster Reihe die hellenische Kulturschicht der Bevölkerung 
von der ägyptischen abgesondert wurde. Ähnlich auch schon Kenyon zu 
Lond. II n. 260. 

Wenn wir auch aus den angeführten Gründen diese fiskale Epikrisis 
von der militärischen scheiden, so besteht doch ein gewisser innerer Zu- 
sammenhang insofern, als eben nur die BJiLXEXQi^evoi, zum Heeresdienst 
qualifiziert waren (vgl. Kap. XI). Also können wir annehmen, daß auch die 
Akten der fiskalen Epikrisis für die Aushebungsarbeiten von Wert ge- 
wesen sind. Trotzdem dürfen wir der obigen Epikrisis keine unmittel- 
baren militärischen Zwecke zuschreiben. Sie ist nur eine Voraussetzung 
für die Rekrutierung. Die eventuelle Verwendbarkeit für die Aushebungen 
trat ja auch erst mehrere Jahre nach der Prüfung der 13jährigen ein, 
während die Steuerbefreiung sogleich vom 14. Jahre an,akut wurde, und 
nur diese galt es festzustellen. 2 ) 

2. Die Feststellung der Steuerobjekte. 3 ) 
a. Die anoyQutpaC. 
Durch das Edikt des Mettius Rufus (Oxy. II 237 VIII) haben wir 
gelernt, die Immobilien- und die Mobiliendeklarationen noch schärfer von- 
einander zu trennen. Während wir früher auch von den Immobilien- 
deklarationen wie von den anderen annahmen, daß sie alljährlich ein- 
gereicht seien, wissen wir jetzt, wie schon Grenfell-Hunt in ihrem 
grundlegenden Kommentar darlegten, daß die an die ßißXio^rixri iyxvtj- 
6sav eingereichten General- aitoygacpal nur je nach Bedarf, wenn Unord- 
nungen in der ßißfoo&rjxr] eingerissen waren, vom Präfekten angeordnet 
wurden. Es ist ferner im Anschluß an das Edikt jetzt mit Recht in 
Zweifel gezogen worden, ob diese an die ßißXtod-rjxy] eyxvriesav gerich- 



der vlol v.axoixav versetzt wird i%\ xä xbv xovxov naxegcc itiib Xccoyqcccpiag xe%coqi6&cci, 
dia xb &rtx«ipu»'9 , ca rä» a (Hxst) Ovso[7ta6i\ccvov vnb xmv TtQOKsxiQiGiiBvcov. Das fol- 
gende ist vielleicht zu lesen: [i|? 6LTt\uQuGxäxa>v yQaq>fjg. 

1) P. Meyer nimmt an, daß die xccxoixoi im 1. Jahre des Nero (54/3), die aitb 
yv^vadov im 7. Jahre desselben Kaisers (60/1) zur Epikrisis zugelassen seien. Vgl. 
Heerwesen S. 230 ff. Das bedarf noch weiterer Prüfungen. Dagegen Schubart 1. c. 
Sachlich ist es mir höchst unwahrscheinlich, daß z. B. die aitb yvfivccalov, diese 
hellenische Schicht, nicht von vornherein zur Epikrisis herangezogen sein sollte, so- 
bald überhaupt die ini%Qioig eingeführt wurde. 

2) Vgl. die klaren Ausführungen von Lesquier 1. c. 

3) Vgl. H. Lewald, Beiträge z. Kenntnis des röm.-ägypt. Grundbuchrechts 1909; 
0. Eger, Zum ägyptischen Grundbuchwesen in röm. Zeit 1909; Fr. Preisigke, Giro- 
wesen im griechischen Ägypten 1910. 



B. Die römische Zeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 203 

teten ajtoyQacpaC überhaupt zu Zwecken der Steuerveranlagung eingefordert 
sind, wie denn die neuere Forschung zu ganz anderen Ansichten über 
die Bedeutung dieser (iißhod-tjxrj gegenüber den vor Auffindung des Ediktes 
liegenden Arbeiten gekommen ist. 1 ) Ein direkter Zusammenhang zwischen 
den an die ßLßXio&YJxr} syxx^ösaiv gerichteten uTtoyQayal und den Auf- 
gaben der Steuerbehörden, im besonderen eine Verwendung jener ccno- 
yQccqxxb für die Steuerveranlagung und Erhebung, läßt sich in der Tat 
nicht erweisen, wenn man es auch für wahrscheinlich halten mag, daß 
das reiche dort aufgespeicherte Material eventuell auch den Steuerbehörden 
zur Verfügung gestanden hat. 2 ) Aus diesen Gründen glaubten wir den 
jetzigen Stand der Forschung am klarsten zum Ausdruck zu bringen, 
wenn wir die an die ßißXiod-ijxrj eyxvrjöeav und die an die Steuerbehörden 
(GtQcctriyug usw.) gerichteten ocjioyQcccpaC völlig voneinander trennten. Die 
ersteren behandelt Mitteis im IL Bande in einem eigenen, jener ßtßXto- 
&ri%r t gewidmeten Kapitel (IV), während ich mich hier auf die zweite 
Gruppe beschränke, deren Verwendung für die Steuerzwecke nicht zweifel- 
haft ist. 

Es ist kürzlich die Frage aufgeworfen worden, ob nicht eventuell 
außer den an die ßißXLO&rjxr] ^yocnjösav gerichteten General- anoyQcupcct 
auch solche an die Steuerbehörden (Strategen usw.) von Zeit zu Zeit ein- 
gefordert worden seien. 3 ) Aber ganz sichere Zeugnisse liegen zurzeit 
nicht vor 4 ), und P. Brux. (236) spricht m. E. direkt dagegen (s. unten). 

So kann ich hier nur eine Gruppe von Immobilieneingaben namhaft 
machen, die sicher an die Steuerbehörden gingen, das sind die Grund- 
stücks-aitoyQacpccC, die auf die Wirkungen der Nilüberschwem- 
mung Bezug nehmen. 5 ) Wir besitzen bis jetzt die folgenden an die 
Strategen, königlichen Schreiber und Dorfschreiber gerichteten ccitoyQaycd: 
für 162/3: BGU 198, Fay. 33, Grenf. II 56 (226); für 194/6: BGÜ 973; 
für 201/2: BGU 139 (225), Hamb. 11; für 203/4: BGU 108 (227); für 207/8: 
Teb. II 324, alle aus dem Faijüm. Die Grundbesitzer, die diese Anzeigen 
gemacht haben 6 ), berufen sich auf den Befehl des Präfekten; nur in 
Hamb. 11 ist statt dessen der procurator usiacus genannt. Der Schwer- 
punkt dieser Anzeigen liegt in der Mitteilung, daß ihre Acker in diesem 

1) Vgl. die in der vorigen Anmerkung zitierten Arbeiten. 

2) Vgl. Lewald S. 83; Eger S. 190 und 195 ff. 3) Eger 191 ff. 

4) Eger 1. c. verweist auf BGU 108 (227) und Oxy. I 78 als „sehr unsichere Be- 
lege". Sie sind in der Tat nicht durchschlagend. 

5) Zuerst richtig gedeutet nach den Lehren des Edikts des Mettius Rufus von 
Grenfell-Hunt in ihrem Kommentar zu diesem Edikt. Vgl. jetzt auch Lewald 1. c; 
Eger 183 ff.; Preisigke, Girowesen 370; P. Meyer zu Hamb. 11. 

6) Sie zeigen an, auch wenn sie den Acker verpachtet haben. Brux. 1 (236) 
zeigt, daß bei kaiserlichem Domanialland die Sr\ii66ioi yfcopyot die Anzeige zu er- 
statten hatten. Bei den letzteren muß Anzeigepflicht bestanden haben. Für die 
Privatbesitzer gebot es ihr Interesse, doch berufen auch sie sich auf den „Befehl". 



204 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

Jahre ußQo%oi geblieben seien, d. h. daß sie von der Überschwemmung nicht 
oder nicht genügend {ngbg tö tiXsIötov) erreicht worden seien. 1 ) Auf 
solche ußQo%lu- Anzeigen wird z. B. in dem P. Brux. 1 (236) mehrfach hin- 
gewiesen. Nun haben wir aber soeben durch P. Hamb. 12 (235) gelernt, daß 
auch über diejenigen Grundstücke entsprechende ciTCoyQacpaC eingereicht 
wurden, von denen nach der Überschwemmung das Wasser nicht zurück- 
trat, so daß gleichfalls die Ernte verhindert wurde. Hier heißt das Land 
£<p' vdoQ, sonst auch xccd-' vdarog oder £{ißQo%og oder xatccßQo%og. 2 ) 
Dazu kommt nach meiner neuen Deutung von BGU 108 (227) eine An- 
zeige von versandetem Lande (a/^ud^cotfTog). Wir dürfen daher wohl 
annehmen, daß solche arcoyQatpaC in allen den Fällen eingereicht wurden, 
in denen überhaupt die Wirkungen der Überschwemmung die 
Tragfähigkeit des Bodens irgendwie ungünstig beeinflußten, 
wahrscheinlich z. B. auch bei xorafioq>6Qr}tog s ) Der Zweck dieser ccno- 
ygcMpal war in allen Fällen derselbe, eine xovcpoxskeia oder womöglich 
ätsXeicc zu erhalten, gleichviel ob es sich um die Grundsteuer (bei Pri- 
vatland) oder um Pachtzins (bei Domanialland) handelte*- So wird denn 
auch in BGÜ 139 (225) und Teb. 324 ausdrücklich auf den normalen 
Steuersatz hingewiesen. So lange wir nur die aßgo^Ca- Anzeigen kannten,, 
wurde meist angenommen, daß eine behördliche Aufforderung zu solchen 
Anzeigen nur in solchen Jahren erfolgt sei, in denen Ägypten eine 
mangelhafte Nilüberschwemmung gehabt habe. Nach diesen neuen Auf- 
schlüssen wird man wohl annehmen müssen, daß diese Aufforderungen in 
jedem Jahre erfolgten, denn jede Überschwemmung bringt für einzelne 
Stellen, je nach ihrer Lage oder speziellen Beschaffenheit, Wirkungen 
hervor, die die Steuerfähigkeit des Bodens beeinträchtigen, sei es, daß sie 
aßQO%ov oder efißgo^oi oder a[in6%co6Toi o. ä. werden. In Hamb. 12 wird 
ein Stück Land behandelt, das 10 Jahre hindurch als ey vdag festgestellt 
wird. Nun wird hier zwar die anoyQutpri nur einmal erwähnt, aber für 
das laufende Jahr, und so liegt es nahe, anzunehmen, daß im Notfalle 
eine Anzeige auch in den früheren Jahren erstattet worden ist. Ebenso 
wie hier ein tieferliegendes Gebiet immer wieder angezeigt und immer 
wieder (durch die eTtLöxeipig) als ecp' v&coq konstatiert wird, so wird das- 
selbe auch für die äßQO%Ccc von höherliegenden Feldern anzunehmen sein. 
Wie die Subskriptionen der erhaltenen aitoyQayul zeigen, wurden sie 
beim Strategen und beim königlichen Schreiber einregistriert. Außerdem 



1) Vgl. meine Gr. Ostraka I 211 f.; Aren. IV 177. Die entgegenstehende An- 
sicht von Ruggiero ist nicht zu halten. Vgl. jetzt auch P. Meyer, P. Hamb. S. 43 A. 1. 

2) Vgl. Wilcken, Ostraka I 151 ; P. Meyer, P. Hamb. S. 52. Aber vcpa(i(iog (ver- 
sandet) kann nicht synonym sein. 

3) Vgl. Arch. V 255, wo ich auf Amh. 85, 15 hinwies: iäv ds xi aßQO%og yivr[- 
rca 7j xal jroTafioqpöp7]Tog 7} {Jqpafifiog t\ Kazs^va^svr) yivr\xai xzX. 



B. Die römische Zeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 205 

erhielt der Dorfschreiber ein Duplikat zur i^etccöig. Der Dorfschreiber 
hatte also die Aufgabe, die Richtigkeit der Angaben zu prüfen, offenbar 
an der Hand seines Katasters. Vgl. unten. 

Nach unserer jetzigen Auffassung von diesen Einrichtungen müssen 
wir sagen, daß sie sich im Grundgedanken wenig unterscheiden von dem, 
was Herodot II 109 von Sesostris erzählt. Vgl. Griech. Ostraka I 175 
und Arch. V 255. 

Viel einfacher zu beurteilen sind die Mobiliendeklarationen. Wir 
haben solche über Viehbesitz, und zwar über Kamele 1 ) und über Schafe 
und Ziegen 2 ;, andererseits über Schiffe. 3 ) Die Veränderlichkeit des Be- 
sitzes erfordert hier, woran die Texte auch keinen Zweifel lassen, alljähr- 
liche Wiederholung der Anzeige. Es sind richtige Steuerprofessionen, 
die an die ordentlichen Steuerbeamten des Gaues, an den Strategen und 
an den königlichen Schreiber eingereicht werden. 4 ) Nur Nr. 248 ist an den 
Epistrategen adressiert (vgl. den Kommentar). Die Angaben werden in 
die Bücher der betreffenden Beamten einregistriert, wie die Deklarationen 
zeigen, doch auch hier wird von amtlicher Kontrolle nicht abgesehen: 
das deklarierte Vieh wird durch einen liturgischen Beamten nachgezählt 
(H-ccQi&fielv). 6 ) 

Da von den Subjektsdeklarationen bezeugt ist, daß sie in die ßißUo- 
dfar] dr}(ioöC(ov Xöycov Aufnahme fanden (s. oben S. 195), so wird man 
auch für die Objektsdeklarationen wohl dasselbe annehmen dürfen. 

b. Der Kataster. 6 ) 
Den oben S. 176 ff. charakterisierten Kataster der Ptolemäer haben die 
Kaiser nicht nur für Ägypten übernommen, sondern haben ihn wahr- 
scheinlich auch für die Katastrierung anderer Provinzen als Vorbild be- 
nutzt. 7 ) Was oben über den Kataster gesagt wurde, gilt daher auch für 
die Kaiserzeit. Irgendeine prinzipielle Änderung ist nicht zu erkennen. 

1) BGU T 51, 52, 89, 192, 266 (245), 352—355, 357, 358 (246), II 421, 629, III 762, 
852, 869; Grenf. II 45, 45a; Lond. II S. 72—76. Vgl. auch Wessely, Karanis S. 33 ff. 

2) BGU I 133; Hartel,Gr. P. 74; Oxy. I 74, II 245, 246 (247); Amh. 73; Oxy. 
VI 962. Vgl. auch Oxy. II 244, 297. 

3) Grenf. I 49 (248). 

4) In der Straßburger Sammlung sah ich unter gr. 178 eine ccitoyQcccpri über 
Esel ((irj iQyocgoii£vo(vg) (iLa&ov, &XX' sig Idiccv %qbi<xv) vom Jahre 119/20, die an die 
betreffenden Steuerpäcbter (i&iXr[<p6xeg resp. nachher TeX(mvrig) si'd(ovg) ovav) gerichtet 
ist. Vgl. hierzu Ostraka I 477. 

5) Vgl. hierzu im besonderen Lond. II S. 77/8. 

6) Vgl. zum römischen Kataster Lewald S. 74 ff. , der zum erstenmal die Schei- 
dung des Katasters von den SLaargm^ccra der ßißXio&riY.'r\ iyKxrjasoav klar hingestellt 
hat. Ein Hauptunterschied ist der, daß der Kataster den gesamten Grund und Boden 
umfaßt, den öffentlichen wie den privaten, während die ßißXio&rJKr) iyHxrjoeav nur 
den privaten behandelt. 

7) Vgl. Marquardt, Rom. Staatsverwaltung IT 194 f. 



206 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

Die geometrische Vermessung des Bodens im Kataster erhellt am besten 
aus P. Lond. II S. 129 ff. (234). Sehr wertvoll ist auch P. Brux. 1 (236), 
in dem, wenn es auch kein Katasterfragment ist, doch der Kataster 
mit verarbeitet ist (vgl. meinen Kommentar). Besonders bemerkenswert 
ist, daß hier ein Hinweis auf aitoy^acpai sich nur bei Berechnung der 
aßgoxog yfj findet, und zwar regelmäßig. Das sind die oben S. 203 f. be- 
sprochenen ctnoyQcccpat betreffs aßgo^Lcc usw. x ) Ich sehe hierin eine Be- 
stätigung für die ebendort ausgesprochene Ansicht, daß außerdem keine 
KitoyQotyal an die Katasterbehörden gerichtet worden sind. 2 ) Nur über 
Veränderungen, die zur Überweisung der Steuerpflicht auf eine andere 
Person als den bisherigen Steuerzahler führten (wie z. B. durch Verpach- 
tung usw.), scheinen den Katasterbeamten Anzeigen erstattet zu sein, 
aber nicht in Form von anoyQatpal, wie die an die ßißfood-rjxr] eyxtrjösav 
gerichteten. Vgl. BGU II 457 (252), wo solche Anzeigen als EitEV£%%-£l6cu 
olxovofiCca bezeichnet werden. Eine Beschwerde an den Epistrategen über 
eine unrichtige Katastereintragung ist P. Oxy. III 488. 

Wie in der Ptolemäerzeit geben auch jetzt die xaiioyQa^i[iat£lg auf 
Verlangen Auskunft aus ihrem Dorfkataster. Vgl. BGU 5 und 11 (238), 
BGU 619, auch den Florentiner Papyrus aus Heptakomia (in Kap. VII). 

Daß es neben dem Bodenkataster auch einen Gebäudekataster gab, 
zeigen BGU 5 und 11 (238), auch Straßb. 31, 16 f. 3 ) 

Der von den yga^i^iarelg ^nqxQondXicog geführte städtische Kataster 
wird bezeugt z. B. durch P. Lips. Inv. 266 (= Archiv V 245) und P. 
Giss. 4 ff. 4 ) Auch für die Kaiserzeit gilt, daß wir wahrscheinlich einen 
Gaukataster in den Metropolen und einen Zentralkataster in Alexandrien 
anzunehmen haben. Der Gaukataster wird auch in der ßißkto&tjxt] dv][io- 
6C(qv Xdyav gelegen haben, wo auch die aizcattföLfia lagen. 

Wie in der Ptolemäerzeit ist auch jetzt der Kataster evident gehalten 
durch jährliche hti6xdijfstg s ) t d. h. durch Lokalinspektion. Unsere Haupt- 
urkunden hierfür sind: Brux. 1 (236); Lond. H S. 129 ff. (234); Teb. E 343; 
BGU II 563—566; Oxy. VI 918; BGU IV 1091, 24; Hamb. 12 (235); 
Lips. 105 (237); Brem. 73 (239). Wie weit diese jährliche Nachprüfung aus- 
gedehnt wurde, ist ein Problem, das noch nicht ganz geklärt ist. Daß der ge- 
samte Boden in jedem Jahre nachgemessen und nachgeprüft wäre, ist kaum zu 
glauben. Es scheint denn auch, als wenn nur diejenigen Felder der exCöxetpig 



1) Vgl. Lewald S. 81, 1; Eger S. 187. 

2) Daß die an die ßißXio&riiiri iyxrrjasmv gerichteten generellen &7toyQacpai von 
der Katasterfrage völlig zu trennen sind, haben Lewald und Eger gezeigt. 

3) "Vgl. Lewald S. 82. 

4) Vgl. nsgl ygcc^iLarsiav TtoXsag resp. ^rixqoTCÖXscog , parallel jcsqI ii<o(ioyQa(i- 
fiensluv. 

5) Vgl. Wilcken, Gr. Ostraka I 174 ff.; Arch. I 151 f.; Eger 1. c. 186 ff.; Lewald 
1. c. 80 ff.; Rostowzew, Kolonat 158, 189; P. Meyer zu Hamb. 12. 



B. Die römische Zeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 207 

unterworfen wären, bei denen im laufenden Jahre irgendeine Veränderung 
gemeldet war, die auch eine Änderung des Steuersatzes (resp. des Pacht- 
zinses bei öffentlichem Lande) herbeiführen mußte. So geht aus Lips. 
105 (23?) hervor, daß der Dorfschreiber doch nur bestimmte Felder zur 
iotfaxetlHg anmeldete ([lerccöidövcu). Wenn ich die Schlußworte dieses 
Leipziger Papyrus: tag yäg Xoin(ag) slg 7iXriQ<o6iv xäv z/t xccl ngog räv 
— 6rj(iccvfreL<}G)V v% avrov ßeßQsy^sv{o3v) itccQeixev [irj (isradovg (seil, slg 
E7tL6x£ijuv, vgl. Z. 23/4) ag öuoköyovg ovöccg recht verstehe, so hat hier 
der Dorfschreiber diejenigen Felder, die ganz normal von der Nilschwelle 
bewässert waren, zur E7ti6%eipig nicht eingereicht, weil es gar nicht in Zweifel 
gezogen war (6{ioX6yovg), ob sie ßsßQsyiiivai seien *), d. h. mit anderen Worten, 
weil für diese die Besitzer resp. Staatspächter keine anoygacpal betreffs 
aß(>o%la eingereicht hatten. Also auf diese ctnoyQccyaC hin, deren Angaben 
in bezug auf Umfang, Kulturwert, Besitz usw. der Dorfschreiber zunächst 
nach dem Kataster auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen hatte (das wird 
die Qhccöcg sein, s. oben S. 205), wurden die bezeichneten Felder vom 
Dorfschreiber zur kttlöxetyig eingereicht, damit die Lokalinspektion nun- 
mehr die Angabe betreffs der äßQo%Ca resp. des iq)' vöcoq eIvül usw. 
nachprüfe. Wenn es also in Hamb. 12, 11 (235) heißt, daß vom fünften bis 
siebenten Jahre keine inlöxetyig stattfand, so wird eben in diesen Jahren keine 
Anzeige erfolgt sein, daß das Land htp vöcoq sei. Zu demselben Ergebnis 
führt auch meine Deutung von P. Brux. 1 (236). Daß die iniöxei^ig sich 
aber nicht nur auf diejenigen Veränderungen erstreckte, die durch die 
Nilschwelle hervorgerufen waren, zeigt z. B. BGU II 563 — 566, nach denen 
die iniöxEipig sich mit solchen Feldern beschäftigte, auf denen man vom 
Körnerbau zur Palmenpflanzung übergegangen war. Wir wissen ja, daß 
dieser Kulturwechsel der staatlichen Kontrolle unterlag und daß auch er 
eine Änderung der Besteuerung zur Folge hatte. Und so mag es noch 
manche andere Veranlassungen zur i^tCöxst^Lg gegeben haben. Nach dem 
bisherigen Material dürfen wir vielleicht sagen: die Episkepsis hatte 
in jedem Jahre alle diejenigen Veränderungen, sei es in der 
Ertragsfähigkeit, sei es in der Kulturart des Bodens, nachprü- 
fend festzustellen, die irgendwelche finanziellen Konsequenzen 
für die Regierung hatte. Im besonderen diente sie der Evidenthaltung 
des Katasters. 

Durch Hamb. 12 (235) haben wir soeben hinzugelernt, daß diese 
Episkepsis, wenn auch nicht immer, so doch öfter, unter der Leitung 
kaiserlicher Prokuratoren, deren Rang bisher nicht genauer zu bestimmen 
ist, gestanden hat. Daraus ist wohl zu entnehmen, daß die kniöxE^ig 
nicht etwa nur die Angaben der anoyQacpaC nachprüfen sollte, sondern 



1) Anders Mitteis in seiner Ausgabe und Zulueta, De patrocin. vicorum S. 53. 



208 Kapitel V Das Steuerwesen. 

daß auch diejenigen Beamten, die mit der Katasterführung betraut waren, 
im besonderen die Dorf Schreiber, auf diesem Wege durch die kaiserliche 
Regierung kontrolliert werden sollten. 1 ) Hierzu stimmt es, daß auch nach 
Lips. 105 (237) nicht der Dorfschreiber es war, der die exiöxeitig ausführte. 
Er lieferte nur die Unterlagen. Vgl. auch meine Interpretation von 
Brux. 1 (236). Interessante Details über die Durchführung der iitfaxetpig 
bietet der hier zum erstenmal edierte P. Brem. 73 (239). Danach wurden 
hierzu £v6xrj{ioveg aus anderen Gauen erwählt — wohl weil sie nicht 
persönlich interessiert waren. 2 ) 

3. Die Steuerberechnung. 

Auch für die Kaiserzeit fehlt es an genügendem Material für das 
Verständnis der Veranlagungsarbeiten, doch läßt sich immerhin etwas 
mehr als für die Ptolemäerzeit erkennen. So ist es von Wert zu wissen, 
daß alljährlich der Kaiser seinem Präfekten den aus Ägypten herauszu- 
wirtschaftenden Gesamtbetrag vorschrieb, wie man aus den köstlichen 
Worten des Tiberius bei Dio Cass. 57, 10, 5 3 ) zum mindesten für seine 
Zeit folgern darf. Diese Ordre aus Rom muß den Ausgangspunkt für die 
Steuerberechnung des Einzeljahres gebildet haben. Freilich steht diese 
Nachricht bis jetzt ganz isoliert. 

Die Leitung dieser Arbeiten stand, wie früher beim Dioiketes, so 
jetzt beim Präfekten. Wie die Abrechnung und Prüfung der eingegan- 
genen Abgaben (vgl. Philo ad Flac. 16), so unterstand ihm auch die Be- 
rechnung der im laufenden Jahre zu erhebenden. Vgl. z. B. Edikt des 
Jul. Alexander (Dittenberger, Or. Gr. II 669): %(oqls tov xgeivat xbv sjiccq- 
jov und sonst. 4 ) 

Die exloyitiraC als die spezielle Rechnungsbehörde sind auch in die 
Kaiserzeit hinübergegangen 5 ), doch können wir einen Obereklogisten in 
Alexandrien mit dem Titel exloyiövrlsi wie in der Ptolemäerzeit, bis jetzt 
nicht nachweisen. Der im Edikt des Vergilius Capito Z. 35 genannte Bot- 
ßtleCdrjs 6 KaCäaqog äjtsXsv&soog steht offenbar an dieser Stelle, aber 



1) Vgl. P. Meyer, P. Hamb. I S. 49. 

2) Vgl. auch P. Brem. 49 (unediert): x knoXXmviog exguxr\ybg ÄitoXXcovonoXlxov 
5 Enxaxa^iag diSvyuan v.a.1 'HgaxXsicoi s £iti6%inxaig xov avxov voyuov xoig * cptXxäxoig 
%aigeiv. 6 kvdsXxöfisvog Ttsgl xr\v sl'aitga^iv tov 6 gixixov %al xa aXXcc (isxicoga xfjg 

^xgaxri^-yiag vnsg xov [lt] ■x.axagxiqQ'fjvai vfiäg £ize6JLzdXr} s . . [ sv]Gxrj(iovsg xa. 

Der Papyrus bricht ab. 

3) AlaiXico yovv 'Pjjxtm ^^ara noxs avxä rtXslm nagä xb xsxayfiivov ix 
xfjg Alyvnxov f\g t)q%£ xitiipavxt avxsniGxsiAsv oxi ndgs6&al fiov xa ngoßaza, ccXX' ovx 
ano^vgsa&ai ßovXofiai. Vgl. Gr. Ostraka I 497 f. 

4) Vgl. namentlich auch Z. 35 ff.: das änoXveiv resp. xaxaxgivsiv betreffs Steuer- 
zahlung im Falle von Fiskalschulden entscheidet der Präfekt auf dem alljährlichen 
Konvent. 

6) Vgl. Gr. Ostraka I 499 ff. 



B. Die römische Zeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 209 

ohne jenen Titel. 1 ) Über die weitere Entwicklung dieses Amtes, das 
also unter Claudius Ton einem Freigelassenen verwaltet wurde, ist m. W. 
nichts bekannt. 

Unter diesem Vertreter der römischen Regierung standen nun die 
ixloyiötccl der einzelnen Gaue 2 ), die, wie wir jetzt nach Amh. 69, 4 (190) 
annehmen müssen, damals in Alexandrien amtierten. 3 ) In den koyi6v^Qia 
im Lande müssen also die Unterbeamten der Gau-Eklogisten (ygccfificctsig, 
ßoq&ol usw.) gesessen haben.*) Diese Gau-Eklogisten werden in Alexan- 
drien unter Oberleitung jenes römischen Beamten die Veranlagung für 
ihren speziellen Gau ausgearbeitet haben, wie sie auch die Abrechnung 
über die eingegangenen Steuern aufzustellen hatten. 5 ) 

Über die Methoden der Berechnung läßt sich dem Edikt des Jul. 
Alexander einiges entnehmen. Danach war vielfach der Schlendrian ein- 
gerissen, daß die Beamten nach Vergleichung mit früheren Jahren 
(xarcc övvo^lv) und nicht nach Maßgabe der Überschwemmung des lau- 
fenden Jahres die Staatsforderungen {&3t&,wfy3&iq) berechneten. 6 ) Diese 
avdßadig NeCXov wurde von der Regierung — wie schon seit den Zeiten 
der ersten Dynastien — durch die über das ganze Land verteilten Nilo- 
meter festgestellt. Wie Strabos Beschreibung des Kilometers von Ele- 
phantine durch die neueren Forschungen glänzend bestätigt ist 7 ), so hat 
er auch einen klaren Einblick in den Zusammenhang dieser Einrichtung 
mit der Steuerberechnung. Vgl. XVII p. 817: cd yä$ [isC£ovg ccvccßccösig 
^isC^ovg xccl tag nQoöodovg v7CayoQEvov6iv. Im übrigen bildeten die von 
den Städten und Dörfern eingesandten Akten, die mannigfachen Listen 
und Auszüge, die auf Grund des Katasters, der Deklarationen, im beson- 
deren auch der Anzeigen der ußQo%la usw. und der die Wirkungen dieser 
ävdßaöig feststellenden ixfaxEtftig aufgestellt waren (vgl. oben S. 206 f.), die 
Grundlage für die Berechnung. Andrerseits rügt es der Präfekt, daß die 
Eklogisten oft die Steuerforderungen eigenmächtig, ohne Entscheidung des 
Präfekten, erhöhten, um ihre Taschen zu füllen. 8 ) 



1) Dittenberger, Or. Gr. H 665. Leider ist die entscheidende Stelle hinter 
cnteXev&EQOv verderbt. Auch wenn Dittenbergers Vorschlag t<v if- §xÜ6tov richtig ist, 
wird man trotzdem das folgende %aX xov iv.Xoyi.6xag mit %obg verbinden können. 

2) Vgl. Oxy. I 57, 9; Giss. 48 (171). 

3) Ich sehe darin eine Bestätigung meiner Deutung des Edikts des Capito in 
Gr. Ostraka I 502, wo ich konstruierte: ngög BuaiXsl8r\v — -kccI xovg iv.Xoyi6xocg TfE[ntixa>- 
cccv, nämlich nach Alexandrien. 

4) Vgl. P. Petersb. 14a. Neben den Xoyi6xiqQia der SioUrjatg gab es XoyiatrJQioc 
des proc. usiacus. Vgl. Amh. 77 (277). 

5) In Teb. II 287, 7 (251) schlägt ein Gau-Eklogist in seinen Büchern über die 
Eingänge der letzten 20 Jahre nach. 

6) Dittenberger, Or. Gr. II 669, 55 ff. 

7) L. Borchardt, Nilmesser und Nilstandsmarken (Abh. Pr. Akad. 1906). 

8) Z. 52 ff. 



210 Kapitel V. Das Steuerwesea. 

Eine neue römische Einrichtung scheint der Posten des i\hxa6xx\g zu 
sein, der sowohl die Abrechnungen über die erhobenen als auch die Be- 
rechnungen der einzufordernden Steuern nachkontrollierte. Vgl. BGU 1062, 
19 (276) und Teb. II 287 (251). 

Das Ergebnis der Berechnungen wurde in yvä^ioveg genannten Tarifen 1 ) 
— und zwar besonderen für die einzelnen Steuern — festgelegt. Vgl. 
den yrd/iav für xsiqcovcc&ov in Teb. II 287 (251), Stud. Pal. I 70. Nach 
dem yvafiov ist der Auszug über gewisse Zölle von Koptos gemacht, der 
in Dittenberger, Or. Gr. II 674 vorliegt. 2 ) Nach BGU IV 1062, 14 (276) 
findet die Erhebung der Steuer xcczd xe xbv xx\g avfig yvcb[iova xccl xtjv 
xov vofiov Gvvri&SLav statt (vgl. Teb. II 287, 5). 

Abgesehen von diesen allgemeinen Tarifen wurden für die Praxis der 
Erhebung die Einforderungslisten (äncuxrjöLiia) 8 ) ausgearbeitet, die 
genau für jeden Steuerzahler (kat' ävögcc) die auf ihn entfallenden 
Summen festsetzten. Diese letzten Arbeiten mögen wohl erst im Gau 
vollzogen sein. Solche dnaixilpi^a^ die übrigens ebenso auch für die ex- 
yÖQia der Domanialpächter ausgearbeitet wurden, liegen vor in BGU 175, 
299, 598, 659, CPR I 33. Ein a%aixr[<5i\Lov für das 'lovdu'ixbv xelsöfia 
in Stud. Pal. I S. 71 (61). Vgl. auch BGU 259, 457 (252). Die letztere 
Urkunde ist ein 7tQÖ6y()a<pov , in dem ein Dorfschreiber dem 7Cqccxxcoq 
eine nachträglich eingetretene Veränderung zu dem äTtcuxtföLiiov mitteilt. 
Nach BGU 175 waren solche Listen in der ßLßfao&ijxr} drjtioßCcov Xöyav 
deponiert. Nach BGU 659 wurden sie auch öffentlich ausgehängt. In 
BGU 1047 II 9 erteilt ein Dorfschi eiber Auskunft über ein Grundstück 
auf Grund des aitaixifiöiyLOv xfjg xä^irjg. Außerdem wurden d%aixv\6iyiOi 
angelegt, in denen die spezifizierten Gesamtbeträge für die einzelnen Dörfer 
aufgeführt waren. Vgl. BGU 20; Fay. 208. Vgl. auch Grenfell Hunt zu 
Fay. 40. 

Einen Einblick in die rechnerischen Operationen, durch die die Aus- 
rechnung der von dem einzelnen Steuerzahler zu zahlenden Summen aus- 
geführt wurde, gibt uns P. Brit. Mus. 372, ediert in Teb. II S. 339. 

§ 3. DIE STEUERERHEBUNG. 4 ) 
Auch die Steuererhebung unterstand der gesetzlichen Reglung durch 
den Kaiser resp. seinen Stellvertreter, den praefecus Aegypti. Sicher hat 
es auch in der Kaiserzeit eben solche Regulative für die Erhebung der 
Steuern gegeben, wie wir sie für die Ptolemäerzeit im Revenue-Papyrus, 
Hib. 29 und Par. 62 besitzen (s. oben S. 180). Das einzige kleine Frag- 



1) In Ostraka I 347, 2 wies ich auf die Erklärung des Lex. rhet. p. 233, 28 hin. 

2) Vgl. auch Lond. II S. 39 und 40; BGU III 733, 5. 

3) Vgl. Gr. Ostraka I 511 f. und 619; Rostowzew, Archiv III 203, 213. 

4) Wilcken, Gr. Ostraka I 570 ff. 



B. Die römische Zeit. § 3. Die Steuererhebung. 211 

ment, das uns aus der Kaiserzeit davon erhalten ist, ist Oxy. I 36 (273), 
und dies zeigt formell eine sehr starke Anlehnung an den Tenor der 
ptolemäischen Parallelen. Es ist gewiß vieles derart, soweit es möglich 
war, herübergenommen worden aus der früheren Zeit. Abgesehen von 
diesen grundlegenden Regulativen sind auch durch die Edikte der Kaiser 
resp. der Präfekten über einzelne Punkte der Steuererhebung Verfügungen 
getroffen worden. Die lehrreichsten Beispiele hierfür sind das Edikt des 
Cn. Vergilius Capito vom J. 49 und das des Ti. Julius Alexander vom 
J. 68 n. Chr. 1 ) Ebenso wie diese Edikte 2 ), so sind sicher auch jene all- 
gemeinen Regulative publiziert worden, wie wir es oben für die Ptole- 
mäerzeit festgestellt haben. 3 ) In Ägypten hat also, dank der Tüchtigkeit 
der vorhergehenden Herrschaft, von Anfang an bestanden, was im römi- 
schen Reich im allgemeinen erst von Nero als etwas Neues eingeführt 
worden ist, eben die Publizität der Steuergesetze. 4 ) Vielleicht ist auch 
hier wieder Ägypten das Muster für das übrige Reich geworden. 

Waren die Formen der gesetzlichen Regelung im Grunde dieselben ge- 
blieben, so haben sich im Beginn der Kaiserzeit hinsichtlich des Modus der 
Steuererhebung allmählich wichtige Veränderungen vollzogen. Das schließ- 
liche Ergebnis ist eine in weiterem Umfange vorgeschrittene Verdrängung der 
Steuerpacht durch die direkte Erhebung durch liturgische Beamte. Wäh- 
rend wir für die Ptolemäerzeit die Regie im wesentlichen nur für die Grund- 
steuer nachweisen konnten (s. oben S. 180), haben die Urkunden uns für 
die Kaiserzeit gelehrt, daß die Pacht sich in der Hauptsache nur für die 
„indirekten" Steuern erhalten hat, wie im besonderen die Zölle und die 
Verkehrssteuern, während die „direkten" Steuern, wie die Vermögens- 
steuern, die Einkommensteuern, die Zwangsbeiträge, zum großen Teil — nicht 
durchweg — die gewerblichen Lizenzsteuern, dem direkten System unter- 
worfen wurden. Vgl. meine Tabellen in den Griech. Ostraka I 575 ff. 
Über die Motive und die historische Entwicklung, die zu diesem Ergebnis 
führten, können zurzeit nur Hypothesen aufgestellt werden. Rostowzew 
will, wenn ich ihn recht verstehe, den Anlaß zu der Veränderung vor 
allem in dem Pächtermangel sehen, den er für den Ausgang der Ptole- 
mäerzeit annimmt, und der für das I. Jahrh. n. Chr. uns mehrfach bezeugt 
wird. So habe man neben der Steuerpacht etwas anderes schaffen müssen. 



1) Dittenberger, Or. Gr. II 665 und 669. 

2) Über den Modus der Publikation siehe zu Nr. 12. Vgl. auch BGU 340, 24. 

3) Stellen wie Teb. II 287, 10 (251) setzen z. B. die Bekanntschaft des Publi- 
kums mit den yvm(iovsg der einzelnen Steuern voraus. Oxy. 36 (273) ist an eich noch 
kein direkter Beleg für die Publizität. Aber sie ist für mich unzweifelhaft. Die 
Publikation eines Zolltarifs auf Befehl des Präfekten Mettius Rufus bietet die In- 
schrift von Koptos bei Dittenberger, Or. Gr. II 674 (vgl. Inscr. gr. ad r. Rom. I 1183). 

4) Vgl. Tacitus annal. 13, 50: ergo edixit princeps, ut leges cuiusque publici, 
occultae ad id tempus, proscriberentur, und dazu Griech. Ostraka I 574. 



2J2 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

Er malt sich den Hergang so aus, daß „in der letzten Zeit der Ptolemäer 
die Funktionen des Oikonomos teilweise oder ganz an die mit ahn liehen 
Befugnissen schon früher ausgestatteten Praktoren übergehen, diese als 
Pachtgesellschaften oder -kollegien organisiert werden und als Ersatz für 
die fehlenden Pächter eintreten". 1 ) Ich habe mich von der Richtigkeit 
dieser Ansicht nicht überzeugen können. Abgesehen davon, daß der 
Pächtermangel vom Ausgang der Ptolemäerzeit lediglich vermutet ist — 
vielleicht mit Recht, aber wir haben keine Nachrichten — , so scheint 
mir vor allem dies gegen Rostowzew zu sprechen, daß in den Fällen aus 
dem I. Jahrh. n. Chr., in denen Pächtermangel bezeugt ist, die Regie- 
rung gar nicht daran denkt, die Pacht aufzuheben und die Prak- 
torie einzuführen, wiewohl diese damals schon bestand, sondern vielmehr 
die Zwangspacht durchführt oder aber so vernünftig ist, statt dessen die 
Pachtbedinguugen zu erleichtern (Oxy. I 44 [275]). Der Zwangspächter 
ist aber genau so gut ein teX&vrjg wie der freiwillige Pächter, und es 
führt von ihm ebensowenig eine Brücke zum Praktor wie von jenem. 
Pächter und Praktoren stehen denn auch als etwas völlig Verschiedenes 
nebeneinander. 

Ich glaube, wir werden gut tun, die Entstehung der Praktorie im 
Zusammenhang mit der Entstehung der liturgischen Amter der Kaiser- 
zeit überhaupt zu betrachten, über die im VIII. Kapitel gehandelt werden 
soll. Andrerseits möchte ich, wie ich schon in den Griech. Ostraka I 573 
vorschlug, diesen ägyptischen Systemwechsel in der Steuererhebung nicht 
isolieren, sondern im Zusammenhang mit den Vorgängen im Reich zu 
verstehen suchen. Es ist doch ein sehr bemerkenswertes Zusammentreffen, 
daß der oben charakterisierte System Wechsel, den ich 1. c. aus den Ur- 
kunden feststellen konnte, im wesentlichen — mutatis mutandis — über- 
einstimmt mit dem, was Mommsen (R. Staatsr. II 3 1017) aus Tacitus und 
den Inschriften für das gesamte Reich herausgeholt hat: „Die Hebung 
selbst wird in der frühesten Epoche des Prinzipats noch wie 
unter der Republik durch die Generalpächtergesellschaften be- 
schafft; aber schon in der zweiten Hälfte der Regierung des 
Tiberius hat deren Vermittelung so gut wie aufgehört. Mehr 
und mehr scheint sie in die Hände der Gemeinden selbst übergegangen, 
zum Teil auch von Leuten aus dem kaiserlichen Gesinde wenn nicht ge- 
radezu beschafft, so doch in den einzelnen Gemeinden beaufsichtigt worden 
zu sein. Bei den übrigen Steuern, der alten Abgabe von den 
Freilassungen, der von den Auktionen, der wichtigen Erb- 
schaftssteuer, den sämtlichen Zöllen (portoria) wurde die mittel- 
bare Hebung und die öffentliche Lizitation bei der Erbschafts- 



1) Wochenschr. f. klass. Phil. 1. c. 122. Vgl. Staatspacht 464 ff. 



B. Die römische Zeit. § 3. Die Steuererhebung. 213 

Steuer nachweislich bis auf Traianus, bei den Zöllen auch 
später noch beibehalten" usw. Vgl. namentlich auch S. 1017 A. I. 1 ) 
Schon in den Ostraka I 585 konnte ich darauf hinweisen, daß unter 
Augustus die (liturgischen) Praktoren noch nicht bezeugt sind, und daß 
der System Wechsel sich nach den Urkunden vielleicht gerade für den 
Ausgang des Tiberius annehmen ließ (S. 586). Den letzteren Punkt kann 
ich heute sicherer behaupten, als es mir mit dem damaligen Material 
möglich war. Das noch unpublizierte Ostrakon Cairo 9577 bezeugt, daß 
die staatliche Badsteuer (tö ßccXavixöv), die zu den von Augustus neu 
eingeführten Steuern zu gehören scheint, für die wir bisher eine Verpach- 
tung überhaupt nicht nachweisen konnten 2 ), im ersten Jahre des Tiberius 
noch verpachtet gewesen ist 3 ), und ein unpubliziertes Leidener Ostrakon 4 ) 
bestätigt diese Auskunft. Andrerseits konnte ich einem anderen un- 
publizierten Leidener Ostrakon entnehmen, daß im 15. Jahre des Tiberius 
dieselbe Badsteuer (ßccXavqov) von einem XQccKtmQ erhoben wurde (F 1901/1, 
271 in 77 G). Wenn auch das letztere Stück nach Hermonthis und die 
beiden anderen nach Theben gehören, wird man mit Wahrscheinlichkeit aus 
diesem Tatbestand schließen können, daß für das ßalavixov der System- 
wechsel zwischen dem 1. und 15. Jahre des Tiberius eingetreten ist, wenn 
auch lokale Unterschiede nicht ganz ausgeschlossen sind. Sicher ist nach 
den Urkunden, daß nicht etwa gleichzeitig für alle in Betracht kommenden 
Steuern die Praktorie eingeführt ist. So bleibt z. B. für die Schweine- 
steuer (yixrf), für die wir inzwischen zugelernt haben, daß sie später von 
Praktoren erhoben wurde (vgl. Oxy. IV 733 vom J. 147, Teb. II 353 [269]), 
doch bestehen, daß sie in Theben im 19. Jahre des Tiberius noch ver- 
pachtet war (Ostr. II n. 1031), also 4 Jahre nachdem (in Hermonthis) 
die Badsteuer schon den Praktoren übergeben war. Aber nach Obigem 
dürfen wir sagen, daß unter Tiberius die Wandlung begonnen hat, und 
darin sehe ich die Berechtigung, das ägyptische Problem mit den Nach- 



1) Zustimmend auch 0. Hirschfeld, KV 467. Vgl. auch Marquardt, Staatsver- 
waltung II S. 312 ff. 

2) Rostowzew, Staatspacht 466, war geneigt, dies zu verallgemeinern und an- 
zunehmen, daß die direkte Erbebung durch Praktoren bei den neuen Steuern zuerst 
eingeführt worden sei, wobei er besonders an die Laographie dachte. 

3) Den Text las ich folgendermaßen: 1 ytünX&g reXwvrig ßuXavrjimv) 'IIsrBx^ovßi 
IIccTeovg. *E%co vneQ s ßaXa{viv.ov) (dgcc%(iccg) ß. ('Erovg) a TißsQiov Kaiöugog Zsßa- 
exov *Xoicc% t-fr (15. Dez. 14). 

4) F 1901/1, 166 in 77 D. Hier heißen die Erheber kaxXäg xal Xsad-ätr}g xtXä>- 

(vat) ßccXa(vfnov). Die Subskription lautet: "Eyga(i\)cc) Tlsts^sväns tsX(ä>vr]g), also ein 

Sozius. Sie quittieren gleichfalls über 2 Drachmen für tbv qpdp(ov) (%rovg) a. Nach 

X 
diesen neuen Texten wird man das ßa hinter dem Erhebernamen in Ostraka II 

n. 1368, 1370 (aus Augustus' Zeit) nicht mehr ßccXctvsvg auflösen (Ostr. I 166, 585). 

Sie sind jedenfalls veXävca. Dasselbe gilt wahrscheinlich von Ostr. II n. 1263 (vom 

6. Jahre des Tiberius). 



214 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

richten über das Reich zu verknüpfen. Nun hat im Reich nach Momm- 
sens Darlegung die Tendenz bestanden, die Steuererhebung auf die Ge- 
meinden abzuwälzen — natürlich um diesen die Haftung für die Steuern 
zuzuschieben. Das Keß sich direkt auf Ägypten nicht übertragen, weil 
es hier an entsprechenden Kommunen — abgesehen von den bekannten 
wenigen Ausnahmen — gefehlt hat. Aber die Schaffung der liturgischen 
Beamtenschaft ist jener Tendenz entgegenkommen, insofern, wie wir in 
Kap. VIII sehen werden, für diese die gesamte Einwohnerschaft der Ge- 
meinde die Bürgschaft übernahm. Das konnte man den Gemeinden zu- 
muten, weil es sich um Personen handelte, die sie selbst vorgeschlagen 
hatten. Vgl. vorläufig BGU 235, 13, wo es bei der Einreichung von Li- 
turgen heißt: yvcöfir] xccl xiv8vv\co\v (1. xivdvva) r&v aitb 'rijg xafirjg rmv 
xal £vyvo{ie[vo]vg (1. iyyvcofiBvav). So war auf diesem Umwege erreicht, 
daß der Gesamt-jro'pog der Gemeindebewohner (der ol ccnb . .) dem Staate 
für die Eintreibung der den Praktoren überwiesenen Steuern bürgte, wäh- 
rend für den rsXcbvrjs nur die von ihm präsentierten Bürgen eintraten. 
Andrerseits ist daran zu erinnern, daß, wie im VII. Kapitel im Anschluß 
an Rostowzews Forschungen darzulegen sein wird, die Beförderung der 
Bildung von Grundbesitz in der Kaiserzeit gerade auch auf den Wunsch 
zurückzuführen ist, eine mit ihrem Grundbesitz haftende Bevölkerung zu 
haben, aus der Liturgen genommen werden konnten. Septimius Severus 
hat dann eine noch straffere Heranziehung der Gemeinden ermöglicht, 
indem er den Städten eine ßovlij gab (vgl. S. 41 f.). Damit wurden die 
Erhebungsarbeiten z. T. auf den Rat abgewälzt, und die Haftung im be- 
sonderen den reichen Ratsfamilien zugeschoben. 1 ) Den Abschluß brachte 
dann das IV. Jahrhundert mit der Munizipalordnung (vgl. S. 76 ff.), wodurch 
es nun auch in Ägypten ermöglicht war, die Steuererhebung ganz den Ge- 
meinden zu übertragen. Das alte Pachtsystem aber ist neben der direkten 
Erhebung nur für die indirekten Steuern bestehen geblieben, d. h. für 
diejenigen, für die eine genaue vorherige Berechnung der auf die Kontri- 
buenten entfallenden Summe nicht möglich war. — Auch diese meine 
Auffassung ist nur eine Hypothese, die ich zur weiteren Prüfung vorlege. 

1. Die direkte Erhebung. 
Die Oberaufsicht über die Erhebung der gesamten Steuern innerhalb 
des Gaues stand dem Strategen zu, der mit seinem Vermögen haftete. 2 ) 
Besonders deutlich wird diese Seite seiner Aufgaben hervorgehoben in 
der' als Nr. 35 abgedruckten Eingabe des Strategen des Koptites, wonach 
der Stratege jeden Monat sich die Praktoren kommen läßt und mit ihnen 

1) Vgl. Gr. Ostraka I 431, 628 1. 

2) Vgl. Oxy. IV 708 , wonach er im besonderen für die Reinheit des nach 
Alexandrien gesandten Getreides haftete: rovg — aixoloyovs tcq&^ov xm aä KivSvvat. 



B. Die römische Zeit. § 3. Die Steuererhebung. 215 

eine diccttgiöig abhält (Z. 19 ff.). Dasselbe bezeugt das Tagebuch des 
Strategen in Par. 69 (41). Irrig war meine aus den vnoxsC^ieva stciGtqcc- 
T^y©, ßccöLXixä yQamiateZ, xra/toypaft.uaTef usw. gezogene Schlußfolgerung, 
daß die Erhebung der unter diesen Rubriken genannten Steuern speziell 
diesen Beamten zur Kontrolle unterstellt gewesen wäre. 1 ) Wie schon 
oben S. 37 erwähnt wurde, hat Victor Martin gezeigt, daß hiermit viel- 
mehr auf Emolumente dieser Beamten hingewiesen wird. 2 ) Dagegen bleibt 
bestehen, daß gewisse Steuern dem Nomarchen unterstellt waren. Man 
spricht daher von voiiaQ%ixu cc6%oXrniara. % ) Nach Teb. II 289 (271) 
sind auch die Toparchen bei der Steuererhebung verwendet. Als eine 
neue Kontrollbehörde, die die Ptolemäerzeit nicht gekannt hat, treten 
jetzt die „Aufpasser", die ini,t7]Qr]taL, auf, die sowohl die Organe der 
direkten wie der indirekten Erhebung zu kontrollieren hatten, aber auch 
selbst in die Erhebung der ihnen überwiesenen Steuern mit eingriffen 
und auch selbst erhoben. 4 ) Bei der Steuerpacht treten sie an die 
Stelle der ptolemäischen ävuyQcccpEig, die jetzt verschwunden sind. 5 ) 
Ebenso haben aber auch die neugeschaffenen Praktoren ihre Epitereten 
bekommen. Wir finden dieselbe Kontrollbehörde auch in anderen Ge- 
bieten, wie der Patrimonialver waltung (Fay. 23; BGU 619: initrJQfjöLg 
ovöLaxrjg (iiGfrcoösag). Aus letzterem Text hatte ich schon in Ostraka I 600 
erschlossen, daß auch die Epitereten liturgische Beamte gewesen seien. 
Das wird jetzt voU bestätigt durch BGU IV 1062 (276). Und das war 
die Hauptsache: sie mußten dem Staat mit ihrem Vermögen haften. 

Das Hauptpersonal der direkten Erhebung stellten nunmehr die Prak- 
toren dar, die dem Namen nach zu schließen, offenbar an die Praktoren 
der Ptolemäerzeit anschlössen, aber doch zu einer völlig neuen Behörde 
ausgebildet waren. Nicht nur durch die Liturgie sind sie von jenen ge- 
schieden, sondern auch dadurch, daß sie die regulären Erheber der Steuern 
selbst sind, während die ptolemäischen Praktoren nur für Rückstände 
eingetreten waren. Die Texte unterscheiden die TCQccxroQeg öitmcöv für 
die Naturalsteuern und die jroaxToofg aQyvQixäv für die Geldsteuern. 
Vgl. BGU IV 1046 (265): Die Zahlung der Naturalsteuern, im beson- 
deren der Grundsteuern in natura, vollzog sich jetzt im allgemeinen in 



1) Gr. Ostraka I 596 ff. 2) L'epistratege dans lE'gypte Greco-Roni. 

3) Vgl. die Nachweise in den Gr. Ostraka I 597. Auch Martin wird hierüber 
handeln. 

4) Gr. Ostraka I 599 f. 

5) Vgl. Rostowzew, Wochenschr. I. c. 122; Staatspacht 468. Mit den gleich- 
falls verschwundenen Oikononien sind sie deswegen nicht zu vergleichen, weil diese 
doch nicht nur den einzelnen Steuern vorgesetzt waren. Die Oikonomen sind sach- 
lich eher durch die Strategen jetzt ersetzt worden, wie Rostowzew an anderer Stelle 
(Staatspacht S. 461) mit Recht sagt. Besonders klar tritt dies in Oxy. 44 (275) 
hervor. 



216 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

denselben Formen wie in der Ptolemäerzeit (s. oben S. 181). 1 ) Auch jetzt 
brachten die Kontribuenten ihre gesamte Ernte zunächst auf die Tenne 
des Dorfes, und hier leiteten dann eben die itQccxxoQsg ölxhc&v die Aus- 
scheidung der Steuern, wobei sie sich auf die aizcuxtföiiicc stützten. 2 ) Das 
itQÖGyQcccpov BGU 457 (252) zeigt, daß sie nicht etwa nur Rückstände 
eintrieben. 3 ) Für letztere Geschäfte kommen im besonderen die aitaixr\xat 
in Betracht. 4 ) Von der Dorftenne wurden die Steuern dann durch die 
Praktoren 5 ) in den &r}6avQÖg gebracht, wo die 6ixol6yov sie gegen Quit- 
tung 6 ) in Empfang nahmen. S. oben S. 181. Über den weiteren Trans- 
port vgl. Kap. X. Der Geschäftsgang ist also im wesentlichen derselbe 
wie in der Ptolemäerzeit, neu ist nur die Abforderung des Getreides durch 
die itQuxxoQsg resp. äjiaixrjxcC. Andrerseits wurden die Geldsteuern durch 
die Praktoren von den Kontribuenten erhoben 7 ) und an die Regierungs- 
kasse abgeliefert. Jeden Monat mußten die Praktoren dem Strategen be- 
richten über das, was für die einzelnen Steuern bei ihnen eingezahlt war. 
Vgl. z.B. BGU 25 (270), 41, 42, 199R, II 392, 639, 652, 653 usw. 8 ) 
Von der Einsendung von Berichten der Praktoren nach Alexandrien han- 
delt Lips. 121 (173). Zum Einsenden der Akten (ßißUa) zum Einregi- 
strieren {xaxa%coQlt,SLv) vgl. auch Lond. II S. 118/9 (263). 

Daß die Praktoren mit ihrem itögog hafteten, versteht sich nach 
dem oben Gesagten von selbst. Es wird ausdrücklich bezeugt durch Teb 
II 288 (266); vgl. auch Lond. II S. 160/1 (267). Da in der Regel meh- 
rere Praktoren für eine und dieselbe Steuer der Gemeinde eingesetzt 
wurden, so haben sie sich gelegentlich ihre Geschäfte vertragsmäßig unter- 
einander verteilt. Hierfür ist sehr lehrreich Teb. II 39 (im II. Bande), 
eine diaLQeötg-TJrknnde von vier nQaxxoQeg Xaoygacpiccg xa^g Tsßxvvaag. 
Andrerseits kam es vor, daß Praktoren sich einen Vikar bestellten, indem 
sie eine andere Person zur Geschäftsführung bevollmächtigten. 9 ) Vgl. 
Lond. II S. 118/9 (263), auch Fay. 35 (264). Die Ausübung ihres Pfän- 
dnngsrechtes tritt uns in BGU II 515 (268) entgegen. 10 ) Von Übergriffen 



1) Vgl. Rostowzew, Arch. III 212 ff.; Pauly-Wiss. VII 161 fF. 

2) Quittungen der itgäHTogsg gitihüv an die Kontribuenten sind z. B. BGU 223 r 
II 414; Lond. II S. 101, 102. 

3) Rückstände liegen z. B. vor in Teb. II 336, 578. 

4) Vgl. Gr. Ostraka I 609 f. 

5) Vgl. z.B. BGU II 414, 3 f., wo zu ergänzen ist: rjv xcci [iiETQrJ6o^is]v eis to 
Sr}ii06iov. Hier liegt adaeratio vor. 

6) Beispiele solcher Quittungen im Arch. I S. 8. Gegen die Auffassung von 
Preisigke (Girowesen) wendet sich mit Recht Rostowzew, Kolonat S. 404. 

7) Zu den Praktoren- Quittungen vgl. z-. B. Arch. I 8 f. Dazu kamen weitere Bei- 
spiele in den späteren Publikationen (vgl. die neue Ausgabe des General-Registers) 
und zahlreiche andere auf Ostraka. Über die ditygaipsv-'FoTmel vgl. Arch. I 140 f. 
Ein Beispiel für viele sei Teb. II 353 (269). 

8) Vgl. Gr. Ostraka I 622. 9) Gr. Ostraka I 606. 10) Gr. Ostraka I 620. 



B. Die römische Zeit. § 3. Die Steuererhebung. 217 

der Praktoren handeln die Eingaben Oxy. II 284, 285. Für die Stellung 
der Praktoren ist von Interesse ihre Charakterisierung als e%iig)qloi xqccx- 
tOQsg im Gegensatz zu den Römern und Alexandrinern des Gaues in 
BGU III 747 (35). 

Aber auch abgesehen von diesen besonderen Erhebungsbeamten sind 
einzelne Behörden zur Steuererhebung herangezogen worden. Das gilt 
einmal von den rtQSößvtegoL xf\g xcbftrjg, den liturgischen Vertretern der 
Dorfgemeinde. 1 ) Besonders deutlich tritt dies in Lond. II S. 117/8 (272) 
hervor. Andrerseits hat man den Priesterschaften z. T. die Erhebung 
von Tempelsteuern überlassen. 2 ) Außerdem ist ihnen z. B. die Erhebung 
der gewerblichen Lizenzsteuern für diejenigen Handwerker, die für ihre 
Tempel arbeiteten, übertragen worden. 3 ) 

Daß die Einführung der ßovXrj im J. 202 auch in der Steuererhebung 
Wandlungen gebracht hat, wurde schon oben S. 214 betont. Wie weit 
diese Neuerung gewirkt hat, ist bisher noch nicht eingehend untersucht 
worden. Einstweilen sehen wir nur gewisse Einzelerscheinungen, die wir 
als Symptome der wahrscheinlich sehr bedeutenden Veränderungen zu 
betrachten haben. So hören wir einmal, daß der Rat von jetzt an die 
Nomarchen, über deren Bedeutung in der Steuerhebung oben S. 215 ge- 
sprochen wurde, erwählte und dementsprechend für diese Nomarchen 
haftete. 4 ) Doch noch durchgreifender muß ein anderes Faktum gewirkt 
haben, die Einführung der dexdxQcotoi. Kürzlich sind zwar dsxaTtQcatot 
in einem Papyrus erschienen, den der Editor ins Jahr 197/8 (mit Frage- 
zeichen) gesetzt hat (Lond. III S. 62 ff.). Nach allem, was wir sonst über 
die dsxccTtQcotoi im römischen Reiche wissen, können wir diese Datierung 
mit Sicherheit zurückweisen: die dexdxQarov setzen eine ßovXrf voraus. 
Darum ist das 6. Jahr der Urkunde auf Severus Alexander (226/7) zu 
beziehen. Strittig ist die Frage, ob die d£xcc7iQcotoi, wie die decemprimi, 
Buleuten sein mußten. 5 ) Die Frage wird vielfach im negativen Sinne für 
entschieden erachtet durch Fay. 85, wo erst drei Buleuten und dann ein 
yvti(va6CccQ%og) als Dekaproten aufgezählt werden. Wenn man auf die 
Genauigkeit in der Wiedergabe der Titel in solchen Quittungen rechnen 
könnte, wäre die Sache damit allerdings erledigt. Aber Parallelurkunden 
zeigen, mit welcher Sorglosigkeit die Titel behandelt wurden. Ich drucke 



1) Gr. Ostraka I 613 ff. 2) Gr. Ostraka I 615 f. 

3) So nach Otto, Priester und Tempel I 304 ff., für dessen Auffassung auch 
V. Martin eintritt. Damit ziehe ich meine Deutung von BGU 337 usw. (Ostraka 
I 616) zurück. Vgl. Kap. VI. 

4) Vgl. BGU I 8 und dazu Ostraka I 625. 

5) Dafür nach Waddington Wilcken, Ostraka I 626 f.; 0. Seeck, Klio I 147 ff. 
Dagegen nach Menadier Brandis, Pauly-Wissowa IV 2418; Chapot, La province 
Romaine proconsul. d'Asie 1904, 272; Preisigke, Stadt. Beamte S. 24; Rostowzew, 
Staatspacht S. 417. 



218 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

als Beleg BGU II 579 (279) ab, wo nach meiner Revision ein Dekaprot 
sich in der Subskription als ßovXsvvrjg bezeichnet, der im Kopfstück gar- 
nicht so genannt wird. Hiernach halte ich es nicht für unmöglich, daß in 
Fay. 85 das ßovXevraC an die falsche Stelle geraten ist. Ja, die Annahme 
wird um so wahrscheinlicher, wenn man sieht, wie in Flor. 7 von demselben 
Kollegium der Heräs sich in der Subskription einfach als yv[iva6Ccc()%og 
bezeichnet, während er nach Fay. 85 schon ein Jahr vorher Buleut war! Die 
Dekaproten wurden vom Rat der Staatsregierung für die Zwecke der 
Steuererhebung präsentiert 1 ), und der Rat übernahm daher für sie die 
Haftung. Das Amt war ein liturgisches, und zwar gehörte es zu den 
munera patrimonii, da der Beamte mit seinem eigenen Vermögen für die 
ihm übertragenen Steuern einstand. Dies geht im besonderen aus Oxy. 
I 62 (278) hervor. Die Steuerhebung im Gau wurde jetzt in der Weise 
reguliert, daß immer zwei Dekaproten je eine Toparchie als Erhebungs- 
distrikt erhielten. 2 ) Da es in manchen Gauen mehr als fünf Toparchien 
gab, so muß es auch trotz des Namens tatsächlich mehr als zehn Deka- 
proten gegeben haben. Es erklärt sich diese Diskrepanz dadurch, daß 
die Toparchieeinteilung schon bestand, als die neue Behörde mit dem 
schon feststehenden Titel aus dem Reich eingeführt wurde. Trotz der 
Einführung der dexditQcotoi, funktionierte der ganze alte Erhebungsapparat 
weiter, die Praktoren, Epitereten, auch die Pächter usw. Das Verhältnis 
dieser zu den Dekaproten bedarf noch weiterer Aufhellung. Wenn die 
Dekaproten auch vom Rat gestellt wurden, waren sie doch Staatsbeamte, 
die mit dem Strategen, der auch jetzt das Haupt der Steuerverwaltung 
blieb, direkt verkehrten. Vgl. BGU 7, wonach sie dem Strategen über 
die dem Fiskus verschuldeten Pächter Bericht erstatteten. Auch bezüg- 
lich der Rolle, die im allgemeinen jetzt der Rat in der Steuer Verwaltung 
gespielt hat, bedürfen wir noch dringend der Aufklärung. Einen eigen- 
artigen Bericht des Prytanen an den Strategen enthält Oxy. VI 890 (280). 

2. Die Steuerpacht. 3 ) 
Über die Einschränkung des Pachtsystems ist schon oben S. 211 ff. ge- 
sprochen. Für die Kaiserzeit liegt uns für die Steuerpacht bisher ein 
sehr viel geringeres Material vor als für die Ptolemäer. Auf den kleinen 
Fetzen eines vöfiog tsXcovacog in Oxy. 36 (273) wurde schon hingewiesen. 
Für den Modus der Verpachtung ist der lehrreichste Text Oxy. 44 (275). 
Dagegen fällt Grenf. II 41 nach meinen Ausführungen im Arch. V 281 ff. als 

1) Preisigke, Stadt. Beamt. 23 f. 

2) Vgl. die Monatsberichte und Quittungen der Dekaproten: BGU II 552 — 557, 
579 (279); III 743, 744, 1089, 1090; Flor. 7, 26; Lips. 83; Fay. 85; Lond. III S. 52; 
Teb. II 368. 

3) Gr. Ostraka I 587 ff.; Rostowzew, Staatspacht. 



C. Die byzantinische Zeit. § 1. Die Steuern. 219 

Beispiel eines Steuerpachtangebotes jetzt fort. Von der Bürgenstellung für 
einen Steuerpächter, für die ich in den Ostraka I 590 noch keinen Beleg 
bringen konnte, handelt jetzt Teb. II 329. Daß die Kontrolle der Steuer- 
pächter statt vom ävTiyQccyevg vom e7tLTr)Qr)Trjg ausgeübt wurde, wurde 
gleichfalls schon gesagt. Amh. 77 (277) freilich zeigt uns, daß gelegent- 
lich diese E7arrjQrjTaC selbst sich grober Veruntreuungen schuldig machten. 1 ) 
In die Tätigkeit der Steuerpächter gewinnen wir durch die zahlreichen 
Steuerquittungen auf Papyri 2 ) und Ostraka einen Einblick. 



C. DIE BYZANTINISCHE ZEIT. 

Zur Literatur vgl. oben S. 66. Besonders hervorzuheben sind hier: 0. Seeck, 
Die Entstehung des Indiktionenzyklus (Deutsch. Z. f. Geschichtswiss. XII 1894, 279 ff.). 
Derselbe, Die Schatzungsordnung Diokletians (Z. f. Sozial- u. Wirtschaftsgesch. 1895, 
275 ff.). Vgl. außerdem seine einschlägigen Artikel bei Pauly-Wissowa wie Capitatio, 
Delegatio u. a. M. Geiz er, Studien 1. c. und Arch. V 346 f. 

Die Erforschung der neuen Steuerordnung in ihrer Entwicklung 
von Diokletian bis zu den Arabern ist ein schwieriges und in vielen 
Punkten noch der Aufklärung bedürftiges Problem. Nur ungern setze 
ich die folgende dürftige Skizze hierher, aber Etwas ist immerhin mehr 
als Nichts, und vielleicht ist sie dem Anfänger für das Einarbeiten in 
diesen spröden Stoff nützlich. Ich werde namentlich solche Punkte her- 
vorheben, zu deren Klärung die Papyri bereits herangezogen worden 
sind. Eine erschöpfende Verwertung der byzantinischen Papyri steht noch 
aus. Ich setze im folgenden voraus, was ich oben S. 66 f. in den „All- 
gemeinen historischen Grundzügen" über diese Periode vorgetragen habe. 
Im besonderen wird man sich bei jeder Frage zu vergegenwärtigen haben, 
daß in dieser langen Periode von etwa 3^- Jahrhunderten wie die gesamte 
Ordnung Ägyptens, so im besonderen auch die für die Steuerverwaltung 
maßgebenden Elemente sehr wesentliche Wandlungen durchgemacht haben. 
Als besonders markante Erscheinungen hebe ich aus den obigen Dar- 
legungen hervor die Einführung der Munizipalordnung zu Beginn des 
IV. Jahrhunderts (S. 77 ff.), das Aufgeben der Pagusordnung im Anfang 
des V. Jahrhunderts (S. 83), das Hervortreten der Pagarchen, die Eximie- 
rung der autoprakten Grundherren und der autoprakten Dörfer und die 
Zurückdrängung der Kurien vom V. Jahrhundert an (S. 83 f.) — Erschei- 
nungen, die z. T. durch die wirtschaftlichen Wandlungen, unter denen die 
Entwicklung der großen Grundherrschaften und die Vollendung des Kolo- 
nates obenan stehen, begründet sind. Neben diesen innerlichen Momenten 
sind die beständigen Wandlungen in der Organisation der Teilprovinzen 



1) Von den Übergriffen von rsX&vai handelt BGU 340. 

2) Zu den im Arch. I 9 aufgezählten füge ich noch hinzu Oxy. IV 732; Teb. II 357. 



220 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

(vgl. S. 71 f.) von Einfluß auf die äußeren Formen der Steververwaltung; 
gewesen. Zur Interpretation jedes einzelnen Papyrus sind alle diese Mo- 
mente zu berücksichtigen. 

§ 1. DIE STEUERN. 1 ) 

Die neue auf eine Steigerung der Einnahmen abzielende Steuerord- 
nung, die Diokletian im Reich einführte und die von seinen Nachfolgern 
weiter ausgebildet wurde, tritt uns in den Papyri äußerlich zunächst in 
der völlig veränderten Terminologie entgegen. Wir suchen in den Texten 
dieser Zeit vergeblich nach der äfjtaßuCa und dem enaQovQiov, nach dem 
ZSLQoovd&ov, nach der XaoyQayCa usw. Abgesehen von der £fi/3o^', die 
wie ihren Namen, so auch ihren Inhalt bewahrt hat — freilich mit der 
Änderung, daß sie bald nach Konstantinopel statt nach Rom abgeführt 
wurde (Kap. IX) — , haben die Steuern wohl meist neue Namen bekommen,, 
sind aber auch ihrem Wesen nach z. T. umgestaltet worden. 

Die Grundsteuer wird nicht mehr als eine Besteuerung des Ernte- 
ertrages, sondern als eine solche des Grund und Bodens selbst aufgefaßt. 
Zu ihrer Einführung hatte Diokletian den Boden des Reiches in gleich- 
wertige Steuerstufen einteilen lassen, die — in den verschiedenen Pro- 
vinzen verschieden benannt, als iuga, capita, millenae, centuriae usw. — 
mit dem gleichen Steuersatz belegt worden. Für die iuga Syriens hat 
uns das syrisch-römische Rechtsbuch 2 ) den Aufschluß gegeben, daß hier 
5 iugera Weinland = 20 iugera Saatland erster Klasse = 40 iugera Saat- 
land zweiter Klasse = 60 iugera Saatland dritter Klasse = 225 Oliven- 
stämmen erster Klasse = 450 Olivenstämmeu zweiter Klasse galten. 3 ) 
Für Ägypten ist durch Cod. Theod. VII 6, 3 (a. 377) die Einteilung in 
terrena iuga bezeugt. Danach wird die Grundsteuer hier iugatio genannt 
worden sein. Weder für iugum noch für iugatio haben die Papyri bisher, 
soweit ich sehe, eine griechische Transkription oder Übersetzung gebracht. 
Seeck hat zwar in dem von Wessely, Neue griechische Zauberpapyri 
(Wien, Denk. XLI1) S. 9 Anm. 2 mitgeteilten Pap. Rainer 1579, 5 das 
Wort lov(yav) in eine Lücke eingefügt, aber es ist mir selr zweifelhaft,, 
ob das richtig ist. 4 ) Diese iugatio wurde überall nur von den possessores 
(xrr[toQ£s) des ländlichen Grundbesitzes erhoben. Einen Bericht von Sito- 
logen über Grundsteuerzahlungen von xri]toQss aus Theadelphia (a. 312) 
enthält P. Straßb. 45. Er scheidet zwischen den Städtern {noXlxaC) und 



1) Vgl. auch Marquardt, Rom. Staatsverw. II 2 224 ff. 

2) Brun8-Sachau, Syr.-röm. Rechtsbaeh aus dem V. Jahrb.. 1880 § 121. 

3) Hierdurch wurde Savignys Annahme von idealen Steuerbufen widerlegt. 
Vgl. Marquardt 1. c. Seeck, Schatzungsordnung 1. c. 276 ff. 

4) Wessely: i%o\tsv — vnsg xQitr\g lvdw(xicovoq) xccvövog '/ort . . &%vqov Xlrgccg xxl. 
Seeck (Entsteh, d. Indikt. 290, und danach bei Pauly-Wissowa III 1519) vermutet xce 
iovy(oov). 



C. Die byzantinische Zeit. § 1. Die Steuern. 221 

den Dörflern (xcjfirjraC). Als Zuschlag zur Grundsteuer wurde auch jetzt die 
annona aufgefaßt (zu dieser vgl. Kap. IX). Die Frage, wie diese von den 
anderen Provinzen her bekannten Grundzüge auf Ägypten angewendet 
worden sind, bedarf dringend einer eingehenden Untersuchung. 

Die Gewerbesteuer 1 ) — chrysargyrum, collatio lustralis o. ä. ge- 
nannt — wurde jetzt den zu Korporationen zwangsweise zusammenge- 
schlossenen Zünften auferlegt, die die Repartierung unter die Mitglieder 
vorzunehmen hatten. Diese in Geld zu zahlende Steuer wurde in 4— 5jäh- 
rigen Zwischenräumen, nach Seecks Darlegungen im Anschluß an die 
Feier des Regierungsantritts der Kaiser und ihrer quinquennalia usw., aus- 
geschrieben. 2 ) Von dieser Steuer handelt Lips. 64, 29 ff. (281) unter dem 
Namen tö nQay^iarsvtLxbv iQvöÜQyvQov. 

Während die Grundsteuer auf den prossessores des ländlichen Grund- 
besitzes und die Gewerbesteuer auf den Korporationen der in die matricula 
negotiatorum Eingetragenen lastete, traf die capitaüo humana (oder plebeia) 
die niedere ländliche Bevölkerung. Nach Seecks Annahme ist die Capitatio 
in Ägypten nie eingeführt worden, weil in der oben zitierten Stelle im 
Cod. Theod. VII, 6, 3 nur von den iuga, und nicht auch den capita Ägyp- 
tens gesprochen wird, doch läßt er die Frage offen, ob nicht an ihrer 
Stelle eine andere Art der Kopfsteuer in Ägypten bestanden habe, und 
erklärt BGU 21 II 3, wo eine Repartition auf 125* avÖQsg vorliegt, dahin, 
daß hier, wo es sich um kommunale Dorfabgaben handle, nach capita 
gerechnet werde (nach dem Satze 1 Mann = 2 Frauen). Vgl. die 
Schatzungsordnung S. 295. 3 ) 

Jene Worte im Cod. Theod. besagen vielleicht nur, daß in Ägypten 
die Lieferung der vestes auf den iuga lastete, ohne daß die Existenz 
von capita damit ausgeschlossen wäre. Doch bleibe das dahingestellt. 
Jedenfalls glaube auch ich, daß die frühere laoyQayia durch irgend 
eine andere Kopfsteuer ersetzt worden ist. Wir haben soeben aus 
Lond. IV gelernt, daß in arabischer Zeit die Kopfsteuer u. a. als did- 
ygacpov bezeichnet wurde (vgl. unten). Nun gibt, es in P. Klein. Form, 
eine ganze Reihe von öidygatpov- oder diayQcccpYJ- Quittungen, die Wesseiy 
ins VI. oder VI./VIL J. gesetzt hat (vgl. 647, 650 ff). Schon BeU, Lond. IV 
S. 169 hat die Identität der byzantinischen und der arabischen Steuer er- 
kannt. Damit ist dann aber auch die byzantinische Kopfsteuer erwiesen. 
Die Quittung P. Klein. Form. 369, in der vtcsq xEcpcckrjg (caput) gezahlt 
wird, ist leider zu fragmentarisch. 

Wir besitzen nun einige sehr instruktive Texte, in denen die Steuern, 



1) Vgl. Marquardt 1. c. 235 ff. Seeck, Pauly-Wissowa IV 370 ff. 

2) Pauly-Wissowa 1. c. 371 f. 

3) Geizer, Studien S. 58 Anm. 1 setzt „Steuereinheiten" statt capita ein. Die 
Frage bedarf noch weiterer Klärung. Vgl. die Bemerkungen zu Goodsp. 12 (253). 



222 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

die Personen oder auch Gemeinden zu zahlen haben, nach ihrer Verwen- 
dung, resp. nach den Ressorts, an die sie abgeführt wurden, zusammen- 
gefaßt und charakterisier i sind. So scheidet P. Oxy. 126 (180) vom J. 572 
bezüglich eines im Privatbesitz befindlichen Grundstückes die gesamte 
Steuerlast in die ifißoXri (für Konstantinopel) und die %qv6ixk, und letztere 
wiederum in die xavovixd 1 ), d. h. die an das Ressort der Largitionalia ab- 
zuführenden Steuern 2 ), und die dgxccQixd, d. h. die für die arca des prae- 
fectus praetorio bestimmten Steuern (annona). 8 ) Vgl. oben S. 161 ff. Noch 
wertvoller sind die detaillierten Jahresrechnungen, die wir in Cair. Cat. 
67057 für die Stadt Antaiopolis und in Cair. Cat. 67054, 67056, 67058 
für das Dorf Aphrodito besitzen. Zu ersteren vgl. Geizer, Arch. V 346 ff., 
zu letzteren meine Bemerkungen ebendort S. 446 f. Die Stadtrechnung, 
deren enge Beziehungen zum XIII. Edikt Justinians Geizer nachgewiesen 
hat, unterscheidet 1) die eußoltf (61674 Artaben), 2) die annona (über 
6072 Solidi), 3) die xavovixd (über 3707 Solidi). Zu diesen regulären 
Ausgaben kommen 4) die für övvtfdsLcu, d. h. für die „üblichen Ge- 
schenke" an Beamte und Soldaten (vgl. Geizer S. 353 ff.) 4 ), endlich 5) die 
für die TCccyaQfia. Dieselben Arten finden sich auch in den Dorfrechnungen 
von Aphrodito*, nur daß sie hier nicht so übersichtlich gruppiert sind. 
Bemerkenswert ist aber, daß in 87054 die Gvvrj&sicu ausdrücklich zu den 
extraordinaria gezählt werden: yvStövg räv i^TQ[a]oQ[di]vag(ia)v) xal exe- 
q(g>v) alvjvrj&iöv. 

Andere Texte dieser Kairener Edition enthalten Hinweise auf die 
Kommunalsteuern, die hier als döxixd (für Antaiopolis) oder xaftrjxixd 
(für Aphrodito) bezeichnet werden. Vgl. die Steuerquittungen Cair. Cat. 
67045—047 und den Brief 67060 (297) und dazu Geizer, Arch. V 362 f. 

§ 2. DIE STEUERVERANLAGUNG. 
Schon für die römische Periode haben wir oben S. 208 aus dem Bon- 
mot des Tiberius bei Dio 57, 10, 5 den Schluß gezogen, daß der Kaiser 
dem Statthalter die aus Ägypten herauszu wirtschaftende Summe vorschrieb. 
Irgendwelche genaueren Angaben liegen aber für jene Periode nicht vor ; 
so daß wir auch nicht wissen, ob dieser Modus immer . eingehalten worden 
ist. Gelegentlich war eine besondere „Ansage" — indictio — erfolgt, wenn 
außerordentliche Zuschläge erhoben werden sollten. 5 ) Von Diokletian an 
bildete die jährliche „Ansage" der regulären Steuern, im besonderen der 



1) Weitere Belege z. B. bei Wessely, Klein. Form. S. 262. 

2) Über die einzelnen Steuern, die an die Kasse des comes sacrarum largitionum 
gingen, vgl. Seeck, Pauly-Wissowa IV 671 ff. 

3) Vgl. in Oxy. I 71 II 6 vom J. 303: xccvoviiiovg St] Xiya cpoQOvg v.a.1 Gtqcczho- 
tfnag sv&svlceg (letzteres = annona). 

4) Vgl. Cair. Cat. 67040 (283). 

5) Vgl. Seeck, Pauly-Wissowa IE 1515. 



C. Die byzantinische Zeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 223 

Grundsteuern nebst annona, den Ausgangspunkt der gesamten Veran- 
lagungsarbeiten. Bekanntlich sind 15 solcher Indiktionsjahre zu einem 
Zyklus zusammengefügt worden. Bis vor kurzem wurde auf das Zeugnis 
des Chronicon Paschale hin allgemein angenommen, daß Konstantin diesen 
Zyklus im Jahre 312 eingeführt habe. Seeck ist jedoch in seiner Schrift 
über die Entstehung des Indiktionszyklus zu dem Schluß gekommen, daß 
schon vorher ein Zyklus bestanden haben müsse, der also im J. 297 von 
Diokletian eingeführt sei. x ) Diese Ansicht, die sich schon dadurch empfahl, 
daß dem Diokletian gerade für 297, nach der Eroberung Alexandriens, 
grundlegende Neuerungen zugeschrieben werden (Eutrop. 9, 23), ist nach- 
träglich glänzend durch die Papyrus bestätigt worden, die uns wirk- 
lich schon vor 312 Indiktionsjahre nennen. Vgl. den P. Cairo 10520 (in- 
zwischen ediert in P. Lille I S. 108) und dazu meine Ausführungen im 
Arch. II 135 f. Ferner hat Seeck selbst seine These durch den Hinweis 
auf die Erwähnung der Indiktionen in P. Lips. 84 (vom J. 303) über 
allen Zweifel erhoben. 2 ) Vgl. auch seine Bemerkung zu P. Straßb. 9 im 
Arch. V 256, wonach dieser Text wahrscheinlich ins Jahr 307 gehört. Ist 
das richtig, so zeigt er, daß man in Ägypten schon von vornherein ge- 
legentlich diese Indiktionsjahre zur Datierung verwendet hat. Über den 
Indiktionenzyklus als Datierungsmittel vgl. die Einleitung § 7. Eben- 
dort auch über den Anfang des Indiktionsjahres, der in Ägypten nicht 
wie sonst im Reich auf den 1. September, sondern mit wechselndem Datum 
in den Sommer fiel. 

Seeck hat weiter 1. c. die These aufgestellt, daß der 15 jährige Zyklus durch 
Zusammenlegung von 3 fünfjährigen Zensusperioden entstanden sei, indem 
er Zeugnisse dafür vorlegt, daß mehrfach auch für die 6. und 11. Indik- 
tion Zensusarbeiten nachzuweisen seien. Diese auf alle Fälle sehr an- 
regende These bedarf noch weiterer Prüfung. Die unten besprochenen 
Zensuseingaben von 298 und 303 würden hiermit gut zu vereinigen sein, 
dagegen macht die an den Zensitor gerichtete Subjektsdeklaration von 310 
Schwierigkeiten. Hier ist bei der Dürftigkeit des Materials z. Z. noch 
vieles dunkel. Der Grundgedanke, daß bei der Konstituierung des 
15jährigen Zyklus das alte Lustrum eine Rolle gespielt habe, ist, zumal 
die Regierung auch schon vorher in der Verwaltung gern mit der Ttsv 
raarCa operierte 3 ), an sich so wahrscheinlich, daß wir gar nicht nötig 



1) Ist die Notiz des Chronicon Paschale vielleicht dahin zu verstehen, daß das 
Jahr 312 der Anfang der Constantinischen Indiktion sei? Jedenfalls ist sachlich 
nichts gegen seine Worte einzuwenden, wenn man das KcovaravTLviaväv hetont. 

2) Rhein. Mus. 62, 492. 

3) Außer der schon oft hervorgehobenen Ttsvrasricc im Edikt des Jul. Alexander 
(Ditt. O. G. II 669, 49) vgl. jetzt auch die im Edikt des Mettius Rufus (Oxy. II 237 
YIU 41). Man könnte auch auf die sIxooccstLcc für die Bücherrevision in Teb. II 287, 7 
(251) hinweisen. 



224 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

haben, mit Seeck außerdem eine Umbildung des 14jährigen Zyklus der 
aar olxCccv änoyQacpaC zu mutmaßen. 1 ) Ich halte diese letztere Hypothese 
für unannehmbar. 2 ) 

In jedem Jahre setzte also der Kaiser den Steuerbetrag, im beson- 
deren für die Embole und die Annona, für das ganze Reich fest und be- 
auftragte (delegare) die praefecti praetorio mit der Erhebung. Diese 
kaiserliche Steuerausschreibung hieß danach delegatio. 3 ) In den Papyri 
wird das teils mit r\ &eCcc drjlrjycczCav*) wiedergegeben (vgl. BGU IV 836, 
Cair. Cat. 67054, 13), teils mit t} &uu dtarv7ic3öig. b ) Nun begann das Ge- 
schäft der Repartition, das die verschiedensten Instanzen durchlief, bis 
die Steuersumme des einzelnen Steuerzahlers berechnet war. Zunächst 
repartierten die praefecti praetorio die kaiserliche Delegation auf die Pro- 
vinzen und beauftragten die Statthalter mit der weiteren Durchführung. 
Das sind die iizqixccl 8vaxv7C(o6SLg der Nov. Just. 128, 1, auch delegationes 
schlechthin genannt. Vgl. Lips. 64, 10 (281), wo ausdrücklich gesagt ist, 
daß die delegatio von den praefecti praetorio ausgegangen ist. 6 ) Diese 
delegatio kann natürlich nicht als frsCa (d. h. kaiserliche) bezeichnet werden. 
Wenn in BGU III 838, 3 xrjg xaxaTVetMpd-eCörjg freCug dtjlrjyaxiovog gesagt 
ist, so liegt hier die Vorstellung vor, daß die kaiserliche Delegation es 
ist, die durch die vermittelnden Instanzen herabgeleitet wird. Der Statt- 
halter repartierte nun den auf seine Provinz entfallenden Teil auf die 
einzelnen civitates (nöktig), d. h. auf die Kurien, deren Aufgabe es war, 
nun die weiteren Repartierungen vorzunehmen. Auch diese Anweisung des 
Statthalters heißt delegatio, resp. diaxvnaöig. In diesem Sinne steht letz- 
teres Wort in Lips. 63, 5, wo von der durch den früheren praeses 7 ) ge- 
machten diaxvji<o6ig die Rede ist. So sind auch in Ägypten, nach Ein- 
führung der Munizipalordnung (zwischen 307 — 310), die Steuern auf die 
civitates gelegt worden, denen nun die weitere Repartierung oblag. Die 
Kurien aber hafteten jetzt für den Eingang der Summen. So wird in den 
Urkunden auch mehrfach hervorgehoben, daß die Steuern gezahlt werden 



1) Seeck stimmt zu Wessely, Stud. Pal. I 33. 

2) Hier sei nur darauf hingewiesen, daß gegen den Zusammenhang der beiden 
Einrichtungen allein schon die Tatsache spricht, daß die Indiktion 297 begann, wäh- 
rend die xar' ol-niccv cc7ioyQ<x(pTJ, wenn sie noch bestanden hätte, ins Jahr 299 ge- 
fallen wäre. 

3) Vgl. Seeck, Pauly-Wissowa IV 2431. 

4) Vgl Suidas s. v. Sr\Xr\yatL(ov: ncctä 'Pcofiaiovg r\ ixtayi] rov ciroirofinBiov Kai 
i) ccvvovwv fistay.O(i.iSrj. 

5) In Deutsch Lit. Z. 1901, 2398 schlug ich vor, in Fay. Ostr. 23 (a. 298) aus 
EloXvov&elag di(a) Tynaöecog vielmehr ftsiag diazvTcaascog abzulösen. Fraglich ist nur, 
was vorhergeht. Vielleicht elg Xoyov? 

6) Der Plural, der auch sonst üblich ist, weist darauf hin, daß die heiden Prä- 
fekten in partibus Orientis zusammengefaßt werden. 

7) Vgl. Arch. IV 227. 



C. Die byzantinische Zeit. § 3. Die Steuerveranlagung. 225 

V7C£Q xf\$ TtoXitsCccQ. Vgl. z. B. Flor. 96, Lips. 62 (188) usw. Hierauf 
wurden die vom Lande (ivogCa) zu zahlenden Steuern auf die pagi repar- 
tiert, und hier waren es dann die praepositi pagorum, die die weitere 
Repartierung auf die einzelnen Dörfer übernahmen. 1 ) In den Dörfern 
selbst endlich fand dann die Repartierung auf die einzelnen Kontribuenten 
durch die Dorfbehörden statt, so wie es in der Stadt die städtischen Be- 
hörden taten. Von der Repartierung ((isgC&iv) in Dörfern handelt z. B. 
BGU 21 (vgl. oben S. 221), Goodsp. 12 (253). Auch die Dorfbebörden 
waren verantwortlich. 2 ) Nach diesem System waren es also die Städte 
und Dörfer, die die Steuern zahlten. So haben wir denn auch Quittungen, 
die der „Dorfgemeinde" (ol änb xafirjg) ausgestellt sind. Vgl. Cair. Cat. 
67033 ff. (282). 

Bei dieser Skizze sind vorwiegend die Verhältnisse des IV. Jahrh. 
zugrunde gelegt. Vom V. Jahrh. an sind, wie oben erwähnt wurde, wesent- 
liche Änderungen in Ägypten eingetreten, die auch auf diese Repartitions- 
arbeiten von Einfluß sein mußten, so vor allem das Hervortreten der Pa- 
garchen und das allmähliche Zurücktreten der Kurien. S. oben S. 83. 

Es erübrigt noch zu untersuchen, welche Hilfsmittel die Behörden 
hatten, um die Repartierung auf die einzelnen Kontribuenten vorzunehmen. 
Auch in dieser Periode finden wir das System der Selbstdeklarationen 
vertreten, aber gerade in den uns erhaltenen aitoyQacpaC tritt uns der 
große Unterschied gegenüber der vorhergehenden Periode besonders deut- 
lich entgegen. Im übrigen kennen wir bisher derartige hcoyqatpai nur 
aus der Übergangszeit vor Konstantin. Es sind daher einstweilen nur 
Einzelheiten, die sich feststellen lassen. 

a. Subjektsdeklarationen. 
Es liegt bisher eine einzige Subjektsdeklaration vor, in P. Straßb. 42 
(210) vom J. 310, aus Theadelphia im Faijüm. Sie ist völlig anders geartet 
als die früheren nax olniuv ccTtoyQUtpal, deren letztes erhaltenes Beispiel den 
Zensus von 257/8 betrifft*. Diese sind wahrscheinlich von Diokletian im 
Zusammenhang mit seiner neuen Zensusordnung abgeschafft worden. Wie 
diese Subjektsdeklaration, die an einen Zensitor gerichtet ist, sich zu dem 
Diokletianischen Zensus verhält, ist z. Z. völlig dunkel. Sie ist 2 Jahre 
vor dem Beginn eines neuen Indiktionszyklus (312) eingereicht, und fällt, 
wenn man mit Seeck fünfjährige Zensusperioden annimmt (s. oben S. 223), 
mitten in eine solche hinein (307 — 312). So können wir einstweilen, bis 
weiteres Material vorliegt, nur die Verschiedenheiten dieses Unicum gegen- 
über den früheren Subjektserklärungen konstatieren. Besonders hervor- 
gehoben sei, daß nur männliche Personen aufgezählt werden — der Dekla- 



1) Vgl. Geizer, Studien S. 60 f. 2) Vgl. Geizer, Arch. V 375. 



226 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

rant mit Sohn, Brüdern und Verwandten — f und daß jeder als vTtorskrjg 
bezeichnet wird, auch ein Zwölfjähriger, wie auch zum Schluß diese vito- 
relslg zusammenaddiert werden. Diese festzustellen ist also offenbar der 
Hauptzweck dieser änoyQuyui. Wahrscheinlich ist der Deklarant der 
Hausvorstand, der die bei ihm wohnenden Verwandten anzeigt. Aus den 
Worten [irjdsvög /tot övvocxovvrog ix noXXov %q6vov darf wohl ge- 
schlossen werden, daß eine derartige äxoyQayrj seit längerer Zeit nicht 
eingefordert war. Neu ist ferner, daß die Eingabe an einen Zensitor 
gerichtet ist. Diese Behörde ist erst durch die Diokletianische Reform 
für Ägypten eingeführt worden (s. unten). 

b. Grundstücks-Deklarationen. 1 ) 

Etwas reicher ist unser Material für die Grundstücks-Deklarationen. 
Mir ist z. Z. Folgendes bekannt: 

1. Vom Jahre 298: Flor. 32 (228), eine aizoygacpTJ an den Zensitor 
Julius Alexander, auf Befehl der Kaiser. Die Paginazahl „175" zeigt, daß 
die beiden Texte aus einem größeren 6vvxoXkrJ6i[iov stammen, daß also 
wohl eine allgemeine Deklarationspflicht bestanden hat. 

2. Vom Jahre 303: P. Mel. Nicole S. 187 ff. (229), Reste von mehreren 
u7ioyQU(pai , die an die dvußatQrjTaC der betreffenden Toparchie gerichtet 
sind. Außer dem Befehl der Kaiser wird auch eine Verordnung des xa- 
frofaxbg (OvaktQioc Evvüog) erwähnt. 

3. Wahrscheinlich aus demselben Jahre 303 stammt ein unedierter 
P. Rylands (früher im Besitz des Lord Crawford), der, wie Hunt mir mit- 
teilte, eine axoyQcupri ist wie Flor. 32. Dieser ist nicht an die dva^is- 
TQritaC, sondern an den censitor Septimius Sabinus gerichtet. Vgl. Gren- 
fell-Hunts Einleitung zu Amh. 83. 

Auf denselben Zensus dieses Sabinus bezieht sich die Beschwerde 
Amh. 83 (230), die, an den Präfekten Claudius Culcianus gerichtet, zwischen 
303 und 306 (vgl. Oxy. VHI 1104) fallen muß. Die Urkunde erwähnt 
(ebenso wie auch der P. Rylands) die inratorös, die von den Zensierten 
den Eid abzunehmen hatten. 2 ) 

Endlich wird dieser selbe Zensus des Sabinus auch noch in zwei 
späteren Urkunden erwähnt, in BGU IV 1049 vom J. 342 und BGU IH 
917 -vom J. 348. Vgl. hierzu meine Bemerkungen im Arch. V 265. 

Zunächst ist zu konstatieren, daß die genannten axoygacpal ein völliges 
Novum gegenüber der römischen Periode darstellen. Diese kannte über- 
haupt keine an die Steuerbehörden eingereichten Grundstücksdeklarationen, 
abgesehen von jenen Anzeigen der afiQO%ta, e[ißQoxCa usw., die mit unseren 



1) Vgl. Wilcken, Arch. V 205. H. Lewald 1. c. 14. Eger 1. c. 207. 

2) Vgl Mommsen, Staatsr. 11* S. 349. 



C. Die byzantinische Zeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 227 

Texten nichts zu schaffen haben. Vgl. S. 203. Diese byzantinischen cbro- 
yQcupat geben an, wieviel Grundbesitz {iSiarixT]) der Deklarant hat, wo 
er liegt, und was für Land es ist (iöitccQiievr]). Außerdem wird auch an- 
gegeben, wieviel der Deklarant von der kaiserlichen Domäne (ßaoiXLxt]) 
übernommen hat. Da es sich in den vorliegenden Fällen um kleine Par- 
zellen der ßccöifoxij handelt, die in demselben Rayon (xoCrrf) wie die vor- 
hergenannte CdLcotixt] liegen, so vermute ich, daß es sich hier überall um 
inißokaC handelt, die durch Zwangserbpacht den proximi possessores zu- 
geschlagen sind. 1 ) So wird man in den Deklarationen von 303 (229) 
das uv£xrf\6&ui auf die iÖLCOtixt] und das (J)6(%)[?ixivai\ xal 7iccQeiXr]- 
cpsvai auf die ßaäiXiXT] zu beziehen haben. 

Daß derartige Grundstücks-Deklarationen an die Zensusbeamten ein- 
gereicht werden, ist also etwas völlig Neues. 2 ) Wir sehen darin die Wir- 
kungen der neuen von Diokletian geschaffenen Zensusordnung. Das neue 
auf den iuga und capita beruhende Steuersystem (s. oben S. 220) verlangte 
eine Neuvermessung des Reiches, wie das Lydus de mag. 1, 4 kurz und 
klar ausgesprochen hat: ccvsfisrQrjöato tr)v tjjisiqov xal rotg cpögoig ißd- 
qvvev. Nach Seecks Vermutung (s. oben) sind nun nicht nur alle 15 Jahre, 
sondern alle 5 Jahre Zensusrevisionen vorgenommen worden. Die obigen 
a7CoyQa(paC von 298 und 303 sind geeignet, diese These zu stützen, wenn 
man nur annimmt, was auch durch andere Belege bei Seeck wahrschein- 
lich ist, daß die Zensusarbeiten erst in dem Jahr nach dem Zensusjahr zu 
Ende geführt wurden. Daß Flor. 32 sich auf den Zensus von 297, also 
auf das überhaupt erste Indiktionsjahr bezieht, ist selbstverständlich. Den 
Zensus des Sabinus aber, der in Texten vom Jahre 303 an erwähnt wird, 
werden wir hiernach auf das Zensusjahr 302 zu beziehen haben, also das 
erste Jahr des zweiten Quinquenniums dieser ersten Indiktionsperiode. 
Die oben hervorgehobene Inkongruenz der Subjekts-Deklaration von 310, 
die dadurch an Bedeutung gewinnt, daß auch sie an einen Zensitor ge- 
richtet ist, wird dadurch zu erklären sein, daß diese Deklaration eben mit 
der ccvu[iETQri<5iQ nichts zu tun hat. Ihre tiefere Bedeutung bedarf noch 
der Aufklärung. 

Verlockend ist es, als weitere Stütze für Seecks Annahme auch P. Cair. 
Preisigke 8 (240) heranzuziehen, einen Bericht über äva(isvQrjöi,g, der 
nach Seecks Datierung in 322 zu setzen ist und so mit dem Anfang eines 
neuen Lustrum im J. 322 3 ) in Beziehung gesetzt werden könnte. Vgl. 
dagegen aber die Bedenken in der Einleitung zu dieser Nummer. 

1) Vgl. Rostowzew, Kolonat 196 und Kap. VII. 

2) Auf die Einführung dieser Deklarationen kann das Aufgeben der ßißXio&ijxri 
iyKTrjoecov keinen Einfluß ausgeübt haben, da diese in einem Leipziger Papyrus aus 
dem J. 307 noch tätig erscheint. Vgl. Bd. II Nr. 196. 

3) Diese Lustren beginnen immer mit den Jahren, die eine 2 oder 7 an der dritten 
Stelle haben. 



228 Kapitel V. Das Steuerweaen. 

Auch die Censitores mit ihren Juratores sind für Ägypten eine völlig 
neue Erscheinung. In P. Straßb. 42 (210) steht ein Zensitor an der Spitze 
der Heptanomia, d. h. der Provinz Herculia. Zumal sein Amt nicht 
ständig ist, sondern er eben nur zum Zensus in die Provinz geschickt 
wird') (vgl. Straßb. 42, 6: rä xccTcciteiupd-svTi xt]v6Ctoql), ist der Zensitor 
von 310 in bezug auf Seecks These besonders bemerkenswert. Die ävu- 
[iSTQrjtaC werden unter dem Zensitor stehen. P. Rylands zusammengehalten 
mit P. Mel. Nicole machen es wahrscheinlich, daß immer gleichlautende 
uTtoyQCKput an den Zensitor der Provinz und an die speziellen dvafietQrjraC 
der betreffenden Landschaft eingereicht wurden. 

Über den Kataster der byzantinischen Zeit und seine Evidenthaltung 
haben die Papyri bisher noch keine Aufklärungen gebracht. Von jähr- 
lichen Enioxstysig ist mir aus dieser Zeit nichts bekannt, wie das Wort 
tjtlGxetyig aus der Amtssprache zu schwinden scheint. Vielleicht hielt 
man sie jetzt nicht für nötig, weil alle fünf Jahre eine Revision stattfand. 
Aber wie dabei die jährlichen Wirkungen der Nilschwelle Berücksichtigung 
fanden, ist noch nicht klar. Außerordentliche Inspektionen, die gelegent- 
lich zum Zweck der Steuererleichterung die Steuerzahler (Provinz oder 
Stadt) erbaten, wurden von den peraequatores (s^iöataC) resp. den inspec- 
tores («rdjrTcu) ausgeführt. 2 ) Von den letzteren hat Geizer eine Spur ent- 
deckt in Cair. Cat. 67057 I 21, wo die Stadt Antaiopolis für inotylcc zu 
zahlen hat, d. h. für Honorar für den STtöxt^g. 3 ) 

§ 3. DIE STEUERERHEBUNG. 
Auch nach der Teilung Ägyptens in Provinzen blieb dem praefectus 
Aegypti, dem späteren Augustalis, wie überhaupt für die Steuerverwal- 
tung, so auch im besonderen für die Erhebung die oberste Kontrolle, bis 
auch die Teilprovinzen Augustales erhielten. Aber das Erhebungsgeschäft 
selbst wurde den praesides der Teilprovinzen zugewiesen. 4 ) Hiervon ab- 
gesehen, scheint unter Diokletian die Steuererhebung keine wesentlichen 
Veränderungen erfahren zu haben. Wie wir oben S. 76 darlegten, fällt 
die Beseitigung der alten Gauordnung zwischen 307, wo zum letztenmal 
in unserem jetzigen Material eine Toparchie erwähnt wird (Grenf. II, 78, 2) 
und 310, wo zum erstenmal die pagi erscheinen (Straßb. 42 [210]). Bis 
dahin wird auch der Stratege nach wie vor das Haupt der Steuererhebung 
im Gau geblieben sein, und der Rat wird in derselben Weise wie seit 
202 auf diesem Gebiet tätig gewesen sein. So finden wir denn auch die 

1) Vgl. Seeck, Schatzungsordnung S. 320 f. 

2) Vgl. Seeck, Schatzungsordnung S. 323 ff. 3) Geizer, Arch. V 353. 

4) Cod. Just. I 37, 1 (an den Augustalis, a. 386): Omnia tributa per Aegyptiacam 
dioecesim cura et Providentia claritatis tuae a moderatoribus provinciarum exigi 
iubemus. 



C. Die byzantinische Zeit. § 3. Die Steuererhebung. 229 

Dekaproten noch im J. 289 (Amh.137,24), 298 (Fay. Ostr. 23), 303 (Lips. 
84 II 2 usw.), 303—05 (Amh. 83, 4 [240]). Erst nach Einführung der 
Munizipalordnung (zwischen 307 — 310) wurde die Steuererhebung von 
den praesides den civitates übertragen, d. h. den Kurien. Der Chef der 
Steuererhebung innerhalb der civitas (d. h. des alten Nomos) war der 
Exaktor, auf den schon oben S. 77 als den Nachfolger des Strategen 
für die Erhebung hingewiesen wurde. Dieser exactor civitatis 1 ), wie er 
im Arch. III 341 heißt, ein Amt, um das sogar der Kurialpräsident sich 
bewirbt (Lond. II S. 273 [44]), war offenbar der höchste Beamte auf 
diesem Gebiet innerhalb der civitas. Dieser Londoner Text lehrt uns zu- 
gleich, daß damals, Mitte des IV. Jahrb.., diese exactores vom Kaiser er- 
nannt wurden. Seeck, der 1. c. 1544 dies richtig beobachtet hat, hat 
weiter die Ansicht aufgestellt, daß gegen Ende des IV. Jahrh. statt des 
einen mehrere Exaktoren in einer civitas gewesen seien, die daher von 
niedrigerem Range als jener Einzige nunmehr von der Kurie gewählt 
seien (Cod. Theod. XII 6, 20 vom J. 386). Ich glaube, daß er recht 
hat, wenn auch seine Belege (Lips. 62 und 98) anders zu deuten sind. 
Hierin schließe ich mich vielmehr Geizer an, der 1. c. 53 zeigt, daß es 
sich hier um niedere, unter dem vxodtxrrjs stehende exactores handelt, die 
eher den TtQccxtoQsg zu vergleichen sind. Trotzdem spricht für Seecks 
Annahme, abgesehen von dem, was er für außerägyptische Gebiete anführt, 
die Tatsache, daß die Ernennung durch den Kaiser durch die Wahl der 
Kurie ersetzt worden ist. Auch wenden sich in einem Leipziger Ineditum 
vom Ende des IV. Jahrh. zwei Exaktoren von Apollinopolis Parva direkt 
an den Präses, was für jenes untergeordnete Erhebungspersonal kaum 
passen würde. 2 ) Es scheint also gegen Ende des IV. Jahrh. gelegentlich 
mehr als ein Exaktor an der Spitze der Erhebung gestanden zu haben (von 
der Kurie erwählt). Dagegen halte ich Seecks Ansicht, daß die Exaktoren 
nur für die Rückstände (der Geldsteuern) dagewesen seien, für irrig. 
In der Tat hat der Exaktor vielfach — auch in noch unpublizierten 
Leipziger Papyri — mit Rückständen zu schaffen, aber allein schon 
Lips. 64, 9 ff . (281) zeigt, daß ihm auch die Eintreibung der Steuern 
der gegenwärtigen Indiktion zustand. Seecks Interpretation dieser Ur- 
kunde 1. c. 1543 ist nicht zutreffend. Vielmehr nehme ich mit Geizer an, 
daß der Exaktor überhaupt die Leitung der Erhebung in einer civitas 
hatte. Dafür kann jetzt auch auf den in der Einleitung zu Nr. 43 teil- 

1) Zum Exaktor vgl. Seeck, Pauly- Wissowa VI 1542 ff. und Geizer, Studien 50 ff. 

2) Hiernach ist zu überlegen, ob nicht auch in BGU IV 1027 (Schreiben des 
praeaes an il-dxTOQsg und ngosSgui) an ein gleichzeitiges Nebeneinander von Exaktoren 
zu denken ist, statt der bei Geizer Stud. 53 von mir vorge>chlagenen Deutung. Daß 
hier an die hohen Beamten dieses Titels zu denken ist, zeigt ihre Nennung vor den 
npösÖQOi. Sollte der Plural itQotÖQoig ein durch den vorhergehenden Plural verur- 
sachter Schreibfehler dieser Kopie sein? 



230 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

weise mitgeteilten Leipziger Papyrus hingewiesen werden, wonach der 
Exaktor dem Phylarchen Befehl gab, Vorschläge für vnodexrcu zu machen. 
Aus dieser hohen und allgemeinen Stellung erklärt sich auch, daß er nie- 
mals als exactor einer einzelnen Steuer bezeichnet wird. 

Dagegen werden diese vizodsxrai, deren Unterordnung unter den 
Exaktor dieser Leipziger Text klar bezeugt, regelmäßig als Erheber einer 
bestimmten Steuer bezeichnet. 1 ) Vgl. z.B. den vjcodExtrjg %qv6ov tiQcövav 
in Lips. 62 (188). In der Regel erheben diese vxodtxxui Geld (daher 
XQvövjiodextai), doch ist dies wohl nicht so ausnahmslos, wie Geizer an- 
nimmt. Wenigstens aus späterer Zeit liegen in P. Klein. Form, mehrere 
Texte vor, die von einem As6vriog vjtodsxtrjg 'Eq^ov ztöleag handeln^ 
der durch einen öLto^stQrjg vertreten wird und Getreide erhebt. Vgl. den 
Index S. 283. 

Aber im allgemeinen bleibt die von Geizer aufgestellte Regel be- 
stehen, daß die Erhebung der Naturalien den STCi^slrjtaC (procuratores) 
zustand. 2 ) Das waren Kurialen, denen die Erhebung als munus patrimonii 
auferlegt war. Vgl. für die Zugehörigkeit zur Kurie Lond. III S. 128 f. 

Als Erhebungsbeamte begegnen uns ferner noch die ä^ßin/rai und 
noch mehrere geringere Chargen, die namentlich als Unterpersonal des 
vjtodsxtrjg aufzufassen sind, wie die oben besprochenen (geringeren) exac- 
tores, die XQccxTogsg u. a. Vgl. Geizer 1. c. 

Alle diese verschiedenen Beamten unterstehen dem exactor civitatis, 
der sich zur Steuererhebung auf dem Lande im besonderen der ihm unter- 
stellten praepositi pagorum bedient. 3 ) Eine außerordentliche Behörde, 
die nur in besonderen Fällen in die Provinz zur Steuereintreibung ge- 
schickt wurde, waren die s^TieXXsvTat, die auch mehrfach in den Papyri 
begegnen. Vgl. Geizer, Arch. V 354. 

Überall handelt es sich hier um um direkte Erhebung (Regie). Einen 
Beleg für Steuerpacht haben uns die byzantinischen Papyri bisher nicht 
gebracht, wiewohl sie sicher auch weiterhin (bei indirekten Steuern) vor- 
gekommen ist. Vgl. Geizer S. 45. 

Diese Ordnung, wie sie uns durch die Texte des IV. Jahrh. er- 
schlossen ist, hat seit dem V. Jahrhundert Modifikationen erfahren durch 
die Schaffung der Pagarchie und die Exemtion der autoprakten Grund- 
herren einerseits und einzelner autoprakter Dörfer andrerseits. Leider 
haben wir bisher nur sehr wenige Texte, die dem V. Jahrh. angehören. 
Aber die Papyri des VI. Jahrh., namentlich die Aphroditopapyri, haben 
uns über die Pagarchie und das Wesen der Autopragie Aufklärung ge- 
bracht. Die Autopragie, d. h. das Recht, die Steuern selbst, ohne Ver- 
mittlung der staatlichen Steuererheber, an die Provinzialkasse abzu- 

1} Vgl. Seeck 1. c. 1543. Geizer 1. c. 42 ff. 2) Geizer 1. c. 42 ff. 

3) Geizer 1. c. 57. 



D. Die arabische Zeit. 231 

führen 1 ), ist wie den großen Grundherren, denen dadurch die Steuererhebung 
von ihren Kolonen zufiel (vgl. Kap. VII), so auch Dörfern verliehen worden, 
die dadurch zu avtöitQccxTOL wurden. Für Aphrodito haben wir soeben 
durch Cair. Cat. 67019 gelernt, daß es Kaiser Leo (457 — 474) gewesen 
ist, der dem Dorf dies Privileg verliehen hat. Hier wurden daher die 
Staatssteuern von den Dorfbehörden, den izgcoToxaiirjTca, erhoben und an 
die Provinzialkasse abgeliefert. Aus Cair. Cat. 67060 (297) haben wir 
aber erfahren, daß die Kommunalsteuern des Dorfes nach wie vor vom 
Pagarchen erhoben wurden. — Die Pagarchen andrerseits haben die Steuer- 
erhebung der ihnen zugewiesenen Gebiete {nayaqyov^Bvai xä^iai) in der 
Hand. Geizer, Studien S. 97 hat schon gezeigt, daß gegen Ende der 
byzantinischen Zeit die Pagarchen, diese mächtigen Grundherren, immer 
mehr an Gewalt sich anmaßten, so daß schließlich selbst die kaiserliche 
Macht ihnen gegenüber versagte. Vgl. oben S. 83. Wie richtig dieses 
Bild gezeichnet war, beweisen jetzt die neuen Nachrichten in Lond. IV 
über die arabische Zeit (s. unten). Wiewohl die Kurien durch die Pa- 
garchen gewiß mehr und mehr eingeengt worden sind, haben sie doch, so- 
weit wir wissen, die Steuererhebung in ihren Bezirken bis zur Araber- 
herrschaft überall behalten. Nur in Alexandrien hat Kaiser Anastasius 
(491 — 518) der Kurie die Steuererhebung genommen und hat sie dem 
Meistbietenden als Vindex übertragen. 2 ) 

D. DIE AMBISCHE ZEIT. 

Lit. : Zu der oben S. 88 gegebenen Literatur kommt Lond. IV mit der Einleitung 
und den Kommentaren von H. J. Bell hinzu. 

Soeben ist der Lond. IV mit seinen großen neuen Schätzen für die 
Khalifenzeit erschienen. 3 ) Nach dem, was ich bisher davon kennen lernen 
konnte, scheint mir die kleine Skizze, die ich oben S. 88 ff. von dieser 
Zeit zu entwerfen versuchte, in den Grundzügen nicht verändert zu werden, 
aber die magere Zeichnung ließe sich jetzt mit frischen Farben ausmalen. 
Ich muß mich hier um so mehr auf die Hervorhebung der wichtigsten 
Grundzüge der Steuerordnung beschränken, als eine genauere Durcharbei- 
tung des voluminösen Bandes mir bisher nicht möglich war. 

Die Finanzverwaltung zeigt nach den aus den ersten Jahren des 
VIII. Jahrh. stammenden Texten des Lond. IV eine straffe Zentralisation, 
wie Ägypten sie seit der römischen Herrschaft oder noch eher seit der 
Ptolemäerzeit nicht mehr gehabt hatte. Schon die Dreiteilung des Landes 
durch Augustus hatte im Vergleich zur Ptolemäerzeit eine größere Ar- 
beitsteilung gebracht, und die von Diokletian geschaffene und dann immer 



1) Vgl. Wilcken, Arcb. V 283 f. Geizer ebenda 188 f. und 370 ff., auch Stud. 89. 

2) Vgl. Geizer, Arch. V 366 f. 

3) Vgl. mein Referat im Arch. V 449 f. 



232 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

mehr gesteigerte Teilung Ägyptens in Teilprovinzen hatte mehr und mehr 
zu getrennten Verwaltungen geführt. Jetzt dagegen sehen wir die sämt- 
lichen Pagarchien in gleicher Weise in direktem geschäftlichem Verkehr 
mit dem einen Statthalter (Sultan) in Fustät (BccßvÄav) stehen, gleichviel 
in welchem Teile Ägyptens sie liegen. 1 ) Es gibt keine Instanz, die etwa 
zwischen dem Pagarchen von Aphrodito in der Thebais und dem Statt- 
halter zu vermitteln hätte, es gibt auch keine Regierungskasse und kein 
Staatsmagazin mehr in Antinoopolis, in die etwa wie früher die Ober- 
ägypter ihre Steuern ablieferten, sondern alle zahlen und liefern gleich- 
mäßig nach Fustät. Daher kann ich auch Bell (p. XIX) nicht zustimmen, 
der, wie ich schon oben S. 90 sagte, aus der Erwähnung von '^Qxadccc, 
®rjßcä'g und Myuxov in Lond. IV 1332, 1333 und aus gewissen Titeln von 
duces, auf die ich z. T. auch schon 1. c. hinwies 2 ), folgert, daß diese Ge- 
biete jetzt wirklich noch Verwaltungsbezirke gewesen seien. Freilich, das 
XtyLixov (das nubische Grenzgebiet) hält auch er nur für einen Teil des 
früheren ®r]ßeüxbv XC\iixov und nicht für eine Eparchie, aber dies zeigt 
doch nur, daß auch die beiden anderen Namen in jener Urkunde nur geo- 
graphisch verstanden sein wollen, wie schon Becker angenommen hat (vgl. 
oben S. 90). Wie jene Titel der duces zu deuten sind, steht noch dahin, 
aber die obigen Tatsachen scheinen mir deutlich dafür zu sprechen, daß 
es Teilprovinzen oder gar selbständige Provinzen (im Sinne der letzten 
Byzantinerzeit, vgl. oben S. 75 f.) jetzt nicht gegeben haben kann. Da- 
gegen finden wir gelegentlich wieder die alte Scheidung der ava und 
xdrco %c3Qcc, also von Ober- und Unterägypten. Vgl. Lond. IV 1379, 7; 
1447, 137 ff. (Bell p. XXI). Aber auch dies bedeutet nicht eine wirkliche 
Trennung der Verwaltung. 

Von größter Bedeutung ist nun, daß, wie Bell aus Lond. IV er- 
schlossen hat, die Kurien nicht mehr existieren — eine für die Ge- 
schichte des Hellenismus fundamentale Tatsache! — , und daß auch die 
Autopragie geschwunden ist. Übrig geblieben ist also von den drei 
für die Steuerverwaltung der späteren byzantinischen Zeit maßgebenden 
Elementen innerhalb der alten Gaue nur die Pagarchie. Mit anderen 
Worten, die Pagarchie hat die anderen beiden verschluckt — ein Ergeb- 
nis, das nach der von Geizer (Studien S. 97 ff.) gezeichneten Entwicklung 
nicht verwundern kann. So fehlt also jetzt in Ägypten der Begriff der 
civitas, wie er seit dem Anfang des IV. Jahrh. bestanden hatte. Die 

1) Die Geschäi'tserleichtenmg, die die diokletianische Schaffung der Praesidien 
gebracht hatte, fiel also fort. Es war wieder ähnlich wie vorher zur Zeit der Kon- 
ventsordnung, als die Behörden von Mittel- und Oberägypten alljährlich zum Konvent 
nach Memphis zu reisen hatten. Auch in den Briefen an Basilius (Lond. IV) wird 
oft mit seinem persönlichen Erscheinen in Fustät gerechnet. 

2) Er verweist noch auf den dux kgxadiag xat ®r\ßa.idog in Wien. Stud. 24, 127, 
Grenf. E 100, 6. 



D. Die arabische Zeit. 233 

alten Gaue erfahren zum zweitenmal eine vollständige Umwandlung: sie 
werden zu Pagarchierj, nachdem sie vorher civitates geworden waren. 
Texte wie Lond. IV 1460 und 1461 führen uns vor Augen, wie Ägypten 
nunmehr ganz aus Pagarchien besteht. Auch 1332 bezeugt dasselbe, wo 
für die durch ganz Ägypten zerstreuten cpvyddsg festgestellt werden soll, 
unb tcoCov %(oqCov xal iv 7toC<p xönca xal hv noia nayctQ%Ca 7tQoös(psvyev. 
Damit gewinnen wir zugleich die Gliederung der Pagarchien in xonou und 
der tötcoi in %coqIu (Dörfer). Die Hauptstädte der Pagarchien heißen in 
der Regel nökstg, wiewohl sie es im griechischen Sinne nicht mehr sind 
(vgl. z. B. Lond. IV 1460, 1461). Doch 'AcpQodtTa, das in der byzantini- 
schen Zeit zur xcb^iq geworden und der civitas Antaiopolis attribuiert 
gewesen war, heißt jetzt, wiewohl es von Antaiopolis wieder abgelöst 
ist 1 ) und das Haupt einer neuen Pagarchie (wohl im Umfang des alten 
*A(pQoditoiioXCtr[q) geworden ist, nach wie vor xäfirjy nur im Munde der 
Araber medina (Stadt). Dies Festhalten am alten Sprachgebrauch ist da- 
durch verständlich, daß diese Pagarchie-Hauptstädte rechtlich eben keine 
noXsig mehr waren. Besonders erwähnt sei, daß auch die alte Griechen- 
stadt Antinoopolis jetzt das Haupt einer Pagarchie ist (1461, 36). Die 
Nivellierung ist also jetzt eine völlige. Nur Alexandrien hat noch seinen 
„Augustalis", der freilich von dem früheren Augustalis wesentlich ver- 
schieden ist. Nach 1392, 13 wird die Butter für die Flottensoldaten an 
ihn geschickt, und er hat den Empfang zu quittieren. Nach Becker 1. c. 
ist er etwa der 'ämil, der Chef der Zivil Verwaltung der Stadt. 

Der Pagarch Basilius von Aphrodito, an den die Statthalterbriefe in 
Lond. IV gerichtet sind, heißt in den koptischen Texten (Crum) und auch 
gelegentlich in griechischen, die von den Untertanen herstammen, näyuQ- 
%og. 2 ) Der Statthalter aber nennt ihn durchweg 3 ) dtotx^r^g xafirjg 'Aq>Qo- 
dira und sein Amtsgebiet dtoCxrjöig. 4 ) Wir besaßen schon in Grenf. I 63 
ein Beispiel für diesen Titel aus später byzantinischer Zeit, in dem schon 
Geizer (Studien S. 98) den Ausdruck der gesteigerten Macht des Pa- 
garchen fand. Dieser Dioiket hatte in Fustät seinen ständigen Vertreter, 
der in 1360, 5 6 \ai\v iv tra 0oG6cctc3 ix TCQoöaTta 6ov heißt, und (mit Bell) 
wohl identisch mit dem ccTCoxQiöiÜQiog ist. Der Text zeigt, daß bei Zahlungs- 
ausfällen der Statthalter sich zunächst an ihn hielt. Mit dieser Einrich- 



1) Dafür spricht deutlich Lond. IV 1461, 16, wonach Leute aus Aphrodito ge- 
flüchtet sind sl(s T7jv) 7tuyaQx(iccv) Ävraiov (Kai) ÄnöXltovog. Auffallend bleibt, daß 
Aphrodito auch jetzt wie in der byzantinischen Zeit aarina Ävtalov zahlt (1419, 439), 
also Kommunalsteuern für Antaiopolis Vgl. hierzu Bell. p. VII. 

2) Vgl. Bell, Jour. Hell. Stud. 28, 100. 

3) Nur in der Randnotiz in 1359, 1 wird er als itäynQ%og bezeichnet. In 1356, 6 
(254) umschreibt der Statthalter ihn als xbv iTti-Kfl^svov rfjg itäyaQ%log. Vgl. dazu 
P. Klein, Form. 260. 

4) Dieses heißt andrerseits auch %coga, arabisch küra. 



234 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

tung ist vielleicht in gewisse Parallele zu stellen, daß früher jeder Gau 
seinen exXoyiGxiqg in Alexandrien hatte (vgl. S. 209) und seinen ygccfpav 
xbv vofiöv beim Idiologos in Alexandrien (vgl. 173). Auch der XoyoyQci- 
<jpog, der in 1401, 12 hinter dem oMoxQiöLccQLog genannt wird, wird ein 
Vertreter des Pagarchen in Fustät sein. 1 ) Das ist vielleicht der Nach- 
folger der Xoyoygdcpoi, die einst die Kurien in Alexandrien beim Prä- 
fekten zu unterhalten hatten. Vgl. Amh. 82. 

Verändert treten uns auch die Kassen- und Magazinverhältnisse ent- 
gegen. Wie schon erwähnt wurde, zahlte man jetzt z. B. aus Aphrodito 
die Steuern nicht mehr nach Antinoopolis, sondern direkt nach Fustät. 
Die Provinzialkasse daselbst heißt jetzt rj öccxeXXa (von Saccus). 2 ) Diese 
stand unter der Leitung des Finanzministers. Vgl. z. B. Lond. IV 1412, 12: 
sl(g trjv) 6ccxe(XXccv) iiti }4ßöeQct([iav) vl(pv) 'OyesCg, der als Finanzminister 
für diese Zeit bekannt ist. Das Hauptstaatsmagazin sind xä oqqlcc Baßv- 
Xöi/og. Natürlich gibt es auch oqqicc in den Städten und Dörfern. Wie 
Bell p. XIX bemerkt, ist der %Qv6äviqg (s. oben S. 164) jetzt geschwunden. 3 ) 

Alles in allem habe ich den Eindruck, daß die Verwaltung im Ver- 
gleich zu den früheren Zeiten durch diese konsequente Zentralisation 
außerordentlich vereinfacht ist. Freilich in Fustät muß ein ungeheures 
Schreiberheer gewesen sein, um diese Korrespondenz des Statthalters mit 
den Pagarchen und sogar mit den einzelnen Dörfern des Landes (g, unten) 
zu ermöglichen. Ob dieses System gut funktioniert hat, ist eine andere 
Frage. Becker (P. Heid. III S. 37) hat darauf aufmerksam gemacht, daß 
in den Heidelberger Papyri 5 und 6 (256) in der 8. Indiktion die Steuer- 
ansage für die 6. erfolgt. Auch die Korrespondenz des Statthalters mit 
Basilius spricht beständig von Unordnungen in der Steuerzahlung. 

§ 1. DIE STEUERN. 
Das Steuersystem, wie es uns in den griechischen Texten der arabi- 
schen Zeit entgegentritt, ist in allem Wesentlichen das uns aus der byzan- 
tinischen Zeit bekannte. Wir finden dieselben Steuern und dieselben 
griechischen Bezeichnungen für sie wie früher. Neu ist nur die Ver- 
teilung auf die Bevölkerung. In der älteren Zeit des Khalifats, aus der 
die Hauptmassen unserer griechischen Texte stammen, sind die Muslimen 
nicht nur frei von der Kopfsteuer — das galt auch von den früheren 
Eroberern, den Mazedoniern und Hellenen wie den Hörnern — , sondern 



1) Darum wird auch in dem dritten Posten X(6)y(m) vfierigag (und nicht 7}(isre- 
Qccg) vitovqyiag zu halten sein. Es ist hier offenbar das ganze Bureau des Pagarchen 
in Fustät aufgezählt. 

2) Du Cange verweist auf Hesychius : oitov ro xqvoiov tL&stcu. Vgl. ebenda 
auch den caxtXXdgiog. 

'S) Der %gv6oovr\g in dem koptischen Text 1637 scheint ein Geldwechsler zu sein. 
Das Wort hat also dieselbe Geschichte wie vorher xgan£t,lxj]g. 



D. Die arabische Zeit. § 1. Die Steuern. 235 

auch von der Grundsteuer, was später geändert wurde. 1 ) Für die Frage, 
wie die griechischen Bezeichnungen für die Steuern den arabischen ent- 
sprochen haben, verweise ich auf Becker, P. Heid. III S. 37 ff. und Bell, 
Lond. IV S. 167 ff. 

Die gesamten Steuern 2 ) werden in unsern Urkunden geschieden in die 
dr){io6icc, die ordentlichen Steuern, und die s^tQccÖQdLvcc — eine Termino- 
logie, die uns auch in den Texten der byzantinischen Zeit (z. B. in Cair. 
Cat. 67054) entgegentritt. Vgl. oben S. 222. Die drj{i66iec wurden wieder 
geschieden in die Geldsteuern (j / Qv6i%ä dr^ioßia) und die Naturalsteuern 
(ifißolif). Auch diese Termini wurden oben aus Oxy. 126 (180) für die 
byzantinische Zeit festgestellt. Dagegen fehlen jetzt die ebendort er- 
wähnten Unterarten der %Qv6ixd, die xavovixd und aQxuQixd. Zu den 
XQVGixd gehören die Grundsteuer {ßrniööia y^g oder drjfiöeia im prägnanten 
Sinne) und die Kopfsteuer (tö didygacpov), zu denen die dandvca hinzu- 
treten. Über die Gewerbesteuer, die parallel der Grundsteuer zu stehen 
scheint, liegen bisher nur wenige Nachrichten vor. Vgl. Bell zu Lond. IV 
1419, 1215. Dagegen haben wir namentlich in den Accounts and regisiers 
von Lond. IV sowie auch in P. Klein, Form, für die Grundsteuer und die 
Kopfsteuer ein reiches Material. 

Diese Grundsteuer wurde durchweg entsprechend der Zuweisung zu 
den iQvöixd in Geld gezahlt, woraus sich die besondere staatliche Für- 
sorge für den Verkauf des Getreides der Produzenten erklärt. 3 ) Selbstver- 
ständlich hing der Steuersatz von der Qualität des Bodens ab, doch an 
Stelle der zahlreichen feineren terminologischen Unterschiede der früheren 
Zeiten scheinen hier nur die Gegensätze zccd-ctQu und %EQ6og zu be- 
gegnen. Außerdem kam natürlich die Art der Bewirtschaftung in Be- 
tracht. Vgl. z. B. Lond IV 1339, 7: ev d^ineXo) xccl iv 6jcoqC(ic3 yijg. 
Über die Steuersätze (z. B. 1 Solidus für 4 Aruren), vgl. Bell S. 170. Wer 
kein Land zu versteuern hat, heißt dtsk^g und hat nicht nur Kopfsteuer, 
sondern auffallenderweise auch die Naturalsteuer (t'/^oAr/) zu zahlen. Er 
mußte also dies Getreide kaufen. 

Die Kopfsteuer bekam einen neuen Inhalt, insofern der Zahlende 
vertragsmäßig ein Schutzgenosse der Muslimen wurde, wofür er den Ge- 
setzen des Islam sich zu unterwerfen gelobte. Nur Christen und Juden 
(später auch Perser), die heilige Schriften hatten, wurden zu diesem Schutz- 
verhältnis zugelassen. 4 ) Frauen, Kinder, Sklaven und Wahnsinnige waren 
frei. 5 ) Aus dieser Beschränkung auf die Männer erklärt sich der | neue) 



1) Vgl. Bell, Lond. IV S. 167. 

2) Vgl. Bell 1. c. p. XXV ff und 166 ff. Becker, P. Heid. III. 

3) Vgl. hierzu Becker, P. Heid. III S. 51 ff. 

4) Vgl. die interessanten Ausführungen von Karabacek, Fükr.PK S. 170 f. 

5) Genaueres bei Karabacek 1. c. 



236 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

Ausdruck ccvögiöfiog in Lond. IV. Vgl. Index S. 599. Im übrigen wendete 
man den aus der byzantinischen Zeit (s. oben S. 221) übernommenen 
Ausdruck diuyQacpov an. 1 ) Welche Rolle das xscpcd( ) für die Be- 
rechnung der Kopfsteuer spielt, ist mir auch nach Beils Darlegungen 
S. 171 noch nicht klar geworden. Er bildet das sonst unbekannte Wort 
xscpcchöfiög. Sollte hier nicht der byzantinische Begriff caput, capitatio 
vorliegen? Vgl. oben S. 221 ein Beispiel für vneQ xecpaXrjg aus byzan- 
tinischer Zeit (und zu Rein. 57 in Kap. VIII). Die Hauptschwierigkeit 
liegt hier in der Inkongruenz der Zahlen in Texten wie Lond. 1426. 

Über die jetzt nach Fustät abgeführte ifißoXrj ist Kap. IX zu ver- 
gleichen. 

Unter den Extraordinaria begegnet in Lond. IV 1357 (298) die be- 
rüchtigte „Luftsteuer" (dsQixa) des Justinian. 

Neben allen diesen Steuern spielen auch in dieser Zeit die persön- 
lichen Zwangsleistungen (ayyttQilau usw.) eine große Rolle, worüber Kap.VIII 
zu vergleichen ist. 

§ 2. DIE STEUERVERANLAGUNG. 
Nach Beils Darlegungen ist der Modus der gewesen, daß der Statt- 
halter für die einzelnen Pagarchien die Gesamtsummen für drjfioöia und 
i{ißoXrj ausschrieb, worauf nun die Pagarchen die Verteilung der Gesamt- 
summe auf die einzelnen Steuern (Grundsteuer, Kopfsteuer usw.) vorzu- 
nehmen hatten. Die vom Statthalter in die Pagarchien geschickten evtayua 
(s. unten) nennen in der Tat nur die Summen für die drj^iößia und etißoXrj, 
ohne jede Spezialisierung. Auf diese Weise ist es eben möglich gewesen, 
die alten byzantinischen Steuern beizubehalten. Dem Brief, in dem der 
Statthalter dem Pagarchen das Ergebnis der Steuerveranlagung mitteilte, 
legte er die Spezialanweisungen an die einzelnen Ortschaften bei, für deren 
Weiterbeförderung und Ausführung also der Pagarch zu sorgen hatte. 
So heißt es z. B. in einem Brief an den Pagarchen Lond. 1335, 7: xccl xä 
xovxcav ivxäyia Ttoi^öavxsg] rolg xäv %(oqlcjv (Dörfer) ijie^afisv 6ov 
kv&i^evoi] si'.g ccvxd xxX. Von den hier mitgesandten ivxäyta ist uns 
eines in Lond. 1407 erhalten. Es liegen uns solche Steueransagen des 
Statthalters an Ortschaften (mit der Formel sXa%Ev vplv) in P. Heid. III 
n. 5 und 6 (256) wie in den ebendort S. 108 ff. edierten Straßburger 
Papyri a — m in arabischer und griechischer Sprache vor. Während in 
diesen Texten dr]{i66ia und Eußoh] angekündigt werden, gebrauchen andere 
Anweisungen auf andere Abgaben oder Zwangsleistungen Formeln wie 



1) Dies didygucpov ist nur eine jüngere Form für SiayQacpt] , wie jetzt xarayya- 
qpov üblich wird neben xaraypaqpTy. In der letzten byzantinischen Zeit gingen beide 
Formen nebeneinander, wie Bell S. 169 gezeigt hat. Daß die diaygcccpri in den byzan- 
tinisch-arabischen Texten nicht allgemein „Zahlung", sondern eine bestimmte Steuer 
bedeutete, hatte ich schon in den Gr. Ostraka I 107 Anm. 1 betont. 



D. Die arabische Zeit. § 2. Die Steuerveranlagung. 237 

rtccQa6%eTS, ns^axe xxa. Vgl. z. B. Lond. IV 1407 — 1410 und dazu 
Becker, Z. f. Assyr. 20, 84 ff., auch Bell, Arch. V 189 ff. 

Die Reparation der Gesamtsumme der Pagarchie auf die Ortschaften 
und weiter auf die einzelnen Kontribuenten fand in den einzelnen Ort- 
schaften statt und zwar unter Oberleitung des Pagarchen. Über diese 
Repartitionsarbeiten gibt interessante Aufschlüsse Lond. IV 1356 (254), 
der speziell von dem ^oiQaö^idg der E^xQccÖQÖiva und dyyaQslat handelt. 
Danach hatten die Dorf behörden , die fist^ovsg und TtQcoxEvovxeg , ver- 
trauenswürdige Männer für die Repartition auszuwählen (iitiley£6d-cci). 
Wenn ich nicht irre, handelt dieser Text speziell von der Repartierung 
auf die Dörfer (vgl. meinen Kommentar). Daß aber dieselben S7tilE%&£v- 
xsg auch die Repartierung auf die Kontribuenten vornahmen, zeigen die 
in großen Papyrus-Codices uns erhaltenen fisgiß^ioC, die für die einzelnen 
Dörfer angelegt waren (Lond. 1419 ff.). Als Beispiel gebe ich das Kopf- 
stück von Lond. 1420: -+- Uvv &(£<&) ^i£Qi6[ib(g) %qv<5i%£ov dr^Lo(6Cav) 
(IUvte) \IlE\di{ad(ov) uvaxofaxfig 1 ) x&[ir](g) }4(pQ[o]d(LXG)) l(y)d{ixxlovog) 
y y€vccfis{vog) fi(rjvl) n(a)v(vi) xd i(v)ö(ixTlovog) s 2 ) d(iä) ®£oöcoqov (xal) 
&oiß(d(i[i(avog) BCxT(oQog) cbrö 'AyCov IIivov(xlovog) £7tik£%fr(ivx(ov). Idnb 
ÖTjfio^öCav) yfig uQ(C)d-(}iiu) vo(^iLöiidxia) p§§ /3/, dnb diayQdcpov 6v(ofidxcjv) 
Qf ap(£)(r(fua) vo(iii6}iuticc) öX. rC(v£xai) td 6cp£ik{ovxa) dvv6&(fjvocL) 
(xui) x(axu)ßl(ri)ftri(yai) sl(ß) *(ö) xaßliov vo(fiL6fidxia) x^C, ß/. (Kai) 
koycp iiißoX[rj(g)] d l(v)d(txxLovog) s ) öC(xov) aQx(dßai) Q^ia. Nun folgt 
mit der Überschrift 8t86ii£{va) (d. h. was gegeben werden soll), die 
Spezialisierung für die einzelnen Personen. Es sind also die von 1356 
bekannten e , itLX£%Q , ivxsg , die in dieser Weise den fi£Qi6{i6g hergestellt 
haben. Das Ergebnis für den einzelnen Kontribuenten wurde diesem durch 
die Behörden in evxdyia mit der Formel iXa%iv 6ol mitgeteilt. Mehr- 
fach ist es der Pagarch, der diese Mitteilung macht. Solche evxdyia 
liegen z. B. vor in P. Klein. Form. 260, 1180, 1183, 1184 usw. Vgl. 
übrigens Bell p. XXVII Anm. 5. Wie P. Lips. 103 (257) zeigt, hatten die 
einzelnen Kontribuenten xaxayqayaX x&v ovvxskov^ivov unter Eid einzu- 
reichen, d. h. Listen der von ihnen zu zahlenden Steuern. Etwas Ahnliches 
kennen wir aus früheren Perioden nicht. 4 ) Nach dem koptischen Papyrus 
Führ. PR 577 hat es auch Objektsdeklarationen gegeben. 

Voraussetzung für diese Repartitionsarbeiten war, daß auch damals 
wie früher Bevölkerungslisten und Kataster geführt wurden. Aas der 
arabischen Literatur ist bekannt, daß der Eroberer Ägyptens Amru ibn 

1) Zu diesen Dorfnamen vgl. Bell, Lond. IV p. XIV. 

2) Auch hier findet die Repartition 2 Jahre nach dem Steuerjahr statt wie in 
dem oben S. 234 erwähnten Fall. 

8) Die tfißolrj wird für das letzte Jahr gezahlt. 

4) Hängt das mit dem zusammen, was eine alte Chronik bei Becker, Beiträge 
n 91 erzählt: „wenn sie nicht einbekannten, was sie bezahlen wollten"? 



238 Kapitel V. Das Steuerwesen. 

el- r Asi eine Volkszählung veranstaltete, die abgesehen von Alexandrien 
über 6 Millionen Kopten ergab, ohne die Greise, Weiber und Knaben. 
Diese Zählungs weise zeigt, daß sie für die Kopfsteuerrechnung durch- 
geführt war. Eine zweite Volkszählung ist im VIII. Jahrh. veranstaltet 
worden. Diese ergab: mehr als 10000 Dörfer (das kleinste mit nicht 
weniger als 500 Pflügen) und 5 Millionen kopfsteuerpflichtiger Kopten. 1 ) 
Während also richtige Volkszählungen nur ganz selten gemacht wurden, 
müssen Bevölkerungslisten für die Zwecke der Steuerveranlagung natür- 
lich beständig geführt und evident gehalten sein. Derartige Listen setzt 
z. B. Lond. IV 1338 (255) voraus. Ebenso werden auch Kataster ge- 
führt und evident gehalten worden sein, worauf derselbe Papyrus an- 
spielt. Zu einer völligen Neuvermessung des gesamten Bodens ist es erst 
im J. 724/5 gekommen. 2 ) 

§ 3. DIE STEUERERHEBUNG. 

Der Grundgedanke scheint — soweit ich mir nach meiner noch ge- 
ringen Kenntnis ein Urteil erlauben kann — der gewesen zu sein, daß 
die Pagarchen dem Statthalter mit ihrem Vermögen und ihrem Leben 
(il>v%rf) für den Steuereingang ihrer Pagarchie hafteten. Unter den Briefen 
des Qorrä an Basilius sind mehrere, die ihn z. T. unter Androhung der 
letzten Konsequenzen, z. T. auch mit milden Vorstellungen der Pflichten 
eines getreuen Dieners zur Ablieferung der fälligen Steuern ermahnen. 
Als besonders lehrreich erschienen mir Lond. IV 1338 (255), 1339, 1349 
(284), 1380 (285), 1394. Diese Briefe, in denen uns islamische Welt- 
anschauung in griechischer Sprache entgegentritt, sind von eigenem Reiz. 
Häufig wird der Pagarch aufgefordert, die Beträge selbst zu überbringen. 
Im übrigen hat er, wie oben erwähnt, in Fustät einen gleichfalls mit 
seiner Person haftenden Stellvertreter. Die Steuern aus den einzelnen 
Dörfern werden also zunächst an den Pagarchen gezahlt sein, der dann 
die Ablieferung nach Fustät auszuführen hatte. Die Erhebung erfolgte 
auf Grund der Repartition — cenb {iSQiöfiov, wie es in den Quittungen 
so häufig heißt. Vgl. P. Klein. Form. 740 (286). Ein großes noch un- 
verarbeitetes Material an Steuerquittungen liegt in P. Klein. Form. vor. 
In Lond. IV begegnet von dem alten Erbeberpersonal nur der vTcodt'xrrjg. 
Daß der Exaktor und die E7ii[islr}Tcci verschwunden sind, erklärt sich durch 
die Beseitigung der Kurien. An die Stelle der früheren Quadrimenstruen 
ist jetzt nach Beils Darlegung die Zahlung in zwei halbjährlichen xcctcc- 
ßokat getreten. , 



1) Diese Angaben nach Karabacek im Führ.PR S. 152. Gegen die überlieferten 
Zahlen hat Bedenken Becker, Beiträge II S. 116. 

2) Dies nach Karabacek, Führ.PR n. 597. Vgl. Becker, Beiträge II 107 ff. 



KAPITEL VI. 

INDUSTRIE UND HANDEL. 

Das reiche Material, das die Papyri für die Erforschung von In- 
dustrie und Handel Ägyptens bieten, ist bisher in zusammenfassender 
Weise noch nicht verarbeitet worden. Nur einzelne Fragen haben schon 
eine gründlichere Behandlung- gefunden. Das gilt namentlich von den 
Monopolen, über die ich daher hier an erster Stelle berichten will. Im 
übrigen muß ich mich darauf beschränken, auf die Probleme hinzuweisen, 
die wir durch gründliche Verarbeitung des gesamten Materials fördern zu 
können hoffen dürfen. 

§ 1. DIE MONOPOLE. 

Grundlegend ist Grenfells Kommentar zum Rev. P. 1896 (s. auch Mahaffys 
Einleitung). Vgl. ferner: Wilcken, Deutsche Literaturzeit. 1897, 1015ff. Griech. 
Ostrakal 266 ff. (ö&oviriQa), 634ff. (Bankmonopol). — Rostowzew, "Woch. klass. Philol. 
1900, llöff. Geschichte d. Staatspacht (1902) 342, 411f. Gott. Gel. Anz. 1909, 630ff. — 
C. Wachsmuth, Jahrbb. f. Nationalök. u. Stat., 3. Folge, XIX, 800ff. — Otto, Priest, 
u. Tempel I 292 ff. 300 ff.; II 287 u. ö. — IL Maspero, Les financ. de l'Eg. sous les 
Lagides (1905) COff. — Bouche-Leclercq, Hist. d. Lagides III 237tf. 

Neben den Steuern und Zöllen haben die Monopole, wie wir erst 
seit kurzem gelernt haben, im Haushalt der Ptolemäer und Kaiser eine 
wichtige Rolle gespielt. 

Das Wort „Monopol" begegnet zum ersten Male bei Aristoteles in 
jener Stelle der Politik, die für die Monopole der griechischen nölsig 
grundlegend ist (14, 6 p. 1259a 20ff.): "E6xi ö\ aönsQ tlitopev, xa&ölov 
xb xotovxov %Qr)iictTL6tix6vi eäv xig dvvrjxcu yiOvoitaXiav avxä xaxafixevd&iv. 
Aib xul x&v 7c6Xscov eviai xovxov noiovvxui xbv tiöqov, orav änoQ&6i 
XQrjudxav, yiovonaUav yag xav avicov tiolovglv. Danach haben die 
griechischen Staaten sich nur im Falle der wirtschaftlichen Not und also 
vorübergehend dieses Eingriffes in die freie Konkurrenz bedient, und ferner 
handelt es sich bei ihnen nur um ein Verkaufsmonopol, was ja auch der 
Name besagt. Zu dieser aristotelischen Aussage stimmen im großen und 
ganzen die wenigen Fälle, die uns von griechischen Staatsmonopolen, 



240 Kapitel VI. Industrie und Handel. 

namentlich durch Ps. Aristoteles' Oeconomica und Inschriften bekannt 
geworden sind. 1 ) 

Während die Polis trotz ihrer „ökonomischen Tyrannis" (Jak. Burck- 
hardt) bei diesen Formen des Monopols im allgemeinen stehen blieb, hat 
der Absolutismus des hellenistisch -ägyptischen Königtums das Staats- 
monopol wesentlich umgestaltet: statt des vorübergehenden Monopols dort 
finden wir hier dauernde, die durch Jahrhunderte zu verfolgen sind, und 
neben dem bloßen V^erkaufsmonopol dort finden wir hier auch Produk- 
tions- und Verkaufsmonopole, und während dort die Monopole von der 
Bürgerschaft für die n6Ug, d. h. wieder die Bürgerschaft beschlossen 
wurden, wurden sie hier von den omnipotenten Herrschern ganz aus- 
schließlich im Interesse ihres ßccöifaxov, ihres Fiskus dekretiert, wobei 
die Rücksicht auf die privaten Interessen nur so weit galt, als es im 
Interesse des Königs lag, wirtschaftlich kräftige Steuerzahler als Unter- 
tanen zu haben. Wie weit auf diese Entwicklung etwa Monopole der 
vorgriechischen Zeit Ägyptens mit eingewirkt haben, kann ich nicht 
sagen, da diese Fragen von ägyptologischer Seite m. W. noch nicht ge- 
klärt worden sind. 

Trotz der wertvollen neuen Aufschlüsse der letzten Zeit sind wir 
doch noch weit davon entfernt, eine gesicherte Einteilung der ägyptischen 
Monopole geben zu können. In vielen Fällen ist es überhaupt noch 
strittig, ob Monopol oder nur Beteiligung des Königs am Betriebe (in 
königlichen Manufakturen oder sonstwie) vorliegt, und bei den sicheren 
Monopolen wieder scheinen die Betriebsformen sehr verschiedene gewesen 
zu sein. Wenn irgendwo, so ist für diese Frage eine Erweiterung unseres 
Materials, freilich auch eine immer noch fortschreitende Vertiefung in das 
schon vorhandene dringend nötig. So soll hier zunächst nur der histo- 
rische Verlauf unserer Forschungen dargestellt werden. 

Die Grundlage verdanken wir Grenfells Ausgabe des Revenue-Papyrus 
(1896). Hier steht von Kol. 38 — 72 eine Verordnung des Königs Ptole- 
maios II Philadelphos betreffend das Ölmonopol, aus seinem 27. Jahre 
(= 259/8). 2 ) Der Text ist so umfangreich, daß ich unten nur den Haupt- 
teil vorgelegt habe (299). Das Studium von Grenfells Kommentar bleibt 
so wie so die unerläßliche Vorbedingung für jeden, der sich in diese Fragen 
hineinarbeiten will. Indem ich für den Gedankengang dieses Aktenstückes 



1) Vgl. hierzu K. Riezler, Über Finanzen und Monopole im alten Griechenland 
(1907) 50 ff. Seine Ausführungen sind wirtschaftsgeschichtlich sehr anregend, wenn 
auch seiner Interpretation der Oeconomica nicht in allen Punkten zugestimmt werden 
kann. 

2) Es liegt uns hier die Gestalt der Verordnungen vor, die nach Revision derer 
vom 26. Jahre für das 27. erlassen sind. Die Grundzüge sind viel älter, stammen 
wohl schon von Ptolemaios I Soter (vgl. Deutsche Lit.-Z. 1897, 1017). Bestätigend 
tritt jetzt P. Hib. 43 vom Jahre 261 hinzu. 



§ 1. Die Monopole. 241 

auf 299 verweise, beschränke ich mich hier darauf, die Grundzüge der 
Organisation dieses Monopols im allgemeinen zu charakterisieren. 

Das Ölmonopol tritt uns als ein Produktions- und Verkaufsmonopol 
entgegen. Als Produktionsmonopol ist es insofern kein „vollständiges", 
als zwar die Privatkonkurrenz ausgeschlossen ist (Col. 49), aber den Tem- 
peln wenigstens die Produktion des Sesamöles, soweit sie dessen zum 
Verbrauch bedürfen, natürlich unter strengster Kontrolle und mit der 
Maximalgrenze einer zweimonatlichen Betriebszeit gestattet ist (Col. 50, 
20 ff.). Dies Tempelprivileg ist historisch wahrscheinlich so zu erklären, 
daß vor der griechischen Herrschaft die Ölproduktion in den Händen der 
Priesterschaft konzentriert gewesen war, so daß in Wahrheit eine Be- 
schränkung der priesterlichen Produktion zugunsten des Fiskus vorliegt. 1 ) 
Als Verkaufsmonopol ist es aber ein vollständiges, da auch den Priestern 
jeglicher Verkauf untersagt ist (Col. 51, 24ff.). 

Das Produktionsmonopol umfaßt das Sesamöl, das Krotonöl (ägyp- 
tisch xfat), ferner das Knekosöl (Safloröl), Kürbisöl und Leinsamöl 
(= Lampenöl). Eine Olivenkultur hat es zwar schon damals — wenig- 
stens hie und da — in Ägypten gegeben, wie uns jetzt P. Hib. 49 (vom 
J.257) gezeigt hat, aber diese Oliven scheinen nicht zu Ol verarbeitet worden 
zu sein. 2 ) Sonst hätte der König damals jedenfalls auch das Olivenöl in 
sein Monopol einbezogen. 3 ) Der Anbau jener Pflanzen, die Monopolöl 
ergaben, stand unter strenger Kontrolle des Königs. Auf Grund der 
amtlichen Feststellung des Ölkonsums in Alexandrien und im Lande wurde 
genau berechnet, wieviel Aruren in jedem Gau mit den einzelnen Öl- 
früchten zu bestellen seien. Danach erfolgte in jedem Jahre beim Aus- 
schreiben der Monopolpacht 4 ) eine tabellarische Übersicht über den 01- 
fruchtanbau in den Gauen des Landes, wobei zugleich verfügt wurde, 
wieviel davon nach Alexandrien, das natürlich vom Lande verpflegt werden 
mußte 5 ), zu liefern sei (60, 18 — 72). Wie nun innerhalb des Gaues diese 
Verpflichtung zum Ölfruchtanbau auf die einzelnen Ländereien verteilt wurde, 
darüber haben wir keine genaueren Nachrichten. 6 ) Das steht aber fest, daß 
auch die königliche Domäne dazu herangezogen wurde 7 ) — möglicher- 



1) So Rostowzew, GGA 1909, 631. 

2) Zu Augustus' Zeit wurde Olivenöl iui Faijüm, aber nur hier, und dazu übel- 
riechendes produziert, während die Oliven bei Alexandrien nicht zu öl verarbeitet 
wurden (Strabo XVII p. 809). 

3) Als später die Olivenkultur zugenommen hatte (s. vorige Anmerkung), haben 
die Kaiser wenigstens die Fabrikation des Olivenöls nicht dem Monopol unterworfen. 
S. unten S. 250. 

4) Vgl. TtQ0Kr\QV%Q'si6äiv in 57, 9. 
6) Vgl. Kap. IX. 

6) Nach Teb. 5, 193ff. kamen hierfür in Betracht die KXr\QOv%iv.r\ (yf)), die iegd 
und r) cillr}. 

7) Vgl. P. Cairo in Arch. II 81 (304). Vom Zwange handelt auch P. Ashmolean, 



242 Kapitel VI. Industrie und Handel. 

weise in sehr großem Umfange. Die Gewinnung der Rohprodukte, die 
die ysagyoC ausschließlich an den König verkaufen durften, und zwar 
zu den vom König festgesetzten Preisen, sowohl die Aussaat wie die 
Ernte, stand unter ständiger Kontrolle der königlichen Beamten und 
des Monopolpächters. Dasselbe gilt von dem zweiten Akt, der Ölpro- 
duktion in den königlichen Ergasterien, die vom Oikonomos einzurichten 
waren. Hier hat das Interesse des Monopols zu der als Parallele zur Ent- 
wicklung des Kolonats sehr interessanten Erscheinung geführt, daß die 
Olarbeiter (eXcuovQyoC), wiewohl sie freie Männer waren, die auf Akkord 
arbeiteten (xdteQyov, Col. 45), in ihrer Freizügigkeit beschränkt wurden: 
die einmal für den Gau angesetzten Arbeiter durften ihn unter Androhung 
schwerer Strafen nicht verlassen (Col. 44). *) Den Schlußakt bildet der 
Verkauf des produzierten Öles, der in der Weise gehandhabt wurde, daß 
der Verschleiß durch das ganze Land in Städten und Dörfern an Klein- 
händler (xu7trjXoi, eXcuoTtcbXca, i^SiXrjcpörsg xi]v diadsöLv etc.) auf dem Wege 
der Pacht vergeben wurde, die den Erlös an den Oikonomos abzuliefern 
hatten (Col. 47, 10 ff.). Vgl. S. 349. Zu welchem Preise im Kleinhandel die 
verschiedenen Ölsorten zu verkaufen waren, wurde in jedem Jahre vom 
König festgesetzt (Kol. 40, 8 ff.). Welcher Art die Bedingungen waren, 
unter denen diese xdizrjXot, den Verkauf übernahmen, darüber bietet der 
Revenue-Papyrus nichts. Eine Vermutung hierzu vgl. in Grenfells Kom- 
mentar S. 197, wonach z. B. beim Verkauf des Sesamöles zu 48 Drachmen 
die Kleinhändler einen legalen Profit von 6 Drachmen gehabt hätten. In 
der Praxis haben sie oft unerlaubten Vorteil sich verschafft, indem sie vom 
Publikum höhere Preise als die staatlich vorgeschriebenen erhoben. Vgl. 
hierzu Petr. II 38 (b) (300) und Lille 3 III 55 ff. (301). Von der monat- 
lichen (jvvra&g, die die iXaioxd7trjXot vom Staat nach Petr. III 86 S. 219 
erhielten, berichtet der Revenue-Papyrus (in dem uns vorliegenden Zu- 
stand) nichts — was prinzipiell für manche andere Streitfrage von In- 
teresse ist! Ob der König außer dem von ihm normierten Verkaufspreise 
auch noch eine besondere Ölsteuer (iXa'Cxrj) von den Konsumenten erhoben 
hat 2 ), oder ob der Gewinn des Königs allein durch den Verkaufspreis 
herauskam, ist eine der vielen Fragen, die vor allem durch die Zerrissen- 
heit des Rev.-P. noch dunkel sind. 3 ) Falls, wie ich glauben möchte, 
die erstere Alternative die richtige ist, so dürften die Bestimmungen 
in Rev. P. 56, 14 — 16 auf diese Ölsteuer zu beziehen sein, zumal Gren- 
fells Deutung dieser Worte auf die Einfuhrzölle (s. unten) vor allem 



der wahrscheinlich königliches Land betrifft. Vgl. Wilcken, Arch. I 165 ff., Wachs- 
muth 1. c. 789. 

1) Vgl. hierzu Rostowzew, Zur Gesch. d. Kolonats 66 und unten S. 348. 

2) Vgl. die ce.Xiv.rj Griech. Ostr. I 143 f. 

3) Vgl Wachsmuth 1. c. 801; Rostowzew, Staatsp. 411. 



§ 1. Die Monopole. 243 

dem Bedenken unterliegt, daß diese Einfuhrzölle nur in den Einfuhr- 
häfen erhoben wurden (Col. 52). Dasselbe Bedenken spricht gegen Gren- 
fell-Hunts Deutung der i^siXr^öxsg xr\v dtäd-£6i[v xal xb x^sXog xov 
iXaCov (von Kerkeosiris) in Teb. I 38, 10 (303), wonach sie in dem xsXog 
wieder den Einfuhrzoll sehen müssen, denn das von den yeaoyoC erhobene 
xsXog von den Rohprodukten ist schon durch xeXog xov iXaCov aus- 
geschlossen. Mir scheint es geradezu nötig, außer diesen beiden von Gren- 
fell-Hunt erwogenen xeXrj hier an ein drittes xiXog zu denken, und das 
kann dann kein anderes sein als jenes der ccXuti] entsprechende, die 01- 
steuer. Dieser Text aus Tebtynis lehrt uns dann in seiner Nebeneinander- 
stellung von diadsöig (Verkauf) und xsXog, daß die Olsteuer nicht auf 
den Kaufpreis geschlagen war, sondern extra erhoben wurde. Wir lernen 
ferner aus ihm, daß die Erhebung der Olsteuer in den Dörfern zugleich 
mit dem Ölverschleiß von den sXaLoxccTttjXoi, übernommen wurde — wenig- 
stens am Ende des IL Jahrhunderts v. Chr. — , eine Einrichtung, die nur 
als praktisch bezeichnet werden kann. Der Rev.-P. ergibt hierüber nichts 
Direktes. Die Worte 56, 14 ff. sind wohl damit vereinbar, unter der Vor- 
aussetzung, daß die xditrjXoi oder wer sonst damals diese Steuer erhob, 
die xsXog- Einnahmen immer direkt an den Monopolpächter abführten. 
Aber ich verkenne nicht, daß diese Erklärung noch sehr ungenügend be- 
gründet ist. 

Damit das Monopol dem König den gewünschten Ertrag bringe, war 
aber nicht nur die einheimische 1 ), sondern auch die ausländische Konku- 
renz fernzuhalten. So war denn die Einfuhr ausländischer Öle verboten 
resp. durch Schutzzölle erschwert. Einführung fremder Öle ins Land zum 
Verkauf wurde durch Konfiskation der Ware und hohes Strafgeld ver- 
hindert, Einführung zum Gebrauch war gegen Zahlung eines Zolles, der 
25 °/o des Wertes des besten einheimischen Öles betrug (12 Drachmen pro 
Metretes) gestattet (Col. 52). Die Bestimmungen über die Einfuhr nach 
Alexandrien in Kol. 50, 7 ff. sind leider unvollständig erhalten. Da voraus- 
zusehen war, daß diese gesetzlichen Bestimmungen in der Praxis um- 
gangen würden, war den Monopolpächtem und ihrem Personal das Recht 
gegeben, im Falle, daß sie Schmuggel ausländischer Öle oder geheime 
Privatproduktion vermuteten, Haussuchungen vorzunehmen (Col. 55, 17 ff.). 
Durch andere Papyri erfahren wir denn auch, daß in der Tat oft ge- 
schmuggelt worden ist. Vgl. Hib. 59 (302), Teb. I 38 (303), 39. 

Die Durchführung der Monopolgesetze lastete, abgesehen von den 
königlichen Beamten, vor allem auf den Monopolpächtern (6 xyjv sXul- 



1) Außer dem schon oben erwähnten Ausschluß der privaten Produktion und 
der Beschränkung der priesterlichen ist bemerkenswert der Kampf gegen die Surro- 
gate (50, Uff.). 



244 Kapitel VI. Industrie und Handel. 

xrjv 1 ) eypv o. ä.), die bei den sämtlichen Prozeduren, von der Gewin- 
nung der Rohprodukte bis zum Olverkauf, unter ständiger amtlicher Kon- 
trolle, an der Seite eines vom Oikonomos gegebenen uvriyQ<x.(psvg, nach 
den im Gesetz vorgeschriebenen Bestimmungen zu fungieren hatten. Es 
ist eine der schwierigsten Fragen, wie die Übernahme dieser Monopol- 
pacht überhaupt Pachtlustige anlocken konnte, da alle wesentlichen Fak- 
toren der Rechnung — Umfang der zu besäenden Aruren, Preise der Roh- 
produkte, Höhe des rikog von der Artabe, Höhe des Verkaufspreises etc. — 
vom Gesetz festgelegt waren und daher der Spekulation keinen Raum 
gaben. 2 ) Wenn die obige Vermutung, daß es außer dem Ölverschleiß eine 
Olsteuer gegeben hat, richtig ist, so wird das Problem vielleicht von hier 
aus verständlicher werden. Der sogenannte Monopolpächter, der übrigens 
die Pacht für einen ganzen Gau übernimmt (6 ocyoQccßccg xbv vo[iov), wäre 
dann formell in erster Reihe der Steuerpächter dieses tsXog z ), und erst so, 
glaube ich, verstehen wir den Satz (Rev.-P. 56, I4f.): ol de 7tQid(i£voi, xv\v 
avf]v eyyvovg xccTadti'jöovöi täv icpeixoör&v, der eine genaue Parallele 
zu den Bestimmungen über den Steuerpächter in Rev.-P. 34, 2 ff. wie 
auch Par. 62 I 13 ff. bietet: wir begreifen, daß er für diese Konsumsteuer 
dem König ein Pauschale bieten konnte 4 ), und haben nach Analogie 
jener Stellen (namentlich Par. 62 I 13 ff. verglichen mit V 3 ff.) zu folgern, 
daß er, auch wenn er nur sein Pachtangebot richtig ablieferte, schon ein 
ötycbviov von 5% (i m ü. Jahrh. wahrscheinlich von 10°/ > s. oben S. 184) 
vom König erhielt. Für seine besonderen Dienste aber, die er, abweichend 
von den gewöhnlichen Steuerpächtern, für die Durchführung des Monopols 
zu leisten hatte, bekam er außerdem die im Rev.-P. aufgeführten Emolu- 
mente, wie seinen Anteil am xdrsQyov (Kol. 45, 6) usw., abgesehen davon, 
daß die sehr beträchtlichen Entschädigungen, die er im Falle des Fehl- 

1) Manche gebrauchen dafür die Form iXalgä, die, soweit ich sehe, nur auf 
Ostraka II n. 1157 zurückgeht. Wiewohl graphisch hier allerdings l wahrscheinlicher 
als x ist, spricht doch wohl der Zusammenhang dafür, daß vielmehr zu lesen ist: excdga. 
Andernfalls müßte man zum mindesten tXcarjQcc. gebrauchen. 

2) Vgl. die Ausführungen von ürenfell S. 127 f 

3) Die oben erwähnten i^siXricpoxsg xb xsXog in den Dörfern dürften die After- 
pächter dieser Steuerpächter gewesen sein Daß bei der Abfassung ihrer Verträge der 
Ökonom (resp. sein Untergebener) mit dem Steuerpächter zusammen operierten (Rev.-P. 
47, 10ff.), entspricht der Bestimmung in Par. 62 III 17ff. über die anongäyLaxa. 

4) Dies wäre noch verständlicher, wenn die Steuer von dem tatsächlichen Konsum 
erhoben wurde, und nicht von dem nach Art der Salzkonskription pro Kopf vor- 
geschriebenen Minimalkonsum, den ich in den Griech. Ostraka I 144 für das Salz- 
monopol angenommen habe, und der wohl auch für das Olmonopol anzunehmen ist 
(Rostowzew, Staatsp. 411, der aber, wenn ich ihn recht verstehe, neben dem Zwangs- 
verkauf keine Abgabe anerkennt). Während ich aber 1. c. es noch für unwahrschein- 
lich hielt, daß der tatsächliche Konsum für die Steuer ermittelt sei, glaube ich jetzt, 
gestützt auf die i^eiXrjcpöxsg xi]v dtä&aoiv xat xb te'Aos, daß diese xänriXot eben darum 
auch das xiXog pachteten, weil sie den realen Konsum zur Berechnung dieses xiXog 
feststellen konnten. Der Minimalkonsum dagegen galt für den Verkauf. 



§ 1. Die Monopole. 245 

trittes anderer erhielt, event. ein nicht unbeträchtliches Plus ergeben 
mußten. 

Derselbe Revenue-Papyrus brachte uns noch über zwei andere Mono- 
pole Nachrichten, wenn auch nur sehr fragmentarische, über das Bank- 
monopol, das ich schon zu Nr. 181 behandelt habe, und das Otho- 
nionmonopol. Das Bankmonopol ist in der Ptolemäerzeit ein voll- 
ständiges Monopol, da wir nur vom König verpachtete Banken, nicht 
Tempel- oder Privatbanken kennen. Dagegen ist die Situation beim Otho- 
nionmonopol komplizierter. Daß hier zunächst überhaupt Monopolisierung 
vorliegt, habe ich in den Griech. Ostr. I 267 ff. aus den Fragmenten des 
Rev.-P. 87 — 107 nachgewiesen. 1 ) Aus diesem Text ergibt sich, daß der 
Flachsbau vom König ebenso kontrolliert wird wie der Ölpflanzenbau, 
daß der König ebenso wie beim Öl den Bedarf an Stoffen fesststellt (96, 1), 
daß der König die Preise 2 ) der Stoffe und ihrer Verarbeitungen zu Klei- 
dern, Kissen, Handtüchern (s. unten) usw. bestimmt, wobei zu bemerken 
ist, daß ebenso wie Linnen auch Werg und Wolle (nebst Fabrikation) be- 
handelt werden (103), endlich daß auch hier der auswärtigen Konkurrenz 
mit Einfuhrverboten (91 ff.) und Zöllen (107?) begegnet wird. Hiernach 
ist zu vermuten, daß der Verkauf der ö&övlcc (im weitesten Sinne) wie 
beim Öl ausschließlich dem König zugestanden hat, wenn wir auch direkte 
Zeugnisse dafür kaum haben. Vgl. das Straßburger Ostrakon in 308. 
Was aber die Produktion betrifft, so konnte man schon aus der Roset- 
tana erschließen, daß die Tempel an der Othonionfabrikation beteiligt 
waren und dafür dem König bestimmte Lieferungen in Stoffen (eventuell 
adaeratio) zu leisten hatten 3 ), was eine ähnliche privilegierte Stellung der 
Tempel wie beim Ölmonopol ergab. Inzwischen haben wir aber durch 
Teb. 5, 237 ff. (307) neue Nachrichten über die Tempelindustrie bekommen, 
die freilich leider nicht ganz eindeutig sind. Indem ich zum einzelnen 



1) Danach Maspero S. 7 6 ff. Nach nochmaliger Revisioa des Originals habe ich 
zu meinen Ausführungen in den Ostraka 1. c. noch folgendes hinzuzufügen: 87, 5 
Q7\vai, also CTtcc\Qfjvai oder y.a.xa6Ttcc]Qfivai Xivov y.xX. — 87, 11 virjga v.uxu. ist 
etwa so zu ergänzen: v.al ox i av Siä xavxcc 7} 6&o]vir}Q(k Kaxa[ßXaßi]i. Vgl. 40, 7. — 
93, 2 1. 'Eäv 8e rtg [sicay]dyr]i,, in 5 Es\ßsvvvx[ov xi]v~\ im&ccXccoolav (vgl. 
Wilcken, Melanges Nicole S. 590). — 94, 4 1. x8iqco[lcckxq[(ov (j]tra statt ^sigco^a 
xar[. . .] tk. Also Handtücher (^apoficmrpa). — 97, 8 1. dEJxctuvulov statt ]v upvaiov. 

— 103, 1 wohl Tt<io\tt{L£voi, in 8 wohl -neu x\ü>v äXXcov y£v[eav. — 106, 3 nicht [tje^ccav, 
das t müßte in der vorhergehenden Zeile stehen, und dies ist unwahrscheinlich. Daher 
wohl eher £qeü)v (aus Wolle), ebenso dann auch in 107, 4. Vgl. Petr. II 32 (1) 20. 

— 107, 3 Tift[i)s. 

2) Vgl^auch Hib. 51. 

3) Vgl. Griech. Ostraka I 269 zu Dittenberger, Or. Gr. I 90, 17 und 29 f. Ich be- 
ziehe jetzt den ersten Gnadenbeweis (Erlaß von | der obligaten Byssoslieferungen — 
und zwar dauernd? vgl. ovvxüIov\l{:vcov) auf den Regierungsantritt, den zweiten auf das 
Krönungsfest im 9. Jahr. Die Stellen zeigen, wie schwer diese Verpflichtung auf den 
Priestern lastete. Vgl. jetzt auch Teb. 5, 62 ff. und Eleph. 26, 27. 



246 Kapitel VI. Industrie und Handel. 

auf die Einleitung zu 307 verweise, bemerke ich hier nur so viel: 
Rostowzew 1 ) hat wohl mit Recht angenommen, daß in der vorgriechischen 
Zeit die Othonionfabrikation in den Tempeln längst eingebürgert war und 
hier in hoher Blüte gestanden hat 2 ), für die griechische Zeit aber geht 
er zu weit, wenn er sagt (S. 632): „Das Monopol des Verkaufs hat also 
der Staat, die Fabrikation betrieben die Tempel". Er selbst hat vorher 
mit Recht die vizoteleig des P. Teb. als staatliche bezeichnet, wie ich tat- 
sächlich nur staatliche vnoreXslg kenne (s. unten); also hat es neben 
der Tempelfabrikation auch eine königliche Fabrikation ge- 
geben — vgl. den Ausdruck ö&ovCav ßaöilix&v im Straßburger Ostra- 
kon — , selbst wenn die königlichen Webereien sämtlich in den Tempeln 
plaziert gewesen sein sollten, was aber nicht mit Sicherheit aus jenem 
P. Teb. erschlossen werden kann. Andrerseits bestätigt übrigens der P. Teb., 
was auch alle andern Quellen ergeben, daß den Tempeln speziell die Fabri- 
kation der feinsten Stoffe, der ßvööiva, vorbehalten war, eben weil sie 
wohl seit alter Zeit diese Kunst gepflegt hatten. Vgl. außer der schon 
zitierten Rosettana auch P. Eleph. 26 und 27. Hiervon hatten sie einen 
Teil an den König zu liefern (ßvvtsXslv) für die Erlaubnis, Bjssos fabri- 
zieren zu dürfen, im übrigen hatten sie ihr Fabrikat im Tempel, im be- 
sonderen für die Bekleidung der Götterstatuen zu verwenden. Jeglicher 
Verkauf war ihnen verboten. Soweit liegen die Dinge hier also im Grunde 
doch ganz ähnlich wie beim Olmonopol. 

Nur ein neues Moment kommt, wie mir scheint, hinzu: der König 
erlaubte auch Privaten, offenbar solchen, die technisch in diesem schwie- 
rigen Gewerbe besonders geschult waren, Stoffe zu weben, natürlich unter 
der Verpflichtung, daß sie sie nur an den König verkauften und zu den 
Produktionspreisen, die er bestimmte. Diese Privaten standen also durch- 
aus im Dienste des Monopols und gehörten zu den ■bnorslElg, unter- 
schieden sich aber von den sonstigen Monopolarbeitern dadurch, daß sie 
nicht wie diese Löhne (jutfOw) erhielten, sondern ihre Fabrikate an den 
König verkauften (für xi^ai). Die kivvyavteiu, in denen sie arbeiteten, wer- 
den ihr Privatbesitz gewesen sein, denn in Teb. 5, 238 müssen diese beson- 
ders gegen die Praktoren geschützt werden. Diese Annahme eines solchen im 
Dienst des Monopols stehenden Privatbetriebes 3 ) stützt sich außer auf 
Teb. 5, 238 (307) auf Hib. 67 (306) und 68, in deren Interpretation ich 
den Herausgebern nicht folgen kann, und P; Magd. 36 (305). Offen ist aber 
noch die Frage, ob es neben diesen im Privatbesitz geführten kvvvcpartsla 
überhaupt noch königliche sQyaßt^QLa — nach Analogie der königlichen 



1) GGA 1909, 632 ff. 

2) Auch Bouche-Leclercq, Hist. d. Lag. III 269 spricht von einem aucien mono- 
pole des temples. 

3) Vgl. auch Bouche-Leclercq, H. d. Lag. Du 270. 



§ 1. Die Monopole. 247 

sXcciovQyla — gegeben hat, oder ob etwa die ganze Othonionfabrikation, 
soweit sie nicht von den Priestern betrieben wurde, sich in eben diesen 
Xivvqxxvtsla vollzogen hat. Ein direkter Beleg für solche königlichen 
£Qycc6ri]QLa liegt bisher nicht vor, was freilich Zufall sein kann. Auf alle 
Fälle lernen wir in diesen im Privatbesitz befindlichen kLvvcpavtela eine 
wichtige Betriebsform des Monopols kennen, die eventuell auch bei an- 
deren Monopolen Anwendung gefunden haben kann. 

Das Ölmonopol und das Othonionmonopol sind die einzigen, von deren 
Organisation wir Genaueres wissen. Schon in älteren Arbeiten wurden 
außerdem mehrere Betriebe als Monopole aufgefaßt, so namentlich die- 
jenigen, deren Monopolisierung aus dem Obereigentum des Königs an 
Grund und Boden abgeleitet werden konnte, also die „natürlichen" Mo- 
nopole, wie das Bergwerksmonopol, das. Salzmonopol, das Natron- und 
das Alaunmonopol. Durch die neueren Papyrusfunde sind noch eine 
ganze Reihe weiterer, nicht natürlicher Monopole bekannt geworden, doch 
ist es in manchen Fällen, die als Monopole angesprochen sind, noch 
zweifelhaft, ob nicht nur eine königliche Manufaktur vorliegt, die neben 
einer privaten Industrie bestanden hat, und auch wo das Monopol fest- 
steht, ist es meist sehr zweifelhaft, in welcher Weise es organisiert war. 
Grenfell-Hunt und andere (wie Maspero, Bouche-Leclercq u. a.) haben mit 
Recht betont, daß es sehr verschiedene Arten von Monopolbetrieben ge- 
geben hat, wie ja auch schon zwischen Ol- und Othonionmonopol manche 
Divergenzen bestehen. Auch ist abgesehen von den gleichzeitig bezeugten 
Verschiedenheiten damit zu rechnen, daß im Laufe der Jahrhunderte 
die bestehenden Organisationen sich geändert haben. Im besonderen 
drängt sich die Frage auf, ob nicht die Römer, die die zahlreichen 
Monopole vorfanden, entsprechend den veränderten Verhältnissen sogleich 
oder später die Einrichtungen geändert haben. Leider liegen uns aus der 
Kaiserzeit bis jetzt gar keine detaillierten Nachrichten in der Weise des 
Revenue-Papyrus über dies Gebiet vor. Doch läßt sich hie und da er- 
kennen, daß der Betrieb von den Römern abgeändert worden ist. 

Die Frage nach der Ausdehnung der königlichen Monopolwirtschaft 
ist neuerdings namentlich durch einige Stellen in Teb. 5 ins Rollen ge- 
kommen 1 ), in denen eine ganze Reihe von Betrieben als in gleicher 
Weise in gewissen Hinsichten privilegiert aufgezählt werden, unter denen 
sich einige befinden, die als monopolisiert uns bekannt sind, wie das 
Gewerbe der hXcuovqyol und xixiovQyoC und auch der Xlvvyoi, ßvöGovQyoC 
und EQiovcpdvtcu (vgl. auch noxvcpoi und tavvcpdvtcci). Alle diese werden 
mehrfach als \j7toreXslg bezeichnet oder auch allgemeiner zu den hwis- 



1) Vgl. Z. I56f. , wo x&v vnoxsX&v -mal xmv (aXXav räv) iniitSTtXsyntvav zu 
emendieren ist, 170ff., 210ff., 223ff., 239ff., 249f. 



248 Kapitel VI. Industrie und Handel. 

TtXsyfisvoi talg itQOöodoig (als solche, die „mit den königlichen Einnahmen 
verflochten sind") gezählt. Nur die ßvßöövQyoC werden einmal (in Z. 245) 
in Gegensatz zu den vototsXelg gestellt, offenbar weil sie nach obigem 
nicht direkt im königlichen, sondern im Tempeldienst standen. Die Her- 
ausgeber haben aus diesem Tatbestand den Schluß gezogen, daß auch die 
anderen hier genannten Gewerbe alle monopolosiert gewesen sein müßten, 
das wären also die vocpoQßoC und %r]voßo6xoC, die iisAiööovQyoC und t,vto- 
tcoloC. Hiergegen hat Jul. Beloch (Griech. Gesch. III (1) 339, 2) allge- 
meine Bedenken erhoben, und Bouche-Leclercq (Hist. d. Lag. IH 247) hat 
mit Recht gesagt, daß die %rjvoßo6KoC (und entsprechend auch die voyoQßoC) 
viel eher als Pächter der königlichen Gänseherden auf den Domänen auf- 
zufassen sind, neben denen es auch priesterliche und private Gänsezüchter 
gegeben haben wird. Ich betone, daß in demselben Text (Teb. 5 auch 
die ßuöikixol yscogyoC, die königlichen Domanialpächter, zwar nicht zu 
den vitOTsXslg, wohl aber zu den iTtiTtsTtXeyusvot talg itQoööÖoig ge- 
zählt werden, und ihnen stehen (nach Bouche-Leclercq) die (ßaöihixoi) 
Xrjvoßoöxoi und vocpoQßoC parallel. Es stehen hier also königliche Pächter 
und Monopolisierte durcheinander, und wir können daher aus diesem Text 
allein nicht entnehmen, ob die iLsXi66ovQyoC und t,vtonotol der ersten oder 
der zweiten Klasse angehören. Ob das merkwürdige Wort vitorskrig 1 ), 
das in Gegensatz zu den ßa<5ili%ol yscoQyoC gestellt wird 2 ), ausschließlich 
auf das Monopol hinweist, ist auch nicht so sicher, wie angenommen 
wird. So möchte ich die Frage aufwerfen, ob nicht auch die Steuer- 
pächter, die wir doch sicher auch zu den ininsnXeyiLEvoi talg 7tQo66doig zu 
zählen haben, ebenso wie die Pächter im Monopolbetriebe zu den vico- 
tsXelg gehören. 3 ) Es bleibt also nichts übrig, als auf induktivem Wege 
bei jedem einzelnen Betriebe zu untersuchen, ob Indizien für die Annahme 
eines Monopols vorliegen oder nicht. Für das Verständnis der königlichen 
Großindustrie ist es aber ebenso wichtig, festzustellen, ob auch außerhalb 
der verschiedenartigen Formen des Monopols sich königliche Manufakturen 
oder Betriebe nachweisen lassen, die in Konkurrenz mit den entsprechen- 
den priesterlichen oder privaten Betrieben geführt worden sind. Diese in 
gleicher Weise zu beachten, ist um so wichtiger, als es in der Praxis 
Übergangsformen gegeben haben wird, die sich mit jenen modernen 
termini technici nicht ohne weiteres decken. Ohne Vollständigkeit zu 



1) Wie die Ausschließung der ßvaaovgyol (s. oben) zeigt, scheint es speziell die 
in königlichen Diensten stehenden zu bezeichnen. 

2) Sowohl die ßuoiXtxoi yscogyoi wie die vitorsXsig &inä iTtmsitXsyyiivoi rcclg 
itgoGÖdoig. 

3) In Teb. 40, 24 wird ein i^siXrjrpcog trjv £vtt}qccv v.ai viTQixijv Kig-ASoatgEcog als 
vitorihrjg bezeichnet, und dieser scheint eher ein Pächter der betreffenden Steuern als 
des Monopolbetriebes zu sein. Vgl. auch Par. 63, 97: rovg v-nortlüg rfjt. rs l%&vr\Qäi 
kccI furr/päi xccl talg aXXocig a>valg. Die Fischerei ist wahrscheinlich nicht MonopoL 



§ 1. Die Monopole. 249 

beabsichtigen, will ich hier in alphabetischer Folge nach griechischen 
Stichwörtern solche Betriebe aufzählen, für die königliche Monopole resp. 
Beteiligung des Königs von der Forschung erwiesen oder vermutet oder 
auch irrig behauptet worden sind. Bei der Fülle des Materials kann unten 
von den Texten nur eine engere Auswahl gegeben werden. 

"AXg. 
Wilcken, Griech. Ostr. I 141 ff. Rostowzew, Staatsp. 411. Otto, Priester 
u. Tempel II 53. Maspero, Les financ. de l'Eg. 90. Bouche'-Leclercq, Hist. 
d. Lag. III 329. Vollständiges Monopol. Verschleiß durch aXoTtäXat. Viel- 
leicht (nach Art der Salzkonskription) Zwangsverkauf eines berechneten 
Minimum. 1 ) Außerdem Konsumsteuer {aXixr^\ von der Zahlung der rifirj 
ccXbg zu trennen. Für die verschiedene Höhe des Konsums vgl. jetzt außer 
den früheren Zeugnissen Petr. III S. 264 ff. 

'AvaßoXixd. 

Rostowzew, Woch. klass. Phil. 1900, 115 erklärt dies als zusammen- 
fassenden Namen für monopolisierte ägyptische Produkte, im besonderen 
die zur Ausfuhr bestimmten. Die avaßoXixa eiXtjcpÖTtg im Edikt des Jul. 
Alexander Z. 21 faßt er danach als Monopolpächter. Vgl. vit. Aurel. 45. 
Ob der Name avaßoXixcc sie als Hauptexportgegenstände bezeichnet 
(Rostowzew), ist mir zweifelhaft, denn verfrachten (zu Schiff) heißt ifißäl- 
Xsiv, nicht avaßaXXeiv. Zur Sache vgl. jetzt den Cairener P. Thead. Inv. 
Nr. 15: uTtodsttTccL Xtvov xov legov ävaßoXixov und dazu meine Bemerkung 
Arch. IV 185. 

'Agtofiara. 

Rostowzew, Arch. IV 313 f. Monopolisierung der Gewürze (aoaucc- 
xixri): Preisbestimmung für Myrrhen durch den König in Teb. 35 (309). 
Monopol der Salbenfabrikation und des Verkaufes, belegt noch für die 
Kaiserzeit durch P. Fay. 93 (317). Über die Tonstempel mit ccQoj^axixfjg 
vgl. Rostowzew % 1. c. — Liste verschiedener Parfüms: Petr. II 34b (= III 
S. 315). 

, BaXaveia. 

Otto 1. c. I 292 II 53 nimmt staatliches Bädermonopol an, mit Privileg 
für die Tempel. 

Bcupiwq. 

Grenfell-Hunt, Teb. II S. 49 nehmen nach einem unpublizierten Pa- 
pyrus, in dem ein Pachtangebot auf ßayixrj gemacht wird, Monopolisierung 
der Färberei an. Dagegen spricht nicht, daß es ßacpstg gibt, die x £ '9 c °- 



1) Für den Zwang verweist Rostowzew treffend auf Makk. I 10, 29: ccnolva — 
anb x&v qpopcov *ai ttj? rifiTJ? xov alog. 



250 Kapitel VI. Industrie und Handel. 

vo^lov zahlen (1. c). Mir kommt vielmehr die Vermutung, daß das %ei- 
Q(ovd1-i,ov, das ja für die Ausübung des Gewerbes gezahlt wird (vgl. 
S. 171) — entsprechend etwa den Othonionlieferungen der Tempel — die 
Abgabe ist, für deren Zahlung sonst monopolisierte Betriebe auch Privaten 
freigestellt wurden. Jedenfalls können wir schon jetzt unter den %eiQa- 
vcc^lov- Pflichtigen Gewerben mehrere bezeichnen, die sicher monopolisiert 
waren. Vgl. z. B. die Liste in Arch. V 274. 

Kenyon Lond. II S. 183/4 (315) erklärte die yvatpixri für Monopol- 
betrieb. Mein Widerspruch (Arch. I 156), dem Kenyon, Class. Rev. 14, 
171 zustimmte, wurde mit Recht auf Grund einer Parallelurkunde von 
Grenfell-Hunt, P. Fay. S. 150, zurückgewiesen. Vgl. auch Teb. II S. 48. 
Anders Otto I 308, 1, der darin (wie ich früher) die Gewerbesteuer sehen 
will. Daß die Walkerei schon im III. Jahrh. v. Chr. monopolisiert war, 
zeigte ich inzwischen im Arch. III 516 an Petr. II 18 (1), vgl. III 32 (c). 
Hier ist der Ausdruck vxoTslijg auf alle Fälle für das Monopol beweisend, 
da es sich ja um einen Arbeiter (yvacpsvg), nicht um einen Pächter handelt 
(s. oben S. 248). 

AsQ[iara. 

In Petr. II 32 (1), 5 (= III S. 78) wird ein ßaöihxbv xauulov 1 ) deq- 
[p,tt\iGiv (Wyse) erwähnt, in dem ßvQöodtycu (resp. öxvrelg) arbeiten. 
Vgl. Ostr. I 294, 354. Also zum mindesten königliche Manufaktur. 

"EXaiov. 

Zum ptolemäischen Olmonopol vgl. oben S. 241 ff. Schwieriger ist die 
Frage, wie es in der Kaiserzeit organisiert war. Grenfell-Hunt, Amh. II 
S. 115, folgerten daraus, daß in der Kaiserzeit sich Ölmühlen im Privat- 
besitz befinden wie in Fay. 95, 96 (313) und Amh. 93 (314), daß ein 
wirkliches Olmonopol nicht mehr bestanden habe. In diesen von ihnen 
angezogenen Fällen handelt es sich aber um Oliven- und Rettigöl, dessen 
Produktion auch in der Ptolemäerzeit nicht monopolisiert war. Vgl. 
Arch. I 553, auch Otto I 295, 1, wogegen in anderen Fällen von privaten 
Ölmühlen sich dieser Nachweis nicht erbringen läßt. Otto 1. c. läßt daher 
die Frage, ob das Olmonopol in der Kaiserzeit bestand, unentschieden. 
Rostowzew (GGA 1909, 632) scheidet zwischen Produktion und Verkauf. 
Der Verkauf sei Staatsmonopol geblieben, die Produktion aber sei allen 
freigestellt. Ersteres ist gewiß richtig. Die zweite Frage ist noch ein 
Problem. Die große Zahl der privaten sXcuovQyla (vgl. Otto 1. c.) be- 

1) P. Meyer, z/toi'xrjffig (Festschr. 0. Hirschf.) S. 131 faßte dies irrig als Staats- 
kasse, da er die Lesung dsQ[(iä]rcov noch nicht kannte. Tafiniov kommt in der Ptole- 
mäerzeit in dieser Bedeutung nicht vor. 



§ 1. Die Monopole. 251 

weist das noch nicht, da, wenn ich nicht irre, noch in keinem Falle sicher 
ist, daß eine der Monopolsorten darin verarbeitet wurde. Die Ölpressen- 
steuer (tslog &vlcöv) beweist es ebensowenig, denn die wird auch von 
nicht monopolisierten Ölbetrieben erhoben (Amh. 93 [314]: Raphanos). 
Diese Frage lasse ich also noch offen. — Für das Verkaufsmonopol vgl. 
Amh. 92 (311). Ölmühlen in der kaiserlichen ovöCcc vgl. in Wess. Spec. 
11, 20/1 (176) und Lond. II S. 193/4 (312). 

"Eqicc. 

Die Wollweberei war nach Rev. P. 103, 2 königliches Monopol in 
demselben Sinne wie die od-ovirjQcc, unter der sie mit behandelt wird. Vgl. 
auch 106, 3 und 107, 4, wo statt 1]eqe(ov wahrscheinlich sqs&v zu lesen ist. 
Vgl. oben S. 245 Anm. 1. Daher begegnen in Teb. 5, 239 die eQiovqxxvtai 
unter den vnoTsXsig. Vgl. auch die 7t6x(vycpoL in Teb. 5, 170 f. und dazu 
Teb. 116, 22: sqlov tcö(xoi) ß. Über die Tuchfabriken der berühmten 
Kleopatra vgl. Orosius VI 19, 20, denen ein römischer Senator A. Ovinins 
vorgestanden hat. Der Ausdruck sqltiqu begegnet in P. Cairo 10449 
(Arch. 1552). 

Zvxoq. 

Ob es ein Biermonopol gegeben hat, wird von manchen bezweifelt, 
wie von Bouche-Leelercq III 248/9, Otto II 287, 1. Maspero 85 nennt 
es ein monopole fictif. l ) Ich habe der Ansicht von Grenfell-Hunt, daß 
die Bierbrauerei und der Bierverkauf monopolisiert gewesen seien (Teb. I 
S. 48 f.) im Arch. III 520 zugestimmt, weil auch die Ivroitovoi ebenso 
wie die iXaioxccjiriXoi vom König eine 6vvxa\ig bezogen (Petr. III 87 
S. 220 ff.). Aus Teb. 5, 173 allein würde ich es nach den obigen Bemer- 
kungen über vjtotsXiqg nicht mehr folgern, auch nicht aus Par. 63, 97. 
Aus dem Rev. P. Frag. 6 (a) 13 und (h)3, wo von Bier gesprochen wird, 
läßt sich nichts folgern, da nicht einmal feststeht, ob von £vt07t[G)Xai oder 
von t,vT07t\oiot die Rede ist. Für den Betrieb der Ptolemäerzeit ist das 
Wichtigste Grenf. II 39 (310), wonach ^vronoioC einen monatlichen yÖQog 
zahlten. Ich sehe jetzt in diesem (pÖQog ein Anologon zu dem qpdpog, der 
in der Kaiserzeit öfter für Monopolbetriebe gezahlt wird, d. h. den Pacht- 
zins. Diese tyronoioi haben also die Bierbrauerei vom König gepachtet. 
Es ist dies eben eine andere Organisation des Monopols als beim Ol- und 
Othonionmonopol. Für die Deutung der ^vrrjQa gibt es leider immer 
noch mehrere Möglichkeiten. Ob das Biermonopol in der Kaise